Der Dukatenhof

von Karl May

Vergleich der Fassungen von 1877, 1879 und 1903

1. Fortsetzung


Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens


Jahrgang 1877
Elfter Band
Seite 92 - 208
Verlag von H. Schönlein, Stuttgart

Illustrirtes Unterhaltungsblatt


 
Belletristische Wochenschrift für die Familie und Jedermann.
Jahrgang 1879, No. 33, Seite 257 bis 259.
Verlag von H. Schönlein, Stuttgart

Erzgebirgische Dorfgeschichten


 
Karl May's Erstlingswerke
Autorisierte Ausgabe
Band I, Seite 167 bis 277
Belletristischer Verlag, Dresden


"Wer bist denn Du ? Dich hab' ich noch gar net geseh'n! So wie Du sah die Anna aus, als sie zum erst'n Mal in's Dorf gekommen ist, grad' so wie Du. Aber Du bist sie net, Du bist - - geh' weg," unterbrach er sich, indem es wie Haß in seinem Auge aufblitzte; "ich könnte Dir gut sein, grad' wie der Anna, aber ich mag von Dir nix wiss'n. Die Anna hatte blaue Aug'n, Du aber, wenn Du auch weinst, ich seh' es doch, Du hast Dukat'naug'n!"

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"Wer bist denn Du ?" rief der Köpfle-Franz bei dem Anblick Emma's aus. "Dich hab' ich noch gar nicht geseh'n! So wie Du sah die Anna aus, als sie zum erst'n Mal in's Dorf gekommen ist, grad' so wie Du. Aber Du bist sie nicht, Du bist - - geh' weg," unterbrach er sich, indem es wie Haß in seinem Auge aufblitzte; "ich könnte Dir gut sein, grad' wie der Anna, aber ich mag von Dir nix wiss'n. Die Anna hatte blaue Aug'n, Du aber, wenn Du auch weinst, ich seh' es doch, Du hast Dukat'naug'n!"


"Wer bist denn Du ?" fragte er sie. "Dich hab' ich noch gar nicht geseh'n! So wie Du sah die Anna aus, als sie zum ersten Mal in's Dorf gekommen ist, grad so wie Du. Aber Du bist sie nicht, Du bist - - geh' weg," unterbrach er sich, indem es wie Haß in seinen Augen aufblitzte; "ich könnte Dir gut sein, grad wie der Anna, aber ich mag von Dir nichts wissen. Die Anna hatte blaue Augen, Du aber, wenn Du auch weinst, ich seh' es doch, Du hast Dukatenaugen!"

Er nahm die unentbehrlichen Hölzer, welche er vorhin von sich geworfen hatte, wieder von der Erde auf, lenkte
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um und schob sich, ohne die Versammlung weiter zu beachten, wieder von dannen.

Er nahm die unentbehrlichen Hölzer, welche er vorhin von sich geworfen hatte, wieder von der Erde auf, lenkte um und schob sich, ohne die Versammlung weiter zu beachten, wieder von dannen.

Er nahm die unentbehrlichen Hölzer, welche er vorhin von sich geworfen hatte, wieder von der Erde auf, lenkte um und schob sich, ohne die Versammlung weiter zu beachten, wieder von dannen. Sein Weg führte ihn das Dorf hinauf; die Straße war ziemlich menschenleer, und die wenigen Personen, welche ihm begegneten, bemerkte er kaum. Nur allein mit seinen Gedanken beschäftigt, lenkte er endlich in einen engen Seitenpfad ein, welcher zu einer Stelle führte, wo abseits von den übrigen Gebäuden ein kleines, einstöckiges und außerordentlich vernachlässigtes Häuschen stand. Es war sein Eigentum und seine Wohnung. Er hielt still, sah sich scheu nach allen Seiten um, und da er niemanden gewahrte, der seine Worte hören konnte, murmelte er halblaut:

Sein Weg führte ihn das Dorf hinauf; die Straße war ziemlich menschenleer und die wenigen Personen, welche ihm begegneten, bemerkte er kaum. Nur allein mit seinen Gedanken beschäftigt, lenkte er endlich in einen engen Seitenpfad ein, welcher zu einer Stelle führte, wo abseits von den übrigen Gebäuden ein kleines, einstöckiges und außerordentlich vernachlässigtes Häuschen stand. Es war sein Eigenthum und seine Wohnung. Er hielt still, sah sich scheu nach allen Seiten um, und da er Niemanden gewahrte, der seine Worte hören konnte, murmelte er halblaut:

Sein Weg führte ihn in das Dorf hinauf; die Straße war ziemlich menschenleer und die wenigen Personen, welche ihm begegneten, bemerkte er kaum. Nur allein mit seinen Gedanken beschäftigt, lenkte er endlich in einen engen Seitenpfad ein, welcher zu einer Stelle führte, wo abseits von den übrigen Gebäuden ein kleines, einstöckiges und außerordentlich vernachlässigtes Häuschen stand. Es war sein Eigenthum und seine Wohnung. Er hielt still, sah sich scheu nach allen Seiten um, und da er Niemanden gewahrte, der seine Worte hören konnte, murmelte er halblaut:

"Das ist dem Köpfle-Franz sein Dukat'nhof. Aber der Franz ist gescheidter als der - der - der And're. Wenn die Leut' wüßt'n, daß der arme Krüppel blos dann ein Bettler ist, wenn er 'mal nach Hause kommt, so würd' mein Kachelof'n - - "

"Das ist dem Köpfle-Franz sein Dukat'nhof. Aber der Franz ist gescheidter als der - der - der And're. Wenn die Leut' wüßt'n, daß der arme Krüppel blos dann ein Bettler ist, wenn er 'mal nach Hause kommt, so würd' mein Kachelof'n - - "

"Das ist dem Köpfle-Franz sein Dukatenhof. Aber der Franz ist gescheiter als der - der - der andre. Wenn die Leut' wüßten, daß der arme Krüppel bloß
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dann ein Bettler ist, wenn er mal nach Hause kommt, so würd' mein Kachelofen - - "

Er hielt vorsichtig inne, denn er war im Begriff gewesen, sein kostbarstes Geheimniß in den Wind zu plaudern. Nachdem er, um sich zu überzeugen, daß Alles in Ordnung sei, die Runde um das Häuschen gemacht hatte, zog er einen riesigen Schlüssel aus der Tasche und näherte sich der Thüre. Das Schloß war so hoch, daß er es grad' noch zu erreichen vermochte; er öffnete, schob sich in den engen, dunklen Flur und schloß dann hinter sich wieder sorgfältig zu.

Er hielt vorsichtig inne, denn er war im Begriff gewesen, sein kostbarstes Geheimniß in den Wind zu plaudern. Nachdem er, um sich zu überzeugen, daß Alles in Ordnung sei, die Runde um das Häuschen gemacht hatte, zog er einen riesigen Schlüssel aus der Tasche und näherte sich der Thüre. Das Schloß war so hoch, daß er es grad' noch zu erreichen vermochte; er öffnete, schob sich in den engen, dunklen Flur und schloß dann hinter sich wieder sorgfältig zu.

Er hielt vorsichtig inne, denn er war im Begriff gewesen, sein kostbarstes Geheimnis in den Wind zu plaudern. Nachdem er, um sich zu überzeugen, daß alles in Ordnung sei, die Runde um das Häuschen gemacht hatte, zog er einen riesigen Schlüssel aus der Tasche und näherte sich der Tür. Das Schloß war so hoch, daß er es grad noch zu erreichen vermochte; er öffnete, schob sich in den engen, dunklen Flur und schloß dann hinter sich wieder sorgfältig zu.

Die Hütte hatte zur ebenen Erde drei Räume: den Flur, einen kleinen Stall und die Wohnstube. Er öffnete mit
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einem zweiten Schlüssel die zu der letzteren führende Thüre und verriegelte auch diese mit einer Bedachtsamkeit, als habe er ungewöhnliche Schätze zu verbergen. Da die Läden zugemacht waren, so herrschte vollständige Dunkelheit um ihn her, bis er ein Feuerzeug hervorsuchte und mit Hilfe desselben ein kleines Lämpchen anzündete, dessen ungewisser Schein wenigstens eine Art von Dämmerung hervorbrachte. In dieser traten eine Unzahl von Köpfen gespenstisch hervor, welche rings an den weißgetünchten Wänden angebracht waren; sie stellten alle ohne Ausnahme in den verschiedensten Ausdrücken und Schattirungen ein und dasselbe Mädchen dar, und wer Emma vorhin auf dem Kirchhofe gesehen hatte, dem mußte die Ähnlichkeit dieser Kohlezeichnungen mit ihr sofort in die Augen fallen.

Die Hütte hatte zur ebenen Erde drei Räume: den Flur, einen kleinen Stall und die Wohnstube. Er öffnete mit einem zweiten Schlüssel die zu der letzteren führende Thüre und verriegelte auch diese mit einer Bedachtsamkeit, als habe er ungewöhnliche Schätze zu verbergen. Da die Läden zugemacht waren, so herrschte vollständige Dunkelheit um ihn her, bis er ein Feuerzeug hervorsuchte und mit Hilfe desselben ein kleines Lämpchen anzündete, dessen ungewisser Schein wenigstens eine Art von Dämmerung hervorbrachte. In dieser traten eine Unzahl von Köpfen gespenstisch hervor, welche rings an den weißgetünchten Wänden angebracht waren; sie stellten alle ohne Ausnahme in den verschiedensten Ausdrücken und Schattirungen ein und dasselbe Mädchen dar, und wer Emma vorhin auf dem Kirchhofe gesehen hatte, dem mußte die Ähnlichkeit dieser Kohle-Zeichnungen mit ihr sofort in die Augen fallen.

Die Hütte hatte zur ebenen Erde drei Räume: den Flur, einen kleinen Stall und die Wohnstube. Er öffnete mit einem zweiten Schlüssel die zu der letzteren führende Türe und verriegelte auch diese dann von innen mit einer Bedachtsamkeit, als habe er ungewöhnliche Schätze zu verbergen. Da die Läden zugemacht waren, so herrschte vollständige Dunkelheit um ihn her, bis er ein Feuerzeug hervorsuchte und mit Hilfe desselben ein kleines Lämpchen anzündete, dessen ungewisser Schein wenigstens eine Art von Dämmerung hervorbrachte. In dieser traten eine Anzahl von Köpfen gespenstisch hervor, welche rings an den weißgetünchten Wänden angebracht waren; sie stellten alle ohne Ausnahme in den verschiedensten Ausdrücken und Schattierungen ein und dasselbe Mädchen dar, und wer Emma vorhin auf dem Kirchhofe gesehen hatte, dem mußte die Ähnlichkeit dieser Kopfzeichnungen mit ihr sofort in die Augen fallen.

