Volker Griese:

KARL MAY
Stationen eines Lebens
Eine Chronologie seiner Reisen



Sonderheft der Karl-May-Gesellschaft Nr. 104/1995
Herausgeber und Verlag: Karl-May-Gesellschaft e.V., Hamburg
Geschäftstelle: Eitzenbachstraße 22
54343 Föhren

Redaktion: Joachim Biermann, Lingen
(Druck-)Vorlagen: Volker Griese, Wankendorf
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Zum Titelbild

Die einzige zeitgenössische Abbildung (55 kB) in dieser Chronologie hat durchaus ihre Bedeutung. Wenn man den Standpunkt des Fotografen einnimmt und sich umwendet, hat man einen Blick auf den Bahnhof von Hohenstein-Ernstthal, von wo aus Karl May seine erste "richtige" Reise unternommen hat. (Archiv Peter Richter, Dresden/Uwe Neßler, Pirna)
Ein "Schweizerhaus" gibt es übrigens in Karl Mays Roman "Der verlorene Sohn" (Olms-Reprint S.219, 1402, 1729)
H. Hatzig

Die vorliegende Chronologie entstand nach einem unvollendeten Manuskript aus dem Jahre 1987 von Hansotto Hatzig.

Grade zu dieser Zeit stand unser Glück auf der Höhe.
(Emma May an Louise Achilles 12.9.1910)(1)



Vorab

Schon früh trieb es den jungen Karl May in die Welt hinaus. Seine erste Reise sollte nach Spanien führen. Im Lande der edlen Räuber eines Rinaldo Rinaldini wollte er Hilfe für die in bitterer Armut lebende Familie holen. Der Weg, den er einschlug, führte über Lichtenstein nach Zwickau. Die Reise dauerte wohl nur einen Tag, denn bei Verwandten nahe Zwickau holte ihn der Vater ein und führte seinen Sohn wieder heim.(2) Jahre später erfolgte die Ausbildung zum Volksschullehrer. Die Seminare lagen vom Heimatorte entfernt, so daß im entferntesten Sinne Reisen notwendig wurden, nämlich An- und Heimreisen. Während der nachfolgenden Jahre, der Straftaten- und Vagantenzeit, unternahm Karl May unzählige kleine Reisen und Ausflüge innerhalb der sächsischen Hemisphäre und angrenzenden Länder; z. B. will er auf einer in Aussicht gestellten USA-Reise bis nach Bremen gekommen sein, und schließlich in Böhmen wurde er dann von der Gendarmerie als Vagabund aufgegriffen. Die Jahre, die der Haftzeit folgten, während der Karl May sich als Redakteur und schließlich als freier Schriftsteller zu etablieren suchte, ließen nur wenige kurze Ausflüge zu. Das sollte sich aber mit dem zunehmenden Erfolg ändern.

Die 90er Jahre begründeten unzweifelhaft den Ruhm des Schriftstellers Karl May. Die bisher in Fortsetzungen erschienenen Erzählungen wurden durch den Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld aus dem Zerstückelten der Zeitschriftenabdrucke zu einer Buchausgabe geformt, deren gediegenes Erscheinungsbild nicht wenig zum Erfolg der Reiseerzählungen beitrug. Die Geldeinnahmen stiegen, und mit ihnen nahmen die Sorgen der Anfangsjahre ab, als die Einnahmen recht spärlich flossen. Mit der gesicherten finanziellen Situation gingen der zunehmende Ruhm und die steigende Popularität Karl Mays einher, dessen Ansehen zudem durch die bewußte Gleichsetzung von Autor und Romanheld noch um ein weiteres gesteigert wurde.

Doch die Popularität forderte ihren Tribut: "Ich hatte "Old Surehand III" und 2000 Seiten "Im Reiche des silbernen Löwen" zu schreiben - eine Riesenaufgabe! Vorige Woche habe ich nicht eine Nacht schlafen können sondern nur zu weilen am Tage ein Stündchen halb schlummern dürfen. Noch heut weiß ich nicht, wo mir der Kopf steht. Dabei diese Briefe!... Und die Besuche! Herrschaften wie Graf und Gräfin von Schwerin, Feldmarschall-Lieutenant Baron v. Scholley u.s.w. kann man doch nicht abweisen... In der letzten Zeit war es mir ganz unmöglich, zu reisen, aber nach Neujahr muß ich nach Berlin und Hamburg. Vielleicht wagen wir da gleich einen kleinen Sprung nach Deidesheim und bleiben nicht unterwegs in einer Schneewehe stecken... Ich beneide Sie um Ihre Christbescheerung, Herr Commerzienrath! Am Christbaum müssen frohe Kinderaugen strahlen, und leider wird Ihr ferner Hausfreund niemals Großvater sein!..." (an Emil Seyler 22. Dezember 1896) Neben dem täglichen Arbeitspensum als Schriftsteller galt es dann auch in zunehmendem Maße die Fan-Post zu beantworten. Und blieb ein Brief allzu lange unbeantwortet, so half immer die Ausrede, daß man gerade von einer längeren Reise zurückgekehrt sei.

Zahlreichen Einladungen von Verehrern und Brieffreunden wurden dem beliebten Schriftsteller zugesandt und bildeten somit eine dankbare Gelegenheit, den zahlreichen und rapide zunehmenden Besuchen im Hause der Villa Shatterhand zu entgehen. Aber es war nicht nur die vorgebliche Freundschaft oder pure Artigkeit, die ihm jene Besuchs-Versprechen abnötigten, es war noch etwas dahinter. Die Reisen ab 1897 waren - anders noch als 1896 der Aufenthalt im Hause der Familie Jung - gleich von vornherein nicht zur Erholung geplant. Vielmehr mußten sie als Hofhalten eines ungekrönten Königs angesehen werden. Wie Vorzeiten die deutschen Kaiser von Pfalz zu Pfalz zogen, so zog das Ehepaar und vornehmlich Karl May selbst umher und nahm die Huldigungen entgegen.

Zeitgleich mit dem zunehmenden Ruhm zogen aber auch die ersten dunklen Wolken am Horizont herauf. In Bayern wurde Front gegen die weitere Verbreitung von Mays Schriften gemacht, und erste Schulbibliotheken nahmen seine Romane wegen angeblicher Jugendgefährdung aus ihrem Verleihprogramm. Erste negative Urteile über das Werk Karl Mays erschienen in Deutschland und Übersee, und die Jahre zurückliegende Arbeit für den anrüchigen Kolportageverleger H. G. Münchmeyer drang langsam ins Bewußtsein der Öffentlichkeit.

Die um die Jahrhundertwende unternommene Orientreise markierte den Wendepunkt im Leben des Schriftstellers. Zum einen begannen Kritikaster und Neider einen regelrechten Feldzug gegen seine Werke und nicht zuletzt gegen seine Person, da sah er sich plötzlich in einen Wust von Prozessen verstrickt, und nicht zuletzt wandte er sich in seinem literarischen Schaffen Höherem und Neuem zu. Reiseerzählungen in symbolischem Gewande entstanden nunmehr. Gereist wurde wieder viel und ausgiebig, doch keine Triumpfreisen wie während der letzten beiden Jahre vor der Jahrhundertwende waren es jetzt, vielmehr nötigten Prozeßtermine zu kurzen Visiten, und der Körper sowie der Geist bedurften immer öfter der Erholung. Doch selbst die Kuren und Erholungsurlaube waren derart mit einem dichten Programm belegt, daß von Müßiggang keine Spur zu finden ist.

Wankendorf im Oktober 1995                            Volker Griese




I. Teil 1842-1899

25. Februar 1842. Ernstthal. Abends um 22.00 Uhr wird Karl May in der Niedergasse 111 geboren. Die Lebensreise beginnt.

26. Februar 1842. Ernstthal. Taufe in der Kirche St. Trinitatis zu Ernstthal. Wenig später erblindet der Knabe in Folge einer Infektion.

15. April 1845. Ernstthal. Die Eltern Karl Mays verkaufen das Haus in der Niedergasse, um damit die Ausbildung der Mutter Christiane Wilhelmine zur Hebamme zu finanzieren und ziehen zum Markt 183. Später erfolg ein Umzug zum Markt 185.

15. August 1845. Dresden. Christiane Wilhelmine May besucht das Hebammen-Institut in Dresden. Die Ausbildung dauert secht Monate.

27. Februar 1846. Ernstthal. Christiane Wilhelmine May wird zur Hebamme in Ernstthal bestellt. Ärzten am Institut in Dresden gelingt es, die Sehkraft Karl Mays wieder herzustellen, Februar/März 1846.

Jahreswende 1855/56. Der Fluchtversuch Karl Mays nach Spanien endet in Zwickau bei Verwandten.

1848-1856. Ernstthal. Besuch der Volksschule, wo May durch besondere Begabung auffällt. Der Vater Heinrich August May füttert ihn in der Folgezeit mit wahllos zusammengetragenem Lesestoff. Alles muß er abschreiben und auswendig lernen. Nebenbei erhält er noch Sprachunterricht. Um das alles zu finanzieren, muß er nach der Schule als Kegelaufsetzer in der Hohensteiner Gastwirtschaft Engelhardt arbeiten. Der Gastwirtschaft angegliedert ist eine Leihbibliothek, die die gängigsten Trivialromane enthält und von Karl May in der Folgezeit stark frequentiert wird.

16. März 1856. Ernstthal. Karl May wird unter dem Spruch konfirmiert: "Halte an dem Vorbild der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, im Glauben und in der Liebe in Christus Jesus" (2. Tim. 1, 13).

29. September 1856. Aufnahme als Proseminarist in Waldenburg. Nicht zuletzt wird die Ausbildung durch eine kleine Unterstützung des Grafen Heinrich von Schönburg-Hinterglauchau ermöglicht.

1858. Anna Preßler, Karl Mays erste große Liebe, verläßt ihn.

23. Oktober 1858. Der Seminardirektor Schütze bittet den Grafen von Schönburg-Hinterglauchau um Weitergewährung der Unterstützung für den "hintergräflich-Schönburgschen Unterthan" Karl May.

28. Januar 1860. Waldenburg. Karl May wird von dem Lehrerseminar verwiesen, da er kurz vor Weihnachten als Lichtwochner sechs Kerzen entwendet hat. Sie sollten wohl für den heimischen Weihnachtsbaum der armen Eltern verwendet werden.

6. März 1860. Ernstthal. "Diese Strafe muß ich als ganz gerecht und dem Vergehen gemäß anerkennen, wage aber doch, dem Hohen Ministerio die unterthänigste Versicherung zu geben, daß auf meine früheren Fehler eine aufrichtige Reue gefolgt ist und späterhin in Betreff der Lichte keineswegs der Wille zu einer Veruntreuung vorlag, sondern daß es nachlässige Säumigkeit von mir war, sie nicht rechtzeitig an den gehörigen Platz zu legen." (May an das Kultusministerium) Vom heimischen Pastor Carl Hermann Schmidt unterstützt, richtet May ein Gnadengesuch an das sächsische Kultusministerium. Wenig später schließt sich Pastor Schmidt dem Gesuch an. Selbst der Waldenburger Seminardirektor Schütze, der Mays Entfernung aus dem Seminar zuvor betrieben hatte, betätigt sich jetzt als Fürsprecher.

7. April 1860. Ernstthal. "Da ich auf dem Seminar zu Waldenburg Schüler der zweiten Claße sic! war, so würde mir es lieb sein, wenn ich nicht zurückzubleiben genöthigt sein würde. Meine Unvorsichtigkeit, über welche Ihnen Herr Director Schütz sic! eine baldige Mittheilung machen wird, vergeßen sic! zu machen, sollte mein eifrigstes Streben sein, wenn ich so glücklich wäre, in genannte Anstalt eintreten zu dürfen." (May an Seminardirektor Johann Gottfried Wild)

4. Juni 1860. Plauen. Im Lehrerseminar setzt May seine Ausbildung fort.

12. September 1861. Plauen. Mit der Note "Gut" besteht Karl May die Lehrerprüfung.

7. Oktober 1861. Glauchau. Erste Anstellung als Hilfslehrer der Armenschule in Glauchau.

19. Oktober 1861. Glauchau. Karl May wird von seinem Logiswirt, dem Kaufmann Ernst Theodor Meinhold, wegen einer angeblichen Liebesaffäre mit dessen Ehefrau Henriette Meinhold angezeigt. Der junge Lehrer wird daraufhin aus dem Schuldienst entlassen.

6. November 1861. Altchemnitz. Anstellung als Fabrikschullehrer.

25.(26.) Dezember 1861. Hohenstein. Karl May wird im Hotel Drei Schwanen verhaftet. Laut Beschuldigung seines Zimmergenossen in Altchemnitz hat er ihm eine Taschenuhr (die sich May mit dessen Genehmigung schon öfters ausgeliehen hat), eine Tabakspfeife und eine Zigarrenspitze widerrechtlich entwendet.

1862. Chemnitz. Wegen widerrechtlicher Benutzung fremder Sachen erfolgt eine Verurteilung Mays zu sechs Wochen Haft.

8. September-20. Oktober 1862. Chemnitz. Verbüßung der sechswöchigen Haftstrafe im Gerichtsgefängnis Chemnitz.

6. Dezember 1862. Musterung für den Militärdienst; May wird für untüchtig befunden.(3)

25. Januar 1863. Ernstthal. Musikalisch-deklamatorischer Abend in der Schießhausrestauration. Dargeboten wird unter anderem ein "Terzett v. Mai". Karl May versucht in der Folgezeit mit Einnahmen von Privatstunden und öffentlichen Auftritten in solchen Veranstaltungen sein Leben zu fristen. Er ist Mitglied des Ernstthaler Sängerkreises "Lyra", für den einige Kompositionen entstehen.

8. März 1863. Hohenstein. Musikalisch-deklamatorischer Abend im Rathaus. "Piéçe aus Pretiosa, vorg. v. May."

25. März 1863. Hohenstein. Musikalisch-deklamatorischer Abend im Gasthof zu den drei Schwanen. "Das eigene Herz v. May. Dekl."

26. April 1863. Ernstthal. Teilnahme am heiligen Abendmahl in der Heimatkirche St. Trinitatis.

20. Juni 1863. May wird aus der Liste der Lehrer im Kultusministerium gestrichen. Die Lehrertätigkeit ist endgültig beendet.

5. Juli 1863. Ernstthal. Teilnahme am heiligen Abendmahl in der Heimatkirche St. Trinitatis.

9. Juli 1864. Penig. Als "Dr. med. Heilig aus Rochlitz" nimmt May in einem Gasthaus ein Zimmer und läßt sich fünf Kleidungsstücke bei einem Schneider anmessen.

16. Juli 1864. Penig. May nimmt die bestellten Kleidungsstücke in Empfang und entschwindet unter Mitnahme der Sachen, ohne zu bezahlen.

16. Dezember 1864. Chemnitz. Gasthof zum goldenen Anker. Als "Seminarlehrer Lohse" läßt May sich diverse Pelzwaren in den Gasthof bringen, begibt sich damit in ein Nebenzimmer, um sie angeblich seinem Dienstherrn zu zeigen, und entschwindet. May wendet sich zu Fuß Richtung Dresden. In Freiberg veräußert er zwei Pelzpelerinen.

Februar 1865 (?). Naußlitz.

28. Februar 1865. Gohlis bei Leipzig. Wohnsitz Mays in der Möckernschen Straße 28b bis zu seiner Festnahme einen Monat später.

20. März 1865. Leipzig. May mietet sich als "Kupferstecher Hermes" am Thomaskirchhof 12 ein. Wieder läßt er sich Pelze kommen und entschwindet, ohne zu bezahlen. Die Pfandleiher werden benachrichtigt.

26. März. 1865. Leipzig. Im Rosenthal, einem parkähnlichen Gelände zwischen Leipzig und Gohlis, wird May nach einem Handgemenge verhaftet.

8. Juni 1865. Karl May wird durch das Bezirksgericht Leipzig zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus verurteilt.

14. Juni 1865. Zwickau. Einlieferung in das Arbeitshaus Schloß Osterstein. Zunächst wird May der Schreibstube zugeteilt, versagt jedoch völlig. Danach verfertigt er Geld- und Zigarrentaschen. Er wird Mitglied des Kirchenchores und Posaunenbläser.

Ende 1867/Anfang 1868. Zwickau. May wird "besonderer Schreiber" des Gefängnisinspektors Krell. Eigene literarische Entwürfe entstehen, wovon das "Repertorium C. May" kündet.

2. November 1868. Zwickau. May wird vorzeitig wegen guter Führung entlassen.

27. März 1869. Wiederau. May wird erstmals im Ort gesehen.(4)

29. März 1869. Wiederau. Als "Polizeilieutenant von Wolframsdorf aus Leipzig" begibt sich May zum Krämer Reimann, um nach Falschgeld zu fahnden. Angeblich fündig geworden, führt er Reimann in einen Gasthof in Clausnitz; von dort entschwindet May.

10. April 1869. Ponitz. Als "Mitglied der geheimen Polizei" fahndet May nach Falschgeld im Hause des Seilermeisters Krause, 30 Mark werden konfisziert. Auf dem Weg nach Crimmitschau, wohin ihm der Seilermeister aufs Gericht folgen soll, setzt sich May querfeldein ab, wird aber von Krause verfolgt. Unter Zuhilfenahme eines ungeladenen Doppelterzerols gelingt ihm die Flucht. Das konfiszierte Geld hat er vorher von sich geworfen.

13. (?) April 1869. Ernstthal. Heimlicher Besuch im Elternhaus. May hinterläßt einen Zettel, er wolle "nach Dresden".

