3. Fortsetzung
Bibliothek der Unterhaltung und des WissensJahrgang 1877 Elfter Band Seite 92 - 208 Verlag von H. Schönlein, Stuttgart | Illustrirtes UnterhaltungsblattBelletristische Wochenschrift für die Familie und Jedermann. Jahrgang 1879, No. 35, Seite 273 bis 275. Verlag von H. Schönlein, Stuttgart | Erzgebirgische DorfgeschichtenKarl May's Erstlingswerke Autorisierte Ausgabe Band I, Seite 167 bis 277 Belletristischer Verlag, Dresden |
An der Wand über dem Tische hing das Bild des Heilandes in einfach vergoldetem Rahmen und ihm zu Seiten Seite 140
zwei Köpfe, welche mit Bleistift auf gewöhnliches weißes Schreibpapier gezeichnet waren. Sie stammten von dem Köpfle-Franz und trugen in gothischen Buchstaben die Unterschrift "Karl" und "Maria". Die Frau war die einstige Magd auf dem Dukatenhofe und hatte zu ihrer Hochzeit ihr Bild und dasjenige ihres Bräutigams von dem Gegenstande ihrer ersten Liebe als Angebinde erhalten.
| Seite 273
An der Wand des Stübchens über dem Tische hing das Bild des Heilandes in einfach vergoldetem Rahmen und ihm zu Seiten zwei Köpfe, welche mit Bleistift auf gewöhnliches weißes Schreibpapier gezeichnet waren. Sie stammten von dem Köpfle-Franz und trugen in gothischen Buchstaben die Unterschrift "Karl" und "Maria". Die Frau war die einstige Magd auf dem Dukatenhofe und hatte zu ihrer Hochzeit ihr Bild und dasjenige ihres Bräutigams von dem Gegenstande ihrer ersten Liebe als Angebinde erhalten.
| An der Wand über dem Tische hing das Bild des Heilandes in einfach vergoldetem Rahmen, und auf der anderen Seite zwei Köpfe, welche mit Bleistift auf gewöhnliches weißes Schreibpapier gezeichnet waren. Sie stammten von dem Köpfle-Franz und trugen in gotischen Buchstaben die Unterschrift "Karl" und "Marie". Die Frau war die einstige Magd auf dem Dukatenhofe und hatte zu ihrer Hochzeit ihr Bild und dasjenige ihres Bräutigams von dem Köpfle-Franz als Angebinde erhalten.
|
| Sie ließ plötzlich die Arbeit ruhen und horchte nach der Thüre. Ein Mann trat ein, der, das Alter abgerechnet, dem Bilde an der Wand auf's Haar ähnlich sah. "Gut'n Abend, Mutterle! Da bin ich schon! Heut' ist Sonnabend und da ist die Arbeit früher alle." "Gut'n Abend, Vater! Ich hab' net gedacht, daß Du schon jetzt zu Haus' sein wirst. Die Erdäpfeln sind noch net ganz fertig; aber sie werd'n gleich koch'n!"
| Sie ließ plötzlich die Arbeit ruhen und horchte nach der Thüre. Ein Mann trat ein, der, das Alter abgerechnet, dem Bilde an der Wand auf's Haar ähnlich sah. "Gut'n Abend, Mutterle! Da bin ich schon! Heut' ist Sonnabend und da ist die Arbeit früher zu Ende." "Gut'n Abend, Vater! Ich hab' nicht gedacht, daß Du schon jetzt zu Haus' sein wirst. Die Erdäpfeln sind noch nicht ganz fertig; aber sie werd'n gleich koch'n!"
| Sie ließ plötzlich die Arbeit ruhen und horchte nach der Türe. Ein Mann trat ein, der, das Alter abgerechnet, dem Bilde an der Wand aufs Haar ähnlich sah. Er grüßte freundlich: "Guten Abend, Mütterle! Da bin ich schon! Heute ist Sonnabend und da ist die Arbeit früher alle." "Guten Abend, Vater!" dankte sie. "Ich habe nicht gedacht, daß du schon jetzt zu Hause sein wirst. Die Erdäpfeln sind noch nicht ganz fertig; aber sie werden gleich kochen!"
|
| "Schad't nix! Ich schmauch derweil a wenig meine Pfeif'. Schon gut; ich bring' die Stiefeln schon ganz selber 'runter!" Sie leistete ihm beim Ausziehen Hilfe, legte einiges Holz im Ofen nach und kehrte dann zu ihrer Klöppelei zurück. Er hatte auf der Bank Platz genommen, stopfte sich mit behaglicher Bedächtigkeit die Pfeife und blies dann den Rauch des anspruchslosen Krautes mit einer Miene von sich, welche auf einen ganz außerordentlichen Genuß schließen ließ.
| "Schad't nix! Ich schmauch derweil a wenig meine Pfeif'. Schon gut; ich bring' die Stiefeln schon ganz selber 'runter!" Sie leistete ihm beim Ausziehen Hilfe, legte einiges Holz im Ofen nach und kehrte dann zu ihrer Klöppelei zurück. Er hatte auf der Bank Platz genommen, stopfte sich mit behaglicher Bedächtigkeit die Pfeife und blies dann den Rauch des anspruchslosen Krautes mit einer Miene von sich, welche auf einen ganz außerordentlichen Genuß schließen ließ.
| "Schadet nichts! Ich schmauche derweil ein wenig meine Pfeife. Schon gut; ich bring' die Stiefel schon ganz selber herunter!" Sie leistete ihm beim Ausziehen Hilfe, legte einiges Seite 214
Holz im Ofen nach und kehrte dann zu ihrer Klöppelei zurück. Er hatte auf der Bank Platz genommen, stopfte sich mit behaglicher Bedächtigkeit die Pfeife und blies dann den Rauch des anspruchslosen Krautes mit einer Miene von sich, welche auf einen ganz außerordentlichen Genuß schließen ließ.
|
| "Hast's schon gehört, Marie ?" frug er. "Was denn ?" "Hm! Ich sehe es schon, Du weißt noch nix, sonst hättest Du's in den fünf Minut'n, die ich hier bin, schon längst vom Herz'n 'runter."
| "Hast's schon gehört, Marie ?" frug er. "Was denn ?" "Hm! Ich sehe es schon, Du weißt noch nix, sonst hättest Du's in den fünf Minut'n, die ich hier bin, schon längst vom Herz'n 'runter."
| "Hast's schon gehört, Marie ?" fragte er. "Was denn ?" "Hm! Ich sehe es schon, du weißt noch nichts, sonst hättest du's in den fünf Minuten, die ich hier bin, schon längst vom Herzen 'runter."
|
Seite 141
"Ich bin heut' gar net in's Dorf gekommen, sondern blos bis hin zum Wassertrog. Was gibt es denn so grausam Neues ?""'S ist net blos eine, 's sind zwei Post'n, die ich bring', die eine vom Dukat'ngraf und die andere vom Pascherkönig. Denk' Dir nur, Mutter, der Dukatenbauer hat gestern Abend die Emma verspielt!"
| "Ich bin heut' gar nicht in's Dorf gekommen, sondern blos bis hin zum Wassertrog. Was gibt es denn so grausam Neues ?" "'S ist nicht blos eine, 's sind zwei Post'n, die ich bring', die eine vom Dukat'ngraf und die andere vom Pascherkönig. Denk' Dir nur, Mutter, der Dukatenbauer hat gestern Abend die Emma verspielt!"
| "Ich bin heute gar nicht ins Dorf gekommen, sondern bloß bis hin zum Wassertrog. Was gibt es denn so grausam Neues ?" "Es ist nicht bloß eine, es sind zwei Posten, die ich bringe, die eine vom Dukatengraf und die andere vom Pascherkönig. Denke dir nur, Mutter, der Dukatenbauer hat gestern Abend die Emma verspielt!"
|
| "Verspielt ?! Wie denn ? So 'was ist doch gar net möglich!" "Freilich ist's möglich! Er hat wieder 'mal mit dem Baron und dem Zettelkramer drob'n bei dem Bergwirthe gesess'n, und als das Geld alle gewes'n ist, dahaben sie erst um die neue Kutsch' und nachher um die letzte Ernte und endlich um die Emma gespielt."
| "Verspielt ?! Wie denn ? So 'was ist doch gar nicht möglich!" "Freilich ist's möglich! Er hat wieder 'mal mit dem Baron und dem Zettelkramer drob'n bei dem Bergwirthe gesess'n, und als das Geld alle gewes'n ist, dahaben sie erst um die neue Kutsch' und nachher um die letzte Ernte und endlich um die Emma gespielt."
| "Verspielt ?! Wie denn ? So was ist doch gar nicht möglich!" "Freilich ist's möglich! Er hat wieder mal mit dem Baron und dem Zettelkramer droben bei dem Bergwirte gesessen, und als das Geld alle gewesen ist, dahaben sie erst um die neue Kutsche und nachher um die letzte Ernte und endlich um die Emma gespielt."
|
| "Das ist doch fast gar net zu glaub'n! Es kann doch Niemand sein eigen Kind verspiel'n!" "Das kommt nur d'rauf an, wie's ausgemacht ist. Der Zettelkramer hat die Kutsch', der Bergwirth die Ernte und der Baron die Emma, die nun seine Frau werd'n muß." "Mein Gott, das arme Kind kann mich grad' dauern. Von so einem gotteslästerlichen Handel hat man doch noch niemals nix gehört! Ich bin nur begierig, wie lange der Heinrich es noch treib'n wird! Nun hat er doch geprahlt mit seiner Staatskaross'! Und die Ernte, die ganze, mühsame Ernte! Was er gehabt hat, das muß doch nun bald alle sein, und man möchte sich nur wundern, wo er's noch immer hernimmt!"
| "Das ist doch fast gar nicht zu glaub'n! Es kann doch Niemand sein eigen Kind verspiel'n!" "Das kommt nur d'rauf an, wie's ausgemacht ist. Der Zettelkramer hat die Kutsch', der Bergwirth die Ernte und der Baron die Emma, die nun seine Frau werd'n muß." "Mein Gott, das arme Kind kann mich grad' dauern. Von einem so gotteslästerlichen Handel hat man doch noch niemals nix gehört! Ich bin nur begierig, wie lange der Heinrich es noch treib'n wird! Nun hat er doch geprahlt mit seiner Staatskaross'! Und die Ernte, die ganze, mühsame Ernte! Was er gehabt hat, das muß doch nun bald vergeudet sein, und man möchte sich nur wundern, wo er's noch immer hernimmt!"
