und
"Die Wahrheit über Karl May"
oder
Die Gegner Karl Mays in
ihrem eigenen Lichte
Von
einem dankbaren Leser
F r i e d r i c h E r n s t Fe h s e n f e l d
1902
(Notarielle Bestätigung der Echtheit der zitierten Leserbriefe)
" K a r l M a y a l s E r z i e h e r "
und
D i e W a h r h e i t ü b e r K a r l M a y "
Warum zwei Titel anstatt nur einem? Und warum gerade diese beiden? Weil ich über einen Mann schreibe, mit dem sich kürzlich die Presse just unter denselben Ueberschriften beschäftigt hat. Ich gehorche also diesen " M u s t e r n " !
Ich bin gern aufrichtig und bemühe mich auch, stets ehrlich zu sein. Darum erkläre ich gleich am Eingange, d a ß i c h n i c h t ü b e r i h n s c h r e i b e, o h n e i h n g e n a u z u k e n n e n , sowohl als Schriftsteller als auch als Mensch. Ich bin ein persönlicher Freund von ihm. Das soll nicht heißen, daß ich litterarische Abgötterei mit ihm treibe. In meinem Alter schwärmt man längst nicht mehr. Im Gegenteil, ich traue mit wenigstens dieselbe Objektivität und Vorurteilslosigkeit zu, welche die Verfasser jener Zeitungsartikel für sich in Amspruch nehmen werden.
"Karl May als Erzieher!"
Wie ironisch das geklungen hat! Aber das ironische Lächeln ist für den Mund, um den es spielt, niemals ganz ungefährlich. Welcher Kobold mag dem Erfinder dieses Titels wohl den Schabernack gespielt haben, ihn zur Wahl gerade dieser vier Worte zu verleiten? Wo und wann hat May sich "Erzieher" ausgegeben? Wenn man ihm mit Hilfe dieses Wortes Vorwürfe macht, muß er es doch für sich in Anspruch genommen haben! Man gebrauchte es als Ausgang des Beweises, daß er ein "Ver-" zieher zum Bösen sei. Wir werden ja sehen, ob es gelungen ist, diesen Beweis zu führen! Das Sonderbarste hierbei ist, daß man von der Absicht jenes Kobolds keine Ahnung hatte. Sein Streich ist ihm vortrefflich gelungen. Er hat dem betreffenden Herrn nämlich die Wahrheit zu geflüstert. M a y i s t
E r z i e h e r . Wenn er sich einmal so genannt hätte, wäre er in seinem Recht gewesen. Die Thatsachen werden sprechen.
"Die Wahrheit über Karl May!"
Wie bestimmt, wie infallibel das geklungen hat! Wo fließen die lauteren Quellen, aus denen man diese "Wahrheit" schöpfte? Es lohnt sich wohl, sie kennen zu lernen! Für mich gibt es nur zwei solche Quellen. Seine Person und seine Werke. Hat der Verfasser dieses Zeitungsartikels May jemals gesehen? Oder kennt er eingehend seine Werke? Hat er mit ihm gesprochen? Hat er wenigstens in brieflichen Verkehr mit ihm gestanden? Hunderte haben diesen Artikel ohne alle Prüfung nachgedruckt. Hatte denn kein einziger von ihnen einen in Dresden oder Umgebung wohnenden Bekannten oder Korrespondenten, den er zu May schicken konnte, um nachzuschauen? Er wäre mit bekannter Gastlichkeit empfangen worden. Man hätte ihm jede Auskunft, jeden gewünschten Beweis gern gegeben. Man schreibt über keine Gerichtsverhandlung, ohne einen Berichterstatter, einen Augen- oder Ohrenzeugen dort gehabt zu haben. Ist May, den Hunderttausende achten, ehren und lieben, nicht wenigstens dieselbe Rücksicht wert, die man jedem Verbrecher schuldig zu sein glaubt? Durfte man in den Spalten ungezählter Blätter und in öffentlichen Vorträgen über ihn verhandeln und über ihn richten, ohne daß das Auge eben dieser Öffentlichkeit vorher bei ihm persönliche Anfrage und Haussuchung gehalten hätte? Kein einziger von diesen Anklägern und Richtern kann nachweisen, daß er auch nur einen Tropfen aus dieser e r s t e n u n d g a r n i c h t z u u m g e h e n d e d e n Q e l l e geschöpft habe! Kein einziger von ihnen scheint zu wissen, daß zur gerechten Beurteilung eines Menschen g a n z u n b e d i n g t die persönliche Bekanntschaft mit ihm gehört! Ja, woher stammen denn alle diese Vorwürfe, welche man ihm entgegenschleudert?
Etwa aus der z w e i t e n Quelle, aus seinen Werken? Wollen sehen!
Zunächst die höchst notwendige allgemeine Bemerkung, daß diese Werke nicht oberflächlich gelesen werden dürfen. Wer sie verstehen oder gar über sie referieren will, hat sie zu studieren. Sie sind nämlich etwas ganz anderes, als das, was sie dem leichtfertig darüber hinfliegenden Auge zu sein scheinen. Die Wogen und Wellen dieser s c h e i n b a r e n "Reiseerzählungen" werden von einer geheimnisvollen Kraft bewegt, der man mit liebenden Fleiß nachzugehen hat. Sie sind einem noch unerforschten, heiligen Waldesfrieden entstiegen und streben einer bisher noch welt- und erdenfremden Mündung zu. Der nicht oberflächliche, sondern erste Leser, welcher in die
Tiefe dringt, wird einen goldhaltigen und an Perlen reichen Grund gewahren.
Nun frage ich: Gehören die Verfasser jener Zeitungsartikel zu diesen ernsten Lesern? Haben sie die Bücher studiert oder nur durchblättert. Wieviele Bände sind ihnen bekannt? Denn May muß ganz gelesen werden, vom ersten bis zum letzten Bande. Er wird auch noch mehr schreiben, und auch am Schlusse seines allerletzten Buches wird es noch fraglich sein, ob man ihn dann schon so versteht, daß man über ihn als Schriftsteller ein Urteil fällen kann. Es liegt mir der Brief eines Kritikers ersten Ranges vor, welcher gegen May eifert und, darüber von ihm zur Rede gestellt, in dieser Zuschrift notgedrungen eingesteht, daß er von keinem Bande mehr als die ersten Seiten gelesen habe. Was kann wohl aus der Feder dieses Mannes fließen? Etwa die "Wahrheit über Karl May"? Hand aufs Herz! Ist dieser Herr der einzige seiner Art?
Hätte man diese Bücher w i r k l i c h gelesen, so wäre es unmöglich gewesen, den Verfasser als " J u g e n d s c h r i f t s t e l l e r " zu bezeichnen. Aber um zu wissen, daß er das nicht ist, braucht man sie gar nicht einmal zu lesen! Alle Welt weiß, daß der Inhalt von einem Viertelhundert Bänden vorher schon im " D e u t s c h e n H a u s s c h a t z " gestanden hat. Ist dieses nur den ernsten Zwecken dienende und von gereiften Männer gelesene Blatt etwa eine Zeitschrift für "Knaben" oder "Mädchen"? Warum wird trotzdem an der Firma "Jugendschriftsteller" für alles von ihm Geschriebene so krampfhaft und beharrlich festgehalten? Es muß doch einen Grund dafür geben? Und dieser Grund ist gewiß von großer Wichtigkeit. Vielleicht gelingt es uns, ihn kennen zu lernen! Dann wird es sich wohl auch ergeben, ob diese Klassifizierung auch zur "Wahrheit über Karl May" gehört.
Weiter! Man nennt ihn einen "Ich-Erzähler". Ist er das wirklich? Wer ist das "Ich", welches er anwendet? Ist irgend eine menschliche Person an sich, oder ist ein in dieser wirkendes Prinzip gemeint? Kann einer der Herren Kritiker diese Frage beantworten? Es ist hier nur einer von zwei Fällen möglich. Entweder hat man sich nur so überaus flüchtig mit May´s Werken beschäftigt, daß nicht einmal über dieses "Ich" nachgedacht worden ist. Was aber hat man dann von einer Kritik zu halten, welche gerade die Hauptsache, nämlich die handelnde Seele aller dieser Erzählungen, unbekannt geblieben ist? Oder, im anderem Falle: Man hat diese Seele gefunden und erkannt. Warum verschweigt man das? Fürchtet man sich vielleicht, die eigene Seelenlosigkeit einzugestehen? Ist die physische
Person "Karl May" so ganz unentbehrlich? Muß man sie unbedingt haben, um in ihr und mit ihr d i e v o n i h m g e g e b e n e n I d e a l e v e r n i c h t e n z u k ö n n e n ? man merke wohl, ich antworte nicht; ich behaupte nichts; ich frage nur!
Es liegt mir fern, irgend jemand anzuklagen. Ich nehme vielmehr bereitwillig an, daß Mancher in gutem Glauben geurteilt hat. Der Kritiker wird ja mit Material förmlich überflutet. Es ist so schwer, den eigenen Standpunkt aufzugeben, um einem fremden gerecht zu werden. Und gerade May arbeitet an einer Stätte, an welcher noch nie ein Schriftsteller thätig gewesen ist. Seine Erfolge sind nicht äußeren Ursachen zuzuschreiben, sondern der tief verborgenen Idee, welche ihn und alle seine Gestaltungen beseelt, aber für viele bis heute ein Geheimnis geblieben ist. May ist nur von denen zu begreifen, denen er sich selbst mitteilt. Darum hat der Chefredakteur einer führenden Zeitung, welcher im Lande umherzieht, um in öffentlichen Vorträgen vor ihm und seinen Werken zu warnen, sehr recht, als er während eines solchen Vortrages sagte, daß May ein " j e t z t n o c h u n g e l ö s t e s R ä t s e l " sei. Auch ihn soll meinerseits kein Vorwurf treffen. Wenn er über May ein Urteil fällt und zu gleicher Zeit bekennt, daß er ihn noch nicht verstehen und begreifen könne, so hat er den Stab nicht über May, sondern ü b e r s i c h s e l b s t gebrochen, und kein vernünftiger Mensch wird ihm diese Eingeständnis der eigenen Schwäche übelnehmen!
Man scheint der sonderbaren Ansicht zu sein, daß das soeben genannte Rätsel sich selbst zu lösen habe. Mit anderen Worten: May hat sich zu verteidigen, und zwar s o f o r t und o h n e W e i g e r n ! Wenn er schweigt, so ist " d i e W a h r h e i t über Karl May" k e i n e L ü g e gewesen!
Sollte man dies für möglich halten? Was ich hier sage, ist im Jahre des Heils 1901 wirklich und wörtlich vorgekommen! Man schreibt " D i e W a h r h e i t ü b e r K a r l M a y " . Und man schreibt dann, daß sich infolge seines Schweigens herausgestellt habe, d a ß d i e s e W a h r h e i t k e i n e L ü g e g e w e s e n s e i . Klingt das nicht genau so, als ob diese "Wahrheit" auf unsicheren Füßen gestanden habe? Als ob May nur den Mund zu öffnen brauchte , um zu zeigen, daß sie alles Andere, aber nur nicht die Wahrheit sei? Er hat trotzdem und doch geschwiegen. E i n e W a h r h e i t , d i e s i c h s e l b s t a l s z w e i f e l h a f t b e z e i c h n e t , i s t k e i n e r A n t w o r t w e r t . Und vor allen Dingen: Ein so viel beschäftigter Mann, wie er, hat keine Zeit, jedem sensationslüsternen Blättchen ein pikantes Gabelfrühstück zu liefern. Denn, daß ich gleich im Beginn und ehrlich
sage: May ist überzeugt, daß einige Journale es mit ihren Angriffen gegen ihn nicht nur ernst, sondern unversöhnlich ernst meinen: Aber ebenso genau weiß er auch, daß diese Angriffe nicht etwa aus Ueberzeugung und Herzensbedürfnis nachgedruckt werden. "Die Wahrheit über Karl May" und "Karl May als Erzieher" das sind für jeden Redakteur hochwillkommene Themata. Der Angegriffene hat sich natürlich zu verteidigen. Das bringt man wieder. Diese Verteidigung wird ganz selbstverständlich zum Gegenstand weiterer Angriffe. So entwickelt sich ein journalistischer Kampf des Engländers gegen den Bur. Man gönnt dem letzteren zwar gern den Sieg, aber man wünscht diesen Sieg möglichst weit hinaus. Das gibt so schönen Stoff für leere Spalten! Wird May hierauf eingehen? Wenn er es täte, es wäre ja außerordentlich "aktuell"! Aber leider hat es den Anschein nicht. Er kennt den Englishman, dem jede Waffe recht und jede "Wahrheit über Karl May" geläufig ist. Die deutschen "Times", "Daily Chronicles" und "Standards" mögen immerhin ihre Kriegsartikel bringen. Ihre Genauigkeit und Zuverlässigkeit ist ja weltbekannt. Ein jeder kann sich da wohl selbst und leicht das Richtige denken!
