Bibliothek der Unterhaltung und des WissensJahrgang 1877 Elfter Band Seite 92 - 208 Verlag von H. Schönlein, Stuttgart | Illustrirtes UnterhaltungsblattBelletristische Wochenschrift für die Familie und Jedermann. Jahrgang 1879, No. 32, Seite 249 bis 251. Verlag von H. Schönlein, Stuttgart | Erzgebirgische DorfgeschichtenKarl May's Erstlingswerke Autorisierte Ausgabe Band I, Seite 167 bis 277 Belletristischer Verlag, Dresden |
Der Dukatenhof.Eine Erzählung aus dem Erzgebirge. Von Karl May. (Nachdruck verboten.)
| Der Dukatenhof.Eine Erzählung aus dem Erzgebirge. Von Karl May. (Nachdruck verboten.)
| Der Dukatenhof.
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| Die steile Bergstraße hinauf schob sich mit langsamen, schildkrötenartigen Bewegungen eine so eigenthümliche Figur, daß ein Unbekannter sie von Weitem wohl kaum für ein menschliches Wesen gehalten hätte. In der Nähe aber erkannte man die seltsame Gestalt als einen Mann, welcher sich mühsam mit den Händen fortschieben mußte, weil ihm beide Beine gänzlich fehlten.
| Die steile Bergstraße hinauf schob sich mit langsamen, schildkrötenartigen Bewegungen eine so eigenthümliche Figur, daß ein Unbekannter sie von Weitem wohl kaum für ein menschliches Wesen gehalten hätte. In der Nähe aber erkannte man die seltsame Gestalt als einen Mann, welcher sich mühsam mit den Händen fortschieben mußte, weil ihm beide Beine gänzlich fehlten.
| Die steile Bergstraße hinauf schob sich mit langsamen, schildkrötenartigen Bewegungen eine so eigenthümliche Figur, daß ein Unbekannter sie von Weitem wohl kaum für ein menschliches Wesen gehalten hätte. In der Nähe aber erkannte man die seltsame Gestalt als einen Mann, welcher sich mühsam mit den Händen fortschieben mußte, weil ihm die Beine gänzlich fehlten.
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| Der mit einer alten, vielfach ausgebesserten Jacke bekleidete Körper war durch Riemen in einem aus starkem Holze gefertigten Rollkasten befestigt; den nach vorn tief niedergebeugten Kopf bedeckte ein ungewöhnlich breitkrämpiger Filz, dessen ursprüngliche Form und Farbe wohl schon seit Jahren in Sturm und Regen verloren ging; über dem Rücken hing ein umfangreicher, schmutziger Leinwandsack, jedenfalls bestimmt zur Aufnahme von allerhand Geschenken, denn das ganze Äußere des Unglücklichen ließ vermuthen, daß er zu denjenigen Beklagenswerthen gehöre, welche mit der Befriedigung ihrer Bedürfnisse lediglich auf die Mild-
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thätigkeit ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Und diese Mildthätigkeit schien sich in dem vorliegenden Falle als fruchtbar erwiesen zu haben: der Sack war trotz seiner Größe wohl gefüllt, und seine Schwere veranlaßte den Träger, öfter auszuruhen, als es trotz der Gebrechlichkeit des Letzteren sonst wohl der Fall gewesen wäre.
| Der mit einer alten, vielfach ausgebesserten Jacke bekleidete Körper war durch Riemen in einem aus starkem Holze gefertigten Rollkasten befestigt; den nach vorn tief niedergebeugten Kopf bedeckte ein ungewöhnlich breitkrämpiger Filz, dessen ursprüngliche Form und Farbe wohl schon seit Jahren in Sturm und Regen verloren ging; über dem Rücken hing ein umfangreicher, schmutziger Leinwandsack, jedenfalls bestimmt zur Aufnahme von allerhand Geschenken, denn das ganze Äußere des Unglücklichen ließ vermuthen, daß er zu denjenigen Beklagenswerthen gehöre, welche mit der Befriedigung ihrer Bedürfnisse lediglich auf die Mildthätigkeit ihrer Mitmenschen angewiesen sind. Und diese Mildthätigkeit schien sich in dem vorliegenden Falle als fruchtbar erwiesen zu haben; der Sack war trotz seiner Größe wohl gefüllt, und seine Schwere veranlaßte den Träger, öfter auszuruhen, als es trotz der Gebrechlichkeit des Letzteren sonst wohl der Fall gewesen wäre.
| Der mit einer alten, vielfach ausgebesserten Jacke bekleidete Körper war durch Riemen in einem aus starkem Holze gefertigten Rollkasten befestigt; den nach vorn tief niedergebeugten Kopf bedeckte ein ungewöhnlich breitkrempiger Filz, dessen ursprüngliche Form und Farbe wohl schon seit Jahren in Sturm und Regen verloren ging; über dem Rücken hing ein umfangreicher, schmutziger Leinwandsack, jedenfalls bestimmt zur Aufnahme von allerhand Geschenken, denn das ganze Äußere des Unglücklichen ließ vermuten, daß er zu denjenigen Beklagenswerten gehöre, welche mit der Befriedigung ihrer Bedürfnisse lediglich auf die Mildtätigkeit ihrer Neben-
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menschen angewiesen sind. Und diese Mildtätigkeit schien sich in dem vorliegenden Falle als fruchtbar erwiesen zu haben; der Sack war trotz seiner Größe wohlgefüllt, und seine Schwere veranlaßte den Träger, öfter auszuruhen, als es trotz seiner Gebrechlichkeit sonst wohl der Fall gewesen wäre. Nach langer Anstrengung endlich oben auf der Höhe angekommen, hielt er tief atmend still und ließ den Blick hinab in das jenseitige Tal gleiten, in welchem sich eines jener armen Gebirgsdörfer hinzog, deren Bewohner meist nur durch die schwachen Fäden einer wenig lohnenden Industrie mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Die Abgeschlossenheit ihrer geographischen Lage äußert einen unleugbaren Einfluß auf alle ihre äußeren und inneren Verhältnisse und erhält den Charakteren eine Naturwüchsigkeit, welche unter der dichter gesäten Bevölkerung des platten Landes sehr bald verloren geht.
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| Nach langer Anstrengung endlich oben auf der Höhe angekommen, hielt er tief athmend still und ließ den Blick hinab in das jenseitige Thal gleiten, in welchem sich eines jener armen Gebirgsdörfer hinzog, deren Bewohner meist nur durch die schwachen Fäden einer wenig lohnenden Industrie mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Die Abgeschlossenheit ihrer geographischen Lage äußert einen unleugbaren Einfluß auf alle ihre äußeren und inneren Verhältnisse und erhält den Charakteren eine Naturwüchsigkeit, welche unter der dichter gesäeten Bevölkerung des platten Landes sehr bald verloren geht.
| Nach langer Anstrengung endlich oben auf der Höhe angekommen, hielt er tief athmend still und ließ den Blick hinab in das jenseitige Thal gleiten, in welchem sich eines jener armen Gebirgsdörfer hinzog, deren Bewohner meist nur durch die schwachen Fäden einer wenig lohnenden Industrie mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Die Abgeschlossenheit ihrer geographischen Lage äußert einen unleugbaren Einfluß auf alle ihre äußeren und inneren Verhältnisse und erhält den Charakteren eine Naturwüchsigkeit, welche unter der dichter gesäeten Bevölkerung des platten Landes sehr bald verloren geht.
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| Vor ihm, da wo die Straße sich wieder abwärts neigte, stand ein ziemlich neues, zweistöckiges Gebäude, über dessen Eingangsthür in goldenen Lettern die Inschrift: "Zur Bergschenke" erglänzte. Vor dem Hause hielt eine leichte Kalesche, und aus dem Innern desselben tönte ein mehrstimmiges schallendes Gelächter durch die geöffneten Fenster. Der Ermüdete schien die Stimmen zu kennen; er erhob bei ihrem Klange lauschend den Kopf, und nun waren seine bisher unter der breiten Kopfbedeckung verborgen gewesenen Züge zu erkennen - Züge, wie man sie unter dem alten Hute gar nicht erwartet hätte, so kontrastirend mit seiner übrigen Erscheinung, so intelligent, wäre
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man fast zu sagen versucht, wenn nicht ein undefinirbares Etwas in dem Gesichte, ein eigenthümlich gebrochenes Licht des großen dunklen Auges dieser Bezeichnung widersprochen hätte.
| Vor jenem Wanderer, wo die Straße sich wieder neigte, stand ein ziemlich neues, zweistöckiges Gebäude, über dessen Eingangsthür in goldenen Lettern die Inschrift: "Zur Bergschenke" erglänzte. Vor dem Hause hielt eine leichte Kalesche, und aus dem Innern desselben tönte ein mehrstimmiges schallendes Gelächter durch die geöffneten Fenster. Der Ermüdete schien die Stimmen zu kennen; er erhob bei ihrem Klange lauschend den Kopf, und nun waren seine bisher unter der breiten Kopfbedeckung verborgen gewesenen Züge zu erkennen - Züge, wie man sie unter dem alten Hute gar nicht erwartet hätte, so kontrastirend mit seiner übrigen Erscheinung, so intelligent, wäre man fast zu sagen versucht, wenn nicht ein undefinirbares Etwas in dem Gesichte, ein eigenthümlich gebrochenes Licht des großen dunklen Auges, dieser Bezeichnung widersprochen hätte.
| Vor ihm, da, wo die Straße sich wieder abwärts neigte, stand ein ziemlich neues, zweistöckiges Gebäude, über dessen Eingangsthür in goldenen Lettern die Inschrift: "Zur Bergschenke" erglänzte. Vor dem Hause hielt eine leichte Kalesche, und aus dem Innern desselben tönte ein mehrstimmiges, schallendes Gelächter durch die geöffneten Fenster. Der Ermüdete schien die Stimmen zu kennen; er erhob bei ihrem Klange lauschend den Kopf, und nun waren seine bisher unter der breiten Kopfbedeckung verborgen gewesenen Züge zu erkennen - Züge, wie man sie unter dem alten Hute gar nicht erwartet hätte, so kontrastierend mit seiner übrigen Erscheinung, so intelligent, wäre man fast zu sagen versucht, wenn nicht ein undefinierbares Etwas in dem Gesicht, ein eigentümliches, gebrochenes Licht des großen dunklen Auges dieser Bezeichnung widersprochen hätte.
