2. Fortsetzung
Bibliothek der Unterhaltung und des WissensJahrgang 1877 Elfter Band Seite 92 - 208 Verlag von H. Schönlein, Stuttgart | Illustrirtes UnterhaltungsblattBelletristische Wochenschrift für die Familie und Jedermann. Jahrgang 1879, No. 34, Seite 265 bis 267. Verlag von H. Schönlein, Stuttgart | Erzgebirgische DorfgeschichtenKarl May's Erstlingswerke Autorisierte Ausgabe Band I, Seite 167 bis 277 Belletristischer Verlag, Dresden |
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gethan hatte; die Überlegung war ihm vollständig verloren gegangen, so daß er gar nicht an die Möglichkeit dachte, daß der Geschlagene todt sein könne. Ohne die Fliehende erreicht zu haben, gelangte er in sein Zimmer, wo er in sinnloser Wuth auf und nieder rannte.
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In dem Bestreben Anna einzuholen, bedachte Heinrich nicht, was er gethan hatte; die Überlegung war ihm vollständig verloren gegangen, so daß er gar nicht an die Möglichkeit dachte, daß der Geschlagene todt sein könne. Ohne die Fliehende erreicht zu haben, gelangte er in sein Zimmer, wo er in sinnloser Wuth auf und nieder rannte.
| Er wußte nicht, was er getan hatte; die Überlegung war ihm vollständig verloren gegangen, sodaß er gar nicht an die Möglichkeit dachte, daß der Geschlagene tot sein könne. Ohne die Fliehende erreicht zu haben, gelangte er in sein Zimmer, wo er in sinnloser Wut auf und nieder rannte.
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| War sein Blut einmal in Aufregung gebracht, so pflegte es sich nicht so schnell wieder zu legen; jedes neue Wort, jeder neue Gedanke brachte die Wogen in neue Wallung. Er öffnete einen Schrank, nahm eine Büchse nebst Schießbedarf aus demselben und schlich sich hinunter auf die Straße. Franz war fort.
| War sein Blut einmal in Aufregung gebracht, so pflegte es sich nicht so schnell wieder zu legen; jedes neue Wort, jeder neue Gedanke brachte die Wogen in neue Wallung. Er öffnete einen Schrank, nahm eine Büchse nebst Schießbedarf aus demselben und schlich sich hinunter auf die Straße. Franz war fort.
| War sein Blut einmal in Aufregung gebracht, so pflegte es sich nicht so schnell wieder zu beruhigen; jedes neue Wort, jeder neue Gedanke brachte die Wogen in neue Wallung. Er öffnete einen Schrank, nahm eine Büchse nebst Schießbedarf aus demselben und schlich sich hinunter auf die Straße. Franz war fort.
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| "Hab' mir's doch gedacht, daß er net zum Tode getroff'n war. Aber das thut nix, sterben muß er dennoch! Er hat mir ja gesagt, daß es heut' ein Unternehmen gibt, und ich weiß den Ort, wo er vorüberkommen muß!" Das Gewehr über die Schulter werfend, eilte er nach dem Walde. Franz war nur betäubt gewesen und bald wieder zu sich gekommen. Er raffte sich empor und ging nach Hause, wo er des Vorkommnisses mit keinem Worte gedachte. Nach kurzer Zeit verließ er das Häuschen vorsichtig wieder und schritt eilenden Laufes wie Heinrich dem Walde zu. Jedenfalls war Anna Zeugin einer dienstlichen Unterredung bei ihrem Vater gewesen, und aus ihrer Warnung ging hervor, daß heut' ein Schlag gegen die Schmuggler geführt werden solle. Obgleich das Militär noch nicht seit Langem in der Gegend war, hatte der Scharfsinn des Lieutenants doch schon die meisten Personen errathen, welche bei dem verbotenen Grenzhandel eine hervorragende Rolle Seite 125
spielten, und seine Anordnungen mit solcher Umsicht zu treffen gewußt, daß mehrere von ihnen bei der That getroffen und in das Gefängniß geliefert worden waren. Ging dies noch eine Weile so fort, so mußte das einträgliche Geschäft in ein langes und nachtheiliges Stocken gerathen, und die Schleichhändler sahen sich also zu ernsten Maßregeln genöthigt. Man beschloß, die gefährlichen Einzelfahrten aufzugeben und den Transport der hochbesteuerten Güter nur in größeren und wohlbewaffneten Truppen vorzunehmen. Auf diese Weise war die Sicherheit eine größere, denn man konnte es mit dem Grenzpersonale aufnehmen und es im Nothfalle sogar auf einen wirklichen Kampf ankommen lassen. So war es schon einige Male zu ernsten Zusammenstößen gekommen, bei denen es auf beiden Seiten Verwundete gegeben hatte. Heute sollte ein Hauptcoup vorgenommen werden, und da der Offizier über denselben unterrichtet zu sein schien, so war anzunehmen, daß es in den Reihen der Schmuggler einen Verräther geben müsse. Sie mußten noch rechtzeitig gewarnt werden und daher strebte Franz in heftigem, dabei aber behutsamem Laufe dem Orte zu, welcher als Versammlungspunkt dienen sollte.
| "Hab' mir's doch gedacht, daß er nicht zum Tode getroff'n war. Aber das thut nix, sterben muß er dennoch! Er hat mir ja gesagt, daß es heut' ein Unternehmen gibt, und ich weiß den Ort, wo er vorüberkommen muß!" Das Gewehr über die Schulter werfend, eilte er nach dem Walde. Franz war nur betäubt gewesen und bald wieder zu sich gekommen. Er raffte sich empor und ging nach Hause, wo er des Vorkommnisses mit keinem Worte gedachte. Nach kurzer Zeit verließ er das Häuschen vorsichtig wieder und schritt eilenden Laufes wie Heinrich dem Walde zu. Jedenfalls war Anna Zeugin einer dienstlichen Unterredung bei ihrem Vater gewesen, und aus ihrer Warnung ging hervor, daß heut' ein Schlag gegen die Schmuggler geführt werden solle. Obgleich das Militär noch nicht seit Langem in der Gegend war, hatte der Scharfsinn des Lieutenants doch schon die meisten Personen errathen, welche bei dem verbotenen Grenzhandel eine hervorragende Rolle spielten, und seine Anordnungen mit solcher Umsicht zu treffen gewußt, daß mehrere von ihnen bei der That getroffen und in das Gefängniß geliefert worden waren. Ging dies noch eine Weile so fort, so mußte das einträgliche Geschäft in ein langes und nachtheiliges Stocken gerathen, und die Schleichhändler sahen sich also zu ernsten Maßregeln genöthigt. Man beschloß, die gefährlichen Einzelfahrten aufzugeben und den Transport der hochbesteuerten Güter nur in größeren und wohlbewaffneten Trupps vorzunehmen. Auf diese Weise war die Sicherheit eine größere, denn man konnte es mit dem Grenzpersonale aufnehmen und es im Nothfalle sogar auf einen wirklichen Kampf ankommen lassen. So war es schon einige Mal zu ernsten Zusammenstößen gekommen, bei denen es auf beiden Seiten Verwundete gegeben hatte. Heute sollte ein Hauptcoup vorgenommen werden, und da der Offizier über denselben unterrichtet zu sein schien, so war anzunehmen, daß es in den Reihen der Schmuggler einen Verräther geben müsse. Sie mußten noch rechtzeitig gewarnt werden und daher strebte Franz in heftigem, dabei aber behutsamem Laufe dem Orte zu, welcher als Versammlungspunkt dienen sollte.
| "Hab' mir's doch gedacht, daß er nicht zum Tode getroffen war. Aber das tut nichts; sterben muß er dennoch! Er hat mir ja gesagt, daß es heut' ein Unternehmen giebt, und ich weiß den Ort, wo er vorüberkommen muß!" Das Gewehr über die Schulter werfend, eilte er nach dem Walde. Franz war nur betäubt gewesen und bald wieder zu sich gekommen. Er raffte sich empor und ging nach Hause, wo er des Vorkommnisses mit keinem Worte gedachte. Nach kurzer Zeit verließ er das Häuschen vorsichtig wieder und schritt eilenden Laufes wie Heinrich dem Walde zu. Jedenfalls war Anna Zeugin einer dienstlichen Unterredung bei ihrem Vater gewesen, und aus ihrer Warnung ging hervor, daß heute ein Schlag gegen die Schmuggler geführt werden solle. Obgleich das Militär Seite 199
noch nicht seit langem in der Gegend war, hatte der Scharfsinn des Leutnants doch schon die meisten Personen erraten, welche bei dem verbotenen Grenzhandel eine hervorragende Rolle spielten, und seine Anordnungen mit solcher Umsicht zu treffen gewußt, daß mehrere von ihnen bei der Tat getroffen und in das Gefängnis geliefert worden waren. Ging dies noch eine Weile so fort, so mußte das einträgliche Geschäft in ein langes und nachteiliges Stocken geraten, und die Schleichhändler sahen sich also zu ernsten Maßregeln genötigt. Man beschloß, die gefährlichen Einzelfahrten aufzugeben und den Transport der hochbesteuerten Güter nur in größeren und wohlbewaffneten Trupps vorzunehmen. Auf diese Weise war die Sicherheit eine größere, denn man konnte es mit dem Grenzpersonale aufnehmen und es im Notfalle sogar auf einen wirklichen Kampf ankommen lassen. So war es schon einige Mal zu ernsten Zusammenstößen gekommen, bei denen es auf beiden Seiten Verwundete gegeben hatte. Heute sollte ein Hauptcoup vorgenommen werden, und da der Offizier über denselben unterrichtet zu sein schien, so war anzunehmen, daß es in den Reihen der Schmuggler einen Verräter geben müsse. Sie mußten noch rechtzeitig gewarnt werden und daher strebte Franz in heftigem, dabei aber behutsamem Laufe dem Orte zu, welcher als Versammlungspunkt dienen sollte.
