München, den 17. Jan. 09
Liebe Tante!
Soeben erfahre ich, Onkel habe sich einer Operation unterziehen müssen. Ich bitte Dich, so sehr ich nur kann, schreib mir - bloß ein paar kurze Zeilen - was an der Nachricht wahr ist und welchen Erfolg die Operation hatte. Bitte, bitte laß mich nicht in dieser peinigenden Ungewißheit. Dich kostets ein paar Minuten und ich kann dann wieder ruhig arbeiten und ich will Dir ja so dankbar sein. Ich hoffe so sehnlich, daß mein lieber, guter Onkel Karl gesund und frisch ist und daß das Gerücht wie schon öfter wieder einmal ein falscher Feueralarm war. Kommt Ihr im Sommer nach München? Oder seid Ihr im August oder September zuhause anzutreffen? Ich möcht Euch halt endlich einmal wiedersehen, nachdem ichs das letzte Mal in München so glorreich verpatzt hab. Und nicht wahr, mein Onkel ist nicht krank? Ich will dem Gerücht nicht trauen. Ich weiß, daß Du mich nicht umsonst auf eine kurze Benachrichtigung warten läßt und danke Dir und dem Onkel für all Euere Liebe.
Es grüßt Euch Euer alter, dankbarer
Neffe Willy aus München.
* Redaktionelle Notiz:
Die Briefe Karl und Klara Mays wurden von Ulrike Müller-Haarmann und Gerhard Haarmann übertragen, die Briefe Adele und Willy Einsles transkribierten Annelotte Pielenz und Irene Frankenstein, denen dafür herzlich zu danken ist. Die Redaktion der Texte und die Kommentierung besorgte Ulrich Schmid; Frau Dr. Gertrud Mehringer-Einsle, München, trug dazu dankenswerterweise zahlreiche erläuternde Hinweise bei. Das vorliegende Jahrbuch bietet die Korrespondenz von 1909 bis zum Tode Karl Mays am 30.3.1912, soweit sie erhalten ist; der erste Teil, von 1902 bis zum 31.12.1908, ist im Jahrbuch 1991 abgedruckt. Leider ist der Schriftwechsel nur unvollständig überliefert; immer wieder finden sich Hinweise auf nicht erhaltene Schreiben, die sich auch nur teilweise rekonstruieren lassen. Orthographie und Interpunktionseigenheiten in den Briefen von Willy und Adele Einsle bleiben unkommentiert.
Klara May an Willy Einsle - 19.1.1909
Mein lieber Willy!
Das Gerücht ist wahr! Der gute Onkel hatte sich in Amerika eine Verletzung zugezogen, die so bösartig war, daß er sich einer Operation unterziehen muß te. Es geht ihm aber, Gott sei Dank, gut. Aus diesem Grunde blieb bisher Alles liegen. Ich komme erst jetzt dazu all den lieben Menschen für die vielen Beweise ihrer Liebe zu danken, die uns von Weihnachten bis jetzt zu theil wurden. Auch Dir und Deinen Lieben vielen Dank. Ich bitte Gott, daß Dir das Jahr 1909 ein erfolgreiches, gesegnetes sein möge! Wir hoffen daheim zu sein!
[Auf der Rückseite, über dem Bild:]
Viele, herzliche Grüße Dir und Deinen Lieben, von den beiden Alten da unten.
Bildkarte: »Karl May und Frau auf der Heimreise von Amerika auf der >Kronprinzessin Cecilie<« - Poststempel Radebeul 19.1.09
Meine liebe Frau Oberamsrichter! [sic]
Heute erlaube ich mir, mit einer Bitte zu Ihnen zu kommen. Ich lege Ihnen einen Brief bei, damit Sie mich besser verstehen und ich mich kürzer fassen kann.
Ich erlaube mir Ihnen anbei 10 Mk. zu senden mit der Bitte, dafür in einem Münchner Blumengeschäft einen Korb mit eingepflanzten Blumen zu kaufen. Am liebsten sind mir weiße Hyazinthen und Maiblumen. Am Mittag des 29.d.M. möchte ich diese Blumen, mit den [sic] beifolgenden Brief an die angegebene Adresse befördert haben, vom Blumengeschäft aus.
Die Dame ist die Gattin eines Schriftstellers. Eine langjährige warme Verehrerin meines guten Mannes. Sie war schon zwei mal hier. Ich habe sie sehr in's Herz geschlossen; es ist ein feines, liebes Wesen. Ich möchte ihr in ihrer Verbannung eine Freude machen, zumal ich mit banger Sorge der Erstaufführung der Arbeit ihres Gatten entgegen sehe. Es ist arg viel Animalisches in dem jungen Schriftsteller. Seine
herzige Frau ist mir lieber als seine Kunst, die den Weg zur Höhe noch zu finden hat. Wenn ich Sie nicht zu sehr belästige, und Sie grad Zeit haben, möchte ich um eine oder zwei Rezensionen seines Stückes bitten, wenn Ihnen zwei verschiedene Zeitungen zur Hand sind.
Ich wage es, Sie zu belästigen, weil ich fühle, Sie thun mir den Gefallen gern. Ich möchte der lieben jungen Frau nicht Blumenleichen in's Haus senden, wie wir sie fast ausschließlich erhalten. Ich bedaure es immer so sehr, wenn die lieblichen Kinder Floras sich uns sterbend, oder als Leichen präsentieren. Mit der Wurzel in einer Rinde, die ja ganz billig sein kann, kommen sie wenigstens lebend an. Ich danke Ihnen im Voraus vielmals herzlichst für Ihre Bemühungen und hoffe, es im Sommer noch mündlich thun zu können.
Willy schreibt, Sie gedenken im Sommer zu uns zu kommen. Wir freuen uns aufrichtig auf Ihren Besuch und hoffen und wünschen nur, daß nichts hindernd dazwischen tritt.
Meinem Herzensmanne geht es, Gott sei Dank, gut. Die Bandagen sind gefallen. Die Wunde heilt vorzüglich.
Viele, herzliche Grüße Ihnen und Ihren Lieben
Ihre ergebene
Verehrerin: wohl Hetty Heide, s. u. Brief Klaras Dezember 1909
Vielen, herzlichen Dank, Dir und Deiner lieben, guten Mama für alle Mühen. Daß es meiner armen jungen Freundin so gehen würde, wie es nun gekommen, ahnte ich mit banger Sorge. Es geht ihr gut und dem kleinen Weltbürger auch, der inzwischen gekommen ist, um sie zu trösten. Die Frau hat tausendmal mehr in sich als ihr Mann. Hier hat das Leben einmal die Rollen vertauscht. Unserem geliebten K. M. geht, es Gott sei Dank, gut. Er schafft emsig am »Mir« um sich ganz frei zu machen für »Winnetou«.
Viele, herzliche Grüße von Haus zu Haus
Deine alte Tante
Bildkarte: »Karl May bei den Tuscarora Indianern« (von Klara beschriftet)
Klara May an Adele Einsle - vor Pfingsten 1909
Villa Shatterhand
Radebeul-Dresden
Hochverehrte, liebe gnädige Frau!
Vielen Dank für Ihre lieben Grüße. Ich komme erst heute dazu, Ihnen zu antworten; viel Abhaltung, Arbeit und ein ernstes Unwohlsein hinderten mich, früher zu schreiben. Letzteres ist auch jetzt noch nicht gehoben und liegt wie ein dunkler Schatten auf mir. Es ist dies auch der Hauptanlaß, daß ich nicht über Pfingsten bestimmen kann. Wenn Sie einmal hier sind, möchten wir doch die Zeit Ihres Aufenthaltes in frohem Beisammensein ausnützen, und damit schaut es momentan schlecht aus.
Es ist den Herrschaften vielleicht gleich, wann Sie kommen. Paßt es Ihnen im Herbst auch? Ich hoffe, doch noch einmal gesund zu werden, und bis zum Herbst ist's eine lange Zeit und noch dazu die schönste des Jahres.
Bitte grüßen Sie alle Ihre Lieben recht herzlich von uns, und empfangen auch Sie die gleichen Grüße von Ihren
alten dankbaren
Lieber Willy!
Dein bestandenes Examen hat uns sehr erfreut. Gerne hätten wir Dir sofort geschrieben, aber trübe, schwere Tage senkten sich auf uns, die Alles in den Hintergrund drängten. Wir haben am Sonntag unsere liebe, gute Mutter verloren. Du kennst solche Tage noch nicht. Möge Gott sie auch noch recht lange von Dir fern halten.
Wir erwarten bestimmt, Dich bei uns zu sehen in diesem Sommer. Deine gute Mama hat es doch geschrieben, daß Ihr kommen würdet. Also Wort halten!
Der Onkel hat für Dich ein schönes, altes Siegel fassen lassen. Er brachte es vor 10 Jahren aus Griechenland mit. Du sollst es zum Andenken erhalten. Es ist der Dank des Onkels, daß Du ein guter, brauchbarer Mann geworden bist, wie er es erstrebte. Es soll Dich immer daran erinnern, Dein Leben in den Dienst des Guten zu stellen.
Wir hoffen, Du holst es Dir selbst, wo nicht, sende ich es Dir.
Mit innigen Grüßen für Dich und Deine Lieben
Deine treuen Alten
Lenggries, den 31.VII.09.
Lieber Onkel, liebe Tante!
Unter äußerst primitiven Verhältnissen, wie sie das idyllische Landleben mitsichbringt, sitz ich bei strömendem Regen im Prunkgemache und denk an Euch und an unser baldiges Wiedersehen.
Daß ich Euch so lang nicht gedankt habe für den lieben Brief hat seinen Grund darin, daß ich erstens bis jetzt noch nicht zur nötigen Ruhe gekommen bin zuerst wegen der vielen Verpflichtungen meiner Verbindung gegenüber (Stiftungsfest) und dann wegen der Fülle von Bergpartien und anderer Touren, zweitens weil ich in der letzten Zeit ein ziemlich hartes Bröcklein zu verarbeiten bekam, mit dem ich noch nicht so recht fertig bin. Da ich vor Euch kein Geheimnis habe, will ich es Euch schon sagen, aber lieber mündlich, auch aus dem Grund, weil ich hoffe, bis dahin wieder ins Gleichgewicht gekommen zu sein. Verzeiht, wenn ich heut mich kurz fasse, aber das Briefschreiben geht mir nicht so von der Leber weg, wie sonst und dann hats auch keinen Wert.
Eins möcht ich Euch noch anvertrauen, weil Ihrs doch merken würdet. Wenn Ihr mich dann nimmer mögt, so kann ich es begreifen, aber ich kann mich nicht ändern u. mir Gefühle eingeben, die ich einfach nicht besitze. Kurz gesagt: ich habe für meine Eltern nicht das, was man unter echter kindlicher Pietät versteht. Sie sind mir innerlich fremd. Ich kann doch nicht sagen, daß ich etwas fühle, wenns nicht der Fall ist. Ich sehe, daß meine Eltern drunter leiden, ich selbst steh ohne Bruder oder Schwester auch allein auf mich selbst angewiesen da. Wie ich darunter gelitten habe und noch leide, ist nicht zu sagen. Ich will mich redlich bemühen, wenigstens die äußere Form zu wahren und meinen Eltern mit der Hochachtung zu begegnen, die sie beanspruchen können. Die Verheißung des 4. Gebotes, soweit ich sie nicht später vielleicht meinem Berufe abringen kann, ist wohl so schon verscherzt.
Dies wollte ich Euch mitteilen, damit Ihr nicht so ganz plötzlich Euch in mir getäuscht seht. Denkt von mir nicht zu schlimm - wenn Ihr könnt.
Also Mama und ich dürfen Euch mit Papas pekuniärer Genehmigung besuchen. Ab 23. August sind wir wieder in München und bis zum 20. September jederzeit bereit unsere Pilgerfahrt anzutreten. Bitte teilt uns mit, wann wir Euch am wenigsten stören. Wir freuen uns beide so sehr.
Am 1. Oktober trete ich beim hiesigen 3. Feld.Art.Reg. als Einjähr. Freiw. ein. Ich freue mich schon darauf.
Mit den allerherzlichsten Grüßen
3. Feld.Art.Reg.: das Dritte Feldartillerie-Regiment
Lieber Willy!
Dein Brief hat uns recht wehmütig gestimmt. Auch Du junges Blut weißt schon, was Leiden heißt. Glaube ja nicht, daß wir Dir zürnen. Im Gegentheil. Du thust uns sehr leid. Flüchte Dich allezeit mit jedem Leiden zu uns!
Also, wir werden Dich und Deine liebe Mama noch in diesem Sommer bei uns sehen. Auch wir freuen uns auf ein Wiedersehen. Schreibe nur, an welchem Tage wir Euch erwarten können. Wir hoffen, zu der von Dir angegebenen Zeit frei zu sein.
Jetzt reißen die Besuche nicht ab. Nun genug für heute, so Gott will, bald mündlich mehr.
Mit den herzlichsten Grüßen für Dich und Deine Lieben, immer
Deine Getreuen
[Nachschrift Karl Mays:]
Herzlichsten Gruß an Alle!
Klara May an Willy Einsle - 17.8.1909
Lieber Willy!
Wir werden Euch am 2n September um 1 Uhr bei uns zu Tische erwarten. Ist das Wetter schön, können wir am Nachmittag etwas unternehmen und am 3n gehen wir vielleicht mit Euch in die sächs. Schweiz um Euch ein Stückchen von unserem Land zu zeigen. Viele, herzliche Grüße Deine
Radebeuler.
Bildkarte: Villa Shatterhand mit blühenden Glyzinien - Poststempel: Radebeul 17.8.09
31. August 09
Ihr Lieben, Guten!
Also es wird Tatsache, wir kommen; bis jetzt habe ich immer noch nicht so ganz getraut und irgend etwas Unvorhergesehenes gefürchtet. Drum ist meine Freude nun um so reiner und tiefer. Um der Ehrlichkeit willen muß ich da ein Bekenntnis machen. Gar zu gern - wenn ich es zuließe - möchte sich diese Freude etwas trüben durch ein ab und zu aufsteigendes Gefühl einer gewissen Unbehaglichkeit. Ich glaube, daß dies seinen Grund in meinem derzeitigen Zustand hat: Ich schwimme. Zuerst schwamm ich ja auch, aber da hatte ich den richtigen Kurs, die Gewißheit, Land zu finden und dabei ein tüchtiges Floß unter mir. Das war mein Glaube und meine Zukunftshoffnungen.
Da kam der große Walfisch, Wissenschaft genannt und rannte höchst unsanft an mein Floß. Als es nicht gleich aus den Fugen ging, tat ich sehr stolz und sicher. Dann merkte ich später freilich, daß der Zusammenstoß ernster war, denn die Bänder hatten sich gelöst und Ruder und Balken schwammen davon. Auf einen einzigen hatte ich mich gerettet - seine Bedeutung für mich will ich Dir lieber mündlich sagen - und nun ging grade der flöten, auf den ich alle (das nicht, aber doch so große) Hoffnungen gesetzt habe. Jetzt schwimme ich allein für mich und »eigenhändig«. Wenn man sich erst daran gewöhnt hat, gehts auch so. Nur eines gefällt mir dabei ganz und gar nicht. Es stellt sich so allmählich das Gefühl der »Wurstigkeit« ein, so wie man es bekommt, wenn man nach anstrengender Bergtour noch auf der Landstraße wei-
tertrotten muß ohne die Entfernung des Zieles genau zu kennen. Das ist Stumpfsinn, der auf Dauer höchst gefährlich werden kann. Und den sollst Du mir vertreiben. Vielleicht gibst Du mir auch wieder ein Floß unter die Füße und zeigst mir, wo ich Land finden kann.
Ich will das Vertrauen Deines Hadschi Halef zu Dir haben.
Dir und der lieben Tante für all Eure Liebe so zu danken, wie ich es möchte, werde ich wohl nie in der Lage sein.
Also auf Wiedersehen am 2ten Sept.
3. IX. 09
Meine. liebe.Olga!
Die herzlichsten Grüße Dir und der Familie Eilles ? .
Wenns bei Euch auch so schön ist, dann könnt Ihr zufrieden sein.
Dein.Willy.
Herzlichen Gruß!
Mutter Klara May
[darunter, auf dem Kopf stehend:]
Karl May.