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"Aha, der Baron und der Zettelkramer! Ganz gewiß woll'n die 'nunter zum - - " Er drängte den Namen, welchen auszusprechen er schon im Begriffe gestanden hatte, wieder zurück. Der unterbrochene Gedankengang hatte schlummernde Geister in ihm erweckt; sein Auge loderte plötzlich in wildem Feuer, seine Hände erhoben wie drohend die Stemmhölzer, mit deren Hilfe er sich fortgeschoben hatte, und jenes unbestimmbare Etwas zuckte jetzt gehässig über das vorhin so ruhige und unbewegte Angesicht. "Nur zu, nur zu, nur immer zu! Ihr seid zwaa Spitzbub'n, das weiß ich; ihr mordet die Güter, saugt die Bauern aus und bringt ehrliche Leut' mit euren Zetteln um Hab' und Eigenthum; aber ihr arbeitet mir in die Hände, und d'rum hab' ich alleweil' Freud', wenn ich euch zu sehen bekomm'!"
| "Aha, der Baron und der Zettelkramer! Ganz gewiß woll'n die 'nunter zum - - " Er drängte Seite 250
den Namen, welchen auszusprechen er schon im Begriffe gestanden hatte, wieder zurück. Der unterbrochene Gedankengang hatte schlummernde Geister in ihm erweckt; sein Auge loderte plötzlich in wildem Feuer, seine Hände erhoben wie drohend die Stemmhölzer, mit deren Hilfe er sich fortgeschoben hatte, und jenes unbestimmbare Etwas zuckte jetzt gehässig über das vorhin so ruhige und unbewegte Angesicht. "Nur zu, nur zu, nur immer zu! Ihr seid zwei Spitzbub'n, das weiß ich; ihr mordet die Güter, saugt die Bauern aus und bringt ehrliche Leut' mit euren Zetteln um Hab' und Eigenthum; aber ihr arbeitet mir in die Hände, und d'rum hab' ich alleweil' Freud', wenn ich euch zu sehen bekomm'!"
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"Aha, der Baron und der Zettelkramer! Ganz gewiß wollen die hinunter zum - " Er drängte den Namen, welchen auszusprechen er schon im Begriff gestanden hatte, wieder zurück. Der unterbrochene Gedankengang hatte schlummernde Geister in ihm erweckt; sein Auge loderte plötzlich in wildem Feuer; seine Hände erhoben wie drohend die Stemmhölzer, mit deren Hilfe er sich fortgeschoben hatte, und jenes unbestimmbare Etwas zuckte jetzt gehässig über das vorhin so ruhige und unbewegte Angesicht. "Nur zu, nur zu, nur immer zu! Ihr seid zwar Spitzbub'n, das weiß ich; ihr vernichtet die Güter, saugt die Bauern aus und bringt ehrliche Leute mit euren Zetteln um Habe und Eigentum, arbeitet mir aber in die Hände, und darum habe ich alleweil' Freude, wenn ich euch zu sehen bekomme!"
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| Er rollte sich die kurze Strecke bis zur Schenke weiter. Bei dem Fuhrwerke angekommen, hielt er überrascht an.
| Er rollte sich die kurze Strecke bis zur Schenke weiter. Bei dem Fuhrwerke angekommen, hielt er überrascht an.
| Er rollte sich die kurze Strecke bis zur Schenke weiter. Bei dem Fuhrwerk angekommen, hielt er überrascht an.
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| "Was ?! Das ist ja dem - - na, dem sein Brauner, der ihm hundertzwanzig Dukat'n baar gekostet hat! Wie kommt der Gaul zum Baron ? Da hat es wieder 'mal 'ne Wette gegeb'n oder so 'n kleines Spielchen bei verschloss'ner Thür. Nur zu, nur immer zu, denn so ist's mir g'rad recht! Ihr würgt ihn langsam ab, und ich geb' ihm den Gnad'nstoß. Ich hab' noch Niemandem 'was zu Leid gethan, aber für Den gibt's keine Gnad' und kein
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Erbarmen, für ihn hab' ich kein Mitleid und kein Herz; er hat mir's selber aus dem Leib geriss'n."
| "Was ?! Das ist ja dem - - na, dem sein Brauner, der ihm hundertzwanzig Dukat'n baar gekostet hat! Wie kommt der Gaul zum Baron ? Da hat es wieder 'mal 'ne Wette gegeb'n oder 'n kleines Spielchen bei verschloss'ner Thür. Nur zu, nur immer zu, denn so ist's mir g'rad recht! Ihr würgt ihn langsam ab, und ich geb' ihm den Gnad'nstoß. Ich hab' noch Niemandem 'was zu Leid gethan, aber für Den gibt's keine Gnad' und kein Erbarmen, für ihn hab' ich kein Mitleid und kein Herz; er hat mir's selber aus dem Leib geriss'n."
| "Was ?! Das ist ja dem - - na, dem sein Brauner, der ihm hundertzwanzig Dukaten bar gekostet hat! Wie kommt der Gaul zum Baron ? Da hat es wieder mal eine Wette gegeben oder ein kleines Spielchen bei verschloss'ner Tür. Nur zu, nur immer zu, denn so ist's mir grad recht! Ihr würgt ihn langsam ab, und ich geb' ihm den Gnadenstoß. Ich habe noch niemandem was zuleid getan, aber für den gibt's keine Gnade und kein Erbarmen; für den gibt's auch kein Mitleid und keine Barmherzigkeit, denn er ist mein Teufel gewesen, so lange und so weit ich zurückdenken kann. Jetzt werde ich hineinfahren zu den beiden. Ich will mal sehen, wie sie mich wieder verschimpfieren werden!"
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| "Köpfle-Franz," rief es da, und ein wohlgenährtes, schlaues Gesicht erschien am Fenster. "Köpfle-Franz, läßt Du Dich auch wieder 'mal zu Hause sehen ? Wo bist denn in der langen Zeit herumgekroch'n ?
| "Köpfle-Franz," rief es da, und ein wohlgenährtes schlaues Gesicht erschien am Fenster. "Köpfle-Franz, läßt Du Dich auch wieder 'mal zu Hause sehen ? Wo bist denn in der langen Zeit herumgekroch'n ?
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| "Drunt'n im Niederlande, Bergwirth. Die Sehnsucht nach mir wird hier ob'n net groß gewes'n sein!"
| "Drunt'n im Niederlande, Bergwirth. Die Sehnsucht nach mir wird hier ob'n net groß gewes'n sein!"
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| "Warum net ? Ich weiß Eine, die hat gar viel nach Dir gefragt. Komm 'rein, wenn Du erfahr'n willst, wer's gewes'n ist."
| "Warum net ? Ich weiß Eine, die hat gar viel nach Dir gefragt. Komm 'rein, wenn Du erfahr'n willst, wer's gewes'n ist."
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| "Laß nur den schlechten Witz, Bergwirth; mich hast Du net zum Narr'n! Aber 'rein kommen thu' ich schon; ich möcht wohl gern 'was trink'n, wenn's net viel kosten thät."
| "Laß nur den schlechten Witz, Bergwirth, mich hast Du net zum Narr'n! Aber 'rein kommen thu' ich schon; ich möcht wohl gern 'was trink'n, wenn's net viel kosten thät."
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| In der Stube saßen zwei Männer, die, obgleich sie sich in ihren inneren Eigenheiten begegnen mochten, in Beziehung auf ihre äußere Gestalt in einem scharfen Gegensatze zu einander standen. Der Eine war klein und außerordentlich hager; seine spitze Physiognomie hatte etwas Raubvogelähnliches, was durch die große, schnabelartig gebildete Nase, auf welcher ein blauglasiger Klemmer ritt, keineswegs gemildert wurde. Der Andere war von hoher, starker und ungeschlachter Statur; sein dicker Kopf mit dem starken, kurzgeschorenen Haare, der niederen, nach hinten gehenden Stirn, den kleinen, tückischen Augen, der breitgedrückten Nase, den wulstig aufgeworfenen Lippen und schlappen Hängebacken war sehr geeignet, zu einem ähnlichen Vergleiche zu führen, denn er erinnerte ganz unwillkürlich an
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jene Bissigkeit, durch welche sich eine bekannte Art unserer Hausthiere auszuzeichnen pflegt. Auch er trug seine gesunden Sehwerkzeuge hinter Glas und Rahmen, da aber der Zwicker bei ihm nicht gehaftet hätte, so war seine Wahl auf die altbewährte und zuverlässigere Form der Brille gefallen. Beide, der Riese sowohl als auch der Zwerg, waren fein und nach der neuesten Mode gekleidet, doch saßen wenigstens dem Ersteren die Sachen so, daß sich sehr leicht vermuten ließ, er habe sich erst vor noch nicht gar zu langer Zeit mit diesem Habitus befreundet.
| In der Stube saßen zwei Männer, die, obgleich sie sich in ihren inneren Eigenheiten begegnen mochten, in Beziehung auf ihre äußere Gestalt in einem scharfen Gegensatze zu einander standen. Der Eine war klein und außerordentlich hager; seine spitze Physiognomie hatte etwas Raubvogelähnliches, was durch die große, schnabelartig gebildete Nase, auf welcher ein blauglasiger Klemmer ritt, keineswegs gemildert wurde. Der Andere war von hoher, starker und ungeschlachter Statur; sein dicker Kopf mit dem starken, kurzgeschorenen Haare, der niederen, nach hinten gehenden Stirn, den kleinen, tückischen Augen, der breitgedrückten Nase, den wulstig aufgeworfenen Lippen und schlappen Hängebacken war sehr geeignet, zu einem ähnlichen Vergleiche zu führen, denn er erinnerte ganz unwillkürlich an jene Bissigkeit, durch welche sich eine bekannte Art unserer Hausthiere auszuzeichnen pflegt. Auch er trug seine gesunden Sehwerkzeuge hinter Glas und Rahmen, da aber der Zwicker bei ihm nicht gehaftet hätte, so war seine Wahl auf die altbewährte und zuverlässigere Form der Brille gefallen. Beide, der Riese sowohl als auch der Zwerg, waren fein und nach der neuesten Mode gekleidet, doch saßen wenigstens dem Ersteren die Sachen so, daß sich sehr leicht vermuten ließ, er habe sich erst vor noch nicht gar zu langer Zeit mit diesem Habitus befreundet.
