Klaus Walther: Karl May. dtv portrait

G+J Gordon kmg@lists.uni-bielefeld.de (Mail geht an die Mailingliste!)
Sat, 9 Feb 2002 18:00:31 +0100

Quelle: Mailingliste der KMG, Beitrag dort


Liebe Listenteilnehmer,

durch die Rezension von Andreas Graf nebst Fehlerliste und deren Ergänzung
durch Rolf Dernen ja schon entsprechend eingestimmt, habe ich die Biographie
von Klaus Walther, die in ihrer Deutung nichts Neues bringt, ebenfalls
gelesen, und muß nach der ersten Lektüre die Fehlerliste noch einmal
verlängern:

S. 71  Der Gendarm, der die Stollberg-Ermittlungen einleitete, hieß
       nicht "Ostwald", sondern "Ernst Oswald" (Maschke, S. 140)
S. 82  "Großer Enthüllungsroman über die Geschehnisse der menschlichen
        Gesellschaft" muß, wie nachfolgend richtig zitiert wird,
        "Geheimnisse" heißen.
S.111  Obwohl als Quelle die Orientreise-Dokumentation von
       Bartsch/Wollschläger (1971) erwähnt wird, wird für die Station
       Massaua, 22.9.99, vermerkt, daß May dort Zeitungen erhielt, in
       denen berichtet worden sei, daß ein Verlag in Dresden mit der
       Herausgabe seiner Kolportageromane beginne. Das steht nicht in
       der Dokumentation, sondern in Mays Bio, S. 242f., trifft aber
       objektiv nicht zu.
S.112f. angebliches Zitat aus dem RT vom 12.6.00; tatsächlich aber
        Brief an Dederle, bis S. 113, "Beginn der Angriffe." Die
        Quelle des nachfolgenden Textes "Nie werde ich diese
        Zeitungslesestunde in Massaua vergessen..." habe ich nicht
        feststellen können.
S.114   "May wurde also mitgeteilt, die Urheberrechte seien wieder an
        ihn zurückgefallen." Das soll Pauline ihm nach dem Tod ihres
        Mannes(1892) mitgeteilt haben? Das halte ich für sehr
        unwahrscheinlich; er hat ja bis zuletzt vergeblich Auskunft
        über die Auflagenhöhe verlangt! Und Pauline hat hartnäckig
        bestritten, daß sie die Urheberrechte nur bis zu einer Auflage
        von 20.000 erworben habe...
S.114   "May war sich freilich seiner Sache sicher, er hatte ja die
        Briefe, in welchen ihm Münchmeyer die einstmals mündlich
        geschlossenen Vereinbarungen bestätigte." steht im Widerspruch
        zu:
S.127   Dort wird zum Jahr 1901 ausgeführt: "Er hatte keinen Vertrag,
        keinen Brief in der Hand, der ihm juristisch genützt hätte. Ob
        es die Briefe, von denen gelegentlich die Rede ist und die Emma
        verbrannt haben soll, tatsächlich gegeben hat, ist zweifelhaft.
        Bei einer Befragung durch den Staatsanwalt in späteren Jahren
        wird May davon sprechen, dass der Hinweis auf solche Briefe
        lediglich »eine Diplomatie« von ihm gewesen sei."
        Auch letzteres ist ungenau zitiert, da May gegenüber StA
        Seyfert lediglich auf den einen, Fischer gegenüber erwähnten
        Brief, Bezug genommen hat.
S.122   Richard Plöhn starb nicht am 14.2.1900, sondern 1901, wie es
        zutreffend auf S. 123 als Bildunterschrift vermerkt ist
S.125   Der China-Band erschien im Verlag von Hermann Zieger 1901; erst
        eine Neuausgabe (1902) erschien im Verlag der Deutschen
        Kriegerbund-Buchhandlung Dr. Hans Natge
S.131  "Am 10. September 1902 reichte er die Scheidungsklage ein. Klara
        zimmerte eifrig mit am Konzept. Da kam es auf ein paar