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| Dort angelangt, fand er noch Niemand vor. Sich stets nur hart am Boden fortbewegend, rekognoszirte er die Umgebung und überzeugte sich auf diese Weise , daß auch die Gegner noch nicht eingetroffen seien. Unter einem dichten Tannengebüsch Schutz suchend wartete er nun mit ängstlicher Spannung auf das Nahen der Seinigen.
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konnte wohl kaum zu einer der betheiligten Parteien gehören, sonst wäre von ihr mehr Bedacht darauf genommen worden, ungehört zu bleiben. Sie mußte gerade an dem Verstecke Franzens vorüber und dieser erkannte zu seinem lebhaften Erstaunen Heinrich, der in seiner leidenschaftlichen Erregung nicht daran dachte, jedes Geräusch so viel wie möglich zu vermeiden. Das Gewehr auf seinem Rücken ließ vermuthen, daß er es auf einen Pirschgang abgesehen habe. Franz hatte damit nichts zu thun und hielt es nach dem Geschehenen und in Rücksicht auf den Zweck seines Hierseins auch gar nicht für gerathen, seine Anwesenheit zu erkennen zu geben. Nach einem kurzen Lauschen schritt Heinrich auf eine dunkle Föhrengruppe zu, hinter welcher er verschwand.
| Dort angelangt, fand er noch Niemand vor. Sich vorsichtig verborgen haltend, rekognoszirte er die Umgebung genau und überzeugte sich auf diese Weise , daß auch die Gegner noch nicht eingetroffen seien. Unter einem dichten Tannengebüsch Schutz suchend, wartete er nun mit ängstlicher Spannung auf das Nahen der Seinigen.
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Lauschen schritt Heinrich auf eine dunkle Föhrengruppe zu, hinter welcher er verschwand.
| Dort angelangt, fand er noch niemand vor. Sich stets nur hart am Boden fortbewegend, rekognoszierte er die Umgebung und überzeugte sich auf diese Weise , daß auch die Gegner noch nicht eingetroffen waren. Unter einem dichten Tannengebüsch Schutz suchend, wartete er nun mit ängstlicher Spannung auf das Nahen der Seinigen.
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Er hatte nicht lange so gelegen, als er eilige Schritte vernahm. Die Person, von welcher sie herrührten, konnte wohl kaum zu einer der beteiligten Parteien gehören, sonst wäre von ihr mehr Bedacht darauf genommen worden, ungehört zu bleiben. Sie mußte gerade an dem Verstecke Franzens vorüber, und dieser erkannte zu seinem lebhaften Erstaunen Heinrich, der in seiner leidenschaftlichen Erregung nicht daran dachte, jedes Geräusch so viel wie möglich zu vermeiden. Das Gewehr auf seinem Rücken ließ vermuten, daß er es auf einen Pirschgang abgesehen habe. Franz hatte damit nichts zu tun und hielt es nach dem Geschehenen und in Rücksicht auf den Zweck seines Hierseins auch gar nicht für geraten, seine Anwesenheit zu erkennen zu geben. Nach einem kurzen Lauschen schritt Heinrich auf eine dunkle Föhrengruppe zu, hinter welcher er verschwand.
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| Nach einigen Minuten gewahrte Franz einen neuen Ankömmling, welcher sich aber so unhörbar herbeigeschlichen hatte, daß der verborgene Lauscher ihn erst bemerkte, als er bereits in der nächsten Nähe seines Versteckes stand. Er trug die gewöhnliche Werktagskleidung der hiesigen Landbewohner: hohe Schaftstiefel, Lederhosen und eine kurze Jacke, doch erkannte Franz trotz dieser Verkleidung den Lieutenant. Dieser stand ihm so nahe, daß er ihn mit der Hand hätte ergreifen können. Natürlich aber unterließ er dieses gefährliche Experiment und wartete leise athmend und jede Bewegung vermeidend ab, was der alte schlaue Soldat thun werde.
| Nach einigen Minuten gewahrte Franz einen neuen Ankömmling, welcher sich aber so unhörbar herbeigeschlichen hatte, daß der verborgene Lauscher ihn erst bemerkte, als er bereits in der nächsten Nähe seines Versteckes stand. Er trug die gewöhnliche Werktagskleidung der hiesigen Landbewohner: hohe Schaftstiefel, Lederhosen und eine kurze Jacke, doch erkannte Franz trotz dieser Verkleidung den Lieutenant. Dieser stand ihm so nahe, daß er ihn mit der Hand hätte ergreifen können. Natürlich aber unterließ er dieses gefährliche Experiment und wartete leise athmend und jede Bewegung vermeidend ab, was der alte schlaue Soldat thun werde.
| Nach einigen Minuten gewahrte Franz einen neuen Ankömmling, welcher sich aber so unhörbar herangeschlichen hatte, daß der verborgene Lauscher ihn erst bemerkte, als er bereits in der nächsten Nähe seines Versteckes stand. Er trug die gewöhnliche Werktagskleidung der hiesigen Landbewohner, hohe Schaftstiefel, Lederhosen und eine kurze Jacke; doch erkannte Franz trotz dieser Verkleidung den Leutnant. Dieser stand ihm so nahe, daß er ihn mit der Hand hätte ergreifen können. Natürlich aber unterließ er dieses gefährliche Experiment und wartete leise atmend und jede Bewegung vermeidend ab, was der alte Soldat tun werde.
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| Seine Geduld sollte nicht zu lange auf Probe gestellt werden. Der Offizier legte die Hand an den Mund und ließ einen Laut hören, welcher dem Rufe des Uhu's gleichen
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sollte, von dem Kenner aber augenblicklich als Nachahmung erkannt werden mußte. Es wurde ihm augenblicklich eine Antwort zu Theil, aber nicht eine solche, wie er sie erwartet hatte, sondern eine so fürchterliche, daß das Entsetzen darüber Franz sofort aus seiner liegenden Stellung in die Höhe riß: Ein Schuß krachte drüben aus den Föhren hervor; der Lieutenant griff konvulsivisch mit den Armen in die Luft, wurde von der Gewalt, welche das tödtliche Blei ausübte, um sich selbst gedreht und brach dann zusammen. Die Kugel war ihm gerade in das Herz gedrungen.
| Seine Geduld sollte nicht zu lange auf Probe gestellt werden. Der Offizier legte die Hand an den Mund und ließ einen Laut hören, welcher dem Rufe des Uhu's gleichen sollte, von dem Kenner aber unschwer für Nachahmung gehalten werden mußte. Es wurde ihm augenblicklich eine Antwort zu Theil, aber nicht eine solche, wie er sie erwartet hatte, sondern eine so fürchterliche, daß das Entsetzen darüber Franz sofort aus seiner liegenden Stellung in die Höhe riß: Ein Schuß krachte drüben aus den Föhren hervor; der Lieutenant griff konvulsivisch mit den Armen in die Luft, wurde von der Gewalt, welche das tödtliche Blei ausübte, um sich selbst gedreht und brach dann zusammen. Die Kugel war ihm gerade in das Herz gedrungen.
| Seine Geduld sollte nicht zu lange auf die Probe gestellt werden. Der Offizier legte die Hand an den Mund und ließ einen Laut hören, welcher dem Rufe des Uhus gleichen sollte, von dem Kenner aber augen-
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blicklich als Nachahmung erkannt werden mußte. Das war jedenfalls ein Zeichen für die in der Nähe versteckten Soldaten. Es wurde ihm augenblicklich eine Antwort zu teil, aber nicht eine solche, wie er sie erwartet hatte, sondern eine so fürchterliche, daß das Entsetzen darüber Franz sofort aus seiner liegenden Stellung in die Höhe riß: Ein Schuß krachte drüben aus den Föhren hervor; der Lieutenant griff konvulsivisch mit den Armen in die Luft, wurde von der Gewalt, welche das tödliche Blei ausübte, um sich selbst gedreht und brach dann zusammen. Die Kugel war ihm gerade in das Herz gedrungen.
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| Wer hatte das gethan ? Franz fragte nicht; er wußte es, denn ihm war auf einmal Alles klar. Er warf keinen einzigen Blick hinüber nach der Stelle, wo er den mörderischen Strahl hatte aufblitzen sehen, er kniete neben dem Gefallenen nieder, um zu untersuchen, ob er todt oder nur verwundet sei. Da rauschte es heftig durch das niedere Geäst und eine Anzahl von Männern stürzte herbei, welche, sobald sie die Gruppe erblickten, sich auf Franz warfen und ihn emporrissen. Es waren Soldaten. "Der Lieutenant ist es; der Mensch hat ihn erschossen!" rief Derjenige von ihnen, welcher den Todten zuerst erkannte. "Bindet ihn; schnürt ihn zusammen, daß er sich nicht rühren kann!" rief es im Kreise. Er demonstrirte gegen diese Maßregel und versuchte, ihnen den wahren Sachverhalt darzustellen; sie aber hörten nicht auf seine Vertheidigung und wollten nichts Anderes von ihm wissen, als wo er die Büchse hingeworfen habe.
| Wer hatte das gethan ? Franz fragte nicht; er wußte es, denn ihm war auf einmal Alles klar. Er warf keinen einzigen Blick hinüber nach der Stelle, wo er den mörderischen Strahl hatte aufblitzen sehen, er kniete neben dem Gefallenen nieder, um zu untersuchen, ob er todt oder nur verwundet sei. Da rauschte es heftig durch das niedere Geäst und eine Anzahl von Männern stürzte herbei, welche, sobald sie die Gruppe erblickten, sich auf Franz warfen und ihn emporrissen. Es waren Soldaten. "Der Lieutenant ist es; der Mensch hat ihn erschossen!" rief Derjenige von ihnen, welcher den Todten zuerst erkannte. "Bindet ihn; schnürt ihn zusammen, daß er sich nicht rühren kann!" rief es im Kreise. Er demonstrirte gegen diese Maßregel und versuchte, ihnen den wahren Sachverhalt darzustellen; sie aber hörten nicht auf seine Vertheidigung und wollten nichts Anderes von ihm wissen, als wo er die Büchse hingeworfen habe.