Er hatte den Sack abgelegt, die Stemmhölzer bei Seite geworfen und kroch nun in einer Weise auf den Händen in der Stube herum, die ihm das Ansehen eines hilflosen, vierfüßigen Thieres gab, dem die Hinterbeine gelähmt worden sind. In einer Ecke des ärmlichen Gemaches befand sich ein äußerordentlich anspruchsloses Lager, bestehend aus einem Haufen dürren Laubes, über welchen eine alte Decke gebreitet war. Er wühlte einige Zeit in demselben herum und brachte zwei lange, starke Kerzen zum Vorschein, mit denen er sich einem niedrigen Tischchen näherte, dessen Platte aus zwei Theilen bestand, deren oberer zurückgeschlagen werden konnte. Zu beiden Seiten desselben war eine Drahtdille angebracht, in welche er die Kerzen befestigte und dann mit Hilfe der Lampe anbrannte. Dann zog er ein weißes Tuch aus dem Tischkasten, breitete es über die Platte und
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schlug die Klappe zurück. Das Ganze hatte jetzt das Aussehen eines improvisirten Altares, dem auch das Bild nicht fehlte, denn an der inneren Seite der Klappe war ein in Öl gemaltes Porträt angebracht, welches denselben Kopf darstellte, der in so vielen Variationen an die vier Wände gezeichnet war.

Er hatte den Sack abgelegt, die Stemmhölzer bei Seite geworfen und kroch nun in einer Weise auf den Händen in der Stube herum, die ihm das Ansehen eines hilflosen, vierfüßigen Thieres gab, dem die Hinterbeine gelähmt worden sind. In einer Ecke des ärmlichen Gemaches befand sich ein äußerordentlich anspruchsloses Lager, bestehend aus einem Haufen dürren Laubes, über welchen eine alte Decke gebreitet war. Er wühlte einige Zeit in demselben herum und brachte zwei lange, starke Kerzen zum Vorschein, mit denen er sich einem niedrigen Tischchen näherte, dessen Platte aus zwei Teilen bestand, deren oberer zurückgeschlagen werden konnte. Zu beiden Seiten desselben war eine Drahtdille angebracht, in welche er die Kerzen befestigte und dann mit Hilfe der Lampe anbrannte. Dann zog er ein weißes Tuch aus dem Tischkasten, breitete es über die Platte und schlug die Klappe zurück. Das Ganze hatte jetzt das Aussehen eines improvisirten Altares, dem auch das Bild nicht fehlte, denn an der inneren Seite der Klappe war ein in Öl gemaltes Porträt angebracht, welches denselben Kopf darstellte, der in so vielen Variationen an die vier Wände gezeichnet war.

Er hatte den Sack abgelegt, die Stemmhölzer bei Seite geworfen und kroch nun in einer Weise auf den Händen in der Stube herum, die ihm das Ansehen eines hilflosen, vierfüßigen Thieres gab, dem die Hinter-
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beine gelähmt worden sind. In einer Ecke des ärmlichen Gemaches befand sich ein äußerordentlich anspruchsloses Lager, bestehend aus einem Haufen dürren Laubes, über welchen eine alte Decke gebreitet war. Er wühlte einige Zeit in demselben herum und brachte zwei lange, starke Kerzen zum Vorschein, mit denen er sich einem niedrigen Tischchen näherte, dessen Platte aus zwei Teilen bestand, deren oberes zurückgeschlagen werden konnte. Zu beiden Seiten desselben war eine Drahttülle angebracht, in welcher er die Kerzen befestigte und dann mit Hilfe der Lampe anbrannte. Dann zog er ein Tuch aus dem Tischkasten, breitete es über die Platte und schlug die Klappe zurück. An der einen Seite der Klappe war ein in Öl gemaltes Porträt angebracht, welches denselben Kopf darstellte, der in so vielen Variationen an die vier Wände gezeichnet war.

Er hockte sich vor dem Tische nieder, faltete wie andächtig die Hände und richtete sein Auge mit warmem, innigen Blicke auf das Gemälde. So saß er lange, lange Zeit, still und in seliges Anschauen versunken. Seine Züge waren jetzt frei von jenem störenden Ausdrucke und sprachen von nichts als von dem Dasein einer tiefen, heiligen Liebe zu dem Wesen, dem er eine Inbrunst widmete, welche man fast mit dem Worte Anbetung bezeichnen konnte.

Er hockte sich vor dem Tische nieder, faltete wie andächtig die Hände und richtete sein Auge mit warmem, innigem Blicke auf das Gemälde. So saß er lange, lange Zeit, still und in seliges Anschauen versunken. Seine Züge waren jetzt frei von jenem störenden Ausdrucke und sprachen von nichts als von dem Dasein einer tiefen, heiligen Liebe zu dem Wesen, dem er eine Inbrunst widmete, welche man fast mit dem Worte Anbetung bezeichnen konnte.

Er hockte sich vor dem Tische nieder und richtete sein Auge mit warmem, innigen Blicke auf das Gemälde. So saß er lange, lange Zeit, still und im Anschauen versunken. Seine Züge waren jetzt frei von jenem störenden Ausdrucke und sprachen von nichts als von einer tiefen Verehrung.

"Da hast' mich wieder, meine Anna!" flüsterte er endlich glücklich. "Bin lange fort gewes'n, net wahr ? Aber brauchst keine Sorge zu hab'n, es ist mir gut gegangen, besser noch als and're Male. Hab' wieder in der großen Stadt gemalt, wo die schöne Gallerie ist mit den vielen Bildern und wo sie mich immer anschau'n wie ein Wunderthier, wenn ich die vornehmen Leut' zeichne, die da aus- und eingeh'n. Und denk' Dir nur, der König war auch da mit seiner Frau und vielen anderen Herren und Damen, Fürst'n und Graf'n, Ministern und Generälen; die hab'n mit mir gesproch'n, und ich hab' sie zeichnen müss'n in ihrer Wohnung alle mit 'nander. Das hat 'n Geld gegeb'n, wie ich Dir noch niemals so viel mitgebracht hab'. Laß Dir's zeigen! Kassenbillets, Gold und Silber, aber ich hab' mir's umwechslen lass'n zu lauter Dukat'n."

"Da hast' mich wieder, meine Anna!" flüsterte er endlich glücklich. "Bin lange fort gewes'n, nicht wahr ? Aber brauchst keine Sorge zu hab'n, es ist mir gut gegangen, besser noch als and're Male. Hab' wieder in der großen Stadt gemalt, wo die schöne Gallerie ist mit den vielen Bildern und wo sie mich immer anschau'n wie ein Wunderthier, wenn ich die vornehmen Leut' zeichne, die da aus-
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und eingeh'n. Und denk' Dir nur, der König war auch da mit seiner Frau und vielen anderen Herren und Damen, Fürst'n und Graf'n, Ministern und Generälen; die hab'n mit mir gesproch'n, und ich hab' sie zeichnen müss'n in ihrer Wohnung alle mit 'nander. Das hat 'n Geld gegeb'n, wie ich Dir noch niemals so viel mitgebracht hab'. Laß Dir's zeigen! Kassenbillets, Gold und Silber, aber ich hab' mir's umwechslen lass'n zu lauter Dukat'n."

"Da hast mich wieder, meine Anna!" flüsterte er endlich glücklich. "Bin lange fort gewesen, nicht wahr ? Aber brauchst keine Sorge zu haben, es ist mir gut gegangen, besser noch als andere Male. Habe wieder in der großen Stadt gemalt, wo die schöne Galerie ist mit den vielen Bildern und wo sie mich immer anschauen wie ein Wundertier, wenn ich die vornehmen Leute zeichne, die da aus- und eingehen. Und denke dir nur, der König war auch da mit seiner Frau und vielen anderen Herren und Damen, Fürsten und Grafen, Ministern und Generälen; die haben mit mir gesprochen.
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I habe sie zeichnen müssen in ihrer Wohnung alle mit'nander. Da hat's Geld gegeben, wie ich dir noch niemals so viel mitgebracht habe. Laß dir's zeigen! Kassenbillets, Gold und Silber, aber ich habe mir's umwechslen lass'n zu lauter Dukaten."

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Er bog sich zu dem Rollkasten nieder, und nun zeigte es sich, daß derselbe einen Doppelboden hatte, zwischen dem sich ein Schubfach befand, welches er hervorzog. Neben mehreren Malerrequisiten und sonstigen Dingen, die man dem unscheinbaren Bettler nicht zugetraut hätte, lagen hier mehrere sorgfältig in Papier gewickelte Rollen, welche er öffnete, um die Goldstücke in dem Scheine der Kerzen glänzen zu lassen.

"Siehst Du, wie viel ?!" lachte er glücklich. "Sie sag'n hier, ich wär' verrückt, weil Du net meine Frau geword'n bist; aber ich bin gescheidter als sie Alle,, und wer der Reichste ist im Dorfe, das wird sich schon auch noch zeig'n! Es hat noch Keiner von ihn'n in der Zeitung gestand'n, mich aber hab'n sie in Dresd'n hineingesetzt. Wart, ich will Dir's 'mal vorles'n!"


Er bog sich zu dem Rollkasten nieder, und nun zeigte es sich, daß derselbe einen Doppelboden hatte, zwischen dem sich ein Schubfach befand, welches er hervorzog. Neben mehreren Maler-Requisiten und sonstigen Dingen, die man dem unscheinbaren Bettler nicht zugetraut hätte, lagen hier mehrere sorgfältig in Papier gewickelte Rollen, welche er öffnete, um die Goldstücke in dem Scheine der Kerzen glänzen zu lassen.

"Siehst Du, wie viel ?!" lachte er glücklich. "Sie sag'n hier, ich wär' verrückt, weil Du nicht meine Frau geword'n bist; aber ich bin gescheidter als sie Alle,, und wer der Reichste ist im Dorfe, das wird sich schon auch noch zeig'n! Es hat noch Keiner von ihn'n in der Zeitung gestand'n, mich aber hab'n sie in Dresd'n hineingesetzt. Wart, ich will Dir's 'mal vorles'n!"


Er bog sich zu dem Rollkasten nieder, und nun zeigte es sich, daß derselbe einen Doppelboden hatte, zwischen dem sich ein Schubfach befand, welches er hervorzog. Neben mehreren Malerrequisiten und sonstigen Dingen, die man dem unscheinbaren Bettler nicht zugetraut hätte, lagen hier mehrere sorgfältig in Papier gewickelte Rollen, welche er öffnete, um die Goldstücke in dem Scheine der Kerzen glänzen zu lassen.

"Siehst Du, wie viel ?!" lachte er glücklich. "Sie sagen hier, ich wäre verrückt, weil du nicht meine Frau geworden bist; aber ich bin gescheiter als sie alle,, und wer der Reichste ist im Dorfe, das wird sich schon auch noch zeigen! Es hat noch keiner von ihnen in der Zeitung gestanden, mich aber haben sie in Dresden hineingesetzt. Warte, ich will Dir's mal vorlesen!"

