10. März 2000:
Hallo,

ich [war] bei der Lektüre der mailing-list recht angetan, doch recht bis sehr kritische Stimmen zum Thema "Bearbeitungen" zu finden. Um es vorweg zu nehmen - ich bin absoluter Gegner der Bearbeitungen, die vor allem als solche nicht mal gekennzeichnet sind. Vor allem frage ich mich, warum überhaupt Bearbeitungen??? Nur weil ein paar Leute meinten/meinen, KM hätte seine Bücher anders schreiben sollen? Und weil sie meinten/meinen, damit dem so gern zitierten "Millionenpublikum" aus dem Herzen gesprochen, bzw. geschrieben zu haben? Hätte dieses Millionenpublikum nicht vielleicht selber entscheiden können, ob ihm KM-Bücher, wie KM sie geschrieben hat, gefällt? Wenn ich mich nicht ganz irre, wird niemand gezwungen KM zu lesen. Wenn ich manchmal so vergleichend lese (ich bin in der glücklichen Lage, fünf ganz echte KM's zu besitzen, die zu seinen Lebzeiten herausgekommen sind), finde ich meist keine zwei aufeinanderfolgenden Sätze mit identischem Wortlaut. Wirkt manchmal so, als hätte jemand abgeschrieben und damit's nicht gleich so auffällt, die Sätze umgestellt, aber auch ganze Passagen umgeschrieben und die Namen der handelnden Personen verändert. Leider hat diese Umschreiberei viele Textstellen deutlich verflacht. Als ziemlich extremes Beispiel fällt mir da spontan "Freuden und Leiden eines Vielgelesenen" ein. Schon der KMV-Titel "Old Shatterhand a.D." ist, gelinde gesagt, ziemlich blöde und es wird noch schlimmer (s. KM-Rabe, Haffmanns). Für mich auch auffallend an den Bearbeitungen ist die Tendenz zu einer "Entpazifizierung" und der Versuch, Winnetou zu einer recht abgehobenen Person zu machen. In den Originalen erscheint er mir immer viel 'normaler'.

So viel für jetzt. Fortsetzung folgt!

Howgh!

Susanne


16. März 2000:
Ich will nicht sagen, dass ich keine Symphatien für den Karl-May-Verlag hege, haben mich doch seine grünen Bände durch die ganze Kindheit begleitet, und als Sammler habe ich ihnen ihren festen Platz zugewiesen. Einen gewissen Vorbehalt bezüglich der Bearbeitungen muss ich aber anbringen. Als Schweizer ist man vielleicht etwas hellhöriger für eine gewisse Art von Bearbeitungen, die ich einfach als Deutschtümelei, die vor allem während des Dritten Reiches vorgenommen worden ist, bezeichnen muss. Die Ausmerzung sogenannter Fremdwörter ist schlechthin unverständlich. Zum Beispiel: May braucht häufig das Wort "Proviant" und bezeichnet damit richtigerweise die Lebensmittel, die man auf einer Reise mitnimmt. Wenn der Karl-May-Verlag das Wort "Proviant" durch "Lebensmittel" ersetzt, hat er meiner Meinung nach den Text verschlechtert.
Es liessen sich noch weitere sogenannte Verschlimmbesserungen aufzählen. Dafür gibt es einfach keine Entschuldigung. Es wäre nur eines nötig, diese Fehltritte rückgängig zu machen und sie zuzugeben.

Dr. E Waelti


Dazu schreib ich was!


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