18. April 1869. Schwarzenberg. Karl May fährt zu seiner Geliebten, dem Dienstmädchen Auguste Gräßler.

19. April 1869. Schwarzenberg. Besuch des Ottensteins. May trifft auf die Amerikaner Burton. "Ich traf nämlich zwei nordamerikanische Herren, Vater und Sohn, welche von einer Vergnügungs- und wohl auch halb und halb Geschäftsreise kamen und über Leipzig, Frankfurt, Amsterdam nach Hause wollten. In Prag hatten sie ihren Hofmeister zurückgelassen und machten mir den annehmbaren Vorschlag, an dessen Stelle zu treten, mit nach Pittsburg zu gehen und dort die jüngeren Geschwister zu unterrichten... Ich reise ab; man wird meine Vergangenheit vergessen und verzeihen, und als ein neuer Mensch mit besserer Zukunft komme ich wieder..." (May an seiner Eltern 20.4.1869)

20. April 1869. Leipzig. May reist mit den Amerikanern tatsächlich ab, kommt aber wohl infolge von Paßschwierigkeiten nur bis Bremen und wendet sich wieder nach Sachsen.

3. - 5. Mai 1869. Jöhstadt. Am Abend des 3. Mai Besuch des Theaters.

16.-17. Mai 1869. Schwarzenberg. May weilt zum letzten Mal bei Auguste Gräßler.

27. Mai 1869. Ernstthal. May besucht seinen Pathen Weißpflog. Er ist es wohl, der ihm die Eisenhöhle in unmittelbarer Nähe zu Ernstthal als Zufluchtsort vorschlägt. In der Nacht zum 28.5.1869 bezieht May sein neues Domizil.

31. Mai 1869. Limbach. May betritt die noch nicht geöffnete Gaststätte des Victor Reinhard Wünschmann und entfernt sich wieder, nicht ohne vorher einen Satz Billardkugeln unerkannt an sich zu bringen. Er begibt sich in Richtung Chemnitz.

3. Juni 1869. Bräunsdorf. Dem Gasthofbesitzer Schreier entwendet May in der Nacht ein Pferd samt Trense, Reitpeitsche und Halsriemen aus dem Stall.

4. Juni 1869. May bietet das Pferd (erst vergeblich in Remse, dann erfolgreich) in Höckendorf zum Verkauf an.

15. Juni 1869. Mülsen St. Jacob. Als "Expedient des Advocaten Dr. Schaffrath in Dresden" erscheint Karl May bei dem Bäckermeister Wappler und bittet ihn, sich zwecks einer Erbschaft sofort nach Glauchau zu begeben. Kaum ist der Bäckermeister fort, beginnt May bei den Angehörigen wieder mit der Forschung nach Falschgeld und entschwindet mit ca. 28 Talern.

Ende Juni 1869. Hohenstein. Einstieg ins Kegelhaus der Gastwirtschaft Engelhardt. Die Beute sind ein Handtuch und eine Zigarrenpfeife.

2. Juli 1869. Hohenstein. Nachts 3.00 Uhr wird Karl May im Kegelhaus schlafend entdeckt, überwältigt, verhaftet und nach Mittweida ins Gefängnis überführt.

5. Juli 1869. Lokaltermin in Wiederau.

15. Juli 1869. Mülsen St. Jacob. Lokaltermin.

26. Juli 1869. Kuhschnappel. Auf dem Weg zum Lokaltermin in Bräunsdorf flieht May unter Zerbrechung (?) der eisernen Breze.

6./7. August 1869. Erfolglose Suchaktion in der Nacht durch Polizei und Feuerwehr nach dem Flüchtigen in den Hohensteiner Wäldern.

August od. September 1869. Siegelsdorf bei Halle. Aufenthalt bei Malwine Wadenbach.

September od. Oktober 1869. Vermutlicher Aufenthalt in Ellersleben bei Sömmerda. Treffen mit dem Bauern Emil Wittig.

Mitte November 1869. Plößnitz bei Halle. Erneuter Aufenthalt bei Malwine Wadenbach.

Dezember 1869. May reist durchs Fürstentum Coburg-Gotha und hält sich zeitweise in Coburg auf. Er reist dann weiter nach Böhmen.

4. Januar 1870. Niederalgersdorf. Als ausweisloser Fremder wird May von der Polizei schlafend in einer Scheune aufgegriffen und zum Bezirksgericht Bensen gebracht. Da er sich nichts hat zu Schulden kommen lassen, wird er zur Ermittlung der Identität am 5.1. an die Bezirkshauptmannschaft Tetschen weitergegeben. May gibt sich als Plantagenbesitzer Albin Wadenbach aus Orby auf der Atlantikinsel Martinique aus, der einige Verwandte in Europa besuchen möchte. Doch das Kartenhaus bricht zusammen, als am 28.1. die Dresdner Polizeidirektion eingeschaltet wird und ein Porträtphoto des Festgenommenen erhält.

2. Februar 1870. "Der dort zur Haft gebrachte angebliche Albin Wadenbach aus Orby, welcher identisch mit dem entsprungenen Carl Friedrich May, ehemaliger Schullehrer, und ein sehr gefährlicher Verbrecher ist, soll dort sofort aufgehalten werden... " (Telegramm der Dresdner Staatsanwaltschaft)

14. März 1870. Tetschen. May wird aus Böhmen abgeholt und in das Gefängnis zu Mittweida überführt.

13. April 1870. Mittweida. Verurteilung durch das Bezirksgericht zu vier Jahren Zuchthaus.

3. Mai 1870. Strafantritt im Zuchthaus Waldheim. Arbeit als Zigarrendreher. Karl May gewinnt das Vertrauen des katholischen Anstaltskatecheten Johannes Kochta und wird auf dessen Fürsprache hin Organist während der katholischen Gottesdienste, obwohl er Protestant ist. Eine schriftstellerische Arbeit im Zuchthaus ist nicht möglich.

1873. Die ersten nachweisbaren Arbeiten Mays erscheinen im "Neuen Deutschen Reichsboten". Es handelt sich um Gedichte, die ca. 1869 entstanden.

Meine einstige Grabschrift.
Ich war ein Dichter, ernst und heiter,
Das Schicksal spielte mit mir frech;
Mein ganzes Leben war nichts weiter,
Als nur ein großer - Klumpen Pech!

2. Mai 1874. Entlassung aus dem Zuchthaus Waldheim. May steht fortan für zwei Jahre unter Polizeiaufsicht und nimmt Wohnung bei den Eltern in Ernstthal. Er fängt an zu schreiben, ohne jedoch viel zu publizieren. Die Eltern unterstützen ihn.

Anfang März 1875. Ernstthal. Die Gebrüder Heinrich Gotthold und Friedrich Louis Münchmeyer besuchen Karl May in Ernstthal und bieten ihm eine Stelle als Redakteur, die er annimmt.

8. März 1875. May reist nach Dresden um seine neue Arbeit aufzunehmen. Er wohnt "privatim am Jagdweg bei einer Frau verw. Vogel" (Aussage vor dem Dresdner Landgericht 6.5.1908)

12. März 1875. Wegen ungemeldeter Entfernung wird der unter Polizeiaufsicht stehende frischgebackene Redakteur von der Ernstthaler Behörde bei der Dresdner Kriminalpolizei angezeigt.

15. März 1875. Karl May wird aus Dresden ausgewiesen.

16. März 1875. Dresden. May reicht bei der Polizeidirektion ein Gesuch um Aufenthaltsbewilligung ein, "in Rücksicht darauf, daß meine Stellung eine fixierte und sichere ist..."

24. März 1875. Dresden. Karl May wird endgültig ausgewiesen und hat binnen drei Tagen die Stadt zu verlassen. Er kehrt nach Ernstthal zurück.

April-Mai 1875. Die erste bisher nachgewiesene größere Novelle "Die Rose von Ernstthal" erscheint.

Anfang August 1875. Rückkehr nach Dresden und Bezug der gleichen Wohnung am Jagdweg wie im März. Die erbetene Aufenthaltsbewilligung wird diesmal von der Polizeibehörde erteilt. Bis zum 2.5.1876 steht May aber weiterhin unter Polizeiaufsicht.

Ende August od. Anfang September 1875. Karl May unternimmt mit Probenummern der von ihm gegründeten und redigierten Zeitschrift Schacht und Hütte zwecks Reklame eine Rundreise durch Deutschland zu führenden Montanunternehmen, die ihn unter anderem nach Chemnitz, Essen und Berlin führt.(5)

Erste Septemberwoche 1875. Die erste Indianererzählung "Inn-nu-woh, der Indianerhäuptling" erscheint.

Ende 1875. Umzug in das Hintergebäude des Münchmeyer-Verlages, Jagdweg 14, erster Stock. "Von Dresden aus bin ich oft besuchsweise nach Ernstthal zu meinen Eltern und meiner Schwester Wilhelmine Schöne geb. May gefahren." (Aussage vor dem Dresdner Landgericht 6.5.1908) Bei einem dieser Aufenthalte im Jahre 1876 im Hause seiner Schwester lernt er Emma Lina Pollmer näher kennen. Ohne Eltern aufgewachsen, lebt sie im Hause ihres Großvaters, des Barbiers Christian Gotthilf Pollmer in Hohenstein.

1876. Dessau. Zwei Wochen verbringt der junge Literat in der Stadt zwecks Studien, die ihn u.a. in die Herzogliche Hofkammer führen.

November 1876. Es beginnt der erste Roman "Der beiden Quitzows letzte Fahrten" als Zeitungsabdruck zu erscheinen.

Weihnachten 1876. Ernstthal. Karl May weilt bei seiner Schwester Wilhelmine.

Anfang 1877. Wegen unüberbrückbarer Differenzen - er soll Minna Ey, die Schwägerin des Verlagsinhabers Müchmeyer, heiraten - kündigt Karl May zum Quartalsende seine Redakteursstellung beim Münchmeyer-Verlag und zieht aus dem Verlagsgebäude in die Pillnitzer Straße 72 zur Untermiete bei Amalie Wilhelmine Groh.

23. Februar 1877. Dresden. "Gestatten Sie mir gütigst, Ihnen beifolgende humoristische Arbeit, deren Sujet ein aus dem wirklichen Leben gegriffenes ist, zur freundlichen Entscheidung, ob dieselbe sich für das von Ihnen redigirte Unternehmen eignet, zu unterbreiten." (an Kaspar Braun, Redakteur der Fliegenden Blätter)

26. Mai 1877. Emma Pollmer übersiedelt von Hohenstein nach Dresden in die Nähe Karl Mays.

1. Juli 1877. Dresden. Der Restaurantbesitzer Louis Vogel leiht Karl May 50 Mark.

12. Juli 1877. "Hätten Sie, Herr Professor vielleicht zufällig den Namen Karl May schon gehört oder wüßten, welches Blatt er redigiert? Seiner ganzen Schreibweise nach halte ich ihn für einen vielerfahrenen Mann, der lange Zeit im Orient gelebt haben muß. Ich gedenke die "Rose von Kahira" mit dem Oktoberheft zu beginnen". (Peter Rosegger an Robert Hamerling)

Dezember 1877. Dresden. Karl May nimmt bei dem Verlag Bruno Radelli eine Stellung als Redakteur der Zeitschrift Frohe Stunden an.

Januar/Februar 1878. Umzug nach Dresden-Striesen Straße 4, Nr. 2, Villa Forsthaus, Parterre. Emma Pollmer zieht zu ihrem Geliebten.

25. April 1878. Niederwürschnitz. Karl May leistet dem Großvater seiner zukünftigen Frau einen Gefallen und recherchiert, um die näheren Umstände des Todes von Emil Pollmer zu klären. Emmas Onkel war betrunken unter ein Fuhrwerk geraten und im Stall einer Gastwirtschaft gestorben. Nach Zeugenaussagen tritt May als "höherer Regierungsbeamter" auf.

15. Mai 1878. May wird der Amtsanmaßung bezichtigt.

11. u. 20. Juni 1878. Die Behörden vernehmen May.

24. Juni 1878. Das Verfahren wegen "Ausübung eines öffentlichen Amtes" wird vom Bezirksgericht Chemnitz eingeleitet.

Anfang Juli (?) 1878. Emma Pollmer zieht wieder zu ihrem Großvater nach Hohenstein und Karl May gibt die Wohnung in Dresden auf. Er wohnt wieder bei seinen Eltern in Ernstthal. Die folgende Zeit erfordert des öfteren Reisen nach Dresden, um seinen Verpflichtungen als Redakteur nachzukommen.

Juli/August (?) 1878. Karl May hält sich angeblich in Berlin auf.(6) Auch in der Folgezeit reist er viel, meistens jedoch zwischen Ernstthal und Dresden, aber auch im Kohlerevier Lugau-Ölsnitz und in Stollberg ist sein Aufenthalt bezeugt.(7)

Ende August 1878. May beendet seine Stellung als Redakteur, um fortan als freier Schriftsteller arbeiten zu können. Er zieht nach Hohenstein zu Emma Pollmer und deren Großvater, Am Markt 242.

9. Januar 1879. Karl May wird fälschlich - da er keine Amtshandlung vorgenommen hatte - vom Amtsgericht Stollberg zu drei Wochen Gefängnis wegen Amtsanmaßung verurteilt. May legt Berufung ein.

März 1879. Die erste Erzählung im Deutschen Hausschatz "Three carde monte" beginnt zu erscheinen.

April 1879. Es kommt zu einem Zerwürfnis mit Emma Pollmer, und May zieht wieder zu seinen Eltern nach Ernstthal.

12. Mai 1879. Bestätigung des Stollberger Urteils in 2. Instanz.

2. Juli 1879. Ernstthal. May reicht ein Gnadengesuch an den sächsischen König Albert ein, dem jedoch kein Erfolg beschieden ist.

August 1879. Der erste Großroman "Scepter und Hammer" beginnt zu erscheinen.

1.-22. September 1879. Strafverbüßung im Arresthaus des Gerichtsamts Hohenstein-Ernstthal. Diese vierte Haftstrafe bleibt die letzte im Leben Karl Mays.

November 1879. Es erscheinen die beiden ersten Bucheditionen, zum einen die Bearbeitung von Gabriel Ferrys "Der Waldläufer" sowie die Erzählung "Im fernen Westen".

19. Februar 1880. Hohenstein. Das Heiratsaufgebot Karl May/Emma Pollmer wird bestellt. Der Aushang erfolgt vom 20.2. bis 7.3.1880.

Mai 1880. "Abonnent seit 74 in Leunefelde. Das können wir Ihnen wirklich nicht sagen, wie viel Selbsterlebtes und wie viel dichterische Zuthaten an May's Reiseabenteuern sind. Das ist aber wahr, daß der Verfasser alle jene Länder bereist hat, welche den Schauplatz der Abenteuer bilden; und das ist richtig, daß seine farbenreichen Schilderungen von Land und Leuten, Thieren und Pflanzen, Sitten und Gebräuchen etc. genau nach der Natur gezeichnet sind. Also Reisenovellen bietet uns der Verfasser und in diesem Genre ist er wohl Meister. Gegenwärtig reist er in Rußland und beabsichtigt, bald wieder einen Abstecher in's Zululand zu machen. Vielleicht trifft er dort den treuen tapferen Quimbo." (Deutscher Hausschatz Nr. 12)

26. Mai 1880. Hohenstein. Emmas Großvater Christian Gotthilf Pollmer stirbt an den Folgen eines Schlaganfalls.

17. August 1880. Hohenstein. Standesamtliche Trauung Karl Mays und Emma Pollmers.

12. September 1880. Hohenstein. Kirchliche Trauung in St. Christophori und Umzug ins Haus Am Markt 2.

Januar 1881. Im Deutschen Hausschatz in Regensburg beginnt der Orient-Zyklus "Giölgeda padishanün" zu erscheinen. Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar erblicken das Licht der Welt und Karl May findet seine ihm eigene literarische Form.

März 1881. ""Hausschatzleser in Westfalen." Der Verfasser der Reise-Abenteuer hat alle Länder, welche der Schauplatz seiner Erzählungen sind, selbst bereist. Unlängst ist er von einem Ausflug nach Rußland, Bulgarien, Konstantinopel etc. zurückgekehrt, und zwar mit einem Messerstich als Andenken. Denn er pflegt nicht, mit dem rothen Bädeker in der Hand im Eisenbahn-Coupé zu reisen, sondern er sucht die noch wenig ausgetretenen Pfade auf.- Besten Dank für Ihre Grüße!" (Deutscher Hausschatz Nr. 9)

Oktober 1881. "Pr. P. in Trattenbach. Einstweilen müssen wir uns auf die Mittheilung beschränken, daß Herr Dr. K... M.. etwa 45 Jahre alt ist und leider gegenwärtig krank darnieder liegt in Folge einer wieder aufgebrochenen alten Wunde. Auf seinen weiten und gefahrvollen Reisen in allen Theilen der Erde, hat er sich selbstverständlich manche Wunde geholt. Wir hoffen, daß die bisherige eiserne Constitution Ihres Lieblingsschriftstellers auch diesmal bald obsiegen wird." (Deutscher Hausschatz Nr. 1)

November 1881. "Auf mehrere Anfragen. Erfreulicher Weise ist jetzt der Herr Verfasser der Reiseabenteuer in der Genesung begriffen und gedenkt, demnächst nach dem Süden zu ziehen, um sich völlig zu erholen..." (Deutscher Hausschatz Nr. 2)

November 1881. Die Zeitung Le Monde beginnt mit dem Abdruck eines May-Textes auf Französisch.