Er nahm ein zusammengefaltetes Blatt aus dem Fache und schlug es aus einander.

"So, hier steht's! Ich hab' Dir's mitgebracht, damit Du auch wiss'n sollst, was sie dort von mir sag'n."

Zwar nicht fließend, denn dazu hatte er die Schule nicht gehabt, aber doch ohne besondere Fehler las er folgende Zeilen ab:

"Seit einigen Tagen ist wieder, wie schon einige Male früher, jener seltsame Besucher unserer Bildergallerie zu bemerken, welcher nicht nur die Augen durch sein körperliches Unglück auf sich zieht, sondern auch durch eine seltene Begabung für das Porträtzeichnen das lebhafteste Interesse aller Derer erweckt, die den mehr als bescheidenen Mann in der ihm stillschweigend eingeräumten Ecke haben hocken sehen.

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Leider scheint der Unglückliche in Folge trüber Lebenserfahrungen, über welche er ein beharrliches Schweigen bewahrt, geistig gestört zu sein, was ebenso wie sein Alter eine Ausbildung, resp. Ausnutzung seines Talentes zur Unmöglichkeit macht, doch äußert sich diese Störung in einer Andere durchaus unbelästigenden Weise und hat jedenfalls ein Wesentliches zu der Theilnahme beigetragen, welche ihm sogar von hoher und allerhöchster Seite entgegengebracht worden ist. Wie wir vernehmen, hat er trotz seiner mehr als zu geringen Courfähigkeit das Glück gehabt, die Majestäten zeichnen zu dürfen; die meisten der Hofchargen haben sich diesem Akte der Mildthätigkeit angeschlossen, und wenn man aus sicherer Quelle erfährt, daß einer unserer reichsten englischen Sommergäste ihm eine kleine Familienskizze mit fünfzig Thalern honorirt hat, so liegt darin keineswegs eine Beruhigung für uns, sondern vielmehr eine Aufforderung, ihn auch weiteren Kreisen auf's Wärmste zu empfehlen."

Er nahm ein zusammengefaltetes Blatt aus dem Fache und schlug es aus einander.

"So, hier steht's! Ich hab' Dir's mitgebracht, damit Du auch wiss'n sollst, was sie dort von mir sag'n."

Zwar nicht fließend, denn dazu hatte er die Schule nicht gehabt, aber doch ohne besondere Fehler las er folgende Zeilen ab:

"Seit einigen Tagen ist wieder, wie schon einige Male früher, jener seltsame Besucher unserer Bildergallerie zu bemerken, welcher nicht nur die Augen durch sein körperliches Unglück auf sich zieht, sondern auch durch eine seltene Begabung für das Porträtzeichnen das lebhafteste Interesse aller Derer erweckt, die den mehr als bescheidenen Mann in der ihm stillschweigend eingeräumten Ecke haben hocken sehen. Leider scheint der Unglückliche in Folge trüber Lebenserfahrungen, über welche er ein beharrliches Schweigen bewahrt, geistig gestört zu sein, was ebenso wie sein Alter eine Ausbildung, resp. Ausnutzung seines Talentes zur Unmöglichkeit macht, doch äußert sich diese Störung in einer Andere durchaus unbelästigenden Weise und hat jedenfalls ein Wesentliches zu der Theilnahme beigetragen, welche ihm sogar von hoher und allerhöchster Seite entgegengebracht worden ist. Wie wir vernehmen, hat er trotz seiner mehr als zu geringen Courfähigkeit das Glück gehabt, die Majestäten zeichnen zu dürfen; die meisten der Hofchargen haben sich diesem Akte der Mildthätigkeit angeschlossen, und wenn man aus sicherer Quelle erfährt, daß einer unserer reichsten englischen Sommergäste ihm eine kleine Familienskizze mit fünfzig Thalern honorirt hat, so liegt darin keineswegs eine Beruhigung für uns, sondern vielmehr eine Aufforderung, ihn auch weiteren Kreisen auf's Wärmste zu empfehlen."

Er nahm ein zusammengefaltetes Blatt aus dem Fache und schlug es aus einander.

"So, hier steht's! Ich habe dir's mitgebracht, damit du auch wissen sollst, was sie dort von mir sagen."

Zwar nicht fließend, denn dazu hatte er die Schule nicht gehabt, aber doch ohne besondere Fehler las er folgende Zeilen ab:

"Seit einigen Tagen ist wieder, wie schon einige Male früher, jener seltsame Besucher unserer Bildergalerie zu bemerken, welcher nicht nur die Augen durch sein körperliches Unglück auf sich zieht, sondern auch durch eine seltene Begabung für das Porträtzeichnen das lebhafteste Interesse aller derer erweckt,

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die den mehr als bescheidenen Mann in der ihm stillschweigend eingeräumten Ecke haben hocken sehen. Leider scheint der Unglückliche infolge trüber Lebenserfahrungen, über welche er ein beharrliches Schweigen bewahrt, geistig gestört zu sein, was ebenso wie sein Alter eine Ausbildung, resp. Ausnutzung seines Talentes zur Unmöglichkeit macht, doch äußert sich diese Störung in einer andere durchaus nicht belästigenden Weise und hat jedenfalls ein Wesentliches zu der Teilnahme beigetragen, welche ihm sogar von hoher und allerhöchster Seite entgegengebracht worden ist. Wie wir vernehmen, hat er trotz seiner mehr als zu geringen Courfähigkeit das Glück gehabt, die Majestäten zeichnen zu dürfen; die meisten der Hofchargen haben sich diesem Akte der Mildtätigkeit angeschlossen, und wenn man aus sicherer Quelle erfährt, daß einer unserer reichsten englischen Sommergäste ihm eine kleine Familienskizze mit fünfzig Talern honoriert hat, so liegt darin keineswegs eine Beruhigung für uns, sondern vielmehr eine Aufforderung, ihn auch weiteren Kreisen aufs wärmste zu empfehlen."

"Siehst Du ?! Was da steht ist Alles wahr, nur das von wegen dem Geiste net. Ich kann doch nix dafür, daß ich anders red' als diese Leut' und daß sie zu mir niederschaun müss'n, wenn sie mich anseh'n. Der König hat gar gemeint, er wolle für mich sorg'n und deshalb an meine Behörd' schreiben lass'n, ich aber hab' mir das verbet'n, denn wir haben's noch lange net nöthig, uns ins Armenhaus stecken zu lass'n, ich net und Du erst recht net! Wer weiß, ob der König immer so viel Dukat'n hat wie wir!"

"Siehst Du ?! Was da steht, ist Alles wahr, nur das von wegen dem Geiste nicht. Ich kann doch nix dafür, daß ich anders red' als diese Leut', und daß sie zu mir niederschaun müss'n, wenn sie mich anseh'n. Der König hat gar gemeint, er wolle für mich sorg'n und deshalb an meine Behörd' schreiben lass'n, ich aber hab' mir das verbet'n, denn wir haben's noch lange nicht nöthig, uns ins Armenhaus stecken zu lass'n, ich nicht und Du erst recht nicht! Wer weiß, ob der König immer so viel Dukat'n hat wie wir!"

"Siehst du ?! Was da steht, ist alles wahr, nur das von wegen dem Geiste nicht. Ich kann doch nichts dafür, daß ich anders rede als diese Leute, und daß sie zu mir niederschaun müssen, wenn sie mich ansehen. Der König hat gar gemeint, er wolle für mich sorgen und deshalb an meine Behörde schreiben lassen, ich aber hab' mir das verbeten, denn wir haben's noch lange nicht nötig, uns ins Armenhaus stecken zu lassen, ich nicht und Du erst recht nicht! Wer weiß, ob der König immer so viel Dukaten hat wie wir!"

Die Erwähnung der verhängnißvollen Münzsorte gab seinen Gedanken eine andere Wendung.

"Und Der - - Der - - na, Du weißt schon, wen ich

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meine, Der auch net! Mit dem geht's immer mehr bergunter; er spielt und kauft Papiere von dem Zettelkramer, die 'mal nix werth sein werden, und nachher - - nachher wird der Dukat'nhof mein, denn der Baron bekommt ihn net, dafür will ich schon sorg'n! Ich hab' Dich net haben soll'n, weil ich arm gewes'n bin, und Der - - Der war reich. Da hab' ich einen Schwur d'rauf gesetzt, daß der Hof mein wird, und jetzt, jetzt bin ich ebenso schwer und noch schwerer, wie Der damals war. Und wenn Du das net glaubst, so will ich Dir's beweis'n. Wir wollen wieder 'mal zähl'n!"

Die Erwähnung der verhängnißvollen Münzsorte gab seinen Gedanken eine andere Wendung.

"Und Der - - Der - - na, Du weißt schon, wen ich meine, Der auch nicht! Mit dem geht's immer mehr bergunter; er spielt und kauft Papiere von dem Zettelkramer, die 'mal nix werth sein werden, und nachher - - nachher wird der Dukat'nhof mein, denn der Baron bekommt ihn nicht, dafür will ich schon sorg'n! Ich hab' Dich nicht haben soll'n, weil ich arm gewes'n bin, und Der - - Der war reich. Da hab' ich einen Schwur d'rauf gesetzt, daß der Hof mein wird, und jetzt, jetzt bin ich ebenso schwer und noch schwerer, wie Der damals war. Und wenn Du das nicht glaubst, so will ich Dir's beweis'n. Wir wollen wieder 'mal zähl'n!"

Die Erwähnung der verhängnisvollen Münzsorte gab seinen Gedanken eine andere Wendung.

"Und der - - der - - na, du weißt schon, wen

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ich meine, der auch nicht! Mit dem geht's immer mehr bergab; er spielt und kauft Papiere von dem Zettelkramer, die mal nichts wert sein werden, und nachher - - nachher wird der Dukatenhof mein, denn der Baron bekommt ihn nicht, dafür will ich schon sorgen! Ich hab' dich nicht haben sollen, weil ich arm gewesen bin, und der - - der war reich. Da hab' ich einen Schwur darauf gesetzt, daß der Hof mein wird, und jetzt, jetzt bin ich ebenso schwer und noch schwerer, wie der damals war. Und wenn du das nicht glaubst, so will ich dir's beweisen. Wir wollen wieder mal zählen!"

Er kroch zu dem alten, unförmlichen Kachelofen, unter welchem ganze Stöße von Zeichnungen lagen, die immer nur den einen Kopf behandelten. Er räumte sie zur Seite, und wer nach kurzer Zeit an dem Laden gehorcht hätte, dem wäre es bei scharfem Gehör vielleicht gelungen, einen Klang zu erlauschen, der mit der Ärmlichkeit der halb zerfallenen Hütte nur schwer in Harmonie zu bringen war.