| "Das ist doch fast gar nicht zu glauben! Es kann doch niemand sein eigen Kind verspielen!" "Das kommt nur drauf an, wie's ausgemacht ist. Der Zettelkramer hat die Kutsche, der Bergwirt die Ernte und der Baron die Emma, die nun seine Frau werden muß." "Mein Gott, das arme Kind kann mich grad dauern. Von einem so gotteslästerlichen Handel hat Seite 215
man doch noch nie gehört! Ich bin nur begierig, wie lange der Heinrich es noch treiben wird! Nun hat er doch geprahlt mit seiner Staatskarosse! Und die Ernte, die ganze, mühsame Ernte! Was er gehabt hat, das muß doch nun bald alle sein, und man möchte sich nur wundern, wo er's noch immer hernimmt!"
|
| "Ja, man glaubt's aber auch net, was in so 'nem
Seite 142
Gute Alles steckt! Man soll Niemanden 'was Böses gönnen, aber wenn's mit Dem ein Ende nimmt, so hat er's selbst verschuldet und vielleicht auch verdient."
| "Ja, man glaubt's aber auch nicht, was in so 'nem Gute Alles steckt! Man soll Niemandem 'was Böses gönnen, aber wenn's mit Dem ein Ende nimmt, so hat er's selbst verschuldet und vielleicht auch verdient."
| "Ja, man glaubt's aber auch nicht, was in so einem Gute alles steckt! Man soll niemandem etwas Böses gönnen, aber wenn's mit dem ein Ende nimmt, so hat er's selbst verschuldet und vielleicht auch verdient."
|
| Sie nickte zustimmend und mit ernster werdendem Gesicht. Noch niemals war ein Wörtchen über ihre Lippen gekommen, aber sie wußte, daß an jenem für den Köpfle-Franz verhängnißvollen Abende der junge Bauer nicht mehr im Hause gewesen war, sie hatte ihn mit dem Gewehre fortgehen sehen, und doch war er gleich da gewesen, als das Unglück geschehen war. Damals hatte es eine schwere Zeit für sie gegeben; aber sie wollte jetzt nicht daran denken und frug darum:
| Sie nickte zustimmend und mit ernster werdendem Gesicht. Noch niemals war ein Wörtchen über ihre Lippen gekommen, aber sie wußte, daß an jenem für den Köpfle-Franz verhängnißvollen Abende der junge Bauer nicht mehr im Hause gewesen war, sie hatte ihn mit dem Gewehre fortgehen sehen, und doch war er gleich da gewesen, als das Unglück geschehen war. Damals hatte es eine schwere Zeit für sie gegeben; aber sie wollte jetzt nicht daran denken und frug darum:
| Sie nickte zustimmend und mit ernster werdendem Gesicht. Noch niemals war ein Wörtchen über ihre Lippen gekommen, aber sie wußte, daß an jenem für den Köpfle-Franz so verhängnißvollen Abende der junge Bauer nicht mehr im Hause gewesen war; sie hatte ihn mit dem Gewehre fortgehen sehen, und doch war er gleich da gewesen, als das Unglück geschehen war. Damals hatte es eine schwere Zeit für sie gegeben; aber sie wollte jetzt nicht daran denken und fragte dann:
|
| "Und die andere Neuigkeit ?" "Auf dem Pascherkönig seinen Kopf sind dreihundert Thaler Prämie gesetzt word'n. Denk Dir's nur, wenn man sich die verdienen könnt'!"
| "Und die andere Neuigkeit ?" "Auf dem Pascherkönig seinen Kopf sind drei- Seite 274
hundert Thaler Prämie gesetzt word'n. Denk Dir's nur, wenn man sich die verdienen könnt'!"
| "Und die andere Neuigkeit ?" "Auf dem Pascherkönig seinen Kopf sind dreihundert Taler Prämie gesetzt word'n. Denk' dir's nur, wenn man sich die verdienen könnte!"
|
| "Den fang'n sie net, sonst hätt'n sie ihn schon längst. Kein Mensch weiß, wer er eigentlich ist, net 'mal seine eig'nen Leut'. Er ist bald da, bald dort, hat niemals net dieselbige Figur, und - -" Sie wurde unterbrochen. Es klopfte laut an das Fenster und eine jugendlich frische Stimme rief: "Gut'n Abend, Vater, gut'n Abend, Mutterle!"
| "Den fang'n sie nicht, sonst hätt'n sie ihn schon längst. Kein Mensch weiß, wer er eigentlich ist, nicht 'mal seine eig'nen Leut'. Er ist bald da, bald dort, hat niemals nicht dieselbige Figur, und - -" Sie wurde unterbrochen. Es klopfte laut an das Fenster und eine jugendlich frische Stimme rief: "Gut'n Abend, Vater, gut'n Abend, Mutterle!"
| "Den fangen sie nicht, sonst hätten sie ihn schon längst. Kein Mensch weiß, wer er eigentlich ist, nicht mal seine eigenen Leute. Er ist bald da, bald dort, hat niemals dieselbe Figur, und - -" Sie wurde unterbrochen. Es klopfte laut an das Fenster, und eine jugendliche, frische Stimme rief: "Guten Abend, Vater; guten Abend, Mutterle!"
|
| "Der Wilhelm, der Wilhelm ist's!" riefen Beide auf das Freudigste überrascht, indem sie von ihren Sitzen aufsprangen und nach der Thüre eilten.
| "Der Wilhelm, der Wilhelm ist's!" riefen Beide auf das Freudigste überrascht, indem sie von ihren Sitzen aufsprangen und nach der Thüre eilten.
| "Der Wilhelm, der Wilhelm ist's!" riefen beide, auf das freudigste überrascht, indem sie von ihren Sitzen aufsprangen und nach der Türe eilten.
|
Dort trat ihnen der Unerwartete mit herzlichem Gruße entgegen. Er trug eine Soldatenuniform mit Unteroffiziersabzeichnung. Den Quersack, welchen er auf der Schulter Seite 143
gehabt hatte, bei Seite stellend, umarmte und küßte er die Eltern herzlich und meinte dann:"Net wahr, das kommt unverhofft ? Ich hatt' euch doch geschrieb'n, daß ich erst zu Weihnacht'n kommen darf!"
| Dort trat ihnen der Unerwartete mit herzlichem Gruße entgegen. Er trug eine Soldatenuniform mit Unteroffizierabzeichen. Den Quersack, welchen er auf der Schulter gehabt hatte, bei Seite stellend, umarmte und küßte er die Eltern herzlich und meinte dann:
|
Seite 216
Dort trat ihnen der Unerwartete mit herzlichem Gruße entgegen. Er trug eine Soldatenuniform mit Unteroffiziersabzeichnung. Den Quersack, welchen er auf der Schulter gehabt hatte, beiseite stellend, umarmte und küßte er die Eltern herzlich und meinte dann: "Nicht wahr, das kommt unverhofft ? Ich hatte euch doch geschrieben, daß ich erst zu Weihnachten kommen darf!"
|
|
"Freilich! Hast wohl Urlaub ?" "Hm, so halb und halb; aber das darf ich euch nur heimlich sag'n!" Er schob sie auf ihre Sitze zurück, zog sich selbst einen Stuhl herbei, sah sich vorsichtig in der Stube um und berichtete dann mit gedämpfter Stimme: "Ich soll den Schmugglerkönig fang'n!" "Den Schmugglerkönig ? Du ?"
| "Freilich! Hast wohl Urlaub ?" "Hm, so halb und halb; aber das darf ich euch nur heimlich sag'n!" Er schob sie auf ihre Sitze zurück, zog sich selbst einen Stuhl herbei, sah sich vorsichtig in der Stube um und berichtete dann mit gedämpfter Stimme: "Ich soll den Schmugglerkönig fang'n!" "Den Schmugglerkönig ? Du ?"
| "Freilich! Hast wohl Urlaub ?" "Hm, so halb und halb; aber das darf ich euch nur heimlich sag'n!" Er schob sie auf ihre Sitze zurück, zog sich selbst einen Stuhl herbei, sah sich vorsichtig in der Stube um und berichtete dann mit gedämpfter Stimme: "Ich soll den Schmugglerkönig fangen!" "Den Schmugglerkönig ? Du ?" fragte sein Vater erstaunt.
|
| "Ja, ich!" "Das klingt absonderlich! Wie kommst denn Du dazu ?" "Das ist nämlich so gewes'n: Es ist seit Menschengedenk'n hier an der Grenz' noch gar net so zugegang'n wie jetzt; die Schwärzer treib'n ihr Geschäft ja ganz in's Große und so öffentlich, als hätte ihnen kein Mensch 'was dageg'n zu sag'n. D'rum hat der König wieder Militär hergelegt, grad' wie damals vor vielen Jahr'n, wo der Path' den Lieutenant erschossen hab'n soll. Aber das hat nix geholf'n, weil die Packläufer einen Hauptmann hab'n, der gescheidter ist als die Beamt'n und Soldat'n alle mit 'nander. Der bringt ein Abenteuer nach dem andern fertig; in allen Blättern und Schrift'n wird über ihn geles'n, und ich glaub', er liest's auch selber mit! Jetzt haben sie gar einen Preis auf seinen Kopf gesetzt; aber ich hab' gemeint, das hilft auch nix, denn das Militär kennt die Gegend net und mit den Aufsehern ist's fast ebenso. Da muß Seite 144
Einer her, der alle Schlich' und Wege genau weiß und ihnen aufpaßt, ohne daß sie's ahnen. Das hab' ich 'mal gesagt, und der Herr Hauptmann hat's erfahr'n. Dem sein Bruder ist im Ministerium; und so ist's von Einem zum Anderen gegang'n, bis ich plötzlich zum Oberst muß. Der hat mir Urlaub auf unbestimmte Zeit gegeb'n und ein Schreib'n, welches ich hier beim Amte und beim Grenzkommandanten vorzuzeig'n hab'. Nun zieh' ich die Montur aus und geh' spazier'n; kein Mensch wird denk'n, weßhalb ich eigentlich zu Haus' bin, und wenn das Glück gut geht, will ich den König schon erwisch'n. Seht her!"
