‚ ... denn ich halte Karl May für einen großen Dichter – für einen der letzten deutschen Großmystiker, die wir noch haben in der Zeit der untergehenden Märchen’.

Richter in Hans-Jürgen Syberberg Film ‚Karl May’


‚Kein Schriftsteller hat je so tief abhängige Bindungen zu seinen Lesern hergestellt; keiner auch hat je so viel Liebe auf sich vereinigt wie er, dessen Werk eine einzige Recherche nach der verlorenen Liebe war. Die Massenpsychologie würde uns die Frage vielleicht gar so beantworten: Karl Mays ‚ICH’ ist das Ego-Zentrum ungezählter ‚ich’-schwacher Menschen geworden, ein Resonanzraum kollektiver Not’

Hans Wollschläger in: Karl May: Grundriß eines gebrochenen Lebens

Karl May

7. Feldkircher Literatur- und Philosophietage

7. bis 10. Juni 2000






Theater am Saumarkt

Mühletorplatz 1, 6800 Feldkirch

Tel. 0043 (0)5522 72895, Email: kulturkreis.feldkirch@vol.at

Sonntag, 4. Juni 2000, 19.00 Uhr
Film ‚Karl May. Die Seele ist ein weites Land in das wir fliehen’


Regie: Hans-Jürgen Syberberg


Mit den UFA Stars: Helmut Käutner, Kristina Söderbaum, Käte Gold, Attila Hörbiger, Willy Trenk-Trebitsch, Heinz Moog, Mady Rahl, Lil Dagover, Rudolf Prack, u.a.


Mittwoch, 7. Juni 2000, 19.30 Uhr

Eröffnung durch:

- Landesrat Dr. Hans Peter Bischof

- Kulturstadtrat Dr. Karlheinz Albrecht

- Mag. Ekkehard Muther

Ausstellung Paul Flora ‚Heldenbilder’
Vernissage

Geöffnet bis Ende Juni 2000

Mittwoch, 7. Juni 2000, 20.15 Uhr


Vortrag:

Hans Wollschläger

‚Karl May nach der Moderne’

Jeder kennt seinen Namen, fast jeder seine Bücher: Karl Mays Erfolg ist im deutschen Sprachgebiet ein einzigartiges Phänomen. Dies seit nun schon weit über hundert Jahren, in denen viel geschehen ist. Als Reise-Erzähler mit realistischem Anspruch trat er an, aber als er 1912 starb, hatte nicht nur die nüchterne Entwicklung der Wirklichkeit ihn bereits überholt und seine exotischen Erzählungen unter die Märchen abgestellt, sondern es war auch in der Geschichte des Erzählens ein Realismus erschienen, den er selber sich nie hätte träumen lassen. Die Literaturgeschichte hatte lange Zeit entsprechend nur Verachtung für ihn übrig, ‚denn wer’, schrieb Thomas Mann, ‚würde wohl so leicht darauf verfallen, dieser wunderlichen Erscheinung die Wohltaten der Erkenntnis angedeihen zu lassen?’ Sie wurden ihm sehr spät zuteil, erst nach den beiden Kriegen, die dem Jahrhundert das Attribut der Barbarei zusicherten und gegen die er ahnungsvoll beschwörend angesprochen hatte: mitten in der Moderne, in deren betonfester Selbstgewissheit er eigentlich hätte erblassen und als Inbegriff des Obsoleten verschwinden müssen, nahm die Wissenschaft sich seiner an, und er bekam eine Würdigungs- und Interpretationsliteratur, wie sie sonst nur den Klassikern gewidmet wird. Ist er ‚in aller Stille’ einer geworden? Beigetragen hat er zumindest dazu, dass die genannte Selbstgewissheit zu Fall kam: gegen die Entmachtung des Phantastischen bildete sein Märchenwerk immer ein namhaftes Hindernis. Mühelos jedenfalls übernahm ihn die Postmoderne: keine Epoche selbst, sondern ein Phänomen fast jeder Epoche, in der der scheinbare Fortschritt gleichsam erschrocken innehält und in seinem Gedächtnis forscht nach seiner Identität. In ihr scheint Karl May geradezu ‚nach Hause’ gekommen zu sein: - war sie seine nun letzte Chance? Oder ist dieser Schriftsteller, der schon eine so lange Vergangenheit hat, überhaupt unverwüstlich und auch noch der nächsten Zukunft gewachsen? Die Feldkircher Literatur- und Philosophietage gehen dieser Frage nach und stellen ihre Fragen – jene existentiellen, die er selber ‚Menschheitsfragen’ nannte – erneut seiner Person, seinen Helden, seinem Werk als Literatur.