Er kroch zu dem alten, unförmlichen Kachelofen, unter welchem ganze Stöße von Zeichnungen lagen, die immer nur den einen Kopf behandelten. Er räumte sie zur Seite, und wer nach kurzer Zeit an dem Laden gehorcht hätte, dem wäre es bei scharfem Gehör vielleicht gelungen, einen Klang zu erlauschen, der mit der Ärmlichkeit der halb zerfallenen Hütte nur schwer in Harmonie zu bringen war.

Er kroch zu dem alten, unförmlichen Kachelofen, unter welchem ganze Stöße von Zeichnungen lagen, die immer nur den einen Kopf behandelten. Er räumte sie zur Seite, und wer nach kurzer Zeit an dem verschlossenen Laden gehorcht hätte, dem wäre es bei scharfem Gehör vielleicht gelungen, einen Klang zu erlauschen, der mit der Ärmlichkeit der halb zerfallenen Hütte nur schwer in Harmonie zu bringen war. - - -

2. Aus vergangener Zeit.

"Auff dem Hoff ißt gesessen eyn Herr von Stiegelitz, so beynahe achtzig Jahre alt gewessen ißt vnd hat gehabt eyn so überauß rothe Nasen, weyl er den Safft geliebet hat, so auß dem Faß gelauffen kompt. Daherohalben ißt ihme der Beyttel klein geworden vnd besagter Stiegelitz hat sich umbsehn müssen nach eyn Käuffer für das Gut. Da kompt eyn Wachtmeister, so unter dem Wallenstein gedient, Graff geheissen, vnd indeme derselbe Schwedenfeyndt den Hoff kaufft, nimpt er eyn Geldkatzen vom Leib vnd wirft darauß eyn

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überauß mächtigen Hauffen Dukkaten auf den Tisch, so mann zu Kremnitz im Lande Hungarn schlägt. Solch Gewechs ißt gewessen eyn allermassen köstlich Artzeneyen für dem alten Herrn seyn trucken Kehlen, vnd hat selwiger Wachtmeister von diesser Stundt geheissen der Dukkatengraff. Hab ihn auch noch gekannt, indeme er meyn zweitte Leich gewessen ißt, so ich eyn Parentation gegeben hab."

2. Aus vergangener Zeit.

"Auff dem Hoff ißt gesessen eyn Herr von Stiegelitz, so beynahe achtzig Jahre alt gewessen ißt vnd hat gehabt eyn so überauß rothe Nasen, weyl er den Safft geliebet hat, so auß dem Faß gelauffen kompt. Daherohalben ißt ihme der Beyttel klein geworden vnd besagter Stiegelitz hat sich umbsehn müssen nach eyn Käuffer für das Gut. Da kompt eyn Wachtmeister, so unter dem Wallenstein gedient, Graff geheissen, vnd indeme derselbe Schwedenfeyndt den Hoff kaufft, nimpt er eyn Geldkatzen vom Leib vnd wirft darauß eyn überauß mächtigen Hauffen Dukkaten auff den Tisch, so mann zu Kremnitz im Lande Hungarn schlägt. Solch Gewechs ißt gewessen eyn allermassen köstlich Artzeneyen für dem alten Herrn seyn trucken Kehlen, vnd hat selwiger Wachtmeister von diesser Stundt geheissen der Dukkatengraff. Hab ihn auch noch gekannt, indeme er meyn zweitte Leich gewessen ißt, so ich eyn Parentation gegeben hab."

2. Aus vergangener Zeit.

"Auff dem Hoff ißt gesessen eyn Herr von Stiegelitz, so beynahe achtzig Jahre alt gewessen ißt und hat gehabt eyn so überauß rothe Nasen, weyl er den Safft geliebt hat, so auß dem Faß gelauffen kompt. Daherohalben ißt ihme der Beyttel klein geworden und besagter Stiegelitz hat sich umbesehn müssen nach eyn Käuffer für das Gut. Da kompt eyn Wachtmeister, so unter dem Wallenstein gedient, Graff geheissen, und indeme

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derselbe Schwedenfeynd den Hoff kaufft, nimpt er eyn Geldkatzen vom Leib and wirft darauß eyn überauß mächtigen Hauffen Dukkaten auff den Tisch, so mann zu Kemnitz im Lande Hungarn schlägt. Solch Gewechs ist gewessen eyn allermassen köstlich Artzeneyen für dem alten Herrn seyn trucken Kehlen, und hat selwiger Wachtmeister von diesser Stundt geheissen der Dukkatengraff. Hab ihn auch noch gekannt, indem er meyn zweitte Leich gewessen ißt, so ich eyn Parentation gegeben hab."

So lautet eine Stelle aus den chronikalischen Aufzeichnungen, welche noch heute auf dem Pfarramte einzusehen sind. Der Wachtmeister ist gestorben, eine ganze Reihe seiner Nachkommen sind ihm gefolgt, aber Name und Vermögen haben sich erhalten und fortgeerbt von Kind auf Kindeskind. Die Dukatengrafen haben stets mit Stolz auf ihre Vorfahren zurück- und auf ihre Nebenmenschen herabgeblickt, sind nie umgänglich gewesen und haben auch niemals für irgend Jemandem Freundschaft und Vertrauen gezeigt.

Nur Heinrich Graf, der Letzte von ihnen, machte eine Ausnahme von dieser Regel.

Da draußen in dem kleinen, einstöckigen Häuschen wohnte eine arme Taglöhnerswittwe, die zu den Arbeiterinnen des Dukatenhofes zählte und in der freien Jahreszeit sich ihren Unterhalt mühsam mit Spitzenklöppeln verdiente. Sie hatte einen einzigen Sohn, der ein aufgeweckter, munterer Junge war, der Ärmste im Dorfe, aber der Erste in der Schule. Gegensätze berühren sich. Heinrich, der Sohn des Reichsten im Orte, aber der Letzte auf der Schulbank war selten zu Hause zu treffen, sondern kroch mit dem Grunert-Franz unter dem niederen Strohdache des Häuschens herum, wo sie allerhand Romane spannen, oder strich mit

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ihm durch Feld und Wald, eine Arbeit, zu welcher er die meiste Lust besaß. Der Arme half dem Reichen im Lesen und Schreiben, und dieser brach dafür dem Hungrigen sein Butterbrod.

So lautet eine Stelle aus den chronikalischen Aufzeichnungen, welche noch heute auf dem Pfarramte einzusehen sind. Der Wachtmeister ist gestorben, eine ganze Reihe seiner Nachkommen sind ihm gefolgt, aber Name und Vermögen haben sich erhalten und fortgeerbt von Kind auf Kindeskind. Die Dukatengrafen haben stets mit Stolz auf ihre Vorfahren zurück- und auf ihre Nebenmenschen herabgeblickt, sind nie umgänglich gewesen und haben auch niemals für irgend Jemand Freundschaft und Vertrauen gezeigt.

Nur Heinrich Graf, der Letzte von ihnen, machte eine Ausnahme von dieser Regel.

Da draußen in dem kleinen, einstöckigen Häuschen wohnte eine arme Taglöhnerswittwe, die zu den Arbeiterinnen des Dukatenhofes zählte und in der freien Jahreszeit sich ihren Unterhalt mühsam mit Spitzenklöppeln verdiente. Sie hatte einen einzigen Sohn, der ein aufgeweckter, munterer Junge war, der Ärmste im Dorfe, aber der Erste in der Schule. Gegensätze berühren sich. Heinrich, der Sohn des Reichsten im Orte, aber der Letzte auf der Schulbank, war selten zu Hause zu treffen, sondern kroch mit dem Grunert-Franz unter dem niederen Strohdache des Häuschens herum, wo sie allerhand Romane spannen, oder strich mit ihm durch Feld und Wald, eine Arbeit, zu welcher er die meiste Lust besaß. Der Arme half dem Reichen im Lesen und Schreiben, und dieser brach dafür dem Hungrigen sein Butterbrod.

So lautet eine Stelle aus den chronikalischen Aufzeichnungen, welche noch heute auf dem Pfarramte einzusehen sind. Der Wachtmeister ist gestorben; eine ganze Reihe seiner Nachkommen sind ihm gefolgt, aber Name und Vermögen haben sich erhalten und fortgeerbt von Kind auf Kindeskind. Die Dukatengrafen haben stets mit Stolz auf ihre Vorfahren zurück- und auf ihre Nebenmenschen herabgeblickt, sind nie umgänglich gewesen und haben auch niemals für irgend jemanden Freundschaft und Vertrauen gezeigt.

Nur Heinrich Graf, der letzte von ihnen, machte eine Ausnahme von dieser Regel.

Da draußen in dem kleinen, einstöckigen Häuschen wohnte eine arme Tagelöhnerswitwe, die zu den Arbeiterinnen des Dukatenhofes zählte und in der freien Jahreszeit sich ihren Unterhalt mühsam mit Spitzenklöppeln verdiente. Sie hatte einen einzigen Sohn, der ein aufgeweckter, munterer Junge war, der ärmste im Dorfe, aber der erste in der Schule. Gegensätze berühren sich. Heinrich, der Sohn des Reichsten im Orte, aber der eetzte auf der Schulbank, war selten zu Hause zu treffen, sondern kroch mit dem Grunert-Franz unter dem niederen Strohdache des Häuschens herum, wo sie

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allerhand Romane spannen, oder strich mit ihm durch Feld und Wald, eine Arbeit, zu welcher er die meiste Lust besaß. Der Arme half dem Reichen im Lesen und Schreiben, und dieser brach dafür dem Hungrigen sein Butterbrot.

Die Knaben wurden Jünglinge. Sie waren die beiden hübschesten Bursche auch über das Dorf hinaus, und gar manches Mädchen blickte mit sehnsüchtigem Herzen nach ihnen, wenn sie des Sonntags mit einander zum Tanze kamen. Die blanken Dukatenknöpfe standen dem Heinrich zum Entzücken, und wer nun gar die kostbare Uhrkette sah, die er so gern im Scheine der Lichter flimmern ließ, der verzieh es ihm, daß er noch immer wie in den Knabenjahren die meiste Zeit im Walde stak und sich wenig um den Hof bekümmerte. Er brauchte ja nicht nach dem Brode zu arbeiten wie Andere, und die Hirsche, Rehe und Hasen sind für Jedermann gewachsen. Der Franz konnte zwar keine dukatnen Ketten und Knöpfe aufzeigen, ja, er hatte nicht einmal eine Uhr, denn Alles, was er erübrigte, das gab er seiner Mutter, die nun alt geworden war und nichts mehr verdienen konnte, aber er war so nett und bildsauber, fast noch hübscher als der Heinrich, und Keiner verstand es so wie er, ein Mädchen im Kreise zu drehen, daß es schien, als gehe es mit Flügeln oder auf Federn. Und dazu war er so klug und gescheidt, daß selbst der Schulmeister gesagt hatte, er könne ihm nichts mehr lernen, besonders im Zeichnen. Daß er zuweilen des Nachts mit einem Päckchen über die Grenze schlich, das konnte ihm Niemand übel nehmen; der liebe Gott hat nicht befohlen, daß der Tabak auf der einen Ackerfurche mit acht Kreuzern bezahlt werden
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soll, wenn er auf der andern nur einen Groschen kostet, und wer als armer Handarbeiter für eine alte Mutter zu sorgen hat, der muß dahin gehen, wo man ihn am besten bezahlt - so dachte man wenigstens allgemein.