Man hat über May Behauptungen aufgestellt, ohne ihn auch nur der geringsten, sachlichen Erkundigung für wert zu halten. Das stolze Selbstbewußtsein der "Helden von der Feder"! Warum hat man ihn nicht vorher gehört? War der Angriff - wie bei den Engländern - eine a u f a l l e F ä l l e f e s t b e s c h l o s s e n e S a c h e ? Fürchtete man, daß auf eine Anfrage eine Antwort erfolgen werde, vor welcher jeder G r u n d z u m A n g r i f f s c h w i n d e n m ü s s e ? Nun ist er erfolgt; es kann der Kampf beginnen! Er wird wahrscheinlich - wie in Südafrika - auf Jahre hin kein Ende nehmen. Aber zum Kriege gehören zwei Parteien, und - - d i e e i n e m a c h t n i c h t m i t ! May ist ja auch ein Mann von der Feder. Er darf wohl auch sein Selbstbewußtsein haben! Wahrscheinlich kennt er sich und kennt auch seine Gegner. Die Wahrheit kann zwar angefeindet werden, wird aber niemals die Besiegte sein. Er muß ja wissen, auf welcher Seite sie steht. Ihre beste, unwiderstehlichste Waffe ist das Schweigen. Eine Wahrheit aber, die es für nötig hält, sich selbst und spaltenlang als Wahrheit zu bezeichnen, die tut das doch wohl nur, um ihre Blöße zu bedecken!
Es wurde an verschiedenen Stellen gesagt, daß die "Enthüllungen" über May nicht nur ihn, sondern auch seine Freunde niedergeschmettert hätte. Ist dem wirklich so?
Was ihn betrifft, so konstatiere ich, der ich ja mit ihm ver-
kehre, daß er sich über die Angriffe sogar freut. Er hat sie herbeigewünscht. Sie sind der einzige, untrügliche Beweis, daß seine Bücher die Wirkung haben, welche sie haben sollen. Er hätte sie vergeblich geschrieben, wenn die Krankheit, die er heilen will, sich nicht gegen sie sträubte. Und da, wo sich dieses Sträuben zeigt, da hat die Krankheit ihren Sitz! Wie mag doch wohl dieses große soziale Übel heißen?!
Und seine Freunde? Wo wäre der von ihnen, der ihn verlassen hätte? Freunde und - Leser, das ist ja zweierlei! Man hat an gewissen Stellen den letzteren seine Bücher entzogen, und so haben sie gehorchen m ü s s e n - - - dem Zwange folgend, nicht dem eigenen Triebe. Aber sobald dieser Zwang vorüber ist. Werden sie das Versäumte nachholen! Später mehr über diesen Punkt! Wer freiwillig auf "seinen May" verzichtet, von der sogenannten "Wahrheit über ihn" dazu verführt, der mag es thun. May ist nie "der Seine" gewesen. Der Bibliothekar wird einige Pfennige an ihm verlieren, May aber sicher nichts. - Dieser sagte kürzlich zu mir:
"Der Sturm fegt meine Tenne rein. Die Spreu zerstiebt; der Weizen aber bleibt. Ich bin den Herren, welche diese Arbeit für mich thun, zur Dankbarkeit verpflichtet. Sie ahnen gar nicht, wie groß die Schar unnützer Quälgeister ist, von der sie mich erlösen!"
Der Weizen von der Spreu! Das war das richtige Wort! Die Spreu ist es, von der die Gegner sprechen. Haben sie nur diese gesehen, den Weizen aber nicht? Steht in den "Akten", von denen sie sprechen, gar nicht von der großen, herrlichen Ernte, von welcher täglich die Berichte da eingehen, wo das Haus des Säemanns steht? Haben sie für das weite, unendliche Aehrenfeld nur dazu ihre Augen, um zu sehen, daß sich hier und da am Rande diese Feldes eine vereinzelte Kornrade findet, deren Samen der Wind vom Wege herüber wehte?
War es ernst, als sie über diese Ernte lachten? Glauben sie es wirklich zu erreichen, daß auch andere blind an ihr vorübergehen? Warum fällt mir da das Gleichnis Christi Matthäus 14. 24 ein? "Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut mitten unter den Weizen."
Ist es nicht Pflicht, den Leuten dieses Mannes zu sagen, daß sie nicht schlafen, sondern vor dem Feinde wachen sollen? Ja, gewiß! Wer aber ist der Feind! Er sei nicht genannt. Es sind wahr-
scheinlich sogar mehrere. Aber nehmen wir diese Blätter zur Hand und gehen wir hinaus auf das Feld! Ich ahne, was und wen wir sehen werden. - - -
"Ein Säemann ging aus, seinen Samen zu säen. Und als er säete, fiel einiges auf den Weg; das wurde zertreten, und die Vögel des Himmels kamen und fraßen es auf.
Und etliches fiel auf gutes Land. Es ging auf und trug hundertfältige Frucht.
Wer Ohren hat, zu hören, der höre!"
Lucas 8, 5 und 8.
Der Säemann, den ich hier meine, ist Karl May. Es war vor nun fast dreißig Jahren, als er sein Feld zum ersten mal bestellte.
Wo liegt diese Feld? Und welche Art von Samen war es, den er streute? Sind seine Tadler imstande, mir Auskunft zu erteilen? Haben sie ihn schon damals beachtet? Haben sie ihn mit ihrer Aufmerksamkeit durch diese ganze, lange Zeit begleitet? Ist ihnen sein unendlicher Fleiß, seine nie ermüdende Beharrlichkeit bekannt? Haben sie eine Ahnung von den Hindernissen, den Widerwärtigkeiten, den Enttäuschungen, die sich ihn entgegenstellten? Wissen sie die Ausdauer zu würdigen, welche nötig war, die einstige Brache in den reich ergiebigen Garten zu verwandeln, den nun aus ihr geworden ist? Wer die Wahrheit über Karl May schreiben will, muß doch wohl dies Alles, Alles wissen!
Oder haben sie ihr Augenmerk nur erst in neuester Zeit auf ihn gerichtet? Vielleicht erst dann, als die von ihm gezogenen Früchte den ihrigen den Markt verdarben? Nun ist er ihnen plötzlich durch und durch bekannt! Nun haben sie ihn im Augenblick durchschaut und bis auf die Nieren geprüft! Nun zeigt ein einziger Moment, daß in seinem Garten nichts als Unkraut wachse!
Unkraut? Hm! Nehmen wir doch einmal diese so schnell über Nacht giftig und also schädlich gewordenen "Unkräuter" her! Untersuchen wir sie - nicht nach den von Linné aufgestellten Regeln, sondern nach den Gesetzen des Christentums und der Humanität.
Vorher aber wollen wir den doch erst einen Blick auf diese so rasch entschlossenen Sachverständigen auf dem Gebiete der geistigen und ethischen Pomologie werfen!
Warum? Weil ich unter ihnen Gesichter sehe, welche ich vor noch nicht gar langer Zeit unter der Schar der "Mayfreunde" bemerkt habe! Und zwar in den vorderen Reihen derselben! Ich erinnere mich noch ganz deutlich der Worte, mit denen sie ihn belobten und seine Werke aller Welt empfahlen! Sie haben ihn also nicht erst jetzt kennen gelernt. Sie kannten ihn schon früher. Ihr Urteil ist also kein vorschnelles, unbedachtes, sondern sie haben ihren Glauben gewechselt. Sie sind von Freunde zum Feinde übergegangen Warum?
W e i l M a y v o r n u n f a s t 3 0 J a h r e n e i n m a l g a n z a n d e r s g e s c h r i e b e n h a b e n s o l l , a l s e r d a n n u n d b i s j e t z t g e s c h r i e b e n h a t !
Sie haben diese alten Sachen nie gekannt und nie gelesen. Sie haben mit ihren lobenden Empfehlungen nur das später Geschriebene gemeint. Sie waren entzückt über "d i e a b s o l u t s i t t l i c h e R e i n h e i t " dieser ca. 30 Bände "Reiserzählungen". Sie empfahlen diese Bände als " d i e b e s t e e t h i s c h e K o s t a u f d e m g e i s t i g e n T i s c h d e s d e u t s c h e n V o l k e s " . Und plötzlich jetzt? Jetzt hat sich wie ihm Handumdrehen diese Kost in ein " G i f t " verwandelt, welches sie sich " f ü r s i c h u n d d e u t s c h e V o l k v e r b i t t e n m ü s s e n ? " Merken denn diese Herren nicht, daß sie ganz dasselbe thun, was sie May vorwerfen.
S i e h a b e n f r ü h e r i n i h r e n Z e i t u n g e n g a n z a n d e r s g e s c h r i e b e n !
Ist das nicht sonderbar? O, mehr als sonderbar! Sie haben nämlich das, was sie heute als "Gift" bezeichnen, lange Jahre hindurch nicht nur empfohlen, sondern dem deutschen Volke auch in Wirklichkeit als reine, gute Speise vorgelegt. Sie haben dieses Volk also mit Gift genährt. Das ist nach ihrem Abfalle von May e i n F a k t u m , welches sie unmöglich leugnen können! Das aber, was sie May vorwerfen, ist nichts weiter als b l o ß e u n b e w i e s e n e V e r m u t u n g , aus welcher sie nie ein Faktum machen können!
Wo wird also die Wahrheit über Karl May zu suchen und zu finden sein? Bei seinen Anklägern, die durch ihre Anklage nichts weiter beweisen, als daß sie jahrelang zur moralischen Vergiftung des Volkes die Hand geboten haben? Oder bei ihm, gegen den man nur Vermutungen aber keine Beweise hat?
Wir haben es also mit zwei Arten der Gegner Mays zu thun.
Eine dritte gibt es nicht. Die Einen richten über eine fast dreißigjährige Thätigkeit, von welcher sie kaum die letzten beiden Jahre kennen! Und die Anderen gestehen ein, grad das, was sie May vorwerfen, selbst begangen und ausgeführt zu haben!
Ich glaube, dieses nichts weniger als biblische oder christliche Gebiet verlassen zu können, um zu unserem Gleichnisse zurückzukehren!
"Ein Säemann ging aus, seinen Samen zu säen, und als er säete, f i e l e i n i g e s a u f d e n W e g ; d a s w u r d e z e r t r e t e n , u n d d i e V ö g e l d e s H i m m e l s k a m e n u n d f r a ß e n e s a u f . "
Ist diesem Säemann ein Vorwurf deshalb zu machen, weil der Hauch der Luft einige Körner auf den Weg hinübertrug? Christus spricht in seiner Erklärung dieses Gleichnisses kein einziges Wort des Tadels aus. Er weiß, das es keinen Säemann auf Erden giebt, bei dem dies nicht auch vorgekommen ist. Wo ist der Christ, der sich klüger und erfahrener als sein Meister dünkt? Wo giebt es einen Menschen, dem nicht auch zuweilen einige Körner hinüber auf den Weg geraten sind?