Donnerstag, 8. Juni 2000, 20.15 Uhr


Lesung:

Hans Wollschläger

Karl May: ‚Frau Pollmer, eine psychologische Studie’

Donnerstag, 8. Juni 2000, 20.30 Uhr

Vortrag:

Gabriele Wolff

‚Das Frauenbild Karl Mays am Beispiel Frau Emma Pollmer’:

‚Ich habe nicht nur überhaupt, sondern vor allen Dingen in dieser Studie wahr zu sein ...’

In dieser Studie erzählt Karl May die Geschichte seiner Beziehung zu Emma Pollmer, seiner Ehe und Scheidung. In schonungslosester Offenheit, die auch vor sich selbst und vor seiner zweiten Frau Klara nicht halt macht, zeichnet er das Bild eines Kampfes zwischen Mann und Frau. Die Frau als Dämonin, Furie und Bestie ...

Die suggestive Verführerin, die den Mann sexuell hörig macht. Die Megäre, die das Zusammenleben zu einer Ehehölle werden lässt.

Dieses Stück Prosa, das einen beträchtlichen Sog entwickelt – Wollschläger attestiert dem Werk in manchen Passagen ‚Strindberg’schen Rang’ -, soll von Karl May stammen?

Freitag, 9. Juni 2000, 20.15 Uhr

Vortrag

Konrad Paul Liessmann

‚Lieber Leser, weißt Du, was das Wort Greenhorn bedeutet?’

Karl May und die Urszenen der Literatur

Die Attraktivität der Lektüre Karl Mays bestand über Jahrzehnte darin, dass der jugendliche Leser damit literarische Grunderfahrungen machen konnte. An Karl May erfuhr man überhaupt erst einmal, was es bedeutet, ein Leser zu sein und sich mit einer poetischen Figur zu identifizieren, mit ihm wurde das Bewusstsein mitunter schmerzhaft geschärft für die Frage nach der Differenz von Realität und Fiktion, und er klärte prinzipiell auf über das Wesen literarischer Gattungen: Ich-Erzählung, Reiseerzählung, Kolportageroman und philosophisch-theologischer Traktat.

SCHATTENBURG, Rittersaal


Samstag, 10. Juni 2000, 19.00 Uhr

Kleines Abschlussbuffet

Samstag, 10. Juni 2000, 19.30 Uhr

Vokalensemble Ad hoc

- Karl May: Ave Maria

- Karl May: Nun gehst du hin in Frieden

- Wunibald Briem (Feldkirch, 1841 – 1912): Ave Maria

Ausführende:

Miriam Feuersinger, Meike Vogel, Sopran

Barbara Biesenberger, Barbara Camenzind, Alt

Peter Caval, Christian Wagesreiter, Tenor

Martin Pfefferkorn, Michael Schwendinger, Bass

Leitung und Einführung zur Musik Karl Mays:

Ingrun Fußenegger


Samstag, 10. Juni 2000, 20.15 Uhr

Abschlussdiskussion:

‚Die Konstruktion des Helden’

Moderation: Dr. Peter Huemer

TeilnehmerInnen: Hans Wollschläger, Gabriele Wolff, Konrad Paul Liessmann, Hans-Jürgen Syberberg, Claudia Werlhof

Dr. Hans Wollschläger


Lebt als Privatgelehrter in Königsberg, Franken. Als Erzähler, Essayist, Kritiker und Übersetzer (u.a. ‚Ulysses’ von James Joyce) international geschätzt. Mitherausgeber der historisch-kritischen Karl May-Ausgabe. Werke u.a. ‚Karl May. Grundriss eines gebrochenen Lebens’, ‚Die bewaffneten Wallfahrten’, ‚Tiere sehen dich an’, ‚Herzgewächse oder der Fall Adam’, Herausgeber / Friedrich Rückert ‚Sämtliche Werke’.


