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Hans-Dieter Steinmetz, Dresden

Auf Karl Mays Spuren

Ein Rundgang in Hohenstein-Ernstthal



Auf Initiative des Kulturamtes der Stadtverwaltung Hohenstein-Ernstthal sind im Jahr 1992 einheitlich gestaltete Hinweistafeln an jenen Gebäuden angebracht worden, die entweder einen Bezug zu Ereignissen in Karl Mays Leben haben oder in anderem Zusammenhang an den Schriftsteller erinnern. Was jedoch von May-Freunden, die auf Karl Mays Spuren wandeln, vermißt wird, ist ein Vorschlag für einen Rundgang durch die Stadt, bei dem die wichtigsten Gedenkstätten am Weg liegen. Mit diesem Beitrag soll der Versuch unternommen werden, diese Lücke zu schließen, insbesondere auch im Hinblick auf jene Teilnehmer des 15. Kongresses der Karl-May-Gesellschaft, die im September 1999 in die Karl-May-Geburtsstadt kommen und die May-Stätten individuell kennenlernen wollen.

Nicht mit einbezogen wird der stimmungsvolle Besuch der romantisch gelegenen Karl-May-Höhle im Oberwald, die Ziel einer gesonderten Wanderung sein sollte. Als Orientierungshilfe kann dazu die Wanderkarte "Auf den Spuren Karl May's" (Ausgabe 1992) dienen. Als vorzügliche Ergänzung zu dem an dieser Stelle beigegebenen Übersichtsplan mit der Wegstrecke empfiehlt sich der Luftbild-Stadtplan von Hohenstein-Ernstthal (Aerocart Consult, Delitzsch, Ausgabe 1998). Ausführliche Informationen zu den May-Stätten in Hohenstein-Ernstthal erhält man aus dem Führer von Wolfgang Hallmann und Christian Heermann "Reisen zu Karl May" (Zwickau 1992, S. 75-122), der ebenfalls im Karl-May-Haus erworben werden kann.

Ausgangspunkt: Bahnhof Hohenstein-Ernstthal

Wegstrecke:

Bahnhof - Rote Mühle: Am Bahnhof - Bahnunterquerung - linker Hand Textil- und Heimatmuseum - Schützenstraße, bis Ende (links Schützenhaus) - Zufahrtsweg zwische Firma Ammon & Lichtenstein (bergab) zur Roten Mühle (etwa 10 Min.)

Rote Mühle - Karl-May-Haus: zurück zur Schützenstraße - Logenstraße, rechter Hand Sportplatz - Lungwitzer Straße (bergan) bis Einmündung Karl-May-Straße - Karl-May-Straße - Karl-May-Haus (etwa 10 Min.)

Karl-May-Haus - Ernstthaler Schützenhaus: Karl-May-Straße - Marktstraße - Neumarkt (Westseite - Nordseite - Ostseite - Südseite) - Pölitzstraße bis Ende - Schützenhaus (etwa 15 Min.)

Ernstthaler Schützenhaus - Kirche St. Christophori: Pölitzstraße zurück bis Einmündung Hohe Straße - Hohe Straße, der Fuchsgrund rechter Hand, bis Kreuzung Kroatenweg - Hohe Straße über Kreuzung Neue Straße und Einmündung Bergstraße hinaus bis Ende - Dresdner Straße bis Nr. 57 - Abstecher zur Kegelbahn an der Karlstraße über das Meißnergäßchen (bergan) - Dresdner Straße bis Einmündung Schulstraße (Abstecher zur Buchhandlung) - Dresdner Straße - Altmarkt (Südseite - Westseite) - Abstecher in die Lichtensteiner Straße - Altmarkt (Nordseite) - Kirche St. Christophori (etwa 55 Min.)

Kirche St. Christophori - Bahnhof: Hinrich-Wichern-Straße - Poetengäßchen (bergab) - Paul-


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Greifzu-Straße (bergab) - Schillerstraße bis Kreuzung Conrad-Clauß-Straße - Schillerstraße bis Am Bahnhof - Bahnhof (etwa 20 Min.)