| Wer hatte das getan ? Franz fragte nicht; er wußte es, denn ihm war auf einmal alles klar. Er warf keinen einzigen Blick hinüber nach der Stelle, wo er den mörderischen Strahl hatte aufblitzen sehen, er kniete neben dem Gefallenen nieder, um zu untersuchen, ob er tot oder nur verwundet sei. Da rauschte es heftig durch das niedere Geäst, und eine Anzahl von Männern stürzten herbei, welche, sobald sie die Gruppe erblickten, sich auf Franz warfen und ihn emporrissen. Es waren Soldaten. "Der Leutnant ist es; der Mensch hat ihn erschossen!" rief derjenige von ihnen, welcher den Toten zuerst erkannte. "Bindet ihn; schnürt ihn zusammen, daß er sich nicht rühren kann!" rief es im Kreise. Franz demonstrierte gegen diese Maßregel und suchte ihnen den wahren Sachverhalt darzustellen; sie aber hörten nicht auf seine Verteidigung und wollten nichts anderes von ihm wissen, als wo er die Büchse hingeworfen habe. Er versicherte:
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"Ich hab' net geschoss'n, ich hab' kein Gewehr gehabt! Wer's gewes'n ist, das hab' ich net geseh'n, sondern nur den Blitz da drüb'n in den Kiefern!"
| "Ich hab' nicht geschoss'n, ich hab' kein Gewehr gehabt! Wer's gewes'n ist, das hab' ich nicht geseh'n, sondern nur den Blitz da drüb'n in den Kiefern!"
| "Ich habe nicht geschossen, ich habe kein Gewehr ge- Seite 202
habt! Wer's gewesen ist, das habe ich nicht gesehen, sondern nur den Blitz da drüben in den Kiefern!"
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| "Ausrede!" rief der Unteroffizier, welcher das Wort genommen hatte. "Wir werden das Gewehr schon noch finden, und dann wird es sich wohl zeigen, daß es Dir gehört!" Er untersuchte seinen regungslosen Vorgesetzten und entschied dann: "Er ist todt, auf der Stelle todt gewesen. Wir müssen ihn hier liegen lassen bis zur gerichtlichen Feststellung des Thatbestandes. Ich transportire mit drei Mann den Gefangenen in die Stadt und mache Anzeige, der Sergeant aber mit den Übrigen bleibt hier, um dafür zu sorgen, daß Alles genau so bleibt, wie wir es gefunden haben. Der Ort wird von Posten umstellt. Die Pascher werden ebenso wie wir den Schuß gehört haben und davon bleiben, aber wir müssen auch alles sonstige Andere zu vermeiden suchen, wodurch irgend eine Spur verwischt werden könnte."
| "Ausrede!" rief der Sergeant, welcher das Wort ergriffen hatte. "Wir werden das Gewehr schon noch finden, und dann wird es sich wohl zeigen, daß es Dir gehört!" Er untersuchte seinen regungslosen Vorgesetzten und entschied dann: "Er ist todt, auf der Stelle todt gewesen. Wir müssen ihn hier liegen lassen bis zur gerichtlichen Feststellung des Thatbestandes. Ich transportire mit drei Mann den Gefangenen in die Stadt und mache Anzeige, der Unteroffizier aber mit den Übrigen bleibt hier, um dafür zu sorgen, daß Alles genau so bleibt, wie wir es gefunden haben. Der Ort wird von Posten umstellt. Die Pascher werden ebenso wie wir den Schuß gehört haben und davon bleiben, aber wir müssen auch alles sonstige Andere zu vermeiden suchen, wodurch irgend eine Spur verwischt werden könnte."
| "Ausrede!" rief der Unteroffizier, welcher das Wort genommen hatte. "Wir werden das Gewehr schon noch finden, und dann wird es sich wohl zeigen, daß es dir gehört!" Er untersuchte seinen regungslosen Vorgesetzten und entschied dann: "Er ist tot, auf der Stelle tot gewesen. Wir müssen ihn hier liegen lassen bis zur gerichtlichen Feststellung des Tatbestandes. Ich transportiere mit drei Mann den Gefangenen in die Stadt und mache Anzeige, der Sergeant aber mit den übrigen bleibt hier, um dafür zu sorgen, daß alles genau so bleibt, wie wir es gefunden haben. Der Ort wird von Posten umstellt. Die Pascher werden ebenso wie wir den Schuß gehört haben und davon bleiben, aber wir müssen auch alles sonstige andere zu vermeiden suchen, wodurch irgend eine Spur verwischt werden könnte."
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| Es wurde dieser Anordnung sofort Folge geleistet. Man schloß einen weiten Postenkreis um den Schauplatz des Mordes, und nachdem der Unteroffizier befohlen hatte, auf Jeden zu schießen, welcher auf dreimaliges Anrufen nicht antworte und sich zurückweisen lasse, ließ er von seinen drei Leuten den Gefesselten in die Mitte nehmen und marschirte, das Gewehr schußfertig in der Hand, mit ihnen ab.
| Es wurde dieser Anordnung sofort Folge geleistet. Man schloß einen weiten Postenkreis um den Schauplatz des Mordes, und nachdem der Sergeant befohlen hatte, auf Jeden zu schießen, welcher auf dreimaliges Anrufen nicht antworte und sich zurückweisen lasse, ließ er von seinen drei Leuten den Gefesselten in die Mitte nehmen und marschirte, das Gewehr schußfertig in der Hand, mit ihnen ab.
| Es wurde dieser Anordnung sofort Folge geleistet. Man schloß einen weiten Postenkreis um den Schauplatz des Mordes, und nachdem der Unteroffizier befohlen hatte, auf jeden zu schießen, welcher auf dreimaliges Anrufen nicht antworte und sich zurückweisen lasse, ließ er von seinen drei Leuten den Gefesselten in die Mitte nehmen und marschierte, das Gewehr schußfertig in der Hand, mit ihnen ab.
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| Die Kunde, der Grunert-Franz habe den Lieutenant erschossen, weil er von ihm beim Schwärzen ertappt worden sei, verbreitete sich schon am frühen Morgen wie ein Lauffeuer durch die ganze Gegend, und wer es nur möglich
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machen konnte, der eilte zur Stelle, um Zeuge von dem Aufheben der Leiche zu sein. Der Staatsanwalt war schon vor Tagesgrauen unter Gendarmeriebegleitung angekommen, trotzdem er sich die Zeit genommen hatte, den Gefangenen erst aufzusuchen. Dieser hatte ihm den Vorgang wahrheitsgetreu berichtet und nur verschwiegen, was in Beziehung auf den Dukatenprinzen zu sagen gewesen wäre. Der gewissenhafte Beamte richtete seine Rekognition nach diesem Berichte ein und mußte allerdings bemerken, daß unter dem tief herabhängenden Tannigt zur Zeit der That Jemand gelegen haben müsse, wie das Geknicktsein mehrerer Zweige und deren noch frische Bruchstellen bewiesen. Auch der Ort, an welchem der Schütze gestanden hatte, wurde gefunden, doch waren die in dem verdorrten Heidelbeergesträuch befindlichen Spuren nicht der Art, daß ein weiterer Anhalt gewonnen werden konnte, ebenso wie der auf dem Moose entdeckte Pfropfen, da er aus Werg bestand, nur dazu diente, die Aussage über die Richtung des Schusses zu bestätigen.
| Die Kunde, der Grunert-Franz habe den Lieutenant erschossen, weil er von ihm beim Schwärzen ertappt worden sei, verbreitete sich schon am frühen Morgen wie ein Lauffeuer durch die ganze Gegend, und wer es nur möglich machen konnte, der eilte zur Stelle, um Zeuge von dem Aufheben der Leiche zu sein. Der Staatsanwalt war schon vor Tagesgrauen unter Gendarmeriebegleitung angekommen, trotzdem er sich die Zeit genommen hatte, den Gefangenen erst aufzusuchen. Dieser hatte ihm den Vorgang wahrheitsgetreu berichtet und nur verschwiegen, was in Beziehung auf den Dukatenprinzen zu sagen gewesen wäre. Der gewissenhafte Beamte richtete seine Rekognition nach diesem Berichte ein und mußte allerdings bemerken, daß unter dem tief herabhängenden Tannengebüsch zur Zeit der That Jemand gelegen haben müsse, wie das Geknicktsein mehrerer Zweige und deren noch frische Bruchstellen bewiesen. Auch der Ort, an welchem der Schütze gestanden hatte, wurde gefunden, doch waren die in dem verdorrten Heidelbeergesträuch befindlichen Spuren nicht der Art, daß ein weiterer Anhalt gewonnen werden konnte, ebenso wie der auf dem Moose entdeckte Pfropfen, da er aus Werg bestand, nur dazu diente, die Aussage über die Richtung des Schusses zu bestätigen.
| Die Kunde, der Grunert-Franz habe den Leutnant erschossen, weil er von ihm beim Schwärzen ertappt worden sei, verbreitete sich schon am frühen Morgen wie ein Lauffeuer durch die ganze Gegend, und wer es nur möglich machen konnte, der eilte zur Stelle, um Zeuge von dem Aufheben der Leiche zu sein.
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Der Staatsanwalt war schon vor Tagesgrauen unter Gendarmeriebegleitung angekommen, trotzdem er sich die Zeit genommen hatte, den Gefangenen erst aufzusuchen. Dieser hatte ihm den Vorgang wahrheitsgetreu berichtet und nur verschwiegen, was in Beziehung auf den Dukatenprinzen zu sagen gewesen wäre. Der gewissenhafte Beamte richtete seine Rekognition nach diesem Berichte ein und mußte allerdings bemerken, daß unter dem tief herabhängenden Tannicht zur Zeit der Tat jemand gelegen haben müsse, wie das Geknicktsein mehrerer Zweige und deren noch frische Bruchstellen bewiesen. Auch der Ort, an welchem der Schütze gestanden hatte, wurde gefunden, doch waren die in dem verdorrten Heidelbeergesträuch befindlichen Spuren nicht der Art, daß ein weiterer Anhalt genommen werden konnte, ebenso wie der auf dem Moose entdeckte Pfropfen, da er aus Werg bestand, nur dazu diente, die Aussage über die Richtung des Schusses zu bestätigen.