Sommer 1882. Dresden. Hotel Trompeterschlößchen. "Noch von Hohenstein aus unternahm ich ... eine kleine Vergnügungsreise nach Dresden". (Aussage vor dem Dresdner Landgericht 13.4.1908) Etwa acht Tage weilt das Ehepaar May in Dresden und trifft dabei im Rengerschen Gartenrestaurant auf Mays vormaligen Arbeitgeber Heinrich Gotthold Münchmeyer. Der Verleger, dem seit dem Weggang Mays nicht allzuviel geglückt ist, versucht seinen ehemaligen Redakteur zur Lieferung von Kolpartageromanen zu bewegen. Unter Zureden Emmas gibt May den Wünschen Münchmeyers nach, nicht zuletzt auch um der prekären finanziellen Lage zu entkommen.

November 1882. "Alte Abonnentin in Zürich. Die "prächtigen Abenteuer" des beliebten "Weltläufers" werden allerdings in der Studirstube niedergeschrieben, aber die Reisen in allen Theilen der Welt sind von dem Herrn Verfasser wirklich gemacht worden. Selbstverständlich erlebt man in der Sahara, in Kurdistan u.s.w. andere Dinge, als im Coupé für Nichtraucher auf der Eisenbahn in Deutschland oder in der Schweiz..." (Deutscher Hausschatz Nr. 3)

November 1882. Die ersten Hefte des neuen Romanes "Das Waldröschen" aus dem Hause Münchmeyer beginnen zu erscheinen, bis August 1884.

7. April 1883. Umzug von Hohenstein nach Dresden-Blasewitz, Sommerstraße 7.

Oktober/November 1883. Die ersten Hefte des neuen Romanes "Die Liebe des Ulanen" aus dem Hause Münchmeyer beginnen zu erscheinen, bis November 1885.

November 1883. "An mehrere Abonnenten. Dr. K. May ist wieder auf der Rückkehr nach Deutschland begriffen. Die Fortsetzung der Reiseabenteuer wird nun nicht mehr lange auf sich warten lassen." (Deutscher Hausschatz Nr. 12)

März 1884. "Auf mehrere Anfragen. Herr Dr. Karl May ist am 19. Februar "nach langer Irrfahrt", wie er uns schreibt, wieder in der Heimat angekommen und will nun seine Reise-Erzählungen alsbald fortsetzen." (Deutscher Hausschatz Nr. 23)

Frühjahr 1884. Umzug von Dresden-Blasewitz nach Dresden-Altstadt (Johannstadt), Prinzenstraße 4, Parterre. Wohnungseigentümer ist Rentier Franz Eduard Boericke.

August/September 1884. Die ersten Hefte des neuen Romanes "Der verlorne Sohn" aus dem Hause Münchmeyer beginnen zu erscheinen, bis Juli/August 1886.

26. November 1884. Dresden. "Von einer monatelangen Reise zurückkehrend, finde ich Ihre werthe Zuschrift vor." (an Joseph Kürschner)

Dezember 1884. "Leider ist ein ein von Dr. Karl May an uns rechtzeitig abgesandtes Manuscript-Packet bis jetzt noch nicht hier eingetroffen und wahrscheinlich auf der Post verloren gegangen. Aus diesem Grunde hat die Fortsetzung von "Giölgeda" unterbrochen werden müssen." (Deutscher Hausschatz Nr. 13)

8. März 1885. Dresden. "Krankheit war der Grund meines Schweigens. Binnen acht Tagen werde ich mir gestatten, Ihnen für "Vom Fels zum Meere" den wohl zeitgemäßen Beitrag "Die erste Liebe des Mahdi" zur geneigten Verfügung zu stellen". (an Joseph Kürschner)

Anfang April 1885. Ernstthal. Von Verwandten benachrichtigt, hält May sich wegen des schlechten Gesundheitszustandes der Mutter seit Anfang April bei seinen Eltern auf.

15. April 1885. Ernstthal. Mays Mutter stirbt nach längerem Leiden. Der Vater erleidet wenig später einen Schlaganfall mit linksseitiger Lähmung. Der Schriftsteller ist für Wochen zu keiner Arbeit fähig. Der Deutsche Hausschatz meldet "ganz ohne Nachricht von dem Verfasser" (Deutscher Hausschatz Nr. 27) zu sein, und Münchmeyer fügt mangels Manuskript in die laufende Lieferung von "Die Liebe des Ulanen" einen vorliegenden, aber nicht zum Roman gehörigen Text mit dem Titel "Ulane und Zouave" ein.

Juli 1885. "O. Rdlbg. D. Leider ist das von Dr. Karl May uns fest versprochene Manuscript des Schlusses von Giölgeda (der letzte Ritt) noch nicht in unseren Händen. Wir begreifen die Ungeduld der Leser, und es ist uns diese Verzögerung überaus peinlich." (Deutscher Hausschatz Nr. 43)

1. Juli 1885. Dresden. "Mitten aus der für Sie bestimmten Arbeit wurde ich durch die Aufforderung zu einer sofort anzutretenen Reise gerissen. Gestern zurückgekehrt, fand ich Ihre werthe Karte. Ich habe mich sehr, sehr zu entschuldigen." (an Joseph Kürschner)

November 1885. Die ersten Hefte des neuen Romanes "Deutsche Herzen, deutsche Helden" aus dem Hause Münchmeyer beginnen zu erscheinen, bis Dezember 1887.

Juni 1886. "Auf mehrere Anfragen. Es ist uns höchst peinlich, daß abermals - und ganz gegen unsere Erwartung - eine Unterbrechung in der Reise-Erzählung "Der letzte Ritt" eingetreten ist. Leider haben wir bis jetzt das fehlende Manuscript noch nicht erhalten und entbehren zur Zeit jede Nachricht von dem Verfasser. In Zukunft werden wir freilich niemals mehr mit der Veröffentlichung irgend eines Werkes beginnen, ohne daß uns das Manuscript vollständig vorliegt." (Deutscher Hausschatz Nr. 36)

Juli/August 1886. Die ersten Hefte des neuen Romanes "Der Weg zum Glück" aus dem Hause Münchmeyer beginnen zu erscheinen, bis Anfang 1888.

17. Oktober 1886. Dresden. "Verzeihung, daß ich Ihre letzte so freundliche Zuschrift erst heut zu beantworten vermag! Ich war nicht daheim und habe den Brief erst jetzt zu Händen bekommen." (an Joseph Kürschner)

8. Januar 1887. Die erste Jugenderzählung "Der Sohn des Bärenjägers" beginnt zu erscheinen.

Frühjahr 1887. Umzug von Dresden-Altstadt nach Dresden (Seevorstadt), Schnorrstraße 31, 1.Stock. Wohnungseigentümer ist der Wirt Johann August Nitsche.

Sommer 1887. Dresden. May beendet die Zusammenarbeit mit Münchmeyer. Insgesamt lieferte er fünf umfangreiche Romane, einen sechsten bricht er ab.

Oktober 1887. Die Jugenderzählung "Der Geist der Llano estakata" beginnt zu erscheinen.

1888. Der Legende nach weilt der May einige Zeit in Ossiach, Kärnten, und schreibt an seinem Werk "Der blau-rote Metusalem". Aber auch ein Besuch Ossiachs 1905 steht unbelegt im Raum. Wahrscheinlicher ist es dagegen, daß May bei seinem Aufenthalt in Kärnten 1904 die nur wenige hundert Seelen zählende Gemeinde streifte.(8)

September 1888. Die Jugenderzählung "Kong-Kheou, das Ehrenwort" beginnt zu erscheinen.

6. September 1888. Der Vater stirbt in Ernstthal.

1. Oktober 1888. Umzug von Dresden nach Kötzschenbroda, Schützenstraße 6, Villa Idylle. Hausbesitzerin ist Alma Freifrau von Wagner.

12. Oktober 1888. Kötzschenbroda. Als "Dr. phil. Karl May, Schriftsteller" trägt er sich in das Einwohnermelderegister ein.

September 1889. Die Jugenderzählung "Die Sklavenkarawane" beginnt zu erscheinen.

Oktober 1889. Die Reiseeerzählung "Lopez Jordan" beginnt zu erscheinen.

Mai 1890. "Gretchen Rbg. Ihre Hoffnung ist vergebens. Unser verehrter Mitarbeiter Dr. Karl May, der Weltläufer, der einst mehr außer als im Hause war, ist bereits verheirathet..." (Deutscher Hausschatz Nr. 33)

1. Januar 1890. Kötzschenbroda. Karl May kann die fällige Quartalsmiete für die Villa in Höhe von 200 Mark nicht aufbringen, obwohl er kaum vom Schreibtisch aufsteht und in manchen Wochen ca. 100 Manuskriptseiten entstehen.

14. Januar 1890. Kötzschenbroda. Die Vermieterin reicht bei dem Amtsgericht Dresden Zahlungsklage wegen Mietsäumnis ein.

Mai 1890. Kötzschenbroda. Der Verleger Wilhelm Spemann besucht May, um ihn zu einer weiteren Mitarbeit am "Guten Kameraden" zu bewegen.

September/Oktober 1890. Die Reiseerzählung "Der Schatz der Inkas" und die Jugenderzählung "Der Schatz im Silbersee" beginnen zu erscheinen.

18. Oktober 1890. Kötzschenbroda. "Verzeihung, daß ich wegen einer längeren Abwesenheit Ihre werthe Anfrage erst heut zu beantworten vermag." (an Joseph Kürschner)

Herbst 1890. Umzug von Kötzschenbroda nach Niederlößnitz, Lößnitzstraße 11.

Kurz v. d. 6. Dezember 1890 (?). Regensburg. Karl May und Emma weilen in der Stadt und besuchen Friedrich Pustet, den Verleger des Deutschen Hausschatzes.

Anfang 1891 (?). Karl und Emma lernen das Ehepaar Richard und Klara Plöhn kennen

8. April 1891. Umzug von Niederlößnitz nach Oberlößnitz, Nizzastraße 13, Villa Agnes.

28. Mai 1891. Oberlößnitz. Nachdem der Hund längere Zeit angeschlagen hat, "erwachte die Frau des Dr. May durch ein Geräusch im Parterre. Sie weckte ihren Mann, der sich sofort nach unten begab, wo er zu seiner Überraschung ... sämmtliche Schränke und Kommoden geöffnet und deren Inhalt zum Theil auf dem Boden verstreut fand. Außerdem hatte der Einbrecher eine Axt auf das Bett gelegt. Von dem Diebe, der nach Aufbrechen eines Fensterladens und Zerbrechen mehrerer Fensterscheiben in das Zimmer gedrungen, war nichts mehr zu bemerken..."
(Kötzschenbrodaer Zeitung 30.5.1891)

Spätsommer 1891. Oberlößnitz. Der Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld aus Freiburg/Br. besucht den Schriftsteller und verhandelt über die Herausgabe einer Buch-ausgabe der Mayschen Erzählungen. Gemeinsam werden Spaziergänge durch den Lößnitzgrund und die nähere Umgebung unternommen.

September 1891. Die Jugenderzählung "Das Vermächtnis des Inka" beginnt zu erscheinen.

September/Oktober 1891. Die Reiseerzähung "Der Mahdi" beginnt zu erscheinen.

21. Oktober 1891. Oberlößnitz. Die Zahlungsklage des Kaufmanns Johann Schwarz auf fällige 125 Mark wird vor dem Amtsgericht Dresden verhandelt.

17. November 1891. Karl May und Friedrich Ernst Fehsenfeld schließen eine Vertrag über die Herausgabe von "Carl May's gesammelte(n) Reiseromanen".

25. November 1891. Oberlößnitz. Die Zahlungsklage des Restaurantbesitzers Louis Vogel auf noch offene 50 Mark (von 1877) wird vor dem Amtsgericht Dresden verhandelt. Vorschüsse des Verlegers Fehsenfeld ermöglichen die finanzielle Konsoli-dierung des Schriftstellers.

3. Dezember 1891. Oberlößnitz. "...ich arbeite, obgleich noch stark Reconvalescent, die Nacht hindurch..."
Im lieben, schönen Lößnitzgrund
Da saßen Zwei selbander;
Die schlossen einen Freundschaftsbund,
Gehn niemals auseinander.
Der Eine schickt Romane ein,
Der Andre läßt sie drucken,
Und's Ende wird vom Liede sein:
's wird Beiden herrlich glucken!

(an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

10. Mai 1892. Der erste Band der Reiseerzählungen "Durch Wüste und Harem" (später "Durch die Wüste") erscheint. Bis zum Jahresende erscheinen die fünf Fortsetzungsbände des Orientzyklus "Giölgeda padishanün". Die finanzielle Situation hat sich schlagartig geändert. Karl May wird über die Buchausgaben bei Fehsenfeld ein wohlhabender Mann.

13. Juni 1892. Oberlößnitz. "Emma brachte einen Nothpfennig herbei und das war ein Glück, denn am ersten Feiertag kamen vier Verwandte auf Besuch; wir waren am zweiten Feiertag mit ihnen in Dresden, also nicht daheim, weshalb bei den hiesigen Postverhältnissen Ihre Anweisung erst am dritten zu Mittag in meine Hände kam." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

25. Juni 1892. Oberlößnitz. "Meine Frau sagt zum Sudan nicht quod non. Sie möchte sogar mit und will in Kairo bleiben und auf mich warten..." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

10. Oktober 1892. Oberlößnitz. "Ein hiesiger Arzt, Dr. Büttner, war kürzlich in Constantinopel und hat dort in der "Orientalischen Correspondenz" einen langen, außerordentlich günstigen Artikel über unser Unternehmen gefunden. Sie wurden sehr anerkannt, und ich hatte die Ehre, einer der ersten Kenner des Orientes genannt zu werden. Das erfreut. Nicht?" (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

16. Oktober 1892. Oberlößnitz. "Am Liebsten schriebe ich alle 3 Bände neu. Es müßte ein ethnographisch-novellistisches Meisterstück werden, nach welchem 100000 Hände griffen, noch ganz anders als Lederstrumpf und Waldläufer, viel gediegener, wahrer, edler, eine große, verkannte, hingemordete, untergehende Nation als Einzelperson Winnetou geschildert." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

9. Dezember 1892. Oberlößnitz. "Sie haben ganz richtig vermuthet; ich erzähle nur wirklich Geschehenes, und die Männer, von denen ich erzähle, haben existirt oder leben sogar noch heut. Old Shatterhand z.B. bin ich selbst." (an Unbekannt)

24. Februar 1893. Oberlößnitz. "Meine Frau bäckt soeben Kuchen, weil morgen mein Geburtstag ist. Da giebt es Abendgesellschaft mit Sang und Tanz bei mir. Könnten Sie doch dabei sein! Werde in Ihrem Namen mit Emma einen feschen Walzer schwenken." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

Mai 1893. Die Buchausgabe von "Winnetou 1.Bd." wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

9. Juni 1893. Titisee. "Gruß aus dem schönen Schwarzwald." (an Ferdinand Schöne) Im Anschluß an den Schwarzwaldaufenthalt erfolgt ein Abstecher nach Freiburg.

Juni 1893. Freiburg. Karl May und seine Ehefrau Emma besuchen das Verlegerehepaar Fehsenfeld.

(20.) Juni 1893. Schweiz. Gemeinsam unternehmen Mays und Fehsenfelds eine Reise nach Bönigen am Brienzer See. "...ganze Tage unterhielten wir uns in Knüttelversen." (Friedrich Ernst Fehsenfeld)(9)

September 1893. Die Jugenderzählung "Der Oelprinz" beginnt zu erscheinen, ebenso die Reiseerzählung "Die Felsenburg".

17. September 1893. Oberlößnitz. "Der Hauptgrund, daß ich nichts fertig brachte, ist meine gegen früher hochgradig gesteigerte Nervosität, auf welche meine Frau nicht die mindeste Rücksicht nimmt, und dann ein familiärer, über den ich nicht schreiben kann. Meine Frau ist seit der unglückseligen Reise eine ganz andere geworden." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

30. Oktober 1893. Oberlößnitz. "P. Monsignore Klein, der Beichtvater unseres Königs war bei mir und hat sich außerordentlich beifällig über unsern Verlag ausgesprochen; er will sich zur Verbreitung alle Mühe geben..." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

26. November 1893. Oberlößnitz. Wegen eines Augenleidens war May "kürzlich zweimal in Leipzig gewesen." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

Anfang 1894. Dessau. Hotel Drei Kronen. Mehrere Tage, angeblich um Studien zu einem Stück über den Alten Dessauer zu machen, weilen Karl May und Frau in der Stadt.(10) Ein gereimter Kartengruß geht an Klara Plöhn.

21. März 1894. Oberlößnitz. "Ich habe Ihnen mitgetheilt, daß ich arme Verwandte unterstütze, was meine Frau nicht will. Ich bin also gezwungen, zuweilen eine Einnahme oder Ausgabe vor ihr geheim zu halten. Ein Mann hat ja überhaupt oft Ausgaben, für welche die Frau kein Verständnis hat..." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

Mai 1894. Harzreise. Karl May unternimmt sie mit Emma, um seinen angegriffenen Gesundheitszustand zu verbessern. Eine Grippe mit Rippenfellentzündung hatte ihn zuvor geplagt. May hat kein festes Absteigequartier und unternimmt zahlreiche Wanderungen.(11)

9. Mai 1894. Blankenburg. Der Gesundheitszustand ist immer noch nicht gut, so daß an literarische Arbeit kaum zu denken ist. Er muß sich sogar "eines Schreibers bedienen". (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

Oktober 1894. Bei einem Mittagessen im Hause der Verlegerwitwe Münchmeyer erinnert der Schriftsteller an eine längst fällige Abrechnung der fünf Lieferungsromane und verlangt seine Manuskripte zurück. Statt der angeblich nicht mehr vorhandenen Handschriften erhält May wenig später einen Satz gebundener Exemplare der Heft-ausgabe. Die von Pauline Münchmeyer gewünschte erneute Lieferung eines Romanes kommt nicht zustande.