Hinweis: Die Zeitangaben beziehen sich nur auf die Wegstrecke ohne Aufenthalte.

(1) Bahnhof Hohenstein-Ernstthal. Als Kind war Karl May in den Jahren 1855-58 Augenzeuge des Baues der Bahnstrecke Chemnitz - Zwickau. Das Bahnhofsgebäude, in dem sich 1860-87 das Postamt befand, betrat er mit seinen Manuskriptsendungen öfters, hier begannen und endeten auch seine Bahnreisen.

(2) Rote Mühle. In seiner Kindheit bettelte Karl May hier um "einige Handvoll Beutelstaub und Spelzenabfall", sicherlich war die Umgebung auch ein gern besuchter Tummelplatz der Ernstthaler Kinder. In den 70er Jahren gehörte die Müllerstochter zu Mays engerem Freundeskreis.

(3) Karl-May-Stein (Ecke Karl-May-Straße / Lungwitzer Str.). Einweihung 1942 im Fuchsgrund anläßlich von Mays 100. Geburtstag als Mittelpunkt eines geplanten Karl-May-Parkes, der jedoch nicht realisiert worden ist. 1985 Sicherstellung des Gedenksteines und Aufstellung 1989 nach erfolgter Restaurierung an seinem heutigen Standort. Die Großflächen-Werbung für das Karl-May-Haus an der benachbarten Giebelwand ist 1998 gestaltet worden.

(4) Gerichtsamt Hohenstein-Ernstthal (Lungwitzer Str. 39). In dem zuvor ab 1836 als Webermeisterhaus genutzten Gebäude wirkte der Schüler May bei einer Theateraufführung mit. Nach seiner Verhaftung (2.7.1869) ist May hier für wenige Stunden bis zum Weitertransport nach Mittweida festgesetzt worden. Im Gerichtsgefängnis verbüßte er im September 1879 seine letzte Haftstrafe.

(5) Vereinslokal des Gesangvereins "Lyra" (Karl-May-Str. 38). Karl May textete und komponierte für den Chor, den er nach eigenen Angaben 1863/64 geleitet haben will.


Ernstthaler Markt (um 1860). Von rechts: Pfarrhaus, Kantorat, Selbmann-Haus, Gasthaus "Stadt Glauchau", Knobloch-Haus. Links: Kirche St. Trinitatis.


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(6) Karl-May-Haus (Karl-May-Str. 54). Hier wurde Karl May am 25.2.1842 geboren, das Haus erlebte er nur als blindes Kind. Mays Mutter verkaufte das aus einer Erbschaft stammende Haus im Jahr 1845. Seit 1985 beherbergt es ein Memorial-Literaturmuseum, das sich nicht nur als eine museale Einrichtung, sondern auch als Forschungsstätte versteht.

(7) Standort Altes Webermeisterhaus (Marktstraße 1). Ab 1837 wurde es als Schulgebäude genutzt, in dem Karl May die ersten Schuljahre besuchte. In dem nach dem Brand von 1898 (er vernichtete auch die Häuser Neumarkt 15-18, Neubebauung um 1900) errichteten Wohnhaus wohnte 1919-45 eine Schwester Mays, die Hebamme Karoline Wilhelmine Selbmann.

(8) Standort Haus des Webermeisters Carl August Knobloch (Neumarkt 16). Hier wohnte die Familie May ab 1845 auf unbestimmte Zeit zur Miete, nachdem das Haus in der Niedergasse verkauft worden war.

(9) Standort Gasthaus "Stadt Glauchau" (Neumarkt 17). In der Notzeit erbat sich die Familie May vom Wirt "des Mittags die Kartoffelschalen aus, um die wenigen Brocken (...) zu einer Hungersuppe zu verwenden."

(10) Standort Haus des Webermeisters Carl Heinrich Selbmann (Neumarkt 18), ein Schwager Karl Mays. Die Familie May lebte hier spätestens ab Anfang der sechziger Jahre. Bei seinen Eltern wohnte Karl May mit Unterbrechungen (Tätigkeit in Dresden und Wohnung im Pollmer-Haus) bis zu seiner Heirat (1880), hier starben später die Eltern des Schriftstellers.