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| "Laß doch den Krüppel draußen, Bergwirth," meinte er. "Es wird mir immer schlecht, wenn ich so eine Kreatur zu sehen bekomme, und übrigens habe ich das Betteln niemals leiden mögen!" Der Gegenstand dieser lieblosen Äußerung hörte die Worte gar wohl, denn er befand sich bereits in der Stube, aber ganz entgegengesetzt der gewöhnlichen Reizbarkeit gebrechlicher Leute erwiederte er in demüthigem Tone. "Herr Baron, ich bin net selber Schuld, daß sie mir die Beine weggeschnitt'n hab'n; aber wenn ich Ihn'n zuwider bin, so will ich geh'n!" "Bleib nur immer da!" gebot der Zwerg. "Der Herr Baron kennt Dich noch nicht und wird wohl nichts dagegen haben, daß Du ihm einmal Deine Kunst zeigst." "Was denn für eine Kunst ?" frug verächtlich der Riese. "Es wird wohl nicht weit her damit sein!" "Da dürften Sie sich irr'n!" entgegnete der Wirth. "Der Franz ist ein ganz perfekter Maler; er zeichnet an keinem Kopfe länger als fünf Minut'n, und nachher ist Seite 97
man getroff'n g'rad wie man leibt und lebt. D'rum heißt er ja eb'n der Köpfle-Franz."
| "Laß doch den Krüppel draußen, Bergwirth," meinte er. "Es wird mir immer schlecht, wenn ich so eine Kreatur zu sehen bekomme, und übrigens habe ich das Betteln niemals leiden mögen!" Der Gegenstand dieser lieblosen Äußerung hörte die Worte gar wohl, denn er befand sich bereits in der Stube, aber ganz entgegengesetzt der gewöhnlichen Reizbarkeit gebrechlicher Leute erwiederte er in demüthigem Tone. "Herr Baron, ich bin nicht selber Schuld, daß sie mir die Beine weggeschnitt'n hab'n; aber wenn ich Ihn'n zuwider bin, so will ich geh'n!" "Bleib nur immer da!" gebot der Zwerg. "Der Herr Baron kennt Dich noch nicht und wird wohl nichts dagegen haben, daß Du ihm einmal Deine Kunst zeigst." "Was denn für eine Kunst ?" frug verächtlich der Riese. "Es wird wohl nicht weit her damit sein!" "Da dürften Sie sich irr'n!" entgegnete der Wirth. "Der Franz ist ein ganz perfekter Maler; er zeichnet an keinem Kopfe länger als fünf Minut'n, und nachher ist man getroff'n g'rad wie man leibt und lebt. D'rum heißt er ja eb'n der Köpfle-Franz."
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| Er schob sich in den Flur des Hauses, und von da durch die glücklicherweise nur angelehnte Tür in die Gaststube hinein.
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Da saßen drei Männer, welche des Betrachtens in psychologischer Beziehung wohl wert waren. Der erstere war der Wirt, eine untersetzte, behäbige Gestalt, deren Gesichtszüge einen nicht üblen Eindruck gemacht hätten, wenn sie nicht durch den Ausdruck der List und Verschlagenheit sozusagen verunziert worden wären. Er qualmte aus einer Meerschaumpfeife mit einem mächtigen Kopf. Der zweite war ein kleines, dürftiges Männchen mit einem abstoßenden Sperbergesicht und einem blauglasigen Zwicker auf der Nase. Der dritte, von breit und hoch gebauter, beinahe hünenhafter Figur, hatte einen großen, eckigen Kopf mit einem Gesicht, als wäre es mit dem Beile aus Holz roh zugehackt worden.Als dieser letztere den Ankommenden bemerkte, schlug er ein widerwärtiges, schallendes Gelächter auf und rief: "Alle Teufel, was ist denn das für eine armselige Kreatur, welche es wagt, sich uns vor die Augen zu schieben ? So etwas habe ich, bei meiner Seele, noch niemals gesehen!" "Ja," meinte der Kleine, "solche Geschöpfe sollten von der Polizei angehalten werden, anderen Leuten fern zu bleiben!" "Laßt's gut sein, ihr Herren!" sagte der Wirt in beschwichtigendem Tone. "Es ist der Köpfle-Franz, ein gar nicht schiefer Kerl." Der Unglückliche hatte diese Worte über sich ergehen lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt fragte der Lange: "Ein wunderbarer Name! Wie kommt der Mensch dazu ?" "Er hat ihn wegen einer Geschicklichkeit, welche er besitzt," antwortete der Wirt. "Der Franz ist ein Seite 173
Zeichner, der sich sehen lassen darf. Wenn man vor ihm steht, und er nimmt den Stift in die Hand, so ist er halt der wahre Künstler. Keiner bringt die Köpfe so sauber, so gut und so richtig, wie er. Er zeichnet nichts als Köpfe, und wenn er einen abmalt, so ist man getroffen grad wie man leibt und lebt. Darum heißt er ja eben der Köpfle-Franz."
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| "Das machst Du mir nicht weiß! Wenn er das fertig brächte, so stände es besser mit ihm." "Sie glauben's net ? So werd' ich's Ihnen beweis'n. Franz, willst Du mich abzeichnen, so wie ich jetzt hier sitz' mit der Tabakspfeif' im Munde ? Du sollst 'n gutes Bier bekommen und noch fünf Grosch'n extra d'rauf!"
| "Das machst Du mir nicht weiß! Wenn er das fertig brächte, so stände es besser mit ihm." "Sie glauben's nicht ? So werd' ich's Ihnen beweis'n. Franz, willst Du mich abzeichnen, so wie ich jetzt hier sitz' mit der Tabakspfeif' im Munde ? Du sollst 'n gutes Bier bekommen und noch fünf Grosch'n extra d'rauf!"
| "Das machst Du mir nicht weis! Wenn er das fertig brächte, so stände es besser mit ihm." "Sie glauben's nicht ? So werde ich's Ihnen beweisen. Franz, willst Du mich abzeichnen, so wie ich jetzt hier sitze mit der Tabakspfeife im Munde ? Du sollst ein gutes Bier bekommen und noch fünf Groschen extra darauf!"
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| "Warum denn net ? Das Bier soll mir recht sein, denn ich hab' grad den richtigen Durst, und das Geld ist alleweil' am nothwendigsten zu brauch'n. Bleib sitz'n; ich werd' gleich fertig sein!"
| "Warum denn nicht ? Das Bier soll mir recht sein, denn ich hab' grad den richtigen Durst, und das Geld ist alleweil' am nothwendigsten zu brauch'n. Bleib sitz'n; ich werd' gleich fertig sein!"
| "Warum denn nicht ? Das Bier soll mir recht sein, denn ich habe grad den richtigen Durst, und das Geld ist alleweil am nothwendigsten zu brauchen. Bleibe sitzen; ich werde gleich fertig sein!" antwortete der Krüppel.
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| Er schob sich an den nächsten Stuhl, nahm den Sack vom Rücken, öffnete ihn und zog eine sorgfältig eingewickelte Papierrolle hervor. Sie enthielt sein Zeichenmaterial. Der Wirth richtete sich erwartungsvoll in Positur, brachte die neue Meerschaumpfeife in das gehörige Licht, und kaum waren einige Minuten vergangen, so hielt er die fertige Bleistiftskizze in der Hand. "Franz," rief er befriedigt, "so gut wie heut' hast Du mich noch niemals getroff'n! Hier sind die fünf Grosch'n, und von wegen dem Bier, da sollst Du zwei Seidel hab'n statt nur eins!" "Zeig' her, Bergwirth," meinte der Kleine. "Wenn er heut' wirklich so eine gute Hand hat, so soll er mich auch abkonterfeien. Wahrhaftig! Besser bringt's der größte Künstler nicht zuweg; guck her, Baron! Franz, willst Du meinen Kopf auch zeichnen ?"
| Er schob sich an den nächsten Stuhl, nahm den Sack vom Rücken, öffnete ihn und zog eine sorgfältig eingewickelte Papierrolle hervor. Sie enthielt sein Zeichenmaterial. Der Wirth richtete sich erwartungsvoll in Positur, brachte die neue Meerschaumpfeife in das gehörige Licht, und kaum waren einige Minuten vergangen, so hielt er die fertige Bleistiftskizze in der Hand. "Franz," rief er befriedigt, "so gut wie heut' hast Du mich noch niemals getroff'n! Hier sind die fünf Grosch'n und von wegen dem Bier, da sollst Du zwei Seidel hab'n statt nur eins!" "Zeig' her, Bergwirth," meinte der Kleine. "Wenn er heut' wirklich so eine gute Hand hat, so soll er mich auch abkonterfeien. Wahrhaftig! Besser bringt's der größte Künstler nicht zuweg; guck her, Baron! Franz, willst Du meinen Kopf auch zeichnen ?"
| Er schob sich an den nächsten Stuhl, nahm den Sack vom Rücken, öffnete ihn und zog eine sorgfältig eingewickelte Papierrolle hervor. Sie enthielt sein Zeichenmaterial. Der Wirt richtete sich erwartungsvoll in Positur, brachte die neue Meerschaumpfeife in das gehörige Licht, und kaum waren einige Minuten vergangen, so hielt er die fertige Bleistiftskizze in der Hand. "Franz," rief er befriedigt, "so gut wie heute hast Du mich noch niemals getroffen! Hier sind die fünf Groschen, und von wegen dem Bier, da sollst Du zwei Seidel haben statt nur eins!" "Zeige her, Bergwirt," meinte der Kleine. "Wenn er heute wirklich so eine gute Hand hat, so soll er mich auch abkonterfeien. Wahrhaftig, besser bringt's der größte Seite 174
Künstler nicht zuwege! Guck her, Baron! Franz, willst Du meinen Kopf auch zeichnen ?"
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| "Meinetweg'n, wenn's dem Herrn Bankier Recht ist!