| "Ja, ich!" "Das klingt absonderlich! Wie kommst denn Du dazu ?" "Das ist nämlich so gewes'n: Es ist seit Menschengedenk'n hier an der Grenz' noch gar nicht so zugegang'n wie jetzt; die Schwärzer treib'n ihr Geschäft ja ganz in's Große und so öffentlich, als hätte ihnen kein Mensch 'was dageg'n zu sag'n. D'rum hat der König wieder Militär hergelegt, grad' wie damals vor vielen Jahr'n, wo der Path' den Lieutenant erschossen hab'n soll. Aber das hat nix geholf'n, weil die Packläufer einen Hauptmann hab'n, der gescheidter ist als die Beamt'n und Soldat'n alle mit 'nander. Der bringt ein Abenteuer nach dem andern fertig; in allen Blättern und Schrift'n wird über ihn geles'n, und ich glaub', er liest's auch selber mit! Jetzt haben sie gar einen Preis auf seinen Kopf gesetzt; aber ich hab' gemeint, das hilft auch nix, denn das Militär kennt die Gegend nicht und mit den Aufsehern ist's fast ebenso. Da muß Einer her, der alle Schlich' und Wege genau weiß und ihnen aufpaßt, ohne daß sie's ahnen. Das hab' ich 'mal gesagt, und der Herr Hauptmann hat's erfahr'n. Dem sein Bruder ist im Ministerium; und so ist's von Einem zum Anderen gegangen, bis ich plötzlich zum Oberst muß. Der hat mir Urlaub auf unbestimmte Zeit gegeb'n und ein Schreib'n, welches ich hier beim Amte und beim Grenzkommandanten vorzuzeig'n hab'. Nun zieh' ich die Montur aus und geh' spazier'n; kein Mensch wird denk'n, weßhalb ich eigentlich zu Haus' bin, und wenn das Glück gut geht, will ich den König schon erwisch'n. Seht her!"
| "Ja, ich!" "Das klingt absonderlich! Wie kommst denn du dazu ?" "Das ist nämlich so gewes'n: Es ist seit Menschengedenken hier an der Grenze noch gar nicht so zugegangen wie jetzt; die Schwärzer treiben ihr Geschäft ja ganz ins große und so öffentlich, als hätte ihnen kein Mensch was dagegen zu sagen. Drum hat der König wieder Militär hergelegt, grad' wie damals vor vielen Jahren, wo der Pate den Leutnant erschossen haben soll. Aber das hat nichts geholfen, weil die Packläufer einen Hauptmann haben, der gescheiter ist als die Beamten und Soldaten alle miteinander; der bringt ein Abenteuer nach dem andern fertig; in allen Blättern und Schriften wird über ihn gelesen, und ich glaube, er liest's auch selber mit! Jetzt haben sie gar einen Preis auf seinen Seite 217
Kopf gesetzt; aber ich habe gemeint, das hilft auch nichts, denn das Militär kennt die Gegend nicht, und mit den Aufsehern ist's fast ebenso. Da muß einer her, der alle Schliche und Wege genau weiß und ihnen aufpaßt, ohne daß sie's ahnen. Das hab' ich mal gesagt, und der Herr Hauptmann hat's erfahren. Denn sein Bruder ist im Ministerium, und so ist's von einem zum anderen gegangen, bis ich plötzlich zum Oberst mußte. Der hat mir Urlaub auf unbestimmte Zeit gegeben und ein Schreiben, welches ich hier beim Amte und beim Grenzkommandanten vorzuzeigen habe. Nun ziehe ich die Montur aus und gehe spazieren; kein Mensch wird denken, weshalb ich eigentlich zu Haus bin, und wenn das Glück gut geht, will ich den König schon erwischen. Seht her!"
|
| Er öffnete den Quersack und zog zwei Revolver aus demselben hervor. "Die hab' ich mit bekommen, weil ich kein Seit'ngewehr und keine Flint' trag'n darf. Es ist mir auch verbot'n, mich mit einem Grenzer oder Soldat'n seh'n zu lass'n, weil die Schwärzer sonst Verdacht bekommen könnt'n." Sie Mutter sah zwar mit besorgtem, aber auch stolzem Auge auf ihren Sohn. Sie wußte, daß seine Vorgesetzten sehr viel auf ihn hielten, und wenn sie auch erkannte, daß ein Vorhaben wie das seinige ihn in große Gefahren bringen könne, so fühlte sie sich doch gehoben durch die Ehre, welche in dem ihm gewordenen Auftrage für ihn lag. Der Vater aber schüttelte bedenklich den Kopf.
| Er öffnete den Quersack und zog zwei Revolver aus demselben hervor. "Die hab' ich mit bekommen, weil ich kein Seit'ngewehr und keine Flint' trag'n darf. Es ist mir auch verbot'n, mich mit einem Grenzer oder Soldat'n seh'n zu lass'n, weil die Schwärzer sonst Verdacht bekommen könnt'n." Sie Mutter sah zwar mit besorgtem, aber auch stolzem Auge auf ihren Sohn. Sie wußte, daß seine Vorgesetzten sehr viel auf ihn hielten, und wenn sie auch erkannte, daß ein Vorhaben wie das seinige ihn in große Gefahren bringen könne, so fühlte sie sich doch gehoben durch die Ehre, welche in dem ihm gewordenen Auftrage für ihn lag. Der Vater aber schüttelte bedenklich den Kopf.
| Er öffnete den Quersack und zog zwei Revolver aus demselben hervor. "Die hab' ich mitbekommen, weil ich kein Seitengewehr und keine Flinte tragen darf. Es ist mir auch verboten, mich mit einem Grenzer oder Soldaten sehen zu lassen, weil die Schwärzer sonst Verdacht bekommen könnten." Sie Mutter sah zwar mit besorgtem, aber auch stolzem Auge auf ihren Sohn. Sie wußte, daß seine Vorgesetzten sehr viel auf ihn hielten, und wenn sie auch erkannte, daß ein Vorhaben wie das seinige ihn in große Gefahren bringen könne, so fühlte sie sich doch gehoben durch die Ehre, welche in dem ihm gewordenen Auftrage für ihn lag. Der Vater aber schüttelte bedenklich den Kopf und sprach:
|
| "Du bist mir zu Haus' willkommen, Wilhelm, aber stell' Dir die Sach' nur net leichter vor, als sie ist. Wenn es herauskommt, was Du willst, so kann Dir's sehr leicht an den Krag'n gehn. Ich glaub' auf zehn Leut' ist jetzt hier bei uns Einer zu rechnen, der den stillen Handel treibt,
Seite 145
und Du machst Dir auf Lebenszeit die ganze Gegend zum Feind!"
| "Du bist mir zu Haus' willkommen, Wilhelm, aber stell' Dir die Sach' nur nicht leichter vor, als sie ist. Wenn es herauskommt, was Du willst, so kann Dir's sehr leicht an den Krag'n gehn. Ich glaub', auf zehn Leut' ist jetzt hier bei uns Einer zu rechnen, der den stillen Handel treibt, und Du machst Dir auf Lebenszeit die ganze Gegend zum Feind!"
| "Du bist mir zu Haus willkommen, Wilhelm, aber stelle dir die Sachenur nicht leichter vor, als sie ist. Wenn es herauskommt, was du willst, so kann dir's
Seite 218
sehr leicht an den Kragen gehen. Ich glaube, auf zehn Leute ist jetzt hier bei uns einer zu rechnen, der den stillen Handel treibt, und du machst dir auf Lebenszeit die ganze Gegend zum Feind!"
|
| "Laß nur geh'n, Vater. Ich werd' die Sach' schon so andreh'n, daß Niemand nix vermuthet. Und an die dreihundert Thaler mußt Du doch auch 'mal denk'n!"
| "Laß nur geh'n, Vater. Ich werd' die Sach' schon so andreh'n, daß Niemand nix vermuthet. Und an die dreihundert Thaler mußt Du doch auch 'mal denk'n!"
| "Laß nur gehen, Vater. Ich werde die Sache schon so andrehen, daß niemand etwas vermutet. Und an die dreihundert Taler mußt du doch auch mal denken!"
|
| "Das schon!"er. "Es wär' ganz hübsch, wenn die hier auf den Tisch zu lieg'n kämen, aber das wird wohl seine gute Weile hab'n. Die Dich herschick'n, sind ganz gewiß sehr kluge Herrn, aber wie's hier zugeht, das wiss'n sie doch so richtig net. Denk' Dir nur, wie's vorige Woch' gewes'n ist! Da droben an der Mauth gibt's mitt'n in der Nacht auf aanmal ein Getrappel; die Wach' kommt 'raus und sieht acht Reiter vor dem Hause halt'n, mit Gewehren in der Hand und die Pferd' mit hohen Pack'n belad'n." " 'was Verzollbares ?" fragt der Offizier. "Ja," antwortet der Vorderste. "Was denn ?" "Für fünftausend Thaler feine Waar'; aber krieg'n thut Ihr nix dafür als blos die Ehr', mit dem Pascherkönig geredet zu hab'n!" Und wie er das sagt, da lacht er laut und galopirt mit den Andern davon, daß die Funken flieg'n. Der Offizier hat den Mund aufgeriss'n und sich halb todt geärgert. Und am andern Morgen früh, da fehl'n hier im Dorf acht Pferde, bei dem Dukatengraf'n zwei, beim Richter zwei und die andern bei vier kleinen Bauern. Die hab'n sie heimlich aus den Ställen gezog'n und drüb'n im Kaiserlichen noch gleich am andern Tage verkauft, wie sich herausgestellt hat. Dein Path', der Seite 146
Köpfle-Franz, hat die Schul' für Dich bezahlt, so daß Du schon 'was gelernt hast, Wilhelm; Du bist kein dummer Kerle, aber den König, den fängst Du mir schon net!"
| "Das schon!"er. "Es wär' ganz hübsch, wenn die hier auf den Tisch zu lieg'n kämen, aber das wird wohl seine gute Weile hab'n. Die Dich herschick'n, sind ganz gewiß sehr kluge Herrn, aber wie's hier zugeht, das wiss'n sie doch so richtig nicht. Denk' Dir nur, wie's vorige Woch' gewes'n ist! Da droben an der Mauth gibt's mitt'n in der Nacht auf einmal ein Getrappel; die Wach' kommt 'raus und sieht acht Reiter vor dem Hause halt'n, mit Gewehren in der Hand und die Pferd' mit hoh'n Pack'n belad'n." " 'was Verzollbares ?" fragt der Offizier. "Ja," antwortet der Vorderste. "Was denn ?" "Für fünftausend Thaler feine Waar'; aber krieg'n thut Ihr nix dafür als blos die Ehr', mit dem Pascherkönig geredet zu hab'n!" Und wie er das sagt, da lacht er laut und galopirt mit den Andern davon, daß die Funken flieg'n. Der Offizier hat den Mund aufgeriss'n und sich halb todt geärgert. Und am andern Morgen früh, da fehl'n hier im Dorf acht Pferde, bei dem Dukatengraf'n zwei, beim Richter zwei und die andern bei vier kleinen Bauern. Die hab'n sie heimlich aus den Ställen gezog'n und drüb'n im Kaiserlichen noch gleich am anderen Tage verkauft, wie sich herausgestellt hat. - Dein Path', der Köpfle-Franz, hat die Schul' für Dich bezahlt, so daß Du schon 'was gelernt hast, Wilhelm; Du bist kein dummer Kerle, aber den König, den fängst Du mir schon nicht!"