Bei Karl May ist das nur ein einziges Mal geschehen. Und doch, mit welcher Härte, mit welcher Unerbittlichkeit wird ihm das vorgeworfen! Ja, grad die sogenannten Jünger Christi sind es, die einen Vorgang zum unverzeihlichen Verbrechen machen, den Gottes Sohn für selbstverständlich hielt! Sie entschuldigen sich damit, daß diese verloren gegangenen Körner Unkrautsamen gewesen seien. May aber behauptet es sei guter Samen gewesen. W e r m u ß e s b e s s e r w i s s e n , e r o d e r s i e ?
D i e K ö r n e r s i n d z e r t r e t e n w o r d e n ! D i e " V ö g e l d e s H i m m e l s ", d i e F r e i b e u t e r , k a m e n u n d f r a ß e n s i e a u f !
Waren die Körner für diese Freibeuter bestimmt? Nein! Es ist an Karl May ein Raub begagen worden. Was sollten diejenigen thun, die sich jahrzehntelang seine Freunde nannten? Die ihn ihrer Liebe, ihrer Achtung, ja ihrer Bewunderung versicherten? Die seine Werke rühmten und von ihm sagten, er habe nie ein schlechtes Wort geschrieben? Wer unter ihnen ist, der ihn in den Schutz seiner Spalten nehmen konnte und dies auch that, der trete vor! Er ist ein Christ und ist ein Ehrenmann!
Wie? Alles still?!
Am stillsten aber ist der Säemann! Und still bin auch - - ich! Wenigstens jetzt! Ich habe es hier nicht länger mit dieser dunklen Stelle, sondern mit der lichteren, schöneren Seite unseres Gleichnisses zu thun.
" U n d E t l i c h e s f i e l a u f g u t e s L a n d . E s g i n g a u f u n d t r u g h u n d e r t f ä l t i g e F r u c h t . "
Es ist für jeden Leser eines Autoren von größten Interesse, für die gerechte Beurteilung seiner Werke aber unbedingt erforderlich, über seinen geistigen Werdegang unterrichtet zu sein. Er ist ja ein Künstler und nur minderen Falles ein Handwerker. Aber die Kunst läßt noch viel weniger als das Handwerk jemals einen fertigen Meister geboren werden. Jeder verständige Mann, vor allen Dingen jeder Kritiker hat, bevor er ein Buch liest, an den Verfasser desselben die Frage zu richten: Wie und auf welchem Wege bist du die geistige Person geworden, als welche ich dich jetzt kennen lernen werde? Ganz unbegreiflicherweise hat man gerade an Karl May diese Frage nie gerichtet! Giebt es etwa einen mir verborgenen Grund, ihn als einen Mann zu behandeln, der wie einst Pallas Athene gleich fix und fertig aus dem Haupte Zeus´ entsprungen sein muß? Ich kenne Kritiker, welche folgendermaßen verfahren: Sie überfliegen die Titel und die ersten Blätter seiner "Reiseerzählungen". Dann tun sie über fast 30 Jahre zurück einen weiten Sprung auf apogryphe Sachen, deren sich inzwischen das litterarische Freibeutertum bemächtigt hat. Schnell wird nun der beklagenswerte, ausgeraubte Autor mit diesen Freibeutern vollständig identifiziert, weil das der stillen Absicht passend ist. Und dann stellt man unter Paukenschlag einen ungeheuren Drachen aus, den man ganz à la Barnum den Namen giebt: "Die Wahrheit über Karl May"!
Aus welchen Quellen wird dieser Drache getränkt? Aus den "Reiseerzählungen", die man so schlecht kennt, daß man sie heut für sittlich rein und morgen für moralisch schädlich hält. Und aus vier Bänden ebenso guter "Reiseerzählungen", die von May vor einem Vierteljahrhundert einstweilen beiseite gelegt worden sind. Sie sollten später in seinen "Gesammelten Werken" wieder erscheinen. Aber eine dazu vollständig unberechtigte Hand hat die fast zweijährige Abwesenheit Karl Mays im Orient benützt, sie ohne seine Erlaubnis und in ganz anderer Gestalt herauszugeben. Diese Gestalt aber gehört ebenso in dass Reich der Lüge wie der oben erwähnte Drache!
Hat May denn nur diese teils schwer zu verstehenden, teils apogryphischen Reisewerke geschrieben? Hat seine Feder denn gar keine Arbeit geliefert, aus welcher die "Wahrheit über ihn" leichter und sicherer geschöpft werden kann? Ich meine doch!
Es war am Ende der siebziger Jahre, als er zum ersten Mal in das Säetuch griff. Er schrieb die " G e o g r a p h i s c h e n P r e d i g t e n " . Dieser Titel sagt, was er schon damals wollte und was
er noch heute will. May ist kein Anderer geworden; er ist sich treu geblieben und wird es auch weiter bleiben! G e o g r a p h i e und P r e d i g t e n ! Kenntnis der Erde und ihrer Bewohner und Ausschau nach einer lichteren Welt, als sie ist! Darum war auch gleich das erste Kapitel "Himmel und Erde" überschrieben. Und das letzte, "Haus und Hof", führte zum frommen Gottes-"Hause", welches im stillen Kirch-"Hof" steht. Ist dieser Anfang einer schriftstellerischen Laufbahn nicht bezeichnend für den ganzen, weiteren Werdegang? Kann ein Mann, der gleich in seinem ersten Werke die Kirche und den Himmel als das A und O seiner Thätigkeit bezeichnet, sofort hierauf unsittliche Romane schreiben? Wenn jeder andere Mensch, M a y a b e r n i c h t !
Diese "Geographischen Predigten" enthalten übrigens die ganze, vollständig festgestellte Disposition aller seiner folgenden Werke. Er hat ganz genau nach ihr gearbeitet und wird das auch ferner thun. Ebenso enthalten sie eine Erklärung, warum er seine "Predigten" in das Gewand von "Reiseerzählungen" kleidet.
Nun frage ich: Kann die Kritik über May schreiben, ohne gerade dieses für sie so unentbehrliche Werk zu kennen? Welcher Kritiker aber hat es besprochen? Oder aber auch nur erwähnt? May hat in ihm den Grund zu seinem seelischen Heim, zu seinem geistigen Hause gelegt. Wer aber den Grund nicht sieht und kennt, für den kann auch das Haus nicht existieren. Oder ist es der ersten Aufgabe der Kritiker angemessen, die von ihnen besprochenen Personen in Luftschlössern wohnen zu lassen?!
Und während er an diesen "Geographischen Predigten" schrieb, arbeitete er auch schon an seinem herrlichen "Winnetou". Man nenne mir einen Schriftsteller, der seinen Lesern ein Ideal gegeben hat wie diesen Winnetou! Was ist diese Seele einer dem Untergange geweihten Nation für eine wunderbare, sympathische, ergreifende Gestalt! Welch eine Reinheit in dem größten Schmutz der Erde! Welch eine Himmelssehnsucht trotz des schönen, fehlerfreien Erdenkörpers! Wie keusch, wie heilig jedes Wort und jede That! Wie ringt sich dieser edle Geist sich von dem Staube frei, um mit dem letzten Worte heimzugehen: "Charley, ich bin ein Christ!"
Und während diese Lichtgestalt bei Tage und bei Nacht hinter May stand, um ihm die Feder zu führen, soll diese Feder wozu fähig gewesen sein? Schmutzige Hintertreppenromane zu schreiben! O, ihr Menschen, was seid ihr doch für Menschenkenner!
Man sagt, erhabe damals Hunderttausende von Zeilen geschrieben. O nein! Sondern Millionen! Und gerade darum fand
er nicht die Zeit, den Druck mit dem Manuskript zu vergleichen. Man konnte ändern, ohne daß er es bemerkte.
Wie zahlreich sind die Firmen, für die er damals schrieb! Meist Firmen ersten Ranges. In Berlin, Leipzig, Stuttgart, Breslau, Wien u. s. w. Und was diese Firmen brachten, wurde von zahllosen Zeitungen zum Abdruck gerne begehrt. Ist den Herren Kritikern seine Vielseitigkeit bekannt. Sind sie vielleicht einmal dem so vielgelesenen "Humoristen" Karl May begegnet? Die urdrolligen Gestalten seiner "Reiseerzählungen" sind nicht die einzigen, die er gezeichnet hat. Wie viele Humoresken hat er nur über den Fürsten "Leopold von Anhalt-Dessau" geschrieben! Man muß sie lesen, um Karl May zu kennen.
Weiß die Kritik auch, wie tief er in das Seelenleben des deutschen Volkes eingedrungen ist. Er, den man nur als den Schilderer fremder Länder und fremder Völker zu kennen scheint!
Es liegt eine ganze Sammlung seiner "Erzgebirgischen Dorfgeschichten" vor mir. Als ich sie lesen sollte, hatte ich ungefähr dasselbe Gefühl, welches sehr viele haben werden, wenn man ihnen die "Himmelsgedanken" desselben Verfassers vorlegt. "Karl May, der Indianergeschichten für die Jugend schreibt, und - - Gedichte!" So hätte ich auch fast gesagt: "Der Autor von Im Lande des Mahdi' u. s. w. und - - erzgebirgische Dorfgeschichten!" Aber ich las, und wen und was fand ich in diesen Erzählungen? Ganz und genau denselben May, der so viele Jahre später sein erschütterndes "Weihnacht" und sein tiefsinniges "Am Jenseits" geschrieben hat. Wer noch nicht an Gott glaubt, der m u ß hier glauben lernen. Wer an der Gerechtigkeit der Vorsehung zweifelt, dem wird hier das freudigste Vertrauen kommen. Und Niemand und Nichts als nur das Böse geht zu Grunde. Es wird kein einziger Konflikt durch den Mord, den Untergang gelöst. Es wird niemals etwas hier geborgt, was erst in jenem Leben bezahlt werden soll. Die Ewigkeit ist schon hier in der Zeit. Der Richter verbirgt sich nicht geheimnisvoll hinter den Kulissen des Grabes. Er waltet schon auf Erden seines Amtes. Er thut das mit fürchterlicher Strenge, mit fast wörtlicher Wiedervergeltung, aber doch so schonend, so mild, so göttlich lieb mit dem, der ihn um Gnade bittet!
Alle diese Werke sind S p i e g e l , aus denen uns das Bild nicht nur des Schriftstellers, sondern auch des Menschen Karl May entgegenschaut - - "zum Sprechen ähnlich". Man braucht nicht zu suchen, nicht nachzudenken, um es zu finden. Es bietet sich freiwillig, ganz von selbst, gleich auf den ersten Blick. Es ist da nichts apogryph, man hat sich nicht in die Geheimnisse der "Reiseerzählungen" zu ver-
senken. Und man hat auch nicht den verborgenen Philosophemen der "Himmelsgedanken" nachzuspüren. Denn diese "Himmelsgedanken" sind unendlich tief. Doch davon später!
Wie steht es nun mit allen hier angegeben und auch noch anderen, jetzt unerwähnt gebliebenen Werken? Sie füllen die lange Zeit, über welche jener Sprung nach den Apogryphen hinweg getan worden ist. Man muß und muß sie kennen, wenn man die "Wahrheit über Karl May" wissen will. Ich fordere jeden einzelnen seiner Tadler oder gar Richter auf, mir zu sagen, ob für ihn diese große Lücke nicht bestehe!