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Hab' g'rad noch zwei Papiere; für Sie eins und für den Herrn Baron eins."
| "Meinetweg'n, wenn's dem Herrn Bankier Recht ist! Hab' g'rad noch zwei Papiere; für Sie eins und für den Herrn Baron eins."
| "Meinetwegen, wenn's dem Herrn Bankier recht ist! Habe grad noch zwei Papiere, für Sie und den Herrn Baron eins!"
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| "Gut," entschied dieser. "Ich sehe, daß Du kein dummer Kerl bist. Sollst mich also auch malen, und wenn ich mit Dir zufrieden bin, so bekommst Du einen ganzen Thaler!" Er hatte erwartet, daß dieses Gebot den armen Teufel in Staunen versetzen werde; dieser aber nahm mit der gleichgiltigsten Miene den Bleistift wieder zur Hand und führte denselben mit einer Sicherheit über die Blätter, als handle es sich um die allereinfachste Strichübung. Als die Köpfe ihre vollständige Schattirung erhalten hatten, übergab er sie den beiden Männern.
| "Gut," entschied dieser. "Ich sehe, daß Du kein dummer Kerl bist. Sollst mich also auch malen, und wenn ich mit Dir zufrieden bin, so bekommst Du einen ganzen Thaler!" Er hatte erwartet, daß dieses Gebot den armen Teufel in Staunen versetzen werde, dieser aber nahm mit der gleichgiltigsten Miene den Bleistift wieder zur Hand und führte denselben mit einer Sicherheit über die Blätter, als handle es sich um die allereinfachste Strichübung. Als die Köpfe ihre vollständige Schattirung erhalten hatten, übergab er sie den beiden Männern.
| "Gut," entschied dieser. "Ich sehe, daß Du kein dummer Kerl bist. Sollst mich also auch mal zeichnen, und wenn ich mit Dir zufrieden bin, so bekommst Du einen ganzen Taler!" Er hatte erwartet, daß dieses Gebot den armen Teufel in Staunen versetzen werde; dieser aber nahm mit der gleichgültigsten Miene den Bleistift wieder zur Hand und führte denselben mit einer Sicherheit über die Blätter, als handle es sich um die allereinfachste Strichübung. Als die Köpfe ihre vollständige Schattierung erhalten hatten, übergab er sie den beiden Männern.
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| "So! Besser bringt's Keiner fertig. Wenn man solche Herr'n zu Papier bringt, muß man sich schon besser Mühe geb'n als bei gewöhnlichen Leut'n."
| "So! Besser bringt's Keiner fertig. Wenn man solche Herr'n zu Papier bringt, muß man sich schon bessere Mühe geb'n als bei gewöhnlichen Leut'n."
| "So! Die Gesichter sind getroffen," sagte er. "Wenn man solche Herren zu Papier bringt, muß man sich schon besser Mühe geben, als bei gewöhnlichen Leuten."
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| Die Arbeit war sehr gut gelungen; der Baron schob ihm den versprochenen Thaler zu, und auch der "Bankier" entschloß sich zu einem gleichen Honorar. "Kannst's immer nehmen, Franz," ermunterte er; "wir sind ja Leute, die es haben! Nich wahr, Bergwirth ?"
| Die Arbeit war sehr gut gelungen; der Baron schob ihm den versprochenen Thaler zu, und auch der "Bankier" entschloß sich zu einem gleichen Honorar. "Kannst's immer nehmen, Franz," ermunterte er; "wir sind ja Leute, die es haben! Nicht wahr, Bergwirth ?"
| Die Arbeit war sehr gut gelungen; der Baron gab ihm den versprochenen Taler, und auch der "Bankier" entschloß sich zu einem gleichen Honorar. "Kannst's immer nehmen, Franz," ermunterte er; "wir sind ja Leute, die es haben! Nicht wahr, Bergwirt ?"
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| Der Gefragte nickte zustimmend und klopfte dabei mit einem verschmitzten Lächeln an seine eigene Tasche.
| Der Gefragte nickte zustimmend und klopfte dabei mit einem verschmitzten Lächeln an seine eigene Tasche.
| Der Gefragte nickte zustimmend und klopfte dabei mit einem verschmitzten Lächeln an seine eigene Tasche.
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| "Das wollt' ich meinen! Wir hab'n wohl alle Drei net nöthig, mit dem Pfennige zu fuchs'n, denn so lange es in der Welt noch Dumme gibt, braucht kein Gescheidter für's Bischen Münz' zu sorg'n!" "Hast Recht," lachte der Riese. "Und die Dummen werden ja niemals alle; wenn es mit Einem zu Ende geht, Seite 99
so kommt dafür ein ganzer Güterzug voll Andere wieder an. Heut' wird hier bei Euch ein Gäns'rich gerupft."
| "Das wollt' ich meinen! Wir hab'n wohl alle Drei nicht nöthig, mit dem Pfennige zu fuchs'n, denn so lange es in der Welt noch Dumme gibt, braucht kein Gescheidter für's Bischen Münz' zu sorg'n!" "Hast Recht," lachte der Riese. "Und die Dummen werden ja niemals alle; wenn es mit Einem zu Ende geht, so kommt dafür ein ganzer Güterzug voll Andere wieder an. Heut' wird hier bei Euch ein Gäns'rich gerupft."
| "Das wollte ich meinen! Wir haben wohl alle drei nicht nötig, mit dem Pfennig zu fuchsen, denn so lange es in der Welt noch Dumme giebt, braucht kein Gescheiter fürs bißchen Münze zu sorgen!" "Hast recht," lachte der Riese. "Und die Dummen werden ja niemals alle; wenn es mit einem zu Ende Seite 175
geht, so kommt dafür ein ganzer Güterzug voll andere wieder an. Heut' wird hier bei Euch ein Gäns'rich gerupft."
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| "Kann mir's denk'n, wer es ist. Hab' ja auch schon genug Federn von ihm! Aber die schönste Feder, die er gelass'n hat, war doch der Braune drauß'n."
| "Kann mir's denk'n, wer es ist. Hab' ja auch schon genug Federn von ihm! Aber die schönste Feder, die er gelass'n hat, war doch der Braune drauß'n."
| "Kann mir's denken, wer es ist. Habe ja auch schon genug Federn von ihm! Aber die schönste Feder, die er gelassen hat, war doch der Braune draußen."
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| "Ja, ja, Alter; das war ein Meisterstück von uns Dreien. Halte nur Dein Hinterstübchen immer parat und gib unsere Karten nicht an and're Leute. Weißt Du vielleicht, wer alles zum Dukatenhof geladen ist ?" "Die ganze Nachbarschaft. Die Kleinen bleiben unt'n in der Stub', und die paar Groß'n kommen 'rauf in's gute Zimmer. Geld gibt's da ob'n mehr als genug. Heut' Abend komme ich auch hin; beim Begräbniß freilich kann ich net mit sein, weil die Wirthin 'nunter ist."
| "Ja, ja, Alter; das war ein Meisterstück von uns Dreien. Halte nur Dein Hinterstübchen immer parat und gib unsere Karten nicht an and're Leute. Weißt Du vielleicht, wer alles zum Dukatenhof geladen ist ?" "Die ganze Nachbarschaft. Die Kleinen bleiben unt'n in der Stub', und die paar Groß'n kommen 'rauf in's gute Zimmer. Geld gibt's da ob'n mehr als genug. Heut' Abend komme ich auch hin; beim Begräbniß freilich kann ich nicht mit sein, weil die Wirthin 'nunter ist."
| "Ja, ja, Alter; das war ein Meisterstück von uns dreien. Halte nur Dein Hinterstübchen immer parat; gib unsere Karten nicht an andre Leute. Weißt Du vielleicht, wer alles zum Dukatenhof geladen ist ?" "Die ganze Nachbarschaft. Die Kleinen bleiben unten in der Stube, und die paar Großen kommen hinauf ins gute Zimmer. Geld gibt's da oben mehr als genug. Heute abend komme ich auch hin; beim Begräbnis freilich kann ich nicht mit sein, weil die Wirtin drunten ist."
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| "Da kommst Du natürlich hinauf zu uns! Wir legen eine kleine Bank, und Du - na, Du wirst ja sehen wie es paßt; der Dukatengraf kann Dir Deinen Stall auch mit bauen helfen." Der Köpfle-Franz schien wenig oder gar nicht auf diese Reden zu achten. Er hatte sein Geld eingesteckt, sein Bier getrunken und griff eben zum Sacke, um sich zu verabschieden, als sich vom Thale herauf das Geläute von Glocken vernehmen ließ.
| "Da kommst Du natürlich hinauf zu uns! Wir legen eine kleine Bank, und Du - na, Du wirst ja sehen wie es paßt; der Dukatengraf kann Dir Deinen Stall auch mit bauen helfen." Der Köpfle-Franz schien wenig oder gar nicht auf diese Reden zu achten. Er hatte sein Geld eingesteckt, sein Bier getrunken und griff eben zum Sacke, um sich zu verabschieden, als sich vom Thale herauf das Geläute von Glocken vernehmen ließ.
| "Da kommst Du natürlich hinauf zu uns! Wir legen eine kleine Bank, und du - na, du wirst ja sehen wie es paßt; der Dukatengraf kann dir deinen Stall auch mit bauen helfen." Der Köpfle-Franz schien wenig oder gar nicht auf diese Reden zu achten. Er hatte sein Geld eingesteckt, sein Bier getrunken und griff eben zum Sacke, um sich zu verabschieden, als sich vom Tale herauf das Geläute von Glocken vernehmen ließ.
