8. Juni 1996:

Hemingway, Steinbeck, May ...

Kurz bevor ich nach USA geflogen bin, habe ich noch schnell Winnetou I gelesen, damit ich mich hier herueben zurechtfinde. Du weisst schon, als Greenhorn und so.

Doch ernst: Tatsache ist, dass ich als humanistisch gebildeter Mensch in acht Jahren Gymnasium mit "hochwertiger" Literatur bombadiert worden bin, zu ihrem "Genuss" zwangsvergewaltigt wurde, und in den sogenannten "Meisterwerken" wie Goethes Faust und weiss der Teufel was sonst noch einfach all das vermisse, was mich dazu bewegt, ein Buch in die Hand zu nehmen: Spannung, Abenteuer, Schmaeh, Erotik, fremde Laender, extravagante Typen, coole Helden. Kein Wunder, dass ich im Moment Ian Flemings James Bond Buecher mit unersaettlicher Gier verschlinge (mit dem Nebeneffekt, dass meinem technisch versierten Englisch ein wenig Abwechslung widerfaehrt).

Ich habe sie alle hinter mir: Frisch, Duerrenmatt, Handke, Mann, Goethe, Schiller, Boell, Doderer, Hesse, Schnitzler, Mitterer, Kafka, Grillparzer, Eichendorff, bla bla ... Alle haben tolle Buecher geschrieben. Und manche kann man auch "lesen". Doch alle sind sie so wahnsinnig "intellektuell"! Wer sich z.B. durch Thomas Manns "Der Zauberberg" durchgewaelzt hat, wird mir zustimmen, dass enorm viel gute Gedanken dahinterstecken, doch dass das Buch einfach extrem anstrengend ist. Warum das notwendig ist, ist mir ein Raetsel und ist typisch fuer deutschsprachige Literatur. Hemingway und Steinbeck sind klassische Beispiele dafuer, dass es nicht so sein muss. Und Karl May ist die nette Ausnahme unter den deutschen Autoren.

Unter meinen Freunden kenne ich eine Unzahl, die einfach nicht mehr lesen, weil es ihnen in ihrer Jugend vergaellt worden ist. Schade, denn nach Robinson Crusoe und Dem Raeuber Hotzenplotz in ihrer Kindheit haben sie wahrscheinlich nie die Erfahrung gemacht, dass es auch fuer Erwachsene "rasante" Buecher gibt, sprich "Trivialliteratur". Und damit meine ich nicht die vierzehntaegig erscheinenden Bastei-Romane, die, wenn man sie locker genug nimmt, wahrscheinlich extrem witzig sind, sondern z.B. all die Buecher der Autoren, die in meiner Web-Page aufgelistet sind.

So, jetzt habe ich meinen werten Karl May genuegend verteidigt und seine Person als wichtigen Schriftsteller des 19. Jahrhunderst gefestigt und muss mich wieder meinen Bemuehungen, ATM, SONET und Co. zu verstehen, widmen. War nett, mal eine E-Post nach Deutschland schicken zu duerfen. Apropos, toi toi dem Michael Stich, nachdem er unseren Muster im Achtelfinale rausgekeckst hat!

Immer online,
Xandl! (Alexander Huber)


(Anmerkung der Redaktion: Stich hat im Finale verloren - gegen wen, habe ich vergessen. -Frank)


3. Juni 1999:

Hemingway ist keine Tivialliteratur

H.ist keine Trivialliteratur: Lies doch mal "Inseln im Strom" und du wirst merken,dass in seinen Büchern viel mehr steckt.H.ist ein Erneuerer der Kurzgeschichte.Seine Romane ähneln sehr stark seinem Lebenslauf:es sind wahre Autobiographien.

Heinz Mayr


7. Juni 1999:

Auch Steinbeck ist keine Tivialliteratur

Auch wenn sich Steinbeck leichter als ein deutscher Klassiker liest, hat er keine Trivialliteratur geschrieben. Viele Romane wie zum Beispiel "Die Früchte des Zorns" befassen sich mit der sozialen Frage während der Krisenjahre in den USA. Immerhin hat Steinbeck den Nobelpreis für Literatur erhalten.

Auch Mays Ardistan und Dschinistan und die zwei letzten Bände des Silberlöwen sind keine leichte Kost. Da machten die Bübchen aber nicht mehr mit, wie Arno Schmidt irgendwo geschrieben hat. Es finden sich aber auch in der deutschen klassischen Literatur spannende Geschichten: Einige Erzählungen von E.T. Hoffmann oder Hauff. Bis zu einem gewissen Grad gebe ich aber zu, dass die Autoren aus dem angelsächischen Bereich besser verstehen, spannende Geschichten zu erzählen.

Böll hat einmal dazu bemerkt, dass, wenn ein Deutscher ein Stück Brot esse, das bereits zu einem philosophischen Problem werde.

Ernst Waelti


Dazu schreib ich was!!


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