| "Das schon!"er. "Es wäre ganz hübsch, wenn die hier auf den Tisch zu liegen kämen, aber das wird wohl seine gute Weile haben. Die dich herschicken, sind ganz gewiß sehr kluge Herren, aber wie's hier zugeht, das wissen sie doch so richtig nicht. Denke dir nur, wie's vorige Woche gewesen ist! Da droben an der Maut gibt's mitten in der Nacht auf einmal ein Getrappel; die Wache kommt heraus und sieht acht Reiter vor dem Hause halten, mit Gewehren in der Hand und die Pferde mit hohen Packen beladen. 'Was Verzollbares ?' fragt der Offizier. 'Ja,' antwortet der Vorderste. 'Was denn ?' 'Für fünftausend Taler feine Ware; aber kriegen tut Ihr nichts dafür als bloß die Ehre, mit dem Pascherkönig geredet zu haben!" Und wie er das sagt, da lacht er laut und galoppiert mit den Andern davon, daß die Funken fliegen. Der Offizier hat den Mund aufgerissen und sich halbtot geärgert. Und am anderen Morgen da fehlen hier im Dorf acht Pferde, bei dem Dukatengrafen zwei, beim Richter zwei und die anderen bei vier kleinen Bauern. Die haben sie heimlich aus den Ställen gezogen und drüben im Kaiserlichen noch gleich am anderen Tage verkauft, wie sich herausgestellt hat. Solche Dinge werden jetzt gewagt. "Dein Pate, der Köpfle-Franz, hat die Schule für dich bezahlt, so daß du schon was gelernt hast, Wilhelm; Seite 219
du bist kein dummer Kerl; aber den König, den fängst du mir schon nicht!"
|
| "Wart's ab, Vater! Es ist mir doch auch gar keine Schand', wenn es mir net gelingt. Weißt Du 'was ? Ich werd' den Path' um Rath frag'n. Den halt'n die Leut' für dumm und net klug im Kopfe; aber er ist gescheidter als sie Alle mit 'nander." "Thu's! Man sagt ja, daß er früher auch mit über die Grenz' gegangen sei; vielleicht kann er Dir auf den richtigen Sprung helf'n." "Ist er denn jetzt daheim ?" | "Wart's ab, Vater! Es ist mir doch auch gar keine Schand', wenn es mir nicht gelingt. Weißt Du 'was ? Ich werd' den Path' um Rath frag'n. Den halt'n die Leut' für dumm und nicht klug im Kopfe; aber er ist gescheidter als sie Alle mit 'nander." "Thu's! Man sagt ja, daß er früher auch mit über die Grenz' gegangen sei; vielleicht kann er Dir auf den richtigen Sprung helf'n." "Ist er denn jetzt daheim ?" | "Wart's ab, Vater! Es ist mir doch auch gar keine Schande, wenn es mir nicht gelingt. Weißt Du was ? Ich werde den Paten um Rat fragen. Den halten die Leute für dumm und nicht klug im Kopfe; aber er ist gescheiter als sie alle mit'nander." "Tu's! Man sagt ja, daß er früher auch mit über die Grenze gegangen sei; vielleicht kann er dir auf den richtigen Sprung helfen." "Ist er denn jetzt daheim ?" |
| "Ja," antwortete die Mutter. "Geseh'n hab' ich ihn zwar noch net, aber ich weiß, daß er da ist. Zum heutigen Tag' bleibt er niemals auß'n, denn da jährt sich's grad', daß sie ihn da drauß'n im Walde bei dem Lieutenant gefangen hab'n. Was er da zu Haus' vernimmt, das hat noch Niemand geseh'n; ich selber bin einige Mal' an seinem Laden gewes'n, aber er hat kein Licht in der Stub' gehabt. Vielleicht findst Du ihn um Zehn da unt'n beim Dukat'nhof." "Ich werde nachschau'n. Aber sag', Mutter, warum kauert er denn eigentlich die wenigen Tag', die er im Dorfe ist, grad' stets Punkt zehn Uhr Abends dort unter den alt'n Bäumen ?"
| "Ja," antwortete die Mutter. "Geseh'n hab' ich ihn zwar noch nicht, aber ich weiß, daß er da ist. Zum heutigen Tag' bleibt er niemals auß'n, denn da jährt sich's grad', daß sie ihn da drauß'n im Walde bei dem Lieutenant gefangen hab'n. Was er da zu Haus' vornimmt, das hat noch Niemand geseh'n; ich selber bin einige Mal' an seinem Laden gewes'n, aber er hat kein Licht in der Stub' gehabt. Vielleicht findst Du ihn um Zehn da unt'n beim Dukat'nhof." "Ich werde nachschau'n. Aber sag', Mutter, warum kauert er denn eigentlich die wenigen Tag', die er im Dorfe ist, grad' stets Punkt zehn Uhr Abends dort unter den alt'n Bäumen ?"
| "Ja," antwortete die Mutter. "Gesehen habe ich ihn zwar noch nicht, aber ich weiß, daß er da ist. Zum heutigen Tage bleibt er niemals außen, denn da jährt sich's grad, daß sie ihn da draußen im Walde bei dem Leutnant gefangen haben. Was er da zu Haus vornimmt, das hat noch niemand gesehen; ich selber bin einigemal an seinem Laden gewesen, aber er hat kein Licht in der Stube gehabt. Vielleicht findst Du ihn um zehn Uhr da unten beim Dukatenhof." "Ich werde nachschauen. Aber sage, Mutter, warum kauert er denn eigentlich die wenigen Tage, die er im Dorfe ist, grad stets Punkt zehn Uhr abends dort unter den alten Bäumen ?"
|
| "Das kann ich auch net sag'n. Der Dukat'ngraf hat's net leiden woll'n und gar 'mal Anzeig' bei dem Richter gemacht; aber er hat nix ausrichten können, weil dem Franz nix Unrechtes nachzuweis'n war."
| "Das kann ich auch nicht sag'n. Der Dukat'ngraf hat's nicht leiden woll'n und gar 'mal Anzeig' bei dem Richter gemacht; aber er hat nix ausrichten können, weil dem Franz nix Unrechtes nachzuweis'n war."
| "Das kann ich auch nicht sagen. Der Dukatengraf hat's nicht leiden wollen und gar mal Anzeige bei dem Richter gemacht; aber er hat nichts ausrichten können, weil dem Franz nichts Unrechtes nachzuweisen war."
|
| "Wie geht's denn mit dem Bauer ?"
| "Wie geht's denn mit dem Bauer ?"
| "Wie geht's denn mit dem Bauer ?"
|
Seite 147
"Immer weiter bergunter. Denk' Dir nur, gestern hat er sogar die Emma verspielt!""Die Emma ? Wie meint Ihr das; wie ist das zugegang'n ?"
| "Immer weiter bergunter. Denk' Dir nur, gestern hat er sogar die Emma verspielt!" "Die Emma ? Wie meint Ihr das; wie ist das zugegang'n ?"
| "Immer weiter bergunter. Denke dir nur, gestern hat er sogar die Emma verspielt!" "Die Emma ? Wie meint ihr das; wie ist das zugegangen ?"
Seite 220
"Sie muß den Baron heiraten; der hat sie gewonnen."
|
| "Der Baron ?" Er sprang vom Stuhle auf und blickte die Sprecherin erschrocken an. "Ja, der Baron. Der hat ihm schon manch' schönen Thaler aus der Tasch' gezog'n und nimmt ihm nun auch noch die Tochter weg, damit er 'mal gleich den ganz'n Hof bekommt." "Nein, der nimmt sie net weg, das weiß ich besser! Er thut nur so, als wollt' er sie hab'n, damit er dem Bauer desto tiefer in den Kasten greif'n kann. Kein Mensch kennt ihn; Niemand weiß, wo er eigentlich herstammt; er verführt die Bauern und schlachtet nachher die Güter aus, und der Zettelkramer, der Agent, der den Leut'n seine schlecht'n Aktien aufbindet und dann in's Fäustchen lacht, der hilft ihm dabei. Und der Bergwirth, der ist der Dritt' im Bunde. Er hat erst nix gehabt, gar nix, und jetzt spielt er den groß'n Mann, natürlich nur mit fremdem Gelde, welches ihm beim Spiel immer nur grad' in die Hände läuft. Ich glaub', er weiß auch mehr als mancher Andere von der Schwärzerei!"
| "Der Baron ?" Er sprang vom Stuhle auf und blickte die Sprecherin erschrocken an. "Ja, der Baron. Der hat ihm schon manch' schönen Thaler aus der Tasch' gezog'n und nimmt ihm nun auch noch die Tochter weg, damit er 'mal gleich den ganz'n Hof bekommt." "Nein, der nimmt sie nicht weg, das weiß ich besser! Er thut nur so, als wollt' er sie hab'n, damit er dem Bauer desto tiefer in den Kasten greif'n kann. Kein Mensch kennt ihn; Niemand weiß, wo er eigentlich herstammt; er verführt die Bauern und schlachtet nachher die Güter aus, und der Zettelkramer, der Agent, der den Leut'n seine schlecht'n Aktien aufbindet und sich dann in's Fäustchen lacht, der hilft ihm dabei. Und der Bergwirth, der ist der Dritt' im Bunde. Er hat erst nix gehabt, gar nix, und jetzt spielt er den groß'n Mann, natürlich nur mit fremdem Gelde, welches ihm beim Spiel immer nur grad' in die Hände läuft. Ich glaub', er weiß auch mehr als mancher Andere von der Schwärzerei!"
| "Der Baron ?" Er sprang vom Stuhle auf und blickte die Sprecherin erschrocken an. "Ja, der Baron. Der hat ihm schon manch schönen Taler aus der Tasche gezogen und nimmt ihm nun auch noch die Tochter weg, damit er mal gleich den ganzen Hof bekommt." "Nein, der nimmt sie nicht weg, das weiß ich besser! Er tut nur so, als wollte er sie haben, damit er dem Bauer desto tiefer in den Kasten greifen kann. Kein Mensch kennt ihn; niemand weiß, wo er eigentlich herstammt; er verführt die Bauern und schlachtet nachher die Güter aus, und der Zettelkramer, der Agent, der den Leuten seine schlechten Aktien aufbindet und dann ins Fäustchen lacht, der hilft ihm dabei. Und der Bergwirt, der ist der dritte im Bunde. Er hat erst nichts gehabt, gar nichts, und jetzt spielt er den großen Mann, natürlich nur mit fremdem Gelde, welches ihm beim Spiel immer nur grad in die Hände läuft. Ich glaube, er weiß auch mehr als mancher andere von der Schwärzerei!"