2. November 1894. Oberlößnitz. "Ich spreche und schreibe: Französisch, englisch, italienisch, spanisch, griechisch, lateinisch, hebräisch, rumänisch, arabisch 6 Dialekte, persisch, kurdisch 2 Dialekte, chinesisch 2 Dialekte, malayisch, Namaqua, einige Sunda-Idiome, Suaheli, Hindostanisch, türkisch und die Indianersprachen der Sioux, Apachen, Komantschen, Snakes, Uthas, Kiowas nebst dem Ketschumany 3 südamerikanische Dialekte. Lappländisch will ich nicht mitzählen." (an Carl Jung)

27. November 1894. Die Verlegerwitwe Pauline Münchmeyer bittet ihren ehemaligen Autor erneut um Lieferung eines neuen Romanes. May lehnt wie zuvor ab.

Dezember 1894. Die Buchausgabe von "Old Surehand 1.Bd." wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

6. Dezember 1894. Oberlößnitz. ""Old Surehand" soll wo möglich noch besser sein als "Winnetou". ...trotzdem mir die Krankheit noch schwer in den Gliedern liegt. Gut bekommen ist mir das nicht." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

16. Dezember 1894. Oberlößnitz. "Ja, ich habe das Alles und noch viel mehr erlebt. Ich trage noch heute die Narben von den Wunden, die ich erhalten habe." (an Lisbeth Felber)

24. Dezember 1894. Oberlößnitz. Zum Weihnachtsfest sind liebe Gäste geladen. "Schon brannten die Lichter an den Bäumen, und eben wollte ich mich an das Instrument setzen, um die Feier einzuleiten, da kam der Postmann und brachte Ihre Gabe. Welche Freude! ... Ihre Flaschen kamen auf die Festtafel und Ihre Photographien dazu." (an Emil Seyler 3.1.1895)

1895. Oberlößnitz. Im Verlauf des Jahres besuchen der jetzt in Lawrence USA lebende ehemalige Schulfreund Ferdinand Pfefferkorn und dessen Frau das Ehepaar May. Die Gäste neigen zum Spiritismus und führen im Hause Mays Séancen durch.

3. Januar 1895. Oberlößnitz. "Haben Sie nicht im "Hausschatze" gefunden, daß ich in Arabien und Persien gewesen bin? Bei meiner Rückkehr lagen Briefe massenhaft zur Beantwortung da, außerdem hatte ich 3 Bände "Old Surehand" zu schreiben. Der Weg über die kalten Alpen zurück zeigte sich mir nach der persischen Hitze so schädlich, daß mich die Influenza abermals packte..." (an Emil Seyler)

5. Oktober 1895. Oberlößnitz. "Ich war bis gestern verreist." (an Josef Kürschner)

November 1895. Oberlößnitz. Karl May kauft eine Villa in Radebeul.

23. Dezember 1895. Radebeul. "Lange Reise! Schwere Krankheit! Kauf einer neuen Villa! Gestern Umzug und neue Einrichtung! Tag und Nacht Manuscript schreiben!" (an Carl Felber)

30. Dezember 1895. Der offizieller Vertrag über den Kauf der Villa in Radebeul, Kirchstraße 5, für 37300 Mark, wird abgeschlossen.

März/April 1896. Der Dresdner Büchsenmacher Max Fuchs übergibt die im Auftrag hergestellte "Silberbüchse" und den "Bärentöter".

25. April 1896. Der Frühling treibt sie in das Land,
Nun kommen alle hergerannt,
Mich, bin ich früh kaum aus den Daunen,
Schon bei dem Kaffee anzustaunen.
Und glauben Sie mir auf mein Wort:
Sie geh'n nicht etwa wieder fort!
...
(an Alois Schießer)

Ostern 1896. Radebeul. Der Amateurphotograph Alois Schießer weilt für einige Tage in der Villa Shatterhand und macht 101 Kostümaufnahmen, u.a. Karl May als Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi.

4. Juni 1896. Radebeul. "Meine Geschäftsreise trete ich erst morgen an. Wie lange sie währt, kommt ganz darauf an, wann sie zu Ende geht. Finde ich die Verhältnisse vorbereitet, bin ich schon in 3 Tagen wieder da, sonst aber vor dem 12ten nicht." (an Alois Schießer) May bietet Schießer, der in Dresden studieren will, freie Kost und Logis an. Letzterer geht darauf ein und wohnt in der Folgezeit in der Villa Shatterhand.(12)

13. Juni 1896. Radebeul. "Was ich in "Winnetou" erzählt habe, ist Alles erlebt; ich erfinde überhaupt nichts. Die Überschrift meiner Bücher "Reiseromane", ist falsch; sie wird nächstens in "Reiseerlebnisse" umgeändert werden." (an Familie Wolf-Malm)

Juli (?) 1896. Radebeul. Der Redakteur des Deutschen Hausschatzes Heinrich Keiter besucht das Ehepaar May.

5. August 1896. Ein Kartengruß aus der "Maierei im Lößnitzgrunde" geht an das Ehepaar Felber.

August/September 1896. Lorch am Rhein. Nach schon länger andauerndem Briefwechsel, spätestens seit 1894, erfolgt im Herbst ein nahezu dreiwöchiger Aufenthalt im Hause der Familie des Weinhändlers Jung. "Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung mit Besichtigung von Burgen und Besuch von bekannten Ausflugsorten verschafften dem in lebhaftem Gespräch unentwegt sächselnden Ehepaar vielerlei Erlebnisse und entsprechenden Stoff zur Unterhaltung. Sehr viel Gefallen fand Karl May an den Rheingauer Weinen... in aufgelockerter Weinstimmung erzählte er dann witzige Schnurren, z.B. aus dem sächsischen oder bayerischen Sprachbereich, jedoch niemals aus der Erlebniswelt seiner Reisen. ...Fragen nach weiteren Einzelheiten über seine Reiseerlebnisse wich er gewöhnlich mit einer kurz abfertigenden Antwort aus, so daß ich bald erkannte, daß er in diesen Dingen nicht besonders mitteilsam sein wollte. Andererseits bot sein Verhalten im persönlichen Umgang keinen Anlaß, den Wahrheitsgehalt seiner Reiseschilderungen anzuzweifeln." (Bericht Carl Jungs im Wiesbadener Tagblatt 31.3./1.4.1962)Beim Abschied erfolgt die Einladung an den Schüler Carl Jung zu einem längeren Aufenthalte in der Villa Shatterhand sobald die Gymnasialzeit erfolgreich abgeschlossen sei.(13)

September 1896. Die Jugenderzählung "Der schwarze Mustang" beginnt zu erscheinen.

14. September 1896. Radebeul. "Ich war zweimal verreist, und dann daheim diese Ueberschwemmung von Arbeit! Tausende von Briefen zu beantworten - nach Regensburg, Stuttgart, Breslau und Kairo lange Manuscripte schreiben, letzteres sogar in arabischer und türkischer Sprache! Dann "Mahdi" III und "Old Surehand" III schreiben, "Im Reiche des silbernen Löwen" 5000 Seiten - dazu hunderte von Leserbesuchen, schrecklich, schrecklich, schrecklich! Ich habe Tag und Nacht arbeiten müssen und in mancher Woche nur dreimal schlafen können... Ich bewohne mein Haus "Shatterhand" jetzt mit den dienstbaren Geistern allein. Meine gute Frau befindet sich in einer Naturheilanstalt, um die Folgen der Influenza fortzujagen." (an Emil Seyler)

Oktober 1896. "Es ist Dienstag früh punkt sieben. Ich werde um Manuskript gedrängt, habe seit gestern Nachmittag drei Uhr, also sechzehn Stunden lang, am Schreibtische gesessen und kann, auch wenn ich nicht gestört werde, vor abends acht Uhr nicht fertig werden. Die Nacht, oft zwei, drei Nächte hintereinander, ohne dann am Tage schlafen zu können, ist überhaupt meine Arbeitszeit, der vielen Besucher wegen... Acht Uhr! Die erste Post wird abgegeben; dreißig Briefe von Lesern, darunter vier mit zusammen achtzig Pfennigen Strafporto, ein fast tägliches Vorkommnis... Ich kann dreist behaupten, daß noch nie jemand soviel Bierkarten erhalten hat, wie Karl May. Wer kennt alle die May-Klubs, deren Ehrenmitglied ich bin?... Wer zählt die Verbindungen, die akademischen und un-akademischen Gesangsvereine, die Lese-, Fecht-, Turn- und anderen Vereine, die Stamm-, Skat- und Kaffeetische, welche mir durch Depeschen, Briefe, Karten, Blumen und sonstige Spenden beweisen, daß ich jährlich etwa zwanzig Geburts- und dreißig Namenstage habe?..." (May in "Freuden und Leiden eines Vielgelesenen")

6. Oktober 1896. Radebeul. "Hierauf [nach "Old Surehand III"] sollte "Marah Durimeh" kommen, 3 Bände, mein Hauptwerk, welches meine ganze Lebens- und Sterbensphilosophie enthalten wird." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

17. Oktober 1896. Radebeul. "Meinen Lieblingen den lieben Obstspenderinnen in Deidesheim. Welch eine freundliche Ueberraschung! Da ich selbst ein großer Obst-Fex bin, ist mir diese Sendung im höchsten Grade interessant. Herzlichsten Dank dafür! Wären doch die Namen dabei! Man kennt mich hier als denjenigen Pomologen, welcher die edelsten Sorten zieht. Ich lege mir eben jetzt einen neuen Garten an, ca. 5000 [Zeichnung: Quadrat] Meter. Da wage ich es denn, eine große Bitte auszusprechen. Darf ich vielleicht erfahren, wie diese herrlichen Sorten heißen und aus welcher Gärtnerei resp. Baumschule sie stammen? Giebt es einen Katalog, der sie enthält? Ich möchte sie mir so gern anschaffen, und grad jetzt ist die richtige Zeit zum Einpflanzen..." (an Familie Seyler)

November 1896. "Die in Nro. 1-2 abgedruckten 9 Porträts unseres hochverehrten Mitarbeiters, des Herrn Dr. Karl May, sind uns von ihm selbst zum Zwecke des Abdruckes im Hausschatz übergeben worden. Nachdem wir nachträglich erfahren, daß Herr Photograph Adolf Nunwarz in Urfahr-Linz a.D. Eigentümer der Originalaufnahmen ist, konstatieren wir das hiermit ausdrücklich, warnen vor Nachbildung und verweisen auf seine Ankündigung der Photographien, wornach dieselben und auch noch andere Darstellungen Dr. Karl May's durch alle Buchhandlungen bezogen werden können." (Deutscher Hausschatz Nr. 8)

22. Dezember 1896. Radebeul. "...der Ärmste hatte in der letzten Zeit zu arbeiten wie in seinem ganzen Leben noch nie. Dazu täglich Besuche von auswärtigen Lesern, die man nicht gut abweisen kann..." (Emma May an Agnes Seyler)

Januar 1897. ""Schutzengel? Lächerlich!" sagte einst ein sehr gelehrter und weit gereister Herr zu mir, dessen Namen man in einigen Erdteilen kannte und auch heut noch kennt... Ein Jahr später traf ich ihn in Tirol." (May in "Old Surehand 3.Bd." S.152)

"Soll ein Buch seinen Zweck erreichen, so muß es eine Seele haben, nämlich die Seele des Verfassers." (May in "Old Surehand 3.Bd." S.342)

"Wir saßen dem Dr. May und seiner treuen Gattin am Tische gegenüber und plauderten nach Herzenslust über Mancherlei. Daß natürlich May und seine Werke den allergrößten Teil der Unterhaltung ausmachten, liegt auf der Hand. Mit entzückender Offenheit, die seinem ganzen Character eigen, erzählte er bald eine Episode aus diesem, bald aus jenem Lande. Oft waren sie uns liebe Bekannte aus seinen Schriften, zuweilen waren sie neu und es mutete uns ganz eigenartig an, diese Erzählungen zu hören, die so leichtlich dahersprudelten, als beträfen sie die einfachsten Sachen der Welt, obschon sie Erlebnisse der gefährlichsten Natur oft enthielten... Neunzehn Jahre reisen, wie May sagt, immer abseits der Heerstraße, mögen ihren Einfluß auf seinen eisernen Körper ausgeübt haben. Aber der Wille, der Geist ist sicher nicht, weder von Strapazen früher, noch von zunehmenden Alter oder von seiner angestrengten schriftstellerischen Tätigkeit angegriffen. Mit welchem Feuer weiß May zu erzählen, wie leuchten die Augen, wenn er auf seinen rothen Freund, seinen Winnetou, zu sprechen kommt! Und wie überschleicht eine unaussprechliche Rührung sein energisches Gesicht, gedenkt er des Todten." (Bericht von Dr. Fr. Amroth)(14)

5. Januar 1897. Radebeul. Erster Besuch des jungen Max Welte in der Villa Shatterhand. "May empfing uns in dem Zimmer, welches andere Leute Salon nennen würden; da es aber einen solchen hier nicht gibt, so hat das Zimmer den poetischen Namen "Emmas Harem" empfangen... May ist nämlich Feinschmecker und genießt manche Speisen nur dann, wenn sie von seiner Gattin eigenhändig zubereitet sind... Mays Weinkeller ist höchst exquisit und wird von dankbaren Lesern oft bereichert; oben an stehen die "Deidesheimer Orgelpfeifen". Nach Tische setzte sich May an's Klavier... Er spielte Stücke aus seiner Oper "Winnetou", an welcher er jetzt arbeitet. Sein Spiel zu beschreiben unterlasse ich, und ich fände auch keine Worte, aber jeder, der seine Komposition seines Liedes "Ave Maria" kennt, der weiß, wie ergreifend seine Melodien wirken..." (Max Welte in einem Brief an seine Cousine Nana)

9. Januar 1897. Die Buchausgabe von "Old Surehand 3.Bd." wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

22. Januar 1897. Radebeul. "Wollte schon am 20ten "Satan" III schicken; da kam Pustet. Er ist erst jetzt fort; darum erst heut der Band. "Auf fernen Pfaden" [sic!] folgt binnen einer Woche." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

26. Januar 1897. "Herr Keiter, der sich für die Folge jedes literarischen Eingriffs in Ihre Manuskripte enthalten wird, beginnt im 8ten Heft des "Hausschatz" mit Ihrer neuen so sehnlichst erwarteten Reiseerzählung "Im Reiche des silbernen Löwen"... Hoffentlich erfreuen Sie uns recht bald mit der Fortsetzung des hochinteressanten Manuskripts." (Friedrich Pustet jun. an May)

Februar 1897. "An Mehrere: Die spannende Reiseerzählung von Dr. Karl May, "Im Reich des silbernen Löwen", beginnt im nächsten, dem 8. Hefte." (Deutscher Hausschatz Nr. 21)

Die Reiseerzählung beginnt: "Im Reiche des silbernen Löwen. Erste Abteilung. Die Rose von Schiras." (Deutscher Hausschatz Nr. 22)

"Es ist jeder heiß- oder schnellblütig angelegte Mann nur glücklich zu preisen, wenn er eine bedachtsame Frau besitzt, welche es versteht, ihn in freundlicher, aber ja nicht herrischer Weise vor Unbedachtsamkeiten zu bewahren. Und doppelt glücklich zu preisen ist er, wenn er trotz seines Temperamentes so einsichtig ist, sich von ihr raten, mahnen und lenken zu lassen! Es geht ihm dadurch kein einziges Atom von seiner Manneswürde verloren." (May in "Im Reiche des silbernen Löwen 1.Bd" S.285 der späteren Buchausgabe)

"Ein Mann, der eine Frau hat, ist doch ein ganz anderer Mann als einer, der kein Weib besitzt!" (May/Halef in "Im Reiche des silbernen Löwen 1.Bd" S.385 der späteren Buchausgabe)

"Ich habe mich stets bemüht, meine Pflicht zu thun und ein guter Mensch zu sein; das ist mir oft schwer, sehr schwer geworden, wenn ich sah, daß mir dieses Bestreben nur Nachteil brachte... Ich habe mit meinem Herzen und mit meiner Armut unaufhörlich kämpfen müssen und mich schließlich drein ergeben, daß es meine Bestimmung sei, in der trüben Gesellschaft unerfüllter Wünsche durch das Leben zu gehen." (May/Dozorca in "Im Reiche des silbernen Löwen 2.Bd" S.412 der späteren Buchausgabe)

15. Februar 1897. Radebeul. "Da ich tausende von Briefen meiner Leser zur Beantwortung hier liegen habe, kann ich Ihnen leider nur kurz sagen, daß Droll und Hobble-Frank jetzt unter sehr guten Verhältnissen leben. Wenn Sie mich besuchen, werde ich Ihnen Alles zeigen, was Sie zu sehen wünschen." (an Michael Oppenheim)