(11) Kantorat (Neumarkt 19). Als Knabe kam Karl May fast täglich in dieses Haus, da ihn Kantor Samuel Friedrich Strauch in seiner Wohnung im ersten Stock in Harmonielehre und Klavierspiel unterrichte, auch besuchte May hier im Erdgeschoß einige Zeit einen weiteren Unterrichtsraum der Ernstthaler Schule.

(12) Pfarrhaus (Neumarkt 20). Durch Pfarrer Karl Hermann Schmidts Befürwortung von Mays Gnadengesuch an das Kultusministerium (1860) erhielt der Seminarist die Genehmigung, seine unterbrochene Ausbildung in Plauen erfolgreich fortzusetzen; auch bei anderen Gelegenheiten unterstützte der Seelsorger den Nachbarjungen.

(13) Kirche St. Trinitatis (Neumarkt). In dem Gotteshaus wurde Karl May 1842 getauft und im Jahr 1856 konfirmiert. Auf den Eingangsstufen hat er, folgt man seiner Selbstbiographie, als Schuljunge gesessen und den anderen Kindern Geschichten erzählt. In der Kirche war er Kurrendesänger und wurde vom Kantor Strauch im Orgelspiel unterrichtet. An der Südseite steht seit 1992 das Denkmal mit der Karl-May-Büste von Wilfried Fitzenreiter.

(14) Haus des Kaufmanns Friedrich Wilhelm Layritz (Neumarkt 2), der in die Humoreske "Im Wollteufel" (1876) als "reicher Layritz" einging und von May in seiner Selbstbiographie als Geizhals charakterisiert wurde; die Familie May gehörte mit Sicherheit zu seinem Kundenkreis.

(15) Standort Ernstthaler Rathaus (Neumarkt 9). In dem 1886 abgerissenen Gebäude befanden sich neben den Verwaltungsräumen auch das "Gasthaus zur Tanne". Nach seiner Entlassung aus Waldheim mußte sich May wegen der Polizeiaufsicht regelmäßig beim Ortswachtmeister melden, hier wurde 1880 die Ehe mit Emma Pollmer vom Bürgermeister und Standesbeamten Lorenz geschlossen.

(16) Haus des Schmiedemeisters Christian Friedrich Weißpflog (Mittelstraße 1). Bis zum Neubau des Rathauses bestand zwischen beiden Häusern eine Toreinfahrt, die zur Schmiede führte. Bei seinem Taufpaten, der ihm 1880 als Trauzeuge zur Verfügung stand, hielt sich Karl May in der Kindheit oft auf. Spätere Besuche galten sowohl dem Schmied als auch seiner Schwester Auguste Wilhelmine Hoppe die hier etwa von 1869 bis 1873 wohnte.

(17) Haus des Schmiedemeisters Carl August Gräßler (Neumarkt 11). Seine Schwester Auguste Gräßler, ein in Raschau gebürtiges und in Schwarzenberg angestelltes Dienstmädchen, lernte May nach seiner Entlassung aus dem Arbeitshaus Zwickau kennen. Sie wurde seine Geliebte und gewährte ihm, als ihn die Polizei bereits steckbrieflich suchte, im Frühjahr 1869 Unterschlupf.


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(18) Altes Ernstthaler Schützenhaus (Pölitzstraße 87). In dem 1861 errichteten Schützenhaus-Saal (1884 abgebrannt) trat Karl May im Januar 1863 während einer "musikalisch-deklamatorischen Abendunterhaltung" mit einem Terzett auf.

(19) Standort des Hauses der "Märchengroßmutter" (Bergstraße / westwärtige Ecke Hohe Straße). Nach Mays Beschreibung muß seine Großmutter Johanne Christiane Kretzschmar, die ihm die Welt der Märchen erschloß, am oberen Ende des Leichenweges (Bergstraße) gewohnt haben: "Die Armut erlaubte ihr nur das billigste Wohnen. Das Fenster ihrer Stube zeigte nur den Gottesacker, weiter nichts."