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| Trotz dieser Umstände und des für ihn sprechenden Eindruckes, welchen Franz während der Verhöre auf den Untersuchungsrichter machte, mußte die Anklage aufrecht erhalten werden, da die Verdachtsmomente zu dringend erschienen und er ganz besonders über den Zweck seines nächtlichen Waldbesuches sich nicht aussprechen wollte. Eine lange Reihe von Monaten umschlossen ihn die Mauern des Gefängnisses, ehe es zur richterlichen Entscheidung kam. Der gewandte Vertheidiger stützte sich zumeist auf einen Umstand, welchem bisher nicht die gehörige Beachtung geschenkt worden war: Man hatte die Kleider des Angeklagten mit Blut bespritzt
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gefunden; dies konnte nur dadurch möglich sein, daß er im Augenblick des Schusses sich wirklich in der nächsten Nähe des Ermordeten befunden hatte, und da es erwiesen war, daß der Schuß aus ziemlicher Entfernung abgefeuert worden war, so konnte er unmöglich der Mörder sein. Er wurde wegen mangelnder Brweisgründe freigesprochen und durfte seine Haft verlassen.
| Trotz dieser Umstände und des für ihn sprechenden Eindruckes, welchen Franz während der Verhöre auf den Untersuchungsrichter machte, mußte die Anklage aufrecht erhalten werden, da die Verdachtsmomente zu dringend erschienen und er ganz besonders über den Zweck seines nächtlichen Waldbesuches sich nicht aussprechen wollte. Eine lange Reihe von Monaten umschlossen ihn die Mauern des Gefängnisses, ehe es zur richterlichen Entscheidung kam. Der gewandte Vertheidiger stützte sich zumeist auf einen Umstand, welchem bisher nicht die gehörige Beachtung geschenkt worden war: Man hatte die Kleider des Angeklagten mit Blut bespritzt gefunden; dies konnte nur dadurch möglich sein, daß er im Augenblick des Schusses sich wirklich in der nächsten Nähe des Ermordeten befunden hatte, und da es erwiesen war, daß der Schuß aus ziemlicher Entfernung abgefeuert worden war, so konnte er unmöglich der Mörder sein. Er wurde wegen mangelnder Brweisgründe freigesprochen und durfte seine Haft verlassen.
| Trotz dieser Umstände und des für ihn sprechenden Eindruckes, welchen Franz während der Verhöre auf den Untersuchungsrichter machte, mußte die Anklage aufrecht erhalten werden, da die Verdachtsmomente zu dringend erschienen und er ganz besonders über den Zweck seines nächtlichen Waldbesuches sich nicht aussprechen wollte. Eine lange Reihe von Monaten umschlossen ihn die Mauern des Gefängnisses, ehe es zur richterlichen Entscheidung kam. Der gewandte Verteidiger stützte sich zumeist auf einen Umstand, welchem bisher nicht die gehörige Beachtung geschenkt worden war: Man hatte die Kleider des Angeklagten mit Blut bespritzt gefunden; dies konnte nur dadurch möglich sein, daß er im Augenblick des Schusses sich wirklich in der nächsten Nähe des Ermordeten befunden habe, und da
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erwiesen war, daß der Schuß aus ziemlicher Entfernung abgefeuert worden war, so konnte er unmöglich der Mörder sein. Er wurde wegen mangelnder Brweisgründe freigesprochen und durfte seine Haft verlassen. - -
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| Es war an einem dunklen Abende, als er das heimathliche Dorf wieder betrat und seine Schritte nach dem Häuschen richtete, in welchem, wie er wußte, ein liebendes Herz seiner Rückkehr harrte. Wenn Alle ihn verurtheilten, Zwei thaten es nicht: die Mutter, weil sie an ihr Kind glaubte, und der Heinrich, welcher seine Unschuld kannte. Wem der Schuß eigentlich gegolten hatte, das wußte Franz, aber er brachte den jähzornigen Charakter Heinrichs und die an jenem Abende stattgefundene Überraschung in Rechnung, und da er trotz seiner persönlichen Überzeugung den Mörder mit juridischer Sicherheit nicht bezeichnen konnte, so hatte er über Heinrichs Anwesenheit im Walde geschwiegen und gab sich noch jetzt der Hoffnung hin, daß trotz des Vorgefallenen, ja gerade wegen desselben, sobald der Dukatenprinz sich dankbar erweisen wollte, die alte Freundschaft sich von Neuem befestigen werde.
| Es war an einem dunklen Abende, als er das heimathliche Dorf wieder betrat und seine Schritte nach dem Häuschen richtete, in welchem, wie er wußte, ein liebendes Herz seiner Rückkehr harrte. Wenn Alle ihn verurtheilten, Zwei thaten es nicht: die Mutter, weil sie an ihr Kind glaubte, und der Heinrich, welcher seine Unschuld kannte. Wem der Schuß eigentlich gegolten hatte, das wußte Franz, aber er brachte den jähzornigen Charakter Heinrichs und die an jenem Abende stattgefundene Überraschung in Rechnung, und da er trotz seiner persönlichen Überzeugung den Mörder mit juridischer Sicherheit nicht bezeichnen konnte, so hatte er über Heinrichs Anwesenheit im Walde geschwiegen und gab sich noch jetzt der Hoffnung hin, daß trotz des Vorgefallenen, ja gerade wegen desselben, sobald der Dukatenprinz sich dankbar erweisen wollte, die alte Freundschaft sich von Neuem befestigen werde.
| Es war an einem dunklen Abend, als er das heimatliche Dorf wieder betrat und seine Schritte nach dem Häuschen richtete, in welchem, wie er wußte, man seiner Rückkehr harrte. Wenn alle ihn verurteilten, zwei taten es nicht: Die Mutter, weil sie an ihr Kind glaubte, und der Heinrich, welcher seine Unschuld kannte. Wem der Schuß eigentlich gegolten hatte, das wußte Franz, aber er brachte den jähzornigen Charakter Heinrichs und die an jenem Abende stattgefundene Überraschung in Rechnung, und da er trotz seiner persönlichen Überzeugung den Mörder mit juristischer Sicherheit nicht bezeichnen konnte, so hatte er über Heinrichs Anwesenheit im Walde geschwiegen und gab sich noch jetzt der Hoffnung hin, daß trotz des Vorgefallenen, ja gerade wegen desselben, sobald der Dukatenprinz sich dankbar erweisen wollte, die alte Freundschaft sich von Neuem befestigen werde.
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| Er fand die Thüre verschlossen. Sie war für Den, welcher mit der Vorrichtung vertraut war, auch von Außen zu öffnen. Er entfernte mit der untergeschobenen Hand den Riegel und trat ein. "Mutter ?" rief er, in der Stube angekommen, wo es vollständig finster war.
| Er fand die Thüre verschlossen. Sie war für Den, welcher mit der Vorrichtung vertraut war, auch von Außen zu öffnen. Er entfernte mit der untergeschobenen Hand den Riegel und trat ein. "Mutter ?" rief er, in der Stube angekommen, wo es vollständig finster war.
| Er fand die Thüre verschlossen. Sie war für den, welcher mit der Vorrichtung vertraut war, auch von außen zu öffnen. Er entfernte mit der untergeschobenen Hand den Riegel und trat ein. "Mutter ?" rief er, in der Stube angekommen, wo es vollständig finster war.
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Er erhielt keine Antwort und griff daher zu Lampe und Feuerzeug. Als der Schein der ersteren den Raum erhellte, gewahrte er eine lang ausgestreckte Gestalt, welche, von einem weißen Tuche überdeckt, auf dem Lager ruhte. Die Leuchte entfiel seiner Hand und mit einem lauten Aufschrei warf er sich über die Todte hin.
| Er erhielt keine Antwort und griff daher zu Lampe und Feuerzeug. Als der Schein der ersteren den Raum erhellte, gewahrte er eine lang ausgestreckte Gestalt, welche, von einem weißen Tuche überdeckt, auf dem Lager ruhte. Die Leuchte entfiel seiner Hand und mit einem lauten Aufschrei warf er sich über die Todte hin.
| Er erhielt keine Antwort und griff daher zu Lampe und Feuerzeug. Als der Schein der ersteren den Raum erhellte, gewahrte er eine lang ausgestreckte Gestalt, welche, von einem weißen Tuche überdeckt, auf dem Lager ruhte. Die Leuchte entfiel seiner Hand und mit einem lauten Aufschrei warf er sich über die Tote hin.
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Da trat Jemand vorsichtig tappend durch den Eingang.
| Da trat Jemand vorsichtig tappend durch den Eingang.
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Da trat jemand vorsichtig tappend durch den Eingang.
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| "Die Thür steht off'n! Ist Jemand hier ?" frug eine männliche Stimme. "Ja!" antwortete Franz mit unterdrücktem Schluchzen. | "Die Thür steht off'n! Ist Jemand hier ?" frug eine männliche Stimme. "Ja!" antwortete Franz mit unterdrücktem Schluchzen. | "Die Thür steht offen! Ist jemand hier ?" fragte eine männliche Stimme. "Ja!" antwortete Franz mit unterdrücktem Schluchzen. |
| "So bist Du's selber ?" Es war der Ortsvorsteher. "Ich hab' heut' vom Amte die Nachricht erhalt'n, daß Du kommst, und wollt' nur seh'n, ob Du auch schon da bist. Wirst wohl gefunden hab'n, wie's zu Hause steht. Und wenn Du etwa net weißt, wer schuld d'ran ist, so will ich Dir's sag'n: Du hast sie auf Deinem Gewiss'n!"
| "So bist Du's selber ?" Es war der Ortsvorsteher. "Ich hab' heut' vom Amte die Nachricht erhalt'n, daß Du kommst, und wollt' nur seh'n, ob Du auch schon da bist. Wirst wohl gefunden hab'n, wie's zu Hause steht. Und wenn Du etwa nicht weißt, wer schuld d'ran ist, so will ich Dir's sag'n: Du hast sie auf Deinem Gewiss'n!"
| "So bist du's selber ?" Es war der Ortsvorsteher. "Ich hab' heute vom Amte die Nachricht erhalten, daß du kommst, und wollt' nur sehen, ob du auch schon da bist. Wirst wohl gefunden haben, wie's zu Hause steht. Und wenn Du etwa nicht weißt, wer schuld dran ist, so will ich dir's sagen. Du hast sie auf deinem Gewissen!"
