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Walter Abendroth

1896 - 1913, Schriftsteller, Komponist

Wir machten uns in diesem Kreise nun auch mit manchen neueren Autoren bekannt ... Auf einer Puppenbühne inszenierten wir sogar das naiv-ambitiöse Karl-May-Spiel "Babel und Bibel", wozu ich die Musik zu liefern hatte ...

Ich warne Neugierige, Autobiographie, München 1966, S. 25.

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Konrad Adenauer

1876 - 1967, Politiker

... schätzte Karl May, den er in seiner Jugend gelesen hatte und auch in seinen reiferen Jahren noch gern las.

Nach: Albrecht P. Kann, Karl May. So war sein Leben. Hamburg 1979, S. 154.

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Theodor W. Adorno

1903 - 1969, Philosoph, Kritiker

... erwähnt Karl May (Old Shatterhand, Winnetou).

In: Blochs Spuren, Noten zur Literatur II, Frankfurt/M 1961, S. 134.

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Hans Albers

1891 - 1960, Schauspieler

Ein Film über den alten May? Prozeß in Berlin ... Wiener Friedensrede ... Old Schmetterhand, das mache ich.

Aus einem Gespräch mit Karl Serden (München, 9.2.1957).

... eine Karl-May-Biografie mit Hans Albers in der Hauptrolle zu drehen, scheitert doch wohl daran, daß man das Leben von Karl May von der frühesten Jugend an zeigen müßte, und daß Hans Albers doch nur für die reiferen Jahre des Dichters figürlich sich eignete.

KURT ULRICH - FILM GMBH, Berlin. Brief vom 29.10.1957.

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Alfred Andersch

1914 - 1980, Schriftsteller

Er hatte den Tom Sawyer und die Schatzinsel und den Moby Dick und Kapitän Scotts letzte Fahrt und Oliver Twist und ein paar Karl-May-Bände und er dachte: die Bücher sind prima, aber sie stimmen alle nicht mehr ...

Sansibar oder der letzte Grund, Fischer-Bücherei 354, 1970, S. 88/89.

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Martin Anger

geb. 1914, Schriftsteller

... veröffentlichte 1965 ein Buch unter dem Titel: Auf den Spuren Winnetous.

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Manfred von Ardenne

geb. 1907, Physiker, Naturwissenschaftler

Herr Professor von Ardenne selbst hat in sehr jungen Jahren auch Bücher von Karl May gelesen und ist durchaus der Ansicht, daß auch heute noch jugendlichen Lesern seine Werke zur Anregung der Phantasie empfohlen werden können.

Schreiben vom 7.11.1985 im Auftrage von Prof. Dr. Ardenne an Uwe Kahl, Zittau.

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Otto C. Artbauer

1878 - 1916, Schriftsteller und Orientreisender

Aber man verstehe, wie eigenartig die Nachricht vom Tod eines Vielgeprüften, Vielgeliebten und Vielangefeindeten den berühren muß, dem der Orient selbst zur zweiten Heimat geworden, der aber seine erste Fühlung mit dieser farbenfrohen Welt eben durch Schriften des Dahingeschiedenen erhalten hat. Durch Schriften, die er selbst während eines Jahrzehnts ständiger Wanderschaft auf Form, Inhalt und Wert zu überprüfen überreiche Gelegenheit hatte. Und der als reifer Mann, dessen Haare zu ergrauen beginnen, immer wieder zum Schluß kam: Ja, genau so ist die Welt Mohammeds. Genauso, wie Karl May sie schildert.

Neues Wiener Tagblatt 1.7.1912 (nach Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur, Meitingen ab 1988).

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Ferdinand Avenarius

1856 - 1923, Kunstkritiker

"Karl May als Erzieher". Im Lande der Dichter und Denker darf's ein munterer Verleger wagen, eine Reklameschrift für seine Ware mit dieser Überschrift zu versehen, die einen Schundromanfabrikanten als eine geistige Macht hinstellt. Er darf's ohne Besorgnis, daß die Lächerlichkeit ihn töte ...

In: Der Kunstwart, München, 15. Jg., 1902, H. 12.

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Karl May - Zwischen den Stühlen


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Wolf-Dieter Bach

geb. 1933, Schriftsteller

Bei May ist noch viel zu fördern, was auch uns fördern kann, was Dinge ans Licht bringt, die weiterbringen. Allerdings liegt es tief und ist ohne Arbeit nicht heraufzuholen. Längst hat sich herumgesprochen, daß man in Mays Texten an der Oberfläche über die Prärie reitet, während ein Stockwerk tiefer sich die labyrinthischen Gänge des Unbewußten öffnen, die Schächte der großen Psycho-Zeche.

Karl May über Tage, in: Die Horen, Heft 4, Winter 1975, Nr. 100.

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Wolfgang Bächler

geb. 1925, Lyriker, Schriftsteller

Angefangen ernsthaft Gedichte zu schreiben, habe ich so mit sechzehn. So mit zwölf habe ich mal einen Wildwestroman à la Karl May geschrieben.

Aus einem Interview in., WARUM! Januar 1979, S. 46.

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Ingeborg Bachmann

1926 - 1973, Lyrikerin

Ich habe auch, ohne Schaden zu nehmen, einige Bände von ihm überstanden.

Nach: Rainer Gagelmann, Soll die Jugend Karl May lesen? Bamberg 1967, S. 15.

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Egon Bahr

geb. 1922, Mitglied des Deutschen Bundestages

Ich fand den ollen Karl May einfach schön und habe sogar das eine oder andere, nah-östliche, gelernt, ohne mir dessen damals bewußt gewesen zu sein.

Und ich gestehe: Ich kann mich noch heute über manches amüsieren, wenn ich ein paar Minuten unbeschwerter Schmöker-Lektüre haben will.

In einem Brief (vom 5.6.1987) an Erich Heinenann.

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Hermann Bahr

1863 - 1934, Dramatiker, Erzähler

Wer so viel Haß, Neid, Verleumdung, Wut, Liebe, Bewunderung und Streit erntete wie Karl May, verdiente es schon um dieser Kraft willen, gehört zu werden ...

Neue Freie Presse, Wien. 10.3.1912.

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Helmut Baierl

geb. 1926, Dramatiker

... unter der Schulbank lauerten "Tom Shark, der König der Detektive", "Frank Allan, der Rächer der Enterbten" und natürlich, ja, ja, der alte Karl May.

Mit nichts im Kopf als einer großen Hoffnung. In: Das schönste Buch der Welt. Wie ich lesen lernte. Berlin-Weimar 1973, S. 152.

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Richard Bamberger

geb. 1911, Pädagoge, Schriftsteller

Noch immer kann man annehmen, daß schon der Name Karl May das Interesse vieler Leser weckt. Das habe ich bei meinen Bemühungen um Jugendliteratur und Volksbildung wiederholt erfahren. Ein Vortrag "Gute Bücher als Nahrung des Geistes und der Seele unserer Jugend lockte gerade einige Dutzend Zuhörer an. Anders Karl May!

Büchergilde Gutenberg, Juli/August-Heft 1953.

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Peter Bamm

(eigentl, Curt Emmrich) 1897-1975, Schriftsteller

Wenn in einer Gesellschaft der Name Karl May fällt, so gibt es glücklicherweise keine ehrfürchtig Ergriffenen. Dafür kann man etwas anderes beobachten. Die eben noch ehrfürchtig Ergriffenen machen eine wegwerfende Handbewegung. Sie haben das fast immer als voreilig zu bereuen. Denn der große Sanskritforscher wird plötzlich ganz munter und bricht, wie man so sagt, eine Lanze für den bescheidenen Mann. . . . Und so ziehen auf einmal sieben Männer, alte und junge, wie die sieben wackeren Schwaben mit dem Karl-May-Spieß durch den


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Salon, bereit, den Drachen zu durchbohren, der das sächsische Lorbeerreis fressen will.

Mosaik der Woche. in: Deutsche Zukunft, 22.3.1936. (Rezension des Buches "Der Volksschriftsteller Karl May" von Heinz Stolte, Radebeul 1936.)

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Johannes R. Becher

1891 - 1958, Schriftsteller, ehem. DDR-Kultusminister

Der Zentralausschuß für den gewerblichen Leihbuchhandel beim Börsenverein in Leipzig beschloß am 5.3.1957, das "Karl-May-Verbot" aufzuheben. Grund: "Selbst Johannes R. Becher hat sich nunmehr positiv für Karl May ausgesprochen ..."

Reinhard Seidler in: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft 84, S. 35 ff.

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Jonny Behm

geb. 1898 (eigentl. Elisabeth Joost), Schriftstellerin

Ich ... bin ihm nachgereist, nachgeritten, nachgewandert, hab mich redlich gerauft, wie auch er. Im Land der Skipetaren, in den Schluchten des Balkans, in den Urwäldern der Rhopoden. Kunststück, daß man tolle Sachen erlebt, wenn man Karl May nachreist. Ich wollte mal sehen, ob das alles stimmt, was er erzählt. Und ich muß schon sagen, es kann einem dabei manchmal den Atem verschlagen ...

Balkan, Bakschisch und Basare. Eine Reise auf Karl Mays Spuren (Waschzettel). Stuttgart 1955.

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Frantisek Bêhounek

1898 - 1973, tschechischer Radiologe

Es ist wirklich sehr schwer, für eine gewisse Entwicklungsstufe des Knaben einen besseren Lesestoff zu finden als Karl May. Ich jedenfalls betrachte die Schriften Mays stets noch als die besten für die Jugend, dabei sind sie auch gleichzeitig ein fesselnder Lesestoff für Erwachsene jeden Alters.

Karl-May-Jahrbuch, Radebeul 1932, S. 369f.

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Rudolf Beissel

(Pseudonym: F.B. Cortan), 1894 - 1986, Schriftsteller, Filmautor

... und es erscheint wie eine bittere Ironie des Schicksals, daß der Autor nie das Bild seiner Wunschträume erreicht hat. Er war in seiner Jugend nie der kämpferische Abenteurer, und an seinem Lebensabend blieb ihm selbst der Frieden auf Erden versagt. Aber vielleicht war gerade diese Schwäche seine Stärke und befähigte ihn aus unerfüllter Sehnsucht so zu schreiben, wie er schrieb.

Von Atala bis Winnetou. Bamberg/Braunschweig 1978, S. 270.

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Kamuran A. Bendir Khan

Prof. für kurd. Sprachen a.d. Ecole Nationale des Languagues Orientales Vivantes, Paris

Kein anderer als Karl May ist es gewesen, der einst die von den Kurden bewohnten Gebiete als "wildes Kurdistan" bezeichnet hat.

Vertraue der Pranke. Bilddokumntation Kurdistan 1963-1966. Hamburg o.J. (1966), S. 9.

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Moscheh Yakow Ben Gavrièl

(Eugen Hoeflich), 1891 - 1965, Schriftsteller

Dieser Karl May, ein Genie der Verlogenheit von erschütternder Größe, der viele Generationen von Jungen vor dem Verblöden, vor seelischem Verkrüppeltwerden, vor Kastration der Phantasie gerettet hatte, dieser Karl May kam auch für den Knaben Marc Faktor zur rechten Zeit: er gab seinem aufbrechenden Suchen Ziel und Richtung.

Die Flucht nach Tarschisch. Hamburg 1963, S. 131f.

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Alice Berend

1878 - 1938, Schriftstellerin

Die Indianerträume Karl Mays, der in Dresden wohnte und dessen "Häuptlinge" also aus der Elbe entstiegen waren, machten sich drolligerweise mißbeliebt bei der älteren Schicht seiner zeitgenössischen Spießbürger .... weil der phantasiegeschwellte Verfasser, im berechtigten Glauben, daß in seiner aufs Praktische gerichteten Zeit "volle Wirklichkeit" mehr im Kurs steigen würde als "leere Erfindung", verbreiten ließ, daß er selbst in diesen fernen Ländern gewesen und


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also Selbsterlebtes geschildert. Diese Behauptung war leicht zu widerlegen. Man verbreitete, daß Karl May moralisch nicht einwandfrei wäre. Das hinderte allerdings nicht, daß Old Shatterhand jedem Heranwachsenden damaliger zeit vertrauter war als alle Angehörigen der eigenen Familie.

Die gute alte Zeit. Bürger und Spießbürger im 19. Jahrhundert. Marion v. Schröder Verlag, Hamburg 1962, S. 216.

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Werner Bergengruen

1892 - 1964, Schriftsteller

Karl May ist naiv zu genießen oder von einem höheren Punkte aus. Seine Gegner sind Leute, welche die Naivität verloren, jenen höheren Punkt aber nicht einzunehmen gewußt haben. Bei seinem Freunde, der ihn vom höheren Punkte aus liest, stellt sich plötzlich, ohne diesen höheren Punkt zu gefährden, eine neue Naivität ein, und die Vereinigung dieser beiden Momente macht die Beglückung des Lesers aus. Mit meinem dreizehnten Jahr hörte ich auf, Karl May zu lesen. Das war in der Ordnung. Ende der Vierzig begann ich von neuem, und wenn nun meine Kinder einen neuen Band ins Haus brachten, riß ich ihn ihnen aus der Hand. Das war ebenfalls in Ordnung.

Schweizer Bücher-Zeitung und Anzeiger für den schweizerischen Buchhandel, 59. Jg. 1947, S. 84-85. Zwei Kapitel aus "Baedeker des Herzens" sind abgedruckt im S-KMG Nr. 85: Karl Mays Spuren in der Literatur. Vierte Sammlung.

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Richard Arnold Bermann

1883 - 1939, Schriftsteller

Dieser verkommene Volksschullehrer, dieser Zuchthäusler ist als ein Mann von hohem Wissen gestorben. Er beherrschte viele Sprachen (die deutsche leider nie vollkommen); ein gelehrter Orientalist bescheinigt dem Herausgeber der Memoiren, daß Karl May die unwahrscheinlichsten arabischen Dialekte verstand. Er hatte der Jugend wirklich viel zu lehren. Er kam aus dem Dunkel und sah die Welt nun rosenrot. Welch ein empörendes Schauspiel, daß ihm nun die Pharisäer verbieten wollten, sie rosenrot zu sehen und vom Höheren zu schwärmen! Es ist ihnen gelungen, ihn am Ende seines Lebens wieder sehr unglücklich zu machen; ein prächtiger Erfolg der aufgeregten Tugend! Jetzt ist er tot; und irgendwo lesen Knaben mit glühenden Wangen die Geschichten von Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi; und überspringen die geläuterten Moralpauken; und in ihren jungen Herzen ist der rein und


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groß, der ihnen die weite schöne Welt so weit und schön zeigen konnte. Entrüstete Sittenwächter schelten weiter den Zuchthäusler. Der Tote liegt im Grab; sein ist ein großer Sieg, und er sieht längst alles rosenrot.

ZEIT, Wien, 16.9.1917 (Nr.5380).

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Horst Bethmann

geb. 1922, Schriftsteller

Wir lasen trotz aller Begeisterung nicht Hitlers "Mein Kampf", sondern Karl May, bei dem ja die Rothäute bessere Menschen sind als die räuberischen Weißen.

Ausflug in gegenwärtige Vergangenheit, Witzenhausen 1986, S. 7.

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Bruno Bettelheim

1903 - 1990, Psychologe

Wie die meisten Menschen las ich vieles, was für mich irgendwie nützlich war, ohne daß diese Lektüre mein Leben sonderlich beeinflußt hätte. Selbst in meiner Kindheit war ich ein Vielleser, doch handelte es sich dabei hauptsächlich um Wirklichkeitsflucht. Historische Romane ermöglichten mir eine Flucht in vergangene Zeiten, während andere Bücher, etwa die Romane von Karl May, das Entrinnen in den fernen Wilden Westen gestatteten; utopische Literatur, die Science-fiction jener Tage, ließ mich in eine ferne Zukunft reisen. Alle diese Bücher ermöglichten mir die Flucht vor der qualvollen Realität der Jahre 1914 bis 1918, der Zeit des Ersten Weltkriegs.

