von Ruben Wickenhäuser,
Autor von "Indianer-Spiele" und "Weißer
Bruder Timo"
Zweifellos sind die Zeiten der unkritisch hingenommenen "Rothaut" auch in
der Literatur am Vergehen. Dennoch zeigt es sich immer wieder, wie
hartnäckig sich das Klischee zu diesem Thema hält; ein Thema, das
auf Jung und Alt eine rätzelhafte Anziehungskraft ausübt. Auch ein
Thema, das durch Karl May über unsere Grenzen hinaus an
Popularität gewann.
Noch vor dreißig Jahren gab es kaum nennenswertes Material über
jene Völker, die wir unter dem Schlagwort "Indianer" in einen Topf
werfen. Quellen waren nur schwer zugänglich. Sekundärliteratur,
die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzte, war rar. Käthe
Recheis, mit der ich in engem Kontakt stehe, erzählte mir einmal, wie
schwierig es in ihrer ersten Zeit für sie war, einigermaßen
objektive Informationen über "Indianer" zu erhalten.
Doch das hat sich radikal geändert. Eine Masse von seriöser und
Möchtegern-Fachliteratur und allerlei anderen Sprossen hat den
Buchmarkt gefüllt. So wie ich selbst dürften auch viele andere
nicht durch Karl May - den ich jedoch in meiner Jugend mit Vergügen
gelesen habe - sondern durch die verschiedensten Medien mit dem Thema in
Kontakt gekommen sein.
Niemand kann sich heute mehr mit dem Mangel an Informationen rechtfertigen,
wenn er ein klischeebeladenes Buch schreibt. Klischees jedoch verkaufen sich
besser als die Wahrheit; und so finden sich auch heute noch
Bilderbücher, Romane und sogar Sachbücher voller
federgeschmückter und hosentragender "Indianer". Auf der anderen Seite
werden religiöse Symbole gedankenlos benutzt; sei es in
Bastelbüchern mit dem Medizinrad zum Selbermachen und der Zaubertrommel
des Großen Geistes oder den sicher manchen Geldbeutel heilenden
Schwitzhüttenzeremonien zur Erleuchtung des Selbst.
Dann sind da aber unsere Erbsenzähler, die ein Buch auf die kleinsten
Fehlerchen untersuchen und diese groß zur Schau stellen. Ähnlich
jener Dame, die "Indianer-Spiele" im Magazin "Coyote" 4/97 völlig
unangemessen scharf und einseitig kritisierte. Selbst historische Fehler
werden als Tatsachen hingenommen und dann als Korrekturen ausgegeben, wie
eine andere, inoffizielle Rezension zu meinem Erstlingswerk gezeigt hat:
Jene Punkte, die die Rezensentin dort mir als Fehler ankreidete, waren
historisch richtig - nicht jedoch ihre Korrekturen. Und weiterhin werden
selbst bei Verlagen "Indianerbücher" stiefmütterlich behandelt
und, so erhält man den Eindruck, nicht als vollwertige Literatur
angesehen. All dies erschwert einen einigermaßen seriösen Umgang
mit dem Thema.
Doch fort von der Frage des Klischees und der Herden schwarzer Schafe.
"Indianer" sind auch ein wunderbare Basis für Träume, wie sie uns
auf vielen anderen Gebieten nicht mehr möglich sind - daher vielleicht
der Reiz des Themas. Träume nun sind wichtig, ganz besonders für
Kinder, und dienen besten Zielen: Innerem Frieden, Hoffnung und einer Form
von Freiheit. Man darf nie vergessen, daß Geschichten zum Träumen
gemacht sind, und nicht zum besserwisserischen und kleinlichen
übermitteln von Fakten. Sie können zum Nachdenken, zum Nachfragen
anregen; sie können auch einfach nur schön sein. Aber eine
Geschichte bedeutet auch Verantwortung für den, der sie schreibt:
Genausogut kann eine Geschichte Vorurteile bestärken und eine sehr
realistische Gefahr nähren. Wichtig ist letztenendes ein ausgewogener
Mittelweg zwischen Nachdenklichmachen und schönem Traum, ein Faktor,
der das Schreiben von Kinderliteratur oft dem Schreiben von
Erwachsenenbüchern gegenüber schwieriger macht. Astrid Lindgren,
Michael Ende sind bzw. waren Meister ihres Fachs, wenn auch auf anderem
Gebiet.
In meinen zwei ersten Büchern habe ich versucht, das Klischee ein wenig
aufzuweichen. In "Weißer Bruder Timo" versuche ich in einer spannenden
und vielschichtigen Geschichte das Alltagsleben in einem Lakotadorf
darzustellen. "Indianer-Spiele" stellt eine Auswahl von Spielen der
nordamerikanischen Völker vor. Eine Einführung beschäftigt
sich mit der Problematik der Begrifflichkeit "Indianer", historischen
Hintergründen und der Frage der Religion. Jedes Spiel ist zudem so
beschrieben, daß man es einerseits schnell in die Tat umsetzen kann,
andererseits aber weiterlesen und sich über seine Hintergründe
informieren kann. Über Fußnoten lässt sich nachvollziehen,
wie die Quelle des Spieles lautet.
Bei meinen Lesungen versuche ich den Kindern nahezubringen, daß jene
"Indianer" auf ihre Art recht normale Menschen waren. Nachbauten einiger
Alltagsgegenstände "zum Anfassen" üben eine starke Faszinaion aus.
Meine Zuhörer sollen einen etwas anderen Eindruck der damaligen Kultur
bekommen. Mithilfe von einigen Dias versuche ich ihnen auch begreiflich zu
machen, daß es jene "Indianer" heute noch gibt, und mit welchen
großen Schwierigkeiten unsere Traumhelden heute zu kämpfen haben.
Das Interesse meiner Zuhörer ist bei diesen zwei "Sachteilen"
ungebrochen: Von dieser Seite kennen die meisten jene Menschen noch
nicht.
An Ihrer Meinung zum Thema und zu meinen Büchern wäre ich
natürlich sehr interessiert. Falls Sie die Möglichkeiten haben,
würde mich auch eine Rezension sehr freuen. Herzlich möchte ich
Sie auch dazu einladen, ausführlichere Informationen zu beiden Titeln,
sowie zu meiner weiteren schriftstellerischen Arbeit, unter http://www.geocities.co
m/Athens/Olympus/6103/ (alias im Augenblick:
http://ruben.home.pages.de/) zu erfahren. Interessante Links zu diesem und
anderen Themen habe ich außerdem sorgfältig ausgewählt.