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| "Was ?" rief der "Baron" Genannte. "Schon so weit ? Da haben wir über der Malerei die Leiche ganz vergessen und können uns nur sputen, wenn wir den Zug noch sehen wollen. Vorwärts, College!" Der Kleine setzte den blauen Zwicker fest und erhob sich. "Als ob ein Leichenzug so ganz 'was grausam Sehens- Seite 100
werthes wär'!" meinte Franz gleichgiltig. "Von meinetweg'n mag sterben wer da will, ich laufe Keinem nach. Wer wird denn 'nausgetrag'n ?"
| "Was ?" rief der 'Baron' Genannte. "Schon so weit ? Da haben wir über der Malerei die Leiche ganz vergessen und können uns nur sputen, wenn wir den Zug noch sehen wollen. Vorwärts, College!" Der Kleine setzte den blauen Zwicker fest und erhob sich. "Als ob ein Leichenzug so ganz 'was grausam Sehenswerthes wär'!" meinte Franz gleichgiltig. "Von meinetweg'n mag sterben wer da will, ich laufe Keinem nach. Wer wird denn 'nausgetrag'n ?"
| "Was ?" rief der 'Baron' Genannte. "Schon so weit ? Da haben wir über der Malerei die Leiche ganz vergessen und können uns nun sputen, wenn wir den Zug noch sehen wollen. Vorwärts, Kollege!" Der Kleine setzte den blauen Zwicker fest und erhob sich. "Als ob ein Leichenzug so ganz was grausam Sehenswertes wäre!" meinte Franz gleichgültig. "Von Seite 176
meinetwegen mag sterben, wer da will, ich laufe keinem nach. Wer wird denn hinausgetragen ?"
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| "Das ist's ja eb'n, was ich Dir sagen wollte," antwortete der Wirth, welcher sich anschickte, die beiden Gäste an den Wagen zu begleiten. "Ich hab' es nur über den Bildern ganz und gar vergess'n. Die Dukatenbäuerin ist todt; sie hat vor ihrem End' gar viel nach Dir gefragt und fast gar net ersterb'n können, weil Du net da gewes'n bist." Er verließ das Zimmer und bemerkte in Folge dessen die außerordentliche Wirkung nicht, welche seine Wort auf den Frager hervorbrachten. Dieser starrte mit dem Ausdrucke des höchsten Schreckens im erbleichten Angesichte und weit aufgerissenen Auges nach der Stelle, auf welcher der Berichterstatter gestanden hatte; kein Glied seines Körpers regte sich, keine Miene bewegte sich; er schien bei der Kunde von dem Tode der Dukatenbäuerin selbst zur Leiche geworden zu sein. So stand er eine ganze Weile wie leblos auf einem und demselben Flecke, bis sich endlich die furchtbare Beklemmung mit einem tiefen, röchelnden Athemzuge aus der zusammengepreßten Brust rang. "Die Anna ist todt - - der Anna läut'n sie - - die Anna woll'n sie begrab'n ? Nein, nein, die Anna ist net todt, die Anna kann nimmer sterben, die Anna darf net begraben werd'n! Ich leid' es net, daß ihr sie einscharrt, ich leid' es net! Fort, fort - - ich will sie seh'n, ich muß sie festhalt'n, ihr dürft sie mir net nehmen!"
| "Das ist's ja eb'n, was ich Dir sagen wollte," antwortete der Wirth, welcher sich anschickte, die beiden Gäste an den Wagen zu begleiten. "Ich hab' es nur über den Bildern ganz und gar vergess'n. Die Dukatenbäuerin ist todt; sie hat vor ihrem End' gar viel nach Dir gefragt und fast gar nicht sterben können, weil Du nicht da gewes'n bist." Er verließ das Zimmer und bemerkte in Folge dessen die außerordentliche Wirkung nicht, welche seine Wort auf den Frager hervorbrachten. Dieser starrte mit dem Ausdrucke des höchsten Schreckens im erbleichten Angesichte und weit aufgerissenen Auges nach der Stelle, auf welcher der Berichterstatter gestanden hatte; kein Glied seines Körpers regte sich, keine Miene bewegte sich; er schien bei der Kunde von dem Tode der Dukatenbäuerin selbst zur Leiche geworden zu sein. So stand er eine ganze Weile wie leblos auf einem und demselben Flecke, bis sich endlich die furchtbare Beklemmung mit einem tiefen, röchelnden Athemzuge aus der zusammengepreßten Brust rang. "Die Anna ist todt - - der Anna läut'n sie - - die Anna woll'n sie begrab'n ? Nein, nein, die Anna ist nicht todt, die Anna kann nimmer sterben, die Anna darf nicht begraben werd'n! Ich leid' es nicht, daß ihr sie einscharrt, ich leid' es nicht! Fort, fort - - ich will sie seh'n, ich muß sie festhalt'n, ihr dürft sie mir nicht nehmen!"
| "Das ist's ja eben, was ich dir sagen wollte," antwortete der Wirt, welcher sich anschickte, die beiden Gäste an den Wagen zu begleiten. "Ich habe es nur über den Bildern ganz und gar vergessen. Die Dukatenbäuerin ist tot; sie hat vor ihrem Ende gar viel nach dir gefragt und fast gar nicht ersterben können, weil du nicht dagewesen bist." Er verließ das Zimmer und bemerkte infolgedessen die außerordentliche Wirkung nicht, welche seine Wort auf den Frager hervorbrachten. Dieser starrte mit dem Ausdruck des höchsten Schreckens im erbleichten Angesicht und weit aufgerissenen Auges nach der Stelle, auf welcher der Berichterstatter gestanden hatte; kein Glied seines Körpers regte sich, keine Miene bewegte sich; er schien bei der Kunde von dem Tode der Dukatenbäuerin selbst zur Leiche geworden zu sein. So stand er eine ganze Weile wie leblos auf einem und demselben Flecke, bis sich endlich die furchtbare Beklemmung mit einem tiefen, röchelnden Atemzuge aus der zusammengepreßten Brust rang: "Die Anna ist tot - - der Anna läuten sie - - die Anna wollen sie begraben ? Nein, nein, die Anna ist nicht tot, die Anna kann nimmer sterben, die Anna darf nicht begraben werden! Ich leid' es nicht, daß ihr sie einscharrt, ich leid' es nicht! Fort, fort - - ich will sie sehen; ich muß sie festhalten; ihr dürft sie mir nicht nehmen!"
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| Der Schreck war verschwunden, dafür aber eine Angst
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über ihn gekommen,die alle seine Nerven und Sehnen anspannte und ihm den hellen Schweiß aus den Poren trieb, noch ehe seine Glieder zu irgend einer Anstrengung gelangt waren. Er warf sich den Sack über die Schulter, griff zu den beiden Stemmhölzern und arbeitete sich mit einer Geschwindigkeit hinaus auf die Straße, um die ein vollständig Gesunder ihn hätte beneiden können; dann ging es, ohne auf die Zurufe des Wirthes zu hören, in fliegender Hast an diesem vorüber und die Straße hinab, auf welcher das Geschirr des Barons in kurzem Trabe bereits dahinrollte.
| Der Schreck war verschwunden, dafür aber eine Angst über ihn gekommen,die alle seine Nerven und Sehnen anspannte und ihm den hellen Schweiß aus den Poren trieb, noch ehe seine Glieder zu irgend einer Anstrengung gelangt waren. Er warf sich den Sack über die Schulter, griff zu den beiden Stemmhölzern und arbeitete sich mit einer Geschwindigkeit hinaus auf die Straße, um die ein vollständig Gesunder ihn hätte beneiden können; dann ging es, ohne auf die Zurufe des Wirthes zu hören, in fliegender Hast an diesem vorüber und die Straße hinab, auf welcher das Gefährt des Barons in kurzem Trabe bereits dahinrollte.
| Der Schreck war verschwunden, dafür aber eine Angst über ihn gekommen,die alle seine Nerven und Sehnen anspannte und ihm den hellen Schweiß aus den Poren trieb, noch ehe seine Glieder zu irgend einer
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Anstrengung gelangt waren. Er warf sich den Sack über die Schulter, griff zu den beiden Stemmhölzern und arbeitete sich mit einer Geschwindigkeit hinaus auf die Straße, um die ein vollständig Gesunder ihn hätte beneiden können; dann ging es, ohne auf die Zurufe des Wirtes zu hören, in fliegender Hast an diesem vorüber und die Straße hinab, auf welcher das Geschirr des Barons in kurzem Trabe bereits dahinrollte.
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Man konnte von der Höhe den Zug sehr deutlich beobachten, welcher sich von dem unteren Ende des Dorfes nach dem in der Mitte desselben befindlichen Kirchhofe bewegte. Zur Beobachtung der Einzelheiten allerdings hätte man sich in größerer Nähe befinden müssen, und da gab es nicht blos zu sehen, sondern auch zu hören, denn gar manches bedeutsame Wort flog unter den Leuten hin und zurück, welche sich zu beiden Seiten des Weges, den das Trauergeleite einschlagen mußte, aufgestellt hatte.
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Man konnte von der Höhe den Zug sehr deutlich beobachten, welcher sich von dem unteren Ende des Dorfes nach dem in der Mitte desselben befindlichen Kirchhofe bewegte. Zur Beobachtung der Einzelheiten allerdings hätte man sich in größerer Nähe befinden müssen, und da gab es nicht blos zu sehen, sondern auch zu hören, denn gar manches bedeutsame Wort flog unter den Leuten hin und zurück, welche sich zu beiden Seiten des Weges, den das Trauergeleite einschlagen mußte, aufgestellt hatten.
| Man konnte von der Höhe den Zug sehr deutlich beobachten, welcher sich von dem unteren Ende des Dorfes nach dem in der Mitte desselben befindlichen Kirchhofe bewegte. Zur Beobachtung der Einzelheiten allerdings hätte man sich in größerer Nähe befinden müssen, und da gab es nicht bloß zu sehen, sondern auch zu hören, denn gar manches bedeutsame Wort flog unter den Leuten hin und zurück, welche sich zu beiden Seiten des Weges, den das Trauergeleite einschlagen mußte, aufgestellt hatten.