Bildkarte: »Sächs. Schweiz. Teufelsturm« - Poststempel: Dresden 3.9.09
Lieber.Juliusl
Von der wunderbaren Tour in die sächsische Schweiz, die wir der großen Güte Herrn Doktors und seiner lieben Gattin verdanken u. bei der wir über D
[Auf dem Kopfe stehend:]
Karl May. Klara May.
Bildkarte: »Polenztal, Sächs. Schweiz, Partie beim Talwächter« - Poststempel: Dresden 3.9.09
Klara May an Willy Einsle - undatiert, wohl September 1909 (nach dem Besuch der Einsles in Radebeul)
Lieber Willy!
Vielen Dank für Deine lieben Abschiedsworte und Blumen. Gern hätte ich Dich und Deine liebe Mama noch einmal in Eurem Hôtel aufgesucht, es ging aber nicht. Bei uns löst immer eine Erscheinung die Andere ab.
Du darfst Dich nicht bettelarm nennen. Gott gab Dir genau so viel mit zur Wanderung durch's Erdenleben, wie allen Anderen. Wuchere nur mit Deinem Pfund; es wird sich in Deiner Hand mehren.
Wie war es im Theater? War es gut? Warst du noch im »Zoo«? Ich bedauerte, Daß Du Dich selbst noch einmal zu uns bemütest und, daß Du dir dadurch ein paar werthvolle Tagesstunden raubtest. Sie fehlten Dir sicher sehr.
Hätte Onkel nicht gar so nöthig mit der Arbeit, ich hätte Euch noch nicht frei gegeben. Nun, hoffen wir, daß wir uns im December wiedersehen.
Bitte, grüße Deine liebe, herzensgute Mamma vielmals von uns, und empfiel uns Deinem Herrn Papa. Du aber nimm die Versicherung, daß Du in Radebeul zwei Menschen hast, die Dich in's Herz geschlossen haben und die für Dein Wohl beten.
Tante Klara.
Krumbach, den 10.IX.09.
Lieber Onkel, liebe Tante!
Ich sitz im »Postgärtle«, mitten unter lauter Rosen. Der Wind trägt mir vom nahen Wald die harzige Luft der Fichten und Tannen zu. Um mich duften die Rosen und Nelken. Ich hab ja die Blumen so lieb und ich weiß, sie werden mir helfen, endlich das zu werden, was jeder bestrebt sein soll, ein guter Mensch. Da sitz ich, bei all meiner Gescheitheit, und kaue elendiglich am Federhalter herum. Dankbriefe, wobei mir auch wirklich dankbar zu Mut war, hab ich ja schon öfter geschrieben und ich brächt schließlich auch heut einen leidlichen zusammen, wenn - ja wenn er nicht an Euch, Ihr Lieben, Lieben in Radebeul wäre.
Seit ich bei Euch war, hab ich ja endlich gefunden, wonach ich so sehnsuchtsvoll und bang gesucht habe, mitten im stillen, heiligen Wald,
tief drin, den klaren, lichten See in süßer Einsamkeit, an dem das Märchen und der Gottesfriede wohnen. Kein Lärm der Welt dringt ja dorthin. Die Brüder, die den Weg gefunden, begrüßen still sich, nur ein Druck der Hand, weil jedes laute Wort entweihen würde. Hier wohnen Kraft und Glaubensmut, der sie als Friedenshelden in die Weite schickt, wo sie im einfach schlichten Kleide wirken, nach Kraft und Können wirken, wozu ihr Herz und ihre Dankbarkeit sie treibt. Und einstens wird das Märchen Wahrheit werden, der Gottesfriede tritt hinaus in alle Welt und alle Welt wird preisen Gottes Namen. Der Liebe hab ich mich anheimgestellt, sie sei mein Stern, mein Ziel, mein Hoffen! Amen.
Ich habe keins von den Worten, die Ihr mir ins Herz gelegt habt, vergessen. Da sollen sie, in aller Stille gepflegt, blühen, reifen, Früchte tragen. Das ist der Dank, von dem ich sprach.
Wenn ich dran denke, wie viele Mayleser froh wären, wenn sie ihren May nur einmal sehen dürften und daß ich ganze zwei Tag mit Euch beisammen war, da wird mir ganz schwindelig.
Die Gemme erregt teils Neid, teils Bewunderung, teils beides. Mich soll sie stets an die beiden Dresdner Tage erinnern und an meine Dankesschuld, die ich abtragen muß. Habt Ihr gewußt, wie hoch mir das Wasser gegangen war und wie höchste Zeit es gewesen ist? Und jetzt das wonnige Gefühl der Sicherheit und das frohe Bewußtsein, wieder auf gutem Grund zu stehen.
So viel für heute. Wenn ich beim Militär bin, sollt Ihr einen ordentlichen Soldatenbrief bekommen.
Dir, liebe Tante, noch besonderen Dank für das herrliche Apfel-
gelee. Da hätt ich noch eine Bitte. Möchtest Du mir bei Gelegenheit mitteilen, wann, genau, Onkels Vortrag in Augsburg ist und an wen man sich um Biletten wenden kann. Denn, daß ich kein Mittel unversucht lasse um hinkommen zu können, wirst Du Dir denken. Und dann: Dürfen wir Euch in München sehen oder sollte es vielleicht mit dem versprochenen Mittagessen bei uns etwas werden?? Ja, Onkel selbst hat es versprochen. Wenn es diesmal nicht geht, ist es eben nicht zu ändern und wir wollen vernünftig sein, aber herzlichst freuen täten wir uns. Und meine Freundin möcht ich Euch auch gern zeigen.
Grüßt mir das Finklein und sagt Euren beiden lieben, süßen, kleinen Weißen, daß ich sie sehr lieb gewonnen habe und mich im Ernst freue, sie wieder frisch und munter zu sehen.
Das beiliegende Bild ist von Mama und für sie bestimmt. Die Drei habe ich auch sehr lieb.
Tante, ich hab so Angst, der liebe Onkel soll sich doch ja recht schonen. Den Fisteltönen gibt er gerne nach.
Verzeiht mir meinen verrückten Brief. Aber es kommt halt nicht alle Tage vor, daß jemand so lieb zu mir ist, wie Ihr es waret und daß ich mich so »zuhause« fühl wie bei Euch. Das hat einen noch tiefern Eindruck hinterlassen als alles, was Ihr zu mir gesprochen habt.
Ihr gabt mir Liebe, Ihr gabt mir Licht;
[Beigelegtes Bild: Vorderseite Photo von drei Hunden - Rückseite:]
Klara May an Willy Einsle - 22.9.1909
Der Vortrag wird sein am 8. December im Kaufm. Verein »Laetitia« Vorstand Georg Martin, Augsburg. E 205b. Viele Grüße!
Tante Klara.
Postkarte - Poststempel: Radebeul 22.9.09
München, den 26. November 09
Ihr Lieben!
Draußen ist es hundekalt. Der Winter hat sein bärbeißigstes Gesicht aufgesetzt und wenn man nicht die grimmig vergnügten Äuglein sähe, möchte man glauben, wunder wie Ernst es ihm ist. Trotzdem habe ich es vorgezogen mich auf so etwa 14 Tage auf Gelbsucht auch Ikterus genannt kurieren zu lassen. »Jetzt raucht er wieder, Gottseidank.« Was ich aber nur bildlich meine. Denn - aber Ihr dürft nicht lachen - als ich damals in Radebeul sah, daß der Onkel nicht mehr raucht, habe ich bei mir den furchtbaren Schwur getan, ebenfalls nichts Rauchbares mehr anzurühren. Bis jetzt hab ich ihn gehalten, sogar unter den erschwerten Umständen des Militärdienstes. Ja, nun lacht Ihr mich doch aus. Ich hätts Euch gar nicht gesagt, aber in Augsburg hättet Ihr es vielleicht doch gemerkt und dann hätt ich rot werden müssen.
Also Augsburg! Vivat, Gloria, Halleluja! Billetten haben wir. »Nur zwei Meter vom Redner entfernt.« Onkel, wenn Du aus dem Konzept kommst, sag ich Dir ein. Ich überleg mir noch, ob es nötig ist, daß ich meinen krummen Säbel mitbring, ich könnt da ganz gut die Hauspolizei markieren. Überhaupt, wer nicht will, wie du willst, wird kurz und klein gehauen und eingesperrt. So lernt mans beim Militär.
Ja das Militär. Ein großer Zopf, der aber sein muß und viel Gutes hat. Im Grund genommen bin ich sehr gern dabei u. spiel fleißig mit. Das meiste freut mich, besonders das Reiten. Ich bin noch gar nicht runtergeflogen, obwohl wir schon oft gesprungen sind und mein Gaul gern durchgeht. Kommt aber noch mit tödlicher Sicherheit. Womit ich aber nicht die Art des Abstürzens zitieren will. Das Kanonenschieben durch Dreck und Schnee behagt mir weniger. Muß halt auch sein. Jetzt
nach meiner längeren gelbsüchtigen Abwesenheit werd ich mir am Anfang schon ein bissel hart tun.
Meine Freundin kommt auch mit nach Augsburg. Aus diesem Grund und noch aus einem andern will ich mir heut ein Herz nehmen und Euch erzählen, welche Wolken meinen Himmel verdüstern. Besonders weil ich glaube einigermaßen damit zurechtgekommen zu sein und deshalb sachlich drüber sprechen zu können. Auch komm ich nun nicht mehr in den Verdacht, daß ich Mitleid haben wollte und daß ich mit meinem Sach nicht selber fertig werden könnte.
Der zweite Grund ist Der. Solange ichs Euch nicht sag, kann ich nie ruhig an Euch schreiben. Und bis jetzt konnt ichs nicht, weils in mir zu entsetzlich rumorte, und mocht ichs nicht, weil ich mit mir selber fertig werden wollte.
Nach der langen Einleitung die kurzen Tatsachen. Versetz Dich, liebster Onkel, an meine Stelle:
Du hast bis zu Deinem 18ten Lebensjahr wohl Liebe, nie aber Liebe gefunden, die sich mit aufrichtigem Verständnis für Deine Bedürfnisse gepaart hätte. - Du warst ja so fern u. ich brauchte jemand, der um mich herum gewesen wär. - Du hast nie Geschwister besessen, und bei Deiner angeborenen Schwerfälligkeit auch nie einen Freund. Da bekommst Du auf einmal wie vom Himmel herunter eine Freundin, die Dich versteht, die alles in Dir harmonischer macht und für die Du - und das ist für Deine Veranlagung charakteristisch - Dich sorgen und kümmern darfst, als ob sie Deine wirkliche Schwester sei. Da wird sie teils durch Neckereien von anderer Seite, teils aus eigenen Beobachtungen argwöhnisch und sie weiß sich nicht mehr zu helfen, es kommt zu einer Aussprache. Mehr wie eine Freundin könne sie Dir nie sein und schon um Deinetwillen fühle sie sich verpflichtet es Dir zu sagen. Du bist wie zerschmettert und der Gedanke, daß Du auf diese Freundschaft einmal verzichten müßtest, einmal nicht mehr für sie sorgen darfst, ist imstande Dich verrückt zu machen. Dabei das dumpfe Gefühl, unendlich blamiert worden zu sein und dabei ganz allein die Schuld zu haben. Es ist grad als wenn Dir einer zumutete, Du müßtest Deine gesamte innere Organisation von Grund auf ummodeln. Also das Ende: Ihr seid Freunde wie am Anfang, echte Freunde, Du sorgst für sie wie vorher aber Du hast Dich in den Gedanken zu finden: Obwohl Du um sie gedient hast wie einst Jakob um Rahel, morgen schon kann es geschehen, daß Du außer Kurs gesetzt wirst. Und wiederum: keiner hat die Schuld als Du allein und trotzdem - Du weist es u. kannst nicht anders.
So da habt Ihr meine ganze Misere. Hintennach kann man leicht ein-
sehen, wie unnötig man sich aufgeregt habe und wie kindisch alles gewesen ist. Wenn man aber drinsteckt, so ist einem das Heulen auch näher als das Lachen.
Also wenn ich nicht fühlte, daß ich so halb und halb drüber weg gekommen bin, hätt ich nichts geschrieben. Angst wird mir nur, wenn ich seh wie leutscheu ich werde - die Anlage war immer schon da - und das Gefühl, besonders in Damengesellschaft, jedes müßt mir die Blamage ansehen. Aber ich will dagegen ankämpfen. Übrigens mach ich mir aus junger Damengesellschaft gar nichts! Drei junge Mädeln kenn ich, gescheit und gut, für die geh ich durchs Feuer, ebenso für zwei alte Damen. Soll ich Dich liebs Tantele, jetzt zu den ersteren oder zu den zweiten rechnen? In meiner Grobheit tat ich dich still zur zweiten Gruppe, wo Du Dich in der Gesellschaft der alten, lieben prächtigen Großmutter Weiß befindest, der Großmutter meiner Freundin mütterlicherseits. Weil ich nur wieder einmal eine meiner unabweislichen Liebeserklärungen eingeschmuggelt hab. Ich bin doch ein entsetzlicher Kindskopf! Aber Kinder und Narren haben das Recht die Wahrheit zu sagen. Der Narr bleibt mir vorbehalten. - - - An Radebeul denke ich oft, so oft. Und wißt Ihr, was mir gar nicht aus dem Kopf gehen will? Die Erinnerung an das Sascha-Schneider-Bild im Empfangszimmer. Ich hätts so gern vor der Abreise nochmal gesehen, aber ich hab mich nicht getraut Euch nochmal zu belästigen. Jemand anderm als Euch würd ichs gar nicht gönnen. Und nun meine Bitte. Ich weiß nicht an wen ich mich wenden soll wenn nicht an Euch.
Kann man nicht irgendwo eine Reproduktion auftreiben, die für meine Verhältnisse erschwinglich ist? Und wenns nur eine Photographie wäre.
Zur Warnung: Ihr sollt Euch auf keinen Fall in Unkosten stürzen. Ich müßt mich sonst zusehr schämen, daß ich es Euch geschrieben hab. Im vollsten Ernst. Wenn Ihr was wißt, seid so gut und sagt mirs wenn wir uns in Augsburg sehen.
Augsburg. Nun wären wir also mit Kunst und Schläue da, wohin das Ziel der Reise ging. Bis dahin bin ich wieder ganz auf dem Damm. Kommen tät ich aber, und wenns aus dem Bett und sämtlichen heißen Wickeln raus sein müßte. Für uns drei, nämlich für Mutter, Olly und meine Wichtigkeit haben wir also die Plätze. Vater konnte beim Bestellen noch nicht sagen, ob er Zeit haben würde. Wenn er kann, wird es ihn sehr freuen Euch kennenzulernen. (So sagt man doch?) Es ist aber wirklich so. Er hofft in Augsburg noch eine Karte zu bekommen.
Wir sind am 4. Dez. um ½ 2 Uhr rum in Augsburg und fragen dann gleich an, wann wir Euch auf 10 Minuten sehen können. Zwanzig lange
wären mir freilich lieber als zehn kurze. Aber ich bin vernünftig genug einzusehen, daß ich Euch mit vielen andern Menschen zu teilen habe und daß Ihr wohl grad am 4ten mehr zu tun habt als meinem Wohlgefallen zu leben.
Aber - eine ehrliche Frage - also auch, bitte, eine ehrliche Antwort. Zehn Minuten nachmittags und - zehn Minuten vormittags machen auch 20 Minuten aus. In dem Fall tät ich schon vormittags um 9h15 ankommen. Also bitte, liebste Tante, auf einer Karte noch eine kurze Benachrichtigung. Aber bitte, bitte, so, wie Ihr es Euch einzurichten vorhattet, bevor ich schrieb. Ich wäre sehr unglücklich, wenn Ihr es nicht tätet. Abends mit dem 11h47 Zug fahren wir dann heim.
Also auf baldiges, frohes Wiedersehen.
Mutter ist schon jetzt in Toilettenöten wegen des Abends.
Jetzt raucht er...: Anspielung auf Wilhelm Busch: Die beiden Enten und der Frosch
Lieber Willy!
Du bist im Irrthum der Vortrag ist nicht am 4. 12., sondern am 8n. Ob und wann wir Euch vorher sehen können, kann ich noch nicht bestimmen. Du lieber Guter schreibst so lieb. Vielleicht kann ich einmal darauf zurückkommen. Für heute viele, liebe Grüße von uns beiden
Deine alte
Anbei eine Photographie von dem Bilde was Dir gefallen hat. Ich muß mal die Platte raussuchen und einen größeren Abzug machen. Ich habe diese Aufnahme selbst gemacht. Wenn Dir daran liegt, kann ich Dir ja eine Vergrößerung machen lassen.