(20) Schankwirtschaft Engelhardt (Dresdner Str. 57), später Gasthaus "Stadt Dresden". In der angeschlossenen umfangreichen Leihbibliothek bekam der zwölfjährige Karl May kostenlosen Zugriff auf die zeitgenössische Trivialliteratur, während er gegen ein geringes Entgelt in der nach Norden das Grundstück begrenzenden

(21) Kegelbahn (an der Karlstraße) als Kegelaufsetzer aushalf. Anfang Juli 1869 wurde der mit Steckbrief gesuchte May in diesem Kegelschub entdeckt und durch einen herbeigerufenen Gendarm verhaftet.

(22) Buchhandlung Zimmermann (Schulstraße 8). In der Buchhhandlung von Gustav Adolph Zimmermann (seit 1882 in diesem Gebäude) erwarb Karl May bis zum Frühjahr 1883 Quellenwerke für seine Reiseerzählungen.

(23) Gasthaus "Zu den drei Schwanen" (Altmarkt 19), heutiger Bau aus dem Jahr 1882. Auf eine Anzeige seines Stubengenossen in Altchemnitz, Karl May hätte ihm die Taschenuhr gestohlen, wurde der Lehrer zu Weihnachten 1861 im Gasthaus beim Billardspiel verhaftet. Im März 1863 trat May bei einer "musikalisch-deklamatorischen Abendunterhaltung" als Rezitator auf. Hier wohnte Karl May, als er an der Hauptverhandlung (9.8.1910) seiner Privatklage gegen den Gartenarbeiter Krügel am hiesigen Kgl. Amtsgericht aufhielt.

(24) Rathaus (Altmarkt). Nach seiner Verhaftung zu Weihnachten 1861 wurde May in der im Gebäude untergebrachten Gendarmeriestation verhört. Im März 1863 beteiligte er sich im Ratssaal an einer weiteren "musikalisch-deklamatorischen Abendunterhaltung".


Westseite des Hohensteiner Marktes (um 1875). Links dominierend das Pollmer-Haus, rechts Kirche St. Christophori.


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(25) Wohnung des Barbiers Christian Gotthilf Pollmer (Altmarkt 33). Zwischen 1876 und 1880 lebte Karl May zeitweise mit in der Wohnung des Großvaters seiner späteren Frau Emma.

(26) Wohnung der Schwester Christiane Wilhelmine Schöne (Lichtensteiner Straße 9). Hier lernte Karl May im Sommer 1876 seine spätere Frau Emma Pollmer kennen.

(27 Wohnung Karl Mays 1880-83 (Altmarkt 2 I). Hier schuf Karl May wesentliche Teile des Orientzyklus sowie den Beginn des Lieferungsromans "Das Waldröschen".

(28) Kirche St. Christophori (Hinrich-Wichern-Straße). Hier wurden am 12. September 1880 Karl May und Emma Pollmer getraut.

(29) Wohnung von Hans Zesewitz (Schillerstraße 12). Der verdienstvolle Lehrer, Stadtbibliothekar und Begründer der biographischen May-Forschung - er ermittelte das Geburtshaus und initiierte die Ehrungen des Schriftstellers im Jahr 1929 - lebte hier bis zu seinem Tod im Jahr 1976.

(30) Kgl. Amtsgericht (Conrad-Clauß-Straße 22). In dem 1905 errichteten Gebäude fand am 9.8.1910 die Hauptverhandlung der Privatklage Mays gegen den Gartenarbeiter Krügel wegen Beleidigung statt, die mit einem Vergleich endete. Mitte Dezember 1910 schloß der Schriftsteller einen außergerichtlichen Vergleich mit dem Verleger des "Hohenstein-Ernstthaler Tageblattes", Dr. Frisch, und zog daraufhin persönlich im Amtsgericht seine Privatklage zurück.


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Karl-May-Haus Hohenstein-Ernstthal