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| Allem voran wurde nach schöner alter Sitte das mit schwarzem Flor umhangene Kreuz getragen, hinter welchem in einzelnen Paaren die männliche Schuljugend folgte, begleitet von den Lehrern und dem Ortsgeistlichen. Dann kam der reich mit Kränzen und Guirlanden geschmückte und von sechzehn Männern getragene Sarg, dem sich nach den nächsten Verwandten der Verstorbenen eine lange Reihe von Nachbarn, Freunden und sonstigen Bekannten anschloß. Natürlich richtete sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer
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vor allen Dingen auf die Hinterlassenen der Todten. Es waren dies nur zwei Personen, welche neben einander gingen: der Dukatenbauer und seine Tochter.
| Allem voran wurde nach schöner alter Sitte das mit schwarzem Flor umhangene Kreuz getragen, hinter welchem in einzelnen Paaren die männliche Schuljugend folgte, begleitet von den Lehrern und dem Ortsgeistlichen. Dann kam der reich mit Kränzen und Guirlanden geschmückte und von sechzehn Männern getragene offene Sarg, dem sich nach den nächsten Verwandten der Verstorbenen eine lange Reihe von Nachbarn, Freunden und sonstigen Bekannten anschloß. Natürlich richtete sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vor allen Dingen auf die Hinterlassenen der Todten. Es waren dies nur zwei Personen, welche neben einander gingen: der Dukatenbauer und seine Tochter.
| Allen voran wurde nach schöner, alter Sitte das mit schwarzem Flor umhangene Kreuz getragen, hinter welchem in einzelnen Paaren die männliche Schuljugend folgte, begleitet von den Lehrern und dem Ortsgeistlichen. Dann kam der reich mit Kränzen und Guirlanden geschmückte und von sechzehn Männern getragene Sarg, dem sich nach den nächsten Verwandten der Verstorbenen eine lange Reihe von Nachbarn, Freunden und sonstigen Bekannten anschloß. Natürlich richtete sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer vor allen Dingen auf die Hinterlassenen der Toten. Es waren dies nur zwei Personen, welche nebeneinander gingen: der Dukatenbauer und seine Tochter.
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| Der Erstere mußte schon durch seine äußere Erscheinung auffallen. Er war ein hoch und kräftig gebauter Mann im Ausgange der fünfziger Jahre; seine ganze Haltung zeigte den selbstbewußten, unlenksamen Charakter, durch den er selbst über den häuslichen Kreis hinaus gefürchtet und - gemieden war; keine Thräne stand in seinem Auge, kein Zug der Trauer war in seinem harten, finsteren Angesichte zu bemerken; an der Schleife seines Hutes glänzten wie immer die sechs blanken Dukaten, wie immer hing ihm statt der Uhrkette die lange Dukatenschnur um den Hals, und wie immer reihten sich an der Weste und dem offen stehenden Rocke an Stelle der Knöpfe Dukaten an Dukaten. Er hieß Graf, wurde allgemein der Dukatengraf genannt und wollte auf diesen Beinamen, welcher sein größter Ruhm und Stolz war, nicht einen Augenblick verzichten, auch nicht für diese Stunde, in welcher jeder Andere den irdischen Flimmer von sich geworfen hätte, um auch an seinem Kleide zu zeigen, daß er die Macht eines höheren Geschickes anerkennen müsse.
| Der Erstere mußte schon durch seine äußere Erscheinung auffallen. Er war ein hoch und kräftig gebauter Mann im Ausgange der fünfziger Jahre; seine ganze Haltung zeigte den selbstbewußten, unlenksamen Charakter, durch den er selbst über den häuslichen Kreis hinaus gefürchtet und - gemieden war; keine Thräne stand in seinem Auge, kein Zug der Trauer war in seinem harten, finsteren Angesichte zu bemerken; an der Schleife seines Hutes glänzten wie immer die sechs blanken Dukaten, wie immer hing ihm statt der Uhrkette die lange Dukatenschnur um den Hals, und wie immer reihten sich an der Weste und dem offen stehenden Rocke an Stelle der Knöpfe Dukaten an Dukaten. Er hieß Graf, wurde allgemein der Dukatengraf genannt und wollte auf diesen Beinamen, welcher sein größter Ruhm und Stolz war, nicht einen Augenblick verzichten, auch nicht für diese Stunde, in welcher jeder Andere den irdischen Flimmer von sich geworfen hätte, um auch an seinem Kleide zu zeigen, daß er die Macht eines höheren Geschickes anerkennen müsse.
| Der erstere mußte schon durch seine äußere Erscheinung auffallen. Er war ein hoch und kräftig gebauter Mann im Ausgang der fünfziger Jahre; seine
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ganze Haltung zeigte den selbstbewußten, unlenksamen Charakter, durch den er selbst über den häuslichen Kreis hinaus gefürchtet und - gemieden war. Keine Träne stand in seinem Auge; kein Zug der Trauer war in seinem harten, finsteren Angesicht zu bemerken; an der Schleife seines Hutes glänzten, wie immer, die sechs blanken Dukaten; wie immer hing ihm statt der Uhrkette die lange Dukatenschnur um den Hals, und wie immer reihten sich an der Weste und dem offenstehenden Rocke an Stelle der Knöpfe Dukaten an Dukaten. Er hieß Graf, wurde allgemein der Dukatengraf genannt und wollte auf diesen Beinamen, welcher sein größter Ruhm und Stolz war, nicht einen Augenblick verzichten, auch nicht für diese Stunde, in welcher jeder Andere den irdischen Flimmer von sich geworfen hätte, um auch an seinem Kleide zu zeigen, daß er die Macht eines höheren Geschickes anerkennen müsse.
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| Auch das schöne Mädchen an seiner Seite hatte keine Thränen. Aber, das sah man auf den ersten Blick, sie fehlten nur, weil sie bisher zu reichlich geflossen waren. Sie trug das mit den schweren Flechten umwundene Köpfchen tief gesenkt; die sonst so rosigen Wangen waren erbleicht und die gefalteten Hände drückten sich auf die Brust, als müßten sie das schmerzerfüllte Herz vor dem Zerspringen
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bewahren. Aller Augen wandten sich mit Unwillen vom Vater weg auf sie, und dann gab es keinen Blick, in welchem nicht das innigste Mitleid und die wärmste Theilnahme zu lesen gewesen wäre.
| Auch das schöne Mädchen an seiner Seite hatte keine Thränen. Aber, das sah man auf den ersten Blick, sie fehlten nur, weil sie bisher zu reichlich geflossen waren. Sie trug das mit den schweren Flechten umwundene Köpfchen tief gesenkt; die sonst so rosigen Wangen waren erbleicht und die gefalteten Hände drückten sich auf die Brust, als müßten sie das schmerzerfüllte Herz vor dem Zerspringen bewahren. Aller Augen wandten sich mit Unwillen vom Vater weg auf sie, und dann gab es keinen Blick, in welchem nicht das innigste Mitleid und die wärmste Theilnahme zu lesen gewesen wäre.
| Auch das Mädchen an seiner Seite hatte keine Tränen. Aber, das sah man auf den ersten Blick, sie fehlten nur, weil sie bisher zu reichlich geflossen waren. Es trug das mit den schweren Flechten umwundene Köpfchen tief gesenkt; die sonst so rosigen Wangen waren erbleicht und die gefalteten Hände drückten sich auf die Brust, als müßten sie das schmerzerfüllte Herz vor dem Zerspringen bewahren. Aller Augen wandten sich mit Unwillen vom Vater weg auf die Tochter, und dann gab es keinen Blick, in welchem nicht das innigste Mitleid und die wärmste Teilnahme zu lesen gewesen wären.
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| Es war das erste Mal, daß eine Leiche ohne Gesang durch das Dorf getragen wurde, aber die Todte hatte es ausdrücklich so gewollt. Ihr Leben war ein stilles gewesen, sie hatte im Stillen gewirkt und gelitten, im Stillen wollte sie nun auch beerdigt sein. Nur draußen am offenen Grabe sollte man ihr einen Vers singen, einen einzigen Vers; den hatte sie sich selbst gewählt und noch in ihrer letzten Stunde beim Pfarrer bestellt. War sie dabei vielleicht von dem Wunsche geleitet worden, im Tode ein mahnendes Wort an das Gewissen ihres Gatten zu richten, da sie im Leben es niemals hätte wagen dürfen ? Wenigstens richteten sich die Blicke unwillkürlich auf ihn, als sich der Kreis um den geöffneten Sarg geschlossen hatte und nach der bekannten Melodie die ernste Erinnerung erklang:
| Es war das erste Mal, daß eine Leiche ohne Gesang durch das Dorf getragen wurde, aber die Todte hatte es ausdrücklich so gewollt. Ihr Leben war ein stilles gewesen, sie hatte im Stillen gewirkt und gelitten, im Stillen wollte sie nun auch beerdigt sein. Nur draußen am offenen Grabe solle man ihr einen Vers singen, einen einzigen Vers; den hatte sie sich selbst gewählt und noch in ihrer letzten Stunde beim Pfarrer bestellt. War sie dabei vielleicht von dem Wunsche geleitet worden, im Tode ein mahnendes Wort an das Gewissen ihres Gatten zu richten, da sie im Leben es niemals hätte wagen dürfen ? Wenigstens richteten sich die Blicke unwillkürlich auf ihn, als sich der Kreis um den geöffneten Sarg geschlossen hatte und nach der bekannten Melodie die ernste Erinnerung erklang:
| Es war das erste Mal, daß eine Leiche ohne Gesang durch das Dorf getragen wurde, aber die Tote hatte es ausdrücklich so gewollt. Ihr Leben war ein stilles gewesen; sie hatte im stillen gewirkt und gelitten; im
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stillen wollte sie nun auch beerdigt sein. Nur draußen am offenen Grabe sollte man ihr einen Vers singen, einen einzigen Vers; den hatte sie sich selbst gewählt und noch in ihrer letzten Stunde beim Pfarrer bestellt. War sie dabei vielleicht von dem Wunsche geleitet worden, im Tode ein mahnendes Wort an das Gewissen ihres Gatten zu richten, da sie im Leben es niemals hatte wagen dürfen ? Wenigstens richteten sich die Blicke unwillkürlich auf ihn, als sich auf dem Kirchhof der Kreis um den geöffneten Sarg geschlossen hatte und nach der bekannten Melodie die ernste Erinnerung erklang:
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| "O Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende. O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Vielleicht schon morgen oder heut' Fall' ich in deine Hände. Mein ganz erschrocke'nes Herz erbebt, Daß mir die Zung' am Gaumen klebt." Das Kind der Verstorbenen kniete an der Seite des Sarges und hatte in wortlosem Schmerze den Kopf in das Kleid der Mutter gehüllt. Der Dukatenbauer stand auf- Seite 104
recht daneben; sein Auge ruhte nicht auf den Zügen, die er jetzt zum letzten Male sehen durfte, sondern es begegnete mit zornigem Ausdrucke den auf ihn gerichteten Blicken der Anwesenden. Die Adern seiner Stirne traten dunkler und deutlicher hervor, die Lippen preßten sich kräftiger auf einander, und die Hände hoben sich langsam, wie bereit zur Abwehr der Beleidigung, die er in den Gesang und in die Blicke legte.