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| Franz war nicht schwach. Er hatte die lange Kerkerhaft muthig ertragen; jetzt aber war es nicht nur finster in der Stube, jetzt wurde es auch finster in ihm.
| Franz war nicht schwach. Er hatte die lange Kerkerhaft muthig ertragen; jetzt war es nicht nur finster in der Stube, jetzt war es auch finster in ihm.
| Franz war nicht schwach. Er hatte die lange Kerkerhaft mutig ertragen; jetzt aber war es nicht nur finster in der Stube, jetzt war es auch finster in ihm. Es war kein stechender, kein brennender, es war ein tauber, stumpfer Schmerz, welcher sich seiner bemächtigt hatte. Ohne zu wissen wozu und wohin, wankte er aus dem Hause und das Dorf hinab. Bei den Bäumen angekommen, in deren Schatten das Verhängnis ihn erfaßt hatte, lehnte er sich müde an einen der Stämme und gedachte des Glückes, welches damals den Pulsschlag seines Herzens verdoppelte. War sie noch hier ? Oder hatte sie den Ort verlassen, welcher so traurige Erinnerungen für sie haben mußte ? Er schritt dem Dukatenhofe zu, um sich diese Fragen beantworten zu können. Er hatte nichts Böses gethan, und niemand konnte es ihm verwehren, wenn er Zutritt nahm wie früher. Unter dem Tore traf er auf Marie, welche eben im Begriffe stand, den Hof abzuschließen. Es war schon spät.
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| Es war kein stechender, kein brennender, es war ein tauber, stumpfer Schmerz, welcher sich seiner bemächtigt hatte. Ohne zu wissen wozu und wohin, wankte er aus dem Hause und das Dorf hinab. Bei den Bäumen angekommen, in deren Schatten das Verhängniß ihn erfaßt hatte, lehnte er sich müde an einen der Stämme und gedachte des Glückes, welches damals den Pulsschlag seines Herzens verdoppelte. War sie noch hier ? Oder hatte sie den Ort verlassen, welcher so traurige Erinnerungen für sie haben mußte ? Er schritt dem Dukatenhofe zu, um sich diese Fragen
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beantworten zu können. Er hatte nichts Böses gethan und Niemand konnte es ihm verwehren, wenn er Zutritt nahm wie früher. Unter dem Thore traf er auf Marie, welche eben im Begriffe stand, den Hof abzuschließen. Es war schon spät.
| Es war kein stechender, kein brennender, es war ein tauber, stumpfer Schmerz, welcher sich seiner bemächtigt hatte. Ohne zu wissen wozu und wohin, wankte er aus dem Hause und das Dorf hinab. Bei den Bäumen angekommen, in deren Schatten das Verhängniß ihn erfaßt hatte, lehnte er sich müde an einen der Stämme und gedachte des Glückes, welches damals den Pulsschlag seines Herzens verdoppelte. War sie noch hier ? Oder hatte sie den Ort verlassen, welcher so traurige Erinnerungen für sie haben mußte ? Er schritt dem Dukatenhofe zu, um sich diese Fragen beantworten zu können. Er hatte nichts Böses gethan und Niemand konnte es ihm verwehren, wenn er Zutritt nahm wie früher. Unter dem Thore traf er auf Marie, welche eben im Begriffe stand, den Hof abzuschließen. Es war schon spät.
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| "Marie, Du ? Gut'n Abend!"
| "Marie, Du ? Gut'n Abend!"
| "Marie, Du ? Guten Abend!"
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"Franz! Wahrhaftig, es ist der Franz!" rief sie und schon rollten ihr auch die Tränen aus den Augen. "Willkommen wieder daheim! Haben sie Dich endlich losgeben müssen ?"
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| "Endlich!" seufzte er tief auf. "Warst Du auch schon zu Haus' ?" "Ja!" "Du armer, guter Kerle, wie magst Du da erschrock'n sein!" "Ist hier Alles daheim ?" "Alles." "So laß mich ein!" "Franz, wirst Du mir bös sein ?" "Warum ?" "Weil ich Dich bitt', lieber wieder fortzugeh'n. Oder wart' ein wenig hier auß'n, bis ich gleich wiederkomm'. Ich werd' Dir Alles erzähl'n!"
| "Endlich!" seufzte er tief auf. "Warst Du auch schon zu Haus' ?" "Ja!" "Du armer, guter Bursche, wie magst Du da erschrock'n sein!" "Ist hier Alles daheim ?" "Alles." "So laß mich ein!" "Franz, wirst Du mir bös sein ?" "Warum ?" "Weil ich Dich bitt', lieber wieder fortzugeh'n. Oder wart' ein wenig hier auß'n, bis ich gleich wiederkomm'. Ich werd' Dir Alles erzähl'n!"
| "Endlich!" seufzte er tief auf. "Warst du auch schon zu Hause ?" "Ja!" "Du armer, guter Kerl, wie magst du da erschrocken sein!" "Ist hier alles daheim ?" "Alles." "So laß mich ein!" "Franz, wirst du mir bös sein ?" "Warum ?" "Weil ich Dich bitte, lieber wieder fortzugehen. Oder warte ein wenig hier außen, bis ich gleich wiederkomme. Ich werde Dir alles erzählen!"
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| "Wart'n ? Warum ? Sag's gleich!" "Die zwei Dukat'nmänner sind net gut auf Dich -"
| "Wart'n ? Warum ? Sag's gleich!" "Die zwei Dukat'nmänner sind nicht gut auf Dich. -"
| "Warten ? Warum ? Sag's gleich!" "Die zwei Dukatenmänner sind nicht gut auf dich."
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| "So ?!" dehnte er. "Weshalb denn ?" "Weil - weil - Du weißt es ja!" "Sag's lieber; ich will's hör'n!" "Weil - weil der alte Soldat erschossen word'n ist!"
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"So!" dehnte er wieder, diesmal aber heiser und tief grollend. "Weiter nix ?"
| "So ?!" sagte er gedehnt. "Weshalb denn ?" "Weil - weil - Du weißt es ja!" "Sag's lieber; ich will's hör'n!" "Weil - weil der alte Soldat erschossen word'n ist!"
| "So ?!" dehnte er. "Weshalb denn ?" "Weil - weil - du weißt es ja!" "Sag's lieber; ich will's hören!" "Weil - weil der alte Soldat erschossen worden ist!"
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| "Und weil - er hat nix davon gesagt, sondern ich denk' mir's nur - von weg'n der jungen Bäuerin." "Der Heinrich hat geheirathet ?" "Hast Du noch nix davon gehört ?" "Nein! Wer ist die Frau ?" "Du kennst sie auch. Die Anna."
| "Und weil - er hat nix davon gesagt, sondern ich denk' mir's nur - von weg'n der jungen Bäuerin." "Der Heinrich hat geheirathet ?" "Hast Du noch nix davon gehört ?" "Nein! Wer ist die Frau ?" "Du kennst sie auch. Die Anna."
| "Und weil - er hat nichts davon gesagt, sondern ich denke mir's nur - von wegen der jungen Bäuerin." "Der Heinrich hat geheiratet ?" "Hast du noch nichts davon gehört ?" "Nein! Wer ist die Frau ?" "Du kennst sie auch. Die Anna." |
"Die Anna ?" Das Blut stockte ihm in den Adern und hastig frug er: "Welche Anna ?" "Dem Lieut'nant seine." Er sagte nichts, aber er legte seine beiden Arme um den Thorpfeiler und preßte den Kopf an die kalten Steine desselben. Sie faßte ihn an, denn sie sah, daß er im Begriffe stand, zusammenzubrechen. "Franz, was ist mit Dir! Komm, laß die Säule los, ich werd' Dich schon halt'n!" Er antwortete nicht. Es war ihm, als habe ein Keulenschlag seinen Kopf getroffen; er wollte sprechen, aber er brachte es nur zu einem unartikulirten Laute, der sich mit einem fast thierischen Klange aus der zusammengeschnürten Brust emporrang.
| "Die Anna ?" Das Blut stockte ihm in den Adern und hastig frug er: "Welche Anna ?" "Dem Lieut'nant seine." Er sagte nichts, aber er legte seine beiden Arme um den Thorpfeiler und preßte den Kopf an die kalten Steine desselben. Sie faßte ihn an; denn sie sah, daß er im Begriffe stand, zusammenzubrechen. "Franz, was ist mit Dir ? Komm, laß die Säule los, ich werd' Dich schon halt'n!" Er antwortete nicht. Es war ihm, als habe ein Keulenschlag seinen Kopf getroffen; er wollte Seite 267
sprechen, aber er brachte es nur zu einem unartikulirten Laute, der sich mit einem fast thierischen Klange aus der zusammengeschnürten Brust emporrang.
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"Die Anna ?" Das Blut stockte ihm in den Adern, und hastig fragte er: "Welche Anna ?""Dem Leutnant seine." Er sagte nichts, aber er legte seine beiden Arme um den Torpfeiler und preßte den Kopf an die kalten Steine desselben. Sie faßte ihn an, denn sie sah, daß er im Begriffe stand, zusammenzubrechen. "Franz, was ist mit dir ? Komm, laß die Säule los; ich werd' dich schon halten!" Er antwortete nicht. Es war ihm, als habe ein Keulenschlag seinen Kopf getroffen; er wollte sprechen, aber er brachte es nur zu einem unartikulierten Laute, der sich mit einem fast tierischen Klange aus der zusammengeschnürten Brust emporrang.