10. März 1897. Radebeul. "Ich bedarf der Erholung nur zu dringend, kann aber doch nicht eher fort, als bis mein neuer Garten angelegt ist, und habe bis Ende April noch über 3000 Seiten "Im Reiche des silbernen Löwen" und 1200 Seiten "Scheitana" zu schreiben. Dann aber geht es unbedingt fort, nach Berlin, Hamburg, Bremen, Leer, Hannover, Münster u.s.w. Köln, Deidesheim, Stuttgart, Regensburg, München, Innsbruck, Salzburg, Wien, Ungarn pp pp Eine Erholung wird das aber auch nicht, denn ich habe da überall Vorträge zu halten und die Salamander der verschiedenen Studentenschaften mitzureiben. Dabei mach ich diese lange Tour nur, um endlich wenigstens den gesellschaftlich Hervorragendsten unter den Hunderten, welche mich eingeladen haben und längst mit Ungeduld erwarten, zu Willen zu sein. Lange kann ich mich da freilich bei Niemandem verweilen, oft höchsten nur ein halbes Stündchen. Ich werde wohl müder nach Hause kommen, als ich von hier fortgehe... Sind meine lieben Orgelpfeifen noch gut bei Ton? Oder klingen sie verstimmt, weil
der vielgeplagte Onkel,
welcher schreibt Nachts, wenn es donkel
und gar auch die oft genannte
reiselustge Emmatante
im Ballon bei günstgem Wind
heut noch nicht gekommen sind?
Ich versteh mich etwas auf das Orgelstimmen und werde, wenn der May mit dem Mai bei Ihnen eingezogen ist, den Schaden auszubessern versuchen.
" (an Emil Seyler)

20. März 1897. Radebeul. "Da Sie die drei Bände Old Surehand noch nicht zu kennen scheinen, schicke ich sie Ihnen als Geschenk von Ihrem Old Shatterhand. Aus dem ersten Bande werde Sie ersehen, daß auch ich blind gewesen bin und also sehr wohl weiß, welche herrliche Gottesgabe den lieben Zöglingen Ihrer Anstalt versagt worden ist... Ich schreibe jetzt drei neue Bände einer Reise, welche ich mit Hadschi Halef durch Persien gemacht habe. Wenn die Bücher fertig sind, werde ich sie Ihnen senden. Auch die drei Bände "Im Lande des Mahdi" schicke ich Ihnen gern, wenn Sie sie noch nicht haben..." (an Unbekannt in einer Blindenanstalt im Elsaß)

22. März 1897. Die Buchausgabe von "Satan und Ischariot 2.Bd." wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

April 1897. "Eine englische Übersetzung von Dr. Karl Mays Reiseerzählungen ist unseres Wissens nicht erschienen." (Deutscher Hausschatz Nr. 29)

8. April 1897. Radebeul. "Bitte, kommen Sie mit Herrn Weber morgen, Freitag, und richten Sie es so ein, daß Sie mit uns essen, also spätestens 1 Uhr hier eintreffen." (an Max Welte)

9. April 1897. Radebeul. Besuch Max Weltes mit seinem Freund Walter Weber in der Villa Shatterhand. Es fallen ihm die "kleinen zarten Hände" Mays auf. Beim Essen im "Weißen Roß" habe May seine Gemahlin mit "vorzüglicher Hochachtung" bedient. Seine Lieblingsrose sei die Marschall-Niel-Rose. Auch ist May ein starker Raucher; als Kettenraucher verbraucht er nur ein Zündholz am Tag. (Max Welte an seine Cousine Nana)

11. April 1897. Radebeul. Phototermin in der Villa Shatterhand. "1er Preis für das VIIIte sächsische Wettphotographieren" (an Max Welte)

14. April 1897. Radebeul. "Also, Anfang Mai geht es fort, nach Hamburg, an den Rhein, zu Ihnen und dann weiter: Schweiz, Tirol, Oesterreich, Ungarn. Ich werde Ihnen meine Ankunft melden. Lange kann ich leider nirgends bleiben, denn es stehen mir zu dieser ganzen Reise höchstens sechs Wochen zur Verfügung; aber ich freue mich riesig auf Sie und die lieben Ihrigen. Was (den Wein) - die Reben - betrifft, so wird es wohl nun Zeit zum Pflanzen. Ich gehe auf Ihr freundliches Anerbieten ein, behalte mir aber vor, mit Ihnen persönlich darüber zu verhandeln, ob es opportun ist oder nicht, eine solche Sendung als Geschenk anzunehmen." (an Emil Seyler)

15. April 1897. Radebeul. "Das Titelwort "Reiseromane" ist ohne meine Erlaubniß gesetzt (also falsch) und jetzt in "Reiseerzählungen" umgeändert worden. Ich bin wirklich Old Shatterhand resp. Kara Ben Nemsi und habe erlebt, was ich erzähle." (an Unbekannt) "Ich kam erst Sonnabend von einer weiten Reise zurück, und nun liegen über 5000 Leserbriefe da, welche alle nach der Reihenfolge ihres Einganges zu beantworten sind. Das würde für Ihr Schreiben erst nach Monaten sein, aber so lange darf ich die lieben Kleinen doch unmöglich warten lassen... Ihre lieben Kinder würden sich gewiß sehr freuen, wenn sie Heft I des "Deutschen Hausschatz" neuer Jahrgang, sehen könnten; da ist viel (mit Abbildungen) über Old Shatterhand zu lesen." (an Freiherrn von Laßberg)

Mai 1897. "Herr Dr. Karl May erfreut sich in seiner Villa zu Radebeul des besten Wohlseins." (Deutscher Hausschatz Nr. 34) Veröffentlichung von "Ave Maria, Gedicht und Komposition für Männerchor von Dr. Karl May."

2. Mai 1897. "Ich war verreist. Ich bin gern bereit, Ihnen eine packende, actuelle Reiseerzählung im gewünschten Umfang zu liefern, und bitte mir Ihre Bedingungen gütigst mitzutheilen." (an Joseph Kürschner) "Betreffs des Weihnachtsbandes muß ich auch mit Ihnen reden. Ich habe da 2 Sujets, nämlich entweder einen Hadschi Halef-Band oder einen "Christmas" betitelten, welcher hochinteressant zu werden verspricht... Wir reisen am 8. ds. M. ab, Berlin, Hamburg, Westfalen, Rhein, Stuttgart pp, Bayern, Oesterreich, Ungarn. Die Fahrtenbücher sind schon bestellt." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

4. Mai 1897. "Hervorragende Neuheit. Photographieen von Dr. Carl May, dem berühmten und wohl beliebtesten Reiseschriftsteller der Gegenwart, mit seiner eigenhändigen Unterschrift sind unter Vorbehalt aller Urheberrechte seitens der Verlagsfirma A. Nunwarz, Urfahr-Linz in nachstehenden Ausgaben erschienen: ..." (Anzeige im Börsenblatt)

9. Mai 1897. Radebeul. "Beim Einpacken einige Worte. Morgen nach Leipzig; dann Harz, Hamburg, Rhein. Von Köln aus werde schreiben, wann wir mit Kurirzug Bingerbrück Neustadt fahren. Wenn möglich, sind wir zu Pfingsten bei Ihnen." (an Emil Seyler)

10. Mai 1897. Abreise nach Leipzig.(15)

10.-15. Mai 1897. Harz. Wie schon bei dem Harzaufenthalt 1894 läßt sich der Verlauf der Reise nicht mehr rekonstruieren. Möglicherweise erfolgte ein Besuch der Familie Hannes in Wernigerode. Mit Marie und deren Bruder Ferdinand Hannes muß Karl May seit den späten 90er Jahren näher in Kontakt getreten sein.(16)

16. Mai 1897. Hamburg. Der Besuch gilt in erster Linie der Familie Carl Felber. "Schlicht und sympathisch sah er (Karl May) aus. Der Schalk blitzte ihm aus den Augen, als er zum erstenmal vor uns stand in unserer damaligen Wohnung am Steindamm... Voller Bewunderung betrachteten wir stets Karl Mays Hände... In einer Kutsche fuhr man durch Hamburg. Karl May bewunderte die Stadt. Und vor allem die Kellner bewunderten - ihn. Wo er auch aufkreuzte, gab es tiefe Bücklinge. Geld hatte für Karl May keinen Wert - außer, damit anderen eine Freude bereiten zu können. Wir rissen die Augen groß auf, wenn Karl May eine Zeche von zwei oder drei Mark bezahlte und dann dem Kellner ein Goldstück als Trinkgeld in die Hand drückte." (Bericht Elisabeth Larson, geb. Felber)(17)
Gruß auf offizieller Ausstellungspostkarte der Gartenbauausstellung aus Hamburg an Emil Seyler.

19. Mai 1897. Hamburg. "Mein Bruder und Karl May waren große Verehrer von Fürst Bismarck. Daher wurde, ehe Karl May abreiste, ein Ausflug nach Friedrichsruh vereinbart. Wir führen hin und fragten in einem nahe gelegenen Restaurant, wann und wo man wohl Bismarck sehen könnte. Wir hörten, daß er mittags 12 Uhr aus dem Tor seiner Besitzung herausfahre, um eine kleine Ausfahrt zu unternehmen. Da wir mit Blumensträußen versehen waren, hieß es, wir dürften sie ihm nicht in die Hände drücken, denn sie schmerzten ihn sehr. Wir stellten uns dann mit noch einigen anderen Leuten nahe dem Tor auf, und richtig kam dann das Gefährt mit dem schon recht leidend aussehenden Fürsten und fuhr langsam, so daß jede von uns Frauen und Mädchen die Blumen mit Grüßen aus Hamburg und Dresden übergeben konnte. Der Fürst neigte ein wenig den Kopf und sagte liebenswürdig: "O meine Damen!" Dann rollte der Wagen weiter und Karl May und mein Bruder blieben gedankenvoll plaudernd zurück." (Bericht Elisabeth Larson, geb. Felber) "Viele Grüße" aus Friedrichsruh gehen an Max Welte.

21. Mai 1897. Hamburg. An Bord des Schnelldampfers "Prinzessin Heinrich" auf Helgolandfahrt. Kartengruß Mays an Emil Seyler.

24. Mai 1897. Hamburg. "Mit lieben eingeladenen Leserinnen und Lesern hier in Hamburg Hotel Berliner Hof vereint". (telegraphisch an Emil Seyler)

29. Mai 1897. Hamburg. Telegramm vom Hotel Berliner Hof an Emil Seyler.

30. Mai 1897. Kassel. Besuch der Wilhelmshöhe. "Tausend Grüße vom Hausfreund Shatterhand und seiner guten Squaw vom Rio Pecos". (telegraphisch an Emil Seyler)

31. Mai 1897. Wiesbaden. Besuch der Familie Wolf-Malm. "Große Hitze hier, welche von den tausend Fragen meiner hiesigen Leser noch glühender gemacht wird. Old Shatterhand und Nscho-tschi II" (an Emil Seyler) Es erfolgt die Eintragung ins Gästebuch der Familie Wolf-Malm:
Das Leben ist ein Kampf;
Der Tod ist der Sieg;
Ich lebe, um zu kämpfen,
Und ich sterbe, um zu siegen.

Juni 1897. "Eine weitere Komposition des Ave Maria von Karl May veröffentlichen wir demnächst." (Deutscher Hausschatz Nr. 38)

1. Juni 1897. Köln.

5. Juni 1897. Bonn. Telegramm an Emil Seyler. Die Ankunft zu Pfingsten in Deidesheim wird durchgegeben. Weiterfahrt nach Königswinter, Hotel Monopol.

6. Juni 1897. Königswinter. "Das Wort: Karl May ist da, fuhr im nähern Bekanntenkreise wie der Blitz herum und sehr schnell war der bescheidene Gesellschaftssaal mit Damen und Herren angefüllt, die darauf brannten, die Bekanntschaft des Mannes zu machen... Da gings dann an ein Erzählen und Fragen... Mit seltener Liebenswürdigkeit, mit frischem Humor hielt Herr Dr. May im Kreuzfeuer der Rede und Gegenrede Stand, hier eine interessante Episode seines reich bewegten Lebens streifend, dort mit seinem Geiste eine Ansicht berichtigend... Nachmittags machte der Schriftsteller mit seiner Gemahlin eine Fahrt auf den Drachenfels. Eine Anzahl seiner Verehrer begleitete ihn. Der Director der Zahnradbahn stellte sofort einen Extrazug dem bekannten Weltreisenden zu Ehren ein." (Echo des Siebengebirges, 8. Juni 1897) "Zur Erinnerung, an den schönen Pfingstsonntag des Jahres 1897" (Widmung im Gästebuch des Gasthofes zum Drachenfels)

7. Juni 1897. Königswinter.Vormittags Besuch bei verschiedenen Familien. Danach Abreise nach Deidesheim zur Familie Emil Seyler.

8.-10. Juni 1897. Deidesheim. Im Kreise Geladener aus der Bekanntschaft der Seylers wird in der Folgezeit herzhaft in der Tafelrunde "geweint und gelacht" (an Emil Seyler vom 14.7.1897)
"Wir hatten ihn fest und hielten ihn fest. Denn es war ein zu köstlicher Genuß, ihn fern von seinen Manuskripten, losgetrennt von seinen ernsten Pflichtarbeiten, Friedenspfade verfolgend als muntern Wandersmann für einige Stunden mit Beschlag belegen zu können... Aber leider wie bald schwand die Zeit dahin, in der man mit ihm, dem Erholungsbedürftigen, zusammen sein konnte. Auch war schon die Sonne hinabgesunken und die heraufsteigenden Wolken führten kühlere Luftzüge in ihrem Gefolge mit - Umstände, welche die Räumung der Veranda veranlaßten. Gute Geister fügten es aber, daß man seine anregende Gesellschaft auch noch anderswo genießen konnte, nie zu lang nie lang genug, denn wenn er freigebig spendet aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung, wobei seine Wort- und Menschenkenntnis zutage tritt, wenn man dem leichten Fluß seiner Rede lauscht und seine große Sprachgewandtheit bewundern muß, wenn er so ungesucht den Ernst seiner Worte mit den Guirlanden anmutigen Scherzes verbrämt, so auf den Goldgrund eines tiefen Gemütes schauen läßt, dann fühlt auch der unruhigste Mensch - Talent zum Sitzenbleiben." (Kaplan Andreas Kempf in der Pfälzer Zeitung vom 21.8.1897)

11. Juni 1897. Niederwald. Kartengruß an Familie Felber

Beim Denkmal hier am Niederwald,
Auf Euer Wohl ein Pfropfen knallt;
Hoch lebe Liesbeth Felber
Und zweitens auch er selber!

17. Juni 1897. Deidesheim. Ausflug mit Besuch der Hardenburg. Eine Postkarte geht an die Gastgeber Seyler.

19. Juni 1897. Deidesheim. Telegramm an Friedrich Ernst Fehsenfeld.

21.-22. Juni 1897. Deidesheim. Abreise mit Abschiedsgedicht:

Nacht ist es rings; es schlägt halb drei,
Und vom Gepäck ermüdet, sitzen
der Onkel und die Tante May,
Um Euch noch geistig anzublitzen. ...

22.-23. Juni 1897. Stuttgart. Telegraphischer Dank für eine Depesche sowie zwei Ansichtskarten an Familie Seyler.

24. Juni 1897. Friedrichshafen. Kartengruß an Familie Seyler.

25. Juni 1897. Lindau. Fahrt auf dem Bodensee. "...probiere einige Deiner Weine. Man muß sie bei Dir trinken!" (an Emil Seyler)

26. Juni 1897. Innsbruck. "... als ich, von einem Radausflug zurückgekehrt, auf meiner Bude in Innsbruck eben beim Umkleiden war, klopfte es an der Tür, und herein trat - Karl May! Er machte damals mit seiner Frau eine Reise nach Tirol... Ich konnte ihm die gastfreundliche Aufnahme in Radebeul ein wenig vergelten, indem ich ihm die Sehenswürdigkeiten der Stadt zeigte, und wieder waren es äußerst wertvolle Stunden, die ich in seiner Gesellschaft verbringen durfte." (Clemens Freiherr von der Kettenburg)(18)

27. Juni 1897. Aufbruch zum Achensee.

29. Juni 1897. Achensee. Hotel Scholastika. Der größte Teil der Zeit wird auf dem Kreuzhof des befreundeten Grafen Jankovics verbracht. "Der Abt [von Fiecht, Albert II. Wildauer] kam nach dem See. Er umarmte mich und grüßte mich mit den Worten: "Sie sind der größte Wohltäter der deutschen Jugend!" Er führte mich im Laufe des Tages rund um den Achensee..." (in der Freistatt 1910).
Freiherr von der Kettenburg trifft für einen kurzen Besuch auf dem Kreuzhof ein. "So konnte ich den herrlichen Sommertag zum größten Teil in Karl Mays Gesellschaft, sei es in der gemütlichen Tirolerstube, sei es im Boot, genießen" (Clemens Freiherr von der Kettenburg). Eintragung Karl Mays ins Gästebuch des Kreuzhofes:

Am Achensee, am Achensee,
Da steht ein wundersames Haus;
So oft hinein, hinein ich geh,
sehn' ich mich nimmermehr hinaus. ...

30. Juni 1897. Achensee. "... als wir Abend 11 Uhr Abschied nahmen, um nach unserem Hotel zu fahren, (wir mußten nämlich immer über den See) begleitete uns die alte Frau Gräfin mit ihrer Tochter, u. als wir noch einmal einen letzten Gruß nach dem Kreuzhof sandten, erstrahlte das ganze Haus in Buntfeuer; Alles war behangen mit bunten Lampions, sogar das Bootshaus, was sich im See prächtig wiederspiegelte [sic!]. Und weit her vom See erklangen wunderbare Töne an unser Ohr; vielleicht zehn Boote waren hinausgesandt worden, um uns aus der Ferne ein letztes Lebewohl zu singen." (Emma May an Agnes Seyler 1.8.1897) "Währenddessen wurde von der Dienerschaft auf dem Wasser das "Ave Maria" vierstimmig gesungen... " (Clemens Freiherr von der Kettenburg). Abreise vom Achensee mit unbekanntem Ziel.