Nochmals grüßt
Tante Klara
Bildkarte: Klara May im Orientzelt im Garten der Villa Shatterhand - kein Poststempel
Lieber Willy!
Es wird am besten sein, wir treffen uns im Hotel »Kaiserhof«, vielleicht um 4 Uhr Nachmittags, am 8 d. M., und trinken da gemütlich Kafé im Restaurant. Auf Onkel müssen wir verzichten. Er arbeitet bis zum Vortrag und wird kaum irgend jemand empfangen. Nach dem Vortrag bleibt Ihr bis zur Abfahrt Eures Zuges bei uns. Wir gehen nicht mit in's Casino, des Rauches und des Trinkens wegen. Wir gehen nach dem Vortrag sofort ins Hotel zurück. Am andern Tage reisen wir wieder ab. Ich hoffe, es bleibt uns Zeit zu einer Aussprache, obgleich eine solche, wie Du sie Dir wünschst, nur hier, bei uns, stattfinden kann, wo Du den Onkel allein hast. Du bist ja kein Kind mehr, wirst also über lang oder kurz einmal in der Lage sein, einen Abstecher nach Radebeul zu machen. Du wohnst dann oben, in unserem einfachen Gaststübchen. Es wird dir aber schon deshalb lieb sein, weil der gute Onkel darin lange Zeit wohnte, in einer ernsten Zeit seines Lebens.
Hetty Heide, die lustige, liebenswürdige Gattin des Dichters Sylvester, kommt auch. Du wirst sie kennen lernen und - Dich jedenfalls sterblich in sie verlieben -. Sie ist ein reizendes Wesen und nimmt für sich ein. Ich werde Dich schon am Nachmittag mit ihr bekannt machen. Grüße Alle, die Du liebst von mir, und empfange Du zugleich mit den besten Grüßen vom Onkel diejenigen
[Nachschrift Karl Mays:]
Freue mich sehr auf Euch!
Kaiserhof: Hotel, in dem die Mays in Augsburg wohnten
Hetty Heide: Die Frau des Schriftstellers Hans Karl Heide (1878-1929), der seit dem Jahrgang 1907 in Kürschners Literaturkalender verzeichnet ist. Der gebürtige Dresdner schrieb unter dem Pseudonym Ewald Silvester Lyrik, Prosa und Dramen, die offenbar ohne großen Erfolg blieben. Über die Premiere seiner Komödie >Der komische Prinz< (auf sie bezieht sich wohl Klara Mays Brief Ende Januar 1909) urteilte Lion Feuchtwanger in der >Schaubühne<, (Jg. 1909, S. 454ff.): »bei aller Phrasenhaftigkeit der Tendenz, bei allen Mängeln der Technik, bei aller Hilflosigkeit der Sprache« vermochte man doch »gewisse Qualitätchen zu entdecken, wie konsequente Durchführung der Charaktere« und »folgerichtige Darstellung der Hintergründe«. Auch in den zwanziger Jahren
erschienen von ihm mehrere Schauspiele und Romane; ab 1925 gibt Kürschners Literaturkalender seinen Wohnsitz mit >Chur, Schweiz< an. Bis zu diesem Zeitpunkt lebte er in München.
München, den 14. Dezember 1909
Lieber Onkel!
Heut ist der letzte Tag, den sie mir als Schonungszeit bestimmt haben. Morgen beginnt wieder der Dienst, bloß in verschärfter Auflage. Wer weiß, ob ich vor Weihnachten noch einmal die nötige Ruhe zum Schreiben finde. Drum sollst du heut schon meinen Weihnachtsbrief bekommen. Ich weiß, Du bist der letzte, der am Datum hängt. Kann denn nicht jeder Tag zur Weihnacht werden, in der der Heiland uns geboren wird, der uns Erlösung und dem Herzen Frieden bringt?
Nun tritt der Werktag wieder in sein Recht. Wie gerne möcht ich ihn, den Feiertag im Herzen, mit lichtem Schimmer mir verklären. Von dort her, wo die Bergeshöhen im hellen Glanz der Sonne stehen, da klang es wie auf Engelsschwingen, wie fernes, süßes Glockenklingen zu mir hernieder in die Nacht. Da hab auch ich mich aufgemacht, recht demutsvoll, im Gottvertrauen, die klaren Gipfel einst zu schauen. Und wenn auf meinem stillen Pfad das Leid der Erde sich mir naht, reich ich ihm freundlich ernst die Hand. Ich weiß, es ist von Gott gesandt. Und will nur heiß und innig beten, daß nicht die Not in mir ertöten die Sehnsucht möchte, die zur Tat, zur Wirklichkeit zu werden hat. Will kindlichfromm die Hände falten, Gott mög die Kindschaft mir erhalten, mein schwaches Herz zum Kampfe stählen, wenn mich des Alltags Sorgen quälen, und - das Entsetzlichste auf Erden - laß nie mein Herz verbittert werden. Und hab in Klarheit ich erkannt: was man so fälschlich Glück genannt, ist viel zu irdisch um allein des Erdenlebens Ziel zu sein, so wird es mir vielleicht gelingen in hartem Kampf zur Ruh zu bringen mein Herz, das gar so irdisch schlägt. Es möcht mich halt dazu bewegen, stets nur mein liebes Ich zu pflegen. Doch weil ich nun erwachsen bin, nicht länger an der Nase hin laß ich mich führen, wies ihm gefällt. Nun heißts: auf eigne Kraft gestellt. Was ich vertändelt und vertan in urbehaglichem Schlendrian, will stumm ich büßen. In heißem Bemühn will ich zum »Märd« mich still erziehn und wenn ich einst was Rechtes kann, wenn ich mich selbst in Zucht gewann, wohin mich Gott auch stellen mag, wie will ich schaffen wohl Tag für Tag, will nichts als Liebe, Liebe geben; ein Dankgebet mein ganzes Leben. Dann wird es
wohl auch einst geschehn, daß mir beim letzten Schlafengehn, wenn sich die Blätter herbstlich färben, treu eine liebe Hand im Sterben die müden Augen schlösse zu. Ich will, mein Gott, allein wie Du, ich leb und sterb in Deinem Namen, ich hab nur Dich, verlaß mich niemals Amen.
Herrgott, was hab ich jetzt da gemacht. Während ich mir einbilde das alles bloß zu denken, hab ich es wirklich hergeschrieben. Nun schäm ich mich. Wenn ich auch nicht glaube, daß du mich auslachst, so ist es doch möglich, daß Du meinst, ich wolle recht salbungsvoll tun. Und nichts ist mir ferner. Onkel, glaub mir, sicher, ich wollt das alles gar nicht schreiben. Freilich auf irgend eine Art hätte ich schon sagen müssen, wie es in meinem Herzen ausschaut und weil mir zu einem neuen Brief die Zeit nimmer langt, so laß ichs halt in Gottesnamen stehn. Und wenn es auch dumm klingt, was ich geschrieben hab, mir ist es heiliger Ernst damit.
Du guter Herzensonkel! Wer schickt Dich mir wohl grad immer dann, wenn die Wellen beinahe über mir zusammenschlagen und wenn ich Dich am notwendigsten brauche? Damals, als ich in meinem Hyperlyrizismus fast erstickt wäre, da hast Du mich rasch herausgerissen und Dein »Landgraf, werde hart!« hat mich gerettet. Als ich mitten drin stecken geblieben war in den Dogmen meiner Naturwissenschaften und nicht mehr aus und ein wußte, da hast Du mir im Sommer den Blick geweitet und mich aus der Nacht meiner Engherzigkeit hinaus geführt in den lichten klaren Morgen froher Gotteserkenntnis. Und jetzt, wo ich im Leid gefangen lag und im finsteren Egoismus nur mein Leid und mein Unglück sah, wer gab mir wohl durch Deinen Mund das Märchen von Sitara auf? Onkel, das hat mich gepackt so tief, so tief. Das läßt mich niemals wieder los. Nun weiß ich, daß der Egoismus zu fallen hat und ich kenne auch meinen Weg.
Doch was hilft mir alle meine Wissenschaft und alle meine Erkenntnis, wenn die Kraft fehlt, sie in die frohe freudige Tat umzusetzen. Der Tage sind so viele und jeder sucht mit neuer List der Seele Starkmut zu erschüttern. Drum will ich Gott vertrauensvoll um Stärke bitten, dann wirds schon gehn. Und weil ich sonst niemand, niemand hab, an den ich mich wenden könnte, so bitte ich Euch beide recht innig, denkt auch Ihr meiner, wenn Ihr betet. Und denkt nicht, daß ich so bin, wie ich mich äußerlich gebe - weil ich nicht anders kann -, sondern ich bin so wie ich schreibe. Wenn ich mich übrigens so geben könnte, wie ich denke, besonders wie ich fühle, ich glaube das würde ein großes Gelächter geben und ich würde wohl mitlachen. So aber ist es mir gleich, was die Leute von mir denken. Dabei ist mir selbstverständlich jede Bitterkeit
fern. Ich gehe meinen Weg und lasse jeden andern den seinen gehn, bin aber so frei für mich die gleiche Toleranz zu beanspruchen. Ich habe große Freude an der Musik, der Literatur, an Bildern und Skulpturen. Im Grunde bin ich heiter veranlagt, wenn auch meine bedeutende Schwerfälligkeit mich leicht aus dem Gleichgewicht bringen kann. Am wohlsten fühl ich mich im Wald oder auf irgend einem Berggipfel, nur habe ich dann für die Gattung homo sapiens genannt nicht viel übrig. Tiere mag ich alle - und wenn es manchmal auch bloß aus Mitleid ist, weil sie sonst niemand mag. Flöhe, Wanzen, Schwaben, Russen, Kellerasseln aber vertilge ich, wo ich sie finde. An tote Gegenstände, die für mich Erinnerungswert haben, kann ich mein ganzes Herz hängen. Mein Bildersammeln finde ich ästhetischer und geschmackvoller als Briefmarken- Schmetterlings- und Käfersammlungen. Im Frühjahr will ich mir am Fensterbrett einen großen Rosengarten anlegen. In meinem Zimmer bin ich Alleinherrscher und Alleinbesitzer aller Herrlichkeiten, die es da gibt. Niemand darf mir - bei Gefahr seines Lebens - da hineinpfuschen. Doch habe ich meine geistige Machtherrschaft auch auf mein Nachbarreich ausgedehnt. Das ist das Wohnzimmer. Überhaupt suche ich möglichst die ganze Wohnung mit meinem seelischen Atemzug zu durchwehen und zu vergeistigen.
Mit solchen Grundsätzen läßt sich schon leben. Nicht? Aber, aber - eines fehlt, der Ernst, die Konzentration, die Fähigkeit, einen Gegenstand zu erfassen und es in ihm zur möglichsten Vollendung zu bringen. Drum hab ich diesmal auf den Weihnachtszettel an erster Stelle geschrieben: »Liebes Christkind, bring mir, bitte, den Ernst des Lebens, weil ich ihn brauche!« Wenn es meinen Wunsch nicht erfüllt, dann glaub ich einfach nicht mehr ans Christkind und an den Weihnachtsmann auch nicht.
Onkel, es ging am Schluß so rasch. Hast Du mich verstanden, warum ich Dich bat in das Buch etwas hineinzuschreiben, das ich dem Gustl Berger geben will? Du kennst ihn übrigens. Er ist mit auf der zweiten Photographie drauf, die Du von mir bekamst. (In meiner Bescheidenheit bat ich Dich bloß um den Namen.) Es geschah nicht in der Absicht mit Deinem Namen zu prunken, sicher nicht. Nein, ich dachte so: Ich fühlte mich Deiner Liebe so unwert und muß oft an alle die denken, die so gern an meiner Stelle wären und es eher verdienten. Von Gustl wußte ich nun, wie sehr er Dich verehrt u. wie sehr ihn ein paar Worte von Dir freuen würden. Und er ist es wert. Ich bin der Gescheitere. Er ist der viel viel Bessere. Ich sage das nicht um bescheiden zu erscheinen, sondern es ist meine Überzeugung. Dazu kommt, daß er ein armer Mensch ist, der bald seine Mutter verloren hat und sich mit seinem
Vater nicht versteht. (Das Charakteristikum der modernen Jugend.) Da wollte ich, daß Du ihm werden solltest, was so ein junger Mensch braucht im Leben, die ethische Stütze in allen Gefahren. Und weil ich wußte, wie gern Du hilfst, drum bat ich Dich. Bist Du mir bös?
Nie will ich zu den Lesern gehören, die Euch mit Zumutungen und Liebesbeweisen quälen. Onkel, ich weiß, welches Opfer es Dir war zu uns zu kommen. Ich hoffe so sehnlichst, daß es nichts Ernsthafteres war sondern nur eine momentane Erkältung. Wie will ich zu Gott beten, daß er Dich noch recht lange frisch und gesund erhält, Dich und die liebe, liebe Tante. Ich bitte Euch dringend, daß Ihr immer ehrlich sagt, was Euch angenehm ist und was nicht. Denn dann darf ich auch ehrlich sein. Und so mache ich gleich von unserm Vertrag Gebrauch und frage an, ob Ihr mich an Ostern brauchen könnt. Ich habe für meinen nächsten Besuch schon 100 M. zusammengespart. Es geht mir genau wie Sascha Schneider, wenn ichs auch nicht so drastisch ausdrücke. Ich hab hie und da das Gefühl, raus aus diesem Alltagsgetriebe, entweder in die höchste Bergeseinsamkeit oder wenn es dort zu einsam ist, noch höher hinauf, zu Menschen, welche Dich verstehen, weil sie eben auch nur Menschen sein wollen, und die Dir helfen im Walde von Kulub den Weg zu finden - Und das ist bloß beim Onkel und bei der Tante. Und dann haben sie ein Bild, das man nur immer anschauen muß und dann sind dort zwei kleine weiße Geschöpfe, die man einfach lieb haben muß. Also ich lade mich hiemit und heut schon auf einen oder zwei Tage freundlichst ein, erwarte aber nötigenfalls die offene Rückantwort: »Bedaure, bereits vergeben« oder »Bedaure, da und da mit zu großer Störung verbunden.« oder »Bedaure, leider selbst verreist« oder »Bedaure, durchaus nicht dazu aufgelegt« oder sonst etwas.
Ich wünsche von ganzem Herzen, daß Ihr den Weihnachtsabend recht froh verbringen möget, so froh wie Ihr Lieben, Guten es verdient.
Es ist sehr leicht möglich, daß ich am Weihnachtsabend Posten stehen muß. Da hab ich dann Zeit, einmal recht gründlich über mich nachzudenken. Vielleicht finde ich da auch Zeit, an Euch zu denken, meint Ihr nicht?
Erschreckt nicht allzusehr, wenn Ihr diese - lange Litanei zu sehen bekommt und wappnet Euch mit christlicher Geduld.
Nochmals recht frohe, frohe Weihnacht! In treuer Dankbarkeit
Euer alter Neffe Willy
Märchen von Sitara: Mays Augsburger Vortrag am 8.12.1909 trug den Titel: >Sitara, das Land der Menschheitsseele< (Ein orientalisches Märchen). Von diesem Vortrag existiert eine mit eingeklebten Bildern geschmückte Nachschrift Willy Einsles.
22. XII. 09
Liebste Tante!
So allmählich bekomme ich eine leise Vorstellung davon, was es heißt ein berühmter Schriftsteller zu sein und all den dummen Jungens zur Kotbewerfung preisgegeben zu sein. Sie wollen ihn zwingen auch wieder mit Kot zu werfen, edlere Waffen kennen sie ja nicht - Pfui Teufel! Verzeih meinen Grimm, aber es muß heraus, sonst platze ich. Soeben von der Kaserne heimgekommen, zeigt mir Mama die bewußte Nummer der Augsb. Abendzt. vom 21. XII.
Zuerst hab ich nicht gewußt, soll ich mich ärgern oder bloß recht herzlich lachen. Aber gegen Schluß zu wurde mir gar nicht lächerlich zu Mute. »Das Volk steht auf«, nämlich das von Augsburg, und verlangt den gerichtlichen Nachweis, daß Karl May kein Räuberhauptmann gewesen sei, er sei das ihnen schuldig. Tante, verzeih, aber ich kann nicht umhin, nochmals »Pfui Teufel!« zu sagen.