| "O Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende. O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Vielleicht schon morgen oder heut' Fall' ich in deine Hände. Mein ganz erschrocke'nes Herz erbebt, Daß mir die Zung' am Gaumen klebt." Das Kind der Verstorbenen kniete an der Seite des Sarges und hatte in wortlosem Schmerze den Kopf in das Kleid der Mutter gehüllt. Der Dukatenbauer stand aufrecht daneben; sein Auge ruhte nicht auf den Zügen, die er jetzt zum letzten Male sehen durfte, sondern es begegnete mit zornigem Ausdrucke den auf ihn gerichteten Blicken der Anwesenden. Die Adern seiner Stirne traten dunkler und deutlicher hervor, die Lippen preßten sich kräftiger auf einander, und die Hände hoben sich langsam, wie bereit zur Abwehr der Beleidigung, die er in den Gesang und in die Blicke legte.
| "O Ewigkeit, du Donnerwort, O Schwert, das durch die Seele bohrt, O Anfang sonder Ende. O Ewigkeit, Zeit ohne Zeit, Vielleicht schon morgen oder heut' Fall' ich in deine Hände. Mein ganz erschrocke'nes Herz erbebt, Daß mir die Zung' am Gaumen klebt." Das Kind der Verstorbenen kniete an der Seite des Sarges und hatte in wortlosem Schmerze den Kopf in das Kleid der toten Mutter gehüllt. Der Dukatenbauer stand aufrecht daneben; sein Auge ruhte nicht auf den Zügen, die er jetzt zum letzten Male sehen durfte, sondern er begegnete mit zornigem Ausdrucke den auf ihn gerichteten Blicken der Anwesenden. Die Adern seiner Stirne traten dunkler und deutlicher hervor; die Lippen preßten sich kräftiger aufeinander, und die Hände hoben sich langsam, wie bereit zur Abwehr der Beleidigung, die er in den Gesang und in die Blicke legte.
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| Als der letzte Ton verklungen war, trat der Geistliche zu Häupten der Verstorbenen und begann seine Rede; aber er nahm nicht, wie sonst üblich, ein Bibelwort zum Thema derselben, sondern es diente ihm der soeben gesungene Vers dazu. Auch das hatte die Todte gewollt, und ihr Wille mußte befolgt werden. Der Pfarrer war im weiten Umkreise als einer der besten Redner bekannt; er hatte schon oftmals harte Seelen auf das Tiefste erschüttert, und man ahnte, daß er sich heute eine ähnliche Aufgabe gestellt habe. Trotz des milden, linden Tones, in welchem der greise Seelsorger sprach, fühlte auch der Dukatengraf diese Absicht; sein Stolz bäumte sich dagegen auf; die Falten, welche sich ihm von Schläfe zu Schläfe zogen, wurden immer tiefer und drohender, und als der Redner bei dem Schwerte anlangte, "das durch die Seele bohrt", und die Absicht vermuthen ließ, jetzt sich an diejenige Seele zu wenden, welche der Todten im Leben am nächsten hätte stehen sollen, da war es mit seiner Geduld zu Ende. Den abgenommenen Hut sich auf den Kopf setzend, ergriff er die Hand der Tochter:
| Als der letzte Ton verklungen war, trat der Geistliche zu Häupten der Verstorbenen und begann seine Rede; aber er nahm nicht, wie sonst üblich, ein Bibelwort zum Thema derselben, sondern es diente ihm der soeben gesungene Vers dazu. Auch das hatte die Todte gewollt, und ihr Wille mußte befolgt werden. Der Pfarrer war im weiten Umkreise als einer der besten Redner bekannt; er hatte schon oftmals harte Seelen auf das Tiefste erschüttert, und man ahnte, daß er sich heute eine ähnliche Aufgabe gestellt habe. Trotz des milden, linden Tones, in welchem der greise Seelsorger sprach, fühlte auch der Dukatengraf diese Absicht; sein Stolz bäumte sich dagegen auf; die Falten, welche sich ihm von Schläfe zu Schläfe zogen, wurden immer tiefer und drohender, und als der Redner bei dem Schwerte anlangte, "das durch die Seele bohrt", und die Absicht vermuthen ließ, jetzt sich an diejenige Seele zu wenden, welche der Todten im Leben am nächsten hätte stehen sollen, da war es mit seiner Geduld zu Ende. Den abgenommenen Hut sich auf den Kopf setzend, ergriff er die Hand der Tochter:
| Als der letzte Ton verklungen war, trat der Geistliche zu Häupten der Verstorbenen und begann seine
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Rede; aber er nahm nicht, wie sonst üblich, ein Bibelwort zum Thema derselben, sondern es diente ihm der soeben gesungene Vers dazu. Auch das hatte die Tote gewollt, und ihr Wille mußte befolgt werden. Der Pfarrer war im weiten Umkreise als einer der besten Redner bekannt; er hatte schon oftmals harte Seelen auf das Tiefste erschüttert, und man ahnte, daß er sich heute eine ähnliche Aufgabe gestellt hatte. Trotz des milden, linden Tones, in welchem der greise Seelsorger sprach, fühlte auch der Dukatengraf diese Absicht. Sein Stolz bäumte sich dagegen auf; die Falten, welche sich ihm von Schläfe zu Schläfe zogen, wurden immer tiefer und drohender, und als der Redner bei dem Schwerte anlangte, 'das durch die Seele bohrt', und die Absicht vermuten ließ, jetzt sich an diejenige Seele zu wenden, welche der Toten im Leben am nächsten hätte stehen sollen, da war es mit seiner Geduld zu Ende. Den abgenommenen Hut sich auf den Kopf setzend, ergriff er die Hand der Tochter und sagte so laut, daß alle es hörten:
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| "Komm, Emma,; wenn's so laut'n soll, so hab'n wir
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hier nix mehr zu such'n! Ich dank' für Ihre Red', Herr Pastor; bezahlt hab' ich sie, aber brauch'n thu' ich sie net! Der Dukat'ngraf weiß ganz von selber, was er zu thun und zu lass'n hat, und bei'm Super'dent werd' ich wohl erfahr'n, was für ein Unterschied zwischen Leichenred' und Strafpredigt ist!"
| "Komm, Emma,; wenn's so laut'n soll, so hab'n wir hier nix mehr zu such'n! Ich dank' für Ihre Red', Herr Pastor; bezahlt hab' ich sie, aber brauch'n thu' ich sie nicht! Der Dukat'ngraf weiß ganz von selber, was er zu thun und zu lass'n hat, und bei'm Super'dent werd' ich wohl erfahr'n, was für ein Unterschied zwischen Leichenred' und Strafpredigt ist!"
| "Komm, Emma,; wenn's so lauten soll, da haben wir hier nichts mehr zu suchen! Ich danke für Ihre Rede, Herr Pfarrer; bezahlt hab' ich sie, aber brauchen tue ich sie nicht! Der Dukatengraf weiß ganz von selber, was er zu tun und zu lassen hat, und Sie werden wohl noch erfahren, was für ein Unterschied zwischen Leichenrede und Strafpredigt ist!"
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| Emma erschrak im höchsten Grade über das Thun ihres Vaters; sie zog ihre Hand aus der seinen und wandte sich zum Sarge zurück. "So bleib', wenn Dir's gefällt; ich habe nix dageg'n!"
| Emma erschrak im höchsten Grade über das Thun ihres Vaters; sie zog ihre Hand aus der seinen und wandte sich zum Sarge zurück. "So bleib', wenn Dir's gefällt; ich hab' nix dageg'n!"
| Emma erschrak im höchsten Grad über das Tun ihres Vaters; sie zog ihre Hand aus der seinen und wandte sich zum Sarge zurück. "So bleib, wenn dir's gefällt; ich habe nichts dagegen!" sprach er, indem er sich von dem Grabe wegwendete.
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Die Nahestehenden wichen scheu vor ihm zurück; er schritt mit trotzig zurückgeworfenem Kopfe zwischen ihnen hindurch und verließ den Kirchhof. Draußen kam eben der Wagen des Barons dahergerollt.
| Die Nahestehenden wichen scheu vor ihm zurück; er schritt mit trotzig zurückgeworfenem Kopfe zwischen ihnen hindurch und verließ den Kirchhof. Draußen kam eben der Wagen des Barons dahergerollt.
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Die Nahestehenden wichen scheu vor ihm zurück; er schritt mit trotzig zurückgeworfenem Kopfe zwischen ihnen hindurch und verließ den Kirchhof. Draußen kam eben der Wagen des Barons dahergerollt.
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| "Willkommen, Herr Baron! Sie woll'n wohl zu mir ?"
| "Willkommen, Herr Baron! Sie woll'n wohl zu mir ?"
| "Willkommen, Herr Baron! Sie wollen wohl zu mir ?" fragte er diesen.