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| "Franz, ich bitt' Dich, red', sag' nur ein Wort! Nachher wird es Dir wieder leicht." Die eine seiner Hände löste sich vom Pfeiler und legte sich auf ihren Kopf. Sie fühlte die Eiseskälte derselben selbst durch das Haar hindurch. "Marie - - - -!"
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Sie konnte sich nicht länger halten und schlang inbrünstig die Arme um ihn."Laß's doch geh'n, Franz! Ich hab' Dich ja lieb, mehr als mein Leb'n!" "Ich weiß's! Du bist die Einzige, die net an mir gezweifelt hat, und das werd' ich Dir niemals vergess'n. Sogar die Mutter hat's geglaubt, was die Leut' geredet hab'n, sonst hätt' ich sie heut net todt gefund'n. - Marie, Du weißt's net, wie mir ist, hier und hier" - er deutete nach der Stirn und dem Herzen - "meine Seele ist weg und meine Gedank'n sind alle; es ist grad', als ob ein Mühlrad mir durch's Leb'n gegangen wär'."
| "Franz, ich bitt' Dich, red', sag' nur ein Wort! Nachher wird es Dir wieder leicht." Die eine seiner Hände löste sich vom Pfeiler und legte sich auf ihren Kopf. Sie fühlte die Eiseskälte derselben selbst durch das Haar hindurch. "Marie - - - -!"
"Laß's doch geh'n, Franz! Ich hab' Dich ja lieb, mehr als mein Leb'n!" "Ich weiß es! Du bist die Einzige, die nicht an mir gezweifelt hat, und das werd' ich Dir niemals vergess'n. Sogar die Mutter hat's geglaubt, was die Leut' geredet hab'n, sonst hätt' ich sie heut nicht todt gefund'n. - Marie, Du weißt's nicht, wie mir ist, hier und hier" - er deutete nach der Stirn und dem Herzen - "meine Seele ist weg und meine Gedank'n sind verwirrt; es ist grad', als ob ein Mühlrad mir durch's Leb'n gegangen wär'."
| "Franz, ich bitt' dich, red', sag' nur ein Wort! Nachher wird es dir wieder leicht." Die eine seiner Hände löste sich vom Pfeiler und legte sich auf ihren Kopf. Sie fühlte die Eiseskälte derselben selbst durch das Haar hindurch. "Marie - - - -!"
"Laß doch gehen, Franz! Ich habe Dich ja lieb, mehr als mein Leben!" "Ich weiß! Du bist die einzige, die nicht an mir gezweifelt hat, und das werde ich Dir niemals vergessen. Sogar die Mutter hat's geglaubt, was die Leute geredet haben, sonst hätte ich sie heute nicht tot gefunden. - Marie, du weißt's nicht, wie mir ist, hier und hier," - er deutete nach der Stirn und dem Herzen - "meine Seele ist weg und meine Gedanken sind alle; es ist grad, als ob ein Mühlrad mir durchs Leben gegangen wäre."
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"Das wird wieder anders, Franz, wenn nur 'mal die erst'n Tag' vorüber sind! Aber wo willst Du denn bleib'n ? Zu Haus' bei der Leich' kannst Du doch net sein!" "Wo anders ? Wer soll den Mörder in die Stube nehm'n ?" "O, wenn ich doch nur net Dienstbot' wär', ich ließ' Dich nimmer fort. Geh' doch 'mal zum Herrn Pfarrer! Der weiß in Allem Rath und wird auch für Dich sorg'n." "Ich brauch' kein' Pfarrer, brauch' keinen Mensch'n, brauch' von Niemand nix. Ich geh' nach Haus'. Bei der Leich', da ist mein Platz; zur Leich', da gehör' ich hin, denn ich bin auch todt!"
| "Das wird wieder anders, Franz, wenn nur 'mal die erst'n Tag' vorüber sind! Aber wo willst Du denn bleib'n ? Zu Haus' bei der Leich' kannst Du doch nicht sein!" "Wo anders ? Wer soll den Mörder in die Stube nehm'n ?" "O, wenn ich doch nur nicht Dienstbot' wär', ich ließ Dich nimmer fort. Geh' doch mal zum Herrn Pfarrer! Der weiß in Allem Rath und wird auch für Dich sorg'n." "Ich brauch' kein' Pfarrer, brauch' keinen Mensch'n, brauch' von Niemand nix. Ich geh' nach Haus'. Bei der Leich', da ist mein Platz; zur Leich', da gehör' ich hin, denn ich bin auch todt!"
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"Das wird wieder anders, Franz, wenn nur mal die ersten Tage vorüber sind! Aber wo willst du denn bleiben ? Zu Hause bei der Leiche kannst du doch nicht sein!""Wo anders ? Wer soll den Mörder in die Stube nehmen ?" "O, wenn ich doch nur nicht Dienstbote wäre, ich ließ' dich nimmer fort. Gehe doch mal zum Herrn Pfarrer! Der weiß in allem Rat und wird auch für dich sorg'n." "Ich gehe nach Hause. Bei der Leiche, da ist mein Platz; zur Leiche, da gehöre ich hin, denn ich bin auch tot!"
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| Er ging. Das sich ängstigende Mädchen wollte ihn noch zurückhalten, aber er wehrte ihr ab. "Brauchst keine Sorg' zu hab'n, Marie! Es ist mir Seite 135
wüst im Kopf, aber ich weiß schon noch, was ich thu'. Schlaf wohl!"
| Er ging. Das sich ängstigende Mädchen wollte ihn noch zurückhalten, aber er wehrte ihr ab. "Brauchst keine Sorg' zu hab'n, Marie! Es ist mir wüst im Kopf, aber ich weiß schon noch, was ich thu'. Schlaf wohl!"
| Er ging. Das sich ängstigende Mädchen wollte ihn noch zurückhalten, aber er wehrte ihr ab: "Brauchst keine Sorge zu haben, Marie! Es ist mir wüst im Kopf, aber ich weiß schon noch, was ich tue. Schlaf' wohl!"
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| "Gute Nacht, Franz, und laß Dir das Herz doch wieder leichter werd'n!" Sie blickte ihm nach, so weit sie bei der Dunkelheit es konnte, und schloß das Thor nicht eher zu, als bis der Klang seiner Schritte vollständig verschollen war. In das Haus zurückgekehrt, traf sie auf den jungen Bauer, welcher im Begriffe stand, die Wohnung durch den hinteren Ausgang zu verlassen. Er hatte die hohen Stiefel an und trug einen langen, unter einem Tuche verborgenen Gegenstand in der Hand. Sie wußte, daß es zum nächsten Mittag Wildpret geben würde.
| "Gute Nacht, Franz, und laß Dir das Herz doch wieder leichter werd'n!" Sie blickte ihm nach, so weit sie bei der Dunkelheit es konnte, und schloß das Thor nicht eher zu, als bis der Klang seiner Schritte vollständig verschollen war. In das Haus zurückgekehrt, traf sie auf den jungen Bauer, welcher im Begriffe stand, die Wohnung durch den hinteren Ausgang zu verlassen. Er hatte die hohen Stiefel an und trug einen langen, unter einem Tuche verborgenen Gegenstand in der Hand. Sie wußte, daß es zum nächsten Mittag Wildpret geben würde.
| "Gute Nacht, Franz, und laß dir das Herz doch wieder leichter werden!" Sie blickte ihm nach, so weit sie bei der Dunkelheit es konnte, und schloß das Thor nicht eher zu, als bis der Klang seiner Schritte vollständig verhallt war. In das Haus zurückgekehrt, traf sie auf den jungen Bauer, welcher im Begriffe stand, die Wohnung durch den hinteren Ausgang zu verlassen. Er hatte die hohen Stiefel an und trug einen langen, unter einem Tuche verborgenen Gegenstand in der Hand. Sie wußte, daß es zum nächsten Mittag Wildbret geben würde.
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| Franz hatte die Straße nicht weit verfolgt; es trieb ihn unwiderstehlich, da, was er gehört hatte, mit eigenen Augen zu schauen. Er bog um das Gut herum und schlich sich durch den Garten nach dem Hofraume, in welchen die hinteren Fenster der Wohnstube führten. Nur mit seinen trüben Gedanken beschäftigt, gewahrte er nicht, daß eine Gestalt ihm folge, die ihn bei dem Übersteigen des Zaunes bemerkt hatte. Die Stube war erleuchtet und am Tische saßen zwei mit Näharbeit beschäftigte Frauen. Er trat näher; er mußte sie deutlicher sehen, sie, an die er gedacht hatte zu jeder Stunde seines einsamen Gefängnißlebens. Man rückte drinnen die Lampe und ein heller Lichtstrahl glitt über ihn dahin. Jetzt erst erkannte sein Verfolger, wen er vor sich habe.
| Franz hatte die Straße nicht weit verfolgt; es trieb ihn unwiderstehlich, da, was er gehört hatte, mit eigenen Augen zu schauen. Er bog um das Gut herum und schlich sich durch den Garten nach dem Hofraume, in welchen die hinteren Fenster der Wohnstube führten. Nur mit seinen trüben Gedanken beschäftigt, gewahrte er nicht, daß eine Gestalt ihm folge, die ihn bei dem Übersteigen des Zaunes bemerkt hatte. Die Stube war erleuchtet und am Tische saßen zwei mit Näharbeit beschäftigte Frauen. Er trat näher; er mußte sie deutlicher sehen, sie, an die er gedacht hatte zu jeder Stunde seines einsamen Gefängnißlebens. Man rückte drinnen die Lampe und ein heller Lichtstrahl glitt über ihn dahin. Jetzt erst erkannte sein Verfolger, wen er vor sich habe.
| Franz hatte die Straße nicht weit verfolgt; es trieb ihn unwiderstehlich, da, was er gehört hatte, mit eigenen Augen zu schauen. Er bog um das Gut herum
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und schlich sich durch den Garten nach dem Hofraum, in welchen die hinteren Fenster der Wohnstube führten. Nur mit seinen trüben Gedanken beschäftigt, gewahrte er nicht, daß eine Gestalt ihm folge, die ihn bei dem Übersteigen des Zaunes bemerkt hatte. Die Stube war erleuchtet, und am Tische saßen zwei mit Näharbeit beschäftigte Frauen. Er trat näher, er mußte sie deutlich sehen, sie, an die er gedacht hatte zu jeder Stunde seines einsamen Gefängnislebens. Man rückte drinnen die Lampe, und ein heller Lichtstrahl glitt über ihn dahin. Jetzt erst erkannte sein Verfolger, wen er vor sich habe.