Themen meines Lebens. Essays über Psychoanalyse, Kindererziehung und das jüdische Schicksal. DVA Stuttgart 1990, S. 116.

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Alfred Biese

1855 - 1930, Literaturhistoriker

Jedenfalls stehen die Werke fast aller Reiseschriftsteller dieser Zeit in Form und Inhalt weit höher als die phantasieverwildernden, unechten "Reiseerzählungen" von Karl May, die unsere heutige Jugend verschlingt.

In: Deutsche Literaturgeschichte, III. München, 1.-3. Aufl. 1910/11.

Er hat nicht nur eine hervorragende Erzählergabe, sondern auch Religiosität und Sinn für menschliche Größe, für menschliches Heldentum ...

Ein Geständnis für Karl May. In: Karl-May-Jahrbuch Radebeul 1930, S. 32.


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Willy Birgel

1891 - 1973, Schauspieler

Und Du fährst nach Kairo!?! - Teufel! Willst Du wegen Pferden sprechen? Na ja, etwas Arabisch kannst Du ja von Karl May - sonst mußt Du Dir einen Dragoman nehmen!

In einem Brief (31.10.1971) an Carl-Heinz Dömken, Dörverden. Birgel, der gern Karl May las und sich als Freund Karl Mays bezeichnete, reiste noch mit 81 Jahren "rund um El Kahira DURCH DIE WÜSTE".

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Ernst Bloch

1895 - 1977, Philosoph

Ein sehnsüchtiger Spießbürger, der selbst ein Junge war, durchstieß den Muff seiner Zeit. Er kolportierte nicht die Ideale des Bürgertums (feine Leute, Salonglanz), auch nicht die Rittergeschichten aus dem Biedermeier. Sondern er kolportierte nochmals den Indianerroman aus der Zeit Coopers, der revolutionären Ideale (als die Wilden noch bessere Menschen waren). Der Flitter des Jahrmarkts kam hinzu, der echte Budenorient, wie er zur Kolportage gehört, damit sich die Freizügigkeit nicht in kruder Natur erschöpfte, sondern färbt und in Traumschichten spiegelt. Fast alles ist nach außen gebrachter Traum der unterdrückten Kreatur, die großes Leben haben will ...

Erbschaft dieser Zeit, Stuttgart 1962.

Karl May ist einer der besten deutschen Erzähler, und er wäre vielleicht der beste schlechthin, wäre er eben kein armer, verwirrter Proletarier gewesen ...

Frankfurter Zeitung 31.3.1929.

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Günter Böddeker

geb. 1933, Redakteur, Schriftsteller

"Karl May", sagte Hans-Erich, "toll, einfach toll! Wie lange habe ich jetzt schon kein Buch mehr in der Hand gehabt, ich meine eines, das Spaß macht, es zu lesen."

"Sprich bitte in der Schule nicht darüber", sagte Hermann Hoppe. "Da sind zu viele Kindsköpfe." Hans-Erich verstand: Der Freund fürchtete, sie könnten selbst als Kindsköpfe verspottet werden, weil sie Gefallen an Karl May fanden.

Zeit des Löwenzahns. Bergisch-Gladbach 1984, S. 278.

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Konrad Adenauer Hans Albers
Ingeborg Bachmann Werner Bergengruen


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Heinrich Böll

1917 - 1985, Schriftsteller

Ich hatte Hölderlin gelesen: "Mitleidend bleibt das ewige Herz doch fest", und Ferdi nur Karl May, der den gleichen Edelmut zu predigen schien.

Billard um halbzehn, dtv 991, S. 46.

Herr Böll, fühlen Sie sich bestimmten Autoren der Vergangenheit und der Gegenwart besonders verpflichtet? Böll: Ja, sehr vielen. Ich glaube, daß jeder, der anfängt zu schreiben, von jedem Buch beeinflußt wird, das er vorher mit Leidenschaft gelesen hat und, während er seine ersten oder letzten Versuche macht, noch liest. Das würde bedeuten, beeinflußt von Karl May bis Marcel Proust, von sehr unterschiedlichen und sehr gegensätzlichen Autoren ...

Horst Bienek, Werkstattgespräche mit Schriftstellern, dtv Nr. 29, S. 177/78.

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Franz Josef Börger

1864 - 1953, Begründer der deutschen Pfadfinderbewegung

In jener Zeit hatte Karl May den Jungen seinen "Winnetou" geschenkt, während ich mitten in der von England zu uns gekommenen Pfadfinderbewegung stand, und ihm viel von dieser neuen Jugendbewegung, von ihrem sieghaften Aufwärtsstreben, ihrem frohen Waldläufertum, von Baden-Powell, dem Begründer dieses Weltpfadfinderbundes, mit dem ich Seite an Seite unter dem Lilienbanner stand, erzählte.

In: Wir unter uns. Eine Zeitschrift für die Jugend. Verlag Jugendpresse Bad Ein, Heft 6/7, 1949/50, S. 12.

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Godfried Bomans

geb. 1913, niederländischer Schriftsteller

Das Heroische entsteht immer als Nebenprodukt von etwas anderem und muß beiläufig geschehen. Natürlich, es ist das Hauptgericht, aber es muß als Beilage serviert werden. Genau das ist es, was Karl May für Jungen so unwiderstehlich macht.

Badische Neueste Nachrichten, 12.7.1969, Beilage: Zum Sonntag. Zitiert nach M-KMG, INFORM Nr. 2/72.


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Denn was ist man in jenen Jahren? Ein Mystiker ohne Gott, überspannt und exaltiert, man weiß nicht wohin mit dem Vorrat überschwenglicher Zuneigung, denn das Götterbild des Vaters ist gerade umgefallen und das der Frau noch nicht aufgerichtet. In diesem Vakuum treten plötzlich Winnetou und Old Shatterhand nach vorn. Vor allem Winnetou!

Es riecht nach Gas bei Karl May. Auf Winnetous Fährte im deutschen Gemüt. Old Shatterhand oder der Knieschuß. Rheinischer Merkur Nr. 15, 9.4.1965.

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Waldemar Bonsels

1881 - 1952, Erzähler, Lyriker

Einer literarischen Arbeit von Ewers etwa, oder von Karl May, hieße sie nun "Alraune" oder "Der Schatz im Silbersee", wird mit Recht so ziemlich alles abgesprochen, was ästhetische oder moralische Werte, künstlerische Form oder ethisches Niveau betrifft ...

Die neue Dichtung, Heft 1, 1922/23. Zitiert nach: Karl-May-Jahrbuch 1924, s. 246, Anm. 37.

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Tomàs Borge

Innenminister von Nikaragua

Auf die Frage, ob er sich als Marxist bekenne, nickt Borge zuerst und meint dann lachend: "Aber lieber als Karl Marx ist mir als Revolutionär Karl May." Sein Buch, an dem er arbeite, beginne mit Winnetou und Old Shatterhand.

In: Kurt Wimmer, Kleine Zeitung (Österreich), 22.2.1989 (nach: Nachrichten d. KMG Nr. 83/März 1990, S. 3).

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Marita Börsch

Promovierte Psychotherapeutin

... die gefühllosen Väter, die wir hatten, sind etwas gewesen, was uns sehr erschrocken und beunruhigt hat. Winnetou war da der Anti-Held. Vielleicht könnte man wirklich so weit gehen, daß wir so eine innere Repräsentanz von diesem Winnetou in uns hatten, als wir unsere Sehnsucht nach den sogenannten neuen Männern am Ende der Studentenbewegung artikuliert haben ...

... daß Winnetou etwas repräsentiert, wonach sich alle sehnen und keiner es richtig realisiert, nämlich beide Seiten der menschlichen Existenz leben zu können, also sowohl die


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männliche, mutige, und die weibliche, Gefühle zeigen zu können, berühren zu können - das ist ein androgynes Ideal, das beide Geschlechter im Laufe des Älterwerdens verloren haben, und Winnetou repräsentiert das, sowohl für Frauen wie auch für Männer.

Zitat aus der Sendung des Hessischen Rundfunks (1.4.1991) von Helmut Fritz: "Hundert Jahre Winnetou".

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Horst Bosetzky

(Pseudonym: -ky), geb. 1938, Kriminalschriftsteller,

Soziologie-Professor

Nach seinen literarischen Vobildern gefragt, bekannte Bosetzky, "von Karl May beeinflußt" zu sein.

Saarbrücker Zeitung v. 26.4.1986 (zit. nach Geschäftsführerbrief d. Karl-May-Gesellschaft Nr. 69/August 1986, S. 6).

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Randolph Braumann

geb. 1934, Redakteur, Herausgeber

Aber kommen wir doch noch einmal auf den Vorwurf zurück, Karl May habe "das ja alles nicht selbst erlebt". Ich bin der Meinung, daß gerade diese Tatsache als eine in ihrer Art genialische Leistung schöpferischer Phantasie zu deuten ist. Der Autor Karl May hat mit seinen Reiseromanen ein ganz eigenes, vorher kaum aufgetretenes Genre der Literatur erfunden, eine höchst originale Leistung, wie man anerkennen muß. Ein Genre, von dem man sagen könnte, es sei gedichtete, d.h. in epische Kunstform transponierte Geographie.

Auf den Spuren von Karl May. Herausgeber- Randolph Braumann, Düsseldorf 1976, S. 10.

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Bertolt Brecht

(Eugen Bertolt), 1898 - 1956, Schriftsteller

Eugen war ein begeisterter Karl-May-Leser. 1909 hielt in Augsburg Karl May einen Lesevortrag. Ich weiß noch, daß sich Brecht für diese Veranstaltung sehr interessierte. Brecht beschäftigte sich viel früher mit Literatur als wir. Als er längst alle Karl-May-Bände durchgelesen hatte, begannen auch wir damit.


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Brecht in Augsburg - Erinnerungen, Texte, Fotos. Eine Dokumentation von W. Frisch und K.W. Oberbeier. Suhrkamp Taschenbuch 297, S. 51.

Bruno Brehm

1892 - 1974, Schriftsteller

Vergessen wir nicht, daß etwas von jener Zellenblindheit, die nur die inneren Bilder sieht, auch auf ein anderes in der Haft geschriebenes Buch Übergegangen ist, auf Hitlers "Mein Kampf". Etwas von Old Shatterhands alles Überwindendem ... Geist waltet über diesem Buch, dessen Weltunkenntnis keinen Widerspruch duldet ...

Literatur aus Kerkerzellen. In: Welt und Wort, Literarische Monatsschrift, 1951, Tübingen, S. 16.

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Rolf Breuer

geb. 1940, Professor für Anglistik

Der Autor (Karl May) hatte das Glück, daß seine individuelle Neurose mit der kollektiven Neurose seines Volkes übereinstimmte: armselige Herkunft und frühe Kränkungen, die sich bei ihm in Großmannssucht, Hochstapelei und Kleptomanie

äußerten. Da ihm überdurchschnittliche kreative, ja fast visionäre Fähigkeiten mitgegeben waren, gelang es Karl May, zum stellvertretenden Tagträumer der Nation zu werden und einen deutschen Trivial-Mythos von gigantischem Ausmaß zu formen.

Karl May ist in mehr als einem Sinn unser Nationalschriftsteller. Mit Kara Ben Nemsi und natürlich auch Old Shatterhand setzt sich der deutsche Leser als Jugendlicher und als Erwachsener gegen Freund und Feind durch. Allenthalben umgeben von Neid, Unfähigkeit, Dreistigkeit, Angeberei und Feigheit wehrt der Leser durch Identifizierung mit dem Erzähler-Helden eigene Kränkungen durch Projektion ab: dreist und feige sind immer die anderen.

Psychologie heute. Mai 1982, S. 39-45.

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Pierre Brice

geb. 1929, Schauspieler, seit 1962 "Winnetou"-Rolle

Die Ideale, für die Winnetou zur Symbolfigur wurde - Humanität, Menschenrechte, der Kampf um das Überleben von Minderheiten und die Liebe zur Natur - sie packen die Menschen heute wieder. Der Geist von Karl May ist aktuell, aber man


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muß bei der künstlerischen Realisierung neue Wege finden, darf nicht stehenbleiben bei dem, was vor 20 Jahren ankam.

Interview mit Karin Jacobs in Versailles für Welt am Sonntag, 20.5.1990. Nachrichten d. KMG Nr. 85/Sept. 1990, S. 25.

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Hermann Broch

1886 - 1951, Philosoph

Im Bett zu liegen, krank zu sein, nicht in die Schule zu gehen und Karl May lesen zu dürfen, hat ja stets seine trostreichen Reize in diesem Leben gehabt. Ich bin selten seit Winnetous Tagen und Old Shatterhands und Old Surehands Tagen so gefesselt und beglückt gewesen.

Manfred Durzak, Hermann Broch in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlts Monographien Nr. 118, 1966, S. 26/27 (Zitat aus einem unveröffentlichten Broch-Brief vom 2.9.1943, voller Wortlaut in: Gesamtausg. d. Briefe Brochs, Bd. 2, Suhrkamp-Taschenbuch).

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Max Brod

1884 - 1968, Schriftsteller

Mir ist May offenbar zu spät in die Hand gekommen. Er traf nicht mehr auf meine Bereitschaft knabenhaften Verzaubertseins. ich fand sein "Land der Skipetaren", die "Schluchten des Balkan", auch "Winnetou, den roten Gentleman" nach den Aufregungen, die Jules Verne zu kosmischen Maßen aufgestachelt hatte, ganz bedeutungslos fad ...

Streitbares Leben. München (o.J.), S. 117f. Zitiert nach: Leseerlebnisse 2, herausgegeben von Heinrich Pleticha, suhrkamp tb 458, S. 138f.

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Arnolt Bronnen

1895 - 1959, Schriftsteller, Dramatiker

Seine Reiseromane zeigen einen Mann primitiven Humors, mit biederverständiger Gesinnung, mit Phantasie, mit Fähigkeit, Menschen zu sehen und zu charakterisieren, zweifellos ein belesener Mann, dem sein Wissen, wie immer fragmentarisch es auch sein mochte, zu einer ungewöhnlichen Erlebniskraft verhalf. Die Hellenen hatten ihre ersten Dichter Weg-Erfreuer und Menschen-Erfreuer genannt: etwas Ähnliches sprach mich auch aus den Reise-Romanen von Karl May an.

Im demokratischen Schrifttum gebührt dem vielgeschmähten und vielgehetzten Webersohn aus dem Erzgebirge ein entsprechender Platz.


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Aus: Berliner Zeitung, 12. Jahrgang (1956), Nr. 209, 7.9.56 (zitiert in: Harald Eggebrecht (HG.), Karl May der sächsische Phantast, Fischer Taschenbuch, Frankfurt/M 1987, S. 273).

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Christine Brückner

geb. 1921, Schriftstellerin

Wir sind uns zu spät begegnet, Karl May und ich! Über Karl May kann ich nicht mitreden. Ich höre weiterhin staunend, auch verwundert, zu, wenn andere schwärmen ...

in einem Brief vom 25.5.1987 an Erich Heinemann.

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Gustav Brugier

Literaturhistoriker

Ob May uns in die Wüste Sahara, "unter Würger" führt, oder wie in "Deadly dust" (Tödlicher Staub) in den Prairien und Felsengebirge Nordamerikas, in die Wälder Ceylons oder unter die Boers im Transvaallande, in die blaue Südsee oder in das "himmlische Reich" der Chinesen: immer malt er mit unübertrefflicher Treue Land und Leute ab, so daß eine jede Schilderung ein Visum in seinem Reisepaß ist mit dem Atteste: er ist dort gewesen, er hat es erlebt!