Die Knaben wurden Jünglinge. Sie waren die beiden hübschesten Bursche auch über das Dorf hinaus, und gar manches Mädchen blickte mit sehnsüchtigem Herzen nach ihnen, wenn sie des Sonntags mit einander zum Tanze kamen. Die blanken Dukatenknöpfe standen dem Heinrich zum Entzücken, und wer nun gar die kostbare Uhrkette sah, die er so gern im Scheine der Lichter flimmern ließ, der verzieh es ihm, daß er noch immer wie in den Knabenjahren die meiste Zeit im Walde stak und sich wenig um den Hof bekümmerte. Er brauchte ja nicht nach dem Brode zu arbeiten wie Andere, und die Hirsche, Rehe und Hasen sind für Jedermann gewachsen. Der Franz konnte zwar keine dukatnen Ketten und Knöpfe aufzeigen, ja, er hatte nicht einmal eine Uhr, denn Alles, was er erübrigte, das gab er seiner Mutter, die nun alt geworden war und nichts mehr verdienen konnte, aber er war so nett und bildsauber, fast noch hübscher als der Heinrich, und Keiner verstand es so wie er, ein Mädchen im Kreise zu drehen, daß es schien, als gehe es mit Flügeln oder auf Federn. Und dazu war er so klug und gescheidt, daß selbst der Schulmeister gesagt hatte, er könne ihn nichts mehr lehren, besonders im Zeichnen. Daß er zuweilen des Nachts mit einem Päckchen über die Grenze schlich, das konnte ihm Niemand übelnehmen; der liebe Gott hat nicht befohlen, daß der Tabak auf der einen Ackerfurche mit acht Kreuzern bezahlt werden soll, wenn er auf der anderen nur einen Groschen kostet, und wer als armer Handarbeiter für eine alte Mutter zu sorgen hat, der muß dahin gehen, wo man ihn am besten bezahlt - so dachte man wenigstens in der dortigen Gegend allgemein.

Die Knaben wurden Jünglinge. Sie waren die beiden hübschesten Burschen auch über das Dorf hinaus, und gar manches Mädchen blickte mit sehnsüchtigem Herzen nach ihnen, wenn sie des Sonntags miteinander zum Tanze kamen. Die blanken Dukatenknöpfe standen dem Heinrich zum Entzücken, und wer nun gar die kostbare Uhrkette sah, die er so gern im Scheine der Lichter flimmern ließ, der verzieh es ihm, daß er noch immer, wie in den Kinderjahren, die meiste Zeit im Walde stak und sich wenig um den Hof bekümmerte.

Er brauchte ja nicht nach dem Brote zu arbeiten wie andere, und die Hirsche, Rehe und Hasen sind für jedermann gewachsen. Der Franz konnte zwar keine dukatenen Ketten und Knöpfe aufzeigen, ja, er hatte nicht einmal eine Uhr, denn alles, was er erübrigte, das gab er seiner Mutter, die nun alt geworden war und nichts mehr verdienen konnte, aber er war so nett und bildsauber, fast noch hübscher als der Heinrich. Und dazu war er so klug und gescheit, daß selbst der Schulmeister gesagt hatte, er könne ihm nichts mehr lehren, besonders im Zeichnen. Daß er zuweilen des Nachts mit einem Päckchen über die Grenze schlich, das konnte ihm niemand übelnehmen; der liebe Gott hat nicht befohlen, daß der Tabak auf der einen Ackerfurche mit acht Kreuzern bezahlt werden soll, wenn er auf der anderen nur einen Groschen kostet, und wer als armer Handarbeiter für eine alte Mutter zu sorgen hat, der muß

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dahin gehen, wo man ihn am besten bezahlt - so dachte man wenigstens allgemein.

Eine gab es, die ihm ganz besonders zugethan war, die Marie auf dem Dukatenhofe. Sie war eine vater- und mutterlose Waise, aber ein schmuckes und ordentliches Mädchen, an dem man schon seine Freude haben konnte. Wer weiß auch, was geworden wäre, denn der Franz war gar lieb und freundlich mit ihr, so daß es manche heimliche Neiderin gab, doch da trat ein Ereigniß ein, durch welches ihre Hoffnung, und nicht blos die ihrige zu nichte gemacht wurde.

Eine gab es, die ihm ganz besonders zugethan war, die Marie auf dem Dukatenhofe. Sie war eine vater- und mutterlose Waise, aber ein schmuckes und ordentliches Mädchen, an dem man schon seine Freude haben konnte. Wer weiß auch, was geworden wäre, denn der Franz war gar lieb und freundlich mit ihr, so daß es manche heimliche Neiderin gab, doch da trat ein Ereigniß ein, durch welches ihre Hoffnung, und nicht blos die ihrige zu nichte gemacht wurde.

Eine gab es, die ihm ganz besonders zugetan war, die Marie auf dem Dukatenhofe. Sie war eine vater- und mutterlose Waise, aber ein schmuckes und ordentliches Mädchen, an dem man schon seine Freude haben konnte. Wer weiß auch, was geworden wäre, denn der Franz war gar lieb und freundlich mit ihr, so daß es manche heimliche Neiderin gab, doch da trat ein Ereignis ein, durch welches ihre Hoffnung, und nicht bloß die ihrige, zu nichte gemacht wurde.

Es hatte nämlich seit einiger Zeit sowohl der Wilddiebstahl als auch die Schmuggelei in der Gegend so überhand genommen, daß die Regierung sich genöthigt sah, dem gesetzwidrigen Treiben durch scharfe Maßregeln entgegen zu treten. Das Forst- und Grenzpersonal wurde durch Militär verstärkt, und der dasselbe kommandirende Offizier nahm sein Quartier im Dorfe, da dieses ziemlich in der Mitte der Operationslinie lag. Er war der älteste Lieutenant der Armee, hatte es während der Befreiungskriege vom Soldaten bis zur gegenwärtigen Charge gebracht, konnte auf weiteres Avancement nicht rechnen, und da er partout nicht aus dem Dienste scheiden und um eine Civilanstellung einkommen wollte, so pflegte man ihn zur Lösung von Aufgaben der vorliegenden Art zu verwenden. Und dazu war er allerdings auch grad' der rechte Mann, das sollte sich bald zeigen.

Es hatte nämlich seit einiger Zeit sowohl der Wilddiebstahl als auch die Schmuggelei in der Gegend so überhand genommen, daß die Regierung sich genöthigt sah, dem gesetzwidrigen Treiben durch scharfe Maßregeln entgegen zu treten. Das Forst- und Grenzpersonal wurde durch Militär verstärkt, und der dasselbe kommandirende Offizier nahm sein Quartier im Dorfe, da dieses ziemlich in der Mitte der Operationslinie lag. Er war der älteste Lieutenant der Armee, hatte es während der Befreiungskriege vom Soldaten bis zur gegenwärtigen Charge gebracht, konnte auf weiteres Avancement nicht rechnen, und da er partout nicht aus dem Dienste scheiden und um eine Civilanstellung einkommen wollte, so pflegte man ihn zur Lösung von Aufgaben der vorliegenden Art zu verwenden. Und dazu war er allerdings auch grad' der rechte Mann, das sollte sich bald zeigen.

Es hatte nämlich seit einiger Zeit sowohl der Wilddiebstahl als auch die Schmuggelei in der Gegend so überhand genommen, daß die Regierung sich genötigt sah, dem gesetzwidrigen Treiben durch scharfe Maßregeln entgegenzutreten. Das Forst- und Grenzpersonal wurde durch Militär verstärkt, und der dasselbe kommandierende Offizier nahm sein Quartier im Dorfe, da dieses ziemlich in der Mitte der Operationslinie lag. Er war der älteste Leutnant der Armee, hatte es während der Befreiungskriege vom Soldaten bis zur gegenwärtigen Charge gebracht, konnte auf weiteres Avancement nicht rechnen, und da er partout nicht aus dem Dienste scheiden und um eine Zivilanstellung einkommen wollte, so pflegte man ihn zur Lösung von Aufgaben der vorliegenden Art zu verwenden. Und dazu war er allerdings auch gerade der rechte Mann, das sollte sich bald zeigen.

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Ein Lieutenant ist im Gebirge ein gar vornehmer Herr, und Niemand wagte es, ihn in Logis zu nehmen. Der Dukatengraf aber hatte nicht nur den Muth, sondern auch die Räumlichkeiten dazu, und so zog denn der alte Lieutenant mit Sack und Pack und mit Weib und Kind bei ihm ein. Er mochte sich von den beiden Letzteren nicht trennen. Und das konnte ihm auch gar Niemand übel nehmen, wie alle Jungburschen in Beziehung wenigstens auf die Tochter sofort einsahen. Sie hieß Anna und war in Allem das gerade Gegentheil von ihrem Vater. Er war Soldat durch und durch, kurz angebunden und hielt es nicht für nöthig, sich populär zu machen; man nannte ihn grob und stolz und ging ihm aus dem Wege. Dies geschah natürlich am sorgfältigsten von Denjenigen, die seine amtliche Thätigkeit zu fürchten hatten. Ganz anders aber verhielt man sich zu den beiden Frauen, die mehr als er mit den Leuten in Berührung kamen und sich sichtlich Mühe gaben, den Eindruck zu mildern, welchen die Rauhheit des Lieutenants hervorbrachte. Bald waren sie allgemein beliebt, und Anna, mit der sich kein hiesiges Mädchen messen konnte, hatte im Fluge die Herzen der männlichen Jugend erobert.


Ein Lieutenant ist im Gebirge ein gar vornehmer Herr, und Niemand wagte es, ihn in Logis zu nehmen. Der Dukatengraf aber hatte nicht nur den Muth, sondern auch die Räumlichkeiten dazu, und so zog denn der alte Lieutenant mit Sack und Pack und mit Weib und Kind bei ihm ein. Er mochte sich von den beiden Letzteren nicht trennen. Und das konnte ihm auch gar Niemand übel nehmen, wie alle Jungburschen in Beziehung wenigstens auf die Tochter sofort einsahen. Sie hieß Anna und war in Allem das gerade Gegentheil von ihrem Vater. Er war Soldat durch und durch, kurz angebunden und hielt es nicht für nöthig, sich populär zu machen; man nannte ihn grob und stolz und ging ihm aus dem Wege. Dies geschah natürlich am sorgfältigsten von Denjenigen, die seine amtliche Thätigkeit zu fürchten hatten. Ganz anders aber verhielt man sich zu den beiden Frauen, die mehr als er mit den Leuten in Berührung kamen und sich sichtlich Mühe gaben, den Eindruck zu mildern, welchen die Rauhheit des Lieutenants hervorbrachte. Bald waren sie allgemein beliebt, und Anna, mit der sich kein hiesiges Mädchen messen konnte, hatte im Fluge die Herzen der männlichen Jugend erobert.


