Quelle: Mailingliste der KMG, Beitrag dort
Liebe Listenteilnehmer, lieber Andreas Graf, mit einer Verwendung meiner "Fehlerliste" für eine etwaige Rezension bin ich einverstanden. Da es mir aber keine Ruhe gelassen hat, das angebliche Reisetagebuch-Zitat auf S. 113 nicht verifizieren zu können (was mir jetzt gelungen ist), habe ich die gesamten Zitate, die unter der Überschrift: "Aus dem Reisetagebuch 1899" versammelt sind, mal eingehend überprüft, und das Ergebnis ist erschreckend: Kein einziges dieser Zitate stammt aus dem Reisetagebuch! Der Autor hat offenbar die Dokumentation von Bartsch/Wollschläger nicht verstanden: nur da, wo RT in Klammern dahinter steht, handelt es sich auch um RT-Eintragungen; darüber hinaus ist kein eiziges Zitat korrekt wiedergegeben... Eigentlich sollte dieser alarmierende Befund dazu führen, sämtliche Zitate in dieser Biographie zu überprüfen: aber dazu habe ich nun wirklich keine Lust. Die Analyse dieser beiden Seiten 112/113 "Reisetagebuch-Zitate" reicht. Im Einzelnen: 22. April 1899 Hier wird aus einem Brief an Fehsenfeld zitiert. Unkorrekt ist die Schreibweise "gibt" statt "giebt" und "raten" statt "rathen", bei "Réaumur" fehlt der accent aigu. 23. April Hier wird aus einem Brief an Emma zitiert. Falsch ist das Wort "Heute" statt "Heut". 17. Mai Hier wird wieder aus einem Brief an Emma zitiert. Falsch ist die Schreibweise "Orients" statt "Orientes" und "unbefriedigend" statt "unbefriedigt", wobei allein letzteres Wort einen Sinn ergibt. 27. Mai 1899 In der Dokumentation in Jb-KMG 71 wird hier, ebenso wie in GW 82, S. 70, ein Zitat aus Bd. XXIX, S. 7, gebracht, kein Reisebucheintrag. Falsch heißt es hier: "Morgenlands" statt "Morgenlandes". 12. Juni 1900 Hier wird deutlich, daß Walther tatsächlich das Jb-KMG 1971 als Quelle benutzt hat und nicht die erweitere Neufassung in GW 82, in der das Gedicht "Ich gehe fort in das gelobte Land" auf den 11. Juni 1900 datiert wird und das Wort "Folgenden" mit einem kleinem Buchstaben beginnt (S.139), während es im Jb-KMG, wie hier, großgeschrieben ist. Zitiert wird aus einem Brief an Dederle, aber nur bis: "... das Ende ihrer Angriffe wird ein für mich hochbefriedigendes sein..." Danach folgt ein vermutlich von Walther selbst stammender Satz, der absolut keinen Anschluß an den vorangegangenen Teil darstellt, eher im Gegenteil, aber auf die nachfolgenden Zitate überleiten soll, nämlich. "Kein Ende, sondern ein Beginn der Angriffe." Danach folgen Zitate, die keineswegs aus der Reisezeit stammen, sondern aus der Prozeßschrift: Ein Schundverlag (1905), und zwar wie folgt zusammengestellt: Der erste Absatz: "Nie werde ich..." bis: "herabzuhelfen." steht auf S. 370. Statt "kein Mensch" muß es "kein einziger Mensch" heißen. Der zweite Absatz: "Ich las. ..." bis: "mehrere fort." steht auf S. 369. Statt "um heimlich in Jod zu baden" muß es heißen: "um heimlich Jod zu baden". Statt "glaubte so etwas" muß es heißen: "glaubt so etwas". Statt "und fügte noch hinzu" muß es heißen: "und fügte dann hinzu". Hinter "Noch lächerlicher." steht im Original ein Ausrufungszeichen. Statt "In diesem Ton" muß es heißen: "In diesem Tone". Der dritte Absatz: "Ich bin ein Mensch ..." bis "durchlitten wäre!" steht auf S. 391. Statt "Schicksal" muß es "Geschick" heißen. Statt "kaputt" "kaput". Statt "... alle diese Ziele. Und mein ganzes sechzigjähriges Leben und Leiden..." muß es heißen: "... alle diese Ziele, und mein ganzes, sechzigjähriges Leben und Leiden..." Rechnet man diese Fehlerquote hoch, wird einem ziemlich gruselig zumute. Besonders verfälschend erscheint mir aber die Überschrift, die private Notizen während der Reisezeit ankündigt, aber u.a. taktisch motivierte Schreiben an Verleger und Redakteure sowie Auszüge aus einer fünf Jahre später entstandenen Prozeßschrift kompiliert. Diese Verfahrensweise halte ich nun nicht gerade für seriös! MfG Gabriele Wolff