Geschichte der deutschen National-Litteratur 8. Aufl., Freiburg 1888, S. 613.

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Günter de Bruyn

geb. 1926, Schriftsteller

Von 1933, dem Jahr, in dem Hitler an die Macht und ich zur Schule kam, bis in das erste Kriegsjahr hinein, lebte ich in einer anderen Welt als die anderen, in einer Welt ohne Schulzwang, ohne Uniformenzwang, ohne Aufmärsche, Fahnen, Lautsprecher - in der Welt Karl Mays. Oder war es nicht doch mehr eine eigene, die mir Karl May nur erschaffen half? So kam es mir vor, wenn ich ihn heute wieder lese.

An Karl May habe ich lesen gelernt, im schulmäßigen und im literarischen Sinn. Die ersten Seiten im "Winnetou" waren die ersten Buchseiten überhaupt, die ich allein las. Mit vielen Fremdwörtern, fremden Namen und Begriffen war das der richtige Stoff für Lernanfänger nicht, aber literarisch war


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May eine gute Schule, weil er es einem schwer machte: der Mann hat schließlich nie an Kinderleser gedacht beim Schreiben. Bei ihm lernte man, daß lesen nicht so einfach ist wie Kuchenessen (oder Fernsehen) , und daß Vergnügen sich dabei oft erst einstellt nach intensiver Bemühung. Die wichtigste Erkenntnis aber war, daß auch Göttern, die wir uns aufrichten, um sie anbeten zu können, die Zeit bemessen ist, daß sie wie alles vergehen, und deshalb Skepsis nötig ist und kritische Wachsamkeit.

Wie ich zur Literatur kam. In: Im Querschnitt, Mittel-deutscher Verlag Halle-Leipzig, S. 154, 312.

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Horst Buchholz

geb. 1933, Schauspieler

Karl May ist nicht mal mehr an Entwicklungsländer zu verschenken - die wissen schon Bescheid.

(Auf die Frage nach der Bedeutung der Karl-May-Romane) tz München vom 25.3.1972.

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Karl Budde

(Pseudonym: Charles Berendsen), verstarb kurz nach dem 2. Weltkrieg im Alter von 62 Jahren; Europa-Flüchtling und Reporter

Unmerklich wanderten meine Gedanken zu meinem Vorbild, zu Karl May, der mit ungewöhnlicher Willenskraft seinem sich selbst gesetzten Lebensziel zustrebte, trotz tiefer Abgründe, trotz kahler Wände, die ihn umschlossen hielten, trotz kalter, freudloser Luft, die ihn fast immer umgab und trotz des fürchterlichsten Sturmes, der ihn erbarmungslos so lange umtobte. Er erreichte die größte Trennung, die gewaltigste Wasserscheide und erklomm ihren höchsten Gipfel, von wo aus über alles Irdische weit hinwegzuschauen ist. Mit "Sieg, großer Sieg, ich sehe alles rosenrot!" tat er die letzten emporführenden Schritte, in jenen Augenblicken aber ohne Anstrengung, ohne jeglichen Schmerz, wie jene Auserwählten, von denen das Buch der Bücher sagt: "Sie sollen den Tod nicht kosten."

Wanderungen im amerikanischen Felsengebirge, in Karl-May-Jahrbuch, Radebeul 1923, 1924, 1925, 1926, 1927, 1928, 1929 (hier 1929, S. 84).

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Charlotte Bühler

geb. 1893, Kinderpsychologin

Karl May war Volksschriftsteller, Volksschriftsteller nicht in dem Sinn eines Rosegger, der in dem volkstümlich genannten Stil für Gebildete erzählt, sondern der gerade ohne Stil zum Volke selbst spricht.

Zur Psychologie der Volksliteratur. Karl-May-Jahrbuch, Radebeul 1919, S. 314f.

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Vicco von Bülow

(Loriot), geb. 1923, Schauspieler, Karikaturist

Ich interessierte mich für Karl May, Puccini und Operntenöre.

Katalog zur Loriot-Ausstellung im Wilhelm-Busch-Museum Hannover, 1988. (Zit. nach KMG-Nachrichten Nr. 85/Sept. 1990, S. 10.)

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Veit Bürkle

(eigentl. Karl Heinrich Bischoff), 1900-1978, Schriftsteller

... und in einer Reinheit der Gefühle, wie wir sie nur in der Jugend erlangen können, steckte ich als ein frühes, echtes Opfer der Liebe Band um Band meines geliebten Karl May in das Feuer, blätterte in jedem noch und schob ihn dann langsam in das prasselnde, hin und wieder brummend lodernde Brennen.

Aus: Frühe Liebesgeschichte um Karl May. Münchner Lesebogen (o.J.) Nr. 107, S. 22/23. Vollständig abgedruckt im S-KMG Nr. 70: Karl Mays Spuren in der Literatur. Erste Sammlung.

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Ulli Busch

(eigentl. Richard Walter Hahnewald), geb. 1913, Schriftsteller, Regisseur

Nach einer Lesung des (jungen) Autors "meldete sich eine alte Dame zu Wort. Sie sprach - und aller Augen richteten sich auf sie, also mußte sie der Gesellschaft etwas bedeuten - ruhig, wohlwollend, einfühlsam ... Aber wer war diese Frau? "Was denn, Sie kennen Klara May nicht? Die Frau von Karl May?" Ich schämte mich ein bißchen, war aber dann doppelt stolz ... Und - als Erinnerung an diese unerwartete Begegnung hängt noch heute das Bild eines Indianerkopfes in meinem Zimmer, das aus dem Besitz von Klara und Karl May stammt!

Sächsisches Tageblatt, 24./25.8.1985, S. 8.

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Hermann Cardauns

1847-1925, Redakteur

Mays Werke stehen turmhoch über den gewöhnlichen Skalp-, Büffel- und sonstigen Jägererzählungen. Lebhafte Phantasie und gefällige Darstellung vereinigen sich hier mit einer vielseitigen Bildung, und den Hintergrund bildet eine ernste Lebensauffassung und gründliche Kenntnisse der geographischen und ethnographischen Details. Alles für die Jugend Anstößige ist sorgfältig vermieden ...

Kölnische Volkszeitung, 1892. Zitiert nach: "Karl May als Erzieher" und "Die Wahrheit über Karl May" oder Die Gegner Karl Mays in ihrem eigenen Lichte von einem dankbaren May-Leser, Freiburg i.B. 1902, S. 30.

Man braucht es Hrn. May nicht übel zu nehmen, wenn er das Blaue vom Himmel herunter erzählt. Auch wer dabei den Kopf schüttelt, kann seine mannigfachen Kenntnisse, seine Formgewandtheit und seine Erfindungsgabe anerkennen, wenn auch mit starken Reserven bezüglich der Wiederholungen und des mangelhaften Stils. Hier soll auch nicht eingehender von der Wirkung die Rede sein, welche seine ausschweifende Romantik auf jugendliche Leser ausübt ... - aber ernstlich übel nehmen muß man es ihm, wenn er e r n s t g e n o m m e n werden will. Und das tut Hr. M.

"Herr Karl May von der anderen Seite." In: Historisch-politische Blätter, 129, 7. München 1902.

Karl May war durch eine Reihe von Reiseromanen ... bekannt geworden. Sie standen bei aller wilden Phantastik hoch über den tollen Indianer-, Räuber- und Mordgeschichten, mit denen sonst die Jugend gefüttert wurde ...

Von Groll gegen ihn weiß ich mich frei, und ich verkenne nicht den tragischen Zug dieses durch und durch romanhaften Lebens.

In: Aus dem Leben eines deutschen Redakteurs. Köln 1912.

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C. W. Ceram

(eigentl. Kurt W. Marek), 1915-1972, Schriftsteller

Am Rio Pecos soll Karl Mays Winnetou, dieser edelste aller Indianer, in seinem Mescalero-Apachen-Pueblo geboren worden sein; wie oft zog er dort mit "Old Shatterhand" durch den Llano Estacado, der gleichfalls zum Südwesten gehört und der tödlich war für den, der den Pfad verließ, den ihm allein die eingerammten Pfähle wiesen.

Der erste Amerikaner, Hamburg 1972, S. 72.

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Clara Cerio geb. Wiedermann

(pseudonym: Claretta Cerio), geb. 1927, Schriftstellerin

Das Ende des dreibändigen "Winnetou" las ich eines Nachts im Bett mit der Taschenlampe. Auf den Schlußseiten stirbt Winnetou, dieser unvergleichliche Held, und nicht genug, mit seinen letzten Atemzügen bekennt er sich auch noch als Christ. Die Rührung war so überwältigend, daß ich laut zu schluchzen anfing und Mama im Nachthemd verschreckt in unser Kinderzimmer stürzte und unbedingt wissen wollte, was mir fehlte.

Nachts lesen, und noch dazu mit der Taschenlampe, war strengstens verboten, aber vor allem wußte ich, daß ihr Winnetou ferner war als der Mond, deshalb stöhnte ich nur: "Mir ist so schlecht ..." und bekam am nächsten Morgen eine Portion Rizinusöl.

Mit Bedenken versetzt. Franz Schneekluth Verlag, München 1981.

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Piero Chiara

geb. 1913, italienischer Schriftsteller

erzählt in seiner Kurzgeschichte "Nelle Montagne Rocciose" (Im Felsengebirge), wie er als Schüler am Collegio Salesiano am Lago Maggiore entdeckt, daß der weitgereiste Missionar und hochgeehrte Monsignore Ugo Mioni von Karl May "abgeschrieben" hat.

Erschienen im Sammelband "Di casa in casa, la vita"; abgedruckt im S-KMG Nr. 85, Karl Mays Spuren in der Literatur. Vierte Sammlung.

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Friederike Chudoba

österreichische Schriftstellerin

schrieb einen dreibändigen Roman mit dem Titel "Winnetou und Tapferes Herz", in dem nicht etwa Karl May "weitergeschrieben" wird. Die Autorin erzählt von einer Europäerin, die Winnetou bis zu dessen Tod verbunden war und betritt damit einige weiße Flächen, die May in seinem Phantasie-Panorama noch gelassen hatte, das "weite Land, das von einer Frauenseele umschlossen wird"

Erschienen im Verlag Pollischansky, Wien (1989).

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Gordon A. Craig

geb. 1913, Historiker

Karl May, der große Meister des Eskapismus ...

Als Phantasielieferant für ein von der Monotonie des Alltagslebens gelangweiltes Publikum wie auch für so sehr verschiedene Außenseiter wie Albert Einstein und Adolf Hitler, die beide später eingestanden, seine Bücher verschlungen zu haben, war May so erfolgreich zum Teil wegen seiner Detailgenauigkeit in der Beschreibung von Ländern, die er nie gesehen hatte (deutsche Reisende, die durch die amerikanischen Prärien kamen, behaupteten bisweilen, sie hätten die Landschaft nach ihren Winnetou-Erinnerungen wiedererkannt), aber gewiß vor allem wegen der Traumelemente in seinen Erzählungen, die alles und jedes möglich machten.

In seinen letzten Jahren wandte sich sein Denken immer mehr dem Mystischen zu, und gleich einem zweiten Heinrich von Ofterdingen auf der Suche nach der blauen Blume reiste er im Geist in das exotische Land Djinnistan, wo ihm gewiß die letzten Geheimnisse des Universums offenbart wurden und er erfuhr, wie die Welt von Industrialismus und Materialismus befreit werden konnte.

Über die Deutschen. Dtv München (3) 1987, S. 229f.

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Utta Danella

(eigentl. Utta Schneider), Schriftstellerin

Ich meine, Karl May ist ein Schriftsteller von großem Talent, mit beneidenswerter Phantasie und von erstaunlicher Intuition. Nicht alle seine Bücher sind gleich gut, viele seiner Romane sind zu sehr dem Geschmack seiner Zeit verhaftet, also für uns heute schwer zu lesen. Aber die Reiseerzählungen, sei es Amerika oder Orient, Winnetou und Old Shatterhand, Kara Ben Nemsi und seine Umgebung sind immer noch große Klasse. Das hat ihm bisher keiner nachgemacht.

Aus einem Privatbrief vom 14.11.1973. Für ihre Sammlung "Das Paradies der Pferde. Die schönsten Reitergeschichten" wählte Utta Danella (Herausgeberin) "Rihs Tod" von Karl May aus. In: Heyne-Buch Nr. 5286, S. 89101. Im FAZ-Fragebogen (FAZ Magazin 1983) nennt sie als ihre liebsten Romanhelden: Winnetou, Ravic.

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Theodor Däubler

1876-1934, Schriftsteller

In dieser Wildtöterbude hatte sich Theodor Däubler auf eine mit Grizzlyfell bedeckte Couch hingestreckt und lag wie der sein Füllhorn über Ägypten ausgießende "Vater Nil" - nur goß der Dichter Gespenstergeschichten aus ... Einen indianischen Federkranz, den rotweißen Federschmuck eines Siouxhäuptlings, hatte er sich auf sein Mähnenhaar gesetzt, und er war auch wirklich ein Häuptling unter diesem kleinen Volk der Schreiber - in der Linken schwang er ein Indianerbeil, in der Rechten ein dampfendes Stück "Bärenschinken", den Patty Frank mit einem Skalpmesser von einem in Brotteig eingekrusteten Lukullusschinken säbelte. Während das Feuer bei hochsommerlicher Hitze im Kamin krachte, echtes Wildnisleben vorräuchernd, unterhielt Däubler die Stube mit seinen Geistergeschichten, Geschichten am Lagerfeuer. An der Wand war eine Vitrine befestigt, ein Schaukasten für Old Shatterhands Bärentöter-Büchse und für Winnetous, des roten Gentlemans, Silberbüchse.

Friedrich Schnack: Mit Theodor Däubler im Karl-May-Museum. INFORM Nr. 7, März 1974, S. 28. Beilage zu M-KMG.

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Günther Deicke

geb. 1922, Lyriker

Natürlich verschlang ich auch meterweise Karl May.

Das schönste Buch der Welt. Wie ich lesen lernte. Berlin/Weimar 1973, S. 95.

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Willy Birgel Ernst Bloch
Heinrich Böll Bertolt Brecht


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Hans Demel

Professor, Direktor des Kunsthistorischen Museums

Wien

Ja, es gibt so manchen Forscher, dem erst die Lektüre von Karl Mays Orientbänden die Liebe zum Orient entflammte und ihn bewog, die Forscherlaufbahn einzuschlagen und ihn dankbar zurückdenken läßt an die Zeit seiner ersten Orientstudien in seinem geliebten Karl May.

In: Karl May und der Orient, Karl-May-Ausstellung des Museum für Völkerkunde in Wien, Wien 1949, S. 15.

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Günther Deschner

geb. 1941, Reporter und Publizist

"Es gibt kein Land der Erde, das so zahlreiche Rätsel birgt wie der Boden, den die Hufe meines Pferdes berührten. Es ist eine Landschaft, in der Völkerhaß, wilder Fanatismus und die Geißel der Blutrache Legionen von opfern gefordert haben." So war es vor fast genau 100 Jahren in einer Fortsetzungsgeschichte in dem katholischen Familienblatt Der "deutsche Hausschatz" zu lesen.

Der Held der Erzählung, ein deutscher Reisender, dem der Autor den Namen Kara ben Nemsi verliehen hatte, beschrieb darin seine Abenteuer während einer Reise von Mossul bis in die uralte Kurdenstadt Amadijah. Der romanhaft-fiktive Bericht, der später auch als Buchausgabe erschien und seither über Generationen hinweg ein in Millionen zu zählendes Lesepublikum gefunden hat, trug den reißerischen Titel "Durchs wilde Kurdistan", und sein Autor war der sächsische Hilfslehrer und vielleicht erfolgreichste Volksschriftsteller aller Zeiten, Karl May ...