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| "Der Franz!" murmelte er. "Er ist wieder da - sie hab'n ihn frei gegeb'n! Er will die Anna seh'n. Nun weiß
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er, daß sie meine Frau geword'n ist und wird mich verrath'n! Soll ich ihn jetzt wegputz'n ?"
| "Der Franz!" murmelte er. "Er ist wieder da - sie hab'n ihn frei gegeb'n! Er will die Anna seh'n. Nun weiß er, daß sie meine Frau geword'n ist und wird mich verrath'n! Soll ich ihn jetzt wegputz'n ?"
| "Der Franz!" murmelte er. "Er ist wieder da - sie hab'n ihn frei gegeben! Er will die Anna sehen. Nun weiß er, daß sie meine Frau geworden ist und wird mich verraten! Soll ich ihn jetzt wegputz'n ?"
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| Er nahm das Tuch vom Gewehr und legte an; aber nach einigen Augenblicken ließ er die Waffe wieder sinken. "Nein, der Dukat'n-Heinrich ist net so dumm, daß er sich einsteck'n läßt und nachher seinen Kopf hergibt! Ich weiß was Besser's, wie man den Franz zum Schweig'n bringt."
| Er nahm das Tuch vom Gewehr und legte an; aber nach einigen Augenblicken ließ er die Waffe wieder sinken. "Nein, der Dukat'n-Heinrich ist nicht so dumm, daß er sich einsteck'n läßt und nachher seinen Kopf hergibt! Ich weiß was Besser's, wie man den Franz zum Schweigen bringt."
| Er nahm das Tuch vom Gewehr und legte an; aber nach einigen Augenblicken ließ er die Waffe wieder sinken. "Nein, der Dukaten-Heinrich ist nicht so dumm, daß er sich einstecken läßt und nachher seinen Kopf hergibt! Ich weiß was Besseres, wie man den Franz zum Schweigen bringt."
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| Es war ein teuflischer Gedanke, der ihn erfaßt hatte. Das Terrain war ein von dem Hofe nach dem Garten zu ansteigendes, und in der Nähe des Fensters lagen die abgesägten Stämme zweier Obstbäume, die man ihres Alters wegen vor kurzer Zeit gefällt hatte. Jetzt hatte die eigene Schwere sie noch nicht zu tief in den Boden gedrückt, und es bedurfte also nicht mehr als Manneskraft, einen von ihnen in's Rollen zu bringen. Einmal in Bewegung gesetzt, mußte er bis an die Mauer rollen und den dort stehenden Beobachter treffen.
| Es war ein teuflischer Gedanke, der ihn erfaßt hatte. Das Terrain war ein von dem Hofe nach dem Garten zu ansteigendes, und in der Nähe des Fensters lagen die abgesägten Stämme zweier Obstbäume, die man ihres Alters wegen vor kurzer Zeit gefällt hatte. Jetzt hatte die eigene Schwere sie noch nicht zu tief in den Boden gedrückt, und es bedurfte also nicht mehr als Manneskraft, einen von ihnen in's Rollen zu bringen. Einmal in Bewegung gesetzt, mußte er bis an die Mauer rollen und den dort stehenden Beobachter treffen.
| Es war ein teuflischer Gedanke, der ihn erfaßt hatte. Das Terrain war ein von dem Hofe nach dem Garten zu ansteigendes, und in der Nähe des Fensters lagen die abgesägten Stämme zweier Nußbäume, die man ihres Alters wegen vor kurzer Zeit gefällt hatte. Jetzt hatte die eigene Schwere sie noch nicht zu tief in den Boden gedrückt, und es bedurfte also nicht mehr als Manneskraft, einen von ihnen ins Rollen zu bringen. Einmal in Bewegung gesetzt, mußte er
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bis an die Mauer rollen und den dort stehenden Beobachter treffen.
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| Ahnungslos, welch' eine furchtbare Gefahr ihm drohe, hing dieser mit dem Auge an dem lieblichen, jetzt aber tiefblassen Gesichte der so heiß Geliebten. Was hatte sie bewogen, dem Mörder ihres Vaters ihre Hand zu geben ? War es vielleicht die Liebe gewesen ? Er konnte keinen anderen Grund finden, er konnte überhaupt gar nicht sinnen und denken, er fühlte nur, daß es finster in ihm werde, finsterer noch, als es vorhin gewesen war. Da vernahm er ein lautes Getöse, unter welchem der Boden erzitterte, hinter sich - rasch drehte er sich um - ein schmetternder Schlag gegen die Mauer ließ das Haus erbeben - ein
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furchtbarer, markerschütternder Schrei erschallte durch die Nacht - die That war geschehen.
| Ahnungslos, welch' eine furchtbare Gefahr ihm drohe, hing dieser mit dem Auge an dem lieblichen, jetzt aber tiefblassen Gesichte der so heiß Geliebten. Was hatte sie bewogen, dem Mörder ihres Vaters ihre Hand zu geben ? War es vielleicht die Liebe gewesen ? Er konnte keinen anderen Grund finden, er konnte überhaupt gar nicht sinnen und denken, er fühlte nur, daß es finster in ihm werde, finsterer noch, als es vorhin gewesen war. Da vernahm er ein lautes Getöse, unter welchem der Boden erzitterte, hinter sich - rasch drehte er sich um - ein schmetternder Schlag gegen die Mauer ließ das Haus erbeben - ein furchtbarer, markerschütternder Schrei erschallte durch die Nacht - die That war geschehen.
| Ahnungslos, welch eine furchtbare Gefahr ihm drohe, hing dieser mit dem Auge an dem lieblichen, jetzt aber tiefblassen Gesichte der so heiß Geliebten. Was hatte sie bewogen, dem Mörder ihres Vaters ihre Hand zu geben ? War es vielleicht die Liebe gewesen ? Er konnte keinen anderen Grund finden, er konnte überhaupt gar nicht sinnen und denken, er fühlte nur, daß es finster in ihm werde, finsterer noch, als es vorhin gewesen war. Da vernahm er ein lautes Getöse, unter welchem der Boden erzitterte, hinter sich - rasch drehte er sich um - ein schmetternder Schlag gegen die Mauer ließ das Haus erbeben - ein furchtbarer, markerschütternder Schrei erschallte durch die Nacht - die Tat war geschehen.
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| Der alte Dukatenbauer fuhr, von dem Lärmen aus dem Schlummer geweckt, von seinem Großvaterstuhle empor; auch die beiden Frauen waren, auf das Heftigste erschrocken, in die Höhe gesprungen; das Gesinde, welches sich vor Kurzem erst zur Ruhe begeben hatte, eilte herbei, und auch Heinrich erschien unter der Thüre. "Was ist denn hier unten los bei euch ?" frug er. "Das war doch grad', als ob's ein Erdbeben gegeb'n hätt'!"
| Der alte Dukatenbauer fuhr, von dem Lärmen aus dem Schlummer geweckt, von seinem Großvaterstuhle empor; auch die beiden Frauen waren, auf das Heftigste erschrocken, in die Höhe gesprungen; das Gesinde, welches sich vor Kurzem erst zur Ruhe begeben hatte, eilte herbei, und auch Heinrich erschien unter der Thüre. "Was ist denn hier unten los bei euch ?" frug er. "Das war doch grad', als ob's ein Erdbeben gegeb'n hätt'!"
| Der alte Dukatenbauer drin in der Stube fuhr, von dem Lärmen aus dem Schlummer geweckt, von seinem Großvaterstuhle empor; auch die beiden Frauen waren, auf das heftigste erschrocken, in die Höhe gesprungen; das Gesinde, welches sich vor kurzem erst zur Ruhe begeben hatte, eilte herbei, und auch Heinrich erschien unter der Türe. "Was ist denn hier unten los bei euch ?" fragte er. "Das war doch grad, als ob's ein Erdbeben gegeben hätte!"
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| "Es war net bei uns, es war drauß'n im Hofe," lautete die Antwort. "So müss'n wir nachseh'n. Brennt rasch die Latern' an!"
| "Es war nicht bei uns, es war draußen im Hofe," lautete die Antwort. "So müss'n wir nachseh'n. Brennt rasch die Latern an!"
| "Es war nicht bei uns, es war draußen im Hofe," lautete die Antwort. "So müssen wir nachsehen. Brennt rasch die Laterne an!"
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| Man folgte dem Gebote und eilte dann hinaus, wo sich den Leuten ein entsetzlicher Anblick bot: Zwischen dem zurückgeprallten Klotze und der Wand lag in einer tiefen, rauchenden Blutlache ein menschlicher Körper, dem die Beine bis herauf an den Leib vollständig zermalmt worden waren.
| Man folgte dem Gebote und eilte dann hinaus, wo sich den Leuten ein entsetzlicher Anblick bot: Zwischen dem zurückgeprallten Klotze und der Wand lag in einer tiefen, rauchenden Blutlache ein menschlicher Körper, dem die Beine bis herauf an den Leib vollständig zermalmt worden waren.
| Man folgte dem Gebote und eilte dann hinaus, wo sich den Leuten ein entsetzlicher Anblick bot: Zwischen dem zurückgeprallten Klotze und der Wand lag in einer
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tiefen, rauchenden Blutlache ein menschlicher Körper, dem die Beine bis herauf an den Leib vollständig zermalmt worden waren.