|
| "Das sag'n sie Alle im Dorf! Und noch Eins: Kein Anderer ist der Schmugglerkönig als der Baron. Das ist ein schlimmer Gesell und man kann es ihm schon zutrau'n." | "Das sag'n sie alle im Dorf! Und noch Eins: Kein Anderer ist der Schmugglerkönig als der Baron. Das ist ein schlimmer Gesell, und man kann es ihm schon zutrau'n." | "Das sagen sie alle im Dorf. Und noch eins: Kein anderer ist der Schmugglerkönig als der Baron. Das ist ein schlimmer Gesell, und man kann es ihm schon zutrauen." |
| "Da soll er sich nur in Acht nehm'n vor mir. Und
Seite 148
die Emma, die bekommt er net, dafür werd' ich schon sorg'n. Ich will gleich 'mal mit ihr red'n!"
| "Da soll er sich nur in Acht nehm'n vor mir. Und die Emma, die bekommt er nicht, dafür werd' ich schon sorg'n. Ich will gleich 'mal mit ihr red'n!"
| "Da soll er sich nur in acht nehmen vor mir. Und die Emma bekommt er nicht, dafür werde ich schon sorgen. Ich will gleich mal mit ihr reden!"
|
| Er befand sich in einer Aufregung, für welche den Eltern die Erklärung mangelte, und noch ehe sie ihn weiter fragen oder am Gehen hindern konnten, hatte er die abgelegte Mütze wieder ergriffen und war verschwunden.
| Er befand sich in einer Aufregung, für welche den Eltern die Erklärung mangelte, und noch ehe sie ihn weiter fragen oder am Gehen hindern konnten, hatte er die abgelegte Mütze wieder ergriffen und war verschwunden.
| Er befand sich in einer Aufregung, für welche den Eltern die Erklärung mangelte, und noch ehe sie ihn weiter fragen oder am Gehen hindern konnten, hatte
Seite 221
er die abgelegte Mütze wieder ergriffen und war verschwunden.
|
| Raschen Schrittes durcheilte er das Dorf und beachtete die ihm Begegnenden so wenig, daß er auch das Mädchen nicht bemerkte, welche, mit einem gefüllten Kruge in der Hand, aus dem Gasthofe trat und überrascht stehen blieb, als er an ihr vorüber ging.
| Raschen Schrittes durcheilte er das Dorf und beachtete die ihm Begegnenden so wenig, daß er auch das Mädchen nicht bemerkte, welches, mit einem gefüllten Kruge in der Hand, aus dem Gasthofe trat und überrascht stehen blieb, als er an ihr vorüber ging.
| Raschen Schrittes durcheilte er das Dorf und beachtete die ihm Begegnenden so wenig, daß er auch das Mädchen nicht bemerkte, welches mit einem gefüllten Kruge in der Hand aus dem Gasthofe trat und überrascht stehen blieb, als er an ihr vorüber ging.
|
| "Wilhelm, bist Du's ?" rief sie ihm nach. Bei dem Klange dieser Stimme hemmte er sofort seinen Lauf. "Emma! Schau, wie gut sich das trifft! Ich wollt' zu Dir."
| "Wilhelm, bist Du's ?" rief sie ihm nach. Bei dem Klange dieser Stimme hemmte er sofort seinen Lauf. "Emma! Schau, wie gut sich das trifft! Ich wollt' zu Dir."
| "Wilhelm, bist Du's ?" rief sie ihm nach. Bei dem Klange dieser Stimme hemmte er sofort seinen Lauf. "Emma! Schau, wie gut sich das trifft! Ich wollte zu dir," sagte er
|
| "Ich dacht' schon, Du kennst mich net und willst gar nix mehr von mir wiss'n, weil Du mich net hast ansehen woll'n. Grüß Gott, Wilhelm!" Sie rechte ihm die freie Hand. Er erfaßte diese, zog das Mädchen ansich und drückte einen innigen Kuß auf ihre Lippen.
| "Ich dacht' schon, Du kennst mich nicht und willst gar nix mehr von mir wiss'n, weil Du mich nicht hast ansehen woll'n. Grüß Gott, Wilhelm!" Sie rechte ihm die freie Hand. Er erfaßte diese, zog das Mädchen ansich und drückte einen innigen Kuß auf ihre Lippen.
| "Ich dachte schon, du kennst mich nicht und willst gar nichts mehr von mir wissen, weil du mich nicht hast ansehen wollen. Grüß Gott, Wilhelm!" Sie rechte ihm die freie Hand und fragte dabei:
|
| "Dank schön, Emma! Wie kannst Du nur denk'n, daß ich Dich net mehr kennen mag; Du bist mir doch das Best' und Liebste, was ich hab', und ich freu' mich wie ein Kaiser, daß ich wieder 'mal kann bei Dir sein!"
| "Dank schön, Emma! Wie kannst Du nur denk'n, daß ich Dich nicht mehr kennen mag; Du bist mir doch das Best' und Liebste, was ich hab', und ich freu' mich wie ein Kaiser, daß ich wieder 'mal kann bei Dir sein!"
| |
| "Hast wohl Urlaub ?" "Ja. Ich bin erst seit einer Viertelstund zu Haus'." "Wie lange ?"
| "Hast wohl Urlaub ?" "Ja. Ich bin erst seit einer Viertelstund' zu Haus'." "Auf wie lange ?"
| "Hast wohl Urlaub ?" "Ja. Ich bin erst seit einer Viertelstunde zu Hause." "Wie lange bleibst du hier ?"
|
Seite 149
"Das weiß ich net. Bei uns heißt's, bis auf Ordre. Hast Bier geholt ?""Ja, zum Abendbrod. Sie wart'n schon und ich muß mich sput'n. Geh derweil in den Gart'n; ich werd' net lange aus sein!"
| "Das weiß ich nicht. Bei uns heißt's, bis auf Ordre. Hast Bier geholt ?" "Ja, zum Abendbrod. Sie wart'n schon und ich muß mich sput'n. Geh derweil in den Gart'n; ich werd' nicht lange ausbleiben!"
| "Das weiß ich nicht. Bei uns heißt's bis auf Ordre. Hast Bier geholt ?" "Ja, zum Abendbrot. Sie warten schon und ich muß mich sputen. Geh du derweil in den Garten; ich werde nicht lange aus sein!"
|
| "Gut; aber sag mir erst, was das ist mit dem Baron! Die Mutter hat mir's gleich erzählt, und da hab' ich es net aushalt'n können und bin sofort nach dem Dukat'nhof gelauf'n." "Hör', Wilhelm, diese Sach' ist net gut vom Vater. Ich hab heut' gar viel geweint und ihm schöne Wort' gegeb'n, aber es will nix helf'n. Auf morg'n über acht Tag' soll die Verlobung sein."
| "Gut; aber sag mir erst, was das ist mit dem Baron! Die Mutter hat mir's gleich erzählt, und da hab' ich es nicht aushalt'n können und bin sofort nach dem Dukat'nhof gelauf'n." "Hör', Wilhelm, diese Sach' ist nicht gut vom Vater. Ich hab heut' gar viel geweint und ihm schöne Wort' gegeb'n, aber es will nix helf'n. Auf morg'n über acht Tag' soll die Verlobung sein."
| "Gut; aber sag' mir erst, was das ist mit dem Baron! Die Mutter hat mir's gleich erzählt, und da habe ich es nicht aushalten können und bin sofort nach dem Dukatenhof gelaufen." "Höre, Wilhelm, diese Sache ist nicht gut vom Vater. Ich habe heut' gar viel geweint und ihm schöne Worte gegeben, aber es will nichts helfen. Auf morgen über acht Tage soll die Verlobung sein."
Seite 222
"So!" antwortete er. "Und du wirst dann ja sagen ?"
|
| "Sprich net in dieser Weis', Wilhelm! Du weißt, wie lieb ich Dich hab', und es ist gut, daß Du da bist, sonst hätt' ich gar net gewußt, was ich vor Angst und Bange thun soll. Nun aber können wir uns bered'n, und was Du mir sagst, das werd' ich mach'n, denn den Baron, den kann ich net leid'n, und seine Frau mag ich erst recht net werd'n."
| "Sprich nicht in dieser Weis', Wilhelm! Du weißt, wie lieb ich Dich hab', und es ist gut, daß Du da bist, sonst hätt' ich gar nicht gewußt, was ich vor Angst und Bange thun soll. Nun aber können wir uns bered'n, und was Du mir sagst, das werd' ich mach'n, denn den Baron, den kann ich nicht leid'n, und seine Frau mag ich erst recht nicht werd'n."
| "Sprich nicht in dieser Weise, Wilhelm! Du weißt, wie lieb ich dich habe, und es ist gut, daß du da bist, sonst hätte ich gar nicht gewußt, was ich vor Angst und Bange tun soll. Nun aber können wir uns bereden, und was du mir sagst, das werde ich machen, denn den Baron, den kann ich nicht leiden, und seine Frau mag ich erst recht nicht werden."
|
| Sie hatten den Hof erreicht. Er zog sie wieder an sich und strich ihr liebkosend über das volle, weiche Haar.
| Sie hatten den Hof erreicht. Er zog sie wieder
Seite 275
an sich und strich ihr liebkosend über das volle, weiche Haar.
| Sie hatten den Hof erreicht. Da gab Wilhelm ihr die Hand und sagte:
|
| "Du bist doch mein Herzensschatz, grad' so wie früher noch, und sollst's auch nimmer bereu'n, daß Du mich lieb hast! Der Leut'betrüger soll mit Dir gar nix zu schaffen hab'n, und ich werd' schon noch 'was find'n, wie ich ihm an den Krag'n komm'. Aber jetzt geh' nur hinein! Ich werd' im Garten wart'n."
| "Du bist doch mein Herzensschatz, grad' so wie früher noch, und sollst's auch nimmer bereu'n, daß Du mich lieb hast! Der Leut'betrüger soll mit Dir gar nix zu schaffen hab'n, und ich werd' schon noch 'was find'n, wie ich ihm an den Krag'n komm'. Aber jetzt geh' nur hinein! Ich werd' im Garten wart'n."