Die Schilderungen waren so ungekünstelt, die Darstellung aller Personen so wirklichkeitsnah, die Beschreibung von Städten, Dörfern und Einrichtungen so zutreffend und die Skizzen der Landschaft so plastisch, daß sie sich von nahezu allen anderen Reiseromanen des Autors ... sehr vorteilhaft unterschieden.

Mancher Reisende späterer Jahrzehnte und selbst nüchterne Wissenschaftler konnten nicht umhin, die Realitätsbezogenheit der Erzählung zu rühmen. "Gemeinhin weiß man von diesen Kurden in Europa nicht viel mehr", so urteilte beispielsweise der deutsche Anthropologieprofessor Egon von Eickstedt noch 1961, "als daß sie Räuber seien und den türkischen und persischen Regierungen gelegentlich ernste politische Schwierigkeiten bereitet haben sollen. Mehr noch, und nicht einmal das Schlechteste, trug zum allgemeinen Bildungsstand


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und zu Ruhm und Ruf der Kurden - geben wir das offen zu - Karl May bei, obwohl er selbst nie 'durchs wilde Kurdistan' reiste und es doch besser beschrieb als manche, die dort waren."

"Saladins Söhne. Die Kurden - das betrogene Volk", München 1983, S. 45-46.

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Karlheinz Deschner

geb. 1924, Schriftsteller

Zwar hielte ich Karl May, läse ich ihn wieder, schwerlich für einen "Dichter", einen "der besten deutschen Erzähler", "Großmystiker" gar - doch mit dreizehn, vierzehn, ich bekenne es dankbar, nahm seine Phantasie mich gefangen, haben seine Figuren mich begleitet, ja, einige blieben mir unvergeßlich durch all jene Jahrzehnte, in denen soviel "seriösere" Literatur mein Leben versaute.

In einem Brief (11.5.1987) an Erich Heinemann. Die Apostrophierungen beziehen sich auf Aussprüche von Heinrich Mann, Ernst Bloch und Arno Schmidt (s. dort).

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Bernhard Diebold

1886-1945, Kritiker

Seine pädagogische Leistung ist ganz gewaltig. Wir Buben lernten von ihm nichts Geringeres als "die Welt"... Forst-Battaglia betont mit vollem Recht die ethische Wirkung des Volksschriftstellers Karl May an erster Stelle. Nicht die Leistung, sondern die Wirkung ist soziologisch entscheidend ... Der Vergleich (mit Courths-Mahler, Anm. d. HG) ist abzulehnen, und zwar kurioserweise aus Gründen der künstlerischen Wahrheit. Die Courths-Mahler fingiert mit ihren Puppen eine Gegenwart in einem schematisch deutschen Volke, wie es nicht mehr existiert. May aber versetzt ... seine Helden und Halunken zwischen exotischen Kulissen in die unalltäglichen Abenteuer, die ... ethisch stilisieren ... Darum liest der Gebildete die Courths-Mahler nicht. Darum aber schwelgt er in der Volksromantik Karl Mays. Über dieser Wirkung des Pädagogen hat die breite Öffentlichkeit den Verbrecher völlig vergessen. Man akzeptiert den Mythus dieses Mannes, nicht seine Biographie ...

Karl May. Vom Schwindel zum Mythus. Frankfurter Zeitung 249, 3.4.1931.

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Hermann Dietzfelbinger

19o8 - 1984, Landesbischof der Evang.-Luth. Kirche in Bayern

Erinnert sich an seine Jugendjahre im Pfarrwaisenhaus Windsbach: ... die lateinische Grammatik wurde oft genug durch Karl May geschlagen, dessen "Winnetou" wir sogar in den Pflicht-Arbeitsstunden verbotenerweise lasen.

Veränderung und Beständigkeit - Erinnerungen. München 1984, S. 35.

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Hoimar von Ditfurth

1921 - 1989, Wissenschaftspublizist

In sein Buch "Kinder des Weltalls" schrieb er 1970 folgende Widmung:

"Herrn H.0. Hatzig mit freundlichen Grüßen (sowie der Bitte um Nachsicht dafür, daß Karl May in dem ganzen Buch mit keinem Wort erwähnt wird)."

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Max Dittrich

1844 - 1917, Schriftsteller

May ist jedenfalls ein höchst merkwürdiger und eigenartiger Mann und Charakter, und wenn er einst aus dem Leben geschieden ist, werden gewiß nicht nur seine näheren Freunde sowie die Angehörigen der Maygemeinde in der weiten Welt, sondern auch die deutsche Literatur und die Gelehrtenwelt endlich auch zu der Überzeugung kommen, daß er ein seltener und nicht leicht zu ersetzender Geist gewesen ist, der einen Nachfolger auf dem von ihm geschaffenen Arbeitsfelde wohl schwerlich haben wird.

Karl May und seine Schriften, Dresden 1904, S. 80.

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Heimito von Doderer

1896 - 1966, Schriftsteller

Bei nicht viel späterer Gelegenheit berichtete er, Gütersloh hätte ihm eben voll Begeisterung den "Schut" von Karl May gebracht - ein "Meisterwerk", das Doderer "mit höchster Bewunderung" las und als ideale Vorlage für ein romantisches Opernlibretto betrachtete.

Wolfgang H. Fleischer, Von Doderer zu Pelimbert. Erinnerungen an Heimito von Doderer (Hrg. Xaver Schaffgotsch). München 1972, S. 54.

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Alfred Döblin

1878 - 1957, Schriftsteller

Der Tagesroman wird sich nicht eher erholen, als der Grundsatz zum Durchbruch kommt: mulier taceat, zu deutsch: die Liebe hat ein Ende. Der geschmähte Räuberroman, Karl May, die Schundliteratur ist besser. Sie quillt stärker, breiter, auch aus stärkeren, reicheren und reineren Instinkten.

Aufsätze zur Literatur. Olten und Freiburg/Br. 1963, S. 23. Zitiert nach Wolfgang Reif, Zivilisationsflucht und literarische Wunschträume, Stuttg. 1974, S. 106.

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Hilde Domin

geb. 1912, Lyrikerin, Erzählerin

Ich habe als Kind Karl May mit Begeisterung gelesen. Wie hätten sich daneben "Trotzköpfchen" oder die Spyri behaupten können, diese damals übliche Lektüre für kleine Mädchen. Besonders gern las ich die ersten 6 Bände, die nahöstlichen und balkanischen Abenteuer. Die Fresken im Foyer des früheren Kölner Opernhauses verbinden sich in meiner Erinnerung mit Karl May. Mein Vater erklärte mir nämlich, daß sie von dem Maler Sascha Schneider stammten, der auch die Bücher Karl Mays illustriert hätte.

Als Kind interessierte ich mich für den Rappen Rih, durchaus nicht für die Person des Autors. Kürzlich erfuhr ich in Oberbozen, daß Karl May im Penegal Ferien machte: auf der gegenüberliegenden Bergkette. Das hörte ich immer noch mit Rührung und Interesse.

In einem Brief (Mai 1987) an Erich Heinemann.

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Carl-Heinz Dömken

geb. 1929, Journalist, Zeichner

Karl Mays Wunderhengst Rih hatte es mir angetan. Auf dem Schulweg träumte ich von ihm, des Nachts las ich immer und immer wieder die spannenden Abenteuer, die Kara ben Nemsi auf seinen Ritten durch die Wüste, durchs wilde Kurdistan, von Bagdad nach Stambul, in den Schluchten des Balkan, durch das Land der Skipetaren - immer auf der Jagd auf den Schut - mit seinem Rapphengst erlebt hatte.

Mein Rih, Friedberg 1979, S. 313.

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Hans Dominik

1872 - 1945, Schriftsteller

Ah, das waren noch Kerle da in dem Buch! Der braune Winnetou und Old Shatterhand, die alte Schmetterhand, der unscheinbare alte Trapper, der so gigantische, märchenhaft wirkende Backpfeifen auszuteilen verstand. was waren alle Kinnhaken und Upper-Cuts der Neuzeit im Vergleich mit diesen pyramidalen Maulschellen!

Moderne Piraten, Stuttgart 1931.

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Marion Gräfin Dönhoff

geb. 1909, Journalistin, Schriftstellerin

Verantwortung zu tragen, das wurde uns nicht gepredigt, das ergab sich einfach in der Gemeinschaft. Unsere Spielgefährten waren Dorfkinder, und es war klar, daß wir es waren, die für zerbrochene Fensterscheiben oder abhandengekommenes Werkzeug die Schelte bekamen - dafür sorgten schon die Handwerker, die keineswegs glimpflich mit uns umgingen. Petzen, sich drücken und einwenden, das waren nicht wir, das war der und der, das wäre ganz gegen unsere an Karl May geschulten Begriffe von Edelmut und Fairneß gewesen.

Kindheit in Ostpreußen. Berlin 1991, S. 75f.

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Emil Dovifat

1890 - 1969, Publizist

Karl May ist künstlerisch und literarisch nicht zu werten. Er ist aber ein fruchtbarer Unterhaltungsschriftsteller von einer unerhört großen Phantasie und einem Gefühl für fremde Völker und Länder, das in beachtenswerter Weise durch seine spannenden Darstellungen auf den jungen Menschen einwirkt. Ich bejahe also seine Aufgabe als Jugendschriftsteller.

Zick Zack, Jugendzeitschrift o.J. (1947?).

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Jörg Drews

geb. 1938, Schriftsteller

Der Naivität, dem Dilettantismus und den vielfältigen Verschleierungen und Irrtümern, die jahrzehntelang die Erforschung von Leben und Werk Karl Mays beherrschten, wird seit 1970 von der Karl-May-Gesellschaft systematisch ein Ende bereitet ...

Süddeutsche Zeitung, 13./14.7.1974.

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Ingeborg Drewitz

1923 - 1986, Schriftstellerin

... kann ich Ihnen nur schreiben, daß ich Karl May eher zufällig gelesen habe. Und zwar während der langanhaltenden Reden Hitlers, die wir in den ersten Nazijahren als Schülerinnen in der Aula absitzen mußten, bei einer kreischenden Lautsprecheranlage. Eine Mitschülerin, die einen Bruder hatte, brachte die Bände mit und verteilte sie an Interessenten. So ist die Spannung der Karl May'schen Romane das einzige, was mir noch erinnerlich ist, eine willkommene Spannung während der quälend pathetischen Reden. Immerhin erstaunlich: Kein Lehrer hat uns die Bücher weggenommen!

In einem Brief vorn 22.6.1986 an Erich Heinemann.

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Adolf Droop

1882 - 1938, Lehrer und Schriftsteller

Wir wollen uns entsinnen, daß Mays Bücher keine (bloßen) Unterhaltungsschriften sein sollen, sondern daß die erzieherischen Tendenzen ihr Wesen ausmachen ...

An May als Schriftsteller mag ein anderer vielleicht noch mehr auszusetzen finden als ich, mit seinem Gottesglauben mag man nicht harmonieren; wer aber May als Ethiker und gar als Menschen feindlich ist, bekennt sich damit nicht eben als einen Ben Nur, als einen Sohn des Lichtes.

Karl May. Eine Analyse seiner Reiseerzählungen. Köln 1909, S. 197.

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Marie Luise (Lu) Droop

1890 - 1959, Übersetzerin, Filmautorin

Wer Karl May persönlich kennt, seine schönen, tiefen Augen gesehen, aus denen sich zuweilen Flammen lösen, begreift, daß er nicht als Schriftsteller, sondern vor allem als Mensch zu werten ist, falls man ihm gerecht zu werden wünscht.

Zitiert nach: M-KMG Nr. 37, S. 14.

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Friedrich Dürrenmatt

1921 - 1990, Schriftsteller, Dramatiker

Ich glaube, überhaupt, daß die Jugendlektüre etwas vom Wichtigsten ist, das es gibt. Mich haben zum Beispiel zwei Bücher sehr aufgeregt: "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde"


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von Jules Verne - da ist wieder dies Motiv des Hineingehens in die Erde ... - ; ein anderes Buch war "Ardistan und Dschinnistan" von Karl May mit dieser Totenstadt, also ein ähnliches Motiv. Ich frage mich überhaupt, ob nicht auch für Kafka dieses Werk von Karl May eine Bedeutung gehabt hat - man weiß da ja viel zu wenig über die Wirkung von Jugendschriften.

In: Friedrich Dürrenmatt, Gespräch mit Heinz Ludwig Arnold. Verlag der Arche, Zürich, S. 14.

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Manfred Durzak

geb. 1938, Literaturwissenschaftler

Winnetou, der nach dem Willen seines Autors alles andere als ein Naturbursche ist, vielmehr - im Sinne Schillers - ein sentimentalischer Indianer, der sich selbst und die Geschichte seines Volkes in der mythologisch verblasenen und sich ideologisch rechtfertigenden Literatur der weißen Unterdrücker reflektiert, Winnetou also scheint zumindest gegen Ende der Romantrilogie ganz die fromme Nachfolge Hiawathas anzutreten. Auch er ist nach dem Willen seines Autors sozusagen ein natürlicher Christ.

Winnetous christliche Himmelfahrt. Die Welt, 6.4.1974.

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Karl Heinz Dworczak

1891 - 1980, Musikkritiker

In Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi verdichten sich die Eigenschaften aller Helden, wie sich im Filmatelier die Strahlenbündel der Jupiterlampen auf den vielbewunderten Star konzentrieren. So wird die Lektüre Phantasieersatz für die stoffhungrigen Leser. So wird Karl May zum modernen Märchenerzähler.

Karl May. Das Leben Old Shatterhands. Salzburg 1950, S. 97.

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Umberto Eco

geb. 1932, Schriftsteller

Vergleicht die malaiischen Romane von Joseph Conrad mit denen von Emilio Salgari, der in einer Fußnote als der "italienische Karl May" bezeichnet wird, und fährt fort:

Bekanntlich ist er (wie Karl May) nie oder fast nie gereist ...

Über Gott und die Welt. Carl Hanser Verlag München, S. 234.

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Kasimir Edschmid

1890 - 1966, Schriftsteller

Aber Ganghofer? Liest man ihn in der Tat noch? Karl May hätte mir besser gefallen. Er hat zwei Kriege, zwei Inflationen und eine Diktatur überstanden, ohne seine frischen Wangen zu verlieren. Wenn im Fasching die Knaben in den rheinischen Städten als Trapper und Indianer herumlaufen, so kommt das nicht etwa von Cooper. Es kommt von Karl May, diesem seltsamen Sachsen, der, ehe er Winnetou erfand und Bücher schrieb, wegen Straßenraubs schon im Zuchthaus gesessen hatte.

Tagebuch 1958-1960, Wien-München-Basel o.A. (1960), S. 89.

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Axel Eggebrecht

geb. 1899, Publizist, Filmautor

Die Wahrheit war, daß ich irgendwann in "Old Surehand" geschmökert hatte, ohne rechte Passion. Bei aller Aufsässigkeit hatte ich ein scharfes Ohr für kritische Urteile der Haustanten, sicher auch meines Vaters. Und eben weil ich wußte, daß fast alle Schulgenossen den gewaltigen Abenteurer verehrten, übernahm ich das Verdikt: Ein wertloser Kram, alles in Radebeul aus den Fingern gesogen! Nie war dieser sächsische Trapper in Arizona gewesen!

Ich erfuhr die Lebensgeschichte des vor kurzem verstorbenen Vielschreibers, und es kam heraus, daß Rudolf (Rudolf Ditzen, später bekannt als Schriftsteller Hans Fallada) nicht so sehr den Autor bewunderte, der Kara ben Nemsi in unerhörte Abenteuer verstrickte, nicht den Schriftsteller Karl May, sondern den Mann, der jahrelang im Gefängnis saß, ein Dieb, ein Feind der biederen Bürger, ein Verbrecher. Der dann doch reich und berühmt wurde. Aber nie vergaß ihm die zahme Bande der Richter und, nun ja, die Ärzte und Beamten und Lehrer seine Vergangenheit. Er blieb für sie alle ein Verbrecher! Darum gerade müsse man ihn lieben!