Sie ist da. Sie ist sogar allgemein bekannt. Sogar für den, der von dem Menschen May weiter nichts weiß, als daß er nur und ausschließlich von seinen Honoraren lebt. Denn nur ein unerfahrenes Kind kann der Ansicht sein, daß er sein Leben über zwanzig Jahre lang nur von den bescheidenen Honoraren des "Deutschen Hausschatzes" gefristet habe. Hat man aber versucht, sie auszufüllen? O nein! Um keinen Preis! Sie war ja eben recht! Sie gab der Phantasie so breiten Spielraum! Man wurde durch nichts wirklich Wahres verhindert, jene Drachenwahrheit zu erfinden, die man dann mit so großem Aufsehen von Vortrag zu Vortrag durch das ganze Rheinland und noch weiter schleppen konnte! Man besaß ja von ihm mehr als genug für die beabsichtigten Zwecke. Nämlich zweierlei. Erstens etwas, was man absolut nicht verstehen konnte: die "Reiseerzählungen". Und zweitens etwas, was man nicht genau wußte: ob jene alten Manuskripte sittlich rein oder anstößig geschrieben worden seien. Weiter brauchte man nichts. Die moralische Abschlachtung konnte beginnen! - -
Das sind die allgemeinen Züge, welche ich zunächst zu zeichnen hatte. Das Besondere wird zugleich folgen. Vorher aber auch über Karl May noch etwas Allgemeines. Es ist das nötig, weil es den Untergrund zu seinem Bilde giebt.
Nämlich: Was ist er? Litterat? Schriftsteller? Journalist? Dichter? Nichts von alle dem! Er ist ein einfacher, arbeitsamer Landwirt, weiter nichts! Er hat sich ein kleines Ackerland zu eigen gemacht. Wo? In irgend einer der vielen Unendlichkeiten, um welche sich gewöhnliche Menschen nicht zu kümmern pflegen. Es ist ein unbeschreiblich schönes, geistiges Land. Das hat er bebaut - - als Erster und auch Einziger, der das wagte. Nicht etwa ein Klondike, sondern ein Eden! Seine Mühen wurden reich belohnt. Sein Besitz vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Er säete, er pflanzte und er erntete. Nicht für sich aber doch für sich. Denn er meinte, es
sei das größte Glück des Einzelnen, in der Gesamtheit gänzlich aufzugehen. Wer ihn verstehen will, muß dieses Eden kennen. Wissen seine Gegner, wo es liegt? Nein? So mögen sie ihn doch ruhig säen und ernten lassen - - - für sie thut er das keinesfalls! - - -
Am Schlusse des vorletzten Abschnittes sagte ich: " Aber nehmen wir diese Blätter zur Hand und gehen wir hinaus auf das Feld! Ich ahne, wen und was wir sehen werden." Wir haben während der hierauf folgenden Betrachtungen diese Feld erreicht. Es ist so groß und ausgedehnt, daß wir es nicht örtlich, sondern nur zeitlich überblicken können. Es fällt uns eine Warnungstafel auf, welche uns die Worte zu lesen giebt:
" E h r l i c h e K r i t i k e r s i n d h o c h w i l l k o m m e n ! K r i t i k a s t e r w e r d e n n i c h t b e a c h t e t !
Ich finde diese Tafel sehr wohl angebracht. Warum? Das wird sich zeigen, wenn wir den Feind erwischen, welcher das Unkraut unter den Weizen sät. D i e K r i t i k i s t d i e V o r s e h u n g , welche das Unschöne, Unedle, Unreine und Schlechte von Schönen, Edlen, Reinen und Guten zu scheiden hat. Sie muß also von diesem Guten, Reinen und Edlen so vollständig durchdrungen sein, daß sie vor allen Dingen in eigener Person des Gegenteils nicht fähig ist. Sie hat als Vorsehung hoch über alle menschliche Schwäche oder gar Niedrigkeit zu stehen. Es wird schon im gewöhnlichen sozialen Leben verlangt, daß der Richter reinen Herzens sei. Er soll ein reines Gewissen und reine Hände haben. Auch darf er sein Urteil nie nach eigenem Ermessen fällen. Es sind ihm Gesetze vorgeschrieben, nach denen er sich zu richten hat. Thut er das nicht, so wird er selbst strafbar und sinkt durch diese seine eigene Schuld tief unter den Angeklagten herab. Noch mehr gilt das für die höhere, die geistige Welt. Noch mehr ist hier die eigene Makellosigkeit erforderlich. Auch hier darf nicht nach Selbstbelieben Recht gesprochen werden. Es sind die Gesetze der Religion und Humanität, der Kunst und Ethik auf das Strengste vorgeschrieben. In diesem Reiche kann nur derjenige Kritik üben, der sich zur r e l i g I ö s e n D u l d s a m k e i t , zur u n p a r t e i i s c h e n N ä c h s t e n l i e b e , zur V e r a c h t u n g a l l e s H ä ß l i c h e n und z u r I m m u n i t ä t g e g e n a l l e s , w a s d e r g u t e n
S i t t e w i d e r s p r i c h t , emporgeschwungen hat. Er muß beweisen, daß er die strengste Selbstzucht übt, sich unbedingt beherrschen kann. In seinem Alphabete darf sich kein einziger Buchstabe befinden, der gegen die unter gebildeten Männern eingeführten Umgangsformen verstößt. Denn auf diesem Gebiete wird jede Rücksichtslosigkeit zum Armutszeugnis für den, der sie begeht. U n d d i e s e s A r m u t s z e u g n i s h a b e n d i e G e g n e r M a y s s i c h s e l b s t a u s g e s t e l l t ! A l l e , v o m e r s t e n b i s z u m l e t z t e n ! Darum ist es für May unmöglich, in Gestalt einer Antwort mit ihnen zu verkehren, und darum ist auch die vorliegende Arbeit nicht für sie geschrieben!
Der Ton, in welchem sie ihre "Wahrheit über Karl May" vorbringen, ist durch die "Fliegenden Blätter" weltbekannt geworden. Ein "Sepp" oder "Naz" läuft zur Kneipe, reißt die Thür auf und ruft in die von Bierdunst und Tabacksrauch geschwängerte Atmosphäre hinein: " R a u f e n ´ s s c h o n ? " Nach solcher Kneipe läßt kein May sich zerren! Und der I n h a l t dieser "Wahrheit" ist diesem T o n e vollständig angemessen: B i e r k l a t s c h ! Jedes Wort erfunden oder verdreht, kein einziges aber erwiesen! Es widert den nicht an solche Luft Gewöhnten förmlich an, hineinzutreten! Wir thun es dennoch, weil wir als "die Leute des Säemannes" die Augen offen zu halten haben.
Da sehen wir denn die "Feinde" sitzen, einen neben dem anderen. Sie haben sich alle Mühe gegeben, Karl May in einem ihm fremden Dunstkreis zu ziehen. Sie haben sein Bild unter die qualmende Lampe dieses Kreises gestellt. Er mußte in diesem falschen Lichte zum Zerrbild werden. Und diese Karikatur wurde von ihnen als sein wahres, ungelogenes Portrait herumgezeigt. Jetzt aber haben wir endlich einmal nun sie vor uns. Wir lassen sie, wo sie sind, in i h r e r e i g e n e Atmosphäre. Sie werden von i h r e m e i g e n e n Lichte beleuchtet, nicht von dem unserigen. Wir lassen sie sprechen, i h r e e i g e n e n Worte. Wir dichten nicht; wir erfinden nicht; wir lügen nicht; wir bringen nichts Unbewiesenes. Alles was wir thun und sagen, ist authentisch. Kurz und gut:
W i r w o l l e n d e n S p i e ß u m k e h r e n . W i r w o l l e n a b r e c h n e n . Mit wem? Mit der Scheelsucht und dem Neide. Mit der skrupellosen Parteigehässigkeit. Mit der fadenscheinigen Untrüglichkeit. Mit dem fraktionellen Hochmute. Mit der gedankenschwachen Stapfenfolgsamkeit. Und indem wir das thun, bringen wir nichts und nichts als nur die von ihnen selbst unwiderleglich bewiesene
" W a h r h e i t ü b e r d i e G e g n e r K a r l M a y s " .
Dies meine Bemerkung zu der erwähnten Warnungstafel. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Warnung wohlberechtigt ist. Inwiefern? Ich werde es gleich zeigen. Wir wollen ja den Feind belauschen, welcher kommt um Unkraut auszusäen.
Seine ersten Versuche hat er mit Hilfe der " F r a n k f u r t e r Z e i t u n g " unternommen. Sie brachte regelmäßig zur Weihnachtszeit in ihrer Bücherschau eine kurze Warnung vor Mays Werken. Warum gerade zu dieser Zeit? Des Weihnachtsmarktes wegen. Die Bücher Mays waren ja als Christgeschenke vielbegehrt. Kein Verleger verkaufte soviel wie der seinige. Dieser Absatz sollte ihm verdorben werden. Damit begnügte man sich für einstweilen. Man wartete, ob es wirken werde.
Aber es wirkte eben nicht. Jedermann fand, was May gab, untadelhaft. Da griff der Feind zum Unkrautsamen. Die genannte Zeitung schrieb, daß May "in den Index einzutragen" sei. Wie kam sie zu dieser erstaunlich Aeußerung? Ist sie katholisch? Oder auch nur christlich? Ist sie vielleicht sogar Mitglied der Congregation von Kardinälen, welche über den Index zu bestimmen haben? Lächerlich! Und diese Lächerlichkeit bewirkte, was sie bewirken mußte: einen nur größeren Absatz der von ihr gehaßten Bücher. Gehaßt? Ja, allerdings! Denn nur allein der nackte Haß, der keine Bedenken kennt, kann thun, was dann geschah. Es giebt nur eine einzige Leidenschaft, die sich selbst nicht schont, um einen anderen zu verderben. Das ist der Haß!
Also, der "Index" hatte sich nicht bewährt. Was nun thun? Die Antwort auf diese Frage ergab sich ganz von selbst. Man machte eine Reise nach dem Oriente, durch welche er fast zwei Jahre von der Heimat ferngehalten wurde. Welch eine Gelegenheit zur erfolgverheißenden That! Sie wurde natürlich sofort ergriffen! Die "Frankfurter Zeitung" brachte schnell mehrere Artikel gegen May. Ich behandele sie nicht getrennt sondern als Ganzes.
Man nennt May einen R e i s e schriftsteller. O wäre es doch zu beweisen, daß er das nicht ist! D a ß e r g a r k e i n e R e i s e n m a c h t ! Wie hätte man das anzufangen? Einfach folgendermaßen: Es hatte irgend jemand den Namen Karl May in ein Fremdenbuch einzutragen. Punktum! Das genügte vollständig, um ihn moralisch tot zu machen.
Wie gesagt, so geschah es! Und sonderbarerweise war es keine andere Zeitung als gerade die "Frankfurter", welcher ein ungenanntes Frauenzimmer aus dem kleinen Jodbade Tölz in Oberbayern die frohe Botschaft sandte, daß sich May dort eingeschrieben
habe. Die "Frankfurter" erkundigte sich sofort auf telegraphischem Wege nach der Richtigkeit dieser ihr natürlich bisher vollständig unbekannten Thatsache. M a y m u ß a l s o f ü r s i e e i n e w i c h t i g e P e r s ö n l i c h k e i t s e i n . Die Antwort der braven Wirtin lautete: "Karl May Fremdenbuch eingetragen, persönlich unbekannt." Also der Name stand da wohl, aber den Mann selbst kannte man im Gasthofe nicht.! Und wie und wo hatte man ihn eingetragen? Folgendermaßen: Es waren zugereist:
Am 23. Juni Michael Gruber aus München,
Am 24. Juni Heuß-Bloest aus München,
und zwischen diesen beiden Zeilen stand:
Am 3 1 . M ä r z Karl May aus Oberlößnitz.