| "Du bist grad' so wie früher noch, und sollst's auch nimmer bereu'n. Der Leutebetrüger soll mit Dir gar nichts zu schaffen haben, und ich werde schon noch was finden, wie ich ihm an den Kragen komme. Aber jetzt geh nur hinein! Ich werde im Garten warten."
|
Seite 150
Sie trennten sich. Er ging den Zaun entlang, sprang über denselben dann weg und legte sich trotz der schon ziemlich strengen Jahreszeit unter den weitgreifenden Ästen eines dickstämmigen Nußbaums nieder.
| Sie trennten sich. Er ging den Zaun entlang, sprang dann über denselben weg und legte sich trotz der schon ziemlich strengen Jahreszeit unter den weitgreifenden Ästen eines dickstämmigen Nußbaums nieder.
| Sie trennten sich. Er ging den Zaun entlang, sprang über denselben weg und legte sich trotz der schon ziemlich strengen Jahreszeit unter den weitgreifenden Ästen eines dickstämmigen Nußbaums nieder.
|
| Er mochte ungefähr eine Viertelstunde gelegen haben, da hörte er Jemand mit leisen Schritten quer über das Feld kommen und am Zaune stehen bleiben. Was wollte der Mann hier ? War es vielleicht der Liebhaber von einer der Mägde ? Dann lief er Gefahr, bemerkt zu werden. Schon entschloß er sich, den Ort behutsam zu verlassen, um ein besseres Versteck aufzusuchen, als er auch vom Hofe her Schritte vernahm, die ihn veranlaßten, seine jetzige Stellung nur dahin zu ändern, daß er sich so eng wie möglich an den Stamm schmiegte.
| Er mochte ungefähr eine Viertelstunde gelegen haben, da hörte er Jemand mit leisen Schritten quer über das Feld kommen und am Zaune stehen bleiben. Was wollte der Mann hier ? War es vielleicht der Liebhaber von einer der Mägde ? Dann lief er Gefahr, bemerkt zu werden. Schon entschloß er sich, den Ort behutsam zu verlassen, um ein besseres Versteck aufzusuchen, als er auch vom Hofe her Schritte vernahm, die ihn veranlaßten, seine jetzige Stellung nur dahin zu ändern, daß er sich so eng wie möglich an den Stamm schmiegte.
| Er mochte ungefähr eine Viertelstunde gelegen haben, da hörte er jemanden mit leisen Schritten quer über das Feld kommen und am Zaun stehen bleiben. Was wollte der Mann hier ? Wilhelm lief Gefahr, bemerkt zu werden. Schon entschloß er sich, den Ort behutsam zu verlassen, um ein besseres Versteck aufzusuchen, als er auch vom Hofe her Schritte vernahm, die ihn veranlaßten, seine jetzige Stellung nur dahin zu ändern, daß er sich so eng wie möglich an den Stamm schmiegte.
|
| Der Nahende war kein Anderer als der Dukatenbauer selbst. Er erkannte ihn sofort an der langen, breiten Gestalt und dem eigenthümlichen Klingen der Uhrkette, welches durch das Aneinanderschlagen der Dukaten verursacht wurde. Graf ging grad' auf die Stelle zu, an welcher Jener sich niedergeduckt hatte. Sie mußte also vorher genau bestimmt worden sein und vielleicht schon öfters zu ähnlichen geheimen Zusammenkünften gedient haben.
| Der Nahende war kein Anderer als der Dukatenbauer selbst. Er erkannte ihn sofort an der langen, breiten Gestalt und dem eigenthümlichen Klingen der Uhrkette, welches durch das Aneinanderschlagen der Dukaten verursacht wurde. Graf ging grad' auf die Stelle zu, an welcher Jener sich niedergeduckt hatte. Sie mußte also vorher genau bestimmt worden sein und vielleicht schon öfters zu ähnlichen geheimen Zusammenkünften gedient haben.
| Der Nahende war kein anderer als der Dukatenbauer selbst. Er erkannte ihn sofort an der langen, breiten Gestalt und dem eigentümlichen Klingen der Uhrkette, welches durch das Aneinanderschlagen der
Seite 223
Dukaten verursacht wurde. Graf ging gerade auf die Stelle zu, an welcher jener sich niedergekauert hatte. Sie mußte also vorher genau bestimmt worden sein und vielleicht schon öfters zu ähnlichen geheimen Zusammenkünften gedient haben.
|
| "Ist wer da ?" frug er mit gedämpfter Stimme, aber bei der ringsum herrschenden Stille konnte Wilhelm die Worte recht gut vernehmen. "Ja; ich bin's!" "Nun ?"
| "Ist wer da ?" frug er mit gedämpfter Stimme, aber bei der ringsum herrschenden Stille konnte Wilhelm die Worte recht gut vernehmen. "Ja; ich bin's!" "Nun ?"
| "Ist wer da ?" fragte er mit gedämpfter Stimme, aber bei der ringsum herrschenden Stille konnte Wilhelm die Worte recht gut vernehmen. "Ja; ich bin's!" antwortete es. "Nun ?"
|
| "Es ist Alles in Ordnung. Aber der Händler verlangt das ganze Geld in baarer Münz' und auch die alte Schuld
Seite 151
dazu. Es wär' zu viel, diesmal, als daß er es ohne Zahlung riskiren könnt', sagt' er."
| "Es ist Alles in Ordnung. Aber der Händler verlangt das ganze Geld in baarer Münz' und auch die alte Schuld dazu. Es wär' zu viel diesmal, als daß er es ohne Zahlung riskiren könnt', sagt' er."
| "Es ist alles in Ordnung. Aber der Händler verlangt das ganze Geld in barer Münze und auch die alte Schuld dazu. Es wäre zu viel diesmal, als daß er es ohne Zahlung riskiren könnte, sagt er."
|
| "Ich weiß es schon; er soll auch Alles hab'n! Heut' steht mein ganzer Reichthum auf dem Spiel; d'rum seid fein hübsch vorsichtig, bis ich komm'! Hier ist der Zettel. Steck' ihn in das Loch!"
| "Ich weiß es schon; er soll auch Alles hab'n! Heut' steht mein ganzer Reichthum auf dem Spiel; d'rum seid fein hübsch vorsichtig, bis ich komm'! Hier ist der Zettel. Steck' ihn in das Loch!"
| "Ich weiß es schon; er soll alles haben! Heute steht mein ganzer Reichtum auf dem Spiele; drum seid fein hübsch vorsichtig, bis ich komme! Hier ist der Zettel. Stecke ihn in das Loch!"
|
| Er reichte etwas über den Zaun hinüber und kehrte dann, während der Andere sich entfernte, nach dem Wohnhause zurück. Dort stieg er die Treppe empor und trat dann in das Zimmer, welches ausschließlich nur für seinen Gebrauch bestimmt war und zu dem kein Mensch außer ihm jemals Zutritt bekam. Einen Schreibsekretät von einer Arbeit und Form, welche auf hohes Alter schließen ließen, öffnend, setzte er sich vor denselben nieder, zog ein Buch hervor, schlug es auf und begann die auf den Blättern befindlichen Zahlenreihen zu überrechnen. Sein schon sonst so strenges Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr, und als er auch die letzte beschriebene Seite geprüft hatte, erhob er sich, ließ die geballte Hand dröhnend auf die Notizensammlung fallen und murmelte ingrimmig zwischen die Zähne:
| Er reichte etwas über den Zaun hinüber und kehrte dann, während der Andere sich entfernte, nach dem Wohnhause zurück. Dort stieg er die Treppe empor und trat dann in das Zimmer, welches ausschließlich nur für seinen Gebrauch bestimmt war und zu dem kein Mensch außer ihm jemals Zutritt bekam. Einen Schreibsekretät von einer Arbeit und Form, welche auf hohes Alter schließen ließen, öffnend, setzte er sich vor denselben nieder, zog ein Buch hervor, schlug es auf und begann die auf den Blättern befindlichen Zahlenreihen zu überrechnen. Sein schon sonst so strenges Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr, und als er auch die letzte beschriebene Seite geprüft hatte, erhob er sich, ließ die geballte Hand dröhnend auf die Notizensammlung fallen und murmelte ingrimmig zwischen die Zähne:
| Er reichte etwas über den Zaun hinüber und kehrte dann, während der andere sich entfernte, nach dem Wohnhause zurück. Dort stieg er die Treppe empor und trat dann in das Zimmer, welches ausschließlich nur für seinen Gebrauch bestimmt war, und zu dem kein Mensch außer ihm jemals Zutritt bekam. Einen Schreibsekretät von einer Arbeit und Form, welche auf hohes Alter schließen ließen, öffnend, setzte er sich vor denselben nieder, zog ein Buch hervor, schlug es auf und begann, die auf den Blättern befindlichen Zahlenreihen zu überrechnen. Sein schon sonst so strenges Gesicht verfinsterte sich mehr und mehr, und als er auch die letzte beschriebene Seite geprüft hatte, erhob er sich, ließ die geballte Hand dröhnend auf
Seite 224
die Notizensammlung fallen und murmelte ingrimmig zwischen die Zähne:
|
| "Alle, alle ist's mit mir! Kein Stein, kein Ziegel von dem Dukat'nhof ist mein. Ich bin kaput, ich bin bankerott; ich muß geh'n und vor dem Amt erklär'n, daß ich nix mehr hab'! Daran ist Niemand schuld als der Baron, der Bergwirth und der Agent, dieser Heimtücker, der, welcher Einen durch seine blaue Nasenquetsch' anstarrt wie die Klapperschlang' den Vogel, so daß man net anders kann, als man muß zu ihm hin!"
| "Zu Ende ist's mit mir! Kein Stein, kein Ziegel von dem Dukat'nhof ist mein. Ich bin kaput, ich bin bankerott; ich muß geh'n und vor dem Amt erklär'n, daß ich nix mehr hab'! Daran ist Niemand schuld als der Baron, der Bergwirth und der Agent, dieser Heimtücker, der, welcher Einen durch seine blaue Nasenquetsch' anstarrt wie die Klapperschlang' den Vogel, so daß man nicht anders kann, als man muß zu ihm hin!"
| "Alle, alle ist's mit mir! Kein Stein, kein Ziegel von dem Dukatenhof ist mein. Ich bin kaput; ich bin bankerott; ich muß gehen und vor dem Amt erklären, daß ich nichts mehr habe! Daran ist niemand schuld als der Baron, der Bergwirt und der Agent, dieser Heimtücker, der, welcher Einen durch seine blaue Nasenquetsch anstarrt wie die Klapperschlange den Vogel, so daß man nicht anders kann, als man muß zu ihm hin!"