Der halbe Weg. Zwischenbilanz einer Epoche. rororo-TB 4813, S. 25/26.

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Harald Eggebrecht

geb. 1946, Publizist

Karl May gehört nicht zum Regelkanon der Literatur, wie ich meine, zum Glück. Wie sehr er frei von Wertigkeiten, Rang und Tradition war im Sinne des Kanons und der Literaturkritik hat er selbst listig formuliert: ich bin ja niemand für die Intellektuellen und Kunstkritiker. Was ich geschrieben habe, spielt sich auf einer anderen, "seelischen" Ebene ab. Da steckt eine gehörige Portion Selbsterkenntnis drin, zumindest muß er eine Ahnung besessen haben von der Seltsamkeit seiner Texte.

In: Karl May der sächsische Phantast. Studien zu Leben und Werk. Hg. von Harald Eggebrecht. Fischer-Taschenbuch 6873, Frankfurt/M. 1987, S. 151.

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Albert Ehrenstein

1886 - 1950, Erzähler, Lyriker

Was wirft man dem Typus Karl May noch vor? Er verderbe die deutsche Jugend, erziehe systematisch zu Diebstahl, Totschlag, Mord - kurz zu unbürgerlichen Abenteuern. Wenn das wahr wäre, was ich nicht glaube, schiene es mir nur ein Werkzeug der Vergeltung. Durch seinen Einfluß nähmen dann die toten Indianer schwache Rache an der polwärts fortwuchernden europäischen Kultur.

Ein "Fall" Karl May? (1912) Zitiert nach: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1971, S. 234/35.

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Günter Eich

1907 - 1972, Dramatiker

Gedenke noch bisweilen der Knaben-Phantasie. Einst über Meer und Meilen flogst du in die Prärie.

Gedenke noch bisweilen Sie hält nicht nur die Spuren

der Knabenphantasie: von Huf und Mokassin, -

Einst über Meer und Meilen all deine Träume fuhren

flogst du in die Prärie. Mit übers Grasland hin ...

Eich schrieb 1935 ein "Winnetou"-Hörspiel (Die letzte Spur, Fährten in die Prärie), das eine versteckte Huldigung für Gottfried Benn zu dessen 50. Geburtstag war. Benn hieß unter seinen Freunden "der große Manitou". Vgl. Die deutsche Literatur im Dritten Reich, Stuttgart 1976, S. 480; M-KMG Nr. 17, S. 28f. und Nr. 18, S. 16.

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Hans Eich

geb. 1903, Schriftsteller

May bewies damit schon früh eine Fähigkeit, die ihm als Schriftsteller ungeheuer nützlich werden sollte: er konnte stehlen wie ein Nachtrabe und wußte sich das Gestohlene so anzueignen, daß es bruchlos in seine Schilderungen hineinpaßte. Nur so sind die farbigen Beschreibungen seiner Landschaften erklärbar, denn die Schauplätze seiner Bücher hat er niemals selbst gesehen.

Falsch aus der Feder geflossen. München 1964, S. 90-98.

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Franz Eichert

1857 - 1927, Schriftsteller

Schon das bißchen christliche Moral, das Karl May seinen Werken beimengt, wirkt wie ein rotes Tuch auf den Kritiker (gemeint ist Dr. Hugo Eick; d. Hrg). Gegen die praktische Verkündigung einer Herren- und Übermenschenmoral, die sich den Teufel um Gott und Gesetz schert, hätte der letztere aber nichts einzuwenden. Darf man sich da wundern, daß katholische Schriftsteller vor dem Richterstuhle solcher "voraussetzungsloser Kritik" überhaupt nicht bestehen können?

"Karl May". Der Gral, 11/3. 15.12.1907, S. 135.

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Albert Einstein

1879 - 1955, Philosoph

Weil ich stets gefunden habe, es sprudele in Karl Mays Schriften noch der Urquell unseres knabenhaft gebliebenen, aber durchaus gesunden Dranges nach der romantischen Ferne, nach Abenteuern und dem Verlangen zu erfahren, wie andere Völker mit dem Leben fertig werden ...

Zitiert nach die therapie des monats, Mannheim, Heft 9/1960, S. 44. Es handelt sich um einen Bericht von A.W. Conrady; vgl. hierzu den Ab-

schnitt: Albert Schweitzer.

Die meisten Reisebücher, die ich las, haben mich gelangweilt, ein Karl-May-Buch nie.

Tafel im Karl-May-Museum Radebeul. (Bei einem Zusammensein 1949 sollen sich Einstein und Schweitzer voller Begeisterung an den Favoriten ihrer Jugend erinnert haben.)

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Pierre Brice C. W. Ceram
Marion Gräfin Dönhoff Marie Luise Droop


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Carl Einstein

1885 - 1940, Schriftsteller, Kunstwissenschaftler

Das entscheidende Erlebnis war natürlich Karl May, und der Tod Winnetous war mir erheblich wichtiger als der des Achill - und ist es mir immer geblieben.

Zitiert nach Ludwig Wien, Evangelische Kirchenzeitung für Baden, 12/87, 22.3.1987, S. 12, und Susanne Brenner, Saarbrücker Zeitung v. 27.3.1987.

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Lotte H. Eisner

1896 - 1983, Filmhistorikerin

Das kleine liebe Mädchen, das brav in der Ecke sitzt und mit den Puppen spielt, das war ich nicht ... Als mir mit sieben, acht Jahren von meinem drei Jahre älteren Bruder der "Karl May" in die Hände gespielt wurde, benutzte ich meine Puppen höchstens zum Skalpieren ...

Ich interessierte mich schon sehr früh für römische und griechische Kultur und nahm die Gelegenheit wahr, die alten Sprachen zu lernen ... Meine Vorliebe für griechische Kunst ging schon Hand in Hand mit der Karl-May-Leidenschaft.

Ich hatte ein schönes Vaterland. Memoiren. Heidelberg 1984, S. 9, 27.

Und dann hat er (Hans Jürgen Syberberg) mich gezwungen, mir seinen Karl-May-Film anzusehen, wo Käutner gut war, aber der Film war unerträglich langweilig, und ich war als Kind begeistert von Karl May, genau wie Fritz Lang, den Karl May so beeindruckt hat, daß man an seinen Abenteuerfilmen deutlich den Einfluß sieht.

Süddeutsche Zeitung, 6.9.1982.

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Michael Ende

geb. 1929, Schriftsteller

Im übrigen beschränkten sich seine literarischen Genüsse auf Bücher wie "Pu, der Bär". Später kamen Karl Mays Werke hinzu, doch mit dieser Lektüre nahm es ein jähes Ende: Als Michael nämlich eines Abends vom letzten Winnetou-Band nicht lassen wollte - "Nur noch dieses Kapitel, Mama!" - und weiter und weiter las, statt ins Bett zu gehen; und als die Mama endlich dahinter kam, daß er sich heimlich immer neue Kapitel vornahm - da wurde Lise vom heiligen Zorn ergriffen, und sie steckte das Buch in den Kanonenofen (wo es verbrannte). Jämmerliches Geschrei beim verhinderten Leser, der nun den Tod des Apachenhäuptlings versäumte, und Schluchzen die halbe Nacht, bis die rabiate Mutter Reue packte. Sie versprach Ersatz für das Exemplar im Ofen. Doch tags darauf gab


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es in den Buchhandlungen ganz Münchens den letzten Winnetou-Band nicht, und Michael sollte die näheren Umstände des Indianertods nie erfahren.

Als er schon berühmt war, brachte ihm eines Tages ein Verehrer, der von dieser Geschichte gehört hatte, das Buch als Geschenk ins Haus. Ende hat es ungelesen beiseite gelegt - zu spät, für ihn lebt Winnetou heute noch.

Peter Boccarius, Michael Ende. Der Anfang der Geschichte. München 1990, S. 71.

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Eduard Engel

1851 - 1938, Literaturhistoriker

Karl Mays Lebenswerk gehört nicht zum Bleibenden im Sinne dieses Buches; es enthält keine ewigen Lebenswerte, auch nicht den "wertvollen Menschen", wie ihn die Lehre vom Bleibenden versteht. Aber daß es schon mehr als ein Menschenal-

ter geblieben, ist eine Tatsache, und daß er noch eine Weile lebendig bleiben wird, ist sehr wahrscheinlich.

Karl-May-Jahrbuch Radebeul 1925, S. 349.

Unsere "Epochanten" sprechen seinen Namen garnicht oder, wenn dazu gezwungen, mit äußerster Geringschätzung aus. wägen wir die unbestreitbaren Tatsachen! May galt vor etwas mehr als 20 Jahren (um 1905, d. Hg.) nicht nur als ein bloßer Schmierer, sondern einige damals sehr groß dastehende und sich noch viel größer dünkende Führer der öffentlichen Meinung hatten Karl May als einen Rinaldo Rinaldini unsrer Zeit hingestellt. Ferdinand Avenarius ... hatte einen Vernichtungsfeldzug gegen den Jugendverderber und einstigen Verbrecher Karl May eröffnet und hetzte den armen alten Mann in die Verzweiflung. Avenarius ist erst fünf Jahre tot und ist schon versunken; May ist 1912 gestorben und lebt, ist

sogar wie die Auflagen seiner Bücher beweisen, noch im Aufsteigen.

Eduard Engel, Menschen und Dinge. Aus meinem Leben. Leipzig o.J. (1929), S. 257.

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Bernt Engelmann

geb. 1921, Schriftsteller

Es muß im Sommer 1930 gewesen sein, da war ich 9 Jahre alt ... Einer meiner Mitschüler lieh mir ein Buch, von dem er begeistert war: Karl May, Der Schatz im Silbersee. Mein Großvater, der mich darin lesen sah, sagte: "Da habe ich etwas Besseres für Dich..." Er schenkte mir B. Travens "Der Schatz der Sierra Madre". Der Zusammenstoß meines Kopfes mit


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diesem Buch ... bewirkte .... daß ich ... den unvergleichlich besseren Stil des unpathetischen, realistischen und mit Land und Leuten spürbar bestens vertrauten Traven bemerkte und fortan gegen populäre Trivialliteratur gefeit war.

Leselieben Nr. 50, Deutsche Lesegesellschaft Mainz (1987), S. 38f.

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Hans Eppendorfer

geb. 1942, Schriftsteller

Karl May war der Lieblingsautor meiner Kindheit, meine Bibel sozusagen ... Ich habe nach wie vor ein leidenschaftliches, naives Verhältnis zu seinen Büchern.

Hamburger Abendblatt, 14./15.1.1984, S. 8.

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Max Ernst

1891 - 1976, Maler

... war bis ins hohe Alter begeisterter Leser Karl Mays.

Vgl. Rowohlt-Monographie von Lothar Fischer (Nr. 501511).


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Hans Fallada

(eigentlich Rudolf Ditzen), 1893 - 1947, Schriftsteller

Als ich ein Mann war und ein bißchen Geld hatte, habe ich mir alle fünfundsechzig Bände (von Karl May; d. Hg.) auf einmal gekauft.

Damals bei uns daheim, Hamburg (o.J.). Tom Crepon (Vorsitzender des Literaturzentrums in Neubrandenburg) berichtet in seinem Buch "Leben und Tode des Hans Fallada", Halle-Leipzig 1978, S. 37: 1932 kauft Ditzen von seinem ersten größeren Honorar die 65bändige Ausgabe der Karl-May-Bände. Er liest sie mehrere Male, sie hat noch im Bücherschrank in Carwitz ihren Ehrenplatz erhalten.

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Christian F. Feest

geb. 1945, Völkerkundler

In der Tat sind die Romane Mays grundsätzlich nicht indianerfreundlich. Die wenigen "guten" Exemplare, die vorgestellt werden, sind solche, die von Deutschen oder wenigstens vom Christentum "verbessert" wurden ... Winnetou wäre wohl kaum ein so edelmütiger Charakter geworden, hätte er nicht von den Unterweisungen seines deutschen Lehrers profitiert.

Das rote Amerika, Nordamerikas Indianer, Wien 1976, S. 23.

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Willi Fehse

1906 - 1977, Schriftsteller

... schrieb eine Erzählung "Der getreue Winnetou".

In: Die Hausmedizin, Frankfurt/m 1971, S. 159f, nach einer Episode, die Karl May bei seinem Besuch in Gartow (Kreis Lüchow) im Mai 1898 erlebte. Vgl. ferner: Erich Heinemann, Dr. Karl May in Gartow, Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1971, S. 259 ff. Die Erzählung ist abgedruckt im S-KMG Nr. 70: Karl Mays Spuren in der Literatur. Erste Sammlung.

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Friedrich Ernst Fehsenfeld

1853 - 1933, Verleger Karl Mays

Bei ihm ist keine Zeile ohne Leben, ohne innere und äußere Bewegung. Er empfindet, denkt und berechnet auf seinen Reisen wie wenige Seinesgleichen und zwingt den Leser, mit ihm zu fühlen, mit ihm zu denken und zu berechnen. Man lebt sich so in ihn hinein, daß man ganz und vollständig sein Eigen wird.


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Dazu kommt der hohe sittliche Gehalt, den alle seine Werke besitzen. Er ist, vielleicht ohne es zu beabsichtigen, ein Missionar, ein Prediger der Gottes- und Nächstenliebe, doch besteht seine Predigt nicht in Worten, sondern in Thaten.

Vorwort zu "Durch die Wüste", Bd. I von Karl May's gesammelten Reiseerzählungen, 46.-50. Tsd., Freiburg i.Br.

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Joachim Fernau

geb. 1909, Schriftsteller

Karl May war eine Gestalt, die des Studiums aller wert ist, die die ewigen Deutschen kennen lernen wollen..

Cäsar läßt grüßen. Die Geschichte der Römer. München. S. 30/31.

(Friedrich der Große - "Herrscher erwerben sich gern Beinamen. Darin offenbart sich etwas Indianisches" - im Schlesischen Kriege:)

Er überquerte die Berge und biwakierte in der Nähe von Soor in Böhmen mit zwanzigtausend Mann in einem engen Tal - was Karl May für sehr unvorsichtig gehalten hätte! Wie oft hat Old Shatterhand seine Gegner nicht in solcher Lage ratzekahl vernichtet! Dieselbe glänzende Idee kam jetzt auch Erzherzog Franz. Er teilte seine Armee, riegelte vor den Preußen den Ausgang und - alles heimlich im Dunkel der Nacht - hinter ihnen den Eingang ab, eine Aufgabe die immer Winnetou zu Übernehmen pflegte. (Doch Friedrich) war bereit und reagierte richtig: Er warf sich auf den Gegner, zerfetzte mit der Reiterei erst den einen und dann den anderen Teil der Österreicher ... Das ging, wie Karl May sagen würde, fast schneller, als man es berichten kann.

Sprechen wir über Preußen. München 1981, S. 137/38.

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Franz Fethke

geb. 1885, Lehrer

Ich ... erblickte einen ehrwürdigen alten Herrn, dessen hohe Stirn graumeliertes, langgehaltenes Haar umwallte und aus dessen gütigem Antlitz glänzende Augen forschend auf mich gerichtet waren. Vor mir stand Karl May, der mir die schönsten Jugendträume geschenkt und mich fürs ganze Leben innerlich bereichert hat!

Mein Besuch bei Karl May (1910). (Quelle nicht überliefert.) Ähnlich in: Meine Erinnerungen an Karl May aus "Raphael" (Ill. Ztschr. f.d. reifere Jugend und das Volk) Donauwörth, Nr. 5 u. 6 1921, nachgedruckt in Karl-May-Jahrbuch 1922, Radebeul.