Euer Weihnachten wird es Euch beiden Lieben, Guten ja wohl nicht verderben können, da seid Ihr über all den Schmutz ja viel zu erhaben, aber ärgern tut man sich schließlich doch. Und ich glaube, unser guter guter Onkel hätte es sich reichlich verdient, daß sie ihn endlich einmal in Frieden ließen. Über den »Bund« ist mir jedes Wort zu gut. Ich ahne die Quelle, aus der er schöpft. Tante, die Prügelstrafe muß wieder her, selbst auf die Gefahr hin, daß ich auch mal was abkriegen sollte, das ist mein Ernst. Der Karneval scheint ihnen heuer zu kurz zu sein, da wollen sie sich jetzt schon auf ihre Art belustigen. Aber meinen Onkel sollen sie in Ruh lassen, es gibt genug Schriftsteller, die froh sind einmal
öffentlich - wenn auch auf diese Art - genannt zu werden. Wenn ich zuschlagen könnt und dürft, das sollt mir ein Weihnachtsvergnügen sein.
Droop hat in seiner Mayschrift vieles Ungeschickte und Falsche geschrieben, eins aber möcht ich unterstreichen. Seite 101:
»Wohl ihm, wenn er die heiligsten Schätze seines Inneren nicht vor die Säue geworfen!« Christus nannte das Kind beim rechten Namen.
Tante und nun laß mich einmal auf ein paar Augenblicke Karl May sein, es muß heraus und deshalb schreibe ich es, nicht, weil ich dem Onkel was dreinreden möchte.
Also 1.) ich schreibe nie in konfessionell oder politisch bestimmte gefärbte Blätter, wenn ich nicht ebenso konfessionell oder politisch engherzig denke. Alle Gegner des Blattes hab ich zu persönlichen Gegnern und dem Blatt nütze ich bloß wenn ich ihm als Waffe diene u. das tue ich nicht. Also wird es mit mir auch mehr unzufrieden als zufrieden sein. Ich traue dem Redakteur der Augsb. Postzeitung ebensowenig wie den andern zu, daß es ihnen bloß um den »Menschen May« zu tun ist, dem sie in selbstloser Weise die Hilfe ihres Blattes widmen. Für die »Ultramontanen« handelt es sich darum in Karl May einen »katholischen« (d. h. in ihrem Sinne ultramontanen) Schriftsteller zu gewinnen, weil sie daran gewiß keinen Überfluß haben. Wenn sie nicht schleunigst zugreifen, so könnten ihnen die Protestanten zuvorkommen. So denken sie und so denkt man hier über die Annäherung Karl Mays u. der kathol. Presse in Bayern. Ferner hat man es in München übel genommen (auch von Augsburgern mußte ich es hören), daß Karl May niemand fand als den gewiß herzensguten, aber gesellschaftlich ziemlich unbedeutenden kath. Verein »Laetitia«. Natürlich, wenn er nur katholisch war. Tante, es muß raus, denn grad ich möchte so gern, so gern, daß Onkel grad in »freier denkenden« christlichen Kreisen so angesehen ist, wie er es verdient.
2.) würde ich, wenn ich Karl May wäre, aus denselben Gründen nie einen öffentlichen Vortrag halten. Ich habe gebangt und gesorgt, ob nicht der Augsburger Vortrag zu Hetzereien vonseiten der Feinde Anlaß biete. Und wenn gar nichts da wäre, dann lassen sie ihre Erdichtungen los, denn gehetzt muß sein. Onkel soll sich den Münchener Vortrag doch ja überlegen. Daß ich ihn so gern, so gern hier haben wollte, - nein, darüber brauch ich doch nicht zu reden.
Wenn ich der Onkel wäre, so bliebe ich in meiner Villa »Shatterhand«, ließe mir von der guten Tante Kafe kochen und schriebe liebe, lichte Bücher - nicht für anscheinend spezialisiert katholische oder sonst klassifizierte Menschen, sondern Bücher für gute Menschen u.
solche, die es werden wollen, und alle Sachen müßten bloß bei meinem besonderen Verleger erscheinen. Zum Alltag stiege ich gar nicht mehr herunter, indem ich ihm Vorträge hielte oder für seine Zeitungen schriebe. Denn sonst laufe ich in Gefahr von ihm mit Kot beworfen zu werden und muß wieder werfen, weil sie vor einer anderen höheren Art der Gegenwehr keine Achtung haben.
Tante, ich kann nicht anders, ich glaube, Onkel hat vielleicht manchem, der ihn noch nicht recht kannte, dadurch ein Vorurteil eingegeben, daß er von katholischer, das heißt hier eben leider ultramontaner Seite als der ihrige wieder wie früher schon ausgegeben wird. - Bis zu dem Augenblick, wo Onkel ihnen wie damals zeigt, daß er seinen eigenen Weg gehe und nicht Parteiinteressen dienen wolle. Dann hat er wie damals das ganze Gelichter am Hals und das könnte er sich ersparen. Für mich ist Karl May wie eine reine, lautere Quelle mitten im tiefen unberührten Wald, zu der man still und andachtsvoll nur kommen dürfe, weil jeder Alltagslärm sie nur entweiht. Und all die Menschen, die »guten Willens sind,« und die den Weg dorthin gesucht, das - und nur das ist die Maygemeinde, von der Viele reden ohne zu wissen, wo sie zu suchen ist. Nicht im katholischen, nicht in einem sonstigen Heereslager, wohl aber überall, wo ein Herz »menschlich« zu fühlen wagt.
So heilig ist mir mein Karl May, seine Schriften sind mir, als spräche aus ihnen der Herrgott selber mit mir und ich mit ihm und da laß ich nichts Fremdes dazwischentreten und drum würd ich diesen meinen Karl May so herzlich gern vor allen niedrigen Schmähungen bewahren, weil sie mir aus diesem Grund ja gradso weh tun müssen, als wären sie mir gemacht.
Liebste Tante, nun sei mir halt bitte, bitte nicht bös, aber es mußte vom Herzen runter. Für Onkel ist dieser Brief natürlich nicht gemeint. Mein Weihnachtsbrief war für ihn bestimmt, diesen aber richte ich nur an Dich. Einerseits weil ich mich über die Augsburger Abendzt. tüchtig geärgert habe. Und dann muß es allemal heraus, sonst hab ich keine Ruh. Ja wenn sie nicht Regierungsblatt und führendes ultramontanes Organ wäre. In Bayern ist sie viel angesehener als die Münchener Neuesten Nachrichten, von der Augsb. Postzt., ganz zu schweigen und gilt vor allem als viel vornehmer. Ich spreche nicht meine Ansicht aus - mir stehen alle Zeitungen und politischen Strömungen fern - sondern die allgemein in Bayern herrschende. Und zweitens sollst nur Du ihn bekommen, weil ich dem Onkel nur das mitteilen will, was ihm Freude machen kann. In der Absicht, ihn beantwortet zu sehen, ist dieser Brief keinen Augenblick begonnen und vollendet worden. Ich schrieb wie ich grad dachte und um meinen Ärger los zu werden. Und - um Euch
zu sagen, daß Ihr Euch in Eure Weihnachtsstimmung auch nicht den leisesten Schatten werfen lassen dürft, wir alle, alle, die wir zur Maygemeinde gehören, wir haben Euch ja so lieb, so lieb und dürfen verlangen, daß Ihr an Weihnachten mehr an uns als an die Zeitungsschmierer denkt. So das wäre getan.
Es grüßt Euch beide recht von Herzen,
Räuberhauptmann: vgl. [Rudolf Lebius:] Hinter die Kulissen. In: Der Bund. 19.12.1909. In: Jb-KMG 1980, S. 143-47. Zu den Prozessen gegen Lebius und Krügel in dieser Angelegenheit siehe: Gerhard Klußmeier: Die Gerichtsakten zu den Prozessen Karl Mays im Staatsarchiv Dresden. Mit einer juristischen Nachbemerkung von Claus Roxin (I/II. In: Jahrbücher der KMG 1980/1981, S. 137-174 bzw. 262-299).
Lieber Willy!
Besten Dank für Deine beiden Briefe. Du magst Recht haben. Vielleicht macht's mein lieber, guter Herzensmann auch so.
Menschen, die abseits vom betretenen Wege wandeln, müssen sich ja viel gefallen lassen. Mir scheint's aber, diesmal war's zu viel. Nun haben wir wieder einen Prozeß. Es stammt Alles aus der einen, alten, unreinen Quelle. Die Spitzbuben sollten jetzt zahlen; das wollen sie nicht; da wird Karl May kaput gemacht. Sie werden sich aber irren, grad wie schon früher auch. Die Klage ist eingeleitet, und sie werden ihren Schwindel beweisen müssen. Ja, aber was haben wir davon? Zu dem jetzigen Scandal die aufregenden Prozesse und dann, wenn diese Bande bestraft ist, wer kennt sie?
Doch genug davon. Es war ein schönes Kapitel »edlen« Menschentums. Das einzig Erfreuliche daran ist die Liebe der treuen Freunde.
Bitte, grüße Deine lieben Eltern und Dein Schwesterchen vielmals. Alles Liebe und Gute ihnen Allen und Dir zum neuen Jahre von uns beiden.
Deine Tante
Prozeß: Lebius hatte May einen >geborenen Verbrecher< (siehe dazu auch die Anm. zum Brief Karl Mays von Anfang 1912) genannt. May klagte am 17.12. in Berlin-Charlottenburg. Vgl. Hans Wollschläger: Karl May. Grundriß eines gebrochenen Lebens. Zürich 1976, S. 169.
München, d. 23./II 1910
Sehr geehrter, lieber Herr Doktor!
Mein gelbsüchtiger und wegen »Genickstarrebazillenverdächtigkeit« einstweilen vom Militär beurlaubter Sohn, scheint mit seinem Schreiben vor Abends nicht fertig zu werden. Die Blumen sollen aber frisch zur Bahn, - wenigstens da »frisch« - so erlauben Sie daß ich in unser aller Namen unsere innigsten, herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstage mitsende. Möchte Ihnen das neue Lebensjahr mehr von der wohlverdienten Freude und Ruhe bringen als die letzten Monate des Alten! Es kann freilich der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, aber wenn Viele denken wie wir, so muß das ekelhafte Gekläff dieser - ich will sagen »Bande« statt ... doch bald wieder aufhören. Das wollen Priester der Religion der Liebe sein! Welcher Mensch, und wär's der Höchste und Beste, hätte nie in seinem Leben einen Fehler begangen? Seit wann muß ein Schriftsteller ein Heiliger sein. Was gehen diese Pfaffen Ihre Familienverhältnisse an? Welcher Protestant kann nur eine rechtmäßige Frau haben? Wir kennen diesen Pater Dr. Expedit Schmidt, - er ist so vorsichtig keine Streiche zu machen, aber als Geistlichen und Pater nimmt ihn hier niemand ernst. Er ist Sachse, kam auf der Walze nach Landshut und konvertierte dort »aus Not« und sprang bei den Franziskanern ein, um der lieben Versorgung willen. Ein gescheiter Kopf ist er, aber ein Filou. Der schreiende Held Ansgar wird wohl was Ähnliches sein.
Doch genug von der Meute, sie sinds nicht wert Ihren Geburtstag zu verderben! - Wie gehts der lieben Frau Doktor? Wenn wir nur nicht so weit auseinander wären, wie gerne hätte ich meine schwachen Kräfte
zur Verfügung gestellt ihr dieses oder jenes abzunehmen von Last und Arbeit! Grüßen und küßen Sie sie von mir und Ihnen lieber verehrter Herr Doktor (auch wenn er aus Amerika wäre) wiederholt die herzlichsten Grüße und Wünsche!
Stets Ihre Adele Einsle.
Expedit[us] Schmidt: vgl. Karl May: Mein Leben und Streben. Freiburg o.J. (1910), S. 294; Reprint Hildesheim-New York 1975. Hrsg. von Hainer Plaul. Anm. 363, S. 489*.
München, den 23.II.10
Lieber Onkel!
Ein hochwohllöbliches Garnisonslazareth hat es verstanden, mich grad in die richtige Gratulationsstimmung zu versetzen. Die ganze Welt könnt ich zusammenschlagen, das Militär und Deine »edlen« Feinde nicht zum wenigsten. Zuerst einen Monat lang Gelbsucht. Dann vom 17. Januar ab als genickstarreverdächtig, das heißt als Kockenträger, sonst aber totalgesund auf drei Wochen in einer wind- und regendurchlässigen Leinwandbaracke isoliert unter direkt afrikanischen Zu- und Umständen. Heut am 23.II. endlich darf ich als unverdächtig zur Truppe zurück. Natürlich aber hab ich mich, bevor ich aus der Baracke kam, einer fürsorglichen Lazarethbehandlung entsprechend tüchtig verkältet und heut seh ich zu meiner Wonne, daß ich einen Rückfall in die Gelbsucht zu verzeichnen habe. Vom Dienstmachen ist vorderhand keine Rede. Dabei möcht ich am 1. April als Gefreiter entlassen werden.
Ich schreibe das alles nur, um meine Zustimmung einigermaßen zu entschuldigen. Meine Karte aus dem Lazareth habt Ihr jedenfalls, wie ich stark befürchte, gar nicht bekommen.
Also die Hauptsache: Du lieber, guter Onkel, alles Gute wünsch ich Dir zum Geburtstage, von ganzem, ganzem, Herzen. Ich weiß, Du bist mein Onkel und läßt Dir nicht von all dem Tratsch und der Gehässigkeit die Freude und den Festtag verderben. Mein Grundsatz ist: Mögen sies noch so dreist und borniert treiben, der Neffe gehört zum Onkel und zur Tante. Das ist doch bloß natürlich. Nicht?
Mama wartet draußen, weil sie die Blumen abschicken will. Alle Augenblicke ruft sie herein, ob ich noch nicht fertig bin. Weil ich also jetzt doch nicht mehr zu einer rechten Ruh komm, verspare ich mir alle Details aufs nächste Mal. Onkel, ich bin in einer ganz kuriosen Situation. Mir ist nämlich grad so zumut, als läg ich irgendwo im hohen Gras unter einem schattigen Baum und träumte und könnte absolut nicht aufwachen und unterdessen treibt irgend so ein hergelaufener Kerl in meiner Gestalt allerhand Allotria und alles, was ich tu u. rede, tu und red nicht ich, sondern er. Zu verrückt. Eines aber weiß ich:
*
In solchen Nächten, wo am Himmelszelt
*
Da steigt ein Sehnen heiß in mir empor,
Zum Schluß nochmals alles Liebe und Gute, Du lieber, lieber Onkel! Deine Werke sind die beste Erwiderung auf all die gehässigen Wühlereien Deiner Feinde.
Mit den herzlichsten Grüßen Euch beiden
Trine: Talph Waldo Trine (1866-1958), Populärphilosoph, von dem Klara May 1919 fälschlich behauptete, Karl May habe ihr »den Letzteren (= Trine) zu lesen« verboten, um ihren Glauben nicht zu gefährden. Vgl. Klara May: Die Lieblingsschriftsteller Karl Mays. Mit Anmerkungen von Hans Wollschläger. In: Jb-KMG 1970. Hamburg 1970, S. 149-155 (S. 152 und Anm. 13).
Willy Einsle an Karl May - 1.3.1910
München, den 1. März 1910
Lieber Onkel!
Ob ich diesen Brief abschicke, weiß ich noch nicht. Aber schreiben muß ich ihn. Sonst werd ich noch reif für eine Narrenanstalt. Vielleicht ist auch meine Gelbsucht mit beteiligt. Ich weiß es nicht. Jetzt bin ich nimmer weit von dem Punkt entfernt, daß ich mich gar nimmer auskenn. Daß Deszendenzlehre und Christentum (dogmatisches), Katholizismus als Idealgebilde und wie er wirklich existiert, und ähnliche liebliche Widersprüche in mir ihr Rendenzvous abhalten und sich dort lustig abraufen, ist ja schließlich nicht so schlimm. Denn das eine wenigstens hab ich von Dir bereits gelernt: Die Klarheit kommt mit dem Alter und die praktische Tat ist mehr wert als die abgeklärteste Theorie.