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| "Was ist hier gescheh'n ? Wer ist der Mann ?" frug der Bauer. Heinrich nahm dem Knechte die Laterne aus der Hand und leuchtete dem Verunglückten in das Gesicht. "Der Franz ist's, der Grunert-Franz!" rief er verwundert. "Was hat der hier gewollt ? Ist er denn wieder los vom Amte ?" "Den hat das Holz erschlag'n. er ist ihm zu nah' gewes'n und da hat es ihn mit fortgeriss'n. Spannt rasch Seite 138
ein Pferd vor den Wag'n und fahrt nach dem Doktor. Vielleicht ist er noch net todt!"
| "Was ist hier gescheh'n ? Wer ist der Mann ?" frug der Bauer. Heinrich nahm dem Knechte die Laterne aus der Hand und leuchtete dem Verunglückten in das Gesicht. "Der Franz ist's, der Grunert-Franz!" rief er verwundert. "Was hat der hier gewollt ? Ist er denn wieder los vom Amte ?" "Den hat das Holz erschlag'n. er ist ihm zu nah' gewes'n und da hat es ihn mit fortgeriss'n. Spannt rasch ein Pferd vor den Wag'n und fahrt nach dem Doktor. Vielleicht ist er noch nicht todt!"
| "Was ist hier geschehen ? Wer ist der Mann ?" fragte der Bauer. Heinrich nahm dem Knechte die Laterne aus der Hand und leuchtete dem Verunglückten in das Gesicht. "Der Franz ist's, der Grunert-Franz!" rief er verwundert. "Was hat der hier gewollt ? Ist er denn wieder los vom Amte ?" "Den hat das Holz erschlagen. er ist ihm zu nahe gewesen und da hat es ihn mit fortgerissen," sagte der alte Bauer. "Spannt rasch ein Pferd vor den Wagen und fahrt nach dem Doktor. Vielleicht ist er noch nicht tot!"
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| "Der Franz ? Mein Herrgott, ist das wahr ?" rief Marie, indem sie die Anderen zurückdrängte. "Ja, er ists's! Franz, Franz, was ist mit Dir gescheh'n! O, wärst Du doch nach Haus gegang'n!" Sie warf sich trotz des fließenden Blutes über ihn hin und wehrte die Arme zurück, welche sie von ihm wegziehen wollten. Auch Anna war mit nach dem Hofe geeilt. Als sie den Namen des Zerschmetterten nennen hörte, riß es ihr die Hände nach dem Herzen. Nur ein leiser Wehelaut entrang sich ihren Lippen, aber es wurde ihr dunkel vor den Augen; die Gestalten der Umstehenden verschwanden in wirbelnden Nebeln; sie wankte und glitt langsam an dem Hause nieder. Heinrich sah sie liegen. er faßte sie und zog sie empor. "Was ist denn mit Dir ? Hat Dich wieder 'mal der Herzwurm angebiss'n! Dem Franz ist nix als nur sein Recht gescheh'n. Sie hab'n ihn losgelass'n, weil er sich auf's Leugnen gelegt hat, aber wer Mensch'nblut vergißt, dess' Blut wird auch vergoss'n; so steht es in der Bibel, und was die sagt, das ist wahr. Geh' Du hinein, Du bist uns hier nix nütze!"
| "Der Franz ? Mein Herrgott, ist das wahr ?" rief Marie, indem sie die Anderen zurückdrängte. "Ja, er ists's! Franz, Franz, was ist mit Dir gescheh'n! O, wärst Du doch nach Haus gegang'n!" Sie warf sich trotz des fließenden Blutes über ihn hin und wehrte die Arme zurück, welche sie von ihm wegziehen wollten. Auch Anna war mit nach dem Hofe geeilt. Als sie den Namen des Zerschmetterten nennen hörte, riß es ihr die Hände nach dem Herzen. Nur ein leiser Wehelaut entrang sich ihren Lippen, aber es wurde ihr dunkel vor den Augen; die Gestalten der Umstehenden verschwanden in wirbelnden Nebeln; sie wankte und glitt langsam an dem Hause nieder. Heinrich sah sie liegen. er faßte sie und zog sie empor. "Was ist denn mit Dir ? Hat Dich wieder 'mal der Herzwurm angebiss'n! Dem Franz ist nix als nur sein Recht gescheh'n. Sie hab'n ihn losgelass'n, weil er sich auf's Leugnen gelegt hat, aber wer Mensch'nblut vergißt, dess' Blut wird auch vergoss'n; so steht es in der Bibel, und was die sagt, das ist wahr. Geh' Du hinein, Du bist uns hier nix nütze!"
| "Der Franz ? Mein Herrgott, ist das wahr ?" rief Marie, indem sie die Anderen zurückdrängte. "Ja, er ists's! Franz, Franz, was ist mit dir gescheh'n! O, wärst du doch nach Haus gegang'n!" Sie warf sich trotz des fließenden Blutes über ihn hin und wehrte die Arme zurück, welche sie von ihm wegziehen wollten. Auch Anna war mit nach dem Hofe geeilt. Als sie den Namen des Zerschmetterten nennen hörte, riß es ihr die Hände nach dem Herzen. Nur ein leiser Wehelaut entrang sich ihren Lippen, aber es wurde ihr dunkel vor den Augen; die Gestalten der Umstehenden verschwanden in wirbelnden Nebeln; sie wankte und glitt langsam an dem Hause nieder. Heinrich sah sie liegen. er faßte sie, zog sie empor und hastete ihr zu: "Was ist denn das mit dir ? Hat dich wieder mal der Herzwurm angebissen! Dem Franz ist nichts Seite 212
als sein Recht geschehen. Sie haben ihn losgelassen, weil er sich aufs Leugnen gelegt hat, aber wer Menschenblut vergißt, des Blut wird auch vergossen; so steht es in der Bibel, und was die sagt, das ist wahr. Geh' du hinein, du bist uns hier nichts nütze!"
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| Er führte sie in die Stube, wo sie kraftlos in den Sessel sank. Das Gesicht in die Hände vergraben, legte sie den Kopf auf den Tisch und ließ den Thränen freien
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Lauf, die sich zwischen den Fingern Bahn brachen und schwer und langsam auf die Diele niedertropften. Ihr blühendes Leben war seit Monaten schon welk geworden, und heut', heut' hatte es den schwersten Stoß erhalten.
| Er führte sie in die Stube, wo sie kraftlos in den Sessel sank. Das Gesicht in die Hände vergraben, legte sie den Kopf auf den Tisch und ließ den Thränen freien Lauf, die sich zwischen den Fingern Bahn brachen und schwer und langsam auf die Diele niedertropften. Ihr blühendes Leben war seit Monaten schon welk geworden, und heut', heut' hatte es den schwersten Stoß erhalten.
| Er führte sie in die Stube, wo sie kraftlos in den Sessel sank. Das Gesicht in die Hände vergrabend, legte sie den Kopf auf den Tisch und ließ den Tränen freien Lauf, die sich zwischen den Fingern Bahn brachen und schwer und langsam auf die Diele niedertropften. Ihr blühendes Leben war seit Monaten schon welk geworden, und heute, heute hatte es den schwersten Stoß erhalten.
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3. Ein Gottesgericht.Ganz am oberen Ende des Dorfes lag ein kleines Häuschen, einstöckig wie das des Köpfle-Franz, und nur mit Stroh gedeckt; aber es war sauber gehalten, und die Fenster, durch welche das Licht hinaus auf die Straße blitzte, weil die Läden noch nicht geschlossen waren, zeigten kein einziges Fleckchen, welches die Glasscheiben getrübt und verunziert hätte. So blank und reinlich wie diese waren, sah es im ganzen Stübchen aus. Die heute erst frisch geschgeuerte Diele war mit grünen Tannenzweigen belegt, Tisch, Bänke und Stühle bis auf's Weiß gerieben, die Kacheln des alterthümlichen Ofens, in welchem ein lustiges Feuer knisterte, glänzten wie Email und das blecherne Kochgeschirr flimmerte wie feines Silber aus der Ecke hervor.
| 3. Ein Gottesgericht.Ganz am oberen Ende des Dorfes lag ein kleines Häuschen, einstöckig wie das des Köpfle-Franz, und nur mit Stroh gedeckt; aber es war sauber gehalten, und die Fenster, durch welche das Licht hinaus auf die Straße blitzte, weil die Läden noch nicht geschlossen waren, zeigten kein einziges Fleckchen, welches die Glasscheiben getrübt und verunziert hätte. So blank und reinlich wie diese waren, sah es im ganzen Stübchen aus. Die heute erst frisch geschgeuerte Diele war mit grünen Tannenzweigen belegt, Tisch, Bänke und Stühle bis auf's Weiß gerieben, die Kacheln des alterthümlichen Ofens, in welchem ein lustiges Feuer knisterte, glänzten wie Email und das blecherne Kochgeschirr flimmerte wie feines Silber aus der Ecke hervor.
(Fortsetzung folgt.)
| 3. Ein Gottesgericht.Ganz am oberen Ende des Dorfes lag ein kleines Häuschen, einstöckig wie das des Köpfle-Franz, und nur mit Stroh gedeckt; aber es war sauber gehalten, und die Fenster, durch welche das Licht hinaus auf die Straße blitzte, weil die Läden noch nicht geschlossen waren, zeigten kein einziges Fleckchen, welches die Glasscheiben getrübt und verunziert hätte. So blank und reinlich wie diese waren, sah es im ganzen Stübchen aus. Die heute erst frisch geschgeuerte Diele war mit grünen Tannenzweigen belegt, Tisch, Bänke und Stühle bis aufs Weiß gerieben; die Kacheln des altertümlichen Ofens, in welchem ein lustiges Feuer knisterte, glänzten wie Email, und das blecherne Kochgeschirr flimmerte wie feines Silber aus der Ecke hervor.
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Dieser Nettigkeit entsprach auch das Äußere der Frau, welche am Klöppelkissen saß und mit emsigen, geschickten Fingern die zierlichen Hülsen erklingen ließ. Sie war nicht mehr jung; zahlreiche graue Fäden durchzogen das früher dunkle Haar, aber es lag doch noch wie Jugend auf ihren weichen, regelmäßigen Zügen, und die Wangen zeigten noch immer eine leichte Röte als den Widerschein der Jahre, die nichts von Falten und Furchen wissen.[Kein Absatz. Anm.d.Hrsgb.] |
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