Ein Leutnant ist im Gebirge ein gar vornehmer Herr, und Niemand wagte es, ihn in Logis zu nehmen. Der Dukatengraf aber hatte nicht nur den Mut, sondern auch die Räumlichkeiten dazu, und so zog denn der alte Lieutenant mit Sack und Pack und mit Weib und
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Kind bei ihm ein. Er mochte sich von den beiden letzteren nicht trennen. Und das konnte ihm auch gar niemand übel nehmen, wie alle Jungburschen wenigstens in Beziehung auf die Tochter sofort einsahen. Sie hieß Anna und war in allem das gerade Gegenteil von ihrem Vater. Er war Soldat durch und durch, kurz angebunden und hielt es nicht für nötig, sich populär zu machen; man nannte ihn grob und stolz und ging ihm aus dem Wege. Dies geschah natürlich am sorgfältigsten von denjenigen, die seine amtliche Tätigkeit zu fürchten hatten. Ganz anders aber verhielt man sich zu den beiden Frauen, die mehr als er mit den Leuten in Berührung kamen und sich sichtlich Mühe gaben, den Eindruck zu mildern, welchen die Rauheit des Leutnants hervorbrachte. Bald waren sie allgemein beliebt, und Anna, mit der sich kein hiesiges Mädchen messen konnte, hatte im Fluge die Herzen der männlichen Jugend erobert.

Bei dem gesunden Sinne der einfachen Menschen wurde sie durch diese Eroberungen nicht belästigt, und nur Einer hält sich für berechtigt genug, ihr seine Zuneigung offen zu zeigen - Heinrich. Sein Vater, der alte Dukatenbauer, hatte, obgleich der Lieutenant augenscheinlich nicht mit großer Habe gesegnet war, nicht das Mindeste gegen die Neigung seines Sohnes einzuwenden, vielmehr that er sein Möglichstes, dem Stammbaume der Dukatengrafen ein so
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vornehmes Blatt beifügen zu dürfen. Er ließ seinen Reichthum im hellsten Lichte spielen, machte den Gästen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich und benutzte dann einmal eine Gelegenheit zu einer leise anspielenden Frage.

Bei dem gesunden Sinne der einfachen Menschen wurde sie durch diese Eroberungen nicht belästigt, und nur Einer hält sich für berechtigt genug, ihr seine Zuneigung offen zu zeigen - Heinrich. Sein Vater, der alte Dukatenbauer,
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hatte, obgleich der Lieutenant augenscheinlich nicht mit großer Habe gesegnet war, nicht das Mindeste gegen die Neigung seines Sohnes einzuwenden, vielmehr that er sein Möglichstes, dem Stammbaume der Dukatengrafen ein so vornehmes Blatt beifügen zu dürfen. Er ließ seinen Reichthum im hellsten Lichte spielen, machte den Gästen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich und benutzte dann einmal eine Gelegenheit zu einer leise anspielenden Frage.

Bei dem gesunden Sinne der einfachen Menschen wurde sie durch diese Eroberungen nicht belästigt, und nur einer hält sich für berechtigt genug, ihr seine Zuneigung offen zu zeigen - Heinrich. Sein Vater, der alte Dukatenbauer, hatte, obgleich der Leutnant augenscheinlich nicht mit großer Habe gesegnet war, nicht das mindeste gegen die Neigung seines Sohnes einzuwenden, vielmehr tat er sein Möglichstes, dem Stammbaume der Dukatengrafen ein so vornehmes Blatt beifügen zu dürfen. Er ließ seinen Reichtum im hellsten Lichte spielen, machte den Gästen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich und benutzte dann einmal eine Gelegenheit zu einer leise anspielenden Frage.

"Hätte nichts dagegen, Graf, wenn Euer Sohn 'was taugte! Ihr seid ein gemachter Mann und ich auch; wir könnten uns zusammenschicken. Aber ich habe den Heinrich auf dem Korne, Ihr werdet schon wissen, weshalb, und die Anna scheint ihm auch nicht nachzulaufen. Schlagt Euch also den Gedanken aus dem Kopfe!"

"Hätte nichts dagegen, Graf, wenn Euer Sohn 'was taugte! Ihr seid ein gemachter Mann und ich auch; wir könnten uns zusammenschicken. Aber ich habe den Heinrich auf dem Korne, Ihr werdet schon wissen, weshalb, und die Anna scheint ihm auch nicht nachzulaufen. Schlagt Euch also den Gedanken aus dem Kopfe!"

"Hätte nichts dagegen, Graf, wenn Euer Sohn was taugte! Ihr seid ein gemachter Mann und ich
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auch; wir könnten uns zusammenschicken. Aber ich habe den Heinrich auf dem Korne; Ihr werdet schon wissen, weshalb, und die Anna scheint ihm nicht nachzulaufen. Schlagt Euch also den Gedanken aus dem Kopfe!"

So lautete die unverblümte Antwort. Der Bauer nahm seinen Sohn vor, erreichte aber bei dem eigenwilligen Charakter desselben nichts weiter, als daß Heinrich einen Haß auf den Vater des Mädchens warf, den er sich aber nicht anmerken ließ. Er besaß ein leidenschaftliches Naturell und gehörte zu denjenigen Menschen, die durch eine Weigerung nur hartnäckiger werden und dann um jeden Preis zum Ziele zu gelangen suchen. Daß Anna ihn nicht lieb haben könne, hielt er gar nicht für möglich. Er war gewohnt, bewundert zu werden, und sah in ihrer Zurückhaltung nur die natürliche Wirkung des Respektes, welchen sein Reichthum ihr einflößen mußte. Bei nächster Gelegenheit wollte er sich ihre Zusage holen, und dann war der Lieutenant ja gezwungen, nachzugeben.

So lautete die unverblümte Antwort. Der Bauer nahm seinen Sohn vor, erreichte aber bei dem eigenwilligen Charakter desselben nichts weiter, als daß Heinrich einen Haß auf den Vater des Mädchens warf, den er sich aber nicht anmerken ließ. Er besaß ein leidenschaftliches Naturell und gehörte zu denjenigen Menschen, die durch eine Weigerung nur hartnäckiger werden und dann um jeden Preis zum Ziele zu gelangen suchen. Daß Anna ihn nicht lieb haben könne, hielt er gar nicht für möglich. Er war gewohnt, bewundert zu werden, und sah in ihrer Zurückhaltung nur die natürliche Wirkung des Respektes, welchen sein Reichthum ihr einflößen mußte. Bei nächster Gelegenheit wollte er sich ihre Zusage holen, und dann war der Lieutenant ja gezwungen, nachzugeben.

So lautete die unverblümte Antwort des Leutnants. Der Bauer nahm seinen Sohn vor, erreichte aber bei dem eigenwilligen Charakter desselben nichts weiter, als daß Heinrich einen Haß auf den Vater des Mädchens warf, den er sich aber nicht anmerken ließ. Er besaß ein leidenschaftliches Naturell und gehörte zu denjenigen Menschen, die durch eine Weigerung nur hartnäckiger werden und dann um jeden Preis zum Ziele zu gelangen suchen. Daß Anna ihn nicht lieb haben könne, hielt er gar nicht für möglich. Er war gewohnt, bewundert zu werden, und sah in ihrer Zurückhaltung nur die natürliche Wirkung des Respektes, welchen sein Reichtum ihr einflößen mußte. Bei nächster Gelegenheit wollte er sich ihre Zusage holen, und dann war der Lieutenant gezwungen, nachzugeben. - -

Es war an einem Novemberabende. Noch lag kein Schnee, aber der Winter hatte seine Nähe schon längst durch starke Nachtfröste verkündigt, und wen nach eingebrochener Dunkelheit nicht die Nothwendigkeit hinaus in's Freie trieb, der zog es vor, in der wohlerwärmten Stube zu
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bleiben. Um diese Zeit galt es für die Beamten und das Militär, ganz besonders wachsam zu sein, da durch den hartgefrorenen Boden das Wildern und Paschen erleichtert wurde und Niemand Gefahr lief, sich durch zurückgelassene Fußspuren zu verrathen.

Es war an einem Novemberabende. Noch lag kein Schnee, aber der Winter hatte seine Nähe schon längst durch starke Nachtfröste verkündigt, und wen nach eingebrochener Dunkelheit nicht die Nothwendigkeit hinaus in's Freie trieb, der zog es vor, in der wohlerwärmten Stube zu bleiben. Um diese Zeit galt es für die Beamten und das Militär, ganz besonders wachsam zu sein, da durch den hartgefrorenen Boden das Wildern und Paschen erleichtert wurde und Niemand Gefahr lief, sich durch zurückgelassene Fußspuren zu verrathen.

Es war an einem Novemberabende. Noch lag kein Schnee, aber der Winter hatte seine Nähe schon längst durch starke Nachtfröste verkündigt, und wen nach eingebrochener Dunkelheit nicht die Notwendigkeit hinaus ins Freie trieb, der zog es vor, in der wohlerwärmten Stube zu bleiben. Um diese Zeit galt es für die Beamten und das Militär, ganz besonders wachsam zu sein, da durch den hartgefrorenen Boden das Wildern und Paschen erleichtert wurde und Niemand Gefahr lief, sich durch zurückgelassene Fußspuren zu verraten.

Franz war wie gewöhnlich bei Heinrich auf dem Dukatenhof. Die Bewohner desselben hatten sich alle außer dem Lieutenant in der Wohnstube des Bauers zusammengefunden und kürzten sich die Zeit durch allerlei Unterhaltung. Als es zehn Uhr schlug, erhob er sich, um nach Hause zu gehen. Marie, welche genau wußte, wann er sich zu verabschieden pflegte, war vor einigen Minuten in die Küche gegangen und trat ihm draußen im Flur entgegen.

Franz war wie gewöhnlich bei Heinrich auf dem Dukatenhof. Die Bewohner desselben hatten sich alle außer dem Lieutenant in der Wohnstube des Bauers zusammengefunden und kürzten sich die Zeit durch allerlei Unterhaltung. Als es zehn Uhr schlug, erhob er sich, um nach Hause zu gehen. Marie, welche genau wußte, wann er sich zu verabschieden pflegte, war vor einigen Minuten in die Küche gegangen und trat ihm draußen im Flur entgegen.