Aber daß ich nie, nie wissen soll, was es heißt, bei Vater und Mutter verstehende Liebe zu finden, das kann ich nicht fassen. Sie tun mir, was sie mir von den Augen ablesen können. Aber statt in mir frohe Dankbarkeit zu erwecken, bedrückt es mich, weil ich nicht fähig dazu bin, gegen sie die wahre, echte kindliche Pietät zu empfinden. Wenn seelische Bande einmal zerrissen sind, können sie halt nie mehr zusammengeknüpft werden. Onkel, Du kannst mir keine ärgeren Vorwürfe machen, als ich es selbst schon bei mir tue.
Dazu kommt, daß nun das Ziel, für das ich so gern und freudig schaffen und arbeiten wollte: Ein kleines Häusl mit einem kleinen Rosengärtl, so ein richtiges Märchenreich mit meiner Olly als Märchenkönigin, so ziemlich im Anfangsstadium bereits in Luft und Nebel zerronnen ist.
Doch das sind alles Dinge, die jedem Menschenkind passieren können, die ja als unangenehm gelten, an denen man aber schließlich noch nicht zugrunde zu gehen braucht.
Aber, daß man so gar niemand hat, grad jetzt, wo einem so weh ums Herz ist, dem man das Herz ausschütten könnte ohne in den Verdacht kindischer Rührseligkeit und weltschmerzlicher Überhebung zu kommen, Onkel, das ist entsetzlich.
Am Tag gehts ja, da kann man sich zusammennehmen, aber nachts, wenn man so allein ist - Herrgott, manchmal mein ich, ich müßt verrückt werden. Einen wüßt ich ja schon, der einen verstehen könnt und auch nicht auslachen tät. Meinst nicht, Onkel?
Aber der sitzt in seinem Arbeitszimmer und hat grad den Kopf voll
viel wichtigeren Dingen und dem machen sie das Leben selber grad schwer genug. Ach Onkel, wenn der helfen könnt! Und wenn er mir nur gründlich den Kopf waschen tät, was ich scheinbar sehr nötig habe! Eine Menschenseele, die mir jetzt, grad jetzt, den Weg zeigen könnt, der aus den Strudeln und Stromschnellen heraus in ruhigeres Fahrwasser führte. Onkel, beten wollt ich für ihn, solang ich leb.
Folgendes hat mir schließlich den Rest gegeben. Wir sitzen abends daheim gemütlich beisammen, die Eltern, meine Freundin, ihr Bruder und ich. Da erzählt Mama von einer Mutter dreier Töchter, die große Stücke auf mich hält und dies in dem Satze zum Ausdruck brachte, jedes ihrer Mädeln ließe sie ohne Mißtrauen ganz allein überall hin von mir begleiten. Nun gings los. Das sei ein sehr zweideutiges Lob und es müßte schon fad sein alleweil von jungen Mädels so onkelhaft behandelt zu werden. u.s.w. Zum Schlusse stand ich halt da als der ausgemachte Trottel und Idiot. Doppelt peinlich war mirs in Ollys Anwesenheit. Die hat natürlich für mich Partei ergriffen.
Was andere Leute sagen - Ihr beide und Olly ausgenommen - hat mich ja noch nie weiter berührt, aber hier bin ich doch stutzig geworden.
Weil es mir zuwider ist herumzuflirten und herumzupoussieren, weil mir das Verbringen der studentischen Flegeljahre in der bewußten Kellnerinnen- und Ladenmädelsphäre ekelhaft ist, bin ich deshalb ein Idiot? Ich habe meine Portion Sinnlichkeit zugeteilt bekommen, so gut wie jeder andere auch, aber wenn ich sie auch nicht als von der Hölle stammend und als mit Rutenschlägen, Fasten und Kasteien auszutreiben betrachte, so sehe ich auch nicht ein, warum wir ihr erlauben sollen die Herrin zu spielen, die als oberstes Gesetz die Auslebetheorie verkündet. Bin ich deshalb ein Idiot? Vor Prüderie werd ich mich gewaltig hüten, auch hab ich grad in diesem Punkt noch jeden seiner Fasson selig werden lassen. Wenn ich mir ein bischen Mühe geb, hab ich sofort ein Verhältnis. Wenn ich aber Vaters Geldbeutel schone, warum spottet er da? Der Typus des Weibes ist für mich: gesunde, normale Sinnlichkeit, seelische Überlegenheit, Mütterlichkeit, aus der heraus all der praktische, tatkräftige Sinn, das Gefühl für den rechten Augenblick und die Stärke im Leiden entspringen, die die Frau hoch über den Mann erheben. Ich bemühe mich, überall diese Eigenschaften herauszufinden, und wenn mir deshalb das junge Mädchen zu gut zum Flirten ist, hat meine Mutter ein Recht mir mein »onkelhaftes« Auftreten vorzuwerfen?
An jenem Abend bin ich die halbe Nacht herumgerannt, so aufgeregt war ich. Wenn ich wüßte, daß ich in Ollys Augen ebenfalls in so lieblichem Bilde daständ, ich wüßt nimmer, was ich tät.
Dich, lieber Onkel, bitt ich recht herzlich, mir zu schreiben, ob ich Recht hab oder nicht. Fast bin ich am Ende meiner Weisheit angelangt.
Nachdem ich das vom Herzen herunter hab, bin ich wieder etwas ruhiger. Manchmal möcht ich grad auf und davon, wos recht wild zugeht, in die Kolonien oder sonst wo hin. Mit Amerika ists nix, da tät ich in den ersten Tagen schon verhungern. Ach Onkel, es ist halt ein Kreuz mit so einem Neffen. Halefs Nilpferdpeitsche wär vielleicht auch nicht schlecht. Wenn Dus moralisch vielleicht als zweckentsprechend ansiehst, alle, alle Onkelrechte seien Dir hiemit feierlich zugestanden. »So viel Geschrei, wirst Du Dir denken, weil einer einmal ernsthaft seinen Kopf an einen Baum gestoßen hat! Das passiert andern auch und solche Bäume gibts mehr!« Du hast ja so Recht, aber trotzdem, bitte, bitte, Du lieber Onkel, hilf Deinem Neffen, der sonst niemand außer Dir hat. Daß es mir leichter wird, den Kopf hochzubehalten.
Dein Dir immer dankbarer Neffe Willy.
Deszendenzlehre: Die Lehre von der Entwicklung der Arten durch Evolution. Sie wurde um 1900 von der katholischen Kirche scharf abgelehnt, die am biblischen Schöpfungsbericht, d. h. am einmaligen Schöpfungsakt für alle Lebewesen festhielt.
München, am 1.III.10.
Meine liebe gnädige Frau,
es that mir so leid, daß ich Sie gestern verfehlte; auch schreiben konnte ich abends nicht mehr, da ich in ein Konzert mußte. - Ich habe gestern früh einen Brief aus Radebeul erhalten und die niedergedrückte Stimmung, die daraus spricht, ist mir so zu Herzen gegangen, daß ich gerne gleich mit Ihnen davon gesprochen hätte. Auch Karl May schreibt ein paar Worte, die mit der lakonischen Mitteilung enden »bin krank - «, das will mir gar nicht gefallen. Wenn die ganzen Aufregungen ihm
gesundheitlich in schlimmer Weise schaden, so kann sich der Pater Pöllmann gefaßt machen: ich werde ihn erschießen oder vergiften! Ich schaue in den nächsten Tagen wieder einmal zu Ihnen hinauf. Vielleicht treffe ich's besser. Die kleinen Blumen schickte Ihnen Hannsheinrich alias Toldi, »für die Tante Professor oder wie sie heißt« -
Wie geht es Ihrem Herrn Sohn? Den Heinrich Wagner las ich mit Interesse, halte vieles für wenig glücklich wie es denn überhaupt ein Unding ist, Karl May's Werke in ca. 10-15 Druckseiten eingehend zu würdigen, oder gar erschöpfen zu wollen. Das schadet allemal mehr, als es nützt. Nun habe ich noch eine Mitteilung. Ich habe mir gestern aus der Leihbibliothek das »Waldröschen« holen lassen. Denken Sie sich mein Erstaunen, als ich das Buch aufschlage und auf der ersten Seite lese: »Das Waldröschen, oder die Verfolgung rund um die Erde. Enthüllungsroman über die Geheimnisse der menschlichen Gesellschaft von Karl May. - Dresden-Niedersedlitz. Druck und Verlag von H. G. Münchmeyer.« Auf der 2. Seite kommt folgendes: »Die Tochter des Granden« Roman von Karl May. I. Band des Romans »Das Waldröschen« - und dann geht es los, mit Illustrationen - aber wie! Mir sträubten sich alle Haare. Es ist ein Hintertreppenroman vielleicht nicht schlimmster aber doch schlimmer Sorte und ich würde drauf schwören, daß er gar nicht von unserm Karl May sein kann, wenn - ja wenn nicht im 15. Kapitel das Gedicht: »Die fürchterlichste Nacht«, (c. f. Winnetou, Band II. William Ohlert!!) und dann Kapitel 22. das Gedicht: »ich verkünde große Freude, die uns wiederfahren ist etc.« prangte. Also - muß es doch wohl von Karl May sein! Was sagen Sie nun dazu? Warum denn diese Bücher nicht vom Weltenrund verschwunden sind, als der Münchmeyer Spruch kam, verstehe ich nicht. Die sind mal bestimmt kein Glanzpunkt in des Autors Leben! Die ihm vorgeworfene »Unsittlichkeit« habe ich zwar darin nicht entdeckt, obwohl an »üppigen Körperformen« u.dgl. kein Mangel ist - auch ein ziemlich unmotiviertes Kind kommt einmal darin vor, das ist aber auch alles. Aber trotzdem: gefallen thut mir das Waldröschen immer weniger!
Mit vielen Grüßen an Sie alle
Karl May in Südtirol vor dem Rosengarten-Massiv 1911 (vgl. S. 99)
Karl May im Sommer 1911
Willy Einsle an Klara May - 2.3.1910
München, den 2. März 1910.
Liebste Tante!
Tante, Herr Du mein Gott, ist Onkel krank? Ich bitt Dich, so sehr ich nur kann, schreib es mir. Nur ein paar Zeilen! Ich weiß sonst nicht, was ich anfangen soll vor Angst und Sorge! Und wir stehen da, müssen alles mit ansehen und können so gar, gar nichts helfen.
Gestern wollte ich Herrn Dr. Pater Expedit im Kloster aufsuchen, den wir persönlich kennen. Aber es hieß, er sei für die ganze Woche verreist. Diesen Pater Pöllmann könnt ich lächelnd vergiften. Aber wenn ich ihm eine Bombe ins Kloster schick, dann heißts natürlich sofort: das sieht diesem Karl May gleich!
Lassen wir ihn leben. Er hat noch viel zu viel Gift in sich, das er vorher noch anbringen möchte.
Daß Frau Hetty Heide den famosen Brief vom Augsburger Martin schickt, finde ich nur in der Ordnung. Sie hat sich nämlich um Euretwillen Vorwürfe gemacht. Die hab ich ihr aber ausgeredet. Ich habe ihn gelesen und ihr sofort dringend geraten Euch davon zu schreiben. Den Augsburger Herren schadet es nichts, weil sie schließlich für das Niveau, auf dem sie stehen, nichts können. Für Onkel aber ist es grad in dem jetzigen Durcheinander unbedingt nötig, daß er überall klar sieht.
Daß Onkel über all die gehässigen Angriffe für mich erhaben ist, ist so selbstverständlich, Tante, daß ich darüber weiter gar kein Wort verliere.
Aber nicht gleichgültig ist es mir, wenn Pöllmann ihm in der Kunst auf den Zeitungsabonnenten Eindruck zu machen über ist. So wie Pöllmann voll heiligem Eifer die Feder im hehren Streite führt, gibt es nur eine treffende Antwort: Beleidigungsklage. Will man antworten mittelst der trefflichen Einrichtung des Preßgesetzes, das die Zeitungshelden zur Annahme zwingt, dann so, daß ruhig hinter jedem Busch ein Indianer lauern darf, der dann hervorstürzt um jedes Wort einzeln zu massakrieren, skalpieren und zu vierteilen.
Zum Beispiel das mit dem Doktortitel! An sich ja so unsagbar kindisch. Aber wenn Onkel darauf eingeht, warum nicht so, daß jeder sich auskennt, vor allem der Böswillige: Entweder, Onkel hat den amerikanischen Doktor, den er in Deutschland nicht führen darf, warum erklärt er das nicht ganz einfach, oder er ist berechtigt ihn zu führen, warum dann überhaupt ein Eingehen auf diesen Punkt und nicht einfach als Antwort die Unterschrift: »Dr. Karl May«?
Oder das mit den Wiener Hofkreisen. Es ist doch Tatsache, daß
Onkel in diesen Kreisen ebenso wie in München in Audienz empfangen worden ist. Diese Herrschaften können doch nicht so viel Diskretion verlangen, daß man das verschweigt. Sonst kommt es schon bald so heraus, als müßten sie sich des Onkels schämen. Wenn ich aus Diskretion nicht drüber reden darf dann könnten sie mir den Buckel naufsteigen. Wenn Onkels einzige Antwort aber darin besteht: »Ich habe mich in adeligen Kreisen niemals zu Gast laden lassen«, so trägt das nicht zur Klärung bei und muß ja doch von Pöllmann als Sophistik und Haarspalterei aufgefaßt werden.
Ebenso die Katholisiergeschichten. Katholische Tendenzen können mit gutem respektive bösem Willen verschiedentlich aus Onkels Werken herausgefischt werden. Noch viel mehr aber Anschauungen, auf deren Denuntiation hin Onkel leichtlich für den Index reif wäre. Was übrigens das einzige wohl sein dürfte, das unserm armen, lieben, guten Onkel bis jetzt noch nicht begegnet ist. Statt daß er nun erwidert: »Ich schreib, wie ich mag und wie ich denke. Ob meine Ansichten da und dort katholische id est im Sinne dieser Herren mit der Konfession sich deckende sind, geht absolut gar niemand etwas an, jedenfalls sinds meine eigenen!« Statt dessen die Entgegnung: »Er soll mir einen einzigen Menschen bringen, den ich katholisiert habe.« Das ist natürlich Wasser auf dieses Herren Mühle.
Wenn ein Mann von der Bedeutung Karl Mays einen Vortrag hält, so ist es nicht gleichgültig, wo er es tut. Er mietet sich in Dresden, München oder Wien einen Saal, aber nicht in Augsburg im Schoße einer gesellschaftlich ganz unbedeutenden, stockkatholischen Kaufmannsgenossenschaft. Das muß ja böses Blut machen. Onkel kommt in den Verdacht aus Berechnung so zu handeln, grad weil man eben weiß, wie frei er sonst denkt. Und das tut mir so bitter weh. Onkel ist ja für mich der herrlichste Mensch, den ich so unsagbar lieb habe. Da kann es mir doch ganz und gar nicht gleich sein, wenn sie ihn wegen lauter mißverstandener und böswillig aufgebauschter Dinge mit Schmutz bewerfen. Nicht?
Ich kann mir nicht helfen, aber ich glaub, an dem Gerücht von Onkels Katholizität sind Fehsenfelds auch nicht so ganz unschuldig. Beweisen kann ich natürlich nichts. In Augsburg wenigstens war Frau Fehsenfeld schwer zu überzeugen, daß Onkel nicht Katholik sei. Und dann, die Leute fassen eben Katholizismus streng konfessionell auf und das kann man ihnen schließlich gar nicht übel nehmen. Ich bitt Dich flehentlich, liebe, liebe Tante, Onkel soll doch ja all diesen katholischen Herren gegenüber ein nur zu berechtigtes Mißtrauen bewahren!!
So wie die Sachen stehen, ist das einzige Mittel den Gegnern das
Maul zu stopfen: Verklagen. Aber nicht aus lauter Edelmut und lauter Noblesse zum Vergleich es kommen lassen, sondern so, daß jeder, der solche Gemeinheiten in die Welt setzt, ein bischen zu seinem Vergnügen ins Loch spaziert.
Hier ist Rücksichtnehmen und Edelmut gegen irgend jemand ganz am falschen Platz und rächt sich nur bitter.
Tante, wär es denn so gar nicht möglich, daß man sich auch an diesen Zustand fortwährender Prozesse so gewöhnt, daß man sich dabei schließlich gar nimmer aufregt?? Der Mensch gewöhnt sich doch an so vieles, was man vorher für ganz unmöglich hielt.