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Iring Fetscher

Politikwissenschaftler

Für Ernst Bloch könnte ich mir denken, lagen die Dinge wahrscheinlich deshalb ganz anders, weil er in erster Linie die Verherrlichung der natürlichen Menschlichkeit bei Karl May gesehen hat, in Gestalt der Indianer und deren unverdorbenen Menschlichkeit - jedenfalls konnte er mit Karl May sehr gut das Prinzip Hoffnung verbinden, daß die Menschheit etwas in sich hat, was über die Spießigkeit, den Krämergeist hinausgeht, - wahrscheinlich war für ihn Karl May eine Befreiung ...

Dahinter steht so etwas wie eine romantische Identifikation mit den Naturvölkern, die noch nicht die Umweltzerstörung kannten, die noch in einer heilen Welt der Jägergemeinschaft leben, die zwar ihre Frauen nicht unbedingt mitherrschen lassen, aber ihre Frauen anerkennen und hochschätzen ...

Zitat aus der Sendung des Hessischen Rundfunks (1.4.91) von Helmut Fritz: "Hundert Jahre Winnetou".

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Marie-Louise Fischer-Kernmayr

geb. 1922, Schriftstellerin

Was kann man von einem Mann wie Karl May, der Generationen von Jungen, Mädchen und Männern fasziniert hat, anderes sagen, als daß er großartig ist? Auch ich habe seine Bücher in meiner Kindheit mit Begeisterung verschlungen.

Aus einem Privatbrief vom 24.4.1974.

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Otto Flake

1880 - 1963, Schriftsteller

... schrieb einen Artikel "Karl May bei den Mädchen".

In: Unterhaltungsblatt der Kölnischen Zeitung vom 24.12.1937, erwähnt in: Viktor Böhm, Karl May und das Geheimnis seines Erfolges, Gütersloh

1979, S. 71 (Anm. 92).

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Rolf Floß

geb. 1936, Schriftsteller

Das dicke Buch der Brüder Grimm geriet mir erst nach einigen Bänden Karl May zwischen die Finger. Damals habe ich es mit


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distanzierter Neugier gelesen, das weiß ich noch. In ihm siegten zwar auch die Guten, doch das zeitweise Vergessen des Hungers gelang im Licht der Karbidlampe mit Schneeweißchen und Rosenrot weniger gut. Die Treffsicherheit der Silberbüchse und Old Shatterhands Spezialschlag waren besser.

Wochenpost Berlin, 31. Jg., Nr. 51, 21.12.1984, S. 15.

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WillY Forner

1906 - 1985, Schriftsteller

Zwei Jahre nach seinem Tod beginnt der erste Weltkrieg, in dem eine Jugend verblutet, deren Denken auch von Karl May vernebelt worden war.

Dresdner Pitaval, Berlin (Ost) 1979, S. 81.

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Otto Forst-Battaglia

1889 - 1965, Schriftsteller

Sein Erdenwallen selbst war ein aus Inbrunst, Düsternis und mancherlei Licht gemengter Abenteuerroman ...

Weil es aber der Sehnsucht nach der eigenen Vollendung und der anderer geweiht war, hat der Meißner "Kleinbürger", der dieses Dasein durchlitten, es beinahe gemeistert und zum Quell köstlicher Freude, reicher Belehrung, edler Mahnung gemacht hat, seinen unverlierbaren ehrenvollen Platz in der Geschichte der deutschen Kultur und Literatur.

Karl May, Traum eines Lebens - Leben eines Träumers. Bamberg 1966, S. 198/99.

Er wird noch manchen Geschlechtern viel und vielen Geschlechtern einiges bedeuten. Sein Name ist ein Begriff geworden; seine Zeugenschaft hat historische Kraft errungen, seine literarische Position ist unbestreitbar. Zu dieser Einsicht sind wir heute über einen Mann gelangt, dessen Charakterbild fortan in der deutschen Literaturgeschichte nicht mehr schwanken wird.

In: Karl May heute, "Begegnung", Köln, 7. Jg. 1952, Heft 3. zitiert nach Viktor Böhm, Karl May und das Geheimnis seines Erfolges, Gütersloh 1979, S. 228.

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Gertrud von le Fort

1876 - 1971, Schriftstellerin

... die Dichterin ist auch der Ansicht, daß man Karl May ruhig lesen kann und soll ... Im übrigen ist er in seinem Gebiet ein sehr großer Mann gewesen.

Brief der Sekretärin, zitiert nach Rainer Gagelmann, Soll die Jugend Karl May lesen? Bamberg 1967, S. 24.

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Leonhard Frank

1882 - 1961, Schriftsteller

Auf eine im Jahre 1929 von der "Literarischen Welt" veranstaltete Umfrage "Welches war das Lieblingsbuch Ihrer Knabenjahre?" antwortete L.F.: Die Romane von Karl May.

Zitiert nach: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1978, S. 254. Anm. 177. Sein Roman "Die Räuberbande" (1914) enthält Anklänge an die May-Lektüre und wurde ein Erfolg (1928 verfilmt). Im Mittelpunkt steht eine Gruppe junger Leute, die ihre von der Lektüre Karl Mays geprägten romantischen Sehnsüchte ausleben. Während die anderen sich später anpassen, folgt der eine, dem es mit dem Traum ernst war, seinem Künstlertalent. Auszüge abgedruckt im S-KMG Nr. 70: Karl Mays Spuren in der Literatur. Erste Sammlung.

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Patty Frank

(eigentl. Ernst Tobis), 1876 1959, Artist, Leiter des Karl-May-Museums Radebeul

Setzen wir uns ans Lagerfeuer im Squatterwigwam, Patty, und denken wir an die good old days, an Buffalo Bill, an Plenty Wolves und Old Shatterhand! Wozu viele Worte machen? All das ist ja nicht tot, wenn es auch vergangen ist. Old Shatterhand und seine Indianer leben. Sie sind unsterblich wie die Romantik ...

Ein Leben im Banne Karl Mays, Radebeul 1935, S. 36.

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Wilhelm Fredemann

1897 - 1984, Schriftsteller

Die schönste Geschichte auf einem Standesamt hat sich aber Zuckmayer geleistet, als er in bubenhafter Begeisterung für Karl May seine Tochter mit dem Namen Winnetou anmeldete. Mich hat immer der Standesbeamte interessiert, der das zuließ. Aber Zuckmayer hat mir vor Jahren einmal erzählt, daß


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er zu dem Mann, der vermutlich ein ordnungsmäßiger Berliner Protestant war, gesagt hat: Was, Sie kennen die schottische Heilige nicht? - und dieses Nichtwissen hat der Beamte doch nicht auf sich sitzen lassen können. So ist diese herrliche Geschichte passiert.

Der dankbare Varus. Erlebnisse und Begegnungen. Frankfurt/M 1979, S. 66.

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Herbert Frenzel

geb. 1908, Herausgeber, Schriftsteller

Was danach übrigbleibt, ist nicht mehr viel: ... der Band Lederstrumpf unter dem Weihnachtsbaum, und speziell in Deutschland immer noch Karl May, der bei der Jugend aber auch schon durch den Film ziemlich in den Hintergrund gedrängt wurde und dem neuerdings durch die Verfilmung Winnetous das endgültige Ende droht - zumindest als Lesestoff.

Vorwort zu: Western Saga, Klassische Wildwestgeschichten herausgegeben von Herbert Frenzel, Köln - Berlin 1946, S. 10.

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Joseph Frings

1887 - 1978, Kardinal

... ließ sich von seinem Sekretär Karl May vorlesen.

Nach: Kölnische Rundschau vom 22.12.1978.

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Gustav Fröhlich

1902 - 1987, Schauspieler

Bevorzugte Lektüre: Jack London und Karl May.

Nach: "Wochenend", Zeitschrift vom 1.9.1949 ("Unsere Filmsterne").

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Erich Fromm

1900 - 1980, Psychologe

Aus Fromms Hitler-Analyse:

Diese Neigung (Hitlers, d. Hg.) zur Welt der Phantasie kam auch in seinem leidenschaftlichen Interesse für die Romane von 'Karl May' zum Ausdruck. In Deutschland und Österreich lasen praktisch alle Jungen die Geschichten von Karl May. Hitlers Begeisterung für sie war also für einen Jungen in


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den letzten Jahren der Volksschule völlig normal, aber Smith (B.F. Smith, Hitlerbiograph, d. Hg.) ... ist der Ansicht, daß die Begeisterung Hitlers für die Romane von Karl May für ihn ein so beglückendes Erlebnis war, daß er sie "in eine Periode hinübernahm, in der es ihm nicht gelang, mit der Pubertät fertig zu werden ..." Dies könnte zwar bis zu einem gewissen Grade zutreffen, doch glaube ich, daß es den wichtigsten Punkt außer acht läßt. Man muß Mays Romane im Zusammenhang mit Hitlers Kriegsspielen und als Ausdrucksmöglichkeit für sein Phantasieleben sehen. Sie passen zwar gut in ein bestimmtes Alter. Aber daß sie ihn auch weiterhin faszinierten, legt die Vermutung nahe, daß sie für ihn eine Flucht aus der Realität darstellten, eine Manifestation einer narzißtischen Haltung, in deren Mittelpunkt das Thema: Hitler, Führer, Kämpfer und Sieger, stand. Gewiß gibt es hierfür nicht genügend überzeugende Belege. Aber wenn man Hitlers Benehmen in diesen Jugendjahren mit den Daten aus seinem späteren Leben in Beziehung bringt, dann ergibt sich ein bestimmtes Verhaltensmuster: das eines außergewöhnlich narzißtischen, introvertierten Menschen, dessen Phantasiewelt für ihn realer war als die Realität selbst.

Erich Fromm: Gesamtausgabe. Hrsg. v. Rainer Funk, Stuttgart 1980, Bd. VII, S. 347f.

May war ein deutscher Schriftsteller, der viele faszinierende Geschichten über die nordamerikanischen Indianer geschrieben hat, die ganz wirklichkeitsnah geschrieben waren (im original: that had the color of reality), obwohl der Autor niemals auch nur einen Indianer gesehen hatte.

(Diesen Satz aus dem amerikanischen Original hat Fromm nicht mit in die deutsche Fassung übernommen, da er ihn für deutsche Leser wohl überflüssig erschien.) Bd. VII, S. 418.

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Friedrich von Gagern

1882 - 1947, Schriftsteller

Des guten Karl May edler Winnetou ist eine in dieser - und in jeder - Beziehung sehr schlechte und kenntnislos erfundene literarische Mißfigur. Vornehme, großzügige Charaktere konnte man aus allen nördlichen Präriestämmen herausdichten, aus den Sioux, den Cheyennes, den Assiniboins: - nur nicht gerade aus dem armseligen, raubnomadischen Volke, dessen Wörterbuch dem unseligen "Old Shatterhand" zufällig auf den Schreibtisch gefallen war, aus den allverhaßten Zigeunern unter den Rothäuten, den Apachen.

Das Grenzerbuch, Berlin 1927, S. 81f.

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Gerd Gaiser

geb. 1908, Schriftsteller

Was ein positiver Held ist, weiß ich nicht so recht. Ist positiv die Gesinnung oder heißt es aktives Handeln? Ein etwas verschwommenes Wort. Ein positiver Held ist doch eigentlich nur Old Shatterhand, nicht einmal Achill. Soweit ich sehe, ist der epische Held immer durch das Erleiden, durch die Kette des Erleidens bestimmt, von Odysseus bis Don Quijote.

Horst Bienek, Werkstattgespräche mit Schriftstellern. 15 Interviews, dtv Nr. 191, S. 266/67.

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Romain Gary

(eigentl. Roman Kacev), 1914 1980, Schriftsteller

Der 1943 geschriebene Roman "Education Européenne" spielt in Polen und erzählt von Partisanenkämpfen gegen die deutsche Besatzung. Symbolmotiv ist ein W i n n e t o u - Band, das Buch eines deutschen Schriftstellers, und die beiden Hauptpersonen, der 14jährige Janek und sein Schulfreund Stefek, werden überall nur Old Shatterhand und Winnetou genannt. Ihre Lieblingsstelle im Buch Karl Mays ist die Befreiung Old Shatterhands vom Marterpfahl - ein Wunschtraum, der sich auf ihre Situation in Krieg und Not bezieht.

Education Europénne, Paris 1945. Deutsche Übersetzung: General Nachtigall, Zürich 1962.

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Heiner Geissler

geb. 1930, Politiker

Karl May hat wie kaum ein anderer Schriftsteller bei Millionen Jugendlichen durch seine phantasievolle Erzählweise erste tiefe Eindrücke von Abenteuer, fremden Ländern, Menschen und Sitten hinterlassen. Ob "Von Bagdad nach Stambul" oder "Durchs wilde Kurdistan", seine Helden Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar haben viele junge Menschen fasziniert. Karl May hat vielen jungen Menschen etwas sehr Wichtiges vermittelt: Die Neugier auf Bücher. Wenn heute Abenteuer aus aller Welt unseren Kindern und Jugendlichen "mundgerecht" vom Fernsehen in die Wohnstube gebracht werden, finde ich dies manchmal schade; es fehlt dabei die Chance, sich die Szenen und Landschaften mit Hilfe der eigenen Phantasie auszumalen. Die Spannung der geschilderten Abenteuer, die lebendige Darstellung der Ereignisse, die Information über fremde Länder und Menschen machten das Faszinierende an den Karl-May-Büchern aus. Aber auch der Beitrag zur Völkerverständigung, die Anerkennung von Minderheiten, das Erwecken von Sympathie und Hilfsbereitschaft für bedrängte und benachteiligte Menschen dürfen ebenfalls nicht gering eingeschätzt werden. Die Karl-May-Bücher haben bis auf den heutigen Tag ihre Anziehungskraft aus guten Gründen nicht verloren.

Grußwort. Pressemappe Karl-May-Spiele Bad Segeberg 1983.

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Horst Wolfram Geißler

1893 - 1983, Schriftsteller

Auf dem Grabmal eines deutschen Dichters stehen vier Verszeilen, die er für sich selbst geschrieben hat ... Und nun, bitte, lesen Sie diese vier Zeilen, ganz langsam:

Sei uns gegrüßt! Wir, deine Erdentaten,
erwarteten dich hier am Himmelstor,
du bist die Ernte deiner eigenen Saaten
und steigst mit uns nun zu dir selbst empor.

Ich finde das ganz einfach schön ... Eine ganze, höchst sittliche Weltanschauung ist darin enthalten. Und fällt Ihnen nicht auf, wie hier ein Stück Gedankenlyrik auf bewundernswerte Weise in Handlung umgesetzt wird und dadurch zu eindringlicher Wirkung kommt? Man sieht die Szene dargestellt vor sich, und dabei ist es ja eigentlich "nur" ein moralischer Gedankengang. Ja, allerdings, darauf verstand sich der Mann, Handlung konnte er machen, das war seine Stärke, dadurch wurde er berühmt ... Es war Karl May.

Ein Tag im Jahr. Würzburger katholisches Sonntagsblatt Nr. 44 vom 1.12.1987. Abgedruckt in S-KMG Nr. 78: Karl Mays Spuren in der Literatur. Dritte Sammlung.

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Albert Einstein Hans Fallada
Joseph Kardinal Frings George Grosz


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Max Geißler

1868 - 1945, Schriftsteller, Literaturwissenschaftler

Die meisten Literaturgeschichten erwähnen May nicht einmal dem Namen nach, was beinah einer literarischen Geschichtsfälschung gleichkommt; denn er ist nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch einer der einflußreichsten deutschen Schriftsteller, und nur ein Geschlecht, das durch den Naturalismus gegangen, konnte es fertigbringen, die "May-Hetze" zu inszenieren und in einer Art Wahrheitsfanatismus seine Schriften in den Bann zu erklären ...