Franz war wie gewöhnlich bei Heinrich auf dem Dukatenhof. Die Bewohner desselben hatten sich alle außer dem Leutnant in der Wohnstube des Bauers zusammengefunden und kürzten sich die Zeit durch allerlei
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Unterhaltung. Als es zehn Uhr schlug, erhob er sich, um nach Hause zu gehen. Marie, welche genau wußte, wann er sich zu verabschieden pflegte, war vor einigen Minuten in die Küche gegangen und trat ihm draußen im Flur entgegen.

"Franz!"

"Ach so! Dich hab' ich ganz vergess'n. Gute Nacht!"

"Franz!"

"Ach so! Dich hab' ich ganz vergess'n. Gute Nacht!"

"Franz!" sagte sie

"Ach so! Dich hab' ich ganz vergessen. Gute Nacht!" antwortete er.

"Franz!"

"Was noch ?"

"Darf ich Dir 'was sag'n ?"

"Warum denn net ? Ich werd' wohl hören, was!"

"Du bist jetzt ganz anders 'worden als sonst."

"Anders ? Das denkst Du blos! Ich wüßte doch net, inwiefern ich anders sein sollt'. Wie war ich denn früher und wie bin ich jetzt ?"

"Geh' Franz! Du weißt, daß ich das net sag'n kann. Aber ich wollt', wir wären wieder allein auf dem Dukat'nhof!"

"Ist Dir vielleicht der alte Komm'dant net recht ?"

"Franz!"

"Was noch ?"

"Darf ich Dir 'was sag'n ?"

"Warum denn nicht ? Ich werd' wohl hören, was!"

"Du bist jetzt ganz anders 'worden als sonst."

"Anders ? Das denkst Du blos! Ich wüßte doch nicht, inwiefern ich anders sein sollt'. Wie war ich denn früher und wie bin ich jetzt ?"

"Geh' Franz! Du weißt, daß ich das nicht sag'n kann. Aber ich wollt', wir wären wieder allein auf dem Dukat'nhof!"

"Ist Dir vielleicht der alte Kommandant nicht recht ?"

"Franz!" wiederholte sie

"Was noch ?"

"Darf ich dir was sagen ?"

"Warum denn nicht ? Ich werde wohl hören, was!"

"Du bist jetzt ganz anders geworden, als sonst."

"Anders ? Das denkst du bloß! Ich wüßte doch nicht, inwiefern ich anders sein sollte. Wie war ich denn früher, und wie bin ich jetzt ?"

"Geh' Franz! Du weißt, daß ich das nichtt sag'n kann. Aber ich wollte, wir wären wieder allein auf dem Dukatenhof!"

"Ist dir vielleicht der alte Kommandant nicht recht ?"

"Der schon! Aber - -"

"Aber - - ?"

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"Ich darf's net sag'n, Franz!"

"Der schon! Aber - -"

"Aber - - ?"


"Ich darf's nicht sag'n, Franz!"

"Der schon! Aber - -"

"Aber - - ?"


"Ich darf's nicht sagen, Franz!"

"So sag' es mir ein andermal, wenn Du darfst. Gute Nacht, Marie!"

"Gute Nacht!"

Sie hielt seine Hand länger fest, als für den einfachen Gruß nöthig war. Früher hatte er sie ihr gelassen und oft noch ein Weilchen mit ihr geplaudert; heut' aber entzog er sie ihr und ging. Es war ihr recht weh zu Muthe; sie mochte nicht wieder in die Stube gehen und stieg hinauf in ihre Kammer.

"So sag' es mir ein andermal, wenn Du darfst. Gute Nacht, Marie!"

"Gute Nacht!"

Sie hielt seine Hand länger fest, als für den einfachen Gruß nöthig war. Früher hatte er sie ihr gelassen und oft noch ein Weilchen mit ihr geplaudert; heut' aber entzog er sie ihr und ging. Es war ihr recht weh zu Muthe; sie mochte nicht wieder in die Stube gehen und stieg hinauf in ihre Kammer.

"So sag' es mir ein andermal, wenn du darfst. Gute Nacht, Marie!"

"Gute Nacht!"

Die Worte des Mädchens hatten ihren Eindruck auf den jungen Mann doch nicht verfehlt. Langsam und gesenkten Hauptes schritt er über den Hof und blieb, am Thore angelangt, stehen, um noch einen Blick über das Gebäude zu werfen. Da oben hinter dem kleinen Dachfenster flammte ein matter Lichtschein auf. Er wußte, von wem er herrührte. Sie wollte allein sein, weil ihr das Herz wehe that. Sie litt nicht allein. Auch er fühlte seit einiger Zeit eine Bitterkeit in seinem Innern, die ihm allen Frohsinn, alle seine sonstige Heiterkeit raubte. Hatte ihn doch die Mutter schon öfters gefragt, was ihm fehle, und er hatte zu dieser Frage geschwiegen, denn die einzige Antwort hätte doch nur die sein dürfen, welche ihm vorhin auch von Marien geworden war:

"Das kann ich Dir net sag'n!"

Die Worte des Mädchens hatten ihren Eindruck auf den jungen Mann doch nicht verfehlt. Langsam und gesenkten Hauptes schritt er über den Hof und blieb, am Thore angelangt, stehen, um noch einen Blick über das Gebäude zu werfen. Da oben hinter dem kleinen Dachfenster flammte ein matter Lichtschein auf. Er wußte, von wem er herrührte. Sie wollte allein sein, weil ihr das Herz wehe that. Sie litt nicht allein. Auch er fühlte seit einiger Zeit eine Bitterkeit in seinem Innern, die ihm allen Frohsinn, alle seine sonstige Heiterkeit raubte. Hatte ihn doch die Mutter schon öfters gefragt, was ihm fehle, und er hatte zu dieser Frage geschwiegen, denn die einzige Antwort hätte doch nur die sein dürfen, welche ihm vorhin auch von Marien geworden war:

"Das kann ich Dir nicht sag'n!"

Die Worte des Mädchens hatten ihren Eindruck auf den jungen Mann doch nicht verfehlt. Langsam und gesenkten Hauptes schritt er über den Hof und blieb, am Tore angelangt, stehen, um noch einen Blick über das Gebäude zu werfen. Da oben hinter dem kleinen Dachfenster flammte ein matter Lichtschein auf. Er wußte, von wem er herrührte. Sie wollte allein
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sein, weil ihr das Herz wehe tat. Sie litt nicht allein. Auch er fühlte seit einiger Zeit eine Bitterkeit in seinem Innern, die ihm allen Frohsinn, alle seine sonstige Heiterkeit raubte. Hatte ihn doch die Mutter schon öfters gefragt, was ihm fehle, und er hatte zu dieser Frage geschwiegen, denn die einzige Antwort hätte doch nur die sein dürfen, welche ihm vorhin auch von Marien geworden war: "Das kann ich Dir nicht sagen!"

Er ging weiter und war dabei so in Gedanken versunken, daß er die leisen Schritte nicht vernahm, welche ihn zu erreichen strebten. Erst als eine leichte Hand sich auf seine Schulter legte, bemerkte er, daß er nicht allein sei.

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"Herr Grunert - - !"

Er ging weiter und war dabei so in Gedanken versunken, daß er die leisen Schritte nicht vernahm, welche ihn zu erreichen strebten. Erst als eine leichte Hand sich auf seine Schulter legte, bemerkte er, daß er nicht allein sei.


"Herr Grunert - - !"

Er ging weiter und war dabei so in Gedanken versunken, daß er die leisen Schritte nicht vernahm, welche ihn zu erreichen strebten. Erst als eine leichte Hand sich auf seine Schulter legte, bemerkte er, daß er nicht allein sei.


"Herr Grunert - - !"

Er wandte sich um und trat überrascht einen Schritt zurück, als er bei dem Sternenschimmer des unbewölkten Firmamentes Anna erkannte.

Er wandte sich um und trat überrascht einen Schritt zurück, als er bei dem Sternenschimmer des unbewölkten Firmamentes Anna erkannte.

Er wandte sich um und trat überrascht einen Schritt zurück, als er bei dem Sternenschimmer des unbewölkten Firmamentes Anna, die Tochter des Leutnants, erkannte.

"Sie sind es ?" frug er verwundert.

"Ja!" klang es mit ungewisser Stimme. "Ich muß Ihnen etwas sagen; aber kommen Sie von der Straße weg dorthin in den Schatten. Es darf mich Niemand bei Ihnen sehen, und ich glaube, Sie werden beobachtet."

"Sie sind es ?" frug er verwundert.

"Ja!" klang es mit ungewisser Stimme. "Ich muß Ihnen etwas sagen; aber kommen Sie von der Straße weg dorthin in den Schatten. Es darf mich Niemand bei Ihnen sehen, und ich glaube, Sie werden beobachtet."

"Sie sind es ?" fragte er verwundert.

"Ja!" klang es mit ungewisser Stimme. "Ich muß Ihnen etwas sagen; aber kommen Sie von der Straße weg dorthin in den Schatten. Es darf mich niemand bei Ihnen sehen, und ich glaube, Sie werden beobachtet."

Sie schlüpfte über den Weg hinüber unter einige Bäume, welche an der anderen Seite der Straße standen. Er folgte ihr erwartungsvoll; es war ihm so eigenthümlich wie noch nie, so ängstlich, so beklommen, und doch hätte er vor Freude laut rufen mögen.

Sie schlüpfte über den Weg hinüber unter einige Bäume, welche an der anderen Seite der Straße standen. Er folgte ihr erwartungsvoll; es war ihm so eigenthümlich wie noch nie, so ängstlich, so beklommen, und doch hätte er vor Freude laut rufen mögen.

Sie schlüpfte über den Weg hinüber unter einige Bäume, welche an der anderen Seite der Straße standen. Er folgte ihr erwartungsvoll; es war ihm so eigentümlich wie noch nie, so beklommen, und doch hätte er vor Freude laut jauchzen mögen.

"Ich werd' beobachtet ? Wer soll mich denn beobacht'n, und wehalb ?"

"Das darf ich Ihnen nicht sagen - - "

Es war sonderbar; auch aus ihrem Munde klang diese Antwort.


"Sie dürfen net ? Aber vorhin wollt'n Sie mir doch 'was sag'n!"

"Ich werd' beobachtet ? Wer soll mich denn beobacht'n, und wehalb ?"

"Das darf ich Ihnen nicht sagen - - "

Es war sonderbar; auch aus ihrem Munde klang diese Antwort.


"Sie dürfen nicht ? Aber vorhin wollt'n Sie mir doch 'was sag'n!"

"Ich werde beobachtet ? Wer soll mich denn beobachten, und wehalb ?"

"Das darf ich Ihnen nicht sagen - - "

Es war sonderbar; auch aus ihrem Munde klang diese Antwort.

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"Sie dürfen nicht ? Aber vorhin wollten Sie mir doch was sagen!"

"Eine Bitte ist es, die ich aussprechen möchte. Wollen Sie mir dieselbe erfüllen ?"