Ist denn kein einziger von Onkels Anwälten so edeldenkend mit seinem Namen für die Wahrheit einzustehen? Kann man denn angesichts all dieser Verwirrungen und Konfusionen keinen richterlichen Entscheid über diese vor Gericht geklärten Tatsachen mit richterlicher Unterschrift erlangen? Warum veröffentlicht Onkel denn die reichsgerichtliche Entscheidung nicht? Onkel hat den Prozeß in drei Instanzen gewonnen, da hat er doch das Recht richterlichen Schutz in Anspruch zu nehmen.
Du lieber Gott, wenn ich nur ein bischen berühmt wäre und mit der Feder umgehen könnte!!
Findet sich denn jetzt in der Not keine berufene Literatenfeder, die für ihn einsteht, keiner, der durch die Bekanntheit seines Namens zeigt, daß es noch Geister gibt, die über all dem Schmutz stehen. Solche Stimmen sollte Fehsenfeld sammeln und veröffentlichen, nicht wie früher ein Dutzend wohlwollende, salbungsvolle Empfehlungen deutscher Bischöfe. Natürlich, jetzt rührt sich keiner. Pfui Teufel! Mit Sächelchen wie: »Ein Besuch in Villa Shatterhand von Fräulein X oder Herrn Studiosus Y« ist nicht geholfen. Im Gegenteil, verbieten sollte man diese Art der Herzenserleichterungen. Sie schaden Onkels Ansehen mehr als sie nützen.
Ich bin so froh, daß ich mit Frau Hetty Heide über all das, was mir das Herz so schwer macht, frei von der Leber weg reden kann. Bisher hatte ich so gar niemand, der mich hierin so ganz verstanden hätte.
Tantchen, Deine Prophezeiung, daß ich mich in sie sterblich verlieben würde, ist zwar noch nicht ganz in Erfüllung gegangen, wohl aber verehre ich sie als Prachtfrau, die als schlagensten Beweis für ihre Verehrungswürdigkeit ihre beiden reizenden Kinder besitzt. Dem Manne, der eine solche Frau hat, dem kanns gar nie so miserabel gehen, daß er den Kopf verliert.
Was meint Onkel dazu? Ich glaub, er kann da auch ein Liebesliedchen singen, nicht? Ein ganz besonders inniges! Der liebe Gott soll
Dich so recht, recht segnen, Du liebe, liebe Tante! Wenn Onkel einmal wegen all den dummen Sachen recht mißmutig und grantig werden möcht, dann sag ihm einen schönen Gruß und er soll bitte dran denken, was für eine liebe Tante er zur Frau hat! Einen noch besseren Trost weiß ich wirklich nimmer.
Du aber, Tante, wenn Du den Mut sinken läßt, dann wollen wir uns lieber gleich begraben lassen. Es krakehle, wer krakehlen mag. Kommt Euch einer zunahe, dann gebt ihm eins auf die Schnauze. Vor dem »Bergle«, auf dem das »Häusle« mit dem »Gärtle« steht, müssen sie ja doch alle, alle halt machen. Sonst kommt das Karlinchen und wirft sie in den Bach. Droben aber kocht das »Herzle« Kafe für unsern guten Doktor und da droben bei den Blumen, da vergißt es ganz darauf, daß überm Bächle drüben gefälscht und verleumdet wird.
Tante, bist mir bös, weil ich heut so geschrieben hab, wie mirs ums Herz war? Denkt Euch halt, ein bald dreiundzwanzigjähriger aber noch entsetzlich dummer Junge hats geschrieben, der Euch halt so furchtbar lieb hat und der flennen könnt wie ein Kind, weil sie seinen Onkel so gar nicht zur Ruhe kommen lassen und der in seiner Hilflosigkeit wie ein dummer August zusehen muß ohne seinem Onkel ein richtiger Neffe sein zu können. Ich ging ja durchs Feuer, wenns was nützen tät. Das dürft Ihr mir glauben und Ihr wißt auch, daß es mir damit Ernst ist.
Ich hab solche Angst wegen Onkels Gesundheit. Tante, geht das gar nicht: Ich hab mir 200 M zusammengespart für einen Photographenapparat. Der kann aber ruhig warten. Es läßt mir halt keine Ruh. Zwischen 2. und 15. April möcht ich nach Radebeul fahren für einen Tag, selbstverständlich für diesmal im Gasthof bleiben. Ich würde Euch auch gar nicht stören. Nur sehen wollt ich Euch auf ein halbes Stündel. Sicher, sicher nicht länger. Eine Minute drüber sollt Ihr mich rausschmeißen. Es ist mein völliger Ernst, das dürft Ihr mir glauben. Ich verstehe, daß Ihr jetzt den Kopf voll von anderen Dingen habt. Deshalb sollst Du mir Deine ehrliche Ansicht wegen meines Vorschlags mitteilen. Es ist mir ja schon genug, wenn ich Euch gesehen hab. Du darfst mich nicht für kindisch halten, weil ich so impulsiv bin, aber mit meiner Olly hab ich Euch halt am allerliebsten auf der Welt. Und da ist es doch nur natürlich, daß man sich sorgt.
Bei Frau Hetty hab ich eine Photographie von Dir gesehen, ein Profilbild. Und da hat mich der blasse Neid erfaßt. Tante, Dein Neffe hat gar kein Bild von Dir, wie Du jetzt ausschaust. Das ist nicht nächstenliebend und macht mich sehr betrübt!!
Und weil ich halt schon einmal so schön drin bin, im Betteln: dort
hab ich auch die Postkarte mit der bewußten Beschäftigung des Affen mit Flohen und Lausen in der Familie Seyid Omar und die mit Onkel in der Gesellschaft v. Professor Werner und Sascha Schneider u. noch einem gesehen. Ach die beiden wenn ich bei Gelegenheit einmal bekommen könnte. Tante, ich will sie sicher nicht als Pendant verwenden.
Es trifft halt wieder mal zu, was Onkel im Mahdi III, im Nachwort von seinen Lesern sagt: »Denn Wünsche haben sie alle, alle, die mir schreiben.«
Aber halt, es stimmt ja gar nicht, ich bettle ja die Tante an. Siehst Du wohl, Onkel, schon damals hättest Du Dich vorsichtiger ausdrücken sollen.
Frau Hetty Heide grüßt herzlichst. Sie sagte mir, daß Du vielleicht selber für Onkel öffentlich eintreten wollest. Ich fürchte, Deine klare Stimme würde verklingen, so wie der reine Klang des Aveglöckleins überheult wird von Sturm und Meeresbrandung. Eine starke, unerbittliche Männerfaust, wenn die sich fände, mit unbarmherziger Logik all das Gewebe von Lüge und Betrügerei zu zerreißen! Alles was Dir heilig ist und was Dich stolz und glücklich macht, darüber würden sie in ihrem Stumpfsinn mit Hohngelächter herfallen und es mit ihren ungeschlachteten Pfoten in den Schmutz ziehen. Die Zuversicht aber ist in meinem Herzen fest eingegraben: Einen Karl May kriegen sie nicht unter. Noch immer ist es ihnen mißlungen. Und es war ihnen doch so bitter Ernst damit. Der Ochse hört ja das Brüllen auch von selber auf, wenn er merkt, daß er bloß heiser wird und daß der, dens angeht, unberührt seinen selbstgewählten Weg weiterwandelt.
Sobald ich eine Militärphotographie (weil wir grad vom Ochsen reden) habe, sollt Ihr sie bekommen. Die Lazarethmontur wär freilich passender für mich als die Uniform mit den großen Sporen und dem krummen Säbel.
Beiliegender Brief soll nicht eine Antwort Onkels provozieren sondern es soll mir eine Erleichterung sein, wenn ich einmal mein Herz ausgeschüttet habe.
Die Eltern grüßen, ebenso meine Freundin.
Augsburger Martin: Georg Martin, Vorstand des Katholischen Kaufmännischen Vereins >Laetitia<, der Mays Augsburger Vortrag vom 8.12.1909 organisierte.
über Karl May« oder Die Gegner Karl Mays in ihrem eigenen Lichte<. Freiburg 1902; Reprint unter dem Titel >Der dankbare Leser<. Ubstadt 1974. Materialien zur Karl-May-Forschung Bd. 1, S. 143-145
München, 3.III.10
Liebe gnädige Frau.
Hier kommen ein paar Silvester'sche Geisteskinder, die ich freundlich aufzunehmen bitte. In dem Roman steht am Schluß alles angezeigt, was weiter erschienen ist. Vielleicht schaffen Sie sich mal das »Verhältnis« - sein bekanntestes Werk - an, das gebunden (rot und gold) auch äußerlich sympathisch ist. Über den Roman gebe ich Ihnen gelegentlich mündlich ein paar Daten, die zum vollen Verständnis eigentlich nötig sind. Es ist nämlich eigentlich gar kein Roman, sondern nur die Skizze von einem verbrannten Manuskript. Die Gedichte - auch noch Jugendsünden dabei - sind schon alten Datums, können sich aber teilweise doch sehen lassen. (Der kleine Vogel, Weißt Du's noch? etc.) Das müssen Sie aber ja nicht kaufen, denn demnächst erscheint eine neue Auflage Lyrik, die wertvoller sein wird. Immerhin hoffe ich, daß Ihnen auch dies gefällt. »Gemütspflege« lege ich für Herrn Willy bei, die andern Artikel konnte ich momentan nicht finden. Er bekommt sie aber später. -
Die Kompositionen des Herrn Heumann haben meinen ungeteilten Beifall! Namentlich der lustige Ehemann ist so flott und originell, daß ich ihn der andern abgedroschenen Melodie bei weitem vorziehe! Nur möchte ich mir die Bemerkung erlauben, daß die p.t. Komponisten heutzutage an die armen Sänger Anforderungen stellen, denen nicht einmal ein musikalischer Mensch gewachsen ist! Denn wie ich z. B. in dem genannten Lied mitten in der F Dur Tonart nacheinander g, dis, h, gis treffen soll, ohne zu patzen, ist mir durchaus unklar! -
Hoffentlich ist mit Ihrem Magen alles in Ordnung. Es war so reizend gestern bei Ihnen, haben Sie noch recht vielen Dank. Toldi läßt grüßen
und sagen, Sie möchten ihn recht bald wieder besuchen. Er wird auch alles vorsingen, was er kann.
Mit den herzlichsten Grüßen
Roman: Ewald Silvesters >Nora Gyllensee< (1906)
Lieber Willy!
Deine erste Frage nach des Onkels Befinden will ich gleich zuerst beantworten. Leider kann ich Dir nichts Gutes berichten. Er gefällt mir nicht und macht mir Sorge.
Der Geburtstag war ein lieber, sonniger Tag und machte viel gut, was Andere anrichteten. Auch Eure lieben Blumen brachten Duft und Liebe in's Haus. Habt vielen, herzlichen Dank. Deine liebe Mama würde sich gefreut haben, wenn sie gesehen hätte, wie frisch und gut die lieben Blumen ankamen. Sie stehen noch in der Veranda und erinnern mich an Euch, sobald ich sie sehe.
Auf den weiteren Inhalt Deines Briefs will ich im einzelnen nicht eingehen. Vielleicht findet sich doch die Zeit mit Dir über manches, was Du berührtest zu sprechen. Ich kann Dir heute noch nicht sagen, ob wir im nächsten Monat daheim sein werden. Für den Onkel wäre eine Abwechslung dringend geboten. Ob die Umstände es gestatten werden, weiß ich nicht. Du verschiebst Deinen in Aussicht genommenen Besuch vielleicht auch bis zum Mai?
Aus Deinen Ausführungen spricht Hetty, wie sie leibt und lebt. Du lieber Kerl bist wie Wachs. Deiner Seele prägt sich Alles ein, was Dich bewegt. Deine süße kleine Freundin hat in Hetty eine gefährliche Konkurentin. Hetty ist eine geistig bedeutende Frau, dazu schön. Sie kann Dir die Freude an dem allergrößten Theil der Frauen verderben, für's ganze Leben.
Was Dich in den Brief an den Onkel so bewegt, ist nicht's, als übergroße Empfindlichkeit Deinerseits. Deine Mutter weiß sehr wohl, wassicherlich weit davon entfernt, Dir wehe thun zu wollen, oder Dich als einen »Idioten« zu denken. Sie wählte vielleicht
nicht den rechten Ausdruck - oder besser, - sie trug Deiner großen Empfindlichkeit nicht Rechnung. Laß Dir von mir gesagt sein, Willy, jeder, der Dich kennt, und dazu rechne ich in erster Linie die Deinen, sieht in Dir einen durchaus vornehmen Character, dem man als Ehrenmann eine junge Dame unbedenklich anvertrauen kann, nicht aber den »Idioten«. Wie Du überhaupt so auf Abwege gerathen kannst in Deinem Denken und Empfinden, begreife ich nicht. Es ist krankhaft. Rotte es aus. Du selbst mußt wissen, was Du werth bist!
Du hast Trine gelesen. Es freut mich. Ich kenne alle seine Werke und schätze ihn sehr hoch. Versuche seine Werke in seiner Sprache zu lesen, Du wirst dann erst den ungeheuren Unterschied finden zwischen dem Original und der Übersetzung.
Um das Englische kommst Du ja so wie so nicht herum, wenn Du ernstlich die Absicht hast, die Welt kennen zu lernen. Es ist nun mal heut zu Tage diejenige Sprache, mit der man durch die ganze Welt kommt.
Laß mich noch kurz Deinen Märchentraum streifen. Glaubst Du Dein Leben recht ausgefüllt zu haben, wenn Du nur Deiner selbst lebst? Glaubst Du, Gott gab Dir Dein Pfund - was er einst zurückverlangen wird - nur, damit Du es allein für Dich verwendest? Du sagst, Du hast Trine gelesen? Hättest Du ihn auch nur ein ganz klein wenig begriffen, konnte keine Minute Deiner Lebenszeit mehr am »Märchenheim« hängen. Du hast den großen Ernst des Lebens noch nicht erfasst; es ging dir allezeit zu gut, wie den meisten Menschen. Du hast keine Ahnung, was Leiden heißt - die Leiden, die Du Dir einbildest, sind keine Leiden -. Du wirst einen Einblick gewinnen in großes, tiefernstes Menschenleid, wenn Du des Onkels Buch über sich selbst lesen wirst, was er herausgeben wird, über all den Streit um ihn und sein Wollen. Dann wirst Du ahnen lernen, was Leid ist und was Dir heute als solches erscheint, wird in Deiner Hand zerrinnen, wie eine große Seifenblase - nichts bleibt zurück.
Nun noch zum Schluß einen Augenblick zu all den Feindseligkeiten, die sich Karl May in den Weg stellen. Hast Du schon einmal ernstlich über alles nachgedacht? Du kennst Karl May aus seinen Werken. Hast sein Wollen tief in Dir empfunden. Du weißt, daß er nur und nur das Gute will. Edelmenschen möchte er bilden, weil er darin das hö
prüfe, wer es sagt, und dann gieb noch einmal Ratschläge, aus Dir heraus, durch Deinen gesunden Menschenverstand hindurchfiltrirt, - nicht der guten Hetty nachgebetet. Selbst denke, selbst erwäge, selbst handle. Dazu mußt du Dich durchringen, nicht nur in diesem Falle, sondern in allen Fällen Deines Lebens, denn die treusten Freunde, die du auf der Welt hast, wozu in erster Linie deine Eltern gehören, werden Dich verlassen, vielleicht schon bald, wie Gott es will, und wehe Dir, wenn Du dann erst beginnen willst, Dich tastend zurecht zu finden im Labyrinth des Lebens. Weißt Du, wie Trine so treffend sagt: »Du bist, was Du sein willst!« Wolle es nur ernstlich sein, dann bist Du es.
Ich könnte Dir noch viel schreiben. In Deinem Brief war so viel. Unerfreuliches, unruhevolle Unklarheit, Humor und was uns beiden Alten das Kostbarste ist, reine, kindliche, den Hauch des Göttlichen in sich tragende Edelmenschlichkeit. Gott behüte Dich, Du lieber, guter Willy.
Tante Klara.
Trine: vgl. oben Brief Willy Einsles 23.2.1910
Geehrter Herr!
Auf ihre frdl. Zeilen erwidere ich höflichst, daß Winnetou Bd. IV voraussichtlich Ende April fertiggestellt sein wird. Ich gebe Ihnen srzt. nochmals Nachricht.
Als Antwort auf die vielen Angriffe der Presse beabsichtigt Herr K. May ein Buch »Aus meinem Leben« zu veröffentlichen. Näheres darüber kann ich Ihnen noch nicht mitteilen.