|
Seite 152
Der Grimm trieb ihn mit großen Schritten in der Stube hin und her. Plötzlich aber blieb er stehen.
| Der Grimm trieb ihn mit großen Schritten in der Stube hin und her. Plötzlich aber blieb er stehen.
| Der Grimm trieb ihn mit großen Schritten in der Stube hin und her. Plötzlich aber blieb er stehen.
|
| "Nein, noch ist net Alles verlor'n, noch gehört der Dukat'nhof mir und meine Knöpf' und Kett'n darf ich behalt'n. Der Baron hat ja die Emma gewonnen! Damit hat er meinen Schad'n gewollt, aber es wird mir nur zu Nutz'n sein, denn er darf doch seinen eig'nen Schwäher nicht vom Hofe jag'n. Und darauf brauch' ich mich nicht 'mal ganz allein zu verlass'n. Ich hab' heut' Alles auf die letzte Kart' gesetzt, und wenn's gelingt, so ist der Gewinn grad so groß, wie aller Verlust bisher. So köstlich und theuer ist noch niemals ein stilles Gut über die Grenz' geschafft word'n wie heut, und es muß geling'n, denn ich hab' es schlau genug angestellt, daß wir net erwischt werd'n. Die Grenzer sind falsch berichtet und werd'n zwei Stunden weit von hier auf uns wart'n, während wir grad' vom Dorf aus über die Berge geh'n. Das Geld dazu hab' ich mit großer Müh' zusammengebracht, aber ich kann es schon d'ranwag'n, denn es kommt doppelt wieder zurück!"
| "Nein, noch ist nicht Alles verlor'n, noch gehört der Dukat'nhof mir und meine Knöpf' und Kett'n darf ich behalt'n. Der Baron hat ja die Emma gewonnen! Damit hat er meinen Schad'n gewollt, aber es wird mir nur zu Nutz'n sein, denn er darf doch seinen eig'nen Schwiegervater nicht vom Hofe jag'n. Und darauf brauch' ich mich nicht 'mal ganz allein zu verlass'n. Ich hab' heut' Alles auf die letzte Kart' gesetzt, und wenn's gelingt, so ist der Gewinn grad so groß, wie aller Verlust bisher. So köstlich und theuer ist noch niemals ein stilles Gut über die Grenz' geschafft word'n wie heut, und es muß geling'n, denn ich hab' es schlau genug angestellt, daß wir nicht erwischt werd'n. Die Grenzer sind falsch berichtet und werd'n zwei Stunden weit von hier auf uns wart'n, während wir grad' vom Dorf aus über die Berge geh'n. Das Geld dazu hab' ich mit großer Müh' zusammengebracht, aber ich kann es schon d'ranwag'n, denn es kommt doppelt wieder zurück!"
| "Nein, noch ist nicht alles verloren; noch gehört der Dukatenhof mir, und meine Knöpfe und Ketten darf ich behalten. Der Baron hat ja die Emma gewonnen! Damit hat er meinen Schaden gewollt, aber es wird mir nur zu Nutzen sein, denn er darf doch seinen eigenen Schwiegervater nicht vom Hofe jagen. Und darauf brauche ich mich nicht mal ganz allein zu verlassen. Ich habe heut' alles auf die letzte Karte gesetzt, und wenn's gelingt, so ist der Gewinn grad so groß, wie aller Verlust bisher. So köstlich und teuer ist noch niemals ein stilles Gut über die Grenze geschafft worden wie heute, und es muß gelingen, denn ich habe es schlau genug angestellt, daß wir nicht erwischt werden. Die Grenzer sind falsch berichtet und werden zwei Stunden weit von hier auf uns warten, während wir grad vom Dorf aus über die Berge gehen. Das Geld dazu hab' ich mit großer Mühe zusammengebracht, aber ich kann es schon daran wagen, denn es kommt doppelt wieder zurück!"
|
Er öffnete ein verborgenes Fach des Sekretärs und zog einige Packete und Beutel hervor. "So, jetzt kann's fortgeh'n. Die Kapuz' hab' ich im Wald, aber die Gewehr' müss'n wir heut' fortlass'n, weil wir so schon fast über uns're Kraft zu tragen hab'n." | Er öffnete ein verborgenes Fach des Sekretärs und zog einige Packete und Beutel hervor. "So, jetzt kann's fortgeh'n. Die Kapuz' hab' ich im Wald, aber die Gewehr' müss'n wir heut' fortlass'n, weil wir so schon fast über uns're Kraft zu tragen hab'n." |
Seite 225
Er öffnete ein verborgenes Fach des Sekretärs und zog einige Pakete und Beutel hervor."So, jetzt kann's fortgehen. Die Kapuze habe ich im Wald; aber die Gewehre müssen wir heut' fortlassen, weil wir so schon fast über unsere Kraft zu tragen haben." |
| Er schloß das Möbel wieder zu, verlöschte das Licht und stieg hinab. Mit den Jahren überlegter geworden, verließ er das Haus nicht durch die Hofthüre, wie es früher stets geschehen war, sondern er ging durch den Stall
Seite 153
in die Scheune und trat durch den hinteren Ausgang derselben in den Garten.
| Er schloß das Möbel wieder zu, verlöschte das Licht und stieg hinab. Mit den Jahren überlegter geworden, verließ er das Haus nicht durch die Hofthüre, wie es früher stets geschehen war, sondern er ging durch den Stall in die Scheune und trat durch den hinteren Ausgang derselben in den Garten.
| Er schloß das Möbel wieder zu, verlöschte das Licht und stieg hinab. Mit den Jahren überlegter geworden, verließ er das Haus nicht durch die Hoftür, wie es früher stets geschehen war, sondern er ging durch den Stall in die Scheune und trat durch den hinteren Ausgang derselben in den Garten.
|
| Hier blieb er zunächst eine Weile stehen, um sich zu überzeugen, daß Niemand zugegen sei, der ihn bemerken könne. Früher war er nur aus reiner Neigung zuweilen durch den Forst gestrichen, um irgend ein Wild abzulauern; die Verluste im Spiele aber hatten ihn auf den Gedanken gebracht, sie durch einen lohnenden Nebenerwerb auszugleichen, aus dem Wilderer war ein Schmuggler geworden, und zwar ein Schmuggler, der es, ganz seinem Charakter angemessen, nicht auf gewöhnlichem Wege versuchte, sondern kühn und gewaltthätig sich den Gesetzen entgegenstellte und es in kurzer Zeit so weit gebracht hatte, daß der Name, welchen er sich beilegte, ebenso bekannt war, wie seine Person in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt blieb.
| Hier blieb er zunächst eine Weile stehen, um sich zu überzeugen, daß Niemand zugegen sei, der ihn bemerken könne. Früher war er nur aus reiner Neigung zuweilen durch den Forst gestrichen, um irgend ein Wild abzulauern; die Verluste im Spiele aber hatten ihn auf den Gedanken gebracht, sie durch einen lohnenden Nebenerwerb auszugleichen, aus dem Wilderer war ein Schmuggler geworden, und zwar ein Schmuggler, der es, ganz seinem Charakter angemessen, nicht auf gewöhnlichem Wege versuchte, sondern kühn und gewaltthätig sich den Gesetzen entgegenstellte und es in kurzer Zeit so weit gebracht hatte, daß der Name, welchen er sich beilegte, ebenso bekannt war, wie seine Person in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt blieb.
| Hier blieb er zunächst eine Weile stehen, um sich zu überzeugen, daß niemand zugegen sei, der ihn bemerken könne. Früher war er nur aus reiner Neigung zuweilen durch den Forst gestrichen, um irgend ein Wild abzulauern; die Verluste im Spiele aber hatten ihn auf den Gedanken gebracht, sie durch einen lohnenden Nebenerwerb auszugleichen; aus dem Wilderer war ein Schmuggler geworden, und zwar ein Schmuggler, der es, ganz seinem Charakter angemessen, nicht auf gewöhnlichem Wege versuchte, sondern kühn und gewalttätig sich den Gesetzen entgegenstellte und es in kurzer Zeit so weit gebracht hatte, daß der Name, welchen er sich beilegte, ebenso bekannt war, wie seine Person in ein undurchdringliches Dunkel gehüllt blieb.
|
| Durch die nächtlichen Abenteuer war sein Auge für die Finsterniß geschärft worden, und so bemerkte er, daß er nicht allein sei. Jener Klotz, welcher den Köpfle-Franz zum Krüppel gemacht hatte, war damals wieder in seine frühere Lage zurückgebracht worden; der Bauer hatte ihn nie verarbeiten lassen, obgleich der Bedarf dazu stets dagewesen war; es hatte sich etwas in seinem Innern, dessen Namen er nicht kannte, gesträubt, die Säge an das Holz zu legen, und so nahmen die beiden Stämme nach so langen Jahren immer noch dieselbe Stelle ein, welche sie früher innegehabt hatten. Auf ihnen saßen zwei Gestalten, welche sich umschlungen hielten.
| Durch die nächtlichen Abenteuer war sein Auge für die Finsterniß geschärft worden, und so bemerkte er, daß er nicht allein sei. Jener Klotz, welcher den Köpfle-Franz zum Krüppel gemacht hatte, war damals wieder in seine frühere Lage zurückgebracht worden; der Bauer hatte ihn nie verarbeiten lassen, obgleich der Bedarf dazu stets dagewesen war; es hatte sich etwas in seinem Innern, dessen Namen er nicht kannte, gesträubt, die Säge an das Holz zu legen, und so nahmen die beiden Stämme nach so langen Jahren immer noch dieselbe Stelle ein, welche sie früher innegehabt hatten. Auf ihnen saßen zwei Gestalten, welche sich umschlungen hielten.
| Durch die nächtlichen Abenteuer war sein Auge für die Finsternis geschärft worden, und so bemerkte er, daß er nicht allein sei. Jener Stamm, welcher den Köpfle-Franz zum Krüppel gemacht hatte, war damals wieder in seine frühere Lage zurückgebracht worden; der Bauer hatte ihn nie verarbeiten lassen, obgleich der Bedarf dazu stets dagewesen war; es hatte sich etwas
Seite 226
in seinem Innern, dessen Namen er nicht kannte, gesträubt, die Säge an das Holz zu legen, und so nahmen die beiden Stämme nach so langen Jahren immer noch dieselbe Stelle ein, welche sie früher innegehabt hatten. Auf ihnen saßen zwei Gestalten.
|
| Er mußte wissen, wer sie seien und schlich sich näher.