1. Juli 1897. Die Buchausgabe von "Satan und Ischariot 3.Bd" wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

3. Juli 1897. Starnberg. Dampferfahrt auf dem Starnberger See. Grußkarte an die Familie Seyler und an den Verleger Friedrich Pustet.

4. Juli 1897. Eintreffen in München. Hotel Trefler. "Am Ersten Abend entdeckte mich ein dortiger Buchhändler im Hotel und ließ es ohne mein Wissen in die Zeitungen setzten, daß "May da sei"." (an Emil Seyler 12.8.1897)

5. Juli 1897. München. "... Mittag hatte ich schon über 600 Briefe und Karten mit Besuchsanmeldungen. Von nachmittags zwei bis abends 1 Uhr gegen 900 Besuche... Während ich Hunderte von Lesern (hohe Offiziere, Grafen, Barone mit ihren Squaws bis herunter zum Arbeiter) im Saale hatte, mußte ich alle zehn Minuten auf den Balkon treten, um mich der untenstehenden Menge zu zeigen und sie zu grüßen... Die kleineren Gymnasiasten pp standen so dicht vor dem H“tel, daß die Tramway nicht durchkonnte und es keine andere Hilfe gab, als sie per Wasserschlauch auseinanderzuspritzen." (an Emil Seyler 12.8.1897)
"Gegen halb 8 Uhr Abends fand die erste Audienz ihr Ende. Von 8 Uhr Abends ab sammelte sich, wiederum im Speisesaale, ein aus Männern gereifteren Alters zusammengesetztes Auditorium, um teils Aufschlüsse des gefeierten Schriftstellers über seine Lebensgewohnheiten, seine Art zu reisen, die Qualität seiner Waffen etc. entgegenzunehmen, teils selbst dem Schriftsteller Anekdoten und Schilderungen von der Wirkung seiner Schriften zur Kenntnis zu bringen..." (Bayerischen Courir 7.7.1897).
"Karl May behandelte die Erschienenen mit größter Liebenswürdigkeit, gleichsam wie Glieder einer großen Familie... Old Shatterhand hielt mit nichts zurück, sondern erzählte uns von allem Möglichen und zwar im buntesten Wechsel, von einem Gebiet ins andere überspringend, ohne daß es mir gelungen wäre, irgendwelche Associationspunkte zu entdecken, von den intimsten Dingen, die ihm persönlich Seele und Leib berührten, von seiner Brautwerbung, wie von seinen Mahlzeiten, von erlebten Gefahren und Abenteuern..."(Bericht Ernst Webers 1903)(19)

6. Juli 1897. München. Fortsetzung der Massenaudienzen im Hotel Trefler. "über 600" Besucher (an Emil Seyler 12.8.1897)."Bald werden die Radebeuler Zugvögel ihr Nest wieder aufsuchen!" (Emma May an Max Welte)

7. Juli 1897. München. Fortsetzung der Massenaudienzen im Hotel Trefler. "über 800" Besucher (an Emil Seyler 12.8.1897). Das Ehepaar May entzieht sich dem Besucherstrom ("dann riß ich aus"), bleibt aber in München. Ein großer Bericht über den Besuch Karl Mays erfolgt im Bayerischen Courir. "Soeben kommt mir Ihr õ Referat in die Hände. Um Mißverständnissen vorzubeugen, gestatte ich mir die Bitte um Aufnahme folgender Bemerkungen in Ihr geschätztes Blatt: Ich habe vor militärischen Autoritäten allerdings 100 Schüsse aus meinem Henry-Stutzen abgegeben, doch nicht in der Minute... " (an den Redakteur des Bayerischen Courir)

8. Juli 1897. München. May hält sich vornehmlich in einem kleinen Kreise von Verehrern auf. In der Gastwirtschaft Schleibinger Keller schreibt er folgende Zeilen Dr. Joseph Weigl in dessen Kalender:

Ich kurier den Schmerz der Seelen,
Sie kurieren Mann, Weib und Kind;
Drum werd ich daheim erzählen,
Daß wir liebe Collegen sind.

9. Juli 1897. München. Grußkarte an Familie Seyler "im Kreise lieber Menschen", mitunterzeichnet haben Max Harlander, Dr. Weigl und F. Schmid.

10. Juli 1897. "Nach etwa achttägigem Aufenthalt in München hat Dr. Karl May unsere Stadt nunmehr wieder verlassen, um sich über Regensburg in seine Heimat zurückzubegeben..." (Bericht im Bayerischen Courir 10.7.1897). Ankunft in Regensburg und Besuch des Verlegers Pustet.

11. Juli 1897. Regensburg, wo der Besucherstrom der Verehrer "gleich wieder so los ging. Darum sind wir nur zwei Tage geblieben" (Emma May an Agnes Seyler 14.7.1897). Beginn eines mehrtägigen Abstechers nach Böhmen.

12. Juli 1897. Eger. Kartengruß Emma Mays an Agnes Seyler.

13. Juli 1897. Komotau. Hotel Scherber. Auf Einladung erfolgt ein Besuch der Gerümpelausstellung. "... Es hat auch nicht lange gedauert, da hörten wir ein heiteres Frauenlachen auf der Stiege, darauf eine ernste Stimme, die sprach: "Aber bitte, da ist gar nichts zu lachen!" Die mit eingedrückten Zylinderhüten dekorierte Stiege hatte die Heiterkeit der Frau May erregt und gleich darauf betrat das Ehepaar den alten Schießhaussaal. Sie war eine imposante Frauengestalt, wie man sich Wagners Walküre denken kann, doch der Anblick Karl Mays enttäuschte uns. Wir hatten uns eine Heldengestalt vorgestellt, statt deren kam ein kaum mittelgroßer Mann herein, etwas krumme Beine (vom vielen Reiten, wie Fischer erklärte) aufrechtstehende, ziemlich struppige Haare, einen goldenen Zwicker auf der Nase... Als Karl May die Ausstellung verlassen hatte, ließen wir ihn noch nicht los und Fischer brachte die Bitte vor, May möchte sich von uns zum Andenken photographieren lassen... Aber Karl May wollte davon nichts wissen, er habe, wie er sagte, den Alleinvertrieb seiner Bilder seiner Verlagsbuchhandlung übergeben und sei vertraglich verpflichtet, sich nirgends photographieren zu lassen. Aber auf unser dringendes Bitten ließ er sich doch herbei, uns zu einer Aufnahme zu sitzen, richtiger zu stehen, denn die Aufnahme wurde eine ganze Figur, er ließ sich auch von uns keine Stellung geben, sondern nahm selbst Stellung und meinte, er wisse schon selbst, wie er gut werde." (Bericht von K. Handek 1933)(20)

14. Juli 1897. Komotau. "Du wärst so recht die dritte im Bunde... sind nun schon wieder 2 Tage hier in Komotau in Böhmen, von wo aus es dann, Gott sei Dank, endlich morgen nach Hause geht." (Emma May an Agnes Seyler)

15. Juli 1897. Dresden-Altstadt. "ein Pilsener auf aller Euer Wohl!" (an Emil Seyler)

16. Juli 1897. Eine Anfrage aus dem Hause Pustet über Mays Kolportagetätigkeit bedarf der Antwort: "Ich werde die Münchmeyer`sche Verlagsbuchhandlung gerichtlich belangen und Ihnen das Resultat mitteilen." (an den Verleger Pustet)

27. Juli 1897. Um die längere Schreibverzögerung gegenüber dem Verleger zu verschleiern, heißt es: "vorgestern nach Hause gekommen". (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

1. August 1897. Radebeul. "... jetzt sind wir schon bald 3 Wochen daheim... Die Reise war zwar sehr anstrengend, aber schön war sie auch. Wir haben Tage u. Stunden verlebt, die wohl nicht jedem Sterblichen beschieden sind... Wir hatten wieder zwei Amerikanerinnen zu Besuch; so lange wir heim sind, haben wir noch keine Ruhe gehabt." (Emma May an Agnes Seyler)

5. August 1897. Kartengruß aus der "Maierei im Lößnitzgrunde." (an Emil Seyler)

10. August 1897. Dresden. Dr. Heinrich von Marquardsen ist Gast der Familie Seyler in Deidesheim. "Hoch auf das Haus Seyler und seinen illustren Gast". (telegrafisch an Emil Seyler)

12. August 1897. Radebeul. "Es ist wirklich kaum auszuhalten, welche Last von Arbeiten mich drückt! 6000 Seiten "Silberner Löwe", 1 Band "Christfest", 1 Band "Hadschi Halef" u.s.w. u.s.w. Täglich ca. 60 Briefe; nur zu lesen, oft 8 Seiten lang und unleserlich! Dann die Besuche während der großen Ferien! Ich möchte aus der Haut fahren...!" (an Emil Seyler).
"Im Bahnhofsrestaurant [Leipziger Bahnhof, Dresden] sitze ich und denke über den Weihnachtsband nach, den ich mit wahrer Begeisterung schreibe... der Zug geht ab. Herzl. Gruß!" (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

17. August 1897. Radebeul. In Warschau sind viel Leute edel,
Am alleredelsten Herr Wedel,
Dieweil er liess mit Haut und Haaren
Frau Julie her nach Dresden fahren,
Um sich bei Bilz zu restauriren
Und die Gesundheit renoviren. ...
Drum komme Freundin, komme bald,
Sonst wird bei uns der Kaffee kalt,
Und bleib auch auf der Reise treu
Herrn und Frau Doctor Emma May.

(an Julie Vitali)

20. August 1897. Dresden. Kartengruß an die Familie Seyler. Der Band "Auf fremden Pfaden" wir als erschienene Neuigkeit angekündigt.

27. August 1897. Nachmittäglicher Besuch des Buchhändlersohnes Richard Kirsch aus Wien. "Mein Besuch dauerte bereits 2 Stunden. Ich wollte nicht lästig erscheinen, wiewohl May nicht das Geringste merken ließ. Und so ging ich schweren Herzens, indem ich für die freundliche Aufnahme dankte und May im Namen meines Vaters einlud, im Falle einer Wiener Reise uns aufzusuchen." (Richard Kirsch vom 24.2.1937)(21)

29. August 1897. Kaplan Andreas Kempf ist Gast in der Villa Shatterhand. Gemeinsame Wanderungen mit den Gastgebern durch die Sächsische Schweiz erfolgen. Kartengruß von der Bastei geht an Familie Seyler.

September 1897. "Dr. Karl May, der Allbeliebte, erscheint mit der Reiseerzählung "Scheba et Thar"" (Ankündigung des Regensburger Marienkalenders im Deutschen Hausschatz Nr. 49)

"Was wir im nächsten Jahrgang bringen. Im Reiche des silbernen Löwen, von Karl May. Der Liebling der Leserwelt hat uns in sichere Aussicht gestellt, daß der erste Band der packenden Reiseerzählung pünktlich eintreffen werde. Die zahllosen Freunde von Dr. Karl May werden also auch im kommenden Jahrgang seine gern gelesenen Abenteuer nicht vermissen." (Deutscher Hausschatz Nr. 49)

Die Reiseerinnerung "Mutterliebe" im Einsiedler Marien-Kalender für 1898 wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

2. September 1897. Kötzschenbroda. Bahnhofsrestaurant Max Baumann. Kartengruß Emma Mays an Familie Seyler.

15 September 1897. Niederlößnitz. Friedensburg. "Wir gestatten uns die herzlichsten Glückwünsche zu Eurem heutigen Hochzeitstage!!! (Wann ist er denn eigentlich ?)" (an Familie Felber). Von gleicher Örtlichkeit geht ein Kartengruß an Familie Seyler ab.

17. September 1897. Dresden. Kartengruß an Jenny Plaeschke.

22. September 1897. Radebeul. ""Weihnacht" schreitet schnell vorwärts. Nächstens geht ein ganzer Schub an Krais ab. Anfang November letztes Manuscript. Dieser Band wird kostbar. Drucken Sie nur so viel wie möglich!" (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

28. September 1897. May bedankt sich für zwei Zahlungen und erwähnt, daß er den Kontrakt mit Nunwarz zum Vertrieb seiner Portraitkarten gekündigt habe. (an Alois Schießer)

10. Oktober 1897. Radebeul. Massen von Besuchern, es klingelt "alle drei Minuten, so daß ein Mädchen nur immer an der Pforte stehen" muß. Es handelt sich vor allem um Dresdner Herrschaften, die "verbinden dann gleichzeitig einen Ausflug in unsere herrliche Lößnitz damit." (Emma May an Agnes Seyler 16.10.1897)

12. Oktober 1897. "Die Hauptsache ist der Name May, der muß besonders in die Augen fallen, denn er ist es allein, welcher zieht. Steht er bloß auf dem Rücken, so ist es nichts. Die Käufer wollen zu Weihnachten weniger einen Weihnachts- als vielmehr einen May-Band haben; daß dieser Band ein Weihnachtsthema behandelt, kommt in zweiter Linie." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

13. Oktober 1897. Radebeul. "Erstes Kapitel von "Weihnacht" geht... an H. Krais ab. die weiteren folgen schnell nach." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld 12.10.1897)

14. Oktober 1897. Radebeul. "Ich verkaufe keine Photographien; das lasse ich natürlich den Händlern über. Von Winnetou, Sam Hawkens... sind keine zu haben, sondern nur von mir (Old Shatterhand). Indem ich die Preisliste beilege sage ich Ihnen besten Gruß!" (an Paul Thomas)

15. Oktober 1897. Radebeul. Clemens Freiherr von der Kettenburg war für zwei Tage zu Besuch; auch Kaplan Andreas Kempf war zu Gast in der Villa Shatterhand (Foto mit ihm und Max Welte). Z.Z. Besuch von Frau Carl Jung, demnächst kommt "Gräfin Jankovics auf einige Tage, dann Besuch aus Berlin, Hamburg, Warschau... Du kannst mir glauben, ich bin oft so kaputt, daß ich umfallen möchte." Es "sammelten sich z.B. soviel Fremde hier an, daß wir Abends mit einigen hiesigen Bekannten 26 Personen zu Tisch hatten." (Emma May an Agnes Seyler 16.10.1897)
Neben den Arbeiten am Bande "Weihnacht" stehen noch Arbeiten für Magazine in Kairo und Konstantinopel an. "... ich habe z.B. in dieser Woche 3 Nächte durch geschrieben, muß auch die nächste durch arbeiten und werden dann am Tage, anstatt ruhen zu können, von Gästen, kürzeren Besuchen, der Beantwortung von Fragen, Bittschriften pp so in Anspruch genommen werden... Ich bin selbst schuld, weil ich das Verhältniß zwischen mir und meinen Lesern vielleicht zu ernst, zu heilig nehme; ich bin ihr Freund, ihr Berather auch in tausend privaten Angelegenheiten. Ich sollte aufhören, zu schreiben und mich zur Ruhe setzen; ... wöchentlich wenigstens 500 Seiten à 900 Sylben, ... Uebrigens haben wir kürzlich sehr kräftig auf das Wohl unserer geliebten Seylers angestoßen. Ich hatte, um die Drängendsten gleich auf einmal zu befriedigen, ihrer so ein halbes Schock geladen und gab ein Feuerwerk von 86 Nummern. Es... dauerte volle drei Stunden." (an Emil Seyler)

16. Oktober 1897. Radebeul. "amerikanische Reise einstweilen aufgegeben." (Emma May an Agnes Seyler)

22. Oktober 1897. Radebeul. "Haben Sie schon Correctur v. "Weihnacht" bekommen? Das Manuscript wächst schnell." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld) Karl May begibt sich an einem der folgenden Tage auf Reisen, um dem heimatlichem Trubel zu entkommen und so in Ruhe und Abgeschiedenheit den Roman "Weihnacht" fortsetzen zu können.

25. Oktober 1897. Wachau. Kartengruß an Familie Seyler.

26. Oktober-17. November 1897. Birnai. Garten-Restaurant Ernst Herzig. Bis auf das erste Kapitel und einige Schlußseiten entsteht hier der Hauptteil des Bandes "Weihnacht". "Menschen, die ihn kannten, erzählen noch, wie er die Einrichtung seines Zimmers umgruppiert hatte und Tag und Nacht bei Petroleumbeleuchtung schrieb, umgeben von zahllosen Landkarten und Plänen" .(Zeitungsbericht von 1938)

26. Oktober 1897. Die Buchausgabe von "Der Oelprinz" wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

November 1897. "Wenn Herr Dr. Karl May mit der Lieferung von Manuskript so fleißig, wie in den letzten Wochen, fortfährt, so kann der Roman: Im Reiche des silbernen Löwen, im dritten Hefte beginnen." (Deutscher Hausschatz Nr. 6)

18. November 1897. Radebeul. Muß "noch in dieser Woche den Band "Weihnacht" fertigschreiben. Interessant ist mir das von den Cigaretten. Bitte, senden Sie mir ein Päcktchen [sic!] oder Kästchen zur Ansicht; den Preis schicke ich Ihnen sofort zu." (an Unbekannt) Der unbekannte Briefschreiber hatte den Schriftsteller informiert, daß Zigarettenschachteln mit dem Konterfei Old Shatterhands aus der Kostümfotoserie auf dem Markt seien.