"Gern, o wie gern! Ihnen könnt' ich nix abschlag'n!"

"Eine Bitte ist es, die ich aussprechen möchte. Wollen Sie mir dieselbe erfüllen ?"

"Gern, o wie gern! Ihnen könnt' ich nix abschlag'n!"

"Eine Bitte ist es, die ich aussprechen möchte. Wollen Sie mir dieselbe erfüllen ?"

"Gern, o wie gern! Ihnen könnt' ich nichts abschlagen!"

"So gehen Sie jetzt schlafen, wenn Sie nach Hause kommen. Gehen Sie nicht weiter!"

Er stutzte.

"Warum ?"

"Weil Sie sich sonst in eine große Gefahr begeben."

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Das helle Dachfenster war ihm auch von hier sichtbar; aber seine Gedanken waren jetzt ganz andere, als vorhin. Er hätte die gegenwärtige Minute um keinen Preis der Welt verkauft. Die Tochter des Offiziers war ihm heimlich nachgekommen, um ihn zu warnen. Er war ein einfaches, ungebildetes Dorfkind, aber er sagte sich, daß sie sich zu dieser Warnung nur nach einem Kampfe mit ihrem Gewissen habe entschließen können, und dieser Kampf, er hatte wegen ihm stattgefunden, wegen ihm, der es niemals gewagt hätte, aus freien Stücken mit dem schönen Mädchen nur zu sprechen.

"So gehen Sie jetzt schlafen, wenn Sie nach Hause kommen. Gehen Sie nicht weiter!"

Er stutzte.

"Warum ?"

"Weil Sie sich sonst in eine große Gefahr begeben."


Das helle Dachfenster war ihm auch von hier sichtbar; aber seine Gedanken waren jetzt ganz andere als vorhin. Er hätte die gegenwärtige Minute um keinen Preis der Welt verkauft. Die Tochter des Offiziers war ihm heimlich nachgekommen, um ihn zu warnen. Er war ein einfaches, ungebildetes Dorfkind, aber er sagte sich, daß sie sich zu dieser Warnung nur nach einem Kampfe mit ihrem Gewissen habe entschließen können, und dieser Kampf, er hatte seinetwegen stattgefunden, um ihn, der es niemals gewagt hätte, aus freien Stücken mit dem schönen Mädchen nur zu sprechen.

"So gehen Sie jetzt schlafen, wenn Sie nach Hause kommen. Gehen Sie nicht weiter!"

Er stutzte.

"Warum ?" fragte er dann.

"Weil Sie sich sonst in eine große Gefahr begeben."


Das helle Dachfenster war ihm auch hier sichtbar; aber seine Gedanken waren jetzt ganz andere, als vorhin. Er hätte die gegenwärtige Minute um keinen Preis der Welt verkauft. Die Tochter des Offiziers war ihm heimlich nachgekommen, um ihn zu warnen. Er war ein einfaches, ungebildetes Dorfkind, aber er sagte sich, daß sie sich zu dieser Warnung nur nach einem Kampfe mit ihrem Gewissen habe entschließen können, und dieser Kampf, er hatte wegen seiner stattgefunden, wegen seiner, der es niemals gewagt hätte, aus freien Stücken mit dem schönen Mädchen nur zu sprechen.

"Und ich soll wohl net in Gefahr sein ?" frug er leise und mit stockendem Athem.

"Nein!" klang es zögernd und ebenso leise.

"Warum net ?"

Sie schwieg; dann bot sie ihm die Hand.

"Gute Nacht!"

"Und ich soll wohl nicht in Gefahr kommen ?" frug er leise und mit stockendem Athem.

"Nein!" klang es zögernd und ebenso leise.

"Warum nicht ?"

Sie schwieg; dann bot sie ihm die Hand.

"Gute Nacht!"

"Und ich soll wohl nicht in Gefahr sein ?" fragte er leise und mit stockendem Atem.

"Nein," klang es zögernd und ebenso leise.

"Warum nicht ?"

Sie schwieg; dann bot sie ihm die Hand. "Gute Nacht!"

Er ergriff das kleine Händchen und hielt es fest. Er wußte nicht, woher ihm so plötzlich der Muth kam, aber er frug dringender:

"Warum net, Anna ?"

Er ergriff das kleine Händchen und hielt es fest. Er wußte nicht, woher ihm so plötzlich der Muth kam, aber er frug dringender:

"Warum nicht, Anna ?"

Er ergriff das kleine Händchen und hielt es fest. Er wußte nicht, woher ihm so plötzlich der Mut kam, aber er fragte dringender: "Warum nicht, Anna ?"

"Weil ich es nicht will. Also Sie bleiben zu Hause ?"


"Soll ich nur die Wahrheit sag'n ?"

"Weil ich es nicht will. Also Sie bleiben zu Hause ?"


"Soll ich nur die Wahrheit sag'n ?"

"Weil ich es nicht will. Also Sie bleiben zu Hause ?"

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"Soll ich nur die Wahrheit sagen ?"

"Ja!"

"Ich darf net zu Hause bleib'n, nun erst recht net, das bin ich den Andern schuldig. Aber Gefahr gibt's jetzt keine mehr für mich, Anna."

"Ist das auch wahr ?"

"Ja!" versicherte er einfach, aber sie hörte es dem

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Klange dieser kleinen Silbe an, daß die Warnung ihren Zweck erreicht habe. "Und nun möcht' ich gern auch 'mal bitt'n!"

"Ja!"

"Ich darf nicht zu Hause bleib'n, nun erst recht nicht, das bin ich den Andern schuldig. Aber Gefahr gibt's jetzt keine mehr für mich, Anna."

"Ist das auch wahr ?"

"Ja!" versicherte er einfach, aber sie hörte es dem Klange dieser kleinen Silbe an, daß die Warnung ihren Zweck erreicht habe. "Und nun möcht' ich gern auch 'mal bitt'n!"

"Ja!"

"Ich darf nicht zu Hause bleiben, nun erst recht nicht, das bin ich den anderen schuldig. Aber Gefahr gibt's jetzt keine mehr für mich, Anna."

"Ist das auch wahr ?"

"Ja!" versicherte er einfach, aber sie hörte es dem Klange dieser kleinen Silbe an, daß die Warnung ihren Zweck erreicht habe. "Und nun möcht' ich gern auch mal bitten!"

"Sprechen Sie!"

"Sein Sie mir net bös weg'n - weg'n - - "

Er stockte. In diesem Augenblicke erschien ihm das, was er vorher wirklich für kein Unrecht gehalten hatte, erst im wahren Lichte.

"Ich bin Ihnen nicht bös. Aber thun Sie es nie wieder, bitte, bitte! Wollen Sie mir das versprechen ?"

Er streckte ihr beide Hände entgegen.

"Ich versprech's, Anna, ich versprech's zehnmal, hundertmal, tausendmal, aber Sie müss'n auch 'mal Franz zu mir sag'n!"

Wieder schwieg sie. Er hielt ihre Hände gefaßt und lauschte auf die Erfüllung seines Wunsches.

"Gute Nacht, Franz!" flüsterte sie endlich mit fast ängstlicher Stimme.

"Sprechen Sie!"

"Sein Sie mir nicht bös weg'n - weg'n - - "

Er stockte. In diesem Augenblicke erschien ihm das, was er vorher wirklich für kein Unrecht gehalten hatte, erst im wahren Lichte.

"Ich bin Ihnen nicht bös. Aber thun Sie es nie wieder, bitte, bitte! Wollen Sie mir das versprechen ?"

Er streckte ihr beide Hände entgegen.

"Ich versprech's, Anna, ich versprech's zehnmal, hundertmal, tausendmal, aber Sie müss'n auch 'mal Franz zu mir sag'n!"

Wieder schwieg sie. Er hielt ihre Hände gefaßt und lauschte auf die Erfüllung seines Wunsches.

"Gute Nacht, Franz!" flüsterte sie endlich mit fast ängstlicher Stimme.

"Sprechen Sie!"

"Seien Sie mir nicht bös wegen - wegen - - "

Er stockte. In diesem Augenblicke erschien ihm das, was er vorher wirklich für kein Unrecht gehalten hatte, erst im wahren Lichte.

"Ich bin Ihnen nicht bös. Aber thun Sie es nie wieder, bitte, bitte! Wollen Sie mir das versprechen ?"

Er streckte ihr beide Hände entgegen.

"Ich versprech's, Anna, ich versprech's zehnmal, hundertmal, tausendmal, aber Sie müssen auch mal Franz zu mir sagen!"

Wieder schwieg sie. Er hielt ihre Hände gefaßt und lauschte auf die Erfüllung seines Wunsches.

"Gute Nacht, Franz!" flüsterte sie endlich mit fast ängstlicher Stimme.

"Gute - - "

Er vollendete den Gruß nicht, denn vor ihnen tauchte in diesem Augenblicke eine dunkle Gestalt auf, die sich längs des Zaunes und unbemerkt in ihre Nähe geschlichen hatte. es war Heinrich.

Er sprach kein Wort; der Grimm raubte ihm das Vermögen dazu. Aber er erhob den Arm, und von der geballten Faust mit aller Wucht gerade an die Schläfe getroffen, stürzte Franz zusammen. Anna sah es nicht; sie war, sobald sie den Dukatenprinz erblickte, heftig erschrocken davon geeilt. Dieser folgte ihr.

[Kein Absatz. Anm.d.Hrsgb.]

"Gute - - "

Er vollendete den Gruß nicht, denn vor ihnen tauchte in diesem Augenblicke eine dunkle Gestalt auf, die sich längs des Zaunes und unbemerkt in ihre Nähe geschlichen hatte. es war Heinrich.

Er sprach kein Wort; der Grimm raubte ihm das Vermögen dazu. Aber er erhob den Arm, und von der geballten Faust mit aller Wucht gerade an die Schläfe getroffen, stürzte Franz zusammen. Anna sah es nicht; sie war, sobald sie den Dukatenprinz erblickte, heftig erschrocken davon geeilt. Dieser folgte ihr.

(Fortsetzung folgt.)  

"Gute - - "

Er vollendete den Gruß nicht, denn vor ihnen tauchte in diesem Augenblicke eine dunkle Gestalt auf, die sich längs des Zaunes und unbemerkt in ihre Nähe geschlichen hatte. es war Heinrich.

Er sprach kein Wort; der Grimm raubte ihm das Vermögen dazu. Aber er erhob den Arm, und von

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der geballten Faust mit aller Wucht gerade an die Schläfe getroffen, stürzte Franz zusammen. Anna sah es nicht; sie war, sobald sie den Dukatenprinz erblickte, heftig erschrocken davon geeilt. Dieser folgte ihr.

[Kein Absatz. Anm.d.Hrsgb.]



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[Kein Absatz. Anm.d.Hrsgb.]