... May war durch und durch Romantiker, und daraus erklärt sich die Begeisterung des Volkes für ihn und die Feindschaft der Weisen aus dem Morgenlande des künstlerischen Rationalismus.

Führer durch die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts, Weimar 1913, S. 35b.

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Helga Geyer-Ryan

geb. 1941, Dozentin f. Literatursoziologie

Was ihm (Karl May, d. Hg. ) aber trotzdem über die stark pädagogisch orientierten Diskussionsrunden hinweg hilft, was ihn auch für die Nationalsozialisten akzeptabel gemacht hat, uns heute aber am stärksten stört, ist eine epigonale, am "Schillerismus" des 19. Jahrhunderts orientierte dualistische Ethik des Idealen. Edelmenschentum, vor allem deutsches, eine allzu naive - und deshalb kitschige - Religiosität, die komplette Ausblendung direkter Sinnlichkeit und Erotik empfehlen sich einer Zeit, in der Autoritätsgläubigkeit, Militarismus und Chauvinismus die Stimulantien des Abenteuerromans zu Aktivität und Ich-Erprobung in systemkonforme Bahnen lenken.

Karl May im Dritten Reich, in: Karl May der sächsische Phantast, hg. v. Harald Eggebrecht, Fischer-Taschenbuch 6873, Frankfurt/M 1987, S. 251.

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Leopold Gheri

1866 - 1952, Schriftsteller

Er ist ein energischer Mann, das hat er bewiesen, daß er trotz aller seiner Widersacher das Ziel, das er sich als Schriftsteller gesteckt hatte, erreichte; sein Auge verrät aber große Güte und Milde, so wie er sich in seinen Büchern auch seinen Feinden gegenüber gibt.

Nach der Begegnung mit Karl May 1911 auf der Mendel bei Bozen. Zitiert nach Dr. Hans Lederer: Old Shatterhand in Tirol, Innsbrucker Nachrichten vom 30.3.1937 (s.a. M-KMG Nr. 32, S. 2).

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Ralph Giordano

geb. 1923, Schriftsteller

Ich habe Karl May stets mit fasziniertem Desinteresse gegenübergestanden - und dabei alle seine Bücher verschlungen, ausnahmslos!

Also ein zwiespältiges Verhältnis? Ja. Warum?

So treffend Karl May lokales und regionales Interieur schildert, so genau Sitten und Landschaften, so aufregend Aktionen und Handgemenge - historische Substanz haben seine Werke für mich nie gehabt. Das gilt namentlich für die 4 Bände der "Winnetou-" und "Old Shatterhand-Serie". Mich hat der Untergang der nordamerikanischen Indianer, ihr mehr als dreihundertjähriger dramatischer Rückzug zwischen Atlantik-und Pazifikküste bis in die unvermeidliche Niederlage, immer mit brennender, mit parteilicher Anteilnahme für die Schwächeren erfüllt ... Nichts davon bei Karl Mays rotem Liebling und seinem weißen Freund, diesem "he-man" par exellence. Winnetou und die Seinen, das sind rotangestrichene Germanen, und sonst nichts ... Aber all das, diese ganze, subjektive Kritik - sie ändert nichts daran, daß hier ein in seinem Genre einzigartiger, völlig unverwechselbarer Schriftsteller gewirkt hat ...

In einem Brief (13.5.1987) an Erich Heinemann. Vollständiger Wortlaut in M-KMG Nr. 75, Febr. 1988, S. 3f.

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Jürgen Girgensohn

geb. 1924, Landeskulturminister a.D.

Fernsehen bringt einfach die Beschäftigung mit Worten und Sachgegenständen über das Ohr mit sich. Wenn ich richtig reden und viele Wörter gebrauchen kann, bedeutet das ja noch lange nicht, daß ich auch richtig schreiben kann. Und das haben Kinder früher in stärkerem Maße als heute erreicht: eben über das Lesen. Es gab doch kaum eine Familie, in der Kinder früher nicht Karl-May-Bände schmökerten. Heute haben sie Karl May als Fernsehfilm. Davon prägt man sich doch keine Wortbilder ein.

Express, 9.2./8.8.1982.

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Helmut von Glasenapp

1891 - 1963, Indologe und Religionshistoriker

Die Indianergeschichten von Karl May, F. Cooper und Pajeken, die Kolonialerzählungen von Falkenhorst und Tanera ... boten mir reiche Anregungen.

Meine Lebensreise, Wiesbaden 1964, S. 27f. zitiert nach Lese-Erlebnisse 2, hg. von Heinrich Pleticha, suhrkamp tb 458, S. 145.

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Albrecht Goes

geb. 1908, Schriftsteller

Ich gehöre zu den wenigen Leuten in meiner Generation, die nie das Bedürfnis gehabt haben, Karl May zu lesen.

Aus einem Privatbrief vom 23.2.1976.

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Gustav Goes

Schriftsteller, Märchenerzähler

beschwört in seiner phantastisch-übersinnlichen Erzählung aus dem ersten Weltkrieg, "Stecowa", Karl Mays Rih herauf.

Berlin 1932 in einem Sammelband gleichen Titels (mit Erzählungen u.a. von Bergengruen, Bronnen, Schauwecker, Strobl, Wiechert). Die Erzählung ist vollständig abgedruckt im S-KMG Nr. 78: Karl Mays Spuren in der Literatur III.

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Curt Goetz

1888 - 1960, Schauspieler, Regisseur und Autor

Die Situation war dazu angetan, wehmütige Erinnerungen an Karl May heraufzubeschwören, den Mann, der uns Jungens zu begeistern wußte, der niemals aus Radebeul herausgekommen sein soll, aber dessen Gestalten du hier auf Schritt und Tritt begegnest, der die Prärien Amerikas mit einer Liebe ohnegleichen geschildert hat, wofür er denn auch in diesem Lande völlig unbekannt ist.

Die Tote von Beverly Hills, dtv 1951. - In "Die Memoiren des Peterhans von Binningen", Berlin 1960, S. 110f., schildert der Verf. Erinnerungen an Jugendgefährten und gemeinsame Spiele im Geiste Karl Mays. Auszüge aus beiden Büchern in S-KMG Nr. 73 u. 78: Karl Mays Spuren in der Literatur. Zweite und Dritte Sammlung.

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Wolfgang Goetz

1885 - 1955, Essayist, Bühnenschriftsteller

Die lebenslange Sehnsucht dieses Mannes nach fernen Ländern ist so übermächtig, daß sie schon Wirklichkeit wurde. Er lebt in den Savannen, in den Schluchten Kurdistans ... Hier ist das Dichterische bei May. Alles übrige ist Schriftstellerei. Aber wir können nicht anstehn, zu erklären, daß dieser Schriftsteller sein Handwerk versteht. Wie setzt dieser Mann ein. Keine halbe Seite, und wir sind mittendrin in einem Abenteuer, sind gespannt.

Begegnungen und Bekenntnisse, Herbig 1964. Zusammengestellt von Tila Goetz, S. 125-130. Kapitel-Abdruck in S-KMG Nr. 85: Karl Mays Spuren in der Literatur. Vierte Sammlung.

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Ernst Joseph Gürlich

1905 - 1973, Schriftsteller

Ich habe Karl May geliebt seit meiner frühesten Jugend ... Vielleicht nicht so sehr um der Abenteuer willen, die in bunter Folge an meinem Auge vorüberzogen, nicht so sehr um der lustigen Gestalten und Bilder, die da und dort auftauchten, als vielmehr um des großen, gewaltigen Gedankens der Völkerverständigung und Völkerversöhnung willen, die ich in seinen Werken fand.

Der Herold der Völkerversöhnung, in: Karl-May-Jahrbuch Radebeul 1927, S. 364.

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Helmut Gollwitzer

geb. 1908, Theologe

In jenem Waldlager saßen wir an langen Winterabenden um das Herdfeuer der Schneiderstube, diskutierten und berichteten; am schönsten aber war es, wenn Carl-Heinz, den Kopf voll mit Ornithologie, Märchen der Weltliteratur - und Karl May, uns einen Band Winnetou erzählte (viel Verachtung habe ich damals diesem alle Verachtung in den Herzen jeder neuen Knabengeneration überlebenden Radebeuler abgebeten!).

Und führen, wohin du nicht willst. Bericht einer Gefangenschaft. Gütersloh 1961, S. 82.

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Otto Gotsche

1904 - 1985, Schriftsteller

Mich hat nicht interessiert, wer die Geschichte über den "Letzten der Mohikaner" schrieb. James Fenimore Cooper blieb ein Unbekannter. Als ich etwas über Old Shatterhand gelesen hatte, interessierte mich Karl May auch nicht.

Realien und Geschichte, in: Das schönste Buch der Welt. Wie ich lesen lernte. Berlin-Weimar 1973, S. 44.

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Georg Grabenhorst

geb. 1899, Schriftsteller

Auf Vorlesungsreisen ließ ich mich damals, wenn es anging, gern von Tochter oder Sohn begleiten. Der Sohn nahm immer Karl-May-Bücher auf die Reise mit und fand sich solchermaßen, während der alte Herr "drinnen" am Lesepult seines Amtes waltete, "draußen" im Künstlerzimmer oder im Vorraum aufs beste beschäftigt. Jetzt ist die dritte Generation an


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der Reihe, die Enkelschar. Der große Bruder Winnetou hört nicht auf zu leben: sooft er auch hinsinkt, erhebt er sich wieder als geistige Gestalt, vom jugendlichen Gemüt schwärmerisch verklärt als Inbild aller Tugenden der Freundschaft, des Einstehens füreinander, der unbedingten Verläßlichkeit, des Mutes wie der Klugheit und Vor-Sicht und in und über allem der Lauterkeit und Treue eines brüderlichen Herzens.

INFORM, Beilage zu M-KMG, Juni 1974. Erlebnisse aus seiner Jugend schildert der Verfasser in autobiographischen Erzählungen, z.B. "Ruhig Blut, Old Shatterhand", in: Abenteuer der Jugend, Hildesheim 1969, S. 36 ff.

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Oskar Maria Graf

1894 - 1967, Schriftsteller

1929 veranstaltete die Zeitschrift "Die literarische Welt" eine Umfrage unter Schriftstellern nach dem "Lieblingsbuch ihrer Kinderjahre".

Oskar Maria Graf verwahrte sich in seiner Antwort ausdrücklich gegen Karl May - er habe, erst ziemlich spät, nur zwei Karl-May-Bücher gelesen, und sie seien ihm "höchst zuwider" gewesen.

Nach: CIVIS, Das illustrierte Monatsmagazin, Bonn, 7/1968, S. 24.

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Günter Grass

geb. 1927, Schriftsteller

... teilte der Karl-May-Gesellschaft mit Schreiben vom 21.3.1980 mit, daß er kein Karl-May-Leser gewesen sei. Damit widersprach er der Annahme, die Anregung zu seinem Bühnenstück "Noch zehn Minuten bis Buffalo" habe er durch die Lektüre von May-Erzählungen erhalten (Heinrich-J. Heftrich, Das Amerikabild Karl Mays, Examensarbeit für das Lehramt an Gymnasien, Mainz 1971, S. 7).

In seinem Interview mit der Südwest-Presse (Schwäb. Tagblatt) Tübingen, 17.8.1977, schildert Grass, wie sich Ernst Bloch, der ihn in Berlin besuchte, mit seinen beiden Söhnen angelegentlich über Karl May unterhielt, ihnen die soziale Lage in Sachsen zur Zeit Karl Mays erklärte und die griechische Mythologie einbezog.

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Wolf Gremm

geb. 1942, Filmregisseur

Was ich bei Karl May gut finde: Diese Geschichten entwickeln eine ungeheure Sympathie für Minderheiten. Es geht um Ehre, Freundschaft, Verrat, Rache.

Berliner Zeitung, 30.11.1977.

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Adolf von Grolman

1888 - 1973, Schriftsteller, Herausgeber

... aber eigentümlich: wenn man einmal wieder "Durch die Wüste" und die 5 fortsetzenden Bände vornimmt, wenn man wieder einmal in das Land des Mahdi geht oder gar ganz exakt den Winnetou vornehmen will, voller Bedenken und kritischer Absicht: May hat etwas ihm Ureigentümliches in Anschauung, Lebensgefühl und Darstellung, das die kritischsten Absichten überwindet. Keineswegs ist das ein Wiederauftauchen einer vergangenen und glücklicheren Knabenzeit im Leser, sondern es ist etwas anderes.

Karl May? - Die schöne Literatur, Heft 12, Dezember 1930, S. 594-597 (zitiert nach M-KMG Nr. 71, Febr. 1987, S. 40).

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Peter Groma

(eigentl. Josef Gromadecki), geb. 1921, Regisseur, Schriftsteller

Jules Verne hat eine "Reise in 80 Tagen um die Erde" geschildert, ohne sie selbst unternommen zu haben. Es spricht für Karl May, daß er, nachdem seine Bücher ihm genügend Geld eingebracht hatten, wenigstens für kurze Zeit doch noch in den Orient gefahren ist. Wahrscheinlich wollte er wissen, wie es wirklich in den Ländern aussah, die er auf Hunderten von Seiten beschrieben hatte.

Auf den Spuren Karl Mays. Berlin, Frankfurt/M, Wien 1964, S. 5.

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Friedrich Sally Grosshut

1906 - 1969, Exilschriftsteller

Setzt sich nicht bei Karl May "der Deutsche" trotz Tod und Teufel unüberwindlich durch? Schlägt nicht Old Shatterhand mühelos jeden Feind mit seinem Schmetterhiebe vernichtend zu Boden? Besitzt er, Verkörperung des neuheldischen Führertyps, nicht die "Zauberwaffe" des Henrystutzens, die Winnetou'sche Silberbüchse? Vergessen wir nicht, daß der Wagner-


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sche Mythos, in grauer Vorzeit spielend, zeitgemäß ergänzt werden mußte, sollte auch er wirksame Waffe werden. Mit Karl May gelang die Einheit vom Ring der Nibelungen bis zum "Schatz im Silbersee". Hitler verstand, wie er Karl May völkisch zu interpretieren hatte.

"Nachdenkliches zu Karl May", in: "Orient", Wochenschrift, Haifa, Jg. III, H. 10, 5.6.1942.

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George Grosz

1893 - 1959, Maler und Graphiker

Das also war Old Shatterhand in Wirklichkeit: ein kleiner, feiner, hochzugeknöpfter Herr mit weißem Schnurrbart, mit der napoleonischen Fliege unter dem Kinn und dem etwas gewollten langen Haupthaar, wie man es um 1870 trug. Die Augen waren hellblau, wie mit Weiß gemischt, und tränten an den Ecken, als seien sie in den Wind oder Zug gekommen. Nichts Furchteinflößendes, schrecklich Blondes war um diesen Herrn, aber auch nichts besonders Anziehendes. Man hatte den Eindruck, der sei innerlich voll Ruhe, Heimlichkeit und Vorsicht gewesen.

Mein Besuch bei Karl May, Hannoversche Presse vom 26./27.7.1958 (aus: Ein kleines Ja und ein großes Nein, Hamburg 1958).

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Max von der Grün

geb. 1926, Schriftsteller

Hätte Karl May noch gelebt, nachweislich einer der Lieblingsautoren Hitlers, er wäre bestimmt Präsident der Reichskulturkammer geworden. Aber ich kann mir ohne weiteres vorstellen, daß Karl May abgelehnt hätte.

Wie war das eigentlich? Kindheit und Jugend im Dritten Reich. Sammlung Luchterhand 345, S. 63.

Mich fragte in einer Abiturklasse einmal ein etwas hochgestochener Germanist vor den Schülern, was ich denn gelesen hätte, bevor ich Zugang zur wirklichen Literatur fand; da antwortete ich: 50 Bände Karl May. Darüber war er höchst befremdet und fragte etwas süffisant, ob mir denn dieser Karl May etwas gegeben habe. Ich antwortete: Nein, er hat mir nichts gegeben, er hat mir etwas genommen, nämlich die Angst vor dicken Büchern. Karl May zu lesen ist ja auch nicht schlimm, schlimm ist, bei ihm stehen zu bleiben."