Bei seinem Namen stand "alias Old Shatterhand". Und als Stand war angegeben: "allbekannt". Also im letzten März zugereist, aber erst gegen Ende Juni eingetagen! Dabei ein blamierendes alias! Und dann dieses "allbekannt", aber nur grad da, wo diese Wort stand, kannte man ihn n i c h t ! Uebrigens wohnt May nicht in Oberlößnitz, sondern in Radebeul in Dresden. Dies mußte die "Frankfurter" aus dem Schriftstellerlexikon wissen! Mußte und mußte das nicht Fälschung sein? War es für eine gewissenhafte Zeitung möglich, diese offenbare Fälschung, diesen Schwindel als "Wahrheit über Karl May" zu veröffentlichen? Nun und nimmermehr! Aber die "Frankfurter" that es doch, und zwar mit solchem Hohne und so spöttisch ausgeschmückt, daß man hinter jedem ihrer Worte ein extra klingendes "Es ist geglückt!" hören konnte.
Diese Zeitung ist damals, ihrem eigenen Eingeständnis zufolge, mit Briefen entrüsteter Mayleser förmlich überschwemmt worden. Einem derselben, der in der Schweiz wohnt, hat sie geantwortet:
" M a y h a t k e i n e F e i n d e , s o n d e r n n u r K r i t i k e r . "
Ich frage, gehört es zur Kritik eines Buches, die bürgerliche Reputation des Verfassers mit Hilfe eines Falsifikates zu vernichten? Die Schrift im Fremdenbuch ist dann von dem gerichtlichen Sachverständigen mit der Handschrift Mays verglichen und als Fälschung befunden worden. Die "Frankfurter" hat also eine Lüge über May als Wahrheit hingestellt. Ich schreibe hier " d i e W a h r h e i t ü b e r d i e F r a n k f u r t e r Z e i t u n g " . Hat sie g e w i s s e n h a f t oder g e w i s s e n l o s gehandelt? Welches von diesen beiden Worten soll ich wählen?
Wenn eine Zeitung in dieser Weise die höchsten ethischen Güter auf eine trügerische Karte setzt, so kann sie nur von dem Hasse dazu ver-
leitet [verleitet] werden. Das habe ich bereits gesagt. Woher und warum dieser Haß?
Ich beantworte diese Frage nicht aus mir selbst. Ich habe gesagt, daß ich nur d i e e i g e n e n Worte der Feinde bringen werde. Ich lasse die " T r e m o n i a " sprechen. Man kennt ihren neuesten May f e i n d l i c h e n Artikel. Diese Gegnerin Mays gab der "Frankfurter Zeitung" folgendes zu hören:
" D i e R e d a k t i o n e n s o l l e n d i e T r o h n s ä l e d e r , K ö n i g i n P r e s s e ' , d i e H o c h b u r g e n d e s e d l e n J o u r n a l i s m u s , d i e W o h n n s t ä t t e n w a h r h a f t n o b l e r G e s i n n u n g , d i e L e h r z i m m e r v o r n e h m e r S c h r e i b - u n d H a n d l u n g s w e i s e s e i n . S i n d s i e d a s , l i e b e r H e r r ? Diese Frage richtete May einst an einen ihn besuchenden Redakteur.
Die "Tremonia" zeigt in diesen Zeilen, welch eine hohe Meinung May v o n d e r P r e s s e u n d i h r e n P f l i c h t e n h a t . In welcher Weise aber gewisse Redaktionen diese Pflichten erfüllen stellt das genannte Blatt im weiteren Verlaufe des betreffenden Artikels dar. Man liest da:
".... Dieser Aufenthalt in Wien war nur auf einige Tage berechnet, dehnte sich aber auf fünf Wochen aus. Seine Leser hielten ihn dort fest. Man höre hierüber den Redakteur der Frankfurter Zeitung', welcher zwar ö f f e n t l i c h in seinen Spalten a l l e A n g a b e n M a y s als Lüge bezeichnet, unter vier Augen aber erzählt: E r w a r z u r E r z h e r z o g i n b e r u f e n . E s w u r d e d o r t e i n w a h r e r K u l t u s m i t d i e s e m M e n s c h e n g e t r i e b e n . ' Die Folge dieses sogenannten Kultus' war, daß d i e G e g n e r s e i n e r g l ä u b i g e n R i c h t u n g auf ihn aufmerksam wurden und in ihm einen Mann erkannten, m i t d e m g a r w o h l z u r e c h n e n s e i . Der Redakteur der Frankfurter Zeitung' sagte hierüber sehr aufrichtig, aber wohl ebenso unvorsichtig: Dies gab uns Veranlassung, uns diesen Mann etwas näher anzusehen, u n d d a e r s i c h a u f d e m G e b i e t e d e r R e l i g i o n b e w e g t , s o b e s c h l o s s e n w i r , i h n a u s z u m e r z e n . ' Also ausgemerzt sollte May werden; das heißt doch wohl, litterarisch unschädlich gemacht!"
Diese noch heute für May wichtige Aufklärung brachte die "Tremonia". Sie spricht von den G e g n e r n s e i n e r g l ä u b i g e n R i c h t u n g . Dies haben also erstens in ihn einen Mann erkannt, m i t d e m g a r w o h l z u r e c h n e n s e i . Und zweitens haben sie beschlossen, i h n a u s z u m e r z e n . Warum? W e i l e r s i c h a u f d e m G e b i e t e d e r R e l i g i o n b e w e g t ! Ist diese Enthüllung nicht im höchsten Grade interessant? Ich wiederhole, daß es die Enthüllung
einer " M a y f e i n d i n " ist, welche erst kürzlich wieder aus der vollen Lunge gegen ihn geeifert hat. May braucht gar nicht zu den Waffen zu greifen. Die Gegner schlagen einander selbst! "Raufen´s schon?!"
Man sagt "Wir". Man spricht im Plural. Es handelt sich also nicht um eine einzelne Zeitung, um einen einzelnen Redakteur, sondern um eine ganze, w i r k l i c h e K o a l i t i o n g e g e n M a y ! Man hat sich wegen seiner gläubigen Richtung gegen ihn verbunden. Die Angriffe sind also nicht gegen ihn, sondern g e g e n s e i n e n G l a u b e n gerichtet. Sind denn die Erfolge dieser seiner Thätigkeit so groß, daß es einer förmlichen Verbrüderung gegen ihn bedarf? Stehen die Felder dieses Säemanns so reich und voll in Aehren, daß seinen Feinden, d.h. den Feinden des Christentums, angst und bange wird? Sie spotten über seine Frömmigkeit. Sie verhöhnen sie und ihn als "widerlich"! Das thun sie aber nur " ö f f e n t l I c h " Wenn sie " u n t e r s i c h " sind, giebt es keine Heimlichkeiten. Da bezeichnen sie ihn als einen Mann, "mit dem man wohl zu rechnen hat". Und da beschließen sie, was alles zu thun sei, " u m i h n a u s z u m e r z e n " ! Und was sie da beschlossen haben, das wird mit schonungsloser Willkür ausgeführt, selbst wenn dabei die eigene Ehre gefährdet werden sollte!
Die politische Richtung, welcher die "Frankfurter angehört, geht mich nichts an, aber die Art und Weise, in der sie gegen May auftritt, offenbart ihre p e r s ö n l i c h e n Ziele. Wer solche Ziele, solche Zwecke verfolgt, dem müssen die seltenen Erfolge von Mays Werken allerdings die größte Besorgnis einflößen. Man sieht, daß fast die gesamte Jugend Deutschlands für die von ihm gegebenen, sittlich reinen und hohen Ideale schwärmt. Man hört das Alter mit Anerkennung, oft sogar mit Begeisterung von seinen Gestaltungen sprechen. Man fühlt an sich selbst den tiefen Eindruck seiner Bücher, dem nur der Haß zu widerstehen vermag. Man summiert die gaben, welche diese Werke bringen: Kindesliebe, Dankbarkeit, G e h o r s a m , Pflichttreue, Fleiß, Energie, Ehrlichkeit, Ausdauer, Mildthätigkeit, M e n s c h e n f r e u n d l i c h k e i t , Glauben, A c h t u n g v o r d e r O b r i g k e i t , N ä c h s t e n l i e b e , Warnung v o r s o z i a l e n und r e l i g i ö s e n I r r l e h r e n u. s. w. Man bemerkt in der Ferne und in der eigenen Umgebung, daß die ideale Mays liebgewonnen werden, daß ihnen freudig nachgestrebt wird. Man beobachtet, d a ß d e r e i g e n e E i n f l u ß s c h w i n d e t . Es beginnt eine andere, dem krassen, selbstsüchtigen Materialismus höchst unangenehme Luft zu wehen. Die Leser Mays zählen nicht nur nach Hunderttausenden; es sind Millionen. Und in dieser lernbegierigen Welt ist ein Frühlingshauch erwacht, in dessen
Wärme alle edlen Knospen springen. D i e V o l k s s e e l e b e g i n n t , s i c h z u r e g e n . Sie reibt sich die Augen. Sie gewahrt die Fesseln. Sie will frei sein, will empor. Es gibt nicht nur eine harte, schmutzige Materie, einen gefühllosen Egoismus, eine knochige Faust, die nach allem schlägt, was ihr nicht Geld und Gut und Vorteil bringt. Es giebt da oben eine Sonne, es giebt eine reine Luft, ein helles, schönes Licht. Es giebt höhere Gedanken und bessere Empfindungen. Hoch über jener Faust schwebt eine liebe, segensreiche Hand, die sich so herzlich offen einem Jeden entgegenstreckt, sei er, wer er sei, Christ, Jude oder heide, schwarz oder weiß, wenn er nur das ist, was von ihm erwartet wird - - ein Mensch! Aber wie ist mir denn? Darf man denn das noch sein - - ein Mensch? Hat man denn nicht irgend einer Konfession oder Fraktion anzugehören, um die Erlaubnis zu erhalten, sich als Mensch fühlen zu dürfen? Wird man denn nicht dadurch ein Mensch, daß man behauptet, andere Menschen seien schlechte Menschen? Du unglückseliger May! In deinem Herzen und in deinen Büchern giebt es keinen Unterschied der Person, keinen Sinn für die beglückenden Parteiinteressen, keinen Vorzug des Einen vor dem Anderen! Du liebst sie alle gleich. Das ginge noch. Aber du lehrst diese Liebe auch deinen Millionen Lesern. Und das, das können wir nicht dulden! Wir sind Partei und lassen uns keinen Einzigen, der zu uns geschworen hat, von dir rauben. Wir glauben nicht an Gott. Wir glauben auch nicht an die Menschen. Wir glauben nur an uns! Wir sind unser eigenes, unser einziges Ideal! Wir streben nur nach uns; wir lieben nur uns, und wir gehorchen nur uns. Was außer uns liegt, hat unbedingt u n s e r e s Sinnes zu werden, sonst wird es geistig, physisch und moralisch abgeschlachtet! Du aber stehst nicht außer uns, sondern wir bemerken an dir noch etwas viel Schlimmeres. Nämlich du zeigst deinen Millionen, daß wir auf verkehrtem Wege sind und daß wir keinen Halt besitzen, denn - - - d u z i e h s t u n s j a z u d i r h i n ü b e r , E i n e n n a c h d e m A n d e r e n ; w i r k ö n n e n d i r n i c h t w i d e r s t e h e n ! Darum müssen wir dich, wenn wir weiter existieren wollen, angreifen, bekämpfen, vernichten, m i t a l l e n M i t t e l n u n d u m j e d e n P r e i s . D a r u m h a b e n w i r b e s c h l o s s e n , d i c h a u s z u m e r z e n ! Darum haben wir dich soeben in eine Jodbad geschickt. An diesem Jod soll der Schriftsteller May zu Grunde gehen. Er soll erst der Verachtung und dann der Vergessenheit anheimfallen. Und wenn dann der Mensch May, v o n d e m w i r f r e i l i c h g a n z g e n a u w i s s e n , d a ß e r s i c h i m O r i e n t b e f i n d e t , von dort wiederkehrt, so soll es keinen einzigen Buchdrucker mehr geben, bei dem er um die Aufnahme eines seine ver -
- wünschten [verwünschten] Manuskripte betteln darf! Wir haben dich dem Index leider ganz vergeblich anempfohlen. Darum wurdest du von uns in Acht und Bann gethan und in contumaciam nach Tölz deportiert. Du bist als Schwindler gebrandmarkt. Nun werden wir dich auch noch als litterarischen Lügner und wissenschaftlichen Idioten an den Pranger stellen. Dann bist du verloren, vollständig verloren, du magst wollen oder nicht! - - -
Man zögerte nicht, diesem Gedankengange Folge zu leisten. Die "Frankfurter Zeitung" that es unter der Ueberschrift " K a r l M a y i m U r t e i l d e r Z e i t g e n o s s e n " . Sie konnte also den Mund gar nicht voller nehmen. Das Urteil war also von der gesamten, ganzen l e b e n d e n G e n e r a t i o n gefällt? Oder doch gewiß von einer wenigstens bedeutenden Anzahl b e r ü h m t e r , k o m p e t e n t e r M ä n n e r , welche am Webstuhle der Zeit hervorragend mitarbeiten und ihr ihr Inhalt und Richtung geben? Man höre, wer es war, und lache nicht! Ein Berliner Schriftsteller in Lausanne, ein Sachse im Rheinlande, ein Texaner im Hunsrück und ein Zeitungsleser aus Karlsruhe! Welchen Standes waren diese Koryphäen, und wie hießen sie? Das sagte die "Frankfurter" nicht. Befürchtete sie vielleicht, sich zu blamieren? Die Namen mochte sie verschweigen, aber den Stand mußte sie angeben. Daß sie den des Berliners nicht auch verschwiegen hat, war undiplomatisch. Es hat aus ihm nichts, als nur der Schriftstellerneid gesprochen. Eigentümlich ist es auch, daß von diesen einzigen " Z e u g e n g e g e n M a y " keiner zuhause lebte. Denn auch der Zeitungsleser war nicht "in", sondern "aus" Karlruhe. Doch will ich hieraus keine für die "Frankfurter" ungünstigen Schlüsse ziehen. Was aber wurde von diesen namenlosen Gestalten vorgebracht? Wer im Namen der ganzen Mitwelt gegen einen Karl May in die Schranken tritt, muß doch wohl gewappnet und ihm geistig wenigstens ebenbürtig sein, womöglich ihn hoch überragen! Vage und gar unbewiesene Lappalien hat er unbedingt zu vermeiden! Hören wir!