        Unwahrheiten nicht an, Hauptsache, Emma wurde ins Unrecht
        gesetzt: Angeblich hatte sie Geld an Richard Plöhn ohne Wissen
        von Karl May weitergegeben, überdies Briefe und Verlagsverträge
        verbrannt."
        Die Geldübergabe an Plöhn ist erwiesen; Emma klagte ja sogar
        auf Rückzahlung; wer den Vorwurf der Vernichtung von Briefen
        und Geschäftsunterlagen als "Unwahrheit" bezeichnet, aber auf
        S. 114 und S. 127 Widersprüchliches zu deren Existenz vermerkt,
        sollte den Wahrheitsbeweis für die Qualifizierung als "Unwahr-
        heit" antreten; sonst bleibt es eine bloße Behauptung.
S.131   Rechtsanwalt Bernstein vertrat Emma nicht; im
        Scheidungsverfahren selbst hatte sie keinen Anwalt, später RA
        Neumann.
S.135   Zitat aus SL IV S. 67f. ist unrichtig: ein "unglaublich" ist
        zuviel; "weil sie sich in den Irrtum hineinlogen..." muß
        richtig heißen: "weil sie sich in den ihnen sehr erwünschten
        Irrtum hineinlogen." (Vielleicht eine Bamberger Ausgabe
        benutzt?)
        Warum bei der sehr unzulänglichen Vorstellung des SL IV unten
        ein Kasten mit dem Anfang von SL I erscheint, ist unerklärlich.
S.149   Zitat aus LuS, S. 229, zu "Babel und Bibel": dort fehlen die
        Anführungszeichen "elendes Machwerk".
S.150   Das amerikanische Doktor-Diplom wurde nicht erst durch die
        Durchsuchung vom 9.11.1907 "bald nur noch ein Stück nutzloses
        Papier". Das war es schon seit 1903, als die Kultusbürokratie
        May die Genehmigung versagte, den ausländischen Titel im Inland
        zu führen. Daß May *nach* dieser Entscheidung den Titel
        "führte", ist mir nicht bekannt und Larrass im Rahmen seiner
        Vorermittlungen 1907-1909 ebenfalls nicht bekannt geworden,
        ansonsten hätte es eine Anklage gegeben!
S.154f  Die Darstellung der USA-Reise tradiert die unzutreffende Vor-
        stellung, sie habe insgesamt nebst England-Abstecher bis
        Dezember 1908 gedauert. Tatsächlich reisten Mays am 27.10.08
        zurück, weilten vom 3.11. bis 27.11. in Radebeul, reisten am
        28.11. nach England und waren am 6.12. wieder daheim. (GW 82,
        S.390 f.)
S.156   May hatte nicht bereits Anfang 1907 eine Zusage für die
        Erzählung ›Der Mir von Dschinnistan‹ an den Deutschen
        Hausschatz erteilt, sondern erst am 13.9.1907 (Jb-KMG 85,S.15)
S.164   Selma vom Scheidt, nicht "von" Scheidt.

Zur Darstellung von Mays Ehe und Ehescheidung halte ich mich zurück;
"Zwischen den beiden Eheleuten wuchs die Entfremdung. Es ist ein besonderes
Kapitel der Biografie, dafür die Schuldfrage zu klären." (S. 96) Es ist zu
begrüßen, daß dieses "besondere Kapitel" dann nicht mehr geschrieben wurde,
zumal die Diskussion von "Schuld" mir eher überflüssig erscheint.
Ich befürchte, daß eine gründlichere Durchsicht die Liste verlängern wird,
und bin im Nachhinein für die gestrenge und akribische Redigierung meiner
eigenen Arbeit durch die Jahrbuch-Redaktion (Martin Lowsky/Ulrike
Müller-Haarmann) und das Korrekturlesen von Klaus Eggers mehr als dankbar;
denn selbst diese Mehrfachkontrolle konnte nicht jeden Fehler vermeiden...

MfG

Gabriele Wolff






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