Aus: Dankesrede anläßlich der Verleihung des Gerrit-Engelke-Literaturpreises 1985 der Stadt Hannover. Leseheft Literanover 1985, Heft 10 der Reihe "Kulturinformationen", Hannover 1986, S. 78 sowie: M.v.d. Grün, Ich und das Buch, S. 77.


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Joachim Grünhagen

geb. 1928, Schriftsteller

Mit dem Schreiben habe er als Zwölfjähriger begonnen, "nachdem Karl May, eine bis heute nicht ganz gestorbene Liebe, erstes Interesse an der Literatur geweckt" hatte.

Reimar Hollmann, Neue Presse Hannover, 16.7.1982, S. 9.

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Ekke W. Guenther

geb. 1907, Professor

"Von den Parteien Gunst und Haß verwirrt, schwankt sein Charakterbild in der Geschichte", sagt Schiller im Prolog zu "Wallensteins Lager", und dieses Wort paßt wie kaum ein anderes auf Karl May.

Vortrag, gehalten auf der 4. Tagung der Karl-May-Gesellschaft in Freiburg/Br. am 22.10.1977. Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1978, S. 154.

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Klaus Günzel

geb. 1936, Schriftsteller

Ich kann mich noch gut an meine frühen Jahre erinnern, in denen ich Karl May und den "Faust" unangefochten nebeneinander las. Das ist freilich nur in einer Phase möglich, in der man gewissermaßen noch nicht seine literarische Unschuld verloren hat ... Ich halte den Phantasten aus Hohenstein-Ernstthal heute nicht mehr für einen großen Dichter ..., eher für einen unerschöpflichen, gelegentlich auch routinierten Märchenerzähler ...

In einem Brief (6.8.1986) an Uwe Kahl.

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Albert Paris Gütersloh

(eigentl. Albert Conrad Kiehltreiber), 1887 - 1973, Schriftsteller

Wie Heimito von Doderer (1898 - 1966) berichtet,habe ihm Gütersloh "voll Begeisterung den 'Schut' von Karl May gebracht - 'ein Meisterwerk'".

Nach: Wolfgang H. Fleischer, Von Doderer zu Pelimbert, Erinnerungen an Heimito von Doderer, in: Xaver Schaffgotsch (Hrg.), München 1972, S. 54.

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Ludwig Gurlitt

1855 - 1931, Reformpädagoge

In ihm hat die Leidenschaft getobt, die Phantasie gebraust und hat ihm Geister und Gespenster vorgezaubert, die um Verkörperung baten. Dazu kam die Not des Lebens, der Kampf gegen die Niedrigkeit, zu der ihn das Schicksal verurteilen wollte, der Kampf für seine Erhöhung. Dabei mag er sich in den Mitteln vergriffen haben, er griff nach äußeren Glanzmitteln statt nach ruhiger Arbeit; er war ein schöner starker Jüngling, nun wollte er auch äußerlich glänzen, sein Leben genießen, die Welt kennen lernen, von sich reden machen. Was er dabei in den Jahren des Sturmes und Dranges verfehlt hatte, dafür mußte er hart büßen, aber er ließ sich diese schwere Schule des Lebens zum Segen werden und ging mit geläutertem Sinn aus ihr hervor.

Karl-May-Jahrbuch Breslau 1918, S. 611.

Mit seinen Gedanken für den Völkerfrieden, Völkerbund, Ausgleich der Konfessionen, Versöhnung des Orients mit dem Okzident und andern mehr gehört er zu den aufgeklärtesten und fortschrittlich wirksamsten Schriftstellern seiner Zeit.

Gerechtigkeit für Karl May! Radebeul 1919, S. 129.



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Brigitte Hamann

geb. 1940, Redakteurin

Bertha von Suttner ging sogar in die Schriften Karl Mays ein: als die Frau, die dem Mann gleichberechtigt gegenübersteht und sich vor allem durch Bildung und Klugheit auszeichnet, ist sie Vorbild für die Taldscha und für die ältere Aschta im "Winnetou".

May übernahm von Suttner den Begriff des "Edelmenschen" und wählte für seinen großen Vortrag, den er zehn Tage vor seinem Tod in Wien hielt, den geradezu Suttnerschen Titel: "Empor ins Reich der Edelmenschen!"

Bertha von Suttner. Ein Leben für den Frieden, München 1986, S. 486.

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Käte Hamburger

geb. 1896, Literaturwissenschaftlerin

... forderte nach der Lektüre des Jahrbuches der Karl-May-Gesellschaft 1971, daß Karl May endlich

"aus dem Stand des Jugendschriftstellers befreit"

werden müsse.

An den Herausgeber des Jahrbuches der Karl-May-Gesellschaft 1971, Prof. Dr. Claus Roxin. Nach: M-KMG Nr. 10, S. 1.

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Peter Handke

geb. 1942, Schriftsteller

... schildert, wie er nach der Lektüre von Karl Mays "Kurdistan" in weiteren Bänden, die in der dritten Person geschrieben sind, darauf wartete, "daß endlich das 'Ich' erscheinen würde". Daß es nicht erschien, "ist für mich ein Schock gewesen". Die Erinnerung daran formte den Anfang des Romans "Der kurze Brief zum langen Abschied": "... das Wort 'Ich' steht erst im fünften Satz der Erzählung".

Nach: Erste Lese-Erlebnisse, suhrkamp tb 250, S. 122.

Nach Anregungen zu seinem Roman "Der kurze Brief zum langen Abschied" befragt, antwortete der Autor. "Ach, ich habe eigentlich dabei auch nur an die alten Abenteuergeschichten gedacht, an Karl May zum Beispiel."

Die Zeit vom 31.3.1972.

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Otfrid von Hanstein

1869 - 1959, Schriftsteller

Man hat mich wiederholt in liebenswürdigen Rezensionen mit Karl May verglichen oder einen "zweiten Karl May" genannt. Ich möchte an dieser Stelle selbstverständlich mich jedes Urteils über den erfolgreichen Schriftsteller enthalten und nur sagen, daß es mir vollkommen fern liegt, diesen etwa nachahmen zu wollen. Ich habe daher mit Absicht und um schon im voraus den Verdacht einer Nachahmung ... unmöglich zu machen, für die Reiseroute meiner Erzählungen Gegenden gewählt, die May nicht schilderte.

Nach Lexikon der Reise- und Abenteuer-Literatur, Meitingen ab 1988.

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Thea von Harbou

1884 - 1954, Schriftstellerin, Filmautorin

Wenn die zwei Worte "Erste Liebe" das Gefühl umgrenzen, das ein junges Geschöpf zum erstenmal zu allen Höhen der Glückseligkeit und allen Tiefen der Verzweiflung schleudert, dann galt meine erste Liebe Winnetou, dem großen Häuptling der Apatschen. Diese Liebe kam in mein Leben, als ich zwölf Jahre alt war; und ich bin ihr treu geblieben bis auf den heutigen Tag.

Die Woche, Berlin, Weihnachtsheft (25.12.) 1926.

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Maximilian Harden

(eigentl. Maximilian Felix Ernst Witkowsky) 1861 - 1927, Publizist, Schriftsteller

... schrieb, auf die Pressehetze gegen Karl May eingehend, in einem Brief vom 1.4.1912 an Klara May.

"Ein Wind niedriger Gesinnung weht durch Deutschland."

Zitiert nach: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1977, S. 111.

Was er (Karl May) geschrieben hat, ist von Hunderttausenden gelesen, von Ernsten sogar oft gelobt worden.

Brief vom 17.3.1912 an den Akademischen Verband für Literatur und Musik, Wien. Zitiert nach: Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1977, S. 110.

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Wolfgang Harich

geb. 1921, Philosoph

Zu einem Essay über Ernst Bloch:

... weder die mittelalterliche Scholastik verschmähend noch Hebels Schatzkästlein, den Opern Richard Wagners gleichermaßen zugetan wie den Songs von Brecht/Weill, ja gern kokettierend mit seiner Begeisterung für Karl May. Nie ist ein Linker weniger borniert gewesen.

Konkret 9/1977.

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Raimund Harmstorf

Schauspieler

Als Junge habe ich Karl May gelesen. Aber ich lebe die Bücher lieber selber in meiner Fantasie nach. Ich sitze lieber auf meinem Pferd, als daß ich darüber schreibe und spreche. Karl May hat bestimmt seine Berechtigung. Ich besuchte kürzlich eine Indianer-Reservation. Eine traurige Sache. Den eigentlichen Indianer gibt es nicht mehr. Da sind nur noch Weiße, solche, die sich für ihn einsetzen oder die ihn ausbeuten.

Doch, Karl May ist schon o.k.

Interview mit Michael Petzel bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg 1979.

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Peter Härtling

geb. 1933, Schriftsteller

In meiner sächsischen Kindheit spielten die Legenden von Radebeul und dem vielnamigen Meister mit seinen Wunderbüchsen eine wesentliche Rolle. Ich hörte von Karl May, bevor ich ihn las. "Durch die Wüste" war, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, die erste Lese-Reise, die ich mit dem Erfinder der Kopfreise unternahm. Ihr folgten weitere. Allerdings stahl ich mich ziemlich bald aus der Karawane, um mich auf andere Reisen und Abenteuer einzulassen, zum Beispiel die des "Taugenichts".

In einem Brief an Erich Heinemann vom 7.1.1991.

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Hansotto Hatzig

geb. 1919, Redakteur

Denn, wenn man in den vor einem halben Jahrhundert geschriebenen Werken eines Karl May das auffinden kann, was heute (1956) die Grundlage des Denkens Albert Schweitzers und derer, die ihm nachfolgen, bildet, so ergibt sich daraus für jeden Menschen umso mehr die Verpflichtung, über diese Dinge nachzudenken.

M-KMG Nr. 3, S. 3.

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Hans Hauser

geb. 1924, Schriftsteller

So dürfen sich heute zwei Männer in das Verdienst teilen, Kurdistan dem Abendland nahegebracht zu haben - Der abenteuerende Archäologe Layard als Entdecker und der "Jugendschriftsteller" Karl May als der Publizist ...

Kurdistan - Schicksal eines Volkes, München 1975, S. 25.

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Manfred Hausmann

1898 - 1986, Schriftsteller

Mir selbst hat Karl May nie etwas bedeuten können ...

Nach: Rainer Gagelmann, Soll die Jugend Karl May lesen? Bamberg 1967, S. 26.

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Swen Hedin

1865 - 1952, Asienforscher

Auch Swift, Münchhausen und Karl May sind große Schriftsteller gewesen.

Berliner Tageblatt vom 18.1.1925.

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Christian Heermann

geb. 1936, Schriftsteller und Publizist

"Die Erde sehnt sich nach Ruhe, die Menschheit nach Frieden, und die Geschichte will nicht mehr Taten der Gewalt und des Hasses, sondern Taten der Liebe verzeichnen" (Karl May) ...


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Das sind Visionen, eingebunden in das Weltbild des Schriftstellers, von denen sich Gedankenbrücken in unsere Zeit schlagen lassen. Und nicht zuletzt durch seine Appelle zum aktiven Handeln für Frieden und Humanismus ist Karl May für uns aktuell.

Aus der Karl-May-Biographie "Der Mann, der Old Shatterhand war", Berlin 1988, S. 352/53.

Die Erzählung ist weit Über hundert Jahre alt, manches wirkt sentimental. Überhebliches Lächeln scheint dennoch unangebracht: Das Überlassen wir Generationen in weiteren hundert Jahren beim Lesen der Unterhaltungsliteratur unserer Tage.

Nachwort zu: Karl May "Der Waldkönig", Treptower Verlagshaus 1990, S. 137.

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Jürgen Hein

geb. 1942, Professor

Er (Karl May) versuchte durch ein Anknüpfen an Themen und Schreibweisen der Unterhaltungs- und Trivialliteratur den Leser bildend und erzieherisch nach "oben" zu führen und mußte damit in Kauf nehmen, als Schundschriftsteller disqualifiziert zu werden.

Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1976, S. 65.

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Willi Heinrich

geb. 1920, Schriftsteller

Sicher scheint mir zu sein, daß Karl May sehr vielen jungen Lesern dabei geholfen hat, den Weg zum Buch zu finden. Ob zu ihrem Vor- oder Nachteil, läßt sich ebenfalls pauschal nicht beantworten. Mich persönlich hat jedenfalls die Lektüre seiner Bücher für eine etwas anspruchsvollere Literatur nicht "verderben".

Aus einem Privatbrief vom 11.10.1973.

W. Heinrich schwärmte für die drei "Winnetou"-Bände (Bericht von W. Christian Schmitt, Generalanzeiger Bonn vom 15.6.1979).

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Helmut Heißenbüttel

geb. 1921, Lyriker, Essayist

Ob Karl May und ob sein Ruhm nun eine Erklärung gefunden haben, bleibt, denke ich, dahingestellt. Ich selber habe ihn nie recht lesen können...


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Der zweideutige Karl May. (Über Arno Schmidts "Sitara und der Weg dorthin") In: Christ und Welt, 24.1.1964.

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Fritz Helke

1905 - 1967, Schriftsteller

Die unbändige Lust am Fabulieren verführt May häufig zu unmöglichen Überspitzungen und phantastischen Übersteigerungen. Hinter den zahlreichen Abenteuern seiner Helden steht nicht immer ein ernsthaftes Ziel, ein verständlicher Sinn. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß auch Karl May ein Kind seiner Zeit war, daß eine Problemstellung, wie wir sie heute haben, damals gar nicht gegeben war. Auch May ist ja keineswegs frei von Moralitäten im hier so häufig angeprangerten Sinn. Aber er ist voll einer ungeheuren Begeisterung, er erzählt mit einer auf jeder Seite handgreiflich spürbaren Lust und Liebe an seinem Werk, er ist ehrlich, gerade, nicht ohne Willen zur Tiefe, und er ist unzweifelhaft deutsch. Und so ist es kein Zufall, daß gerade seine Bücher auch heute noch von unseren Jungen gern und freudig gelesen werden. Es wäre töricht und es wäre auch vergeblich, sie daran hindern zu wollen.

Das Abenteuerbuch - Rückschau und Ausblick, in: Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, Nr. 170, 25.7.1935.

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Ernest Hemingway

1899 - 1961, Schriftsteller

Er zog mit den Zähnen den Sicherungsstift aus der Eierhandgranate, hielt sie einen Moment, während der Rauch aus dem Loch zischte, als wollte er sie warm werden lassen. Dann schleuderte er sie mit einer Bewegung aus dem Handgelenk, die er einer Karl-May-Figur abgeguckt haben mußte, in die finstere Luke.

Inseln im Strom, Roman. Gütersloh, 1970, S. 395.

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Gerhard Henniger

geb. 1928, Schriftsteller

Daß er (Karl May) ein Meister der Reportage im positiven Sinne war, daß er sie auf eine Stufe gehoben hat, die sie nie vor oder nach ihm wieder erreicht hat, daß er aus ihr Dichtung gemacht hat: Nicht mittels seiner großen Gedanken und Ideen, nicht aufgrund weltumspannender Menschheitgedanken, sondern kraft seiner glühenden überstrahlenden Phanta-


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sie, geboren aus Zwang und Schicksal. Hier ist er Meister, unübertroffen, er ist Dichter der Phantasie, die, mit Spannung geladen, für die darauffolgenden 200 Seiten Kitsch entschädigt.

Aus einem Brief an Erich Heinemann vcm 6.9.1950.

Hier werden humanistische Grundpositionen sichtbar, die wir bejahen und die Mays beste Werke zu einem Teil jenes "Erbes"