Der "Berliner in Lausanne" sagt nichts, als daß e r der Ansicht sei, Karl May habe niemals fremde Länder gesehen. Dieser arme Teufel liegt im Sande, noch ehe wir mit ihm beginnen. Lassen wir ihn liegen, und die "Frankfurter" neben ihm!
Der "Zeitungsleser aus Karlsruhe" zählt die Kenntnisse des "Freundes der Haddedihn" auf und ironisiert über sie. Weiter nichts! Er hat Karl May mit ganz bedauerlich blöden Augen gelesen, denn er weiß nicht, wer dieser "Freund" eigentlich ist, hat also auch kein Urteil über ihn. Wir werfen ihn zu der "Frankfurter" und ihren ersten " K r o n z e u g e n " in den Sand!
Der "Sachse im Rheinlande" ist gesprächiger. Er hat sogar eine unvorsichtig lockere Zunge! Er behauptet erstens, May habe "Karl Stülpner, der kühne Wildschütz", ein tolles Machwerk, geschrieben. D a s i s t e i n f a c h e i n e L ü g e ! D i e s e E r z ä h l u n g h a t e x i s t i e r t , n o c h e h e M a y g e b o r e n w a r ! Ich halte es für leichtsinnig, wo nicht boshaft, so etwas ohne alle Prüfung aufzunehmen! Hierauf aber werden Scenen aus dem Leben dieses Wildschützes in der Weise angedeutet, asl ob sie Vorkommnisse aus Mays eigenem Leben seien. Hiergegen würde der Strafrichter die größte Strenge, das Gefängnis in Anwendung bringen. Ist das Buchkritik oder eine Anweisung auf die Anklagebank? Man sieht, was der bedenkenlose Haß vermag, wenn er sich einmal vorgenommen hat, jemand "auszumerzen". Sodann wird die Behauptung aufgestellt, May habe " d i e T o c h t e r e i n e s H a n d w e r k e r s " geheiratet. Ich unterstreiche das ganz besonders, weil es eine höchst zutreffende Selbstkritik der "Frankfurter" enthält, denn ich zeige die Feinde ja nicht in meinem, sondern i n i h r e m e i g e n e n L i c h t e . Auch diese Behauptung ist eine Lüge! D e r " F r a n k f u r t e r " i s t n i c h t e i n m a l d i e E h e h e i l i g ! Man sieht, welche Mittel ihr geläufig sind! Wer einer so (???) Waffe fähig ist, dem kann, soweit die Erde reicht, ja nichts mehr heilig sein! Und dabei hat sie die Stirn, nach der Schweiz zu schreiben, daß May "keine Feinde, sondern nur Kritiker" habe! Aber die Hauptsache ist folgendes: Die "Frankfurter" ist bekanntlich Demokratin. Sie liebäugelt mit dem "Volke". Sie gebärdet sich als Anwaltin des "Arbeiterstandes". Sie giebt vor, den "Bürger" zu schützen und zu ehren. Sie vertritt die geistigen und materiellen Interessen des "Handwerkers". Ist das Wahrheit oder Maske? Sie beantwortet diese Gewissensfrage selbst. Der Haß gegen May hat sie verleitet, die Maske abzunehmen und zu zeigen, w a s u n d w i e s i e ü b e r d i e s e S t ä n d e d e n k t . Sie teilt, u m i h n a u s z u m e r z e n , mit, daß er die Tochter eines Handwerkers geheiratet habe. Sie bezeichnet es also a l s e i n e S c h a n d e , e i n e H a n d w e r k s t o c h t e r z u r F r a u z u n e h m e n ! D a s H a n d w e r k s t e h t i n i h r e n A u g e n u n t e r d e m N i v e a u d e r b ü r g e r l i c h e n E h r e ! "Er hat die Tochter eines Handwerkers geheiratet" klingt unter den gegebenen Umständen genau so, wie zum Beispiel vor 100 Jahren der Vorwurf geklungen hätte: "Er hat die Tochter eines Scharfrichters, eines Kavillers geheiratet." Weiß nun der Bürger, der Handwerker, der Arbeiter, was er von seiner "Demokratin" zu halten hat? Es ist nicht nötig, weitere Worte zu machen. Sie liegt zum drittenmal im Sande, von i h r e m e i g e n e n L i c h t grell beleuchtet.
Ich muß mich zwingen, mich nicht abzuwenden, denn es kommt ja noch ein vierter "Zeuge"!
Das ist der "Texaner im Hunsrück". Man staune, was diese vierte Kapazität zu sagen hat! Er behauptet, daß Karl May nicht in Amerika gewesen sein könne, und beweist das folgendermaßen: "May hat angeblich Distanzen zu Pferde zurückgelegt, wozu heute der Southern Pacific Expreß beinahe ebenso lange braucht." Stimmt das? Nein! Orte werden nicht genannt. Der "Texaner auf dem Hunsrück" scheint den Rücken des Hunnen besser zu kennen als Texas. Warum verschweigt er die Orte? Warum nur Behauptungen, aber keine Beweise? Machen ihn vielleicht die vielen gleichlautenden Namen da drüben irre. Wenn die Bahn einen Bogen schlägt und der Train wiederholt zu halten hat, ist es oftmals leicht, eine Station noch vor der Ankunft des Zuges zu erreichen. Das scheint dem texanischen Hunsrücker unbekannt zu sein. Übrigens ist er in Beziehung auf die Geographie von Texas vollständig Analphabet, und es kommt ihm nur darauf an, May bloßzustellen. Der Beweis liegt in dem weiteren Vorwurf: Ferner hat er im südlichen Texas Flüsse per Dampfer befahren ( w e n n i c h n i c h t i r r e , war es der Colorado), auf welchen überhaupt nie ein Dampfer verkehrt hat." - - Welch eine Unwissenheit. Erstens giebt er zu, nicht gewiß zu wissen, welche Flüsse May gemeint hat. Ja wie kommt er dann dazu, trotz dieser Unwissenheit zu urteilen? Jedenfalls sind ihm die Orte seiner vorhergehenden Behauptung ebenso ungewiß gewesen; da hat er sie lieber gar nicht genannt! Ferner handelt es sich hier nicht um "Flüsse", sondern nur um einen einzigen "Fluß". Und die "Frankfurter" scheut sich nicht, sich eines solchen Ignoranten gegen May zu bedienen! Ich weiß, sie kann die geographischen Kenntnisse und Anschauungen Karl Mays nicht besitzen. Aber muß sie darum ebenso unwissend oder noch unwissender als dieser arme "Hunne" sein? Und wenn sie das war und heute noch ist, hatte sie keine Nachschlagebuch? War es nicht ihre Pflicht, ein Lexikon in die Hand zu nehmen? Zu ihrer eigenen Sicherheit, um nicht sich selbst bloßzustellen? Da sagt zunächst Brockhaus: "Texas zählt viele, zum Theil sehr ansehnliche, schiffbare Flüsse." Und da der "Zeuge" den Colorado nennt, so war es ja leicht, die Wahrheit zu finden. Oder besitzt die "Frankfurter" nicht einmal ein Lexikon? Sie braucht wohl keins, weil sie grundsätzlich nur b e h a u p t e t , aber nie b e w e i s t ? Brockhaus, Meyer, Spamer und andere sagen doch mit größter Deutlichkeit, daß der Colorado sogar für Dampfer 320 Kilometer weit schiffbar sei, bei Hochwasser noch 90 Kilometer weiter. Die von
ihnen erwähnte Rast oder Barre hat May noch ganz besonders beschrieben und betont! Und bei einer solchen Unwissenheit greift man zur geographischen Lanze gegen May! Was ist der Erfolg? "Die Frankfurter" fliegt zum vierten Mal in den Sand, in welchen ihr alle ihren berühmten vier " Z e i t g e n o s s e n " Gesellschaft leisten!