Paul Flora

Geboren in Glurns, Südtirol. Lebt in Innsbruck. Zeichner und Karikaturist.

‚Der Zeichner ist mit dem Schriftsteller viel enger verwandt als mit dem Maler. Der Zeichner und der Schriftsteller, diese Zwillinge, sind Erzähler. Flora ist ein Bilderschriftsteller. Er ist ein Literat’.

Erich Kästner

Dr. Gabriele Wolff

Krimiautorin und Staatsanwältin in Neuruppin. Mitglied der Karl May-Gesellschaft.

Veröffentlichungen: ‚Kölscher Kaviar’, ‚Himmel u. Erde’, ‚Armer Ritter’, ‚Der falsche Mann’, 2000; u.a.

Veröffentlichungen zu Karl May: ‚Unter Spiritisten, Eine May-Persiflage’, Aufsatz in: Mitteilungen der Karl May-Gesellschaft, Nr. 24; Leseerlebnis Karl May, Aufsätze in: Mitteilungen der Karl May-Gesellschaft 25 u. 26; u.a.

Dr. Konrad Paul Liessmann

Univ.Prof. am Institut für Philosophie der Universität Wien, Essayist und Kritiker. Zahlreiche wissenschaftliche und essayistische Veröffentlichungen zu Fragen der Ästhetik, Kunst und Kulturphilosophie, Gesellschafts- und Medientheorie, Technikphilosophie, Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts. Veröffentlichungen u.a. ‚Ohne Mitleid’, ‚Karl Marx 1818 bis 1989’, ‚Der gute Mensch von Österreich’, ‚Der Aufgang des Abendlandes’, ‚Vorlesungen zur Einführung in die Philosophie’, ‚Philosophie der moderner Kunst’.

Ingrun Fußenegger

Musikstudien an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (Kirchenmusik, Orgel, Orchesterdirigieren), Auslandsstudien, Gastprofessorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, Domkapellmeisterin in Feldkirch.

Dr. Peter Huemer

Seit 1974 Mitarbeiter des ORF, war bis 1987 Leiter des ‚Club 2’, ist heute Leiter der Reihe ‚Gespräche und Diskussionen’, zahlreiche Veröffentlichungen.

Hans-Jürgen Syberberg

Geboren in Mecklenburg-Vorpommern. Lebt in München. Autor und Regisseur des Karl May-Filmes.

Dr. Claudia Werlhof

Professorin für Frauenforschung am Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck. Initiatorin der ‚Alpenweiberbewegung’. Publizistin.

Karl May

25.2.1842 Hohenstein-Ernstthal / Sachsen

      1. Radebeul bei Dresden

Sohn eines armen Webers, bis zum 5. Lebensjahr blind, vermutlich wegen mangelnder Ernährung. Aus seiner Tätigkeit als Volksschullehrer wurde er wegen Diebstahls entlassen. Weitere Eigentumsdelikte und Betrügereien brachten ihn zusammen 7 ½ Jahre ins Gefängnis. Er begann Humoresken und Kolportageromane zu schreiben, später folgten seine berühmten Abenteuerromane, die ihn zu einem der erfolgreichsten deutschen Erzähler machten. Ohne eigene Kenntnis schilderte er lebendig exotische Schauplätze wie den ‚Wilden Westen’ und den Vorderen Orient.

Karten & Informationen:

Theater am Saumarkt, Mühletorplatz 1, 6800 Feldkirch,

Tel. 0043 (0)5522 72895, Email: kulturkreis.feldkirch@vol.at

Unterstützt von:

Stadt, Land, BKA

Sparkasse Feldkirch, Raiffeisenbank Feldkirch, Buchhandlung Pröll

Dank an Frau Karin Achammer und Herrn Paul Flora


Pinnwand

Titelseite KMG