Freiburg/Br., Hochachtungsvoll grüßend
14. März'10 Fr. Ernst Fehsenfeld
Antwortkarte, von Willy Einsle selbst adressiert, Text von F. eigenhändig.
Hetty Heide an Willy Einsle - 22.3.1910
München, 22.III.10.
Lieber Freund,
wollen Sie mir erlauben, Sie der Einfachheit wegen gleich so anzureden? - Danke schön. - Meine Glückwünsche zu Ihrem Geburtstage muß ich von einem höchst verzwickten Krankenlager aus senden. Bei uns grassiert nämlich die Influenza in grauenerregender Weise. Ich selbst lag acht Tage mit heftiger Bronchitis, Fieber u. anderm Zubehör, darf heute die erste Stunde aufstehen und fühle mich durchaus nicht beneidenswert. Gestern legte sich auch Hannsheinrich mit 39° Fieber und Darmkartarrh. Heute klagt mein Mann über Kopfschmerzen und das Herzi sieht aus, »wie zwei Pfennige in ein Läppchen gewickelt« - wie man in Sachsen zu sagen pflegt. Sie sehen also, andere Leute müssen dem Winter auch Tribut zahlen - nicht nur Sie Unglückswurm allein! - Nun nehmen Sie aber trotz alledem recht schöne Grüße und herzliche Glückwünsche zum 24., feiern Sie Ihr Fest in möglichst guter Stimmung innen und außen und lassen Sie einem fröhlichen Tage ein ebensolches Jahr folgen. Meine beiden Buben folgen im Bilde mit und der Gatte schließt sich uns in Gedanken an. Er haßt, sich fotographieren zu lassen.-
Für den Silberlöwen meinen besten Dank. Ich ließ mir den 4. Band gleich aus der Leihbibliothek kommen und verschlang ihn hinterher, - ohne daß ich mir aber bis jetzt darüber klar werden konnte, was an diesem Buche mich so merkwürdig anzieht. Ich liebe es fast am allermeisten von allen - freilich das sagt man fast zu allen Büchern unsres Freundes. - Der Freitag Abend mußte natürlich ausfallen. Hoffentlich können wir ihn noch nachholen. Noch eine Frage: man sagt mir überall, von »Über den Wassern« würden keine einzelnen Hefte abgegeben. Ja, haben Sie sie denn abonniert? Und ist schon die Fortsetzung erschienen?
Bitte um viele Empfehlungen an Ihre Eltern.
und ebensolche Grüße
Meine Buben: siehe Bildteil
Klara May an Willy Einsle - 12.4.1910
Lieber Willy!
Dir kann man also gratulieren, wie uns Frau Hetty schreibt? Na, ein lieberes Wesen würdest Du auch nicht leicht finden, als Deine herzige Olly ist. Warte aber nur noch ein bischen mit dem Heirathen. Ich hätte Dir gewünscht, Du lerntest die große, schöne Welt kennen, ahntest erst einmal den Pulsschlag des Unendlichen. Viele, liebe Grüße Euch Allen!
Onkel und Tante.
Bildkarte: »GEN'L U. S. GRANT'S HOME BEFORE THE WAR. GALENA ILL.« (koloriert), mit Bild des Generals in einem Medaillon rechts oben - Poststempel: Berlin 12.4.10
München, den 13.IV.10.
Lieber Onkel, liebe Tante!
Soeben aufgestanden lese ich die neuesten »Anti-Karl-May-Kundgebungen.« Herr Du mein Gott, hört den diese entsetzliche Hetze noch nicht bald auf? Ich bin wie vor den Kopf geschlagen. Ich bitt Euch flehentlich, verliert nur Ihr den Kopf nicht. Kann Euch denn unsere Liebe gar kein bißl über die schweren Zeiten weghelfen? Seht Ihr, das ist mein ernstes Ziel: Ein guter Mensch werden u. dann sagen können: Alles hab ich jenem »verruchten« Karl May zu verdanken. Ihm ganz allein!! Nun werdet Ihr an Pfingsten wohl nicht zu sprechen sein für mich??? Ich verstehs ja, wenn Ihr jetzt ganz allein sein wolltet.
Bitte, nur ein kleinwinziges Lebenszeichen, sonst hab ich so furchtbare Angst für Eure Gesundheit. Ich bete, daß Ihr innerlich stärker sein mögt, als diese unbegreiflichen Zeiten. Wenn nur Onkels Buch bald erschiene. Ich glaube Euch und sonst niemand.
In alter Treue
Klara May an Willy Einsle - 28.4.1910
Viele, liebe Grüße dir und Deinen Lieben von Deinen alten
Onkel & Tante
Bildkarte: »MOSCHEE OMAR IN JERUSALEM« (koloriert) - Poststempel Cöln 28.4.10
München, d. 31. Mai 1910
Mein lieber, verehrter Herr Doktor!
Willy's Verlobung mit allem Drum und Dran von Einladungen und Verwantenbesuchen - Todesfall in der Familie, (der Bruder meines Mannes starb nach 10wöchiger schwerer Krankheit,) deßhalb Reisen ins Schwabenland, dann meine liebe kleine Nichte und Patchen hier bös an Lungenentzündung erkrankt u.s.w. - das alles fördert nicht die Briefschreibstimmung, man ist zu abgehetzt. Da ich aber auf der letzten Drucksache Ihre eigene Handschrift ersah, muß ich nun doch endlich danken sowohl für diese Zusendung wie für die von der lieben Frau Doktor erhaltenen Blätter. Sie, vor allem aber die II. Abhandlung in der »Freistatt« tun hier gute Dienste. Selbst May Gegner verurteilen die Art und Weise wie diese scheinheiligen Kuttenbrüder gegen Sie vorgehen - auf den Lippen Salbung und den Schrei nach Wahrheit, - ihr Herz ist eine Mördergrube und voll Lüge!
Ist der famose Amtsrichter, der im Lebius Prozeß den Vorsitz führte nicht pensioniert worden? In Bayern hätte er seine Nase erhalten und wäre unmöglich! Wann ist endlich Berufsverhandlung?
Wie viel wir diese letzten 6 Monate an Sie dachten! Was mögen Sie beide gelitten haben! Ja unsere »gute« Gesellschaft, - sie duldet, und vertuscht oder fördert sogar jede Unmoral und Schlechtigkeit, so lange sie Vergnügen oder Nutzen davon hat und kommt sich dabei sehr edel und christlich vor. Aber wehe dem Ärmsten der sich erwischen läßt und seine Strafe tragen muß, er findet lauter Pharisäer statt der Zöllner die wir doch alle sind.
Mein lieber Herr Doktor, mich drängt es Ihnen einmal zu sagen daß wir Ihnen nach wie vor dankbar sind für die Liebe und Klugheit, mit der Sie sich Willy's Jugend annahmen und daß Sie für uns nur der sind als
den wir Sie persönlich kennen lernten, ein Mann den wir verehren und lieb haben! Und daß die gute, feine Frau Doktor ihre Liebe und Sorgfalt niemals einem schlechten, charakterlosen Menschen schenken würde, dafür legen wir unsere Köpfe auf den Block und unsere Hände in's Feuer.
Tausend herzliche Grüße Ihnen beiden.
Stets Ihre dankbare Adele Einsle
Freistatt: in der Wiener Zeitschrift >Die Freistatt< erschien im 2. Jahrgang (1910) Mays gegen P. Ansgar Pöllmann gerichtete Artikelserie »Auch >Über den Wassern<« (Neudruck im Jb-KMG 1976. Hamburg 1976, S. 230-272). Die zweite Folge von Mays Artikelserie erschien am 30.4.1910.
Meine liebe Frau Oberamtsrichter!
Ich danke Ihnen für die interessante Karte. Unser »gewichtiger« Gegner und sein Freund P. Pöllmann setzen Alles daran, den hier schwebenden Prozeß nach Bayern zu ziehen. Unser Gericht soll nicht zuständig sein, weil nur mein Mann die Zeitungen hier erhalten hat und noch dazu extra unter x Band. Der Richter, der offenbar meinem Manne freundlich gesinnt ist, hat mit ihm Rücksprache genommen und ihm gesagt, daß die Gegner die Zuständigkeit unter allen Umständen wegbringen werden. Leider hat hier kein Mensch jene, hier in Frage kommenden Zeitungen gelesen.
Wie werden unsere Gegner nun wieder diesen Umstand ausnützen. Am liebsten möchte ich alle Prozesse zurücknehmen, wenn ich etwas zu sagen hätte. Warum soll Karl May den Rest seines Lebens noch durch solche Aufregungen vergällen?
Er hat es wirklich nicht verdient.
Nun zur Sache mit der Helle. Sie war bei uns. Sie lebt in Dresden. Was man ihr und Schmidt nachsagt, stammt von ihrer Schwester, wie sie uns sagte. Was an der Sache Wahrheit ist und was Bosheit dazu gemacht - wir wissen es nicht und wollen es auch nicht kennen lernen -. Nachdem wir das kleine, mit der Schwindsucht behaftete Wesen ken-
nen lernten, steht es für uns fest, daß wir nicht mit den gleichen Waffen kämpfen werden, wie unsere Gegner, und wenn wir auch daran zu Grunde gingen. Frau Hetty soll also keinen Schritt mehr unternehmen nach dieser Richtung hin. - Die Sachen, die Frau Hetty an Abels sandte, gingen zu Frl. Fritsch. -
Ich halte jeden Schritt für unnütz, den man zur Rettung K.M's tut, nach der Richtung, wie Frl. Fritsch arbeitet. K.M. kann sich nur selbst retten und zwar durch sein Buch. Ich denke, es wird in ca. 4 Wochen herauskommen.
Auch alle Prozesse halte ich für unnütz. Hier scheint doch nur der zu siegen, der fähig ist, den Gegner mit der größtmöglichen Gemeinheit zu überschütten. Alles Gute wird getreten und in den Staub gezogen. Die Richter sind durch den Paragraphen gebunden. Sie können nicht einmal menschlich sein, wenn sie es selbst wollten. Dazu kommt, daß sie alle überlastet sind mit Arbeiten und nur von dem Bestreben geleitet, eine lästige Sache, die jeder Streit auch wirklich ist, los zu werden.
Meines Mannes Buch würde schon längst fertig sein, wenn die argen nervösen Schmerzen ein ununterbrochenes Arbeiten gestatten möchten; das ist aber leider nicht der Fall. Ohne Schlafmittel schläft mein armer Mann keine Nacht mehr. ---
Wie geht es Ihnen allen? Gott gebe, besser als uns. Sie haben ja so viel Liebes und Schönes vor Augen durch Ihre Kinder.
Es ist auch ein Glück, daß Geschicke wie die Unsrigen vereinzelt im Leben sind.
Mit vielen lieben Grüßen für Sie Alle, von uns beiden
Anbei Drucksachen, aus welchen Sie Alles ersehen können, wie es z. Z. steht.
Beigelegt hat Klara Karl Mays Drucksache >Begleitwort< zu Lebius (siehe: Karl May: An die 4. Strafkammer des Königl. Landgerichtes III in Berlin. Prozeßschriften Bd. 3. Hrsg. von Roland Schmid. Bamberg 1982, S. 170-175).
schr., Nov., Skizz.-Theaterstücke f. Mädchenbühnen...«. Der 14. Jg. (1914) gibt als Wohnort »Dresden, Blasewitzer Str. 10/II an. Im 15. Jg. (1926) ist sie nicht mehr aufgeführt.
München, am 17. September 1910
Mein liebster bester Onkel!
So lange schon wollt ich schreiben, wenigstens ein paar Zeilen, aber immer kamm etwas dazwischen, was mir die nötige Ruhe raubte. Und jetzt gar meine tägliche Koassistentenbeschäftigung im Krankenhaus! Ich bin oft so müd, daß ich gleich nach dem Abendessen am liebsten mich schlafen legte.
Heut hab ich mir Zeit genommen und alles, was ich an Artikeln von Euch selbst oder von Frau Hetty Heide bekam, nochmal durchgelesen. Zu versichern, daß wir durch dick und dünn mit Euch zu gehen stets bereit waren und sind, das erst noch eigens versichern müssen, nein, das wäre doch überflüssig und albern! Nicht?* Aber weil ich bei meinem Onkel immer ehrlich sein will, so muß ich Dir beichten, daß mein längeres Schweigen noch einen besonderen Grund hatte. Oder vielmehr zwei. Einerseits konnte ich mir es zu gut vorstellen, daß Ihr grad jetzt andere Dinge im Kopf hattet, als Euch mit »Neffen- und Nichtenbriefen« abzugeben. Und offengestanden: Entrüstete Bei- und Mitleidsbriefe zu schreiben und selber dabei verurteilt zu sein tatenlos hinterm Ofen zu sitzen, das war gar nicht mein Geschmack. Ich kann nun einmal nicht viel Worte machen über das, was ich fühle. Besonders, wenn das »Echauffement« so wenig an Vertiefung zu wünschen übrig läßt wie diesmal.
Zweitens kann ich das Gefühl nicht loswerden: Eine Zeitlang glaub-
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te Dein Onkel in Dir sich einen tatkräftigen Gehilfen und Lehrling zu erziehen, nunmehr aber kommt er immer mehr dazu Dich ad acta zu legen und begnügt sich damit, vernefft wie er ist, auch diesem Neffen der treue gütige Onkel zu bleiben, der er immer war. Aber wie gesagt rechnen tut er nicht mehr auf ihn. Besonders seit er sich verlobt hat und so gewissermaßen sich in einem neuen Kreise bewegt.
Ich hab halt so meine eigene Ansicht über die vielen Artikel und Artikelchen, die für Dich verfaßt wurden. Die gegnerischen sind Gift gefährlichster Art, denn - sie hüllen sich in den Nimbus großer und angesehener Blätter.
Gegen solche Angriffe hilft nur eines: Richterlicher Entscheid, nicht aber die vielen niedlichen Dingerchen wie »ein Besuch in Villa Shatterhand« oder »Mein Schwarm ist Karl May« u.s.w. Und die ernsteren helfen nichts. Warum? Wer liest denn die Blätter? Wer alles liest dagegen die Kölnische und solchen Schlages! Was hilft bei den Leuten der vortrefflichste Inhalt, wenn das Äußere es nicht anziehend macht.
Wenn doch Deine Verehrer und Leser einsehen wollten, wiesehr sie mit dieser literarischen Überschwemmung Dein künstlerisches und ästhetisches Ansehen herabsetzen, denn nirgends werden die Äußerungen der Gemeinde so auf ihr geistiges Oberhaupt bezogen wie bei Dir und Deinen Verehrern. Möchten das die Betreffenden doch beachten, bevor sie lustig draufloszwitschern! Aus dem gleichen Grund erwarte ich von der »öffentlichen Erklärung« von Droop und Fritsch nicht viel. Wenn Leute wie Professor Freitag oder Professor Werner und ähnliche Männer von Bedeutung in sachlicher Weise vor die Öffentlichkeit treten würden, ganz aus eigenen Stücken, das würde wirken, sonst aber hilft nichts als ein tüchtiger Rechtsanwalt wie zum Beispiel unser Bernstein und ein richterlicher Entscheid, der nicht mit einem Vergleich sondern mit einer tüchtigen Verknaxung des schuldigen Teils einhergeht und den alle Blätter von öffentlichem Ansehen bringen müssen.
Fanatische Anhimmelei ist mir ebenso sehr verhaßt wie diese bodenlos gemeinen Anfeindungen. Wohl bin auch ich so unendlich glücklich, so liebe treue edle Menschen auf meinem Lebensweg getroffen zu haben und jedem, der es hören will, bekenn ich's, daß ja eben darin mein Optimismus gegründet ist, aber grad deshalb will ich mir dieses Bild nicht durch journalistische Geschmacklosigkeiten trüben lassen. Wenn ich vielleicht einmal imstande sein sollte meinen Kranken Geduld im Leiden und ein bischen Licht zu geben und wenn ich dann bekennen dürfte: das war mein Onkel, der mich lehrte den Sonnenschein zu lieben und mit gütigen Augen die Welt um uns zu betrachten, ich glaube damit nütze ich grad so viel, als wenn ich einen Artikel schreiben würde
»Über die Bedeutung Karl May's in pädagogischer Hinsicht.« Ich finde überhaupt, es wird viel zu viel über moderne Ethik und Kultur geschrieben und gedacht; das Darnachhandeln vergißt man darüber nur zu leicht und - gern!