25. November 1897. Radebeul. "Ab nun nicht mehr "Gesammelte Reiseromane", sondern "Gesammelte Reiseerzählungen"." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

28. November 1897. Radebeul. "Ich erhielt auch erst Bogen 27 Correctur. Das Manuscript ist dort bei dem Drucker Felix Krais, nur die letzten Seiten Schluß behielt ich zur Abrundung zurück, bis ich Bogen 34 bekomme." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

Dezember 1897. "Fehsenfelds Verlag in Freiburg in Baden legt von Karl Mays gesammelten Reiseerzählungen die Bände 20-23 auf den Weihnachtsbüchertisch (jeder Band elegant gebunden 4 Mark). Die Bände 20-22 enthalten den Roman Satan und Ischariot, den wir in den Jahrgängen 1894/1896 unter dem Titel: Die Felsenburg, Krüger-Bei und die Jagd auf den Millionendieb veröffentlichten. Bd. 23 umfaßt unter dem Titel: Auf fremden Pfaden eine Reihe kleinerer Erzählungen. Unseren Lesern Karl Mays Reiseerzählungen besonders empfehlen wollen, hieße Eulen nach Athen tragen, wir dürfen uns begnügen, auf das Erscheinen der neuen Bände aufmerksam zu machen." (Deutscher Hausschatz Nr. 11)

"Herr Dr. Karl May wohnt in Radebeul-Dresden.- J. Sch. in D. Die im Deutschen Hausschatz vom 15. Jahrgang an veröffentlichten Reiseerzählungen von Karl haben folgende Titel: XV. Der Scout. Reiseerlebnisse in Mexiko. XVI. El Sendador, Quer durch Südamerika. I. Teil. Lopez Jordan. XVII. El Sendador, Quer durch Südamerika. II. Teil. Schatz der Inkas. XVIII. Der Mahdi. I. Teil. Am Nile. XIX. Der Mahdi. II. Teil. Im Sudan. XX. Die Felsenburg. XXI. Krüger-Bei. XXII. Die Jagd auf den Millionendieb. XXIII. Im Reiche des silbernen Löwen. Einleitung." (Deutscher Hausschatz Nr. 13)

10. Dezember 1897. Kötzschenbroda. Bahnhofsrestaurant Max Baumann "Bitte, Sonntag mit dem Zuge 12, 1 von Neustadt aus zum Mittagessen!" (an Max Welte)

11. Dezember 1897. Radebeul. "Es stand in alten Zeiten ein Café hoch und her, /Das war ganz voll von Leuten, und das gefiel uns sehr/jedoch am allerbesten gefiel von seinen Gästen/Uns der Besitzer selber, denn es war unser Felber./Wir denken seiner immer, und wenn er nicht bald schreibt, /wird's mit der Sehnsucht schlimmer, bis krank sie liegen bleibt, /Drum laß uns nicht lang warten: Es gibt ja Ansichtskarten!" (an Carl Felber)

17. Dezember 1897. Radebeul. "Es ist mir nicht möglich gewesen, Ihren Brief richtig zu verstehen. Bitte, habe Sie die Güte, mir mitzuteilen, welches Honorar Sie mir pro Auflage bieten und wie hoch diese Auflage sein soll..." (an Josef R. Vilimek)

24. Dezember 1897. Die Bücher Karl Mays seien "in den Index einzutragen". (Frankfurter Zeitung)

25.-27. Dezember 1897. Radebeul. "An den 3 Weihnachtsfeiertagen haben wir zusammen 43 Personen zu Tisch... Da heißt es, die Gedanken zusammennehmen, zumal wenn man, wie es mir jetzt geht, keine zuverlässigen Mädchen hat." (Emma May an Agnes Seyler 10.2.1898)

28. Dezember 1897. Der Band "Weihnacht" wird als erschienene Neuigkeit angekündigt.

Januar 1898. "Die in meinem Hause übliche Gastfreundschaft, welche ich eine westmännische nennen möchte, beraubt meinen Gast nicht einen Augenblick lang seiner Freiheit und Selbstbestimmung. Er bekommt als Zeichen, daß er sein eigener Herr bleibt, sofort den Hausschlüssel ausgehändigt. Er ist in jeder Beziehung Familienglied, und was ich habe, gehört, so lange er bei mir ist, auch ihm. Er braucht nicht zu bitten oder auf Erfüllung eines Wunsches zu warten wie ein Fremder, sondern er hat nur zu wollen, zu bestimmen, ganz so zu thun, als ob er in seinem eigenen Hause sei." (May in "Weihnacht" S.169)

"Fr. Z. Die unter dem Titel: Auf fremden Pfaden herausgekommenen Erzählungen von Karl May sind zuerst meist in Kalendern veröffentlicht worden." (Deutscher Hausschatz Nr. 17)

11. Januar 1898. Radebeul. "Sie wissen es kommt mir nicht auf das Geld an sondern darauf, daß ich einen so guten Bekannten auch achten kann! N.unwarz dagegen wimmert mir stets die Ohren voll, hat mir aber noch keinen Kr. Zinsen für das ihm geliehene Kapital gesandt." (an Alois Schießer)

16. Januar 1898. Besuch der Villa Shatterhand und Eintrag ins Gästebuch von Friedrich Ernst Fehsenfeld mit Frau und Bruder.

17.-21 Januar 1898. Berlin.

22. Januar. 1898. Berlin. "...diesen Gruß und noch 999.999 recht herzliche dazu". (an Emil Seyler)

24. Januar 1898. Berlin. Tag der Abreise.

Februar 1898. "P.Bl.G. Im Deutschen Hausschatz erschien der erste Roman von Karl May im fünften Jahrgang, 1880, betitelt: Three carde monte." (Deutscher Hausschatz Nr. 22)

Ende Januar oder Anfang Februar 1898. Carl Jung ist zu Besuch in der Villa Shatterhand. "Um meinen Aufenthalt für mich so angenehm und interessant wie möglich zu machen und meinen Drang nach möglichst weitgehender Teilnahme an dem sehr hochstehenden Kuturleben des benachbarten Dresdens zu ermöglichen, überreichte mir mein Gastgeber zunächst eine Eisenbahndauerkarte 1. Klasse... Die Wohnräume machten im allgemeinen den Eindruck des in damaliger Zeit üblichen Wohnstils gehobener Bürgerlichkeit. Wenn ich mich auch nicht erinnere, damals Kunstgegenstände von besonderem Wert wahrgenommen zu haben, so bewies immerhin ein im Eßzimmer plaziertes Pianino ein gewisses musisches Verhältnis zur Kunst... Angesichts der in seinem Klavierspiel offen zutage getretenen Diskrepanz zwischen Wollen und Können wagte ich die etwas beklommene Frage, ob er sich auch imstande fühle, mit dem Schreiben einer Orchesterpartitur und der Instrumentation neben seiner sonstigen schriftstellerischen Betätigung fertig zu werden. Darauf gab er mir prompt zur Antwort, das besorge ihm ein befreundeter Dresdener Musiker. Auch sonst fanden meine begeisterten Schilderungen von meinen damaligen musikalischen Erlebnissen in der Hofoper, Hofkirche und Konzerten bei ihm nur geringen Widerhall, da er zu den Werken der großen klassischen Kunst nur ein oberflächliches Verhältnis zu haben schien. Während meines Aufenthaltes in seiner persönlichen Nähe und Umgebung habe ich nicht den Eindruck gewinnen können, daß er tagsüber mit ernster schriftstellerischer Arbeit beschäftigt sei. Er schien in dieser Hinsicht mir eine Erklärung schuldig zu sein, als er mir sagte, daß er nur nachts arbeite, um so den Ablenkungen der banalen Alltäglichkeit zu entgehen. Das Zigarrenrauchen und der Kaffee seien ihm dabei seine besten Gesellschafter." (Bericht Carl Jungs im Wiesbadener Tageblatt 31.3./1.4.1962) Carl Jung wird von Karl May gebeten, die in wenigen Tagen beginnende Pragreise mitzumachen, auf Kosten des Hausherrn.(22)

10. Februar 1898. Radebeul. "Ausruhen giebt es überhaupt nicht; es jagt immer Eins das Andere. Morgen kommen 2 Hamburger Herren; die kommen mir allerdings sehr ungelegen, denn Sonnabend muß ich das Bündel schnüren; Sonntag geht es auf 3 Wochen fort in die weite Welt. Erst Prag, dann Wien, Linz, München, Regensburg, Dresden." (Emma May an Agnes Seyler)

11. Februar 1898. "Es ist im Leben häßlich eingerichtet, /Daß May, grad wenn er schreibt und dichtet, /Eh fertig er den Reim an Euch gebracht, /Ein unbegreiflich dumm's Gesichte macht." (an Carl Felber)

16. Februar 1898. Prag. "Dr. Carl May, der bekannte Weltreisende und Schriftsteller, Tausenden von Lesern unter dem Namen Old Shatterhand und Kara ben Nemsi bekannt, ist aus Dresden zu zweitägigem Aufenthalt in Prag eingetroffen und im "Hotel de Saxe" abgestiegen. Herr Dr. May ist im Begriffe, eine auf drei Jahre projectirte Reise nach Arabien, Persien und Ostindien zu unternehmen." (Prager Tagblatt)(23) Grund der Pragreise ist der Wunsch des Verlegers Josef R. Vilimek, in größerem Stile Romane Mays zu verlegen.
Ein Artikel gegen Karl May erscheint in dem amerikanisch-deutschen Blatt Der Wanderer, St. Paul, Minnesota.

17.-19. Februar 1898. Prag. Hotel de Saxe. "In Prag rissen sich die Czechen mit den Deutschen um mich" (an Emil Seyler 15.4.1898). Besuch des Klosters Emaus durch Vermittlung Carl Jungs. "Der Rundgang endete auf der Orgelempore, wo ein großes dreimanualiges Instrument sich dem Spieler darbot. Prior Schachleiter, als ausgezeichneter Orgelvirtuose bekannt, begann mit einer großartigen Improvisation, nach deren Beendigung er Karl May einlud, auch seinerseits das machtvolle Instrument einmal auszuprobieren." Alle Bemühungen bleiben jedoch erfolglos. Karl May setzt sich nicht an die Orgel.(24)

20. Februar 1898. Ankunft in Wien. Hotel Goldene Ente. Grüße "aus der alten Kaiserstadt" (Emma May an Max Welte).

21. Februar 1898. Wien. Besuch des Buchhändlers Heinrich Kirsch und dessen Sohn Richard. Anschließend am Abend Vortrag in der Leo-Gesellschaft. "Seine bischöfliche Gnaden, der Hochwürdigste Herr Feldvicar Dr. Belopotoczky, dankte dem Redner bewegt und aufs tiefste gerührt." (Bericht im Vaterland 22.2.1898)
"... nach Schluß des Unterhaltungsabends der Leo-Gesellschaft, begab sich Herr Dr. May in Begleitung des Barons Vittinghoff-Schell zum Faschingsabend des katholischen Handelscasinos, wo er in Gesellschaft seiner Frau Gemahlin längere Zeit in animiertester Stimmung verweilte und alle Anwesenden durch seine witz- und geistsprühende Unterhaltung in gehobene Stimmung versetzte. Selbstverständlich ließen es die Versammelten nicht an Ovationen für den Helden des Wilden Westens fehlen..." (Bericht in der Reichspost 26.2.1898)(25)

22. Februar 1898. Wien. Vormittags Faschingsausflug nach Nußdorf zusammen mit Richard von Kralik. Durch Vermittlung des ehemaligen Schülers Richard Kirsch nachmittags halb drei Uhr ein Vortrag im Theatersaal des Konvikts Kalksburg vor 500 Zöglingen und der Anstaltsleitung über das Thema: Winnetou, der Edelmensch. Darüber hinaus erfolgt eine Audienz am Hofe. "Dieser allerorts beliebte und viel bekannte Reiseschriftsteller wurde... von Ihrer kaiserlichen Hoheit der Frau Erzherzogin Maria Therese, im Beisein der Erzherzoginnen Maria Annunciata und Elisabeth, sowie der Kinder des Erzherzogs Otto und der hier weilenden Söhne des Herzogs Karl Theodor von Bayern empfangen". (Bericht in der Reichspost 26.2.1898)

23. Februar 1898. Wien. Abends "fand sich Dr. May in einer ihm zu Ehren im "Regensburger Hof" veranstalteten Zusammenkunft katholischer Männer ein, bei welcher sein von ihm gedichtetes und componirtes "Ave Maria" vom Sängerchor "Dreizehnlinden" vorgetragen wurde, was einen tiefen Eindruck auf die ganze Versammlung machte." (Bericht in der Reichspost 26.2.1898)

25. Februar 1898. Wien. Karl May feiert seinen 56. Geburtstag im Hause des Grafen Jankovics. Abends Fortsetzung der Geburtstagsfeier im Hause der Familie Kirsch. "Wir hatten noch einige Freunde zu Tische gebeten. Der Abend verlief sehr angeregt und May erzählte ein ganzes Kapitel aus "Im Reich des silbernen Löwen", ... Schließlich spielte er auf unsere Bitte auf dem Klavier das von ihm selbst vertonte "Ave Maria". Es mag Mitternacht gewesen sein, als, immer noch zu früh, der Gefeierte von uns schied." (Bericht Richard Kirsch 24.2.1937)

26. Februar 1898. Wien. Ausführlicher Bericht über Karl Mays Aufenthalt in der Wiener Reichspost.

März 1898. "J.L. Die jetzt in Buchform erscheinenden Reiseerzählungen von Karl May sind zum größten Teil zuerst im Deutschen Hausschatz veröffentlicht." (Deutscher Hausschatz Nr. 26)

1. März 1898. Wien. "Uns geht es hier in Wien sehr traurig; wir sind keine Minute Herrn unserer Zeit. Die ganze hohe und höchste Aristokratie ist begeistert u. will Old Shatterhand sehen... Das H“tel ist von früh bis Abends belagert; ... Es ist schön, aber auch ungeheuer beschwerlich, ein berühmter Mann zu sein... es ist jetzt 12 Uhr Nachts; mein guter Mann schläft schon... " (Emma May an Agnes Seyler)
May erkrankt ernstlich und verbringt "3 Wochen krank im Bette". (an Friedrich Ernst Fehsenfeld 19.5.1898) Vermutlich handelt es sich um ein "erbliches Hämorrhoidalleiden, kompliziert mit dem Aufbruche einer alten schlecht vernarbten Wunde." (May unter dem Namen Richard Plöhn in der Tremonia 20.8.1899)

9. März 1898. Wien. "Erst heute ist eine Wendung zur Besserung eingetreten, doch ist noch größte Schonung geboten." (Meldung in der Reichspost)

10. März 1898. Wien. "An ein Fortkommen ist hier nicht zu denken, wir werden noch 8 Tage hier bleiben." (Emma May an Agnes Seyler) Karl May verläßt das Krankenlager und unternimmt erste Spaziergänge.

11. März 1898. Wien. "Dr. Carl May, welcher noch immer in unserer Stadt weilt, ist wieder vollkommen hergestellt..." (Meldung im Vaterland)

12.-20. März 1898. Wien.

21. März 1898. "Dr. Carl May hat heute nach fünfwöchentlichem Aufenthalte Wien verlassen und ist nach Linz abgereist." (Meldung im Vaterland)

22. März 1898. Linz. Die Rückkehr für den 27. März wird angekündigt. "Du wirst auch von Radebeul öfter von mir hören!" (Emma May an Agnes Seyler)

23. März 1898. Linz.

24. März 1898. München. Hotel Trefler. Begrüßung auf dem Bahnhof durch Mitglieder des örtlichen Karl-May-Clubs. "Hurrah, jetzt sind wir endlich wieder auf deutschem Boden." (Emma May an Agnes Seyler) Abends treffen sich die Klubmitglieder im Hotel Trefler zu einem gemütlichen Abend. May wird nicht müde, Episoden aus seinem Leben zu erzählen. Um 2 Uhr morgens trennt man sich.(26)

25. März 1898. München. Mittags und abends ist Karl May Gast des Karl-May-Clubs im Café Luitpold. Es folgen gemeinsames Billiardspiel, auch werden zahlreiche Geschichten über die eigene Biographie, über Winnetou, über das Westmannsleben etc. zum besten gegeben.

26. März 1898. München. Auf Betreiben Prinzessin Wiltruds erfolgt eine Einladung in das Wittelsbacher Palais, "wo ich in einer langen, langen Audienz alle Glieder des Bayerischen Königshauses um mich versammelt sah und mit ihnen wie ein alter, lieber Bekannter verkehren durfte." (May an Emil Seyler 15.4.1898) "Bald werden die Radebeuler Zugvögel ihr Nest wieder aufsuchen!" (Emma May an Max Welte)

28. März 1898. München. Karl May ist wieder Gast des May-Clubs. Über 30 Personen feiern Abschied von dem Namengeber ihrer Vereinigung.

29. März 1898. Regensburg. Heimkehr nach Radebeul.

April 1898. "Ave Maria, Gedicht von Karl May. Komposition von K.W.Nitzsche". (Deutscher Hausschatz Nr. 29)

15. April 1898. Radebeul. "Wäre es nicht Nacht, und hätte ich nicht so entsetzlich nothwendig zu arbeiten, so würde ich Dir einen langen Brief schreiben über die großartigen Ehrungen, welche mir auf meiner letzten Reise zu Theil wurden... Es war ein wahrer Siegeszug, den ich gehalten habe, oder vielmehr nicht ich, denn gesiegt hat die Sache meines lieben Herrgottes, für den ich schreibe, um ihm recht, recht viele Menschenherzen zuzuführen." (an Emil Seyler)

17. April 1898. Radebeul. Das Ehepaar May schenkt Magdalena Seyler zur Erstkommunion die Reproduktion der Rafaelschen Madonna. May widmet es mit einer Variante seines "Ave Maria" :
Ave Maria
Sei gegrüßt, Du Heil'ge, Reine!
Sei gegrüßt, gegrüßt seist Du,
Keine Liebe giebt wie Deine
Meinem Herzen selge Ruh.