Was muß diese Demokratie im Sande doch von der Intelligenz ihrer Leser denken, wenn sie ihnen solchen Unsinn bietet! Hat sie denn nicht bedacht, daß ihre Unverfrorenheit e i n e B e l e i d i g u n g f ü r j e d e n i h r e r A b o n n e n t e n i s t ? Oder hat sie nur aus Haß gegen May auch hierauf keine Rücksicht genommen? Es kann ja gar nicht anders sein! Ich will nicht selbst urteilen. Ich lasse die "Tremonia" sprechen, mit welcher vereint sie neulich wieder über May zu Gericht gesessen hat. Was diese ihre Kampfgenossin sagt, muß doch die Wahrheit sein! Das heißt denn folgendermaßen:
" E s i s t e i n e g e r a d e z u p h ä n o m e n a l e D r e i s t i g k e i t , m i t w e l c h e r d i e " F r a n k f u r t e r Z e i t u n g " M a y L ü g e n s t r a f t ! Wie reißt sie ihn in ihrem "Karl May im Urteil der Zeitgenossen" herunter, ohne sich nur die allergeringste Mühe, d i e W a h r h e i t f e s t z u s t e l l e n , gegeben zu haben! S i e s e l b s t e i n e F e i n d i n d e r W a h r h e i t , wagt es, Karl May eine Lüge nach der anderen ins Gesicht zu schleudern! - Was bildet sich denn der Redakteur ein? Er läßt einen ungenannten Hunsrücker, einen Sachsen am Rhein, auch ungenannt, einen Berliner in der Schweiz und einen Leser aus Karlsruhe, auch namenlos, ihren Geifer ausspucken, giebt sich dann seinen eigenen, unbewiesenen Behauptungen zu ihren Wildschützen und unschiffbaren Flüssen, und - man höre und staune - die Summe diese Blödsinnes und seiner böswilligen Behauptungen bezeichnet er, der geistige Riese, als " d a s U r t e i l d e r Z e i t g e n o s s e n " ! Es ist ein wahres Glück, daß es außer diesen fünf Koryphäen in Deutschland noch e i n h a l b e s h u n d e r t M i l l i o n e n a n d e r e r " Z e i t g e n o s s e n " g i e b t ! "
Das ist wohl deutlich genug gesprochen! Aber die "Tremonia" fährt, sich direkt an den Redakteur der "Frankfurter Zeitung" wendend, fort:
"Was" hat May Ihnen denn eigentlich gethan? "Nicht!" Mit welchem Recht maßen Sie sich ein Urteil über ihn an? Sind Sie etwa gescheiter, weiser, besser als er? Nein! Tausendmal nein! Ich glaube es nicht! Oder etwa, weil Sie Redakteur Ihrer Zeitung sind? Hören Sie, darauf bilden Sich sich ja nicht ein! Eine Zeitung, deren s ä m t l i c h e " Z e i t g e n o s s e n " aus einem Hunsrücker, einem Berliner, einem Karlsruher und Ihnen selbst
bestehen, d i e h a t k e i n U r t e i l ü b e r M a y u n d m e r z t i h n a u c h n i c h t a u s ! Aus was soll er denn eigentlich "gemerzt" werden? Aus Ihrer Zeitung? Die braucht er nicht und hat sie nie gebraucht! Aus der Schriftstellerei? Er will ja gar kein Schriftsteller sein, nicht einmal ein Journalist wie Sie! - Sie hassen einen Mann, der Ihnen nie etwas gethan hat, w e i l I h r e a t h e i s t i s c h e R i c h t u n g d i e z u G o t t f ü h r e n d e W i r k u n g s e i n e r W e r k e f ü r c h t e t . Darum soll er unmöglich gemacht werden, um jeden Preis, selbst um den d e r W a h r h e i t u n d d e r e i g e n e n E h r e ! In dieser Weise wird von Ihnen ohne alles Bedenken die Ehre Ihrer Mitmenschen umgebracht! Darf so ein Mann die hochverantwortliche Stellung eines Redakteurs bekleiden? - - Wie war das, was May von den Redaktionen sagte? Wissen sie es noch? Ist die Ihrige ein Thronsaale der Königin Presse? Eine Hochburg des edlen Journalismus? Eine Wohnstätte wahrhaft nobler Gesinnung? Ein Lehrzimmer vornehmer Schreib- und Handlungsweise??? Und was Ihre Ehre betrifft, so frage ich Sie: I s t e s e h r e n h a f t , die P e r s o n eines Schriftstellers seiner W e r k e wegen abzuwürgen? I s t e s e h r e n h a f t , alles, was er unbefangen und wahrheitsgetreu von seinem Heim, seinem Privatleben, seinen Besuchen, seinen Korrespondenzen erzählt, an den Pranger zu nageln, ohne vorher auch nur einen einzigen Blick in dieses Heim gethan zu haben? I s t e s e h r e n h a f t , die Ehe eines Autors mit in die Kritik zu ziehen und ihn dadurch in den Augen seiner Leser heruntersetzen zu wollen, daß man sich der Veröffentlichung bedient, er habe eine Handwerkerstochter geheiratet? I s t e s e h r e n h a f t , mit giftigen Spionenblicken dem Privatleben und privaten Handeln eines Menschen nur deshalb nachzuspüren, w e i l m a n b e s c l o s s e n h a t , ihn als Schriftsteller zum abstoßenden Kadaver zu machen? I s t e s e h r e n h a f t , ihn dadurch als Lügner hinzustellen, daß man selbst d i e U n w a h r h e i t spricht? I s t e s e h r e n h a f t , eine so kenntnisreichen Geographen (denn daß May das ist, werden selbst seine Feinde zugeben) mit Hilfe von S c h u l j u n g e n i r r t ü m e r n u n g e n a n n t e r P e r s o n e n als Schwindler öffentlich hinzustellen? I s t e s e h r e n h a f t , sobald sich irgendwo nur ein Stäublein gegen ihn zeigt, mit wahrhaft heißhungriger Wollust darüber herzufallen und, o h n e z u p r ü f e n , diese Stäublein zu einer mit Unwahrheiten gefüllten Bombe aufzublasen, die man dann öffentlich platzen läßt? I s t e s e h r e n h a f t , ... Doch wozu noch mehr solcher Fragen; e s g e n ü g t j a e i n e e i n z I g e v o l l s t ä n d i g ! "
So, ganz wörtlich, in dieser Weise, hat die Mayfeindin "Tremonia" zur Mayfeindin "Frankfurter Zeitung" gesprochen! Man
sieht, ich halte Wort: Ich zeige die Maygegner nicht in meinem, sondern in i h r e m e i g n e n Lichte! Selbst der begeistertste Leser Karl Mays könnte der "Frankfurter" nicht besser und nicht deutlicher sagen, was sie ist und wie sie handelt! Diese siebenmal wiederholte Frage n a c h i h r e r E h r e n h a f t i g k e i t spricht ganze Bände. Und nun kommt die höchst wichtige Frage und die noch wichtigere Antwort darauf: Was hat sie gethan? Der "Tremonia" geantwortet? Eine Entgegnung gebracht? Eine Beleidigungsklage angestrengt? Nichts von alle dem! D i e s i e b e n F r a g e n n a c h i h r e r E h r e n h a f t i g k e i t s i t z e n i h r n o c h h e u t e i m N a c k e n . Das ist schlimm, sehr schlimm für sie! Sie hat in ihrem blinden Haß gegen May ihre Glaubwürdigkeit u n d n o c h w e i t m e h r auf das Spiel gesetzt und das Spiel verloren.
Ihr Angriff richtet sich auch gegen einen Artikel, den Karl May unter dem Titel "Leiden und Freuden eines Vielgelesenen" für den "Deutschen Hausschatz" geschrieben hatte. Der Verleger dieses Journals hatte ihn wiederholt darum ersucht, und May hatte ihn nur halb gezwungen geschrieben, um die vielen Anfragen seiner Leser zu befriedigen. Er hatte diesen Artikel ganz so unbefangen geschrieben, wie die "Tremonia" es oben nach ihrer zweiten Ehrenfrage schildert. Die "Frankfurter" aber machte mit ihren bekannten "wahrheitstreuen" Pinselstrichen aus dieser Unbefangenheit ein häßliches, abstoßendes Bild der lügenhaftesten Prahlsucht und Großsprecherei. Sie stellte alle Angaben Mays einfach als Schwindeleien hin. Er bekommt von seinen Lesern Tausende von Zuschriften und hatte aus einigen dieser Briefe kurze Stellen angezogen. Es waren nur acht. Aber grad diese wenigen, kurzen Beweise über die Wirkung seiner Bücher sind es gewesen, welche den Grimm der "ungläubigen" Feindin zum vollständig aussichtslosen Angriff trieben. Sie hat dies durch die Art und Weise, in welcher sie über die Briefe sprach, bewiesen. Niemand ahnt, wieviele grad derartige Sendungen ihm zugehen. Sie sind die besten, unumstößlichen Zeugnisse f ü r seine Werke und g e g e n die Machinationen seiner Feinde. Was ist es, was diese Feinde so gegen ihn erbittert? Was ist es, was sie zerstören wollen, indem sie sich bemühen, ihn "auszumerzen"? In den Briefen, die er bekommt, ist die Antwort auf diese beiden Fragen zu lesen. Ich habe gesagt, daß wir die Augen offen zu halten haben, wenn der Feind kommt, um Unkraut zwischen den Weizen zu säen. D a s U n k r a u t h a b e n w i r j e t z t , wenigstens bei dem einen Feinde, k e n n e n g e l e r n t . Nun will ich eine k l e i n e P r o b e d e s W e i z e n s z e i g e n , damit man unterscheiden lerne zwischen dem guten Samen des so
angefeindeten Säemannes und den schädlichen Körnern derer, die ihn um seiner Früchte willen hassen und verfolgen.
Ich veröffentliche darum e i n e k l e i n e A n z a h l jener Leserbriefe, die ihn gegen alls Angriffe unempfindlich machen. Ich mute niemand zu, jeden einzelnen zu lesen. Wer unbefangen sucht, der findet gleich beim ersten Blick. Sollte irgend jemand wieder von Prahlerei sprechen, so mag er es immerhin thun. Ich habe nichts dagegen und May wohl noch viel weniger! Es handelt sich hier nicht um Reklamebriefe. May bedarf der Reklame nicht. Seine Gegner besorgen sie ihm aufs allerbeste. Man soll die Früchte beider, der Angreifer und des Angegriffenen, kennen lernen. Das beabsichtige ich; weiter nichts!
Wer die wirkliche " W a h r h e i t ü b e r K a r l M a y " wissen will, der wird sie in diesen Briefen finden. In den Blättern seiner Feinde steht sie nicht. Wer aber " d i e W a h r h e i t ü b e r d i e G e g n e r K a r l M a y s " kennen lernen will, der muß diese ihre Blätter lesen. Wir haben ja gesehen und gehört, in welcher Weise sie selbst einander die Wahrheit sagen. Sie sprechen da so kräftig, so deutlich und so überzeugend, und sie stellen sich da selbst so in das eigene Licht, daß man kein Wort hinzuzufügen braucht.