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| "Natürlich! Wir müssen Ihnen doch unser Beileid über den Verlust - - " "Schon gut! Halb so viel ist auch genug! Und wenn Sie sich wundern, mich hier zu seh'n statt d'rin bei den Andern, so soll'n Sie unterwegs den Grund erfahr'n. Darf ich aufsteig'n ?" - Sein Verhalten hatte die ganze Versammlung in eine unbeschreibliche Verwirrung gebracht, und nur Einer war es, der seine Fassung bewahrte, der Geistliche. Er suchte zunächst das Mädchen zu beruhigen, welches jetzt laut schluchzend an der Erde lag, dann winkte er dem allgemeinen Ausdrucke der Entrüstung Schweigen und setzte, als die nöthige Stille wieder eingetreten war, die unterbrochene Rede weiter fort.
| "Natürlich! Wir müssen Ihnen doch unser Beileid über den Verlust - - " "Schon gut! Halb so viel ist auch genug! Und wenn Sie sich wundern, mich hier zu seh'n statt d'rin bei den Andern, so soll'n Sie unterwegs den Grund erfahr'n. Darf ich aufsteig'n ?" - Sein Verhalten hatte die ganze Versammlung in eine unbeschreibliche Verwirrung gebracht, und nur Einer war es, der seine Fassung bewahrte, der Geistliche. Er suchte zunächst das Mädchen zu beruhigen, welches jetzt laut schluchzend an der Erde lag, dann winkte er dem allgemeinen Ausdrucke der Entrüstung Schweigen und setzte, als die nöthige Stille wieder eingetreten war, die unterbrochene Rede weiter fort.
| "Natürlich! Wir müssen Ihnen doch unser Beileid über den Verlust - - " "Schon gut! Halb so viel ist auch genug! Und wenn Sie sich wundern, mich hier zu sehen statt drin bei den anderen, so sollen Sie unterwegs den Grund erfahren. Darf ich aufsteigen ?" - Sein Verhalten hatte die ganze Versammlung in eine unbeschreibliche Verwirrung gebracht, und nur einer war es, der seine Fassung bewahrte, der Geistliche. Er suchte zunächst das Mädchen zu beruhigen, welches jetzt laut schluchzend an der Erde lag; dann winkte er dem allgemeinen Ausdrucke der Entrüstung Schweigen und setzte, als die nötige Stille wieder eingetreten war, die unterbrochene Rede weiter fort.
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Ein Begräbniß wie das heutige hatte noch niemals stattgefunden, aber es war auch noch niemals eine Predigt gehalten worden wie die gegenwärtige, und als am Schlusse derselben der Segen gesprochen war, da wußte Jeder, daß er diesen Tag im ganzen Leben nie vergessen werde.
| Ein Begräbniß wie das heutige hatte noch niemals stattgefunden, aber es war auch noch niemals eine Predigt gehalten worden wie die gegenwärtige, und als am Schlusse derselben der Segen gesprochen war, da wußte Jeder, daß er diesen Tag im ganzen Leben nie vergessen werde.
| Ein Begräbnis wie das heutige hatte noch niemals stattgefunden, aber es war auch noch niemals eine Predigt gehalten worden wie die gegenwärtige, und als am Schlusse derselben das Gebet gesprochen war, da wußte jeder, daß er diesen Tag im ganzen Leben nie vergessen werde.
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| Der Sarg sollte nun geschlossen werden, und schon griff man zum Deckel, da zog ein lauter, angstvoller Ruf die allgemeine Aufmerksamkeit nach dem Eingange hin. "Halt, halt," klang es; "Ihr dürft sie net einscharr'n; ich muß die Anna seh'n; sie lebt, sie ist net todt!"
| Der Sarg sollte nun geschlossen werden, und schon griff man zum Deckel, da zog ein lauter, angstvoller Ruf die allgemeine Aufmerksamkeit nach dem Eingange hin. "Halt, halt," klang es; "Ihr dürft sie nicht einscharr'n; ich muß die Anna seh'n; sie lebt, sie ist nicht todt!"
| Der Sarg sollte nun geschlossen werden, und schon griff man zum Deckel, da zog ein lauter, angstvoller Ruf die allgemeine Aufmerksamkeit nach dem Eingange hin. "Halt, halt," klang es, "Ihr dürft sie nicht einscharren; ich muß die Anna sehen; sie lebt; sie ist nicht tot!"
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Es war der Köpfle-Franz. Trotz aller Eile war es ihm erst jetzt gelungen, die Trauerstätte zu erreichen, und mit Aufbietung seiner letzten Kräfte arbeitete er sich den breiten Kirchhofsgang herauf bis in die nächste Nähe des Sarges. Er hatte den Hut verloren; die langen Haare hingen ihm in wirren Strähnen um den Kopf; auf Stirn und Wangen stand der Schweiß in großen Tropfen; seine Augen glühten wie im Fieber, sein Athem flog und seine Hände bebten, als er die schwarzen Bretter erfaßte, um sich an ihnen aufzurichten.
| Es war der Köpfle-Franz. Trotz aller Eile war es ihm erst jetzt gelungen, die Trauerstätte zu erreichen, und mit Aufbietung seiner letzten Kräfte arbeitete er sich den breiten Kirchhofsgang herauf bis in die nächste Nähe des Sarges. Er hatte den Hut verloren; die langen Haare hingen ihm in wirren Strähnen um den Kopf; auf Stirn und Wangen stand der Schweiß in großen Tropfen; seine Augen glühten wie im Fieber, sein Athem flog und seine Hände bebten, als er die schwarzen Bretter erfaßte, um sich an ihnen aufzurichten.
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Es war der Köpfle-Franz. Trotz aller Eile war es ihm erst jetzt gelungen, die Trauerstätte zu erreichen, und mit Aufbietung seiner letzten Kräfte arbeitete er sich den breiten Kirchhofsgang hinauf bis in die Nähe des Sarges. Er hatte den Hut verloren; die langen Haare hingen ihm in wirren Strähnen um den Kopf; auf Stirn und Wangen stand der Schweiß in großen Tropfen; seine Augen glühten wie im Fieber, sein Atem flog, und seine Hände bebten, als er die schwarzen Bretter erfaßte, um sich an ihnen aufzurichten.
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| Kein Mensch trat ihm hindernd entgegen; auch der Pfarrer ließ ihn ruhig gewähren. Sie Alle kannten die Geschichte des unglücklichen Mannes; sie Alle wußten, daß Niemand die Verstorbene so sehr im treuen Herzen getragen hatte wie er, daß ihr Tod außer ihrem Kinde Keinem so nahe gehen müsse wie ihm, und so störten sie ihn nicht in seinem Verlangen, die leblose Hülle Derjenigen zu sehen, die er geliebt hatte mit der ganzen Gluth, deren das menschliche Herz nur fähig ist.
| Kein Mensch trat ihm hindernd entgegen; auch der Pfarrer ließ ihn ruhig gewähren. Sie Alle kannten die Geschichte des unglücklichen Mannes; sie Alle wußten, daß Niemand die Verstorbene so sehr im treuen Herzen getragen hatte wie er, daß ihr Tod außer ihrem Kinde Keinem so nahe gehen müsse wie ihm, und so störten sie ihn nicht in seinem Verlangen, die leblose Hülle Derjenigen zu sehen, die er geliebt hatte mit der ganzen Gluth, deren das menschliche Herz nur fähig ist.
| Kein Mensch trat ihm hindernd entgegen. Sie alle kannten die Geschichte des unglücklichen Mannes; sie alle wußten, daß niemand die Verstorbene so sehr im treuen Herzen getragen hatte wie er, daß ihr Tod, außer ihrem Kinde, keinem so nahe gehen müsse, wie ihm, und so störten sie ihn nicht in seinem Verlangen, die leblose Hülle zu sehen.
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"Anna, wach auf!" rief er mit zitternder Stimme. "Der Franz ist da, der Grunert-Franz, der mit Dir red'n will! Ich weiß, Du bist net todt, Du wirst mich hör'n!"
| "Anna, wach auf!" rief er mit zitternder Stimme. "Der Franz ist da, der Grunert-Franz, der mit Dir red'n will! Ich weiß, Du bist nicht todt, Du wirst mich hör'n!"
| "Anna, wach' auf!" rief er mit zitternder Stimme. "Der Franz ist da, der Grunert-Franz, der mit Dir reden will! Ich weiß, Du bist nicht tot, Du wirst mich hören!"
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| Sein Auge suchte das erblichene Angesicht der Leiche; es fiel auf den regungslosen Kopf mit dem vor der Zeit ergrauten Haare, den eingesunkenen Augenhöhlen, den eingefallenen Wangen, den hippokratischen Zügen, und wandte sich dann mit einem unbeschreiblichen Ausdrucke auf die Umgebung. "Hab' ich's net gesagt ? Die Anna ist net todt, die Anna kann mir net sterben! Das hier ist dem - - na, Dem seine Frau, das ist die Bäuerin von dem - - na, dem Hof da drauß'n, die kann immer todt sein, die könnt ihr immer begrab'n, denn sie ist seine Frau gewes'n. Aber die Anna, die ist mein, die hab' ich bei mir zu Haus' viel hundert Mal, die laß ich mir net nehmen!"
| Sein Auge suchte das erblichene Angesicht der Leiche; es fiel auf den regungslosen Kopf mit dem vor der Zeit ergrauten Haare, den eingesunkenen Augenhöhlen, den eingefallenen Wangen, den hippokratischen Zügen, und wandte sich dann mit einem unbeschreiblichen Ausdrucke auf die Umgebung. "Hab' ich's nicht gesagt ? Die Anna ist nicht todt, die Anna kann mir nicht sterben! Das hier ist dem - - na, Dem seine Frau, das ist die Bäuerin von dem - - na, dem Hof da drauß'n, die kann immer todt sein, die könnt ihr immer begrab'n, denn sie ist seine Frau gewes'n. Aber die Anna, die ist mein, die hab' ich bei mir zu Haus' viel hundert Mal, die laß ich mir nicht nehmen!"
| Sein Auge suchte das erblichene Angesicht der Leiche; es fiel auf den regungslosen Kopf mit dem vor der Zeit ergrauten Haare, den eingesunkenen Augenhöhlen, den eingefallenen Wangen, den hippokratischen Zügen, und wandte sich dann mit einem unbeschreiblichen Ausdrucke auf die Umgebung. "Hab' ich's nicht gesagt ? Die Anna ist nicht tot, die Anna kann mir nicht sterben! Das hier ist dem - - na, dem seine Frau; das ist die Bäuerin von dem - - na, dem Hof da draußen, die kann immer tot sein, die könnt ihr immer begraben, denn sie ist seine Frau gewesen. Aber die Anna, die ist mein, die hab' ich bei Seite 183
mir zu Haus viel hundert Mal, die laß ich mir nicht nehmen!"
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| Er schob sich von dem Sarge zurück und gewahrte nun erst Emma, welche unter herzbrechendem Weinen die erschütternde Scene beobachtet hatte.
| Er schob sich von dem Sarge zurück und gewahrte nun erst Emma, welche unter herzbrechendem Weinen die erschütternde Scene beobachtet hatte.
(Fortsetzung folgt.)
| Er schob sich von dem Sarge zurück und gewahrte nun erst Emma, welche unter herzbrechendem Weinen die erschütternde Szene beobachtet hatte.
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