Sei gegrüßt, Du voller Gnaden,
Du mein Heil zu jeder Zeit,
Komm ich zu Dir schmerzbeladen,
Nimmst auf Dich Du all mein Leid.

Sie gegrüßt, von Dir gerufen,
Steig ich immer höher auf,
Bis vor Deines Thrones Stufen
Ich vollende meinen Lauf.

Sei auch dann gegrüßt, und breite
Ob mir Gottes Gnade aus,
Nimm mich an der Hand und leite
mich zu ihm ins Vaterhaus.

29. April 1898. Dessau. Grußtelegramm an Familie Seyler.

30. April 1898. Dessau. "Vom Geburtsfeste des Herzogs von Dessau... In diesem Schlosse wohnt ein sehr lieber Gönner von mir." (an Agnes Seyler)

1. Mai 1898. Abreise ins Niedersächsische über Salzwedel. May reist alleine.(27)

2. Mai 1898. Lanz. Kartengruß an Emil Seyler aus Lenzen/Elbe. Es gilt Studien zu unternehmen "... wegen meines nächst erscheinenden Theaterstückes in Gartow, Lüchow, Lenzen". May beabsichtigt, ein neues Stück über den "Alten Dessauer" zu schreiben.

3. Mai 1898. Lüchow.

4. Mai 1898. Gartow. Hotel Krug. Kartengruß an Emil Seyler aus der Thal-Mühle. Für die nächsten Abende gibt Karl May in geselliger Stammtischrunde Geschichten aus seinem abenteuerlichen Leben als Jäger und Abenteurer zum besten. So heißt es über dem Bärentöter, daß die Büchse den einen Nachteil habe, "daß sie ungeheuer schwer sei, so daß außer ihm selbst nur wenige damit umgehen könnten. Wenn ihn jemand besuchte und es dann einen plötzlichen Krach gäbe, so wisse seine Frau schon, daß er wieder einmal - wie erst kürzlich dem König von Sachsen - seine Büchse vorgeführt und gereicht hätte und der Besucher die Büchse habe fallen lassen, weil sie ihm zu schwer war." (Bericht Karl Junacks, Heimatbote 1935) Mit dem Lehrer Friedrich Hinnrichs unternimmt May Ausflüge in die nähere Umgebung, z.B. über Kapern nach Schnackenburg. Abgestiegen wird im Gasthof Kerkau.

6. Mai 1898. Gartow. Da May die geringsten Dienstleistungen mit verschwenderischen Trinkgeldern belohnt, macht er sich hier bei einfachen Leuten auf dem Lande verdächtig. Zwei Polizeibeamte erscheinen im Hotel und setzen den Schriftsteller fest. Ermittelt wird wegen Hochstapelei. Er darf das Hotelzimmer nicht verlassen, bis seine genaue Identität festgestellt ist. Im Laufe des Tages kommt aus Radebeul die erlösende Mitteilung: "Karl May hier wohnhaft, übt sehr gern Wohltätigkeit." (Friedrich Hinnrichs, Karl-May-Jahrbuch 1924) "... als franz. Spion arretirt". (an Friedrich Ernst Fehsenfeld 19.5.1898)

7. Mai 1898. Abreise mit der Kutsche aus Gartow über Kapern, Bömenzien, Ziemendorf und Arendsee nach Salzwedel. "Dr. Karl May hat also auch Bekanntschaft gemacht mit den das Herz bewegenden Verkehrsverhältnissen, die jetzt ja auch nicht allerseits besser geworden sind, denn in den Schlaglöchern zwischen Gartow und Capern gleich nach der Straße nach Holtorf würde K. May heute als unerfahren auf der Strecke wahrscheinlich steckenbleiben, weil er ja nicht wissen könnte, daß nur die eiligste Flucht auf den Sommerweg oder in Schneckentempo vor Berg- und Thalkarussell retten kann - und so bleibe ich diese Nacht in Salzwedel." (an Wilhelm Anton Krug) Abgestiegen im Gasthof Zum Schwarzen Bären.

8. Mai 1898. Fortsetzung der Reise mit der Bahn. Grußtelegramme an Friedrich Hinnrichs: 14.50 Uhr aus Stendal, 16.25 Uhr aus Schönebeck.

13. Mai 1898. Per Bahnpost Dresden-Meißen, Zug Nr.1559, geht ein Brief Emma Mays an Familie Seyler. Briefschulden werden bedauert und Besserung gelobt.

16. Mai 1898. Radebeul. Mays haben einen "...höchst interessanten Besuch, nämlich die drei Grafen von Radetzky, welche begeisterte Leser von mir sind -- Enkel des Feldmarschalls Radetzky." (an Emil Seyler 18.5.1898)

17. Mai 1898. Radebeul. Karl May vermeldet in einer Karte an Wilhelm Anton Krug, daß er, kaum aus Gartow zurück, schon weiter nach Wien mußte. Soeben sei er wieder daheim angekommen.

18. Mai 1898. Radebeul. "Wir haben eine schwere Reisezeit hinter uns. Ich machte diese Reise, um mich zu erholen, bin aber angegriffener wiedergekommen als ich fortgegangen bin." (an Carl Felber)
"Kürzlich war ich zum Geburtstag in Dessau und dann in Gartow bei Grafen von Bernstorff, um Studien zu machen... In einer der neuen Nummern des "Hausschatz" steht mein "Ave Maria" wieder, für Tenor und Sopran von einem guten Bekannten von mir komponirt. Die Composition ist vortrefflich. Wie würde ich mich freuen, sie von der herrlichen Stimme unserer lieben Freundin Agnes zu hören!... Jetzt ists aber genug, denn ich sehe, ich trete ins Stadium der Dichteritis, und dann werde ich lebensgefährlich." (an Emil Seyler)
"Was Ihre Auseinandersetzung betrifft, so giebt es außer Ihnen - man sollte es wohl nicht glauben - noch elf Offerten... Nun weiß ich, daß Sie Ihrer Leistungsfähigkeit wegen den Vorzug verdienen... Nur ist es ein Irrthum, daß ich mit 150 Mrk. einverstanden gewesen sei... Auch möchte ich contractlich festgestellt haben, wie hoch die Auflage für diese 200 Mrk. sein soll. Und was dieses Honorar betrifft, so würde, da ich sehr oft für lange Zeit von daheim auf Reisen abwesend bin, es mir lieb sein, wenn es pränumerando zu entrichten wäre!" (an Josef R. Vilimek)

19. Mai 1898. Radebeul. Ähnlicher Bericht wie am Vortag an Felbers über die Reisetätigkeit der letzten Monate geht an seinen Freiburger Verleger: "Wien. Wollte drei Tage da sein; es wurden fünf Wochen. Audienzen am Kaiserhof, ... - Nur wenige Tage daheim: Drei Grafen von Radetzky, Enkel des Feldmarschalls, Graf Schwerin, Prinzessin Windisch-Grätz u.s.w." Darüber hinaus wird erstmals ein neues literarisches Projekt angekündigt. "Der nächste Band ist der 25te, also ein Jubiläumsband; da muß ich etwas Vorzügliches bringen... und werde einen Band schreiben, der entweder den Titel "Vom Tode erstanden" oder "Am Jenseits" hat." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld)

25. Mai 1898. Radebeul. "...Ihnen lege ich Blumen aus dem gelobten Lande bei, welche mir mein lieber, hochverehrter Freund, der Patriarch von Jerusalem, gesandt hat." (an Friedrich Hinnrichs)

29. Mai 1898. Radebeul. "Wegen Ueberhäufung mit Arbeit, Besuchen pp können wir Euch leider einen nur kurzen aber um so herzlichern Pfingstgruß senden." (an Emil Seyler)

7. Juni. 1898. Per Bahnpost Leipzig-Riesa-Dresden geht eine Karte an Familie Seyler. Bedauern über eine Erkrankung Agnes Seylers wird zum Ausdruck gebracht.

19. Juni 1898. Radebeul. "Vergangene Woche haben wir die ersten Erdbeeren von Deinen Pflanzen gepflückt; ... morgen Logierbesuch auf 8 Tage; da giebt es noch Vieles zu besorgen. Ein geistlicher Herr aus Ungarn Lajos Szekrényi ..., welcher meines Mannes Werke ins Ungarische übersetzt..." (Emma May an Agnes Seyler)

23. Juni 1898. Kartengruß von der Bastei geht an Emil Seyler. Die Zierde der Sächsischen Schweiz wird bedichtet.

24. Juni 1898. Meißen, "die ganz aus Porzellan bestehende Stadt". (Kartengruß an Emil Seyler)

25. Juni 1898. Per Bahnpost Leipzig-Riesa-Dresden geht ein Kartengruß an Familie Seyler.

8. Juli 1898. Radebeul. "Meine Werke sind nicht zu beurtheilen wie die Bücher Anderer, auch Verne's. Die meinen sind nicht bloß die Früchte langer und angestrengter Studien sondern noch mehr die Erfolge fast 30jähriger Reisen, Entbehrungen und Gefahren; sie sind, man kann das wörtlich nehmen, mit meinem Blute aus den Wunden geflossen, deren Narben ich noch heut an meinem Körper trage." (an Josef R. Vilimek)

12. Juli 1898. Radebeul. "Auch ich verreise, wie ich Ihnen bereits mitgetheilt habe, und zwar für lange Zeit, weit über das laufende Jahr hinaus, und so ist es selbstverständlich, daß ich lange Verhandlungen und einen Contract mit Honorarverzettelungen... möglichst vermeiden muß." (an Josef R. Vilimek)

27. Juli 1898. Radebeul. "...nehmt unsern Herzensdank für die herrliche Hoffnung, Euch bald unsere Treppen hinaufkraxeln zu sehen!" (an Emil Seyler)

August 1898. "Anmerkung zu Seite 857. Der Schluß des ersten Bandes der Reise-Erzählung von Karl May ist weit umfangreicher geworden, als erwartet werden konnte. Um nun das Material bewältigen zu können, ohne den übrigen Lesestoff erheblich zu schädigen, hat der Verlag sich entschlossen, zu Heft 16, 17 und 18 je eine besondere Beilage von 8 Seiten zu geben, sodaß unsere Leser in diesem Jahrgang 24 Seiten Lesestoff mehr erhalten. Die Redaktion." (Deutscher Hausschatz Nr. 46)

2. August 1898. Radebeul. Karl May will laut einer Mitteilung an seinen Buchverleger Fehsenfeld bis zum Spätherbst mit "Am Jenseits" fertig sein. Zur Zeit bearbeitet er den Zeitschriftenabdruck von "Im Reiche des silbernen Löwen" für die Buchausgabe. "Anbei empfangen Sie von "Im Reiche des Silberlöwen" Bd. 1 und das erste Kapitel von Bd. II. Es würde mir lieb sein, wenn H. Krais recht bald beginnen könnte, damit wir mit diesen beiden Bänden und "Am Jenseits" schnell fertig werden, weil ich im Spätherbst nach Mossul, Bagdad etc. etc. zu Hadschi Halef reise."

12. August 1898. Vierfacher dichterischer Kartengruß an Familie Seyler von Schloß Weesenstein.

Vers 1: Im alten Schloß zu Weesenstein,
Da solls des Nachts sehr finster sein.
Warum so finster grad bei Nacht?
Das hat man nicht herausgebracht.

Vers 2: Wenn es des Nachts dort Zwölfe schlägt,
Der Klöppel zwölfmal sich bewegt,
Warum es grad zwölf Schläge macht,
Das hat man nicht herausgebracht!

Vers 3: Ein Dichter, dem dies ward bericht',
Der machte darauf ein Gedicht.
Warum er das Gedicht gemacht?
Das hat noch niemand 'rausgebracht!

Nutzanwendung: Im alten Schloß zu Weesenstein
Da sitzen wir so ganz allein.
Warum Ihr nicht mit uns gemacht,
Das hat noch keiner 'rausgebracht'!

15. August 1898. Radebeul. Der schon angekündigte und wieder verschobene Besuch der Familie Seyler verzögert sich zum Leidwesen der Mays weiter, was Emma May in einem Brief an Agnes Seyler zum Ausdruck bringt.

17. August 1898. Grünthal. Gastwirtschaft Klinger. Ein Eintrag in das Gästebuch erfolgt.
In Grünthal giebts ein liebes Haus; Geht man da öfters ein und aus
Und lernt die braven Leute kennen,
Die sich mit Namen Klinger nennen,
So geht man wohl von diesem Ort
Mit großem Widerstreben fort
Und sagt: "Hier läßt sichs glücklich sein;
Ich kehre baldigst wieder ein!"

18. August 1898. Grünthal. Von einer "nur dreitägigen Spritztour nach der österreichischen Grenze herzliche Grüße" (Emma May an Agnes Seyler). Mit von der Partie sind Klara und Richard Plöhn sowie Mays Hausarzt Dr. Mickel.

30. August 1898. Die Reiseerzählung "Die Umm ed Dschamahl" im Regensburger Marien-Kalender für 1899 wird als soeben erschienen angekündigt.

September 1898. "Auch für den neuen Jahrgang haben wir ausgezeichneten Lesestoff in reicher Auswahl zur Verfügung, sodaß der 25. Jahrgang sich seinen vielen Vorgängern würdig anreihen wird. Karl May setzt seine Reiseerzählung Im Reiche des silbernen Löwen fort und spannt den Leser durch die stets wechselnde abenteuerreiche Handlung und die frische packende Darstellung, die auch dem Humor einen weiten Spielraum läßt." (Deutscher Hausschatz Nr. 49) [Der geplante Beitrag Mays erscheint jedoch nicht.]

8. September 1898. Kartengruß aus dem Kurort Mulda an Familie Seyler.

14. September 1898. Mulda. Telegraphischer Gruß an die Familie Seyler.

15.-30. September 1898. Kirchheim unter Teck. Zu Gast bei Max und Emma Weise in deren Villa Weise. Ähnlich wie im Herbst 1897 zieht sich Karl May zur literarischen Arbeit zurück.(28) "Wie Sie aus meinen Karten ersehen haben, war ich nicht daheim sondern wegen den lästigen, täglichen Leserbesuchen nach dem einsamen Orte geflohen, um ungestört am Band 25 "Am Jenseits" arbeiten zu können." (an Friedrich Ernst Fehsenfeld 1.10.1898)

Oktober 1898. "Abonnent in Ostpreußen. Bezüglich der zweiten Frage werden Sie sich am besten an Dr. Karl May selbst wenden, der Ihnen gerne Auskunft erteilen wird." (Deutscher Hausschatz Nr. 2)

1. Oktober 1898. Rückreise um 7.50 Uhr von Kirchheim unter Teck mit der Bahn mit Umsteigen in Unterboihingen, Stuttgart, Weißenfels und Leipzig.

2. Oktober 1898. Ankunft um 0.41 Uhr in Dresden. "Sobald ich mit der Arbeit fertig bin, geht es nach Arabien zu Halef etc. etc. etc. vielleicht an Freiburg vorüber. Ich freue mich königlich, daß ich meine Haddedihn wiedersehe!" Die zur Zeit vorbereitete Serie an Bildpostkarten zu den Reiseerzählungen kommt ebenfalls zur Sprache: "Wie kann ich den Meisterschuß thun, von welchem die Rede ist, wenn mein Pferd, grad als ich schieße das Bein hebt... Das bin ich, der da liegt? Pfui!" (an Friedrich Ernst Fehsenfeld, rückdatiert 1.10.1898)

2. Oktober 1898. Radebeul. "Im October, spätestens November gehe ich wieder nach Arabien, um meine braven Haddedihn und ihren Scheik, den lieben Hadschi Halef Omar aufzusuchen..." (an Pfarrer Hammer)

3. Oktober 1898. Radebeul. "Gestern nach hier zurückgekehrt" (an Agnes Seyler) wird immer noch der Besuch der Familie Seyler sehnlichst erwartet.

8. Oktober 1898. Karl May bittet schriftlich die Redaktion des Radebeuler Adreßbuches um Korrektur der Seite 358. Es fehlt bei seiner Namensnennung der Titel Dr., was laut seiner Aussage schon zu Verwechslungen geführt hat.

12. Oktober 1898. Beginn einer Prag-Reise, deren Anstoß in den zögerlichen Vertragsverhandlungen mit dem Verleger Vilimek liegt.

13. Oktober 1898. Prag. Hotel de Saxe. "Zu meinem großen Erstaunen erfahre ich hier durch öffentliche Plakete, daß die Verlagshandlung von Jos. R. Vilimek mit der Herausgabe einer böhmischen Uibersetzung resp. Bearbeitung meiner Reisewerke begonnen hat... Seine wiederholte Drohung, das Unternehmen auch gegen meinen Willen auszuführen, ist jetzt, wie ich sehe, zur That geworden... Ich werde selbstverständlich für meine Rechte und für die Unantastbarkeit des ethischen Charakters meiner Werke mit vollen Kräften einzutreten wissen..." (in Bohemia 14.10.1898/Vaterland 15.10.1898)(29)

14. Oktober 1898. "Ein sogen. Schriftsteller Dr. May habe dadurch die Aufmerksamkeit auf sich gezogen, daß er sich den ständig oder vorübergehend hier weilenden Mitgliedern des Mecklenb. Fürstenhauses zu nähern gewußt hat und sich dieser Beziehungen gelegentlich rühmt. Der Mann entpuppt sich bei näherer Prüfung als ein vorbestrafter Schwindler und Hochstapler..." (Polizeipräsident von Dresden an Kgl. Sächs. Amtshauptmann).
Prag. Kartengruß "Mit der Abbildung der größten hiesige