Zum Schlusse noch ein Unikum! Die von der "Tremonia" in ihrer Ehre so unheilbar Verwundete brachte kürzlich wieder einen Artikel gegen Karl May. Woher hatte sie ihn? Man denke: Von der "Tremonia" abgeschrieben! Ist so etwas nur möglich?! Die "Tremonia" fragt den Redakteur der "Frankfurter" in das Angesicht: " D a r f s o e i n M a n n w i e S i e d i e h o c h v e r a n t w o r t l i c h S t e l l e e i n e s R e d a k t e u r s b e k l e i d e n ? ! Und dieser Redakteur, was thut er? Jeder andere hätte den Beleidiger gefordert! Er aber druckt, als ob nichts vorgekommen wäre, so ganz behaglich einen "Tremonia"-Artikel nach! Ist das zu glauben? Eigentlich nicht. Aber dieser Artikel war ja gegen May gerichtet! Merkt man etwas? "Raufen´s schon?" In der Schnapskneipe schlägt schlägt man sich erst blutrünstig, und hierauf trinkt man Brüderschaft. Das ist
" D i e W a h r h e i t ü b e r d i e F e i n d e K a r l M a y s ! "
D i e s e s i e b e n m a l n a c h i h r e r E h r e n h a f t i g k e i t g e f r a g t e " F r a n k f u r t e r " kriegt in den Vorratskorb dessen, der sie bis zum "zz" beleidigt hat! Sie weiß, dort giebt es einen Artikel gegen May. Sie druckt in ab und fügt eine Einleitung und eine Schlußbemerkung hinzu. Aber jetzt kommt d a s g e r a d e z u U n e r h ö r t e ! Nämlich in dieser Einleitung zum "Tremonia"-Artikel rühmt sie sich
gewaltig jenes "Karl May im Urteile der Zeitgenossen", wegen dessen sie grad von der "Tremonia" als ehrlose Lügnerin bezeichnet worden ist. Hierbei wirft sie May vor, " m ä u s c h e n s t i l l gewesen zu sein. D a s i s t d e n n d o c h s e l b s t m i r z u s t a r k ! May war im Orient und konnte ihr nicht antworten. Er b r a u c h t e es auch nicht zu thun, denn die "Tremonia" hatte ja das Wort für ihn ergriffen, und ich meine, kräftig genug! Aber die "Frankfurter" war nicht im Oriente, als sie von der "Tremonia" jene fürchterlichen, moralischen Prügel bekam, und ist dennoch ganz - ganz - ganz - m ä u s c h e n s t i l l " gewesen. Man sieht: Sie stellt sich wieder selbst i n s e i g e n e Licht! Was wir da sehen, ist zwar unerhört, aber ist
" D i e W a h r h e i t ü b e r d i e G e g n e r K a r l M a y s ! "
Es war - - - Sumpf, durch den ich jetzt zu waten hatte. Mir ist dabei übel geworden. Ich könnte über diese neueste Leistung der "Frankfurter" zwar noch einige ihrer "eigenen Lichter" werfen, doch ich muß heraus aus dieser Atmosphäre. Aber sie, nun, sie mag - - - darin stecken bleiben! - - -
"Karl Mays Reiseromane erscheinen jetzt in billiger Ausgabe im Verlage von F. E. Fehsenfeld, Freiburg i. Br. W i r h a b e n s e i t J a h r e n d i e s e e i g e n a r t i g e n S c h ö p f u n g e n m i t w i r k l i c h e m V e r g n ü g e n v e r f o l g t u n d v e r s t e h e n s e h r w o h l d a s l e b h a f t e I n t e r e s s e , w e l c h e s s i e i n s e h r w e i t e n K r e i s e n g e f u n d e n h a b e n . M a y s W e r k e s t e h e n t u r m h o c h ü b e r d e n g e w ö h n l i c h e n Sk a l p - , B ü f f e l - u n d s o n s t i g e n J ä g e r e r z ä h l u n g e n . L e b h a f t e P h a n t a s i e u n d g e f ä l l i g e D a r s t e l l u n g v e r e i n i g e n s i c h h i e r m i t e i n e r v i e l s e i t i g e n B i l d u n g , u n d d e n H i n t e r g r u n d b i l d e t e i n e e r n s t e L e b e n s a u f f a s s u n g u n d g r ü n d l i c h e K e n n t n i s s e d e r g e o g r a p h i s c h e n u n d e t h n o g r a f i s c h e n D e t a i l s . A l l e s f ü r d i e J u g e n d A n s t ö ß i g e i s t s o r g f ä l t i g v e r m i e d e n , o b g l e i c h M a y s W e r k e n i c h t e t w a b l o ß f ü r d i e s e b e s t i m m t s i n d ; v i e l e t a u s e n d E r w a c h s e n e h a b e n a u s d i e s e n b u n t e n B i l d e r n s c h o n E r h o l u n g u n d B e l e h r u n g i m r e i c h s t e n M a ß e g e s c h ö p f t ! "
So schrieb die "Kölnische Volkszeitung", und sie hat damit
" D i e W a h r h e i t ü b e r K a r l M a y "
gesagt. Sie ist davon vollständig überzeugt gewesen, und ich habe Grund, diesen Umstand hier ganz besonders zu bestätigen.
Wann schrieb sie das? Als sie noch in Geschäftsverbindung mit ihm stand! Auch diesen Umstand hebe ich mit Nachdruck hervor. Geschäftsverbindung? Ja, gewiß! Aber es hat mit dieser Verbindung eine ganz eigenartige Bewandtnis. Wenn es erlaubt ist, eine Geschäftsverbindung mit der Ehe zu vergleichen, so ist die "Kölnische Volkszeitung" jetzt Witwe. Aber man denke ja nicht, daß der Mann gestorben sei! Er befindet sich noch am Leben und freut sich herzlich darüber, daß sie dennoch das ihr gar nicht zustehende Witwengeld in Anspruch nimmt. Warum freut er sich darüber? Davon später!
Diese ganz eigenartige Ehe wurde durch " W ü s t e n r ä u b e r " geschlossen. Aber man braucht nicht zu erschrecken. "Die Wüstenräuber" sind nur der blutrünstige Titel, den die "Kölnische Volkszeitung" seiner Reiseerzählung "Die Gum" gegeben hat! Auch hiervon später!
Als die "Kölnische Volkszeitung" diese Erzählung acceptierte, fragte May, welches Honorar sie zahlen werde. Sie antwortete, er möge das doch ihr überlassen. Eine noble Zeitung zahle doch auch nobel, und man werde die Erzählung nach ihrem Erscheinen in der "Volkszeitung" auch in "Bachems Romansammlung" aufnehmen. May schenkte der "Noblesse" Glauben, gab die Erzählung zum Abdrucke her und that dasselbe auch noch mit einer zweiten. Nach langem, langem Zögern, sogar wiederholtem Mahnen, erhielt er das Honorar. Wie hoch war es?
E s b e t r u g g e n a u d e n z e h n t e n T e i l des Honorars, daß ihm z. B. sein Verleger Fehsenfeld für bereits anderweit veröffentlichte Sachen zahlt! May geriet in die größte Verlegenheit. Er befindet sich leider nicht im Besitze eines sicheren "Juliusturmes" nebst den dazu gehörigen Schildwachen. Wohin mit diesen kolossalen Unsummen?! Es gab nur ein einziges Mittel, diese schweren Sorgen von sich abzuwenden: Er schrieb nach Köln, daß er dem Verleger der "Kölnischen Volkszeitung" d a s R e c h t , s e i n e E r z ä h l u n g e n w e i t e r z u d r u c k e n , h i e r n m i t e n t z i e h e !
Man ersieht hieraus: May hat die oben erwähnte " W ü s t e n r ä u b e r e h e " gelöst. Aber die " W ü s t e n r ä u b e r " selbst? Ich will einmal aus der Schule schwatzen: Karl May ist im letzten
November persönlich in Köln gewesen, auch in der Marzellenstraße, wo die "Kölnische Volkszeitung" täglich neu geboren wird. D o r t h a t e r d i e " W ü s t e n r ä u b e r " g e s e h e n , u n d - - d i e h a t e r s i c h g e k a u f t ! ! ! Will jemand sie sehen? S i e s t e h e n k a u m h u n d e r t S c h r i t t e v o m h e i l i g e n D o m e a m F e n s t e r u n d l a d e n j e d e n V o r ü b e r g e h e n d e n e i n , v o n i h n e n z u e r f a h r e n , w a s d i e " W ü s t e n r ä u b e r " v o n K a r l M a y b e r i c h t e n ! ! !
Die Erzählungen dieses Verfassers scheinen den Besitzern der "Kölnischen Volkszeitung" außerordentlich lieb geworden zu sein, denn sie haben sich nicht von ihnen trennen können. Man druckt und verkauft sie ohne Bedenken weiter, obgleich Karl May damals, a l s e r i h n e n d a s V e r b o t z u g e h e n l i e ß , sie in die Bände aufgenommen hat, welche die "Kölnische Volkszeitung" als "Münchhausiaden" bezeichnet. Es ist also zu konstatieren, daß die Herren von der "Kölnischen Volkszeitung" s e l b s t M ü n c h h a u s i a d e v e r b r e i t e n , i n d e m s i e s i c h g e g e n a l l e s R e c h t u n d j e d e B i l l i g k e i t m i t " K a r l M a y " b e s c h ä f t i g e n ! Das ist:
"D e r W a h r h e i t ü b e r K a r l M a y s G e g n e r "
zweiter Teil, nämlich:
"D e r W a h r h e i t ü b e r d i e K ö l n i s c h e V o L k s z e i t u n g " !
Was wird wohl der "Kritiker" einer Zeitung von einem Litteraten denken, welcher darauf eingeht, dem Besitzer dieser Zeitung gute, brauchbare Beiträge zu liefern, und zwar für den zehnten Teil des ihm geläufigen Honorares? Ich bin überzeugt, er wird seine Recension mit den Worten beginnen: " D i e s e g a n z e i g e n a r t i g e n S c h ö p f u n g e n s t e h e n t u r m h o c h e. t. c. . " Und er wird sie mit den Worten schließen: " S c h o n v i e l e T a u s e n d e h a b e n i m r e i c h s t e n M a ß e E r h o l u n g u n d B e l e h r u n g a u s i h n e n g e s c h ö p f t ! "
Wenn aber diese "zehnte Teil" dem Autor gegen alle Erwartungen zu wenig ist? Wenn er den weiteren Druck verbietet? Wie wird dann die Kritik lauten?
G e n a u w i e v o r h e r , w e n n d e r K r i t i k e r e i n E h r e n m a n n i s t . Er hat an seiner Empfehlung jenes Schriftstellers selbst gegen etwaige Feinde desselben festzuhalten! Er hat die in seiner Kritik ausgesprochene Ueberzeugung gegen sie zu verteidigen. Denn weicht er auch nur ein Jota von seiner wohlbegründeten Meinung ab, so ist es um seine eigene Ehre geschehen. Man wird sagen, daß "j e n e s Z e h n t e l " sein geistiger und moralischer Maßstab sei!
Sehen wir, wie die "Kölnische Volkszeitung" sich in dieser Beziehung benommen hat! Hat ihre Ehre sich berwährt? Ich urteile nicht. Ich lasse s i e s e l b s t sprechen!
Einige Zeit nach jenen berüchtigten Artikel, wegen deren die "Frankfurter Zeitung" von der "Tremonia" moralisch geohrfeigt wurde, ergriff e n d l i c h a u c h die "Kölnische Volkszeitung" in dieser Angelegenheit das Wort. Sie hatte über zwei Wochen gewartet. Warum so lange? Wenn man weiß, daß man das eigentlich nicht darf, was man eigentlich will, so ist Vorsicht wohl geboten. Und die Vorsicht erfordert immer Zeit zum Ueberlegen! Das Resultat dieser Ueberlegung war ein Artikel mit der Ueberschrift " E i n e r g ö t z l i c h e r S t r e i t " .
Was also hat der gar nicht zu definierende Angriff der "Frankfurter" gegen den " t u r m h o c h " stehenden M i t a r b e i t e r der "Kölnischen Vokszeitung" für eine Wirkung auf die letztere hervorgebracht? E r g ö t z l i c h ist er ihr gewesen! Sie fügt zwar diesem Titel bei: "mit ernsten Hintergrund". Aber der Ernst desselben liegt doch wohl im Angriffe gegen May. Der Hintergrund liegt dem Beschauer fern. Das E r g ö t z e n ist also n u r bei der "Kölnischen Volkszeitung" zu suchen. Ihre Ausdrucksweise, " i h r S t i l " hat sie verraten. D i e c h r i s t l i c h e k a t h o l i s c h e s t e Z e i t u n g d e s g a n z e n d e u t s c h e n R e i c h e s g i e b t o f f e n z u , d a ß i h r d i e A b s c h l a c h t u n g i h r e s e i n s t i g e n , f ü r s i e t u r m h o c h s t e h e n d e n M i t a r b e i t e r s e r g ö t z l i c h g e w e s e n s e i ! N i c h t s w e i t e r a l s e i n e V a r i e t é s c e n e f ü r d a s B l a t t , v o n d e n e n m a n b e h a u p t e t , d a ß e s d i e " j o u r n a l i s t e P e r s o n i f i k a t i o n d e s g a n z e n d e u t s c h e n K a t h o l i z i s m u s " s e i ! W a s s a g t d e r l e t z t e r e d a z u ?
Wenn uns schon die Ueberschrift in das Varieté oder Tingel-Tangel verweist, wie lustig mag da das ihr folgende sein! Stände ich auf dem Varieté-Standpunkt, den die "Kölnische Volkszeitung" nach i h r e m e i g e n e n Geständnisse in dieser Angelegenheit einnimmt, so würde ich den Lesern dieser Zeilen wohl viel zu lachen geben. Aber ich bin ein Christ, und folglich ist es mir durchaus unmöglich, sie ergötzlich zu finden! Ich werde also das, was die A n g e h e i t e r t e vorbringt, mit demjenigen Ernste betrachtet, d e n s i e v e r l o r e n h a t !
Sie macht sich zunächst über den gewissen "Er" lustig, von dem schon die "Frankfurter" nicht wußte, wer er eigentlich ist. Auch sie hat also nie ein Wort von May verstanden. Die Impotenz mag lachen! Es sei ihr gegönnt! Sodann erklärt sie, daß " i n s i t t l