Da es jetzt bereits ½ 2 Uhr ist und ich morgen wieder um ½ 8 Uhr im Krankenhaus sein muß, so will ich jetzt dem Ende zusteuern. Ich bete innig zu Gott, daß Ihr beide unberührt von all dem Schmutz um Euch herum aus diesen Wirrnissen heraus endlich, endlich die liebe Sonne und das schöne Leben so reich und voll genießen dürft, wie grad Ihr es Euch verdient habt.
Frau Hetty Heide macht mir Mut und so wage ich es: Habt Ihr zwischen 15ten Oktober und 30ten Oktober einen Vor- oder Nachmittag oder Abend vor Euch, an dem Ihr mich brauchen könntet?! Ihr wißt, daß Ihr mit mir offen reden könnt. Ich bange so für Eure Gesundheit!! Und die andern alle auch. Ich wollte ja sicher nicht lange stören. Also bitte sagt es ehrlich.
Weil mein Brief, in dem ich Euch am 4. April meine Verlobung vom 3. April mitteilte u. dem ich mein Militärbild beilegte, Euch nicht traf u. also wohl von der Post verschlampt worden ist, lasse ich den heutigen einschreiben um sicher zu gehen.
Es grüße Euch innigst
Nachschrift [Bleistift]. [Der Brief wurde möglicherweise nicht abgeschickt!]:
Kölnische: Kölnische Volkszeitung
Vielen Dank mein Lieber für Deinen lieben, guten Brief. Wir stecken so in Aufregungen, d. wir nicht einen Tag freie Zeit haben und dazu geht es dem armen Onkel sehr schlecht. Montag haben wir hier Hauptverh. gegen Schmidt. Noch am selben Tage gehen wir nach Bonn etc.
etc. Onkel muß nach Gastein sobald als nur möglich, es geht nicht mehr. In Eile nur viele, herzliche Grüße
Deine alten, recht kaputten
Bildkarte: »Karl May bei den Tuscarora-Indianern« - Poststempel: Dresden 23.9.10
Schmidt: siehe Anm. zum Brief Adele Einsle vom 23.2.1910. Lt. Tagebuch Klara Mays fuhren Mays am 27.9. nach Bonn.
21./Xl.1910
Meine liebe Frau Doktor!
Nachdem unlängst Willy Ihre lieben Zeilen sofort zur Beantwortung für sich reklamierte, wollte nicht ich auch noch Ihre Zeit in Anspruch nehmen, hatte aber vor heute Abend zu schreiben. Da erhalte ich von Frau Hetty die Kunde, daß Sie und der liebe Herr Doktor nachtschlafenderweise durch München reisen wollen und die Aufforderung dagegen zu protestieren. Das möchte ich ja nun wohl recht gerne und recht nachdrücklich tun, - aber ich fürchte Ihnen sehr unvernünftig und sehr egoistisch vorzukommen wenn ich's täte. Ich kann mir so lebhaft vorstellen wie gänzlich fertig Sie mit Ihrer Nervenkraft sind, daß ich vollkommen begreife daß Sie momentan Ruhe und nur Ruhe brauchen und auch gute und treue Freunde kein Recht haben sie Ihnen zu stören.
//35//
Text von Klara geschrieben
Anschrift: Herrn Willy Einsle
Aus der Karte sind die beiden Personen herausgeschnitten, was auf der Rückseite Textverlust zur Folge hatte; Ergänzungen deshalb in Winkelklammern.
Klara May an Adele Einsle - undatiert, wohl Ende Januar 1909
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Klara May.
Klara May an Willy Einsle - 3.2.1909
Klara
Poststempel: Radebeul 3.2.09
Anschrift: Herrn Willy Einsle
//37//
Mays.
Klara May an Willy Einsle - undatiert, kurz nach dem 27. Juni 1909
(Tod von Klaras Mutter Wilhelmine Beibler)
//38//
in Radebeul
Willy Einsle an Eheleute May - 31.7.1909
//39//
Euer alter dankbarer
Neffe Willy
aus München.
Einjähr
Klara May an Willy Einsle - evtl. Anfang August 1909
in Radebeul
Dein alter
Onkel Karl.
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Von Klaras Hand geschrieben
Anschrift: Herrn Willy Einsle
Willy Einsle an Eheleute May - 31.8.1909
//41//
Immer Euer alter, dankbarer
Neffe Willy.
Willy Einsle an Olga Heumann - 3.9.1909
Karte Willys an seine Freundin Olga Heumann mit weiteren Unterschriften
Anschrift: Frl. Olga Heumann, Wien, Hotel Südbahnhof
Adele Einsle an Julius Einsle - 3.9.1909
geschrieben von Adele Einsle
Anschrift: Herrn Oberamtsrichter Julius Einsle
//42//
Willy Einsle an Eheleute May - 10. 9. 1909
//43//
Drum lasset heut mich bitte kurz nur fassen:
Und Dir, Tantele, muß ichs noch eigens sagen - sonst drückts mir das Herz ab -, daß ich Dich so herzlich lieb hab und daß ich für Dich durchs Feuer geh, jederzeit, wenn Dus haben willst und daß ich Dich von ganzem Herzen grad dem guten Onkel gönn und - den Onkel Dir. So, das wär vom Herzen herunter.
Laßt meinen Dank als eine Blume in mir blühen,
An deren Duft man gerne sich erquickt.
Nicht lang um Worte will ich mich bemühen;
Ich war sehr krank, zur Tiefe wollts mich ziehen.
Ihr machtet frei mich und mein Auge blickt
dankbar empor zum goldnen Sonnenlicht.
Der Herrgott lohn es Euch, ich kann es nicht!!
//44//
Der liebe Gott vergißts Euch nicht.
Immer Euer alter treuer Neffe Willy aus M.
»Die drei Getreuen«
zwar nicht von Frenssen, sondern von Krumbach geben sich die Ehre und machen den süßen kleinen Kolleginnen ihre Aufwartung
Gemme: Bei dem Besuch in Radebeul erhielt Willy als Geschenk Karl Mays zum bestandenen Abitur eine antike Gemme, die May auf der Orientreise gekauft hatte und für Willy fassen ließ (das in Klaras undatiertem Brief von Ende Juni 1909 erwähnte »Siegel«).
Finklein, beide Weiße: Tiere Karl Mays (vgl. das Frontispiz zum Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft(JbKMG)1991)
Die drei Getreuen: Anspielung auf den Roman >Die drei Getreuen< (1898) des norddeutschen Erfolgsschriftstellers Gustav Frenssen (1863-1945).
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Geschrieben von Klara
Anschrift: Herrn Willy Einsle.
Willy Einsle an Eheleute May - 26.11.1909
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Euer alter, treuer
Neffe Willy aus München.
Jakob: nach dem biblischen Buch Genesis (1 Mos 29) diente Jakob seinem Schwiegervater Laban zweimal sieben Jahre, um dessen Tochter Rachel zur Frau zu erhalten.
Sascha-Schneider-Bild: Sascha Schneiders Gemälde >Das Gewissen (Der Chodem)< (Abb. in Jb-KMG 1981, bei S. 321)
Klara May an Willy Einsle - Ende November 1909
Tante.
Keine Anschrift
Bild: das Bild Sascha Schneiders >Das Gewissen< (s. vorhergehenden Brief)
Hetty Heide mit ihren beiden Kindern 1910 (vgl. S. 74)
Willy, Adele, Julius Einsle und Olga Heumann in der Sommerfrische in Lenggries 1910 oder 1911 (mit dem Kind der Hauswirte)
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Deiner
Tante Klara.
Dein alter
Onkel May.
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Willy Einsle an Karl May - 14.12.1909
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aus München.
Meine Eltern grüßen vielmals.
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Bildersammeln: Willy E. hat sein Leben lang Bilder ausgeschnitten, wo immer er sie herbekam (aus Illustrierten, Kunstzeitschriften usw.) und daraus wunderschöne bebilderte, mit Texten und eigenen Gedichten ergänzte Alben für seine Freunde und die Familienmitglieder geklebt - seine ganz persönliche Art, mit viel Mühe ganz persönliche Weihnachtsgeschenke zu machen (Anm. Dr. Gertrud Mehringer-Einsle)
Zu uns zu kommen: Klara May schreibt in Ihrem Tagebuch: »Im Hotel häuften sich die Besuche. Wir hatten nur Einsles und Hetty Heide noch schnell besucht, dann reisten wir schleunigst ab ...«
Willy Einsle an Klara May - 22.12.1909
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Euer alter treuer Willy
aus München.
Meine Eltern sind ebenso »aus dem Häusl« wie ich.
Sie grüßen vielmals.
Augsburger Abendzeitung: »Karl May - Räuberhauptmann«. In: Augsburger Abendzeitung, 21.12.1909, Nr. 354
Droop: Dr. Adolf Droop verfaßte die erste wissenschaftlich fundierte Darstellung von Mays Werk: Karl May. Eine Analyse seiner Reiseerzählungen. Cöln-Weiden 1909
Redakteur der Augsburger Postzeitung: Hans Rost
Klara May an Willy Einsle - undatiert, wohl Ende Dez. 1909
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Klara.
Schwesterchen: Olga Heumann, Willy Einsles spätere Frau
Adele Einsle an Karl May - 23.2.1910
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Ansgar: Pater Ansgar Pöllmann; Pöllmann griff May in seiner Artikelserie >Ein Abenteurer und sein Werk< in >Über den Wassern< (Jan. -Mai 1910) heftig an. Vgl. Jb-KMG 1976. Hamburg 1976, S. 230-273.
Willy Einsle an Karl May - 23.2.1910
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In Sternennächten, wo kein Laut sich regt
Onkel, Tante, denkt an mich!! Ein vortreffliches Buch hab ich entdeckt: Trine, Charakterbildung durch Gedankenkräfte. In den Himmelsgedanken les ich von Tag zu Tag lieber.
Kein Lufthauch rings das dunkle Laub bewegt,
Die Berge still, in andachtsvollem Schweigen,
Als ob ein Gotteswunder kommen müßt,
- Vom Silberstrahl des Mondes leis geküßt -
In Demut ihre Felsenhäupter neigen,
Wie Boten einer ungeahnten Welt
In Klarheit, unnahbar, die Sterne strahlen,
Hoch über Menschenlust und Menschenleid,
Unendlich fern von jedem Erdenneid,
Erhaben über all des Herzens Qualen,
Wie Kinderweinen fern vom Heimattor;
Mir ist, als müßt ich wieder beten gehen -
Und fänd dahin ich nur den Weg zurück;
Hoch über Lust und Leid - dort wohnt das Glück! -
- Laß bald dies Gnadenwunder, Gott geschehen!
Immer Euer
alter treuer Neffe
Willy aus M.
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Abends
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Mutter dreier Töchter: Es handelt sich um >die Generalin Usselmann< und ihre drei Töchter Edith, Erla und Gretl - eine Familienfreundschaft über vier Generationen. Edith Usselmann-Mieleitmer war bildhauerisch ausgebildete Malerin, die eigentliche Freundin von Olly (und Willy); sie machte und konnte alles - von Jahreskrippen bis zu hochkünstlerischen illustrierten Büchern aus den verschiedensten Sagenkreisen. Eine starke und originelle Persönlichkeit, ob ihres Humors und ihres Verständnisses auch später im Familienkreis von uns Kindern heiß geliebt. - Bei dem im Brief geschilderten Vorfall scheint Adele Einsle mit ihrer kritischen Ironie Willy (wieder einmal) zu nahe getreten zu sein! (Anm. Dr. Gertrud Mehringer-Einsle)
Hetty Heide an Adele Einsle - 1.3.1910
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von uns allen
Ihre ergebenste Hetty Heide
(Postkarte Klara Mays an Familie Einsle, Poststempel 26.XII.1912)
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Es küßt Euch die Hände
Euer alter, treuer Neffe Willy
aus München.
Empfehlungen deutscher Bischöfe: Anhang zu der von May verfaßten und anonym erschienenen Broschüre >»Karl May als Erzieher« und »Die Wahrheit
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Bergle, Häusle: Anspielungen auf Mays symbolische Erzählung >Das Geldmännle<. In: Erzgebirgische Dorfgeschichten. Dresden-Niedersedlitz: Belletristischer Verlag 1903
Profilbild: am 12.1.1911 schickte Klara May ihr Bild mit Unterschrift an Willy Einsle (vgl. unten Brief Klaras)
Hetty Heide an Adele Einsle - 3.3.1910
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von Haus zu Haus
Ihre ergebenste
Hetty Heide-Silvester.
Herr Heumann: Olga Heumanns Bruder Robert (vgl. Jb-KMG 1991. Husum 1991, S. 101f.)
p.t.: praemisso titulo (mit Vorausschickung des Titels)
Klara May an Willy Einsle - undatiert - Anfang März 1910
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Friedrich Ernst Fehsenfeld an Willy Einsle - 14.3.1910
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Äussere Prinzregentenstrasse 9.
Ihnen selbst nochmals viele gute Glückwünsche
von Ihrer Freundin
Hetty Heide-Silvester.
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Willy Einsle an Eheleute May - 13.4.1910
Euer Willy.
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K. & K.
Anschrift: Herrn Willy Einsle
Adele Einsle an Karl May - 31.5.1910
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Lebius-Prozeß: Am 2.12.1910 war vor dem Schöffengericht Berlin-Charlottenburg die Beleidigungsklage Mays gegen Lebius verhandelt worden, die mit dem für May vernichtenden Freispruch Lebius' endete (vgl. Claus Roxin: Ein >geborener Verbrecher<. Karl May vor dem Königlichen Landgericht in Moabit. In: Jb-KMG 1989. Husum 1989, S. 9-36 (S. 25-28)). Siehe auch Anm. zum Brief Klara Mays von Ende Dez. 1909.
Klara May an Adele Einsle - Sommer 1910
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Ihre ergebene
Klara May.
Sie brauchen die Briefe nicht einschreiben zu lassen. Nochmals herzl. Gruß. K.M.
x Band: Kreuzband, eine besondere Versendungsart für Drucksachen im Deutschen Kaiserreich
Helle: Im >Adreßbuch für Dresden und seine Vororte<, Jg. 1912, Teil I, S. 337, ist verzeichnet: »Helle, Margarete Em. M. Luz., Schriftstellerin, (Dresden), Eliasstr. 26 III« (Recherche Hans-Dieter Steinmetz).
>Keiters Katholischer Literaturkalender 1913<. Hrsg. von Karl Menne. 13. Jg., Essen 1913, S. 224, enthält den Eintrag: »Helle, Frl. Margaretha (M. in der Hellen), Dresden, Eliasstr. 26 ([geb.] 14.9.80, [in:] Tauernig, O.Schl.). Jugend-
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Abels: Redakteur der >Münchener Neuesten Nachrichten<, der für May eintrat; vgl. seine Artikel in den >Münchener Neuesten Nachrichten< vom 18.11.1906 und in >Das Zwanzigste Jahrhundert< vom 12.5.1907 (Abdruck in Bernhard Kosciuszko: Im Zentrum der May-Hetze. Die Kölnische Volkszeitung, Materialien zur Karl-May-Forschung Bd. 10. Ubstadt 1985, S. 146ff. und 155-164). Für Abels schrieb Karl May seine >Skizze zu >Babel und Bibel«, datiert 1.10.1906 (Abdruck in Karl-May-Jahrbuch 1921. Radebeul 1920, sowie - stark bearbeitet - in Karl May's Gesammelte Werke Bd. 49 >Lichte Höhen<, Bamberg).
Frl. Fritsch: Lu Fritsch (siehe Jb-KMG 1993.)
Willy Einsle an Karl May - 17.9.1910
Ich weiß nicht, was die Feder hat!
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Euer alter, treuer, dankbarer
Willy aus München.
Erstes: Wie kann Fehsenfeld bei einigem Geschmack Deine Werke mit den entsetzlichen Illustrationen herausgeben, besonders nachdem ein S. S. [Sascha Schneider] dem Buchband [?] so ernste Schrift verliehen hatte?
Zweitens: Ich bin überzeugt, der Titel [?] wird viele Leute abhalten, Dein B. zu lesen, wie halt einmal die [Rest unleserlich]
und es täte mir so leid, wenn grad dieses Buch falsch aufgefaßt wird von der Kritik. Und wenn es gar [Rest unleserlich]
Klara May an Willy Einsle - 23.9.1910
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Radebeuler
Anschrift: Herrn cand. med. Willy Einsle
Adele Einsle an Klara May - 21.11.1910