Seite 154
Es gelang ihm, unbemerkt von ihnen so weit an sie heranzukommen, daß er sie nicht nur erkannte, sondern auch jedes ihrer Worte verstehen konnte.
| Er mußte wissen, wer sie seien, und schlich sich näher. Es gelang ihm, unbemerkt von ihnen so weit an sie heranzukommen, daß er sie nicht nur erkannte, sondern auch jedes ihrer Worte verstehen konnte.
| Er mußte wissen, wer sie seien, und schlich sich näher. Es gelang ihm, unbemerkt von ihnen, so weit an sie heranzukommen, daß er sie nicht nur erkannte, sondern auch jedes ihrer Worte verstehen konnte. Er erlauschte folgendes:
|
| "Nein, Emma, mit Gewalt ist hier nix auszuricht'n, denn Dein Vater ist ein harter Mann, den der Widerstand nur noch strenger machen würde. Im ersten Augenblick hätt' ich gleich Alles niederschlagen mögen, aber als ich hernach hier saß und auf Dich wartete, da hab' ich mir's recht überlegt und bin dabei ruhiger geworden." "Und was soll ich denn thun ?" "Du mußt Ja sagen! Die Zeit ist zu kurz, als daß wir bis dahin einen anderen Ausweg find'n könnten, und die Verlobung ist noch lange net die Hochzeit. Bis die herankommt, wird der liebe Gott schon helf'n!"
| "Nein, Emma, mit Gewalt ist hier nix auszuricht'n, denn Dein Vater ist ein harter Mann, den der Widerstand nur noch strenger machen würde. Im ersten Augenblick hätt' ich gleich Alles niederschlagen mögen, aber als ich hernach hier saß und auf Dich wartete, da hab' ich mir's recht überlegt und bin dabei ruhiger geworden." "Und was soll ich denn thun ?" "Du mußt Ja sagen! Die Zeit ist zu kurz, als daß wir bis dahin einen anderen Ausweg find'n könnten, und die Verlobung ist noch lange nicht die Hochzeit. Bis die herankommt, wird der liebe Gott schon helf'n!"
| "Nein, Emma, mit Gewalt ist hier nichts auszurichten, denn dein Vater ist ein harter Mann, den der Widerstand nur noch strenger machen würde. Im ersten Augenblick hätte ich gleich alles niederschlagen mögen, aber als ich hernach hier saß und auf dich wartete, da hab' ich mir's recht überlegt und bin dabei ruhiger geworden." "Und was soll ich denn tun ?" "Du mußt "ja" sagen. Die Zeit ist zu kurz, als daß wir bis dahin einen anderen Ausweg finden könnten, und die Verlobung ist noch lange nicht die Hochzeit. Bis die herankommt, wird der liebe Gott schon helfen!"
|
| "Aber, Wilhelm, ich bring's doch am End' net fertig! Denk' Dir nur, wenn der Baron mich erfaßt und - und - und gar - - -" "Und gar küss'n will, net wahr ? Das ist Deine Sach', Emma; mich an Deiner Stelle thät er net küss'n, das weiß ich! -"
| "Aber, Wilhelm, ich bring's doch am End' net fertig! Denk' Dir nur, wenn der Baron mich erfaßt und - und - und gar - - -" "Und gar küss'n will, nicht wahr ? Das ist Deine Sach', Emma; mich an Deiner Stelle thät er nicht küss'n, das weiß ich! -"
| |
| "Da hab' ich wohl auch noch ein Wort mit zu sag'n!" donnerte es da hinter ihnen. Sie sprangen erschrocken empor und sahen sich um.
| "Da hab' ich wohl auch noch ein Wort mit zu sag'n!" donnerte es da hinter ihnen. Sie sprangen erschrocken empor und sahen sich um.
| "Da hab' ich wohl auch noch ein Wort mit zu sag'n!" donnerte es da hinter ihnen. Sie sprangen erschrocken empor und sahen sich um.
|
| "Der Vater!" rief Emma entsetzt. "Ja, der Vater ist's, Du ungerath'ne Dirn'! Gleich gehst hinein in die Stub', sonst werd' ich Dir den Weg dazu weis'n!" Hier gab es keine Weigerung. Sie entfernte sich.
| "Der Vater!" rief Emma entsetzt. "Ja, der Vater ist's, Du ungerath'ne Dirn'! Gleich gehst hinein in die Stub', sonst werd' ich Dir den Weg dazu weis'n!" Hier gab es keine Weigerung. Sie entfernte sich.
| "Der Vater!" rief Emma entsetzt. "Ja, der Vater ist's, du ungeratene Dirne! Gleich gehst du hinein in die Stube, sonst werd' ich dir den Weg dazu weisen!" Hier gab es keine Weigerung. Sie entfernte sich.
|
| "Und Du, was thu' ich denn eigentlich mit Dir ?!
Seite 155
Also ein harter Mann bin ich ? Ja, die Emma ist wohl ein wenig weicher als ich, das will ich schon glaub'n, und beim Kopf darfst mich auch net nehmen, sonst könnt' Dir wohl das Küss'n vergeh'n. Mach' daß Du fortkommst von hier, Du unnützer Bub', und such' Dir Deine Liebst' im Armenhaus', aber net auf dem Dukat'nhof. Und das will ich Dir noch sag'n, wenn Du Dich hier nur wieder blick'n läßt, so ist um Deine zwei Knoch'n gescheh'n. Merk' Dir's. Und nun marsch fort!"
| "Und Du, was thu' ich denn eigentlich mit Dir ?! Also ein harter Mann bin ich ? Ja, die Emma ist wohl ein wenig weicher als ich, das will ich schon glaub'n, und beim Kopf darfst mich auch nicht nehmen, sonst könnt' Dir wohl das Küss'n vergeh'n. Mach' daß Du fortkommst von hier, Du unnützer Bub', und such' Dir Deine Liebst' im Armenhaus', aber nicht auf dem Dukat'nhof. Und das will ich Dir noch sag'n, wenn Du Dich hier nur wieder blick'n läßt, so ist's um Deine zwei Knoch'n gescheh'n. Merk' Dir's. Und nun marsch fort!"
| "Und du, was tue ich denn eigentlich mit dir ? Also ein harter Mann bin ich ? Ja, die Emma ist wohl ein wenig weicher als ich; das will ich schon
Seite 227
glauben. Mach' daß du fortkommst von hier, du unnützer Bub', und suche dir deine Liebste im Armenhause, aber nicht auf dem Dukatenhof. Und das will ich dir noch sagen, wenn du dich hier nur wieder blicken läßt, so ist's um deine Knochen geschehen. Merk' Dir's. Und nun marsch fort!"
|
| "Herr Graf," entgegnete ruhig der junge Mann, "Sie sind jetzt net in der Stimmung, daß ich Ihnen auf Alles richtig antwort'n könnt', aber erstens kann ich vielleicht beweisen, daß ich kein unnützer Bub' bin, und sodann ist's mir um meine Knoch'n noch niemals bang' gewes'n. Und wenn nun gar der Rock darüber hängt, den ich heut' anhab', so will ich es Keinem rath'n, sich an mir zu vergreif'n! Ich geh'; aber - - -"
| "Herr Graf," entgegnete ruhig der junge Mann, "Sie sind jetzt nicht in der Stimmung, daß ich Ihnen auf Alles richtig antwort'n könnt', aber erstens kann ich vielleicht beweisen, daß ich kein unnützer Bub' bin, und sodann ist's mir um meine Knochen noch niemals bang' gewes'n. Und wenn nun gar der Rock darüber hängt, den ich heut' anhab', so will ich es Keinem rath'n, sich an mir zu vergreif'n! Ich geh'; aber - - -"
| "Herr Graf," entgegnete ruhig der junge Mann, "Sie sind jetzt nicht in der Stimmung, daß ich Ihnen auf alles richtig antworten könnte, aber erstens kann ich vielleicht beweisen, daß ich kein unnützer Bube bin, und sodann ist's mir um meine Knochen noch niemals bange gewesen. Und wenn nun gar der Rock darüberhängt, den ich heut' anhabe, so will ich es keinem raten, sich an mir zu vergreifen! Ich geh'; aber - - -"
|
| Er sprach nicht weiter; ein schallender Schlag mit der flachen Hand hatte ihn in das Gesicht getroffen. "So, da hast's, was ich von Deinem bunten Flick'n halt'! Und nun mach schnell, sonst kommt noch mehr!"
| Er sprach nicht weiter; ein schallender Schlag mit der flachen Hand hatte ihn in das Gesicht getroffen. "So, da hast's, was ich von Deinem bunten Flick'n halt'! Und nun mach schnell, sonst kommt noch mehr!"
| Er sprach nicht weiter; ein schallender Schlag hatte ihn mitten in das Gesicht getroffen. "So, da hast's, was ich von deinem bunten Flicken halte! Und nun mach schnell, sonst kommt noch mehr!"
|
| Wilhelms Hände ballten sich zusammen; er machte Miene, sich auf den Bauer zu stürzen. Aber mit Aufbietung seiner ganzen Selbstbeherrschung trat er um mehrere Schritte zurück. "Nein, Dukat'nbauer, ich werd' mich an Ihnen net vergreif'n, denn Sie sind Emma's Vater! Und ein königlicher Unteroffizier, der Ehr' im Leibe hat, weiß schon noch, wie er auf and're Weis' zusammenkommt mit - mit - - " | Wilhelms Hände ballten sich zusammen; er machte Miene, sich auf den Bauer zu stürzen. Aber mit Aufbietung seiner ganzen Selbstbeherrschung trat er um mehrere Schritte zurück. "Nein, Dukat'nbauer, ich werd' mich an Ihnen nicht vergreif'n, denn Sie sind Emma's Vater! Und ein königlicher Unteroffizier, der Ehr' im Leibe hat, weiß schon noch, wie er auf and're Weis' zusammenkommt mit - mit - - " (Fortsetzung folgt.)
| Wilhelms Hände ballten sich zusammen; er machte Miene, sich auf den Bauer zu stürzen. Aber mit Aufbietung seiner ganzen Selbstbeherrschung trat er um mehrere Schritte zurück und sagte: "Nein, Dukatenbauer, ich werd' mich an Ihnen nicht vergreifen, denn Sie sind Emmas Vater! Und ein königlicher Unteroffizier, der Ehre im Leibe hat, weiß schon noch, wie er auf andere Weise zusammenkommt mit - mit - - " |
![]() vorige Fortsetzung | ![]() nächste Fortsetzung
|